Der Seiko-Mariensamstag (4 von 5): Votivmesse am Samstag und Maria


Votivmesse an Samstag ist Maria gewidmet

Schon im VIII Jhdt. sind Votivmessen zur Ehren der Mutter Gottes nachweisbar. Im 9. Jahrhundert verbreitete sich die Gewohnheit, den Samstag ganz Maria zu weihen.[1] Es war aber der Hl. Alkuin (735-804), der Benediktiner, welcher am Hof Karls des Großen wirkte und die karolingische Liturgiereform vorantrieb, diesmal zur Abwechslung eine positive, welcher wir den Mariensamstag verdanken. Wie der Seite Marian Catechist Apostolate, die wir hier fast wörtlich zitieren zu entnehmen ist:

Keep on reading!

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Der Seiko-Mariensamstag (3 von 5): Permutationen des Novus Ordo


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Permutationen der NOM

Warum ist es bei NOM nicht möglich in die Tiefe zu gehen? Aus zweierlei Gründen. Es ist entweder immer dasselbe: Zweiter Messkanon oder es ist ein permanentes Chaos bzw. zu viele neue Informationen auf einmal, da man auch ganz genau nach den nachkonziliaren Rubriken zelebrierend, schier eine unendliche Permutation- oder Optionsmöglichkeit hat. Keep on reading!

Der Seiko-Mariensamstag (1 von 5): Seiko und Katholizismus


Da heute am 18.03.2017, dem Fest des Hl. Cyrill von Jerusalem, eine Schreckensmeldung aus Rom die nächste jagt, so wollen wir hier ab und zu praktische Tipps zur eigenen Frömmigkeit und zur Herzenserwärmung vorstellen, welche, da sie an den deutschprachigen Leser gerichtet sind, informativ und praktisch gehalten werden. Keep on reading!

Traditionelle Messe ist frauenfreundlich (5 von 5): Selbstzentriertheit des Novus Ordo und Mantilla


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Ad c. Ist Selbstzentriertheit Novus Ordo?

Warum wurde das letze Konzil, Gott sei’s geklagt, veranstaltet? Um es dem „modernen Menschen“ gerecht zu machen. Was gerecht zu machen? Alles, wirklich alles. Aber warum? Weil der moderne Mensch dermaßen wertvoll, weil modern ist, dass er es einfach verdient. Die anderen, die nicht-modernen Neandertaler, waren ja nur behindert! So unmodern! Um an dieser Stelle die unvergleichliche Ann Barnhardt, sicherlich keine Tussi, zu zitieren:

„Traditionelle Messe ist frauenfreundlich (5 von 5): Selbstzentriertheit des Novus Ordo und Mantilla“ weiterlesen

Steven Skojec, Warum die Liturgie wirklich der Schlüssel zu allem anderen ist


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Wir präsentieren wieder einmal einen Aufsatz von Peter Skojec, dem Herausgeber von onepeterfive, in der ausgezeichneten Übersetzung von davillatollkuehn. Menschen und besondere Geistliche, die ausschließlich Novus Ordo kennen, wundern sich oft über die Hartnäckigkeit der Traditionalisten, mit welcher diese auf die Wichtigkeit der Tridentinischen Messe pochen. Sogar diese „toleranten“ Novus Ordo – Vertreter, welche die Alte Messe für zulässig und kein „Teufelswerk“ halten, denken sich:

„Messe hin oder her. So einen Unterschied kann es ja nicht machen, wenn beide gültig sind. Das andere ist bloß kulturell angewachsenes Brimborium. Es gibt Wichtigeres in der Kirche. Familie, Gesellschaft, Lehre und jetzt haben wir einen häretischen Papst. Wenn wieder alles ins Lot kommt, werden wir uns um die Liturgie kümmern. Jetzt aber gibt es Wichtigeres“.

Dieser Aussprucht könnten von einem „guten, konservativen Bischof“ stammen, den es in Deutschland nicht gibt, siehe die letzte Entscheidung der DBK Sakramente an die Ehebrecher, d.h. an Todsünder, zu spenden. Es ist ein Denken, das sicherlich sowohl von bona fide zeugt als auch von der Unkenntnis der Alten Messe gekennzeichnet ist, ein Denken, welches von der fehlenden Erfahrung geprägt wird, dass die Alte Liturgie wirklich wirkt. Sie wirkt gnadenbringender, erleuchtender, heiligender, die lässlichen Sünden mindernder als die Novus Ordo Liturgie. Dies ist auch die katholische Sakramentenlehre insbesondere über das Sakrament der Eucharistie, welche diese Wirkungen aufzählt. Und warum erfahren wir es meistens nicht? Weil die Novus Ordo Sakramente viel weniger wirken, insbesondere die Neue Messe wirkt kaum. Wie kann aber ein gültiges Sakrament „weniger wirken“? Weil ein Sakrament nicht nur aus der Gütligkeit besteht und die Messe viel mehr ist als die Wandlungsworte selbst, welche samt Materie und der Intention des Priesters das zu tun, was die Kirche mit diesem Sakrament tut, das eigentliche Sakrament ausmachen. Liturgie ist auch viel mehr als das Sakrament. Liturgie ist ein Sich-Einklinken in die göttlichen Wirklichkeit, an das himmlische Jerusalem, an der wir gerade durch die Liturgie teilnehmen. Der Schreiber dieser Zeilen hatte wirklich sein Leben lang mit allem Ernst nach der Wahrheit, warum es um die Theologie und die Kirche so schlecht steht, gesucht. Aber erst als er mit dem täglichen Beten der Alten Breviere auf Lateinisch anfing, also mit einer liturgischen Handlung, welche für ihn keine Pflicht war, begann er gleichsam „zu sehen“. Die Antworten kamen von selbst mit der Einsicht, wie und warum die Dinge so stehen wie sie stehen. Als hätte man mehr Licht erhalten, um die Unordnung in einem Zimmer zu sehen, wo man früher, in der Dunkelheit, nur gegen Möbel lief und sich fragte, was es wohl war. Es war als würde man sich immer höher erheben, um die Dinge aus der Vogelperspektive zu betrachten, um auf diese Art und Weise die verschlungenen Wege und die Sackgassen zu sehen. Es ist die Wirkung der Liturgie, nicht sein Verdienst oder nur insoweit, dass er sich dieser Liturgie, wie bei der Messe, aussetzte oder diese, wie beim Brevier, verrichtete. Die Alte Messe wird deswegen unterbunden und verfolgt, weil sie „sehend“ macht. Es ist so, als hätten Sie im tiefsten Kommunismus den Westen besucht und stellten fest, dass der „real existierende Sozialismus“ doch nicht das beste System war. Hilary White spricht von der nachkonziliaren Kirche als von dem „Novus Ordo Konzentrationslager“. Ein wenig übertrieben, wie wir finden, „Lager“ oder „Gulag“ hätten gereicht, doch Recht hat sie. Fahren wir zur Alten Messe, wenn wir können, scheuen wir nicht den Weg oder das Geld. Wir werden an göttlichen Mysterien teilnehmen und zwar so, wie die Kirche sie immer hielt, wir werden verständiger und schauender. Wir müssen Gnade horten, um bei dem kommendem Kampf bestehen zu können.

Der o.a. Aufsatz von Steven Skojec wurde ursprünglich hier publiziert.

Nichts ist so großartig wie die Eucharistie. Wenn Gott uns etwas Kostbareres zu geben hätte, hätte ER es getan.

– Saint Jean-Marie Vianney

Das erste Mal, als ich durch die Tore des Petersdomes in Rom ging, war ich überwältigt. Dieser größte Schatz der christlichen Architektur beeindruckte mich und erzeugte in mir ein unglaubliches und beeindruckendes Gefühl der Kleinheit. Als ich von draußen von der sonnigen Piazza in das gewaltige Innere der Kirche der Kirchen trat, wurde ich gleichsam verschlungen. Hier, in diesem majestätischen Testament aus Stein und Marmor, Silber und Gold, wurde mir die überwältigende Herrlichkeit Gottes und meine eigene Bedeutungslosigkeit klar.

Keine Religion in der Geschichte der Welt hat jemals solche Tempel inspiriert; keine heidnische Gottheit konnte die Ausgießung menschlicher Erfindungsgabe, handwerklichen Könnens und Leistungsfähigkeit hervorrufen, die sich im Dienst an der Ehre des einzig wahren Gottes manifestierte. Die Menge und Qualität der Architektur, der Kunst, der Musik, der Poesie und theologischen Darlegung, die der Welt in zwanzig Jahrhunderten des Katholizismus geschenkt wurde, macht den Geist taumeln.

