Don Pietro Leone, Der Ökumenismus (3 von 3)


turm-von-babel

III. DAS ÜBEL DES ÖKUMENISMUS

Den Ökumenismus nannten wir eine Ersatz–Liebe, eine Pseudoliebe. Wer, wenn nicht der Teufel, der Imitator Gottes und Meister aller Täuschung hat das erfunden? Es ist seine Erfindung, oder vielmehr eine neue Verwendung einer früheren Erfindung von ihm, die der falschen Religionen. Denn er schuf die falschen oder nicht-katholischen Religionen mit der Absicht, den Menschen von seinem letzten Ziel, dem Himmel, abzulenken und wegzuziehen.

„Don Pietro Leone, Der Ökumenismus (3 von 3)“ weiterlesen

Don Pietro Leone, Der Ökumenismus (2 von 3)


turm-von-babel

II. Sentimentalität

1. Die Natur der ökumenischen Liebe

Mit seiner Suche nach dem irdischen Gut des Menschen wird vielleicht jemand versuchen, diesen falschen Ökumenismus zu verteidigen, in dem er behauptet, dass es wenn auch keine geistliche trotz allem eine Art der Liebe ist, in dem er sagt, „die Liebe ist ausreichend“. Denn letztendlich ist die Liebe der Grund für unser Leben und Gott selbst ist Liebe in dem Sinne, daß die Allerheiligste Dreifaltigkeit ein Geheimnis der Liebe zwischen den drei göttlichen Personen ist.

Lasst uns nun die Natur dieser ökumenischen Liebe genauer untersuchen, zuerst das Element der Vereinigung, dann das Gute, das diese Vereinigung hervorbringen soll.

„Don Pietro Leone, Der Ökumenismus (2 von 3)“ weiterlesen

Don Pietro Leone, Der Ökumenismus (1 von 3)


turm-von-babel

Wir wollen hier wieder einmal einen Text von Don Pietro Leone vorstellen, welcher nach den neuesten Eskapaden von Kardinal Marx nicht  besser gewählt sein könnte. Es geht um den leidigen Ökumenismus.  Und was ist so falsch daran? Das, dass sich die logischen Werte „wahr“ und „falsch“ im Laufe der Jahre nicht verändern oder gilt das für den Satz von Pythagoras. Aber in Religion ist es anders, meinen Sie?

„Don Pietro Leone, Der Ökumenismus (1 von 3)“ weiterlesen

Steven Skojec, Warum die Liturgie wirklich der Schlüssel zu allem anderen ist


messa-di-s-gregorio-magno-400x517-400x517

Wir präsentieren wieder einmal einen Aufsatz von Peter Skojec, dem Herausgeber von onepeterfive, in der ausgezeichneten Übersetzung von davillatollkuehn. Menschen und besondere Geistliche, die ausschließlich Novus Ordo kennen, wundern sich oft über die Hartnäckigkeit der Traditionalisten, mit welcher diese auf die Wichtigkeit der Tridentinischen Messe pochen. Sogar diese „toleranten“ Novus Ordo – Vertreter, welche die Alte Messe für zulässig und kein „Teufelswerk“ halten, denken sich:

„Messe hin oder her. So einen Unterschied kann es ja nicht machen, wenn beide gültig sind. Das andere ist bloß kulturell angewachsenes Brimborium. Es gibt Wichtigeres in der Kirche. Familie, Gesellschaft, Lehre und jetzt haben wir einen häretischen Papst. Wenn wieder alles ins Lot kommt, werden wir uns um die Liturgie kümmern. Jetzt aber gibt es Wichtigeres“.

Dieser Aussprucht könnten von einem „guten, konservativen Bischof“ stammen, den es in Deutschland nicht gibt, siehe die letzte Entscheidung der DBK Sakramente an die Ehebrecher, d.h. an Todsünder, zu spenden. Es ist ein Denken, das sicherlich sowohl von bona fide zeugt als auch von der Unkenntnis der Alten Messe gekennzeichnet ist, ein Denken, welches von der fehlenden Erfahrung geprägt wird, dass die Alte Liturgie wirklich wirkt. Sie wirkt gnadenbringender, erleuchtender, heiligender, die lässlichen Sünden mindernder als die Novus Ordo Liturgie. Dies ist auch die katholische Sakramentenlehre insbesondere über das Sakrament der Eucharistie, welche diese Wirkungen aufzählt. Und warum erfahren wir es meistens nicht? Weil die Novus Ordo Sakramente viel weniger wirken, insbesondere die Neue Messe wirkt kaum. Wie kann aber ein gültiges Sakrament „weniger wirken“? Weil ein Sakrament nicht nur aus der Gütligkeit besteht und die Messe viel mehr ist als die Wandlungsworte selbst, welche samt Materie und der Intention des Priesters das zu tun, was die Kirche mit diesem Sakrament tut, das eigentliche Sakrament ausmachen. Liturgie ist auch viel mehr als das Sakrament. Liturgie ist ein Sich-Einklinken in die göttlichen Wirklichkeit, an das himmlische Jerusalem, an der wir gerade durch die Liturgie teilnehmen. Der Schreiber dieser Zeilen hatte wirklich sein Leben lang mit allem Ernst nach der Wahrheit, warum es um die Theologie und die Kirche so schlecht steht, gesucht. Aber erst als er mit dem täglichen Beten der Alten Breviere auf Lateinisch anfing, also mit einer liturgischen Handlung, welche für ihn keine Pflicht war, begann er gleichsam „zu sehen“. Die Antworten kamen von selbst mit der Einsicht, wie und warum die Dinge so stehen wie sie stehen. Als hätte man mehr Licht erhalten, um die Unordnung in einem Zimmer zu sehen, wo man früher, in der Dunkelheit, nur gegen Möbel lief und sich fragte, was es wohl war. Es war als würde man sich immer höher erheben, um die Dinge aus der Vogelperspektive zu betrachten, um auf diese Art und Weise die verschlungenen Wege und die Sackgassen zu sehen. Es ist die Wirkung der Liturgie, nicht sein Verdienst oder nur insoweit, dass er sich dieser Liturgie, wie bei der Messe, aussetzte oder diese, wie beim Brevier, verrichtete. Die Alte Messe wird deswegen unterbunden und verfolgt, weil sie „sehend“ macht. Es ist so, als hätten Sie im tiefsten Kommunismus den Westen besucht und stellten fest, dass der „real existierende Sozialismus“ doch nicht das beste System war. Hilary White spricht von der nachkonziliaren Kirche als von dem „Novus Ordo Konzentrationslager“. Ein wenig übertrieben, wie wir finden, „Lager“ oder „Gulag“ hätten gereicht, doch Recht hat sie. Fahren wir zur Alten Messe, wenn wir können, scheuen wir nicht den Weg oder das Geld. Wir werden an göttlichen Mysterien teilnehmen und zwar so, wie die Kirche sie immer hielt, wir werden verständiger und schauender. Wir müssen Gnade horten, um bei dem kommendem Kampf bestehen zu können.

Der o.a. Aufsatz von Steven Skojec wurde ursprünglich hier publiziert.

Nichts ist so großartig wie die Eucharistie. Wenn Gott uns etwas Kostbareres zu geben hätte, hätte ER es getan.

– Saint Jean-Marie Vianney

Das erste Mal, als ich durch die Tore des Petersdomes in Rom ging, war ich überwältigt. Dieser größte Schatz der christlichen Architektur beeindruckte mich und erzeugte in mir ein unglaubliches und beeindruckendes Gefühl der Kleinheit. Als ich von draußen von der sonnigen Piazza in das gewaltige Innere der Kirche der Kirchen trat, wurde ich gleichsam verschlungen. Hier, in diesem majestätischen Testament aus Stein und Marmor, Silber und Gold, wurde mir die überwältigende Herrlichkeit Gottes und meine eigene Bedeutungslosigkeit klar.

Keine Religion in der Geschichte der Welt hat jemals solche Tempel inspiriert; keine heidnische Gottheit konnte die Ausgießung menschlicher Erfindungsgabe, handwerklichen Könnens und Leistungsfähigkeit hervorrufen, die sich im Dienst an der Ehre des einzig wahren Gottes manifestierte. Die Menge und Qualität der Architektur, der Kunst, der Musik, der Poesie und theologischen Darlegung, die der Welt in zwanzig Jahrhunderten des Katholizismus geschenkt wurde, macht den Geist taumeln.

Es gibt keine größere Inspirationsquelle als IHN, der uns alles gibt – unser Leben, unsere Talente, unsere Freuden, unsere Ewigkeit. Dadurch, dass wir durch die besten Werke unserer Kreativität IHN verehren, kehren wir selbst zu IHM zurück und geben IHM das wieder, was wir von IHM empfingen.

„Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk stammt von oben, herabsteigend vom Vater der Lichter, bei welchem keine Veränderung statthat, noch ein Schatten von Wandel ist.“ Jak 1: 17

Es ist daher nur passend, dass Gott uns befiehlt, IHN zu verehren. Wir sind geschaffen, um IHN in dieser Welt zu erkennen, zu lieben und IHM zu dienen und mit IHM für immer im Himmel glücklich zu sein. Aber glauben wir, dass diese Vorschriften zu unseren eigenen Bedingungen ausreichend zu erfüllen sind? Verlangt nicht Gott streng von uns das, wozu ER uns verpflichtet? Ist Gott nicht ein eifernder Gott, im wirklichen Sinn des Wortes, der das von uns erwartet, was IHM zusteht? Und ist das weniger als das Beste, was wir haben?

Es war schon immer so. Die meisten Menschen kennen die biblische Geschichte von Kain, der seinen Bruder Abel ermordet, aber nicht viele könnten sagen, was Kain zum Mord trieb. Es war Neid – Neid, der entstand, weil Abels Anbetung Gott wohlgefälliger als Kains eigene war.

Abel aber war ein Schafhirt, und Kain ein Ackerbauer. Es begab sich aber nach vielen Tagen, dass Kain von den Früchten der Erde dem Herrn Opfergaben darbrachte. Aber Abel brachte gleichfalls ein Opfer dar, von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fette. Da sah der Herr auf Abel und sein Opfer, aber auf Kain und sein Opfer sah er nicht, und Kain ergrimmte so heftig, dass sein Angesicht einfiel. Da sprach der Herr zu ihm: Warum bist du ergrimmt und warum ist dein Angesicht eingefallen? Wirst du nicht, wenn du Gutes tust, Lohn empfangen? Tuest du aber Böses, wird nicht sogleich die Sünde vor der Tür sein? Aber ihre Begier soll unter dir sein und du sollst über sie herrschen. Und Kain sagt zu Abel, seinem Bruder: Lass uns hinausgehen! Als sie nun auf dem Felde waren, erhob sich Kain gegen seinen Bruder Abel und erschlug ihn. (Gen 4, 2-8)

Warum bist du ergrimmt und warum ist dein Angesicht eingefallen? Wirst du nicht, wenn du Gutes tust, Lohn empfangen?“ Als Abel Gott opferte, brachte er IHM sein Kostbarstes, sein Bestes dar. Er opferte seine Erstgeburt, gab Gott nicht nur das Beste aus der Herde, sondern das Fett der Schafe, das wertvollste, was sie zu bieten haben. Er hielt nichts zurück; insbesondere nicht die Teile, die er wirklich eigentlich für sich haben wollte. Es war ein Ausgießen, eine Entleerung des Selbst, sein Flehen vor Gott war IHM wohlgefällig in seiner Gesamtheit.

Wir wissen nicht, was Kain Gott anbot – nur, dass er IHM von den Früchten der Erde gab. Wir wissen auch, durch die Worte Gottes an Kain, dass sein Opfer Gott gefälliger gewesen wäre, wenn er großzügig gehandelt hätte. Es ist daher klar, dass nicht alle Opfer, die Gott dargebracht werden von ihm als gleich angesehen werden. Es gibt einen Unterschied zwischen einer Verehrung, die ihm gefällt und einer Verehrung, die er nicht akzeptiert.

Es ist nicht egoistisch von Gott, von uns unser Kostbarstes zu verlangen. Nicht nur hat er uns jede gute Sache gegeben, und nicht nur, dass er uns in jedem Moment, in dem wir atmen,  in unserer Existenz hält, sondern

„Er hat die Welt so sehr geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern das ewige Leben habe“ (Joh. 3,16).

Während Gott den Engel zu Abrahm sandte, um dessen Hand zurückzuhalten und damit  Isaaks (dessen Sohn) Leben zu schonen, ließ er jedwede grausame Folter bis hin zum grausamen und schändlichen Tod am Kreuz an seinem eigenen göttlichen und unschuldigen Sohn Christus zu. Diesen Kelch des Leidens, wie Christus sich ausdrückte, trank ER bis zur Neige. Es ist die Wahrheit, dass es für uns nichts Wertvolleres gibt, als die Eucharistie, den Leib, das Blut, die Seele und die Gottheit des gekreuzigten Christus. Gott liebt uns so sehr, dass er uns dieses unsagbar selbstlose Geschenk gab, um unsere Erlösung zu realisieren. Nichts ist größer, als seine Liebe zu uns, die er uns gibt, damit wir sie IHM zurückgeben

Aber behandeln wir dieses Geschenk als das größte Geschenk, das es überhaupt geben kann? Ehren wir die Eucharistie als das Kostbarste, was im Universum existiert? Erkennen wir, dass dieses Geschenk SEINER Selbst unsere ganze Hingabe an IHN fordert?

Jede Liturgie stellt uns aufs neue in diesem Zyklus des sich selber Schenkens. Gott gibt uns das Beste, was er hat, und er fragt nach dem Besten, das wir IHM im Gegenzug dafür geben können. Aber wir können IHM nicht wirklich angemessen etwas geben, dass auch nur annähernd mit dem vergleichbar ist, was ER uns gibt. In unserer Ohnmacht eines angemessenen Gegengeschenkes gibt Gott sich selbst uns als Geschenk an IHN. ER nimmt auch unseren Platz ein als der, der Gott dieses Opfer anbietet. Er ist beides: Priester und Opfergabe. Jeder Priester, der an jedem Altar steht, wird von Christus selbst umfangen und eingeschlossen. Es ist Christus, der das Allerheiligste Altarsakrament seines eigenen Leibes und Blutes konsekriert. Es ist Christus, der opfert und gleichzeitig ist Christus der, der dem Vater im Namen von uns armen Sündern geopfert wird.

Das heilige Messopfer ist keine Mahlzeit. Es ist ein totales und vollkommenes Opfer. Der Priester deckt nicht den Tisch für ein Abendessen. Er bringt das geschlachtete und mit Blut befleckte Opfer auf dem Opferaltar dar, weil ER durch seinen Tod den Tod besiegt hat – den ewigen Tod der Sünde – und weil ER uns durch seine Auferstehung zum ewigen Leben transformiert. Die Messe wird, wesenhaft verstanden, nicht gefeiert, sondern sie wird IHM aufgeopfert, um seinen göttlichen Zorn wegen unseren vielfältigen und schweren Sünden zu stillen. Dieses Opfer ist nicht nur vollkommen, sondern IHM so lieb und teuer, dass wenn Gott IHN (seinen geopferten Sohn – Gott) sieht, und uns sieht, die wir IHN empfangen, ER uns so mit seiner Gnade übergießt, wie Christus sein Blut vergoss.

Wenn wir zur Messe gehen, stellt das die intimste Erfahrung Gottes dar, die wir in diesem Leben jemals erfahren können. Wir kommen zum Altar, um an diesem göttlichen sich gegenseitig selbst  Ausgießen und Hingeben teilzuhaben. ER gibt uns SICH SELBST, SEIN ALLES, und obwohl das unendlich mehr ist, als wir zurückgeben können, können  wir IHM doch uns selbst, unser alles zurückgeben. Während sich ein Mann und eine Frau in der unvollkommenen Vereinigung der ehelichen Umarmung zu einem Fleisch vereinigen, erlaubt uns Gott, IHN selbst uns einzuverleiben, so dass er buchstäblich eins mit unserem Körper und unserer Seele werden kann und dadurch, das wir das vollziehen, kann er sich uns einverleiben. Das ist eine atemberaubende Erfahrung.

Sobald wir die Natur der Messe und unsere Bestimmung wirklich zu verstehen beginnen, wird es uns möglich, zu erkennen, wie wichtig es ist, dass sie in einer angemessenen Art und Weise gefeiert wird. Obwohl man sagen kann, dass die Messe um des Menschen willen gemacht wurde, geht es konkret darum, dass der Mensch eine angemessene Gabe bekommt, die er Gott anbieten kann. Der Gegenstand unserer Anbetung ist Gott, nicht wir selbst. Aus diesem Grund ist jede Messe, in welcher der Mensch im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht, eine gefährliche Verfälschung und Karikatur.

Einige argumentieren, dass die Form der Liturgie so lange keine Rolle spielt, wie Christus vorhanden ist. Es ist wahr, dass, wenn Christus gegenwärtig gemacht wird, das Gott angebotene Opfer selbst perfekt ist, aber das bedeutet nicht, dass das auch für unsere Anbetung oder unser Verständnis des Opfers gilt.

Die eucharistische Gegenwart Christi manifestiert sich durch göttliches Handeln. Es ist Christus, der Priester Christus, der das Opfer dem Vater im Himmel durch die Kraft des Heiligen Geistes anbietet. Das, was wir sehen, was auf dem Altar geschieht, ist ein Einblick in das innere Leben der Heiligsten Dreifaltigkeit, ein Einblick in die Liebe und die Interaktion zwischen den göttlichen Personen, – ohne irgendein eigenes Verdienst unsererseits. Wie der Priester im Quam oblationem Gebet des ALTEN Ritus betet:

Diese Opfergabe mache du, o Gott, wir bitten dich, huldvoll in jeder Hinsicht zu einer gesegneten, bei dir eingetragenen, gültigen, geistigen und genehmen, damit sie uns werde Leib und Blut deines vielgeliebten Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus.

