Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe


 

Evangelium des heiligen Karsamstages

Mt 28, 1 – 7

Nach Ablauf des Sabbats, beim Morgengrauen des ersten Wochentages, machten sich Maria Magdalena und die andere Maria auf den Weg, um nach dem Grabe zu sehen. Und siehe, da entstand ein starkes Erdbeben. Denn ein Engel des Herrn stieg vom Himmel herab, trat hinzu, schob den Stein weg und setzte sich darauf. Sein Aussehen war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie Schnee. Die Wächter erbebten aus Furcht vor ihm und waren wie tot. Die Frauen aber redete der Engel an: „Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt, seht hier den Ort, wo der Herr gelegen hat. Und nun geht eilends hin und meldet seinen Jüngern, daß er von den Toten auferstanden ist. Seht, er geht euch voraus nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen. Seht, ich habe es euch gesagt.“

Betrachtung zum Evangelium des Karsamstags

Gott! wunderbar hast Du den Menschen erschaffen. Noch wunderbarer sind die Geheimnisse deiner Erlösung. Wir sehen deine ehemaligen Wunder auch in unsern Tagen glänzen, indem

Du durch das Wasser der Wiedergeburt das nämliche zum Heile der Völker wirkest, was Du zur Errettung deines auserwählten Volkes so furchtbar und herrlich bewiesen hast. Ach! vermehre

die Gnaden, welche Du den gläubigen Vätern versprochen hast, zur Ehre deines heiligen Namens!

Breite dein Reich aus, und vermehre die Kinder des Lichtes! Allmächtiger, ewiger Gott! Du einzige Hoffnung der Welt! Der Du die Geheimniße der gegenwärtigen Festtage durch den Mund deiner Propheten uns kund gemacht und erklärethast, vermehre die Sehnsucht deines Volkes nach deiner Gnade, da jede Tugend nur durch den Hauch deiner Liebe in den Herzen der Gläubigen wächst. Siehe gnädig herab auf die Andacht deines zur Wiedergeburt berufenen Volkes, welches wie ein Hirsch nach der Quelle deines Wassers schmachtet; verleihe, daß der Durst des Glaubens ihren Leib und ihre Seele durch das Geheimniß der Taufe heilige! Steh‘ uns bei, wenn wir die Geheimnisse deiner unendlichen Barmherzigkeit feiern und die Sakramente empfangen! Sende den Geist deiner Liebe und Gnade zur Freude der Völker, vorzüglich deiner neuen Kinder, welche Dir durch das Wasser der Taufe geboren werden!

Amen.

Hymnus

Christus ist erstanden, befreit von Todesbanden;

Deß wollen wir alle froh seyn,

Christus will unser Trost seyn.

Alleluja!

Christus ist erstanden, befreit von Todesbanden;

Der als das wahre Osterlamm

Die Missethat der Welt hinnahm.

Alleluja!

Christus ist erstanden, befreit von Todesbanden;

Wie Du vom Tod‘ erstanden bist,

Laß uns ersteh’» Herr Jesu Christ!

Alleluja!

Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe


A 4158

Evangelium des heiligen Freitags

 Leidensgeschichte nach Johannes (18, 1-40 19, 1-42)

+ bedeutet Christus, C (Cantor, Chronista) den Erzähler, S (Succentor) die übrigen sprechenden Personen

