Die Tridentinische Messe und „diese unverschämten Tradis“


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Als Auflockerung in der recht schwierigen Gnosis-Reihe ein Beitrag, welcher unseren Messalltag betrifft. Sicherlich können sich viele Leser damit identifizieren und somit uns etwas hierzu schreiben.

Im heutigen (2 Mai 2017, am Tag des hl. Athanasius) Blog onepeterfive findet sich ein bemerkenswerter Artikel, welchen der Schreiber dieser Zeilen selbstkritisch auf sich selbst beziehen kann. Auf onepeterfive rezensiert Brian Williams einen Aufsatz, den er in Unam Sanctam et Catholicam gelesen hatte. Auf Unam Sanctam  wiederum wird von zwei anonymen US-Amerikanischen Priestern behauptet, von denen der erste die Tridentinische Messe halb-regulär (semi-regular) opfert, der andere aber es regelmäßig tut, dass die Traditionalisten, diejenigen Katholiken also, die zu diesen Messen fahren, dermaßen: rude – „unverschämt“ und obnoxious – „unausstehlich“ sind, dass der „halb-reguläre“ Priester aufgrund dieser schrecklichen Gemeindemitglieder die öffentliche Messe in Vetus Ordo aufgegeben hatte (er zelebriert weiterhin privat), der andere hingegen denkt daran es hinzuschmeißen. Wie lauten die Vorwürfe dieser Priester an die Tradis:

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Bischofsperlen: Bischof Oster „Priester müssen abgeben lernen“


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Hier kommt eine Bischofsperle der Kategorie Light, welche auf den ersten Blick nicht in unsere Kategorie hineinzugehören scheint. Sie stammt vom Bischof Oster von Passau, dem jungen nicht Wilden, sondern natürlich Konservativen. Interessanterweise haben alle Neu-Bischöfe in Deutschland den Ruf konservativ zu sein, dann aber treten sie entweder als nichtsagende Pauschalurteile-Verbreiter oder als Befürworter der Homo-Ehe oder ähnlichen modernen „Errungenschaften“ auf, welche nichts mit Christentum, Katholizismus oder Konservatismus zu tun haben. Die Bischofsernennung scheint daher zu resultieren, dass man (1) sich jahrelang als „Konservativer“ verstellt hat oder (2) aufgrund der eigentlichen unkatholischen Ansichten durch seine „Freunde“ in der Bischofskongregation hochgepusht wird. Der emeritierte Bischof Jan Paweł Lenga aus Kasachstan erzählt ein wenig, wie die Bischofernennungen vor sich gehen.[1] Bischof Oster ist vielleicht nicht die schlechteste Wahl, aber die Anpassung an den Zeitgeist macht auch nicht vor ihm Halt oder sagen wir es richtig, er passt sich an, um nicht aufzufallen. Wie wieder unsere Hauptquelle der Bischofsperlen, d.h. kath.net berichtet,[2] meint Bischof Oster von Passau, dass die Priester

nicht alles bei sich halten, sondern auch etwas abgeben können.

Nun, ja das ist natürlich schön und die Wiederholung der nachkonziliaren Aussagen, wonach

die Gemeinde der Zukunft wird Gemeinschaft von Gemeinschaften sein soll

und die Priester «noch mehr fähig sein, Gruppen zu animieren, zu begleiten, aber auch selbstständig ihren Weg gehen zu lassen» müssten.

Alls das ist wirklich alles andere als originell oder neu.

Ebenso der Ausspruch:

Sie [die Priester] müssten befähigt werden, «Menschen wachsen zu lassen in der Teilhabe am gemeinsamen Priestertum des Volkes Gottes».

ist althergebrachtes nachkonziliares und evident nicht funktionierendes Gerede. Es stellt sich aber allen die Frage: Was die Priester eigentlich noch mehr abgeben sollen, da sie aber wirklich, außer den Wandlungsworten selbst und selbst die werden in manchen Gemeinden „miteinander“ gesprochen, abgegeben haben.