Es ist Gott, der das Opfer Gott wohlgefällig macht, und zwar deswegen, weil Gott selbst das Opfer ist.

Was wir in der Liturgie bringen, was wir Gott anbieten, ist unsere Ehre, unsere Ehrfurcht, unser Flehen, unsere Zerknirschung, unsere Anbetung, und unser Lob. „Ein Opfer für Gott ist ein zerknirschter Geist, ein reuiges und gedemütigtes Herz wirst du, o Gott nicht verschmähen“ (Ps 51:19.). Der Priester, der die Gaben konsekriert, tut dies nicht durch eine Kraft, die er besitzt, sondern durch eine, die er aus der Vereinigung mit dem einzig wahren Priestertum Christi bezieht.

„Wenn ich die Messe zelebriere:“ sagte mir einmal ein junger traditioneller Priester: „bin ich ein Sklave der Liturgie. Die Kirche sagt mir, wo ich zu stehen, wie ich meine Hände zu legen habe, wann ich knie oder den Altar küssen soll … Mein Selbst verschwindet und Christus wirkt durch mich. „Das Opfer des Priesters ist eines der Demut, der Ehrfurcht, der Entleerung seiner selbst. „Schaff Recht mir, Gott“, fleht er am Fuße des Altars, die Worte des Psalmisten wiederholend, „und führe meine Sache gegen ein unheiliges Volk; von frevelhaften, falschen Menschen rette mich „

Auch wir kommen als demütige Bittsteller, mit einer empfänglichen und aufmerksamen Disposition. Die Liturgie geschieht unabhängig von uns, aber sie zieht uns in ihre Geheimnisse hinein und gewährt uns himmlische Gaben, um uns zu vervollkommnen und treibt uns in Richtung Himmel. Wir vereinen unser Gebet mit dem des Priesters, der in unserem Namen betet, der kraft seiner Vereinigung mit Christus das vollzieht, was wir nicht vollziehen können.

Es ist die wichtigste und schönste Sache auf dieser Seite des Himmels.

Von daher ist es unausweichlich, dass ein angemessenes Verständnis von Liturgie uns in einer richtigen Weise auf unseren Platz im Universum erdet. Eine Liturgie, die das Opfer unseres Herrn betont und uns mental und spirituell demütig unter das Kreuz auf dem Kalvarienberg stellt, macht uns empfänglich für unsere absolute Abhängigkeit von Gott, und offen für alle guten Dinge, vor allem für unser Heil. Eine Liturgie, in der der Priester und die Menschen sich gleichermaßen in Richtung Himmel orientieren und wo heilige Dinge verschleiert und verhüllt und in angemessener Weise verehrt werden, lehrt uns, wer wir sind – und welche Aufgaben wir haben – in Bezug auf IHN, von dem alle guten Dinge kommen und auf den wir vertrauen müssen. denn wir haben keine andere Wahl, als uns mehr durch unseren Glauben, als durch unseren Verstand leiten zu lassen. Liturgie sollte uns unsere Kleinheit fühlen lassen. So wie es die großen Bauten der Christenheit tun.

Der Angriff auf die Liturgie, den wir im letzten halben Jahrhundert erlebt haben, kann als nichts weniger als ein Versuch des Teufels verstanden werden, unsere wichtigste und innigste Verbindung mit unserem Schöpfer in unserem  Herzen zu zerschlagen, – und uns durch diesen Verlust der richtigen Perspektive zu verwirren und zu desorientieren. Wir sind damit zum Götzendienst übergegangen – zur Vergötterung unseres Selbst, so dass wir die Welt nur noch durch die Linse unserer eigenen Wünsche sehen.

Das Opfer Christi wurde durch ein Gemeinschaftsmahl ersetzt, Sein Opferaltar wurde zum Buffet, sein Priestertum wurde von Menschen verfälscht, die in den priesterlichen Bereich eindrangen, jedoch nicht die Fähigkeit besitzen, in Persona Christi zu handeln. Die universelle Ausrichtung des Priester und der Menschen auf Gott hin, wurde zueinander gekehrt, so dass sich im Wesentlichen alles um uns selbst dreht, und fast jedem Akt der Ehrfurcht der heilige Boden entzogen wurde.

Christus bleibt in dieser neu erfundenen, banalisierten, und Mensch-zentrierten Liturgie gegenwärtig, aber er wird ignoriert, vergessen, missbraucht, und ihm wird die Show gestohlen. Wie Kain bieten wir Gott nicht mehr unser Bestes an, sondern behalten es für uns. Jeder, der versucht, Gott das zu bieten, was er verdient, wird wie Abel, mit Neid, Verachtung und sogar Gewalt bedroht.

Die Krise in der Kirche ist offensichtlich eine Krise des Egoismus und des Anthropozentrismus. Es ist die Frucht dieser neuen Abgötterei. Wir sind dahin gekommen, zu glauben, dass wir besser als Gott wissen, was für uns am wichtigsten ist.

Das Zweite Vatikanische Konzil sagt uns:

„[A] lle Dinge auf der Erde sollten auf den Menschen als Zentrum und Höhepunkt bezogen sein“  (Gaudium et Spes 12, 1. Satz)

Das müssen wir ablehnen.

 Alle Dinge auf der Erde sollten auf Christus als ihr Zentrum und Höhepunkt bezogen sein. Wir sind nicht Verehrer des Menschen; wir sind Verehrer Jesu Christi! Verehrer der Heiligsten Dreifaltigkeit! Aber wenn unsere Liturgien nicht Gott als Gegenstand der Verehrung zeigen, ist es ein Wunder, dass wir von uns selbst besessen sind? Wir sprechen ständig darüber, wie wir Liturgie „erleben“ und was wir „aus ihr herausnehmen“ und ob sie „uns bewegt “ – aber wem wenden wir uns da zu?

Die Architekten der Neuen Liturgie wussten genau, was sie taten. Und sie waren erfolgreich. Sie haben mit einem einzigen Schlag das gesamte liturgische Gebäude der Kirche auf ein Fundament aus Sand gesetzt. Und jetzt, wo das Gebäude zusammenbricht, und der Glauben zusammen mit ihm, kommen sie, um uns zu sagen, dass die anderen Wahrheiten unseres Glaubens nichts anderes als ein „Ideal“ sind,  zu schwer, um sie zu leben bis dahin, dass, weil die Dinge so weit abgekommen sind, wir nun Wege finden müssen, diese zu akzeptieren und mit diesen Situationen zu arbeiten „wie sie sind.“ Dadurch dass sie den zentralen Akt des Gebetes der Kirche zerstört haben, haben sie unser Verständnis unserer Beziehung zu Gott und alles andere untergraben. Jetzt, nach einem halben Jahrhundert des Abrisses, sind sie ohne wesentlichen Protest dabei, auch das noch abzureißen, was vom Glauben übrigblieb.

Diejenigen, die die Krise in der Kirche wahrnehmen, haben das Recht, die Frage zu stellen:

„Warum können wir sehen, was passiert, wenn andere es nicht können? Warum scheint Gott dies nur uns wenigen zu zeigen? „Könnte es sein, dass es wegen dem ist, was er zu Kain sagte „Wirst Du nicht, wenn du Gutes tust, Lohn empfangen?“

Jemand schrieb mir vor kurzem über das Ausmaß der Leugnung katholischer Weggefährten darüber, was in der Kirche geschieht „Es ist einzig die lateinische Messe „, sagte sie, „die mich das mit meinen Augen sehen lässt“.

Es ist nicht zu spät. Liebe katholische Weggefährten, verliert nicht die Orientierung! Lasst euch nicht täuschen. Gute Liturgie – und damit meine ich heilige, andächtige, gottesfürchtige Liturgie – wird Euer Leben verändern, auch wenn Ihr große Opfer bringen müsst, sie zu besuchen.

 Gibt es etwas wichtigeres als dein Heil, oder das deiner  Kinder? Wenn Du eine gute Messe besuchen kannst, spute dich! Wenn Du keine traditionelle lateinische Messe finden kannst, wende dich dem Osten zu, der von den Zerstörern weitgehend ignoriert worden ist!

Die Saboteure hatten einen Versuch, und so zerschlugen sie die eine Form der Liturgie, die die größte Zahl der Katholiken beeinflussen würde. Sie gaben alles, was sie hatten, aber, wie Gott es wollte, war es nicht der Todesstoß. Gott wird immer noch wirklich verehrt. Und wir sind verpflichtet, in dieser wahren Anbetung zu bleiben um seinetwillen und wegen unseres Heiles. Keine weiteren Entschuldigungen.