Es gibt keine größere Inspirationsquelle als IHN, der uns alles gibt – unser Leben, unsere Talente, unsere Freuden, unsere Ewigkeit. Dadurch, dass wir durch die besten Werke unserer Kreativität IHN verehren, kehren wir selbst zu IHM zurück und geben IHM das wieder, was wir von IHM empfingen.

„Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk stammt von oben, herabsteigend vom Vater der Lichter, bei welchem keine Veränderung statthat, noch ein Schatten von Wandel ist.“ Jak 1: 17

Es ist daher nur passend, dass Gott uns befiehlt, IHN zu verehren. Wir sind geschaffen, um IHN in dieser Welt zu erkennen, zu lieben und IHM zu dienen und mit IHM für immer im Himmel glücklich zu sein. Aber glauben wir, dass diese Vorschriften zu unseren eigenen Bedingungen ausreichend zu erfüllen sind? Verlangt nicht Gott streng von uns das, wozu ER uns verpflichtet? Ist Gott nicht ein eifernder Gott, im wirklichen Sinn des Wortes, der das von uns erwartet, was IHM zusteht? Und ist das weniger als das Beste, was wir haben?

Es war schon immer so. Die meisten Menschen kennen die biblische Geschichte von Kain, der seinen Bruder Abel ermordet, aber nicht viele könnten sagen, was Kain zum Mord trieb. Es war Neid – Neid, der entstand, weil Abels Anbetung Gott wohlgefälliger als Kains eigene war.

Abel aber war ein Schafhirt, und Kain ein Ackerbauer. Es begab sich aber nach vielen Tagen, dass Kain von den Früchten der Erde dem Herrn Opfergaben darbrachte. Aber Abel brachte gleichfalls ein Opfer dar, von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fette. Da sah der Herr auf Abel und sein Opfer, aber auf Kain und sein Opfer sah er nicht, und Kain ergrimmte so heftig, dass sein Angesicht einfiel. Da sprach der Herr zu ihm: Warum bist du ergrimmt und warum ist dein Angesicht eingefallen? Wirst du nicht, wenn du Gutes tust, Lohn empfangen? Tuest du aber Böses, wird nicht sogleich die Sünde vor der Tür sein? Aber ihre Begier soll unter dir sein und du sollst über sie herrschen. Und Kain sagt zu Abel, seinem Bruder: Lass uns hinausgehen! Als sie nun auf dem Felde waren, erhob sich Kain gegen seinen Bruder Abel und erschlug ihn. (Gen 4, 2-8)

Warum bist du ergrimmt und warum ist dein Angesicht eingefallen? Wirst du nicht, wenn du Gutes tust, Lohn empfangen?“ Als Abel Gott opferte, brachte er IHM sein Kostbarstes, sein Bestes dar. Er opferte seine Erstgeburt, gab Gott nicht nur das Beste aus der Herde, sondern das Fett der Schafe, das wertvollste, was sie zu bieten haben. Er hielt nichts zurück; insbesondere nicht die Teile, die er wirklich eigentlich für sich haben wollte. Es war ein Ausgießen, eine Entleerung des Selbst, sein Flehen vor Gott war IHM wohlgefällig in seiner Gesamtheit.

Wir wissen nicht, was Kain Gott anbot – nur, dass er IHM von den Früchten der Erde gab. Wir wissen auch, durch die Worte Gottes an Kain, dass sein Opfer Gott gefälliger gewesen wäre, wenn er großzügig gehandelt hätte. Es ist daher klar, dass nicht alle Opfer, die Gott dargebracht werden von ihm als gleich angesehen werden. Es gibt einen Unterschied zwischen einer Verehrung, die ihm gefällt und einer Verehrung, die er nicht akzeptiert.

Es ist nicht egoistisch von Gott, von uns unser Kostbarstes zu verlangen. Nicht nur hat er uns jede gute Sache gegeben, und nicht nur, dass er uns in jedem Moment, in dem wir atmen,  in unserer Existenz hält, sondern

„Er hat die Welt so sehr geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern das ewige Leben habe“ (Joh. 3,16).

Während Gott den Engel zu Abrahm sandte, um dessen Hand zurückzuhalten und damit  Isaaks (dessen Sohn) Leben zu schonen, ließ er jedwede grausame Folter bis hin zum grausamen und schändlichen Tod am Kreuz an seinem eigenen göttlichen und unschuldigen Sohn Christus zu. Diesen Kelch des Leidens, wie Christus sich ausdrückte, trank ER bis zur Neige. Es ist die Wahrheit, dass es für uns nichts Wertvolleres gibt, als die Eucharistie, den Leib, das Blut, die Seele und die Gottheit des gekreuzigten Christus. Gott liebt uns so sehr, dass er uns dieses unsagbar selbstlose Geschenk gab, um unsere Erlösung zu realisieren. Nichts ist größer, als seine Liebe zu uns, die er uns gibt, damit wir sie IHM zurückgeben

Aber behandeln wir dieses Geschenk als das größte Geschenk, das es überhaupt geben kann? Ehren wir die Eucharistie als das Kostbarste, was im Universum existiert? Erkennen wir, dass dieses Geschenk SEINER Selbst unsere ganze Hingabe an IHN fordert?

Jede Liturgie stellt uns aufs neue in diesem Zyklus des sich selber Schenkens. Gott gibt uns das Beste, was er hat, und er fragt nach dem Besten, das wir IHM im Gegenzug dafür geben können. Aber wir können IHM nicht wirklich angemessen etwas geben, dass auch nur annähernd mit dem vergleichbar ist, was ER uns gibt. In unserer Ohnmacht eines angemessenen Gegengeschenkes gibt Gott sich selbst uns als Geschenk an IHN. ER nimmt auch unseren Platz ein als der, der Gott dieses Opfer anbietet. Er ist beides: Priester und Opfergabe. Jeder Priester, der an jedem Altar steht, wird von Christus selbst umfangen und eingeschlossen. Es ist Christus, der das Allerheiligste Altarsakrament seines eigenen Leibes und Blutes konsekriert. Es ist Christus, der opfert und gleichzeitig ist Christus der, der dem Vater im Namen von uns armen Sündern geopfert wird.

Das heilige Messopfer ist keine Mahlzeit. Es ist ein totales und vollkommenes Opfer. Der Priester deckt nicht den Tisch für ein Abendessen. Er bringt das geschlachtete und mit Blut befleckte Opfer auf dem Opferaltar dar, weil ER durch seinen Tod den Tod besiegt hat – den ewigen Tod der Sünde – und weil ER uns durch seine Auferstehung zum ewigen Leben transformiert. Die Messe wird, wesenhaft verstanden, nicht gefeiert, sondern sie wird IHM aufgeopfert, um seinen göttlichen Zorn wegen unseren vielfältigen und schweren Sünden zu stillen. Dieses Opfer ist nicht nur vollkommen, sondern IHM so lieb und teuer, dass wenn Gott IHN (seinen geopferten Sohn – Gott) sieht, und uns sieht, die wir IHN empfangen, ER uns so mit seiner Gnade übergießt, wie Christus sein Blut vergoss.

Wenn wir zur Messe gehen, stellt das die intimste Erfahrung Gottes dar, die wir in diesem Leben jemals erfahren können. Wir kommen zum Altar, um an diesem göttlichen sich gegenseitig selbst  Ausgießen und Hingeben teilzuhaben. ER gibt uns SICH SELBST, SEIN ALLES, und obwohl das unendlich mehr ist, als wir zurückgeben können, können  wir IHM doch uns selbst, unser alles zurückgeben. Während sich ein Mann und eine Frau in der unvollkommenen Vereinigung der ehelichen Umarmung zu einem Fleisch vereinigen, erlaubt uns Gott, IHN selbst uns einzuverleiben, so dass er buchstäblich eins mit unserem Körper und unserer Seele werden kann und dadurch, das wir das vollziehen, kann er sich uns einverleiben. Das ist eine atemberaubende Erfahrung.

Sobald wir die Natur der Messe und unsere Bestimmung wirklich zu verstehen beginnen, wird es uns möglich, zu erkennen, wie wichtig es ist, dass sie in einer angemessenen Art und Weise gefeiert wird. Obwohl man sagen kann, dass die Messe um des Menschen willen gemacht wurde, geht es konkret darum, dass der Mensch eine angemessene Gabe bekommt, die er Gott anbieten kann. Der Gegenstand unserer Anbetung ist Gott, nicht wir selbst. Aus diesem Grund ist jede Messe, in welcher der Mensch im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht, eine gefährliche Verfälschung und Karikatur.