C Das Leiden unsres Herrn Jesus Christus nach Johannes. In jener Zeit begab sich Jesus mit seinen Jüngern über den Bach Cedron. Hier war ein Garten, in den Er mit Seinen Jüngern hineinging. Auch Judas, Sein Verräter, kannte den Ort; denn Jesus war oft mit Seinen Jüngern dorthin gekommen. Judas nahm nun eine Abteilung Soldaten und Diener von den Hohenpriestern und Pharisäern und begab sich dorthin mit Laternen, Fackeln und Waffen. Jesus, der alles wußte, was über Ihn kommen sollte, trat ihnen entgegen und sprach: † «Wen suchet ihr?» C Sie antworteten: S «Jesus von Nazareth.»  C Jesus erwiderte ihnen: † «Ich bin es.» C Judas, der Verräter, stand bei ihnen. Als nun Jesus zu ihnen sprach: «Ich bin es», da wichen sie zurück und fielen zu Boden. Er fragte sie wiederum: † «Wen suchet ihr?» C Sie sagten: S «Jesus von Nazareth.» C Jesus antwortete: † «Ich habe es euch gesagt, Ich bin es; wenn ihr also Mich suchet, dann lasset diese gehen!» C So sollte das Wort erfüllt werden, das Er gesprochen: «Von denen, die Du Mir gegeben hast, habe Ich keinen verloren.» Simon Petrus aber zog das Schwert, das er bei sich hatte, schlug auf den Knecht des Hohenpriesters ein und hieb ihm das rechte Ohr ab. Der Name des Knechtes war Malchus. Da sprach Jesus zu Petrus: † «Stecke dein Schwert in die Scheide. Soll Ich den Kelch, den Mir der Vater gegeben hat, nicht trinken?»  C Die Wache, der Hauptmann und die Diener der Juden ergriffen nun Jesus und banden Ihn. Sie führten Ihn zunächst zu Annas. Dieser war der Schwiegervater des Kaiphas, der in jenem Jahre Hoherpriester war. Kaiphas aber war es gewesen, der den Juden den Rat gegeben hatte: «Es ist besser, wenn ein Mensch für das Volk stirbt.» Simon Petrus und der andere Jünger (Johannes) folgten Jesus nach. Jener Jünger war mit dem Hohenpriester bekannt und gelangte so mit Jesus in den Vorhof des Hohenpriesters. Petrus aber stand draußen vor der Türe. Da ging der andere Jünger, der dem Hohenpriester bekannt war, hinaus, redete mit der Türhüterin und führte auch den Petrus hinein. Da sprach das Mädchen, das die Türe hütete, zu Petrus: S «Bist nicht auch du einer von den Jüngern dieses Menschen?»  C Er antwortete:  S «Nein.» C Die Knechte und die Diener standen um ein Kohlenfeuer und wärmten sich; denn es war kalt. Auch Petrus trat zu ihnen und wärmte sich. Der Hohepriester fragte nun Jesus über Seine Jünger und Seine Lehre. Jesus antwortete ihm: † «Ich habe öffentlich vor aller Welt geredet. Ich habe immer in der Synagoge und im Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammenkommen, und habe nichts im Verborgenen geredet. Was fragst du Mich also? Frage die, welche Mich gehört haben; sie wissen, was Ich zu ihnen geredet habe.» C Bei diesen Worten gab einer von den Dienern, der dabeistand, Jesus einen Backenstreich und sagte: S «So antwortest Du dem Hohenpriester?» C Jesus erwiderte ihm: † «Habe Ich unrecht geredet, so beweise Mir das Unrecht; habe Ich aber recht geredet, warum schlägst du Mich?» C Annas schickte Ihn nun gebunden zum Hohenpriester Kaiphas. Simon Petrus stand immer noch da und wärmte sich. Da sprachen sie zu ihm: S «Bist nicht auch du einer von Seinen Jüngern?» C Er leugnete es und sprach: S «Ich bin es nicht.» C Nun sagte einer von den Knechten des Hohenpriesters, ein Verwandter dessen, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte, zu ihm: S «Hab’ ich dich nicht im Garten bei Ihm gesehen?» C Petrus leugnete abermals, und sogleich krähte der Hahn.  Sie führten nun Jesus von Kaiphas weg in das Gerichtshaus (in die Residenz des Landpflegers). Es war frühmorgens. Sie selbst gingen nicht ins Gerichtshaus hinein, um nicht unrein zu werden (durch das Betreten der Wohnung eines Heiden) und das Osterlamm noch essen zu können. Pilatus ging daher zu ihnen hinaus und fragte sie: S «Welche Anklage habt ihr wider diesen Menschen?» C Sie antworteten ihm: S «Wäre Dieser kein Missetäter, so hätten wir Ihn dir nicht überliefert.» C Pilatus sprach zu ihnen: S «Nehmt ihr Ihn hin und richtet Ihn nach eurem Gesetz.» C Die Juden erwiderten: S «Uns ist es nicht erlaubt, jemand zu töten.» C So sollte das Wort Jesu erfüllt werden, mit dem Er die Art Seines Todes angedeutet hatte. Pilatus ging wieder ins Gerichtshaus hinein, ließ Jesus vorführen und fragte Ihn: S «Bist Du der König der Juden?» C Jesus antwortete: † «Sagst du das aus dir selbst, oder haben es dir andere von Mir gesagt?” C Pilatus erwiderte: S «Bin ich denn ein Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben Dich mir überliefert. Was hast Du getan?» C Jesus antwortete: † «Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wenn Mein Reich von dieser Welt wäre, so würden gewiß Meine Diener für Mich streiten, und Ich wäre nicht den Juden ausgeliefert worden. Nun aber ist Mein Reich nicht von hier.” C Da sprach Pilatus zu Ihm: S «Also bist Du doch ein König?” C Jesus antwortete: † «Ja, Ich bin ein König. Dazu bin Ich geboren und in die Welt gekommen, daß Ich für die Wahrheit Zeugnis gebe. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf Meine Stimme.” C Pilatus sprach zu Ihm: S «Was ist Wahrheit?” C Nach diesen Worten ging er wieder zu den Juden hinaus und sprach zu ihnen: S «Ich finde keine Schuld an Ihm. Es ist aber Brauch bei euch, daß ich euch zum Osterfest einen freigebe. Wollt ihr nun, dass ich euch den König der Juden freigebe?» C Da schrien sie alle: S «Nicht Diesen, sondern Barabbas!» C Barabbas aber war ein Räuber. Jetzt ließ Pilatus Jesus ergreifen und geißeln. Die Soldaten flochten eine Krone von Dornen und setzten sie Ihm aufs Haupt; sie legten Ihm einen Purpurmantel um, traten vor Ihn hin und höhnten: S «Sei gegrüßt, König der Juden!” Dann gaben sie Ihm Backenstreiche. Pilatus ging nun abermals hinaus und sprach zu ihnen: S «Seht, ich führe Ihn heraus zu euch, damit ihr erkennet, daß ich keine Schuld an Ihm finde.» C (Jesus ging hinaus und trug die Dornenkrone und den Purpurmantel.) Da sprach er zu ihnen: S «Sehet, welch ein Mensch!» C Als die Hohenpriester und Diener Ihn sahen, schrien sie: S «Kreuzige, kreuzige Ihn!» C Pilatus sprach zu ihnen: S «Nehmt ihr Ihn hin und kreuzigt Ihn; ich finde keine Schuld an Ihm.” C Die Juden erwiderten: S «Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz muß Er sterben; denn Er hat Sich selbst zum Sohne Gottes gemacht.» C Als nun Pilatus diese Worte hörte, fürchtete er sich noch mehr. Er ging dann ins Gerichtshaus hinein und fragte Jesus: S «Woher bist Du?» C Jesus gab ihm keine Antwort mehr. Da sprach Pilatus zu Ihm: S «Mir antwortest Du nicht? Weißt Du nicht, daß ich die Macht habe, Dich zu kreuzigen, und die Macht habe, Dich freizugeben?» C Jesus antwortete: † «Du hättest keine Macht über Mich, wenn sie Dir nicht von oben gegeben wäre. Darum hat der, welcher Mich dir überlieferte, eine größere Schuld.» C Von nun an suchte Pilatus Ihn freizugeben. Die Juden aber schrien: S «Wenn du Diesen freigibst, bist du kein Freund des Kaisers; denn jeder, der sich zum König macht, widersetzt sich dem Kaiser.» C Als Pilatus diese Worte gehört hatte, ließ er Jesus hinausführen und setzte sich auf den Richterstuhl, an den Ort, der Lithostrotos (Steinpflaster), auf hebräisch Gabbatha, heißt. Es war der Rüsttag (Vortag) des Osterfestes, ungefähr um die sechste Stunde. Er sprach nun zu den Juden: S «Seht, euer König!» Sie schrien: S «Hinweg! Kreuzige Ihn!« C Pilatus sprach zu ihnen: S «Euren König soll ich kreuzigen?» C Die Hohenpriester antworteten: S «Wir haben keinen König als den Kaiser!» C Da übergab er ihnen Jesus zur Kreuzigung. Sie nahmen Ihn nun und führten Ihn hinaus. Er trug Sein Kreuz und ging hinaus an den Ort, den man Schädelstätte nennt, auf hebräisch aber Golgotha. Dort kreuzigten sie Ihn, und mit Ihm noch zwei andere, rechts und links, Jesus aber in der Mitte. Pilatus hatte auch eine Inschrift schreiben und oben ans Kreuz heften lassen. Sie lautete: «Jesus von Nazareth, König der Juden.» Diese Inschrift lasen viele Juden; denn der Ort, wo Jesus gekreuzigt wurde, lag nahe bei der Stadt. Sie war hebräisch, griechisch und lateinisch geschrieben. Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: S «Schreibe nicht: König der Juden, sondern, daß Er selbst behauptete: Ich bin der König der Juden.” C Pilatus erwiderte: S «Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.” C Nachdem nun die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie Seine Kleider und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen Teil, dazu noch den Leibrock. Der Leibrock war ohne Naht, von oben bis unten in einem Stücke gewebt. Daher sprachen sie: S «Wir wollen ihn nicht zerschneiden, sondern das Los über ihn werfen, wem er gehören soll.» C So erfüllte sich die Schrift, die sagt: «Sie haben Meine Kleider unter sich geteilt und über Mein Gewand das Los geworfen.” So taten also die Soldaten. Bei dem Kreuze Jesu standen aber Seine Mutter und die Schwester Seiner Mutter, Maria, die Frau des Kleophas, und Maria Magdalena. Als Jesus Seine Mutter und den Jünger, den Er liebte, stehen sah, sprach Er zu Seiner Mutter: † «Frau, siehe da deinen Sohn!» C Hierauf sprach Er zu dem Jünger: † «Siehe da deine Mutter!» C Von dieser Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. Da Jesus wußte, daß alles vollbracht sei, sprach Er, auf daß die Schrift erfüllt werde: † «Mich dürstet!» C Es stand aber ein Gefäß voll Essig da. Sie füllten einen Schwamm mit Essig, steckten ihn auf einen Ysopstengel und hielten ihn an Seinen Mund. Als Jesus den Essig genommen hatte, sprach Er: † «Es ist vollbracht!» C Dann neigte Er das Haupt und gab den Geist auf.Alle knien nieder und gedenken des Erlösertodes unseres Herrn.Damit die Leichname nicht über den Sabbat am Kreuze verblieben, baten die Juden den Pilatus, er möge ihnen die Beine zerbrechen und sie abnehmen lassen. (Es war nämlich Rüsttag, und der folgende Sabbat war großer Festtag – weil dieser Sabbat schon in die Osterwoche fiel) So kamen denn die Soldaten und zerschlugen dem ersten die Gebeine und auch dem andern, der mit ihm gekreuzigt ward. Als sie aber zu Jesus kamen, sahen sie, daß Er schon tot war; sie zerschlugen Ihm daher die Gebeine nicht, sondern einer der Soldaten öffnete Seine Seite mit einer Lanze, und sogleich floß Blut und Wasser heraus. Der dies gesehen hat, legt Zeugnis ab, und sein Zeugnis ist wahr. Und er weiß, dass er die Wahrheit sagt, damit auch ihr glaubt. Denn das ist geschehen, damit die Schrift erfüllt werde: «Ihr sollt an Ihm kein Bein zerbrechen.» Und wiederum sagt ein anderes Schriftwort: «Sie werden auf Den schauen, den sie durchbohrt haben.» Hierauf bat Joseph von Arimathäa (der ein Jünger Jesu war, freilich nur im geheimen, aus Furcht vor den Juden) den Pilatus, daß er den Leichnam Jesu abnehmen dürfe. Pilatus erlaubte es. Er ging also hin und nahm den Leichnam Jesu ab. Auch Nikodemus kam dazu, der einst bei Nacht zu Jesus gekommen war; er brachte eine Mischung von Myrrhe und Aloe, gegen hundert Pfund. Sie nahmen den Leichnam Jesu und wickelten Ihn samt den Spezereien in linnene Tücher, so wie es bei den Juden Begräbnissitte ist. An dem Ort, wo Er gekreuzigt wurde, war ein Garten, und in dem Garten ein neues Grab, in das noch niemand gelegt worden war. Dorthin trugen sie Jesus wegen des Rüsttags der Juden; denn das Grab war ganz in der Nähe.