Zwar trifft es zu, dass eine gute Liturgie allein nie ein Allheilmittel sein wird, aber es gibt doch nichts wirkungsvolleres, was Sie für Ihren Glauben tun können, was Sie für Ihr Verständnis von dem tun können, was in der Welt geschieht, was Sie für das Wohl Ihrer Seele und das Ihrer Lieben tun können, als aufzuhören, an einer Liturgie teilzunehmen, die entworfen wurde, Sie selbst vom Allerheiligsten, dem man zu gedenken behauptet, zu trennen. Man kann nicht vergiftetes Wasser ohne schädliche Wirkung trinken, egal wie durstig oder wie belastbar man ist. Es wird nicht nähren, sondern auszehren.

Hier ist keine Zukunft.

Das neue Paradigma stürzt jetzt in sich selbst zusammen. Es wird noch zu unseren Lebzeiten aufgegeben werden, Es wird zu einer Karikatur seiner selbst werden, unkenntlich für alle, die den Glauben bewahren. Wie die arianischen „Christentümer“ des 4. Jahrhunderts wird dieses neue Paradigma zu einem ausschließlichen Wirkungsbereich der Feinde unseres Herrn werden.

Die Liturgie ist der Schlüssel unseres gesamten Verständnisses von dem, womit wir konfrontiert sind, wer wir sind, und von dem, was wir tun müssen.

Es wird auch keinen anderen Weg geben, um das Kommende zu überstehen. Die Liturgie ist unser wesentlicher und wirkmächtigster Begegnungsraum mit Gott. Wir haben die Pflicht, einen Ort zu finden, wo der Priester und das Volk Gott in einer Weise anbeten, die IHM wohlgefällig und angemessen für IHN ist.

Sobald dieser Ort gefunden ist, fliehe zu ihm. Klammere dich an ihn. Mach dir keine Sorgen über die Widerwärtigkeiten die du ertragen musst, um ihn zu erreichen, denn Gott weiß diese Dinge, und er wird dich für diese Mühen segnen.

Sei an deinen Platz im Universum erinnert. Unterwirf dich DEM, der es regiert. Liebe ihn aus deinem ganzem Herzen, deinem Verstand und mit aller  Kraft, und verehre ihn so, wie er es verdient. Es ist eine Entscheidung, die Du nie bereuen wirst.

Don Pietro Leone, Angriff auf die Ehe – Aufsatz (3 von 3)


hochzeit-von-kana

  1.     KRITIK DER NEULEHRE 
  2. Im folgenden Abschnitt werden wir 6 Hauptaussagen Linie für Linie vergleichen, zunächst die traditionelle Lehre, und danach die neue.

        1. a) Der Hauptzweck der Ehe ist die Fortpflanzung;

  1. b) Der Hauptzweck der Ehe ist die Liebe;

        2. a) Die eheliche Liebe wird als gegenseitige Hilfe und Unterstützung verstanden;

  1. b) Die eheliche Ehe wird als „ganzheitliche Selbsthingabe“ verstanden;

         3.a) Großfamilien werden empfohlen;

  1. b) Kleinfamilien werden empfohlen;

          4.a) Die natürliche Geburtenkontrolle wird mißbilligt;

  1. b) Die natürliche Geburtenkontrolle wird gebilligt;

         5.a) Die Ehe wird dem geweihten Lebensstand unterordnet;

  1. b) Die Ehe wird dem geweihten Lebensstand gleichgestellt.

        6.a) Der Ehemann wird als Familienoberhaupt betrachtet;

  1. b) Der Ehemann und die Ehefrau werden völlig gleichgestellt;

       In bezug auf diesen Vergleich stellen wir die folgenden Fragen und geben die entsprechenden Antworten:

  1. i) Ist die Lehre in beiden Fällen die gleiche? Nein.
  2. ii) Hat die neue Lehre im Vergleich zur traditionellen eine größere Klarheit oder Tiefe des Ausdrucks? Nein.

       iii) Ist es eine unterschiedliche Lehre? Ja.

  1. iv) Ist die traditionelle Lehre katholisch? Ja.
  2. v) Ist eine Lehre, die einer katholischen Lehre entgegensteht unkatholisch? Ja.
  3. vi) Ist eine katholische Lehre wahr? Ja.

       vii) Ist eine unkatholische Lehre falsch? Ja.

        Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die neue Lehre in ihrem prima facie Sinn in allen aufgezählten Fällen falsch ist.

Aber was läßt sich über ihren sekundären Sinn sagen? Da sie nicht formell häretisch ist und nicht in formellem Gegensatz zum katholischen Dogma steht, sollten wir in der Lage sein, sie auf eine Weise auszulegen, die mit der katholischen Lehre übereinstimmt.

Aber zu welchem Zweck? Wir wollen diese falschen und zutiefst schädigenden Lehren nicht etwa rechtfertigen oder jene rechtfertigen, die sie verkündet haben, nicht einmal aus Frömmigkeitsgründen gegenüber einem Papst oder einem Konzil. Der einzige Beweggrund dafür, diese Lehren im katholischen Sinne auslegen zu wollen, ist, um zu zeigen, daß sie nicht formell häretisch sind, was natürlich theologisch betrachtet problematisch wäre. Aber dies ist ein ausschließlich akademischer Beweggrund.

Der lehramtliche Personalismus, der den obengenannten Lehren zugrunde liegt, stellt letzten Endes ein rapprochement mit der Welt (eine Annäherung an die Welt) dar, die nichts anderes ist als das Reich der gefallenen Natur. Die Aufgabe der Kirche ist jedoch nicht, der gefallenen Natur Unterstützung zu geben, sondern eher ihr zu widerstehen, sie zu bekämpfen, abzutöten und so weit wie möglich zu heilen, um sie damit auf die Empfängnis der göttlichen Gnade in diesem Leben und die Vereinigung mit Gott im Himmel vorzubereiten.

       Der lehramtliche Personalismus hat das Tor zu den ganzen Ausschweifungen der Theologie des Leibes geöffnet, und hat den Versuchen Aufschwung gegeben, Unzucht im allgemeinen im Namen der „Liebe“ zu rechtfertigen, was in den abstrusen und makabren fantasticherie der Bischofsynode zum Thema Familie im Jahr 2014 seinen Höhepunkt erreicht hat.

      Die Lehren, welche dieser Personalismus fördert, zusammen mit allen anderen neuen Lehren[1], die von Kirchenmännern seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil vorgelegt werden, stellen einfach einen Mißbrauch der kirchlichen Lehrautorität dar.

  1. DIE PHILOSOPHISCHE GRUNDLAGE DER NEULEHRE

Die Begründung der Neulehre liegt in der These, die wir als ‚Lehramtlicher Personalismus’ bezeichnen können. Der Beweggrund der These scheint Wunsch zu liegen, sittliche Grundsätze aufzustellen, die für jeden Menschen (guten Willens) annehmbar sind. Aus diesem Grund werden ‚positive‘ Elemente in den Vordergrund gerückt, wie die universelle (natürliche) Würde, und ’negative‘ Elemente wie die Erbsünde und die Hölle werden übergangen; auch aus diesem Grund weicht der Objektivismus dem Subjektivismus, und der Glaube der Philosophie. In diesem Zusammenhang ist eine Rundfunksendung von Papst Johannes Paul II zur Zeit des Zweiten Vatikanums aufschlußreich. Er sagt dort: ‚Das Konzil und die Kirche… betrachten den Ruf hinsichtlich der Menschenwürde als die wichtigste Stimme der Zeit[2]… Die Sache der Menschenwürde ist sicherlich ein ökumenisches Element, ein Element, das allen Menschen echt guten Willens gemeinsam ist[3]‚.

Hinter dem Wunsch, sittliche Grundsätze aufzustellen, die für alle Menschen guten Willens annehmbar sind, steckt der Wunsch, oder so scheint es zumindest, alle Menschen guten Willens zu vereinigen. Der tiefste Beweggrund des Personalismus wäre dann die Sehnsucht nach Einheit, oder mit anderen Worten die Liebe, da die Sehnsucht nach Einheit Ausdruck der Liebe ist.

Als Kommentar läßt sich sagen, daß universelle philosophische Grundsätze für die Feststellung der Wahrheit, ob natürlich oder übernatürlich, unverzichtbar sind, aber sie müssen gesund sein und können nur innerhalb der Schranken angewendet werden, die ihnen zu Recht auferlegt sind; sonst führen sie nicht zur Wahrheit hin. Zweitens läßt sich sagen, daß das ganze Moralgesetz durch das Gebot der Liebe ja ausgedrückt werden kann (Mt. 22,40 und Jo. 13, 34), aber daß die Liebe natürlich auf der Wahrheit gründet; andernfalls läuft sie nicht auf die echte Liebe aus.

Das Grundirrtum des Personalismus ist, daß er dem Subjekt einer Natur den logischen Vorrang über die Natur selbst verleiht, d.h. konkret der menschlichen Person über die menschliche Natur. Im ethischen Bereich, wofür wir uns hier interessieren, bedeutet das den Vorrang der Ordnung des Guten über die Ordnung des Wahren: den Vorrang des subjektiv gesehenen Gutes einer gegebenen Person über ihre objektive Natur, die nämlich das Naturgesetz einschließt.