Einige argumentieren, dass die Form der Liturgie so lange keine Rolle spielt, wie Christus vorhanden ist. Es ist wahr, dass, wenn Christus gegenwärtig gemacht wird, das Gott angebotene Opfer selbst perfekt ist, aber das bedeutet nicht, dass das auch für unsere Anbetung oder unser Verständnis des Opfers gilt.

Die eucharistische Gegenwart Christi manifestiert sich durch göttliches Handeln. Es ist Christus, der Priester Christus, der das Opfer dem Vater im Himmel durch die Kraft des Heiligen Geistes anbietet. Das, was wir sehen, was auf dem Altar geschieht, ist ein Einblick in das innere Leben der Heiligsten Dreifaltigkeit, ein Einblick in die Liebe und die Interaktion zwischen den göttlichen Personen, – ohne irgendein eigenes Verdienst unsererseits. Wie der Priester im Quam oblationem Gebet des ALTEN Ritus betet:

Diese Opfergabe mache du, o Gott, wir bitten dich, huldvoll in jeder Hinsicht zu einer gesegneten, bei dir eingetragenen, gültigen, geistigen und genehmen, damit sie uns werde Leib und Blut deines vielgeliebten Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus.

Es ist Gott, der das Opfer Gott wohlgefällig macht, und zwar deswegen, weil Gott selbst das Opfer ist.

Was wir in der Liturgie bringen, was wir Gott anbieten, ist unsere Ehre, unsere Ehrfurcht, unser Flehen, unsere Zerknirschung, unsere Anbetung, und unser Lob. „Ein Opfer für Gott ist ein zerknirschter Geist, ein reuiges und gedemütigtes Herz wirst du, o Gott nicht verschmähen“ (Ps 51:19.). Der Priester, der die Gaben konsekriert, tut dies nicht durch eine Kraft, die er besitzt, sondern durch eine, die er aus der Vereinigung mit dem einzig wahren Priestertum Christi bezieht.

„Wenn ich die Messe zelebriere:“ sagte mir einmal ein junger traditioneller Priester: „bin ich ein Sklave der Liturgie. Die Kirche sagt mir, wo ich zu stehen, wie ich meine Hände zu legen habe, wann ich knie oder den Altar küssen soll … Mein Selbst verschwindet und Christus wirkt durch mich. „Das Opfer des Priesters ist eines der Demut, der Ehrfurcht, der Entleerung seiner selbst. „Schaff Recht mir, Gott“, fleht er am Fuße des Altars, die Worte des Psalmisten wiederholend, „und führe meine Sache gegen ein unheiliges Volk; von frevelhaften, falschen Menschen rette mich „

Auch wir kommen als demütige Bittsteller, mit einer empfänglichen und aufmerksamen Disposition. Die Liturgie geschieht unabhängig von uns, aber sie zieht uns in ihre Geheimnisse hinein und gewährt uns himmlische Gaben, um uns zu vervollkommnen und treibt uns in Richtung Himmel. Wir vereinen unser Gebet mit dem des Priesters, der in unserem Namen betet, der kraft seiner Vereinigung mit Christus das vollzieht, was wir nicht vollziehen können.

Es ist die wichtigste und schönste Sache auf dieser Seite des Himmels.

Von daher ist es unausweichlich, dass ein angemessenes Verständnis von Liturgie uns in einer richtigen Weise auf unseren Platz im Universum erdet. Eine Liturgie, die das Opfer unseres Herrn betont und uns mental und spirituell demütig unter das Kreuz auf dem Kalvarienberg stellt, macht uns empfänglich für unsere absolute Abhängigkeit von Gott, und offen für alle guten Dinge, vor allem für unser Heil. Eine Liturgie, in der der Priester und die Menschen sich gleichermaßen in Richtung Himmel orientieren und wo heilige Dinge verschleiert und verhüllt und in angemessener Weise verehrt werden, lehrt uns, wer wir sind – und welche Aufgaben wir haben – in Bezug auf IHN, von dem alle guten Dinge kommen und auf den wir vertrauen müssen. denn wir haben keine andere Wahl, als uns mehr durch unseren Glauben, als durch unseren Verstand leiten zu lassen. Liturgie sollte uns unsere Kleinheit fühlen lassen. So wie es die großen Bauten der Christenheit tun.

Der Angriff auf die Liturgie, den wir im letzten halben Jahrhundert erlebt haben, kann als nichts weniger als ein Versuch des Teufels verstanden werden, unsere wichtigste und innigste Verbindung mit unserem Schöpfer in unserem  Herzen zu zerschlagen, – und uns durch diesen Verlust der richtigen Perspektive zu verwirren und zu desorientieren. Wir sind damit zum Götzendienst übergegangen – zur Vergötterung unseres Selbst, so dass wir die Welt nur noch durch die Linse unserer eigenen Wünsche sehen.

Das Opfer Christi wurde durch ein Gemeinschaftsmahl ersetzt, Sein Opferaltar wurde zum Buffet, sein Priestertum wurde von Menschen verfälscht, die in den priesterlichen Bereich eindrangen, jedoch nicht die Fähigkeit besitzen, in Persona Christi zu handeln. Die universelle Ausrichtung des Priester und der Menschen auf Gott hin, wurde zueinander gekehrt, so dass sich im Wesentlichen alles um uns selbst dreht, und fast jedem Akt der Ehrfurcht der heilige Boden entzogen wurde.

Christus bleibt in dieser neu erfundenen, banalisierten, und Mensch-zentrierten Liturgie gegenwärtig, aber er wird ignoriert, vergessen, missbraucht, und ihm wird die Show gestohlen. Wie Kain bieten wir Gott nicht mehr unser Bestes an, sondern behalten es für uns. Jeder, der versucht, Gott das zu bieten, was er verdient, wird wie Abel, mit Neid, Verachtung und sogar Gewalt bedroht.

Die Krise in der Kirche ist offensichtlich eine Krise des Egoismus und des Anthropozentrismus. Es ist die Frucht dieser neuen Abgötterei. Wir sind dahin gekommen, zu glauben, dass wir besser als Gott wissen, was für uns am wichtigsten ist.

Das Zweite Vatikanische Konzil sagt uns:

„[A] lle Dinge auf der Erde sollten auf den Menschen als Zentrum und Höhepunkt bezogen sein“  (Gaudium et Spes 12, 1. Satz)

Das müssen wir ablehnen.

 Alle Dinge auf der Erde sollten auf Christus als ihr Zentrum und Höhepunkt bezogen sein. Wir sind nicht Verehrer des Menschen; wir sind Verehrer Jesu Christi! Verehrer der Heiligsten Dreifaltigkeit! Aber wenn unsere Liturgien nicht Gott als Gegenstand der Verehrung zeigen, ist es ein Wunder, dass wir von uns selbst besessen sind? Wir sprechen ständig darüber, wie wir Liturgie „erleben“ und was wir „aus ihr herausnehmen“ und ob sie „uns bewegt “ – aber wem wenden wir uns da zu?

Die Architekten der Neuen Liturgie wussten genau, was sie taten. Und sie waren erfolgreich. Sie haben mit einem einzigen Schlag das gesamte liturgische Gebäude der Kirche auf ein Fundament aus Sand gesetzt. Und jetzt, wo das Gebäude zusammenbricht, und der Glauben zusammen mit ihm, kommen sie, um uns zu sagen, dass die anderen Wahrheiten unseres Glaubens nichts anderes als ein „Ideal“ sind,  zu schwer, um sie zu leben bis dahin, dass, weil die Dinge so weit abgekommen sind, wir nun Wege finden müssen, diese zu akzeptieren und mit diesen Situationen zu arbeiten „wie sie sind.“ Dadurch dass sie den zentralen Akt des Gebetes der Kirche zerstört haben, haben sie unser Verständnis unserer Beziehung zu Gott und alles andere untergraben. Jetzt, nach einem halben Jahrhundert des Abrisses, sind sie ohne wesentlichen Protest dabei, auch das noch abzureißen, was vom Glauben übrigblieb.