Gebet

Der heilige Freitag.

Allmächtiger Vater! sieh vom hohen Himmel herab auf deinen Eingebornen, duldenden, geliebtesten Sohn, unter welchen Schmerzen Er am Kreuz gehangen; wie Er sein kostbares Blut für

die Sünden der Menschen so reichlich vergossen hat. Sieh sein heiliges Haupt, o Vater! wie es mit Dornen durchstochen, vor Schmerzen ohnmächtig gesenket! Sieh, wie sein freundliches Angesicht zerschlagen ist; sieh seine eingesunkenen Augen, seine zerrissenen Wangen; seine Haare sind zerrauft, Arme ausgespannt, seine Brust verwundet, seine Hände und Füße mit Nägeln durchgraben!

Erinnere Dich dieses schrecklichen Leidens deines Eingebornen, o gütigster Vater! und gedenke, daß dieses dein lieber Sohn sey, an dem Du von Ewigkeit her dein Wohlgefallen hattest. Er hat alles für uns gethan. Ihn und den unendlichen Werth seines Leidens opfere ich Dir zur Genugthuung aller meiner begangenen Missethaten und der dadurch verdienten Strafen auf. Nimm dieses theuere Opfer mit meiner Reue huldreich an, und erbarme Dich meiner, daß ich der Sünde absterbe, der Gerechtigkeit lebe und so selig werde! Amen.

Der Psalm Miserere

Sieh, mein Elend, Gott! erbarme Dich,

und erlöse

nach der Größe

deiner Vaterliebe mich!

Laß mich, Herr! bei deiner Vaterhuld

für die Sünden

Gnade finden;

Vater, tilge meine Schuld!

Wasch mich rein von meinem Aussatz, Herr!

daß verschwinden

meine Sünden!

Wasch mich immer mehr und mehr!

Tief empfind‘ ich meiner Sünden Last,

muß gestehen

mein Vergehen,

finde nimmer Ruh noch Rast.

Ach, Gott habe ich, ich Bösewicht!

Gott beleidigt!

So vertheidigt

selbst der Sünder dein Gericht.

Doch Du weißt, daß ich als Sünder ward;

daß die Sünde

mit dem Kinde

sich im Mutterleib gepaart.

Denn Du läß’st, was sonst dein Siegel deckt,

mich verstehen;

läß’st mich sehen

Wahrheit, die im Dunkeln steckt.