In diesem Vorrang des Guten über das Wahre, oder, anders ausgedrückt, im Vorrang der Liebe über die Kenntnis, oder der sinnlichen Liebe über die Liebe der Caritas stellt sich der Personalismus als subjektivistisch dar, und damit in der Schlußanalyse, auch verfehlt.

 

  1. DIE THEOLOGISCHE GRUNDLAGE DER NEULEHRE

Sollten wir diesem radikalen Subjektivismus, diesem radikalen Anthropozentrismus bis zu seinem logischen Abschluß folgen, wo würden wir hinkommen? Zur Vergöttlichung des Menschen trotz Gott, oder in anderen Worten trotz der heiligmachenden Gnade.

Diese Tendenz ist ganz klar dabei, den katholischen Glauben von innen her zu zerstören. Wir könnten uns auch fragen, ob dies lauter eine zerstörerische Tendenz ist oder ob es innerhalb des Prozesses der Schaffung einer neuen Religion, oder Pseudo-Religion zu sehen ist, die dabei ist, den Glauben zu ersetzen.

Die Antwort ist klar. Die zerstörerische Tendenz ist nichts anderes als die Arbeit eines Parasiten aus der Mitte der Katholischen Kirche, eines Parasiten, der der ursprüngliche Rivale des katholischen Glaubens ist: das System des Denkens und der Wirkung, die als Gnosis bekannt ist. Er ist dabei, den katholischen Glauben in eine amorphe und nicht zu unterscheidende Vermischung aus Wahrheit und Häresie zu verwandeln, die der Gnostizismus ist.

Dies war in den ersten Jahrhunderten der Kirchengeschichte versucht worden, bis es von den Kirchenmännern, ihren Heiligen und ihren Kirchenlehrern besiegt worden war. Zweitausend Jahre später hat es auf triumphale Weise seinen Wiedereintritt in die Kirche gefunden, aber dieses Mal auf ihrer Einladung.

Der Gnostizismus besitzt die folgenden besonderen Eigenschaften seines Elternsystems, der Gnosis: Er befeindet die Gnade, befeindet die objektive Wahrheit – natürlich oder übernatürlich -, er spricht allen Religionen und Philosophien denselben Rang und Wert zu, er ist radikal subjektivistisch und anthropozentrisch mit einem besonderen Akzent auf den Wert der Erfahrung und der Sinnlichkeit, er betont als das erste und wichtigste Dogma die Selbst-Vergöttlichung des Menschen.

[1] Siehe z. B. den Begriff “Kollegialität”, und die These, daß die Kirche Christi über die Katholische Kirche hinausreicht.

[2] On the Dignity of the Human Person, S. 179.

[3] Ibid., S. 180.

Rüdiger Altmann, Abschied von den Kirchen


kreuzabnahme-christi

Manchmal lohnt sich das Lesen des Portals gloria.tv durchaus, da es dort außer der obligatorischen Apokalyptik auch ab und zu tiefergehende Beiträge gibt, die das Nachdenken anregen. Unter anderem deswegen publizieren wir auch dort, um ein wenig das Niveau zu beeinflussen, hoffentlich in der positiven Richtung. Dank gloria.tv haben wir einen Aufsatz von Rüdiger Altmann entdeckt,  der am 06.07.1970 im sage und schreibe dem Spiegel veröffentlicht wurde. Der Aufsatz wurde also fünf Jahre nach dem Konzil und im Jahr der Einführung der Neuen Messen verfasst, welche sicherlich schon auf die eine oder andere Art und Weise vorher in Deutschland ad experimentum zelebriert wurde. Dieser Aufsatz ist sicherlich prophetisch zu nennen, denn es stellt das Bild der heutigen Kirche dar, wofür die Weichen spätestens im Jahre 1965 gestellt wurden. Rüdiger Altmann war kein Prophet, sondern nur ein politischer Analytiker. Er sah schon damals, unter Paul VI. voraus, dass die Katastrophe der säkularistischen Selbstzerstörung der Kirche eingeleitet wurde, wie der zündende Zeitmechanismus einer Bombe. Vielleicht gab es im Jahre 1970 noch katholische Denker, die meinten, dass das Experiment-Konzil noch gut gehen kann und wird. Sie wurden spätestens seit Papst Franziskus eines Besseren belehrt. Altmann hatte nicht geirrt, obwohl er im Jahre 1970 die vermeintlich „konservativen“ Pontifikate von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. nicht voraussehen konnte. Aber es war, wie sich jetzt mehr als deutlich herausstellt, nur eine Fassade, welche den inneren Zusammenbruch verdecken sollte. Steven Skojec und Hilary White bringen es auf den Punkt. Und wie hilft es uns weiter? Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Ferner ist die Diagnose von Rüdiger Altmann sehr zutreffend: „mit der Liturgie wurde die Kirche zerstört, mit der Liturgie wird sie wieder aufgerichtet“.

Man braucht nicht das Urteil künftiger Historiker abzuwarten, um das Ende des europäischen Kirchentums vor sich zu sehen.

Es ist nicht das Ergebnis von Kulturkämpfen und diktatorischer Unterdrückung. Zumal auf dem Schauplatz der Bundesrepublik sind die wesentlichen Kompromisse zwischen Staat und Kirche, der Kirchen untereinander, zwischen Säkularisation und Theologie zufriedenstellend formuliert, die Konfessionen Teilhaber des legalisierten Pluralismus, kein Gegner weit und breit. Der Fluch Voltaires ist verhallt, der philosophische Atheismus und die ideologische Entlarvung des Christentums gehören schon zu den Antiquitäten des XX. Jahrhunderts.

Aber jetzt, nachdem die großen Stürme abgeflaut sind und die heroischen Illusionen des Widerstandes ihre organisierende Kraft verlieren, suchen die Kirchen selbst die Erlösung von ihrer geschichtlichen Existenz. Der Abschied der Kirchen von der Gesellschaft vollzieht sich nicht im Kampf, höchstens im Kampf um Anpassung.

Die innerkirchlichen Energien, die sich in diesem Prozeß entbinden, sind beträchtlich, Insbesondere dort, wo sie sich nach links entladen und versuchen, sich politisch zu artikulieren. Aber indem sie das tun, verlieren sie die Basis, geraten sie zu politischen Zirkeln, Anschlußgruppen ohne eigene Struktur. In der Tat erklärt der Kampf um Anpassung zum guten Teil den egozentrischen Charakter vieler kirchlich-theologischer Diskussionen. Sie übersehen, daß das Ende der Repräsentation, die Krise der Institutionen, die Entsozialisierung des ideologischen Radikalismus gesamtgesellschaftliche Vorgänge sind. Die Schärfe der Reflexe, die sie im Lager der Kirchen hervorrufen, erklärt sich aus ihrem museal gewordenen Charakter.

Hüten wir uns vor eiligen Urteilen. Es handelt sich nicht um das Ende des christlichen Glaubens und, was die Kirchen betrifft, nicht um ein unvermutetes Erdbeben. Was geschieht, ist auch deshalb zeitgemäß, weil es sich im Binnenraum der Kirchen seit langem vorbereitet hat: In der Römischen Kirche, von der Carl Schmitt anfangs der zwanziger Jahre sagte, sie repräsentiere jetzt noch allein die Repräsentation. und im Protestantismus, der „noch von den Resten des katholischen Kirchentums lebte, sozusagen vom Duft einer leeren Flasche“ (Adolf von Harnack).

Berechenbar war dieser Zeitpunkt trotzdem nicht. Die Einberufung des Zweiten Vatikanischen Konzils ist eine höchst persönliche Entscheidung Johannes XXIII. gewesen, dessen Vitalität niemand vorausgesehen hatte. Unberechenbar war auch die Wirkung des Konzils. Der Papst hatte wohl doch gehofft, daß die so sorgsam gehütete Führungsfähigkeit des Papsttums diese Probe auch unter Paolo Hamleto bestehen würde — eine trügerische Hoffnung. Nicht, daß früher von Reformen keine Rede gewesen wäre. Aber jetzt entwickelt sich der Wunsch nach Reformen zur Leitidee, zur großen Schlüsselattitüde, die alles in sich aufnimmt: längst ergraute Ressentiments und Spannungen, den Kampf um den Zölibat, das Verhältnis von Klerikern und Laien, Entliturgisierung und Enttheologisierung, die Affekte gegen den päpstlichen Zentralismus.

Der Reformismus zeigt heute ein Bild von tumultuarischer Buntheit, Auf den ersten Blick ist schwer einzusehen, warum das Zweite Vatikanische Konzil so faszinierend im protestantischen Lager wirkte. Gewiß, die Person des Papstes Johannes, Hoffnungen auf einen Nachvollzug der Reformation, überhaupt ökumenische Ideen mögen Ihre Rolle gespielt haben. Aber dahinter verbarg sich, vor allem in Deutschland, dem klassischen Land der Kirchenspaltung und der „ReligionsPartheyen“, ein plötzlich einfallendes Bewußtsein der Gemeinsamkeit, der Gemeinsamkeit der Schwäche, ein durchaus paralleles Bedürfnis nach Modernität und Kommunikation. Noch unter dem Pontifikat Pius XII. lag die Distanz auf der alten Spannweite von Reformation und Gegenreformation. Nach dem Konzil schien es fast, als könne der neue katholische Reformismus die Reformationskirchen überholen.