Diejenigen, die die Krise in der Kirche wahrnehmen, haben das Recht, die Frage zu stellen:

„Warum können wir sehen, was passiert, wenn andere es nicht können? Warum scheint Gott dies nur uns wenigen zu zeigen? „Könnte es sein, dass es wegen dem ist, was er zu Kain sagte „Wirst Du nicht, wenn du Gutes tust, Lohn empfangen?“

Jemand schrieb mir vor kurzem über das Ausmaß der Leugnung katholischer Weggefährten darüber, was in der Kirche geschieht „Es ist einzig die lateinische Messe „, sagte sie, „die mich das mit meinen Augen sehen lässt“.

Es ist nicht zu spät. Liebe katholische Weggefährten, verliert nicht die Orientierung! Lasst euch nicht täuschen. Gute Liturgie – und damit meine ich heilige, andächtige, gottesfürchtige Liturgie – wird Euer Leben verändern, auch wenn Ihr große Opfer bringen müsst, sie zu besuchen.

 Gibt es etwas wichtigeres als dein Heil, oder das deiner  Kinder? Wenn Du eine gute Messe besuchen kannst, spute dich! Wenn Du keine traditionelle lateinische Messe finden kannst, wende dich dem Osten zu, der von den Zerstörern weitgehend ignoriert worden ist!

Die Saboteure hatten einen Versuch, und so zerschlugen sie die eine Form der Liturgie, die die größte Zahl der Katholiken beeinflussen würde. Sie gaben alles, was sie hatten, aber, wie Gott es wollte, war es nicht der Todesstoß. Gott wird immer noch wirklich verehrt. Und wir sind verpflichtet, in dieser wahren Anbetung zu bleiben um seinetwillen und wegen unseres Heiles. Keine weiteren Entschuldigungen.

Zwar trifft es zu, dass eine gute Liturgie allein nie ein Allheilmittel sein wird, aber es gibt doch nichts wirkungsvolleres, was Sie für Ihren Glauben tun können, was Sie für Ihr Verständnis von dem tun können, was in der Welt geschieht, was Sie für das Wohl Ihrer Seele und das Ihrer Lieben tun können, als aufzuhören, an einer Liturgie teilzunehmen, die entworfen wurde, Sie selbst vom Allerheiligsten, dem man zu gedenken behauptet, zu trennen. Man kann nicht vergiftetes Wasser ohne schädliche Wirkung trinken, egal wie durstig oder wie belastbar man ist. Es wird nicht nähren, sondern auszehren.

Hier ist keine Zukunft.

Das neue Paradigma stürzt jetzt in sich selbst zusammen. Es wird noch zu unseren Lebzeiten aufgegeben werden, Es wird zu einer Karikatur seiner selbst werden, unkenntlich für alle, die den Glauben bewahren. Wie die arianischen „Christentümer“ des 4. Jahrhunderts wird dieses neue Paradigma zu einem ausschließlichen Wirkungsbereich der Feinde unseres Herrn werden.

Die Liturgie ist der Schlüssel unseres gesamten Verständnisses von dem, womit wir konfrontiert sind, wer wir sind, und von dem, was wir tun müssen.

Es wird auch keinen anderen Weg geben, um das Kommende zu überstehen. Die Liturgie ist unser wesentlicher und wirkmächtigster Begegnungsraum mit Gott. Wir haben die Pflicht, einen Ort zu finden, wo der Priester und das Volk Gott in einer Weise anbeten, die IHM wohlgefällig und angemessen für IHN ist.

Sobald dieser Ort gefunden ist, fliehe zu ihm. Klammere dich an ihn. Mach dir keine Sorgen über die Widerwärtigkeiten die du ertragen musst, um ihn zu erreichen, denn Gott weiß diese Dinge, und er wird dich für diese Mühen segnen.

Sei an deinen Platz im Universum erinnert. Unterwirf dich DEM, der es regiert. Liebe ihn aus deinem ganzem Herzen, deinem Verstand und mit aller  Kraft, und verehre ihn so, wie er es verdient. Es ist eine Entscheidung, die Du nie bereuen wirst.

Pater Richard G. Cipolla, Die Entmännlichung der Liturgie im Novus Ordo (3 von 3)


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Auf einem meiner vielen Aufenthalte in Italien beobachtete ich, dass viele Kinderwagen so gebaut waren, dass das Baby in seinem Sitz saß und seine Mutter, die den Kinderwagen schob, ansah. Das erschien mir seltsam, denn in den Vereinigten Staaten sieht das Baby in dieselbe Richtung, wie die Mutter, die den Wagen schiebt. Als ich eine Freundin darüber befragte, sagte sie dass das daran läge, dass zu viele italienische Mütter den ständigen Augenkontakt zum Baby behalten wollen, um es anzulächeln, mit ihm in einer Babysprache zu reden und um das Band zwischen Mutter und Kind stark und sicher zu machen. Die klassische Mutter Kind Beziehung wird heute durch dieses ständige Bedürfnis des konstanten Augenkontaktes unter Ausschluss der übrigen Umwelt, als ob die „anderen“ die Beziehung zerstören würden,  geradezu pervertiert.

Ohne den Anspruch von Vollständigkeit oder Genauigkeit für die obige Analogie zu erheben, würde ich behaupten, dass die radikale Neuheit der Zelebration versus populum, die übrigens weder von Konzil noch von irgendeinem liturgischen Buch vorgegeben wird, die Rolle des Priesters als Vater, der für sein Volk dem Himmlischen Vater das Allerheiligste opfert transformiert wird in die Rolle einer Mutter, die den Kontakt zu den Leuten, die durch absichtlich einfältige Animationen zu Kleinkindern werden, durch ständigen Augenkontakt und liturgisches Augenzwinkern herstellt. Der Priester wird zur Mutter eines Kindes. Diese Reduktion der Gemeinde zu Kindern die gezwungen sind, den Mutter-Priester anzusehen, verhindert den Blick auf Gott zu richten, der durch die Gegenwart des allerheiligsten  kosmischen Opfers Christi verehrt werden soll.

Um eine weitere säkulare Analogie zu verwenden: die den Menschen zugewandt gefeierte Messe wird zu einer Schulstunde reduziert, in der jeder seine Rolle unter der Leitung des Priesters als mütterlichen Klassenlehrer spielt, der Klassenlehrerin, die sicherstellt, dass alles glatt läuft. Dies wird von einigen Liturgikern als die „horizontale“ Dimension der Liturgie im Gegensatz zur vertikalen Dimension, die die Transzendenz liefert, beschrieben. Letztlich ist das leeres Gerede, denn es setzt voraus, dass die Liturgie vom Priester und den Messdienern kontrolliert wird, deren Funktion es unter anderem ist, diese beiden Dimensionen irgendwie im Gleichgewicht zu halten.

Es ist völlig klar: Dieser gesamte Ansatz bestreitet klar und deutlich die Vorgegebenheit der Liturgie und deren Fokussierung auf die Anbetung Gottes im Lob und im Opfer. Dieses radikal untraditionelle Verständnis von Liturgie wird durch die Rubriken des Novus Ordo („mit anderen Worten“ oder „oder auf andere Weise“ oder „oder, wie es der lokale Brauch ist“) ermutigt und unterstützt. Ganz abgesehen von dem romantisch verklärten Blick auf den Ausspruch des heiligen Justin des Märtyrers und dessen Erhebung zur Norm, der in Bezug auf den Zelebranten der Messe sagte, dass „der Zelebrant die Danksagung nach seinen Möglichkeiten aufopfern soll“,[1] ganz abgesehen von der fragwürdigen Vorstellung, dass der Priester dazu befähigt wäre, aus der Tradition oder aus einem eigenen Gefühl für die Liturgie das,  was die Rubriken sagen und anordnen zu ergänzen oder zu füllen, diese als Schulstunde verstandene Liturgie macht Katholischen Gottesdienst, wie er in der Tradition verstanden wird, unmöglich. In der Tradition ist das ursprüngliche Verständnis der Liturgie die öffentliche Verehrung und der Kult, die und der verpflichtend ist. Eine Verpflichtung, offizium, die sicherlich auf Liebe basiert, aber dennoch eine Pflicht. In diesem traditionellen Sinn wird diese verpflichtende Anbetung verankert, sichtbar gemacht und erlebt im traditionellen römischen Ritus.