  • Die Priester führen keinen Katechismusunterricht, weil es erstens veraltet ist und zweitens es „Religionsunterricht“ in der Schule gibt.
  • Die Priester führen keine Sakramentenkatechese, weil es dafür PastoralassitenInnen, Firmhelfer, Tischmütter etc. gibt.
  • Die Priester verteilen natürlich so gut es geht bei den Novus Ordo Messen wirklich alle liturgischen Funktionen.
  • Die Priester leiten keine Gemeindegruppen, weil es dafür auch Laien gibt.
  • Die Priester hören so gut wie keine Beichte, weil es keine Beichtwilligen gibt.
  • Die Priester leiten keine Mai- oder Rosenkranzandachten, weil die aufgrund der fehlenden Helfer ausfallen.
  • Die Priester führen kein Gebetsleben, weil sie dafür keine Zeit haben.

Was machen Sie eigentlich? Eine gute Frage. Beobachtet man den hoch angesehenen Pfarrer des Schreibers dieser Zeilen, so betreiben sie:

  • religiöse Touristik, d.h. mit der XY-Gruppe von A nach B fahren,
  • Vermietung von kirchlichen Räumen für verschiedene Zwecke,
  • stundenlanges Herumsitzen in verschiedenen Gremien.

Diese Tätigkeiten scheinen sehr erschöpfend zu sein, wonach man sich wieder durch neue Reisen erholen muss. Was hat das mit katholischem Priestertum zu tun? Gar nichts. Der Schreiber dieser Zeilen hat wirklich sehr wenige Priester in seinem Leben getroffen, welche tatsächlich über eine priesterliche Identität verfügten im Sinne „ich wirke an Christi statt“. In Deutschland ausschließlich innerhalb der Piusbruderschaft, in der Amtskirche niemals.

Wer ist ein Priester? Er ist jemand, der Christus seinen Leib zur Verfügung stellt, damit es Christus ist, der durch ihn:

  • weiht,
  • segnet,
  • wandelt
  • die Sünden losspricht
  • liest
  • verkündet etc.

Der Alte Ritus macht es liturgisch sehr deutlich, da im Vetus Ordo in der Hl. Messe die Epistel ab Sudiakonatsweihe, also der ersten Weihestufe aufwärts, gelesen werden kann. Alle Tätigkeiten am Altar sind eigentlich priesterliche Tätigkeiten und sogar die Ministranten brauchten historisch gesehen wenigstens die Niederen Weihen, um ministrieren zu dürfen. Aufgrund der Keuschheitsverpflichtung der Gottesdiener wurden beim Ministrieren junge Knaben bevorzugt, da sie noch rein sein konnten. Das Heilige durften nur Geweihte handhaben. Um überhaupt leere heilige Gefäße bei der Messe oder in der Sakristei anzufassen, brauchte man wenigstens die Weihe des Akolythen. Ein Sakristan, der diese nicht hatte, brauchte eine Sondererlaubnis des Bischofs, wie eindrucksvoll Martin Mosebach berichtet. Warum? Damit man das Heilige durch die nicht geweihten Hände nicht entheiligt und durch die eigene Sündhaftigkeit auch nicht. Sakramententheologisch und auch gnadentheologisch macht es einen Unterschied aus, ob ein Priester etwas tut oder ein Laie. Und deswegen haben die „Reformer“ den Laien das Presbyterium überlassen, damit es entheiligt wird und die Messe als solche weniger Gnade verströmt. Wer ist denn ein Priester? Eine Fensterscheibe, durch welche Gott durchscheint. Ein Ventilator, der die Luft umsetzt. Je reiner, desto besser. Kann ein Laie es nicht besser machen? Nein, weil ein Laie nicht geweiht ist und diese ontische, sakramentale Christusförmigkeit besitzt, um wirklich in persona Christi – wörtl. „in der Person Christi“ oder an Christi statt zu handeln. Persönliche Heiligkeit ist doch etwas anderes als ein Sakrament. Sowohl die Würde eines Priesters ist höher, als auch die Strafen, die auf ihn warten, wenn er ihr nicht gerecht wird. Zwei Seiten der Medaille eben. Deswegen werden in der Alten Liturgie die Hände des Bischofs oder des Abtes geküsst, weil Christus in der Liturgie durch diese Hände handelt. Wahrscheinlich erfordert es ebenso viel Demut zu küssen als auch diese Küsse anzunehmen.