Inzwischen hat sich die aufhaltende Kraft der Tradition bemerkbar gemacht: der Papst und die Kurie, das kanonische Recht, das Gebäude der Dogmatik. Aber die Kurie hat ihren Schlaganfall gehabt, die Hierarchie beginnt die Kontrolle über die Theologen zu verlieren.

Was hingegen die Bekenntnisse betrifft, so gehören sie nicht zu den Prioritäten des Reformismus. Man sucht nach Ausdrucksformen, nach „Welt“, weniger nach Wahrheit, und das verstärkt die Gemeinsamkeiten der Kirchen: in der Rezeption der kritischen, zum Teil schon negativen Theologie durch die katholischen Theologen, in dem retardierenden Konservatismus der Kirchenleitungen, in der Neigung zum sozialkritischen Radikalismus beim niederen Klerus, den Studenten und ideologisch Aktiven. Der Gegensatz zwischen konservativer Hierarchie und dem progressiven Radikalismus ist freilich nur relativ. Beide wollen die Anpassung, beide wollen, autoritär oder revolutionär, den Glauben als soziale Funktion. Sie sitzen in demselben Boot, wenn sie auch in verschiedener Richtung rudern.

So sind sich die Kirchen ähnlich geworden, weniger durch ökumenische Bewegung als in der Assimilation des Alterns. In Zukunft wird die Verständigung unter konservativen und traditionsorientierten Katholiken und Protestanten leichter sein als zwischen Progressiven und Konservativen innerhalb der eigenen Kirchen.

Auf der anderen Seite die Kirchen des Ostens, aus der sozialistischen Gesellschaft in den Untergrund gedrängt. Erstaunlich, wie sehr sie der Gefahr der apologetischen Vereinsamung entgangen sind, wie die mystische Theologie der orthodoxen Kirche sich hat erhalten können, ohne Philosophie und Zeitbewußtsein, nur in der Übung des Kultus: „l’obscurité protège mieux la loi“.

In der Bundesrepublik schien der Charakter der Kirchen in den fünfziger Jahren noch eindeutig. Damals subventionierten sie den neuen Staat mit ihrem Prestige. Die große Anpassungsformel hieß „Öffentlichkeitsanspruch“: Die Kirchen als Teilhaber am Konzert der pluralistischen Interessen, als Träger der Sozialpflege, als Einflußnehmer auf Demokratie und Parteien, ganz modern und zeitgemäß und, wie sich heute zeigt, doch nur eine restaurative Prothese, auch wenn man Studentengemeinden, Akademien und die ganze Fülle inzwischen konventionell gewordener Suborganisationen hinzunimmt. Denn die Durchsetzung ihres Öffentlichkeitsanspruchs war kein Weg zur Selbstbehauptung, sondern zur Selbstsäkularisierung, wenn auch in der trügerischen Optik eines institutionell gebundenen, paritätisch garantierten Netzwerks privilegierter Aktivität.

Inzwischen ist aus dieser Anpassung ein offener Rückzug geworden. Die Rolle der Kirchen gehört noch zum theatrum publicum der Massendemokratie. Aber sie sind ohne Hoffnung, das Drehbuch der Politik mitredigieren zu können, verlangen es wohl auch nicht mehr.

Bieten In dieser Lage Sozialkritik und Sozialaktivismus tatsächlich neue Darstellungsmöglichkeiten religiösen Lebens? Jedenfalls wachsen von da aus das Engagement für die Entwicklungshilfe, für Biafra-Aktionen und ähnliches, weiter links die Vietnam-Mentalität oder die Sympathie mit lateinamerikanischen Guerillas, ebenso innenpolitische Optionen, „es fehlt noch das Wort zur Mitbestimmung im kirchlichen Raum“ (inzwischen nicht mehr); intra muros die Neuinszenierung von Gottesdiensten, Diskussionen, Beat-Messen oder die liturgische Imitation protestierender Gesten. Alle diese Experimente, radikal und gemäßigt, haben dieselbe Tendenz, aus der traditionellen Gemeinde eine Aktionsgruppe zu machen, die Institution in soziale Energie zu verflüssigen — in Wirklichkeit ist es freilich eine Regression.

Der sich daraus ergebende Säkularisierungsgewinn kommt vor allem der kritischen Theologie zugute, die sich der Kontrolle der kirchlichen Lehrämter weit mehr als früher entziehen kann. Schon ihr publizistisches Volumen ist erstaunlich. Ihre scheinbare Chance liegt in der Preisgabe des Heilswissens, das durch Zeitbewußtsein kompensiert wird. „Christliche Theologie rezipiert damit die Aufgaben der Gesellschaftskritik“ (Rudolf Ringguth); „Theologie der Hoffnung“ (Moltmann), „Politische Theologie“ (Metz), „Gott ist tot“ (Sölle).

Wissenschaftlich gesehen sind solche Titel und Schlagworte weder neu noch originell. Wichtiger ist die Tatsache, daß die Wandlung der Theologie zur Ideologie jetzt innerhalb der Kirchen selbst stattfindet, besonders im Bewußtsein des jüngeren Klerus, der manchmal hofft, einer neuen Intelligentsia anzugehören, freischwebend (wenn auch mit Hilfe der Kirchensteuer), mit anscheinend wachsenden antisakralen Affekten. Und so gewiß es ein Fehler wäre, die gesamte modernistische Theologie an ihren radikalen Symptomen zu messen, so wenig gibt es gegen diese Entwicklung selbst eine konservative Position, die mehr als Kompromisse anbieten könnte. Dem theologischen Reformismus, auch dem radikalen, gehören außerdem die Sympathien der öffentlichen Meinung, allerdings nur nach Maßgabe des bekannten Volksliedes: „Jetzt gang ans Brünnele, trink aber net“.

Unter den modernen Wissenschaften hat auch diese Theologie nur Anciennitätsrang. Um so größer ist ihre Wirkung auf den Kultus der Kirchen. Sie wird ihn in absehbarer Zeit zerstört haben. Man wird nicht mehr lange vom „unverbindlichen Weltbild der Bibel“ sprechen können, ohne zugleich die alten Formen des Kultus beiseite zu schieben.

Für die protestantische Kirche ist das fast schon selbstverständlich, wenn auch noch nicht zu sehen ist, welche Formen Kirchenlied, Gebet und Predigt annehmen sollen. Umso tiefgreifendere Folgen muß die Rezeption der kritischen Theologie für den Katholizismus haben, wenn die Messe den Charakter der Mysterienfeier verliert. Hier ist gewiß langer und zäher Widerstand zu erwarten. Aber wird es möglich sein, die Auferstehung Jesu und seine Himmelfahrt, die Unbefleckte Empfängnis und vieles andere gegen die theologische Kritik, gewissermaßen als sakrale Folklore, zu erhalten? Vielleicht werden die Gewerkschaften die letzten sein, die die christlichen Feiertage, wenn auch nur tarifpolitisch, verteidigen.

Die Zerstörung des Kultus wäre aber ein Vorgang, der weit mehr als die Außenseite der Liturgie betrifft. Sie trifft die Struktur des europäischen Kirchentums, zu dessen Schwerpunkten der Kultus und seine Öffentlichkeit gehören. Sie trifft die Darstellungsfähigkeit des Glaubens und damit seine Mysterien. Denn die christliche Botschaft ist, trotz der überwältigenden Rationalität, die von ihr als Wirkung ausging, Offenbarung von Geheimnissen. Sollten die Kirchen, wenn auch nur allmählich, aber in einer sich jetzt rascher beschleunigenden Entwicklung, darauf verzichten müssen, die Wahrheiten ihres Glaubens zu verehren und zu feiern, und sich damit begnügen, soziale Prinzipien zu demonstrieren, wäre ihr Ende besiegelt.

Natürlich kein Ende mit Schrecken. Dem widersprechen die musealen Bedürfnisse der Gesellschaft. Einen hohen Stellenwert könnte die Meditation erhalten, vielleicht mit einer gewissen rituellen Ausstattung. Die Neigung, den Kultus als eine Art humanitärer Volkshochschule, auch als Basis einer ethisch motivierten Geselligkeit, attraktiv zu machen, ist bereits vorhanden.

Im Übrigen werden gewisse kultische Grundbedürfnisse der Gesellschaft den Abbau der christlichen Riten wahrscheinlich überleben — allerdings in einem schroffer werdenden Gegensatz zur Rationalität des Gemeinwesens und als Element von Untergrundkulturen, zum Teil mit orgiastischen, auch dämonologischen Zügen. Insofern kann man sich beim Anblick gewisser Reformer, die den Geruch des Weihrauchs und die Sinnlichkeit der Liturgie kaum noch ertragen können, aber mit interessierter Toleranz die drogengestützten Experimente der Jugend verfolgen, einer gewissen Rührung nicht erwehren.