Der Priester gleicht Abraham, dem Vater von Isaak, dem Vater der Juden und unserem Vater im Glauben. Abrahams größte Akt des Glaubens und der Verehrung als Vater ist es, dass er seinen Sohn Isaac den Berg hinauf führt, um ihn im Gehorsam gegen Gott zu opfern. Sie gehen beide mit dem Blick auf den Gipfel des Berges gerichtet. Da ist Schweigen mit Ausnahme des kurzen Dialog zwischen Vater und Sohn:

Isaak sprach zu seinem Vater: Mein Vater! Er aber antwortete Was willst du, mein Sohn? Siehe, sprach er, hier ist Feuer und Holz, wo ist das Schlachtopfer zum Brandopfer? Abraham aber sprach: Gott wird sich ein Schlachtopfer zum Brandopfer ausersehen, mein Sohn. So gingen beide miteinander fort. (Gen 22, 7-8 Übersetzung nach Allioli)

Was wir hier zwischen Abraham und Isaak sehen, ist der wahre horizontale Aspekt der Anbetung, kurz auf den Punkt gebracht. Der vertikale und primäre Dialog ist zwischen Abraham und Gott, ein Dialog in der Stille des ehrfurchtsvollen Gehorsams und Glaubens.

Diese Rolle dieses mannhaften Gläubigen unterscheidet sich radikal von dem Priester, der seinen Job nicht darin sieht die Menschen zum Opferaltar zu führen, sondern darin, mit ihnen einen Dialog zu führen und ihnen begreiflich zu machen, was abgeht. Damit wird das eucharistische Hochgebet mit seinem insgesamt kurzen Dialog zwischen Priester und Mitfeiernden zu einer Ausweitung des Dialoggeplänkels des Priesters. Niemand ist hier, der zu Fuß einen Berg ersteigt, hier gibt es keine gemeinsame Hinwendung zum Herrn. Stattdessen gibt es hier den schrecklichen und lähmenden Stillstand der herablassenden und anmaßenden Mutter, die im Versuch, den Kontakt mit ihrem Kind herzustellen dessen Freiheit der Besteigung des Gottesberges zerstört.[2]

Bevor wir auf die wichtige Frage nach der Kontinuität des Novus Ordo Ritus mit dem traditionellen römischen Ritus aus der Sicht der Entmannung der Liturgie zu sprechen kommen, möchte ich einige Kommentare zu zwei praktischen Ergebnissen der Entmannung der Liturgie und des Priesters darlegen: Das erste ist, dass die Musik, die der Novus Ordo produziert hat, sowohl für die Gestaltung der Messe, als auch für die Lieder, die in der Liturgie gesungen werden bestenfalls als funktional im schlimmsten Fall als sentimentales Gejuckel zu bezeichnen sind und im Vergleich dazu die alten protestantischen Lieder wie Bachs Choräle klingen lassen. Wenn die Messe zu einer selbstbezogenen Veranstaltung reduziert wird, dann wird Musik bestenfalls funktional, im schlimmsten Fall nur etwas sein, dass die Gefühle der Menschen anspricht. Dieser Funktionalismus ist ein Merkmal der eingefrorenen, veralteten und antiliturgischen Haltung des liturgischen Establishments, das weithin das liturgische Leben der Kirche in den römischen Dikasterien, in den Seminaren, in den Diözesen und deren Gemeinden prägt. [3]

Große Kunst kann der Funktionalismus nicht schaffen, weder in der Musik,  Malerei, Bildhauerei noch in der Architektur. Der Funktionalismus zerstört die Anbetung, zumindest wie sie traditionell verstanden wird, als vielleicht nicht irrational, so aber sicherlich arational.[4]  In der funktionalistischen Sichtweise erhalten die Lesungen im Novus Ordo einen pädagogischen Touch, wie in einem Klassenraum, anstatt zu einer anbetenden Haltung zu führen, wie sie traditionell verstanden wird. Wieder wirkt der Priester hier als die Klassenlehrerin, die ihren Schülern erklärt, was sie sehen und hören.  Wir haben vergessen, dass die Lesungen in der Messe (die Liturgie des Wortes) Träger und Bewahrer des Wortes in der Liturgie sind; nicht nur Lektionen die gehört und zu Herzen genommen werden wollen. Sie kommen aus der Herzmitte der  Liturgie und nicht aus einem Katechismusunterricht, der von einer Lehrerin-Mutter gehalten wird. Die Liturgie belehrt nicht: sie gestaltet das Herz und die Seele. Es erfordert Aufmerksamkeit, um das zu erkennen, was hinter und unter den Worten ist, die gesungen oder gesagt werden. Die Heilige Schrift innerhalb der Messe ist ein Echo des Wortes und eine verehrende „Erinnerung an Gott“ über das, was ER gesagt und für uns in der Person Jesu Christi getan hat. Aus funktionalistischer Sicht muss der traditionelle Gesang der Kirche deswegen abgeschafft werden, weil er weit über die bloße Funktion hinaus durch seine Ausprägung und seine Vorgegebenheit den Zweck der Erhebung des menschlichen Geistes zu Gott erfüllt.[5]

Wir wenden uns nun von der Betrachtung der banalen und sentimentalen Musik des Novus Ordo ab, die die kränkliche Frucht des Funktionalismus ist und die dem Ritus etwas zugrunde legt, das im Vergleich trivial erscheinen mag, und wenden uns einem anderen Gesichtspunkt zu, der ein Teil des Beweises für die Entmannung des Priester liefert: der Kleidung des Priesters außerhalb der Messe.

Die Kleidung des Priesters, wenn sie nicht der Liturgie zugeordnet ist, hat einen Charakter erhalten, der in der säkularen Modewelt als metrosexuell bezeichnet wird. Das bedeutet, dass seine Männlichkeit in der äußeren Erscheinung bewusst verwischt wird. Der Verzicht auf die Soutane als der normalen Kleidung des Priesters außerhalb der Liturgie ist Teil der Entmannung des Priesters. Seiner unverwechselbaren Kleidung entledigt und mit einem schwarzen Anzug mit weißen Kragen versehen oder zunehmend häufiger mit einem T-Shirt mit weißem Halssaum, das aus der Tasche genommen und aufgeklebt werden kann, gekleidet, wird dem Priester in zunehmenden Maße sein zentraler Wesensbezug geraubt und dadurch seine Liminalität vergossen: Er ist nicht mehr länger der, der an der Schwelle, am Limen, zwischen Himmel und Erde steht, wenn er die Messe aufopfert. Wenn seine religiöse Kleidung nach säkularem Vorbild umgemodelt wird, dressiert und zähmt man ihn zu einem Geistlichen hinunter, bei dem sein Mann–Sein nur noch Person – sein und nicht mehr Mann – sein ist.

Diejenigen, die sich selbst vor allem im Europa der 50er und 60 er Jahren des 20. Jahrhunderts als die Avantgarde der Reform verstanden, kleideten sich als Priester in einer Art und Weise, die sie selbst als noch radikaleren Ansatz sahen. Sie trugen weiterhin Jackett und Krawatte oder schwarz Rollis, aber kombiniert mit der weltlichen Kleidung der Menschen, die sie umgaben. Heute noch kleiden sich viele europäische Priester so, entweder in Kontinuität mit ihrer Romanze mit dem Säkularismus oder als Versuch, sich noch besser in ihre „Herde“ einzupassen. Die Soutane, als traditionelle Kleidung des Priesters ist in Wahrheit zumindest in seiner Gemeinde eine Erinnerung daran, dass er nicht nur ein „Geistlicher“ (clergyman) [wie die protestantischen Pastoren es auch sind Red.], sondern ein Priester, dass er nicht nur ein „religiöser Führer“, sondern derjenige ist, der das Allerheiligste für sie aufopfert. Sie ist eine Erinnerung daran, dass das im Opfer der Messe fokussiertes Leben des Priesters niemals total säkularisiert werden kann. Die Soutane ist eine Bestätigung der Mannhaftigkeit und der Männlichkeit des Priesters. Diese Männlichkeit steht im Gegensatz zu der Vorstellung der Welt von Mannhaftigkeit als grunzenden Fußballspieler oder als unrasiertes Modell für Armani in engen Jeans, oder als eine Art sexuelle Kraft ausstrahlenden „Hengst“. Durch das Tragen des Soutane nimmt der Priester den Mantel des Propheten als das äußere Zeichen dafür, dass das Alleinsein und die Loslösung (von der Welt) ein integraler Bestandteil seines Wesens als Mann – vir –Priester ist.  Die Soutane ist ein Symbol genau dieser Distanz, die die Beziehung zwischen dem Priester und seinem Volk charakterisiert.