Durch die sogenannte „Aufwertung des allgemeinen Priestertums“ gibt es keine Priesterberufungen mehr, denn wenn jeder das kann, dann ist es, psychologisch gesehen, nichts wert. Natürlich sehnen sich Menschen weiterhin nach Unterweisung und geistlicher Leitung und da sie diese nicht bei den Priestern finden, da diese „alles abgegeben haben“, so landen sie letztendlich bei einem esoterischen Guru, der endlich die Antworten hat, aber halt die falschen. Die katholischen Priester in Deutschland wissen es gar nicht, was wir hier schreiben. Bischof Oster weiß es auch nicht, sonst würde er so etwas nicht von sich geben. Die Seminare stehen leer, die Gemeinden werden zusammengelegt, immer weniger Menschen gehen zur Novus Ordo Messe, denn ein bisschen schunkeln im „Miteinander-Takt“ kann man auch im Fußballstadion und alles verödet. Es ist hier wichtig die Ursache nicht mit der Wirkung zu vertauschen. Denn zuerst erfolgte die Laizisierung der Liturgie und danach der Ausfall der Priesterberufungen. Nicht umgekehrt. Jetzt sagen natürlich die Fortschrittlichen, dass aufgrund des Priestermangels noch mehr priesterliche Aufgaben an die Laien verteilt werden sollte, siehe Bischof Oster, aber das ist gerade der falsche Weg. Dies führt zu noch weniger „Priester im Priester“ und zu noch weniger Berufungen. Die Kirche muss tatsächlich attraktiver gemacht werden, aber doch dadurch, dass sie geistlicher wird. Vetus Ordo eben. Die Kernkompetenz des Geistlichen ist das Geistliche. Wenn er dies nicht hat, so hat er gar nichts. Wenn nicht einmal die Bischöfe in Deutschland katholische Sicht der Priestertums haben, was sollen wir denn erwarten? Also beten wir am 25.12.2015 für unsere Bischofskonferenzen, sonst kommen wir alle nicht auf den grünen Zweig.

[1] https://gloria.tv/media/n589FYNV2qr

[2] http://www.kath.net/news/53341

„Kommt ihr Töchter, helft mir klagen“. Wo sind die Früchte des Konzils? (2) Weniger Priester.


Preaching of the Antichrist

II. Weniger Priester und weniger Priesterberufungen

Einige der nachfolgenden Angaben durften dem deutschsprachigen Leser, besonders wenn er der Piusbruderschaft nahe steht, bekannt sein. Wir hoffen dennoch ein paar noch unbekannte Daten anzufügen oder eine Zusammenstellung darzulegen, die in dieser Art und Weise neu ist. Indem wir uns:

  • auf die offiziellen statistischen Angaben der katholischen Kirche, die sie durch die Agentur Fides präsentiert werden,[1]
  • auf glaubwürdige Veröffentlichungen,
  • auf die Angaben verschiedener Nachrichtenagenturen und Nachrichtenportale,
  • und auf eigene Angaben stützen,

so können wir zweifelsohne behaupten, dass gleich nach dem Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils, also nach dem Jahr 1965, ein drastischer und dramatischer Rückgang der Priesterberufungen eintrat, welche zu der Abnahme der Priesterweihen innerhalb der ganzen Kirche führten. Ebenfalls kurz nach dem Konzil trat eine vermehrte Aufgabe des Priesteramtes ein, welche wenigstens bis 1978 andauerte, als Johannes Paul der Zweite (1978-2005) dieses administrativ unterband, indem er keine Dispense mehr erteilte. Zwar dauerte das Verlassen des Priesterstandes auch nach dem Jahre 1978 fort, doch diese wurde, weil mit keinem offiziellen Dispens verbunden, nicht in den offiziellen Statistiken vermerkt. Sicherlich gibt es irgendwelche statistischen Untersuchungen zu diesem Thema und sicherlich wurde dies schon berechnet und publiziert. Der Schreiber dieser Zeilen ist kein Soziologe und er hat auch nicht die Absicht alles selbst zu tun. Dennoch beweisen auch diejenigen Angaben, die uns zur Verfügung stehen, die traurige These, dass das letzte Konzil einen Kataklismus für die Anzahl der katholischen Priester darstellte und zwar einen Kataklismus, von welchem sich die Kirche bis heute, also nach 50 Jahren, global gesehen nicht mehr erholte. Die vorangestellten Zeilen stellen zwar das Gemeingut aller deutschsprachigen Traditionalisten dar, von der amtskirchlichen Seite werden Sie zumeist vehement bestritten und in anderen Ländern sind sie tatsächlich recht unbekannt. Von der Qualität des gegenwärtigen Priestertums werden wir an einer anderen Stelle schreiben, im vorliegenden Abschnitt wollen wir uns auf die Quantität konzentrieren.