Sicher ist allerdings, daß die Theologie die Zerstörung des Kultus nicht überleben wird. Eine Kirche kann ohne Theologie, aber keine Theologie ohne Kirche leben, nicht einmal reduziert auf ihren literarischen Wert. Aber es wird Möglichkeiten interdisziplinärer Symbiosen mit den Sozial- und Geisteswissenschaften geben, insbesondere dort, wo die Kritik anstelle der Theorie getreten ist. Aus dem Verhältnis von Theorie und Praxis ist die Theologie allerdings heraus, endgültiger als der Marxismus.

Aber wie steht es, abgesehen von Glauben und Kultus, mit den tatsächlichen humanitären Möglichkeiten und Aufgaben der Kirche? Wo liegen ihre Chancen im sozialen Engagement? Die Antwort darauf ist nicht leicht. Das zeigt schon ein Blick auf ihre Geschichte gewordenen Leistungen. Sozialkritik und Sozialaktivismus zielen nicht nur auf Caritas, Innere Mission und Entwicklungshilfe, sondern immer auch auf Evolution und Revolution, auf neue innerweltliche Ordnungen (ganz gleich welche). Und ist nicht die Teilnahme an der Herrschaft die große, schließlich doch nicht bestandene Versuchung der Kirchen gewesen?

Man könnte antworten, daß die Kirchen ja gerade nicht mehr an der bisherigen Herrschaft teilnehmen, sondern sie zugunsten einer besseren Ordnung stürzen helfen sollen. Aber diese Antwort ist ein Selbstbetrug. Es hilft gar nichts, den Großinquisitor gegen einen Revolutionär auszuwechseln, auch nicht in Lateinamerika.

Ebenso wenig wird das Sozialengagement in der Industriegesellschaft selbst Terrain gewinnen helfen. Gerade weil die nationalen Gesellschaften im Kampf um ihre neue soziale Form scheitern werden (aber selbst darin sind sie fortschrittlicher als die Kommunisten), werden sie den Kirchen kein eigenes Terrain überlassen, sie werden ihnen allenfalls öffentliche Aufgaben delegieren.

Die Saison des Reformismus wird dieses Jahrzehnt nicht überdauern. Der Zwang zur wirtschaftlichen Selbsterhaltung und das Bedürfnis nach humanitärer Rechtfertigung werden sich dann noch krasser gegenüberstehen. Mehr noch als heute wird künftig der Fortschritt am Maßstab seiner Schäden und Nachteile gemessen werden. Vielleicht muß diese Gesellschaft dann neben Ihren Leistungskadern ihre Gegengesellschaft inszenieren, um die einzelnen und Gruppen, die nicht den Faktoren der Produktivität zuzuschlagen sind, in Sozietät zu bringen. Aber soziale Funktionen und öffentliche Legitimation sind für die Kirchen auch hier nicht zu gewinnen. Noch kämpfen sie in der Bundesliga der Manipulatoren gegen den drohenden Abstieg. Noch halten sie, trotz Geldsammlungen, Enzykliken und Friedensappellen, die Krone der Armut für eine Narrenkappe.

Wie dem auch sei, der Abschied der Kirchen von der Gesellschaft ist unvermeidlich, die Reformer werden ihn ebenso vollziehen wie die Taktiker der Verteidigung, vielleicht ungewollt, aber sie werden ihn vollziehen. Die Kirche wird keine Kirche der Arbeiter sein, wie Emmanuel Mounier gehofft hat, aber auch keine Teilhaberin öffentlicher Macht bleiben, auch nicht als potestas indirecta. Das ist weder resignativ noch apokalyptisch gemeint, wenn man auch zugeben muß, daß die evangelische Gewißheit, die Pforten der Hölle würden sie nicht überwältigen, eine Überprüfung des Kirchenbegriffs nötig macht. Abschied nehmen muß der Katholizismus auch vom Gedanken der Kulturreligion, während der Protestantismus seine Konfessionsfähigkeit gegen die Theologen neu erkämpfen muß.

Die Zukunft der Kirchen liegt wahrscheinlich allein in der Wiederherstellung des Kultus. Das klingt reaktionär, ist es auch. Andernfalls bleibt ihnen die „Öffnung zur Welt“. Aber was sie für Teilnahme am sozialen Prozeß halten — das eben ist ihre Liquidation.

Von Rüdiger Altmann

Hilary White: Warum die Revolutionäre immer als erstes kontemplative Nonnen zerschlagen


mary-baby-jesus-and-all-the-saints

Ein neuer, sehr trauriger und wahrer Text von Hilary White. Der Papst Franziskus zerstört noch die kontemplativen Frauenorden, deren sehr kleine oder beständige Anzahl trotz der nachkonziliaren Reformen Gott das Opfer der Anbetung darbringen konnte. Jetzt geht es auch ihnen an den Kragen. Die Parallele von „Erledigung der Rest-Tschechei“ macht sich breit.

Die seligen Märtyrer von Nowogrodek, die von der Gestapo im August 1943 im besetzten Polen exekutiert wurden, waren Mitglieder der Schwestern der Heiligen Familie von Nazareth.

nowogrodekEin Italienischer Priester: “Ihr kontemplativen Nonnen, sucht das Gesicht Gottes, so lange ihr könnt!”

Die uralte christliche Berufung der immerwährenden Kontemplation Gottes, der freiwillige Rückzug aus der Welt und ihren zeitlichen Sorgen, die Selbstaufopferung und die Versenkung in das Gebetsleben werden wohl bald effektiv von den derzeitigen Besatzern des Heiligen Stuhles, die die gesamte Sphäre des katholischen Lebens determinieren und in die Konformität mit den säkulären Trends des 2. Vatikanums treiben,  unterdrückt werden. Das kürzlich von der Kongregation für das Ordenswesen herausgegebene Dokument schreibt viele der  kanonischen Normen für kontemplative weibliche Gemeinschaften neu und wird die Kontrolle über das klösterliche Leben zentralisieren.

Ein italienischer Priester äußerte die Ängste vieler, dass es das Ziel sei, die wenigen abtrünnigen traditionellen oder traditionell denkenden Nonnen dazu zu zwingen in das Neue Paradigma der Franziskus-Kirche einzuwilligen. Klöster, die traditionell weitgehende Autonomie genossen haben, werden zentralisiert.

Wenige innerhalb und fast niemand außerhalb der Kirche, nahm von der apostolischen Konstitution “Vultum dei quaerere,” überhaupt Notiz, die allen Klöstern mitteilt, dass sie sich “Verbänden” anschließen müssen, die ihre Strukturierung und Ausbildung leiten sollen. Bei Nichteinwilligung wird wahrscheinlich Ihr Haus für nicht lebensfähig erklärt und geschlossen.

Don Giorgio Ghio gab den Nonnen den naheliegenden Rat: macht weiter! Egal was passiert, ignorieren Sie die Attacken des Neuen Regimes und fahren Sie fort, das Angesicht Gottes zu suchen! Sie können euch nicht vom Beten abhalten, Sie können euer Kloster wegnehmen. Sie können euch zwingen, euren Habit auszuziehen. Sie können euch modernistische Ketzer als Obere vorsetzen und neue “Ausbildungs-” regeln erlassen. Aber weil sie nicht glauben, können sie nicht wissen, dass nichts davon euch von der Verwirklichung eurer Berufung wahrhaft abbringen kann.

Das kontemplative Leben als diamantene Krone der Kirche bezeichnend, schreibt Don Giorgio dass “die Einsätze aus einer übernatürlichen Sichtweise heraus, welche die einzig angemessene ist, kirchliche Entscheidungen zu verwirklichen,” wirklich die besten sind (altissimi im Original).

Diejenigen, die mit postkonziliaren Texten vertraut sind, “riechen” in diesem Dokument die „Ideen, Absichten und typischen Bewegungen der »Erneuerung«des religiösen Lebens“, die fast überall die „himmelschreiende Dekadenz“ in Konventen und Klöstern verursacht haben. Diese falsche Erneuerung, so sagt er, habe „dazu geführt, das religiöse Leben auf eine Art bürgerliches Leben zu reduzieren, dass sich von seinem weltlichen Äquivalent nur in der bequemen Befreiung von der Notwendigkeit der Arbeit und der fehlenden Wahrnehmung echter Verantwortung unterscheidet.“

Von Anfang an schlägt das Dokument eine Reihe von vagen Zielen vor: „Zeugnis, Zeichen, Prophezeiung …“ – und nicht Gott selbst als das Ziel des kontemplativen religiösen Lebens.

Aus dieser verzerrten Perspektive„, fährt er fort,

“werden oft vage oder abstrakte Normen etabliert, die darauf abzielen, Probleme zu lösen, die meistens nicht real, sondern aus ideologischen Gründen entstanden sind, die aus unrealistischen Idealen stammen und möglicherweise geeignet sind, ein Deckmantel für schleichende Intentionen zu sein.