Der entmannte Priester verwechselt die Ablösung mit Arroganz, mit Überlegenheit, Kälte oder gar mit Klerikalismus. Ironischerweise ist das genaue Gegenteil wahr. Die nachkonziliare Zeit hat den Aufstieg eines Klerikalismus gesehen, eines Klerikalismus, der sich in die Behauptung einhüllt, dass der Priester nur den Vorsitz der Gemeindeversammlung innehat, obwohl er offensichtlich und tatsächlich über alle und über alles den „Vorsitz“ innehat. Der Priester darf niemals ein Vorsteher oder Vorsitzender sein, denn dann wird er zum pingeligen Hochzeitplaner degradiert. Damit er sein Volk lieben kann, muss der Priester eine wesentliche Distanz zu eben diesem Volk leben, sonst wird er zu einem weiteren mit einem Priesterkragen versehenen „Barbie-Ken“.[6]

Schließlich kommen wir zu dem, was die schwerste Wirkung der Entmannung des Priesters in sich trägt: zur scheinbaren und echten Diskontinuität zwischen dem Novus Ordo und dem traditionellen römischen Ritus. Diese Frage der Diskontinuität und des Bruches wurde in den letzten Jahren Gegenstand einer Reihe von Studien und Gespräche, nicht zuletzt zum Gegenstand der heute berühmte Ansprache Benedikt XVI. an die Römische Kurie am 22. Dezember 2005. Während es wahr bleibt, dass diese Ansprache die Frage der Hermeneutik der Interpretation des 2. Vatikanischen Konzils behandelt,  hat sie dennoch immer noch Relevanz für das spezifische Problem der Diskontinuität der Liturgie.[7]

Die Bedeutung des Wortes „Diskontinuität“ ist oft nicht klar. Ich schlage eine Analogie vor, von der ich denke, dass sie deutlich macht, was in dieser Diskontinuität zwischen den beiden Formen des römischen Ritus eingeschlossen liegt.[8]

dokument25In der Mathematik gibt es Funktionen, die an einem bestimmten Punkt unstetig genannt werden. Mit einfachen Worten gesagt bedeutet das, dass es an diesem Punkt keinen zuzuordnenden Wert für diese Funktion gibt. Wir könnten vereinfachend sagen, an dieser Stelle gibt es ein „Loch“ in der Funktion. Weiterhin bedeutet das, dass es keinen „Weg“ aus der Zeit vor der Diskontinuität zu einem Zeitpunkt danach gibt. Man kann nicht durch ein „Loch“ in der Funktion hindurch auf die andere Seite gelangen.

Wenn wir diese Analogie benutzen und von einer Funktion sprechen, die ein Loch hat, eine Diskontinuität, hilft uns das, die Tatsache zu verstehen, dass die überwältigende Mehrheit der Katholiken, die in der Zeit „nach“ dem Loch lebt und für die der Novus Ordo die einzige Erfahrung der Messe darstellt, die Seite der Funktion, die „zeitlich vor“ dem Loch war, als absolut fremd erlebt. Die überraschende Tatsache, dass für die Katholiken, die mit der Novus Ordo Messe aufgewachsen sind trotz aller Diskussionen, trotz aller theologischen und liturgischen Argumente, die in dieser Kontinuitätsdebatte aufgefahren werden, der traditionelle Ritus fremd und exotisch ist, bleibt bestehen. Diese Katholiken sehen die Kontinuität nicht, die bisher angenommen und verteidigt wurde. Sie sehen dieses Loch als einen Abgrund,  und können die andere Seite „davor“ weder sehen noch verstehen.

Die mathematische Analogie weiterhin benutzend, können wir erläutern, was die Diskontinuität zwischen den beiden Formen wirklich bedeutet. Funktionen werden durch Formeln definiert, die Variablen enthalten. Eine unstete (diskontinuierliche) Funktion kann auf beiden Seiten des Loches mit der gleichen Formel beschrieben werden. Es kann aber auch die Situation auftreten, dass sich für die Beschreibung der Funktion die Formel nach der Diskontinuität ändert und nun im Wesentlichen eine neue Formel mit einer neuen Funktion ist. Wenn wir unserer  eigenen Erfahrung als katholischem Volk trauen, können wir in der Feier der Messe in den beiden Formen des römischen Ritus die offensichtliche Tatsache einer Diskontinuität, eines Loches sehen. Eines Loches, auf dessen anderer Seite es auch eine neue Funktion mit einer neuen Formel gibt. Die neue Formel verwendet dieselben Variablen wie die alte Formel, aber es ist dennoch eine andere, neue Formel, die eine neue Familie von Kurven bezeichnet. Das Aussehen, die Form und Struktur der neuen Form sind sehr verschieden von der Form vor dem Loch. Dies ist ein sehr ernstes Problem für die Integrität des katholischen Glaubens, der in der Zelebration der Heiligen Messe gesehen, erkannt und verwirklicht wird.[9]

Auf der einen Seite haben wir die traditionelle römische Messe, die in der Regel des heiligen Benedikt in einem zeitgenössischen Bericht über das Leben des Heiligen als potente e strana, kraftvoll und seltsam bezeichnet wird.[10] In der Beschreibung des Gesanges der Kirche in der Einführung in das „Antiphonale Monasticum“  wird sie folgendermaßen beschrieben: „einfach, nüchtern, manchmal vielleicht etwas streng, sicherlich aber schön, und dazu befähigt in einer sehr starke Distanz letztendlich eine tiefe Süßigkeit zu beschreiben.“ Weiterhin sei sie „sehr ausdrucksvoll, annehmbar für alle Temperamente, und mit der Fähigkeit ausgestattet, die innersten Gefühle der Seele auszudrücken“.[11] Auf der anderen Seite (im Novus Ordo) etwas „Entmannendes“ und „Ent-Rom-anisierendes“.

Dies ist in der Tat das, was Kardinal Heenan im Jahr 1967 an jenem Tag sah, als die experimentelle Form der Novus Ordo Messe das erste Mal für die Bischöfe in Rom gefeiert wurde. Er sah dort die Ergebnisse der funktionalistischen Mentalität, die Zeremonien nicht versteht und Einfachheit mit einem abgespeckten Infantilismus verwechselt. Er sah dort die „Neuheit“ der Novus Ordo Messe, eine Neuheit, die nicht organisch aus der Tradition wuchs, sondern vielmehr von einer bestimmten liturgischen Theologie hervorgebracht wurde, die nicht nur von einem nachaufklärerischen Rationalismus infiziert war, sondern von ihm begründet wurde. Karinal Heenan sah dort die Entmannung der Liturgie und erfasste eine der zukünftigen Auswirkungen des Novus Ordo  in der Kirche: eine deutliche Abnahme des Messbesuches. Er lebte noch lange genug, um den Beginn des Verlustes des Sinnes für das Heilige zu erleben. Was er nicht mehr erlebte, war die Entmannung des Priestertums und seine verheerenden Folgen im Mangel an Berufungen und persönlicher Untreue zu Keuschheit und Zölibat.

Fr. Cipolla ist Vorsitzender der Fakultät für Alte Sprachen in Brunswick School in Greenwich, CT, und Pfarrvikar von St. Marien, Norwalk, CT

[Wir bedanken uns herzlich bei Fr. Cipolla für diesen exklusiven Beitrag fürr Rorate Caeli. Artikel sollte in seiner Gesamtheit nicht Dritten zugänglich gemacht werden. Bei Erwähnung oder Auszüge aus diesem Artikel zu zitieren, sind immer Quelle und Link.]

[1] St.Justin Martyr, Apology. 66-67 .

[2] Guardini, “The Primacy of the Logos over the Ethos”, op. cit., 199-211.

[3] Diese tödliche Rolle des Funktionalismus in der Liturgie wurde von Benedikt XVI. in einer Sammlung von Aufsätzen zur Rolle der Musik in der Liturgie unter dem Titel Lodate Dio con arte (Venezia:Marcianum Press 2010) besprochen und widerlegt.

[4] Guardini, op.cit., “The playfulness of the Liturgy”.

[5] In Italien, wo das liturgische Establishment immer noch dem Funktionalismus und der technokratischen Einstellung zur Liturgie anzuhängen scheint, hat man ein wunderbares Wort recycled, um das Entblößen der Liturgie und der Kirchengebäude bis auf die Knochen hin beschreibt: adeguamento [Anpassung, Angleichung, Gleichmachung Red.]. In Lodato Dio con arte bespricht Benedikt XVI diesen Termin und zeigt die zerstörerischen Auswirkungen, welches das adeguamento auf das liturgische Leben der Kirche Italiens hatte.