Wie man den zwei offiziellen vatikanischen Statistiken Tabularum statisticarum collectio aus dem Jahre 1969[2] oder Annuarium statisticum Ecclesiae [3] z aus dem Jahre 1976 entnehmen kann, zählte die Kirche im Jahre 1969 413.000 Priester, die Ordenspriester mit eingerechnet, im Jahre 1976 jedoch zählte sie nur 334.000 Priester.[4] Dies stellt eine Abnahme um 17 % innerhalb nur sieben Jahre dar (1969-1976). Graphisch sieht es wie folgt aus:

DispenseAngeblich sollen nach dem Zweiten vatikanischen Konzil mehr Menschen ihre Priester- und Ordensberufung aufgegeben haben als nach der Reformation. Diese Annahme ist wahrscheinlich, aber wir verfügen über keine Fakten, um sie zu untermauern.

Wie Roberto de Mattei und Romano Amerio überzeugend darlegen hatte die liberale Politik Pauls VI. bei der Dispenserteilung und der Laizisierung auf Wunsch dazu beigetragen, dass recht viele Priester ihr Amt aufgaben.[5] Während man also in den Jahren 1939-1963 insgesamt 563 Dispense, der sog. Zölibatsdispense, die eine kirchliche Heirat der Priester ermöglichten, erteilte, was innerhalb der 24 Jahre 23,5 Dispense pro Jahr ausmacht, so erteilte man innerhalb der Jahre 1963-1970 3335 Dispense, was die Anzahl von 476,5 Dispense innerhalb von sieben Jahren ergibt.[6] Dies bedeutet einen Zuwachs um das 20-fache, genau genommen um 2027,7%. Zur Ehre des polnischen Papstes gereicht es, dass mit dem Beginn seines Pontifikats im 1978 diese Dispenserteilung fast völlig unterbunden wurde. [7] grafisch stellt sich dieser Sachverhalt wie folgt dar:

Entbindung vom ZölibatDa nicht jeder Priester, der sein Amt aufgab um einen Dispens nachsuchte, so ist davon auszugehen, dass der Rückgang der gesamten Priesterzahl in den Jahren 1962-1978 noch viel größer war. Wir verfügen aber über keine Statistiken für diesen Zeitraum, welche die gesamte Kirche betreffen würden, sondern nur über verschiedene Statistiken aus Deutschland, [8] Holland[9] und Frankreich,[10] welche andere Aspekte der Priesterkrise darstellen. Die Anzahl der Priesterweihen in Deutschland[11] in den Jahren 1962-2010 sieht wie folgt aus:

Weihen DeutschlandDer Aufstieg und Fall der Priesterberufungen in den Niederlanden in der Zeit 1850-2000[12] sieht hingegen folgendermaßen aus:

Holland Weihen AufgabenDa die holländische Statistik, die einzige ist, die einen so langen Zeitraum umfasst, deswegen verdient sie besonders berücksichtigt werden. Die man hier erkennen kann, brechen die Weihen der Diözesangeistlichen (blaue Linie), der Ordensgeistlichen (rosa Linie) und aller Geistlichen (dunkelgrüne Linie) nach ungefähr 1962 ein und werden durch eine immense Aufgabe des Priesteramtes (gestrichelte Linien) abgelöst. Wie man außerdem ersehen kann begann die Aufgabe des Priesteramtes im großen Rahmen nach 1965, wobei vor 1970 es in Holland mehr Niederlegung des Amtes gab als neue Priesterweihen. Da wir keine vergleichbaren Statistiken aus anderen Ländern haben, können wir nicht sagen, inwieweit das holländische Beispiel ein Extremfall oder ein Normalfall im Westen bildet.