Es ist auch anzumerken, dass die im Text enthaltenen Zitate (Schriftstelle, Väter, Lehramt) oft gewaltsam dahin verbogen werden, die Sprache, die in Ihrem Ton typisch modernistisch ist, zu bestätigen: da das Klosterleben eine Herausforderung für unsere Zeit ist, müssen wir es ändern.

Es ist nicht leicht, die Logik solch einer stillschweigenden Annahme zu verstehen, es sei denn, sie wollen die Berufung, die von Anfang an ein wirksames Gegenmittel gegen die Korruption und eine Lauheit [“intiepidimento”]  des christlichen Volkes ist, deformieren

Dieser Verdacht wird durch das Insistieren des Dekretes auf a) der Notwendigkeit eines lebenslangen Lernens, b) der Zusammenarbeit zwischen den Klöstern, die zu einem Verband gehören, gestärkt: es fällt sehr schwer, darin nicht den Versuch zu sehen, sich in das Klosterleben einzumischen oder Indoktrinierungsmethoden zu etablieren, angesichts der effektiven Resultate unter den Ordensleuten, die sich aus dem Studium einer schlechten Theologie und dem Einfluss lokaler Vereinigungen ergeben…”

Er geht auf Details über die Abschnitte des Dokuments ein, nach denen der beständige Glaube der Kirche geleugnet wird, dass das kontemplative Leben ein vollkommeneres christliches Leben sei: „Die betende Gemeinschaft und vor allem das kontemplative Leben … bietet keine vollkommenere Verwirklichung des Evangeliums „, eine Vorstellung, die er „offensichtlich falsch“ nennt.

Das Dokument fordert eine [§§ 7-8] „angemessene Erneuerung der veränderten Zeitverhältnisse, Veränderung soziokultureller Bedingungen …“ Don Giorgio fragt:

„Evangelische Vollendung ist nicht immer und überall gut?“

Auf den außergewöhnlichen Paukenschlag des Dokumentes hin, nach dem das kontemplative Leben nun eine neun- bis zwölfjährige Ausbildung vor den Gelübden“ erfordere, fragt Don Giorgio „Braucht man eine Promotion, um eine klausurierte Nonne zu werden?

Er ergänzt:

“Es ist nicht bekannt, dass die Heilige Theresa von Avila in Salamanca studiert hat, während sie Gebrauch von gelehrten geistlichen Führern machte.”

Schlussendlich, sagt Don Giorgio, entbehrt das Dokument; “vollständig der Perspektive auf die  Rechte Gottes und auf den selbstlosen Dienst, der IHM keine Bedingungen setzt.“

Weil seine (des Dokumentes) einzigen konkreten Bestimmungen über die Formung, die Natur der geweihten Klausur und deren Autonomie handeln, „riecht es nach einem verschleierten Versuch der Manipulation, der Strukturierung und der Kontrolle„.

Bedrohlicher ist es, da das weibliche Klosterleben sich „generell in guter Gesundheit befindet,“ dass die neuen Einschränkungen nur auf die Klöster der aufkeimenden „traditionellen Tendenz“ gerichtet sind. Von daher ist es „schwierig, den Verdacht loszuwerden, dass genau diese Klöster in die düstere Landschaft des heutigen geweihten Lebens »normalisiert« werden sollen, das heißt, „eingeebnet in die kahle Landschaft des heutigen geweihten Lebens“.  Das bedeutet, „sich vor der Vision der Aufklärung, die das [religiöse Leben] nur in Abhängigkeit von sozialen und humanitären Zwecken erlaubt, zu beugen.“

„Berüchtigterweise sind Institutionen, die nicht mit den Launen des Regimes übereinstimmen, verurteilt, eine nach der anderen, von einem Kommissar plattgewalzt zu werden.“

Er fordert die Nonnen dazu auf, es zu “erdulden”, weil “dieser Sturm vorübergehen wird und all die Gefängniswärter, einer nach dem anderen, sich vor dem göttlichen Gericht verantworten müssen.”

“Diejenigen, die, wie in den Tagen der Französischen Revolution, trotz allem ausharren, können in der Heiligkeit wachsen und die Belohnung der treuen Diener und Freunde Gottes erlangen.”

Don Giorgio, ein Priester der Erzdiözese Toulouse, der ursprünglich in Rom inkardiniert wurde, veröffentlicht regelmäßig auf Italienisch Beiträge auf traditionellen katholischen Blogs und Online-Magazinen. (Im Übrigen stelle ich fest, dass sein Brief an die Nonnen auf einer Website veröffentlicht wurde, die die offensichtlich falschen Medjugorje „Erscheinungen“ fördert, aber es gibt keinen Grund zu denken, dass Don Giorgio dem selbst zustimmt.)

Gläubige Katholiken sind zutiefst beunruhigt über diesen sehr gezielten Angriff auf die Nonnen. Das wenige Leben, das in den katholischen Institutionen überlebte, ist weitgehend das Ergebnis der Gnade und Barmherzigkeit Gottes, die aufgrund der Macht der Gebete in diesen Häusern gesucht und ausgegossen wird. Katholische Gläubige haben genau dies immer als die Rolle der kontemplativen Orden verstanden. Und es ist bezeichnend, dass Rom genau diesen rein übernatürlichen Zweck gezielt eliminieren will. Dieser Zweck speist nicht die Armen, wie alle weltlichen Ideologen immer betont haben, er ist wertlos – und mehr als das – gefährlich.

Es gibt einen Grund, weshalb säkularistische Regime immer Häuser kontemplativer Nonnen schließen. Sehr oft in der Geschichte seit der Französischen Revolution, sind sie auf rücksichtsloseste Weise behandelt worden, bis hin zur öffentlichen Exekution, aufgrund des totalen Gegensatzes zu den Zielen der Neuen Ordnung, die ihr Lebensstil darstellt.

martyrs-of-compiegneEs gab viele Spekulationen darüber, weshalb der Franziskus Vatikan insbesondere die kontemplativen Nonnen anvisierte und dabei aktive Orden und Männerklöster ausnahm. Viele haben auf die Starrheit und Unnachgiebigkeit der Franziskanerinnen der Unbefleckten Empfängnis als eine Irritation, als Peinlichkeit und als eine Straßensperre der Franziskus Agenda hingewiesen. Aber vielleicht kann eine einfachere Begründung in folgendem Fakt gefunden werden: die (nicht kontemplativen) aktiven Schwestern – jedenfalls das, was von ihnen übriggeblieben ist – sind mit dem NEUEKIRCHE Programm fast zu 100 Prozent einig.

Sie sterben auch aus. Statistisch sind nahezu die einzigen Orden, von denen man sagen kann, dass sie überleben – eine Handvoll, die aktuell im Hinblick auf Berufungen gedeihen – die kontemplativen Klöster, die ihre alten Traditionen und ihre Anhänglichkeit an die Katholische Religion bewahrt haben.

Im nächsten Monat werden die Benediktiner-Äbte und Leiter der männlichen Klöster ihr regelmäßiges Treffen in Rom haben.

Es ist vorgesehen, sich mit dem Papst auszutauschen. Wir werden sehen, was daraus wird.

Inzwischen hat Pater Daniel Couture, der regionale Obere der kanadischen FSSPX, einen Brief aufgesetzt, der die Katholiken dazu ermutigt, sich in ihrem Rosenkranzkreuzzug für das soziale Königtum Christi in der Welt einzubringen.

Er zitiert Schwester Lucia. die zu Pater Fuentes im Jahr 1957 sagte:

„Der Heilige Rosenkranz und die Hingabe an das Unbefleckte Herz Mariens sind unsere beiden letzten Hilfen und unsere Zuflucht, und das bedeutet, dass es keine anderen mehr geben wird … Mit einer gewissen Beklommenheit bietet Gott uns das endgültig letzte Heilmittel an: seine Allerheiligste Mutter.“

Pater Couture fügt hinzu, dass wir in der Botschaft von Fatima

„…ein wahres Gegenmittel finden gegen den schändlichen Irrtum der Trennung von Kirche und Staat, die auch Säkularisierung, d.h. die Trennung zwischen der geistigen und den zeitlichen Ordnung genannt wird. Diese ist das Übel unserer Tage, welches perfekt im Titel des Buches von Erzbischof Lefebvre zusammengefasste ist: „Sie haben Ihn entthront“.

Das von Bischof Bernard Fellay gesetzte Ziel ist ein Strauß von 12 Millionen Rosenkränzen und 50 Millionen Opfern für Unsere Liebe Frau von Fatima.“Es scheint, dass wir in diesen zunehmend dunkler werdenden Zeiten dazu gedrängt werden, zu diesen letzten Hilfen unsere Zuflucht zu nehmen

Besuchen Sie hier den Aufruf zu diesem Kreuzzug.

 

Ursprünglich veröffentlicht in: http://remnantnewspaper.com/web/index.php/fetzen-fliegen/item/2749-why-revolutionaries-always-crush-contemplative-nuns-first