O daß mich dein Hysop reinige

von den Flecken,

die mich decken,

daß ich werde weiß, wie Schnee.

Sprich nur: Ja, dieß frohe Ja zu mir!

Sprich! und meine

morschen Beine

leben auf und jauchzen Dir.

Herr, steh nicht auf meine Missethat

und entbinde

mich der Sünde,

die mich schwer belastet hat!

Schaff, o Gott! ein reines Herz in mir,

einen neuen,

festen, treuen

Geist erfleh‘ ich mir von Dir.

Stoß, mein Gott! ach stoß mich nicht von Dir!

Sieh mich weinen,

nimm nicht deinen

guten heil’gen Geist von mir!

Laß, was deine Vaterliebe thut,

mit Entzücken

mich erblicken,

stärke mich mit Kraft und Muth.

Sündern will ich dann ein Beispiel seyn.

Dann verlassen

ihre Strassen

sie und werden Dir sich weih’n.

Laß, mein Gott! für fremdes Blut mich nicht

Rach‘ empfinden;

laß verkünden

mich dein gnädiges Gericht!

Herr! eröffne deines Knechtes Mund,

und es werden

fernen Erden

deine Thaten durch mich kund.

Wenn es Dir gefiele, wollt‘ ich gern

Opfer schlachten;

doch dieß achten

nicht die Äugen meines Herrn.

Ihm gefällt der Geist der Demuth mehr;

fromme Herzen

und die Schmerzen

wahrer Reue liebet Er.

Herr, beweise deine Huld in dem,

daß wir sehen,

wiederstehen

Mauern um Jerusalem!

Jeder bringt dann sein Opfer dar,

Dich zu ehren;

dann beschweren

fette Rinder den Altar.

Gebet.

Wir bitten Dich, Herr! sieh gnädig auf diese deine Gemeinde herab, für die dein Eingeborner Sohn Jesus starb, und errette uns aus diesem Jammerthale. Amen.

Kirchengebet

, während der Priester für alle Stände der ganzen

Kirche betet.

Lasset uns beten für die Kirche Gottes um Frieden und Eintracht! Lasset uns beten für unsern Papst, für alle Bischöfe, Priester, Diakone, Subdiakone, Akolythen, Exorzisten, Lektoren, Ostiarier, Bekenner, Jungfrauen, Wittwen und alle Heiligen Gottes! Lasset uns beten für alle christlichen Regenten und Obrigkeiten! Lasset uns beten für uns’re Catechumen! Lasset uns beten, daß Gott die Welt von allen Irrthümern reinige, die Krankheiten heile, Hunger und Theuerung abwende, die Kerker öffne, die Bande auflöse, den Reisenden eine glückliche Heimkunft, den Kranken Wiedergene-sung, den Schiffenden einen sichern Hafen verleihe! Lasset uns beten für die von uns im Glauben getrennten Brüder! Lasset uns beten für die Juden und Heiden, auf daß Gott, unser Herr, den Schleier von ihren Herzen nehme, damit auch sie Jesum Christum erkennen mögen! Amen.

Während der Anbetung des Kreuzes.

(Vorbeter:) Mein Volk, was that Ich dir, oder wie habe Ich dich betrübet? Antworte mir!

Ich habe dich aus Aegypten geführt, und du hast deinen Heiland an’s Kreuz genagelt.

(Volk:) Heiliger Gott, erbarme Dich unser!

(Vb.) Vierzig Jahre führte Ich dich durch die Wüste, Ich nährte dich mit Manna; Ich führte dich in ein schönes und fruchtbares Land; und du hast deinen Retter gekreuziget.

(V.) Heiliger Gott, erbarme Dich unser!

(Vb.) Was sollte Ich dir noch weiter thun, und was that Ich nicht? Ich pflegte dich als meinen herrlichsten Weinberg, und du, du hast Mich mit Bitterkeit überhäuft; denn mit Essig tränktest du Meinen Durst, und durchbohrtest die Brust deines Erlösers mit einer Lanze!

(V.) Heiliger Gott, erbarme Dich unser!

(Vb.) Wegen deiner geißelte Ich Aegypten und seine Erstgeburt; und du hast Mich gegeißelt, hast Mich in die Hände meiner Feinde zum Tode hingegeben.

Mein Volk, was that Ich dir? Oder wo habe Ich dich betrübet? Antworte mir!

(V.) Heiliger Gott, erbarme Dich unser!

(Vb.) Ich führte dich aus Aegypten, versenkte den Pharao in das rothe Meer; und du hast Mich den hohen Priestern überliefert. Mein Volk, was that Ich dir? u. s. w.

(V.) Heiliger Gott, erbarme Dich unser!

(Vb.) Ich öffnete das Meer, theilte die Fluth vor dir; und du öffnetest meine Seite mit einer Lanze. — Mein Volk, was that Ich dir? u.s.w.

(V.) Heiliger Gott, erbarme Dich unser!