Die Situation der Kirche in Frankreich, bei der nur die Anzahl der Seminaristen berücksichtigt wird, ist ähnlich. Diese fällt seit 1966 ständig und hat im Jahre 2011 den tiefsten Stand seit 1789, der Französischen Revolution, erreicht. Vergleicht man die Zahlen 1966 und 2011, so ist es ein Niedergang um 85 %. Die nachfolgende Grafik verdeutlicht diesen Prozess:

Seminaristen FrankreichWahrscheinlich ist ein ähnlicher Niedergang der Seminaristenzahlen, der Weihen und der Priester aus allen westlichen Ländern zu vermelden, vielleicht auch aus allen Ländern der Welt. Eine Ausnahmeerscheinung scheint diesbezüglich Polen darzustellen, was wir an einer anderen Stelle noch behandelt werden. Sicherlich lässt sich die These vertreten, dass dort, wo die postkonziliaren Reformen am radikalsten und am schnellsten eingeführt worden sind, dort haben auch die meisten Priester ihr Amt niedergelegt. Es scheint wirklich, dass die progressivsten Konzilsväter aus der so genannten rheinischen Allianz, d.h. die Kardinäle und Bischöfe aus Holland, Belgien, Deutschland, Österreich und Frankreich mit eigenen Händen zum Niedergang ihrer eigenen Kirche beigetragen haben, indem sie eine Großzahl ihrer eigenen Priester verloren haben. Berücksichtigt man noch die gesamte nachkonziliare Entwicklung in diesen Ländern, so muss man sich die Frage stellen, ob diese Handlungsweise doch keine bewusste war. Natürlich sägt niemand an einem Ast, auf dem man sitzt, aber man muss sich fragen, auf welchem Ast manch eine Bischofskonferenz eigentlich sitzt. Beim Schreiben dieses Aufsatzes stellten wir fest, dass der Zugang zu den Statistiken „vor dem Konzil-nach dem Konzil“ kein leichter ist und sogar diese Bischofskonferenzen, die für ihre gute Informationspolitik bekannt sind, wie z.B. DBK, stellen nicht alles in Netz und in manchen Statistiken wird nicht gerade gelogen, doch es wird vieles beschönigt, damit die traurige Wahrheit, dass es wenig ist und noch weniger wird, weniger unverblümt in Erscheinung tritt.

Im Gegensatz zu der massenweise Aufgabe des Priestertums nach dem Konzil ist die Anzahl der Priesterberufungen in der nachkonziliaren Kirche sehr klein, was man aus den offiziellen vatikanischen Statistiken entnehmen kann, die uns für die Jahre 2007,[13] 2008,[14] 2009,[15] 2010[16] und 2011[17] zur Verfügung stehen. Das Verhältnis der Katholiken zu der Gesamtbevölkerung unter der Berücksichtigung der Priesterzahl insgesamt, sowie der Anzahl der Priester, die auf einen statistischen Weltbewohner und einen statistischen Katholiken fallen, zeigt die nachfolgende Tabelle:

Tabelle PriestermangelDer Zuwachs der Priesterzahl, welchen jeder interessierte sich selbst errechnen kann, beträgt weniger als ein Prozent und die Agentur Fides beginnt in den letzten Jahren tatsächlich schon „jedes Stück“ zu zählen. Der prozentuale Zuwachs wird offiziell nicht mehr angegeben, weil er wohl die Frage aufwirft bis zu welcher Kommastelle man aufrunden soll. So fragt man sich, ob der Zuwachs der Priesterzahl im Jahre 2008 um 0,279 % im Vergleich zum Vorjahr schon 0,3 % ausmacht oder lediglich 0,28 %.