[6] Man kann die Anfänge dieser Entmännlichung des Priesters in den Hollywood-Darstellungen der Priester sehen, wie diese, wie sie von Bing Crosby in dem Film The Bells of St. Mary [deutscher Titel: Die Glocken von St. Marien] dargestellt wird. Es ist die Darstellung eines Priesters der ein guter Kerl ist, der Pfeife raucht und vor niemanden Angst hat, ein domestizierter Priester, welcher hilft den reflexartigen Antikatholizismus des protestantischen Amerikas zu zerstreuen. Man fragt sich wie viele junge Männer vom Priestertum in den letzten vierzig Jahre weggetrieben wurden, weil sie Angst hatten, dass das Priester-Sein die Aufgabe ihrer Männlichkeit und Virilität bedeuten würde.

[7] Um auf die spezielle Frage der Diskontinuität zwischen Novus Ordo und dem römischen Ritus siehe die Einleitung von Josef Ratzinger zu The Reform of the Roman Liturgy by Klaus Gamber, Roman Catholic Books 1993 und Josef Ratzingers, Der Geist der Liturgie, insbesondere das Kapitel über den Ritus. Eine detaillierte Darstellung der Übereinstimmung unter vielen Gelehrten, dass zwischen Novus Ordo und dem römischen Ritus eine Diskontinuität besteht, siehe die Aufsätze der liturgischen Konferenz, welche in der Abtei Fontgombault im Jahre 2001 abgehalten wurde: Looking again at the Question of the Liturgy, Alcuin Reid, ed., (Farnborough, England: St. Michael’s Abbey Press. 2002). Diese Frage der Diskontinuität scheint, zu Recht, aus pastoralen Gründen in Summorum Pontificum und dem Begleitbrief an die Bischöfe umgangen worden zu sein. Die Tatsache, dass zwei Formen des römischen Ritus in der Kirche koexistieren, sagt nichts Definitives darüber aus, ob eine Kontinuität zwischen ihnen vorherrscht oder auch nicht.

[8] Die Diskontinuität ist eine Frage, die getrennt von der Frage nach der Gültigkeit der Form gestellt werden kann. Die Gültigkeit der beiden Formen des römischen Ritus wird hier als gegeben angenommen.

[9] Pristas, Orations: Hinsichtlich der Arbeit des postkonziliaren Conciliums an den Kollekten der Messe spricht Pristas von „der Konstruktion einer völlig neuen Stadt“. Es ist bemerkenswert, dass die Arbeit dieses Gelehrten kein großes Unbehagen unter den Bischöfen auslöste, welche tatsächlich die Moderatoren und Leiter der Liturgie in ihren Diözesen sind.

[10] Flaminia Morandi, San Benedetto: Una luce per l’Europa(Milano:Paoline 2009)

[11] “simplices, sobriae, aliquando fortisan austeriores, decoram certe et firmamissam exhibent lineam, de cetero dulcibilem ac per hoc maxime expressivam, omnium susceptibilem temperamentorum, intimos animae sensus preferendi capacem.” Antiphonale Monasticum, (Tournai: Desclée & Co., 1934) p. xi

Pater Richard G. Cipolla, Die Entmännlichung der Liturgie im Novus Ordo (1 von 3)


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Von Pater Richard G. Cipolla, Ph.D., D. Phil.(Oxon.), das Original fand sich hier.

Der Briefwechsel zwischen Kardinal Heenan von Westminster und Evelyn Waugh[i] vor der Promulgierung des Novus Ordo, in dem Waugh seinem Herzensschrei über die nachkonziliare Liturgie Luft macht und im Kardinal einen sympathischen, wenn auch unwirksamen Zuhörer findet, ist allgemein bekannt.[1] Nicht allgemein bekannt ist Kardinal Heenans Kommentar auf der Bischofssynode in Rom nach Präsentation einer experimentellen Messe, einer sogenannten Missa normativa, die zum ersten Mal im Jahre 1967 einer Gruppe von ausgewählten Bischöfen präsentiert wurde. Das folgende Essay ist von den Worten Kardinal Heenans inspiriert:

Bei uns zu Hause besuchen nicht nur Frauen und Kinder, sondern auch Familienväter und junge Männer regelmäßig die Messe. Wenn wir ihnen diese Art von Zeremonie anbieten würden, die wir gestern sahen, wären wir in unseren [Gottesdienst-]Gemeinden bald mit Frauen und Kindern allein.“[2]

Der Kardinal bezieht sich auf die Lügen, die den eigentlichen Kern der Novus Ordo Form der Römischen Messen betreffen, sowie auf die Gottesdienstbesucher und die tiefen Probleme, welche  die Kirche seit der Aufzwingung der Novus Ordo Form des römischen Ritus 1970 begleiten.[3] Man könnte versucht sein das, was Kardinal Heenan erfahren hatte als die Verweiblichung der Liturgie zu subsumieren. Aber dieser Begriff wäre unzureichend und letztlich irreführend. Denn es gibt einen wirklichen marianischen Aspekt der Liturgie, die deswegen weiblich ist. Die Liturgie bringt das Wort Gottes zur Welt (gebärt), weiterhin bringt sie den Leib des Wortes hervor, damit es angebetet wird und als Speise dargebracht wird. Präziser sollte man sagen, dass die Liturgie im Novus Ordo „ver-weibisch-t“ und verweichlicht (effeminized)  wurde.

Es gibt eine berühmte Passage in Caesars „De bello Gallico“, wo der Verfasser erklärt, warum der Stamm der Belgae so gute Soldaten hatte. Er führt dies auf ihren Mangel an Kontakt mit den Städten, den Zentren der Kultur zurück. Caesar nahm an, dass ein solcher  Kontakt ad effeminandos animos – zur Verweichlichung der Seelen führen, zur Verweichlichung und Verweibischung ihres Charakters.[4] Aber wenn man über die Risiken der Verweibischung/Verweiblichung der Liturgie spricht, wird man deswegen falsch verstanden, weil das als Abwertung der Frau und des Frauseins an sich verstanden wird. Ohne die Ansicht Caesars über den Einfluss der Kultur auf die Soldaten, welche sicherlich als macho bezeichnet werden kann, zu übernehmen, kann man sicherlich über die Entmännlichung des Soldaten sprechen, welche seine Strenge minimiert und das auflöst, was einen Soldaten ausmacht. Es ist keine Abwertung der Weiblichkeit. Es kann vielmehr als eine Abschwächung dessen beschreiben, was es bedeutet ein Mann zu sein.

Um zu beschreiben, was Kardinal Heenan bei der ersten Feier der experimentellen Messe im Jahr 1967 sah,[5] möchte ich den Begriff Entmännlichung (devirilization) verwenden. Die Liturgie wurde in der Novus Ordo Form, welche Benedikt XVI. etwas umständlich, aber verständlicherweise die ordentliche Form des Römischen Ritus nennt, entmännlicht (devirilized). Man muss sich die Bedeutung des lateinischen Wortes vir ins Gedächtnis rufen. Sowohl vir als auch homo bedeuten „Mensch“, aber es ist vir allein, die die Konnotation des Mannes als Held enthält und es ist genau dieses Wort, das oft für „Mann“ verwendet wird. Die Aeneis beginnt mit den berühmten Worten: arma virumque cano („Ich singe von Waffen und Helden“). Was Kardinal Heenan im Jahr 1967 vorausschauend und richtig sah, war die faktische Beseitigung der mannhaften Natur der Liturgie. Er sah den Ersatz der männlichen Objektivität, notwendig für den öffentlichen Kult der Kirche, durch Weichheit, Sentimentalität und einer Personalisierung, welche auf die mütterliche Person zentriert ist.