(Vb.) In der Wolkensäule ging Ich her vor dir, und du hast Mich in den Gerichtshof des Pilatus geführt.

Mein Volk, was that Ich dir ? u.s.w.

(V.) Heiliger Gott, erbarme Dich unser!

(Vb.) Ich stärkte dich in der Wüste mit Manna; du hast aber Mich mit Backenstreichen und Geiseln mißhandelt.

Mein Volk u. s. w.

(V.) Heiliger Gott, erbarme Dich unser!

(Vb.) Aus der Felsenquelle tränkte Ich dich mit heilsamem Wasser; du aber hast Mich mit Galle und Essig getränkt.

Mein Volk u. s. w.

(V.) Heiliger Gott, erbarme Dich unser!

(Vb.) Für dich erschlug Ich die Könige der Chananäer; und du hast mein Haupt mit einem Rohr geschlagen.

Mein Volk u. s. w.

(V.) Heiliger Gott, erbarme Dich unser!

(Vb.) Ich gab dir den königlichen Scepter, du aber hast eine Dornenkrone auf mein Haupt gesetzt.

Mein Volk u. s. w.

(V.) Heiliger Gott, erbarme Dich unser!

(Vb.) Ich habe dic mit großer Kraft erhöhet; und du hast Mich an den Galgen des Kreuzes aufgehängt.

Mein Volk u. s. w.

(V.) Heiliger Gott, erbarme Dich unser!

(Vb.) Herr! wir verehren dein Kreuz in tiefer Ehrfurcht; wir loben und preisen deine heilige Auferstehung; denn sieh, das Holz hat Freude verbreitet über die ganze Welt!

(V.) Gott, sey uns gnädig und segne uns!

Er lasse sein heiliges Angesicht über uns leuchten!

Erbarme, erbarme Dich unser! Amen.

Joseph nahm den Leichnam Jesu, wickelte ihn in feine Leinwand und legte ihn in ein neues Grab.“ Matth. 27, 58— 59.

Seyd ihr mit Christus gleichsam begraben worden, so trachtet mit Ihm auch aufzustehen und in einem neuen, bessern Leben zu wandeln.“ Röm. 6, 14.

Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe


A 4158

Evangelium des grünen Donnerstags

Joh 13, 1 – 15

Es war vor dem Osterfeste. Da Jesus wusste, dass für ihn die Stunde gekommen war, aus dieser Welt zum Vater zu gehen, und da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, so liebte er sie bis ans Ende.

Es war beim Abendmahle. Schon hatte der Teufel dem Judas Iskariot, dem Sohne Simons, den Entschluss ins Herz gelegt, ihn zu verraten. Obwohl Jesus sich bewusst war, dass der Vater ihm alles in die Hände gegeben hatte, dass er von Gott ausgegangen war und wieder zu Gott zurückkehrte, erhob er sich vom Mahle, legte sein Obergewand ab, nahm ein Linnentuch und umgürtete sich damit. Dann goss er Wasser in ein Becken und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und sie mit dem Linnentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war. So kam er zu Simon Petrus. Dieser sprach zu ihm.: Herr, du willst mir die Füße waschen?“ Jesus antwortete ihm: „Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht, du wirst es aber später verstehen.“ Petrus erwiderte ihm: „In Ewigkeit sollst du mir die Füße nicht waschen!“ Jesus entgegnete ihm: „Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir.“ Da sprach Simon Petrus: „Dann, Herr, nicht allein meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt.“ Jesus sprach zu ihm: „Wer gebadet hat, braucht nur mehr die Füße zu waschen, dann ist er ganz rein. Auch ihr seid rein, aber nicht alle.“ Er kannte seinen Verräter; darum sagte er: „Ihr seid nicht alle rein.“

Nachdem er ihnen die Füße gewaschen, sein Obergewand wieder angelegt und sich niedergesetzt hatte, sprach er zu ihnen: „Versteht ihr, was ich an euch getan habe? Ihr nennt mich Meister und Herr, und ihr habt recht; denn ich bin es. Wen nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Denn ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr gut, wie ich an euch getan habe.

Gebet

Heute, o Herr! hast Du mit deinen Jüngern jenes Abendmahl gehalten, wo Du ihnen und durch sie allen Gläubigen dein Fleisch und Blut gegeben hast. Heute sollen Dich ehren alle Menschen und heilig essen von dieser hochheiligen Speise. O daß wir heute alle unsere unedlen Leidenschaften vertilgen könnten! O daß wir mit reuigem Herzen wohl bedächten dieses große, heilige Werk, und Dich, o höchstes Gut, geziemend ehrten ! — Heute verstummet das Geläute der Glocken, damit der Mensch sich in heilsame Trauer versenke. Heute werden die Lichter gelöscht, die Altäre entblößt und ihrer Zierde beraubt zum Zeichen, daß Du, o Herr! das Licht der Welt, die Sonne der Gerechtigkeit, am Kreuze erloschen bist.