Um auf die eventuelle Frage zu antworten, warum wir die Kirchenkrise mit der Darstellung der Priesterzahlen beginnen, antworten wir, dass es ohne Priester kein Überleben der Kirche gibt. Zur Not kann jedermann taufen, auch ein ungetaufter, aber für die restlichen Sakramente braucht man Priester und zwar solche, die mit aller Jurisdiktion ausgestattet sind, kanonisch regulär und keine clerici vagantes sind. Ohne Bischöfe gibt es keine apostolische Sukzession, welche notfalls auch bei einem Schisma eingehalten wird. Denn die Bischofsweihen sind auch ohne ein päpstliches Mandat gültig, wenn auch nicht würdig. Anscheinend gibt es global gesehen immer weniger junge Männer, die sich mit dem nachkonziliaren Priestertum identifizieren und deswegen diesen Weg wählen möchte. Die Gründe dafür werden wir noch woanders aufzeigen. Wohingegen innerhalb der wenigen Institute, welche eine vorkonziliare oder gemischte Priesterausbildung bieten, kein Kandidatenmangel zu beklagen ist. Davon zeugen die Ecclesia Dei-Gemeinschaften, eine Diözese in Paraguay, deren Bischof von Papst Franziskus abgesetzt wurde, davon zeugen manche Diözesen in den USA.

Es lässt sich zweifelsohne beweisen, dass das letzte Konzil nicht zum erhofften Wachstum oder der erhofften Belebung des katholischen Priestertums beigetragen hat. Manche Vertreter der Amtskirche antworten darauf: „Das war nicht das Konzil, das war die Säkularisierung.“ Und fügen weiter zu: „Wir machen alles richtig. Es ist die Säkularisierung. Da kann man nichts tun.“ Na, dann.

[1] Siehe http://www.fides.org

[2] Immer noch erhältlich http://www.amazon.com/TABULARUM-STATISTICARUM-COLLECTIO-CATHOLIC-CHURCH/dp/B003KD9V2C oder in guten Bibliotheken.

[3] Es scheint, dass das Annuarium statististicum Ecclesiae, welches seit 1970 durch die vatikanische Drukerei herausgegeben wird die Nachfolgepublikation des Tabularum stastisticarum aus dem Jahre 1969. Wie der Klerus vor dem Jahre 1969 statistisch erfasst wurde, entzieht sich unserer Kenntnis. Vielleicht kann uns da jemand weiterhelfen.

[4] Angabe nach Amerio, Romano, Iota Unum. Eine Studie über die Änderungen Katholischen Kirche im XX. Jahrhundert, Kirchliche Umschau 2011, 191.

[5] Amerio, 190-193; Mattei, Roberto de, Das Zweite Vatikanische Konzil. Eine bislang ungeschriebene Geschichte, Kirchliche Umschau 2011, 642-643.

[6] Mattei, 429.

[7] Amerio, 227.

[8] www. Dbk.de Zentrum für Berufungspastoral www.berufung.org oraz http://www.monopole.de/religion-gott-atheismus/statistiken-zu-religionen-und-atheismus/

[9] http://www.ecclesiadei.nl/rkstat/index.html

[10] http://de.paix-liturgique.org/aff_lettre.asp?LET_N_ID=888

[11] http://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/Zahlen%20und%20Fakten/Kirchliche%20Statistik/Neupriester/2010_Zeitreihe_Priesterweihe62ff.pdf

[12] http://www.ecclesiadei.nl/rkstat/graphs04.html

[13] http://www.fides.org/de/stats/24387-Sonderteil_zum_Sonntag_der_Weltmission_2009_DIE_STATISTIKEN_DER_KATHOLISCHEN_KIRCHE

[14] http://www.fides.org/de/stats/26573-Die_Statistiken_der_Katholischen_Kirche_2010

[15] http://www.fides.org/de/stats/28927-VATIKAN_Sonterteil_zum_Sonntag_der_Weltmission_die_Statistiken_der_Katholischen_Kirche

[16] http://www.fides.org/de/stats/30940-VATIKAN_Die_Statistiken_der_katholischen_Kirche_2012

[17] http://www.fides.org/de/stats/35005-VATIKAN_STATISTIKEN_DER_KATHOLISCHEN_KIRCHE_2014