Das Volk steht während der Liturgie[6] in einer marianischen Beziehung zur Liturgie: achtsam, innerlich offen und  nach-denkend  wartet man, um erfüllt zu werden. Innerhalb der Liturgie ist es der Priester als Vater, der spricht, verkündet und das Wort so vermittelt, dass das Wort zur Nahrung werden kann für diejenigen, die in dieser erhebendsten Betätigung der Kirche, das ist in der Liturgie, stehen.[7] Es ist der Priester, der Christus dem Vater opfert. Dieser Akt ist es, der die tiefste Bedeutung dessen vermittelt, was es heißt Priester zu sein. Und so macht die Rolle des Priesters als Vater seine Rolle unterscheidbar nicht nur in seiner Funktion, sondern in der eigentlichen Ontologie der Sexualität[ii].[8] Der Priester am Altar steht in persona Christi [in der Person Christi, d.h. an Christi statt Red.], in persona Verbi facti hominem [in der Person des Wortes, das Mensch wurde], und das nicht nur als homo [Mensch], da dies ein Wort ist, welches gewissermaßen das Geschlecht transzendiert, sondern in persona Christi viri [in der Person Christi des Mannes][iii], in diesem Sinne, dass  homo factus est ut fiat vir, ut sit vir qui destruat mortem, ut sit vir qui calcet portas inferi [er ist Mensch geworden, um ein Mann zu werden, damit er ein Mann ist, der den Tod zerstören wird, damit er ein Mann ist, der die Pforten der Hölle niedertreten wird Red.]: Gott ist Mensch geworden, um ein männlicher Held zu werden, welcher den Tod zerstören und die Pforten der Hölle mit eigenen Füßen niedertreten wird.

Die Entmännlichung der Liturgie und die Entmännlichung des Priesters kann aus praktischen Gründen nicht voneinander getrennt werden. Im Folgenden möchte ich, obwohl lückenhaft und unvollständig, zunächst spezieller auf die Entmännlichung der Liturgie als solcher in der Novus Ordo Form des römischen Ritus zu sprechen kommen. Im Weiteren will ich die notwendige (da sie vom entmännlichten Ritus stammt) Entmännlichung des Priesters zu sprechen kommen und diese anhand von konkreten Beispielen beschreiben.

Die Beschreibung der römischen Liturgie mit Adjektiven wie „streng“, „präzise“, „edel“ und „einfach“ ist ein Gemeinplatz unter denen, die über die Liturgie in der modernen liturgischen Bewegung des zwanzigsten Jahrhunderts geschrieben haben. Viele dieser Autoren haben jedoch diese Strenge des römischen Ritus verklärt oder habe sie benutzt, um den Ritus seiner organisch über mehrere Zeitalter gewachsenen Gestalt zu entblößen, in dem sie die organisch gewachsene Gestalt mit Begriffen wie „gallikanische Zusätze“ und „nutzlose Wiederholungen“ diskreditierten. Anstatt den römischen Ritus als „streng“ zu bezeichnen, ein Adjektiv, das wohl puritanischen Unterton hat, ist es besser, von der Männlichkeit oder Mannhaftigkeit des traditionellen römischen Ritus zu sprechen. Eine Definition von Männlichkeit in diesem Zusammenhang ist deswegen notwendig. Dies ist etwas schwierig, und diese Frage verdient ein tieferes Studium. Deswegen werde ich einige Aspekte des traditionellen römischen Ritus aufgreifen, die zu erklären helfen, was ich mit der inhärente Männlichkeit und Mannhaftigkeit im Zusammenhang mit diesem Ritus meine.[9]

[1] Evelyn Waugh and John Carmel Cardinal Heenan, A Bitter Trial, 2nd ed. (South Bend: St. Austin Press, 2000)

[2] Ibid., 70.

[3] Die wichtige Frage bezüglich der Gültigkeit der Aufzwingung von Novus Ordo und die effective Verbannung des Missale des Römischen Ritus 1962 wurde von Joseph Ratzinger in seinem Buch Der Geist der Liturgie (San Francisco: Ignatius Press, 2000, 165-66) aufgeworfen. Es scheint, dass die Antwort auf diese Frage in der Promulgierung von Summorum Pontificum und in dem Begleitschreiben an die Bischöfe geklärt wurde. Die Frage ist aber nicht diese, ob ein Papst ein reformiertes Missale herausgeben kann. Der Hl. Pius V tat dies gewiß als Antwort auf das Tridentinum. Die Frage lautet, ob ein Papst der Kirche eine neue Form des Missale auferlegen [aufzwingen] und den traditionellen römischen Ritus unterdrücken kann. Dieses Kult-ähnliche Verständnis der päpstlichen Gewalt wurde von Paul VI vertreten und es wurde von denen unterstützt, welche ihn dazu ermutigt haben den traditionellen römischen Ritus zu unterdrücken, sowie von Bischöfen, welche sich diesem kühnen Manöver angeschlossen haben. All das würde Pius IX [dem ersten Papst, welchem das Jurisdiktionsprimat dogmatisch zugestanden wurde Red.] vor Scham und vielleicht von Neid erröten lassen [weil er sich niemals so viel Macht hätte träumen lassen Red.].

[4] Caesar, De bello Gallico, 1.1

[5] Kardinal Heenan stellte dieser Bemerkung die Beobachtung voraus, dass er nicht wisse, wer die Neue Messe vorgeschlagen habe, aber es sei ihm klar, dass nur wenige von ihnen Pfarrer waren [oder in der Gemeinde arbeiteten].

[6] Man sollte nicht vom Volk [als dem liturgischen Gegensatz zum Priester Red.] sprechen, das während der Liturgie anwesend ist, sondern eher vom Volk, das innerhalb der Liturgie ist. Die Liturgie ist etwas, was zu betreten ist, es ist nichts, was betrachtet, gemacht oder durch das anwesende Volk ins Sein gebracht wird.

[7] Sacrosanctum Concilium 10: “Dennoch ist die Liturgie der Höhepunkt, dem das Tun der Kirche zustrebt, und zugleich die Quelle, aus der all ihre Kraft strömt.”

[8] Über die ontologische Natur der Sexualität siehe Angelo Scola, “The Nuptial Mystery: A Perspective for Systematic Theology?”, Communio 30 (Summer 2003).

[9] Dieser Aufsatz hat nicht vor, den verbalen Inhalt des Novus Ordo Ritus zu thematisieren, wie zum Beispiel die radikalen Änderungen in den Kollekten und in den Offertorien. Die wichtigen und auf ihre Weise verheerenden Ergebnisse der Forschung von Dr. Lauren Pristas wurde in einer Reihe von Aufsätzen und einem zu folgenden Buch behandelt, welches die Revisionen des post-konziliaren Consiliums [eines ökumenischen Gremiums von Theologen und Liturgiewissenschaftlern Red.] zum Inhalt hat, welche an den Kollekten der Messe vorgenommen wurden, um die rationalistische und modernistische Politik [des Conciliums] darzustellen und was zu den neuen Kollekten innerhalb der Novus Ordo Messe führte. Diese Politik fällt ebenfalls unter die Kategorie der „Entmännlichung“. Lauren Pristas, “The Orations of the Vatican II Missal: Policies for Revision”, Communio 30 (Winter 2003) 621-653; “Theological Principles that Guided the Redaction of the Roman Missal 1970”, The Thomist 67(2003) 157-95; “The Collects at Sunday Mass: An Examination of the Revisions of Vatican II”, Nova et Vetera, 3:1 (Winter, 2005) 5-38. Siehe auch Aidan Nichols, Looking at the Liturgy, (San Francisco: Ignatius Press 1997). Dieses kurze Buch ist immer noch die beste Quelle, um die rationalistischen und antiliturgischen Voraussetzungen der spät-modernen liturgischen Bewegung zu verstehen, welche in die Novus Ordo Form der Messe mündete.  [Diese Thematik der neuen Kollekten und Offertorien wurde auch im folgenden Buch thematisiert in Cekada, Anthony, Work of Human Hands. A Theological Critique of the Mass of Paul VI, Philothea Press: West Chester 2010, 219-246;275-304. Red.]

[i] Evelyn Waugh (1903-1966) britischer Schriftsteller und Konvertit. Bekannt für seinen Roman „Wiedersehen mit Brideshead“ (Brideshead revisited), einer der bessern Stilisten der englischen Sprache im XX Jahrhundert. Ebenfalls empfehlenswert sind  aus der katholischen Sicht seine Romane „Schwert der Ehre“ (Sword of Honour) und „Helena“, welche auf Deutsch verlegt wurden, denn die Originalprosa Waughs ist sprachlich recht anspruchsvoll, dennoch lesenswert. [Red.]

[ii] Der Autor will hier wohl sagen, dass der Priester nicht nur der Gemeindevorsteher oder –bespasser ist, weil dies leider die Priesterrolle im Novus ordo ist, sondern, dass er liturgisch gesehen ein Vater ist, weil er ein Mann ist. Der Mann kann nur ein Vater sein, keine Mutter.

[iii] Dies ist auch eines der Hauptargumente gegen die Frauenweihe. Christus war ein Mann oder ein biologischer Mann, wie man heutzutage näher bestimmen muss, und daher kann nur ein Mann an Christi statt wirken und zwar real und nicht metaphorisch.