Wir danken Dir heute für dein heiliges Leiden,und treten mit heiliger Furcht vor den Altar, auf dem dein hochheiliger Fronleichnam unter Brodesgestalt ruhet. Wir beten Dich an, und

glauben, daß Du ganz und wahrhaft zugegen seyest in dem heiligen Sakramente des Altares.

Wir wollen deinen heiligen Leib genießen, damit wir zum Leben gestärket werden. O Herr! verzeihe uns, wenn wir nicht würdig genug zu deinem Tische gehen. Reinige von der Sünde unsere Seelen, wie Du heute die Füße der Jünger gewaschen hast! Verlaß uns nicht, sondern lehre und hilf uns gehen den rechten Weg nach deinen Fußstapfen; denn nichts vermögen wir ohne Dich.

Lehre und hilf uns insonderheit nachahmen deiner Demuth! Laß uns als arme Sünder in dieser heiligen Zeit andachtig ehren deine Leiden, und Geduld in den unsrigen erlernen! Hilf, daß wir in den Versuchungen nicht erliegen, sondern gnädig durch Dich von dem Uebel der Sünde erlöst werden und zuletzt erlangen das ewige Leben! Amen.

Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe


A 4158

Evangelium des Mittwoches in der Karwoche

Leidensgeschichte nach Lukas 22, 39-71; 23, 1-53

bedeutet Christus, C (Cantor, Chronista) den Erzähler, S (Succentor) die übrigen sprechenden Personen

Das Leiden unseres Herrn Jesus Christus nach Lukas. In jener Zeit ging Jesus hinaus und begab Sich nach Seiner Gewohnheit an den Ölberg. Die Jünger aber folgten Ihm. Als Er dort angekommen war, sprach Er zu ihnen: «Betet, damit ihr nicht in Versuchung fallet.» Dann entfernte Er sich von ihnen einen Steinwurf weit, kniete nieder und betete: «Vater, wenn Du willst, so nimm diesen Kelch von Mir; doch nicht Mein Wille geschehe, sondern der Deine.» Da erschien Ihm ein Engel vom Himmel und stärkte Ihn. Nun befiel Ihn Todesangst, und Er betete noch flehentlicher. Sein Schweiß ward wie Blutstropfen, die zur Erde rannen. Er erhob Sich nun vom Gebet und kehrte zu Seinen Jüngern zurück, fand sie aber vor Traurigkeit schlafend. Er sprach zu ihnen: «Warum schlafet ihr? Steht auf und betet, damit ihr nicht in Versuchung fallet!»

Während Er noch redete, erschien eine Rotte. Einer von den Zwölfen, Judas mit Namen, ging voran. Er schritt auf Jesus zu und küßte Ihn. Jesus sprach zu ihm: «Judas, mit einem Kusse verrätst du den Menschensohn?» Als Seine (Jesu) Begleiter sahen, was kommen werde, riefen sie: «Herr, sollen wir mit dem Schwerte dreinschlagen?» Und einer von ihnen (Petrus) schlug auf den Knecht des Hohenpriesters ein und hieb ihm das rechte Ohr ab. Jesus aber sprach: «Laßt ab! Es ist genug!» Dann berührte Er dessen Ohr und heilte es. Zu den Hohenpriestern aber und zu den Hauptleuten der Tempelwache und den Ältesten, die mitgekommen waren, sprach Jesus: «Wie gegen einen Räuber seid ihr ausgezogen mit Schwertern und Knütteln. Als Ich täglich bei euch im Tempel war, habt ihr nicht Hand an Mich gelegt. Doch dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis.»

Hierauf nahmen sie Ihn gefangen und führten Ihn zum Hause des Hohenpriesters. Petrus aber folgte von ferne. Sie zündeten in der Mitte des Vorhofes ein Feuer an und saßen im Kreise herum. Petrus gesellte sich zu ihnen. Als eine Magd ihn am Feuer sitzen sah, faßte sie ihn fest ins Auge und sprach: «Auch dieser war bei Ihm.» Er aber leugnete und sprach: «Weib, ich kenne Ihn nicht.» Nach einer Weile sah ihn ein anderer und sprach: «Du bist auch einer von ihnen.» Petrus erwiderte: «Nein, o Mensch.» Etwa eine Stunde später versicherte ein anderer: «Wahrhaftig, der war auch bei Ihm: er ist ja ein Galiläer.» Petrus aber sprach: «Mensch, ich verstehe nicht, was du sagst.» Während er noch redete, krähte der Hahn. Da wandte Sich der Herr um und schaute Petrus an. Nun erinnerte sich Petrus an das, was der Herr gesagt hatte: «Ehe der Hahn kräht, wirst du Mich dreimal verleugnen.» Petrus ging nun hinaus und weinte bitterlich.

Die Männer, die Jesus bewachten, verspotteten und schlugen Ihn. Sie verhüllten Ihm die Augen, schlugen Ihm ins Gesicht und fragten: «Sag an, wer hat Dich geschlagen?» Und noch viele andere Lästerungen stießen sie gegen Ihn aus.

Bei Tagesanbruch kamen die Ältesten des Volkes, die Hohenpriester und Schriftgelehrten zusammen, ließen Ihn in ihre Versammlung bringen und sprachen: «Bist Du Christus, so sag es uns.» Er antwortete ihnen: «Wenn Ich es euch sage, glaubt ihr Mir nicht; wenn Ich euch frage, antwortet Ihr Mir nicht, noch laßt ihr Mich frei. Aber von nun an wird der Menschensohn zur Rechten der Macht Gottes sitzen.» Da sprachen alle: «Du bist also der Sohn Gottes?» Er antwortete: «Ihr sagt es, Ich bin es.» Da riefen sie: «Was brauchen wir noch ein Zeugnis? Wir haben es ja selbst aus Seinem Munde gehört.»

Jetzt erhob sich die ganze Versammlung. Sie führten Ihn zu Pilatus und begannen Ihn anzuklagen: «Wir haben gefunden, daß Dieser unser Volk aufwiegelt, daß Er verbietet, dem Kaiser Steuer zu zahlen, und Sich für Christus, den König, ausgibt.» Pilatus fragte Ihn: «Bist Du der König der Juden?» Er antwortete: «Ja, Ich bin es.» Da erklärte Pilatus den Hohenpriestern und dem Volke: «Ich finde keine Schuld an diesem Menschen.» Sie aber riefen noch ungestümer: «Er bringt das Volk im ganzen Judenlande durch Seine Lehre in Aufruhr, angefangen von Galiläa bis hierher.»

Als Pilatus von Galiläa reden hörte, fragte er, ob der Mann ein Galiläer sei. Als er vernahm, daß Er aus dem Machtgebiete des Herodes sei, sandte er Ihn zu Herodes, der in jenen Tagen gleichfalls in Jerusalem war. Herodes freute sich aber sehr, als er Jesus sah. Lange schon hatte er sich darnach gesehnt, Ihn zu sehen, weil er vieles von Ihm gehört hatte. Auch hoffte er, ein Wunder von Ihm zu sehen. Er stellte daher viele Fragen an Ihn. Doch Jesus gab ihm keine Antwort. Die Hohenpriester und Schriftgelehrten standen dabei und klagten Ihn fortwährend an. Da verhöhnte und verspottete Ihn Herodes mit seinen Soldaten; er ließ Ihm ein weißes Kleid anziehen und schickte Ihn so zu Pilatus zurück. An diesem Tage wurden Herodes und Pilatus Freunde; denn vorher hatten sie miteinander in Feindschaft gelebt.

Pilatus rief nun die Hohenpriester, die Mitglieder des Hohen Rates und das Volk zusammen und sprach zu ihnen: «Ihr habt mir diesen Mann gebracht, weil Er das Volk aufwiegeln soll. Seht, ich habe Ihn vor euch verhört, finde aber keine der Anklagen, die ihr gegen diesen Menschen vorbringt, für berechtigt; auch Herodes nicht, an den ich euch verwiesen: nichts Todeswürdiges ist von Ihm begangen worden. Ich will Ihn also züchtigen lassen und dann freigeben.» Auf den Festtag mußte er ihnen aber einen Gefangen freilassen. Da schrie der ganze Haufen: «Weg mit Diesem, gib uns den Barabbas frei!» Dieser war wegen eines Aufruhrs, der in der Stadt vorgekommen war, und wegen eines Mordes ins Gefängnis geworfen worden. Noch einmal redete Pilatus ihnen zu, weil er Jesus freigeben wollte. Aber sie schrien: «Ans Kreuz, ans Kreuz mit Ihm!» Er sprach ein drittes Mal zu ihnen: «Was hat Er denn Böses getan? Ich finde keine Todesschuld an Ihm. Ich will Ihn züchtigen lassen und dann freigeben.» Aber sie setzten ihm mit lautem Geschrei zu und verlangten, daß Er gekreuzigt werde; und ihr Geschrei drang auch durch. Pilatus entschied, daß ihrem Verlangen entsprochen werde. Er gab ihnen den frei, der wegen des Mordes und des Aufstandes ins Gefängnis geworfen war und den sie verlangten; Jesus aber opferte er ihrem Willen.

Als sie Ihn hinausführten, hielten sie einen gewissen Simon aus Cyrene an, der vom Felde kam, und luden ihm das Kreuz auf, daß er es Jesus nachtrage. Eine große Volksmenge folgte Ihm, darunter auch Frauen, die über Ihn klagten und weinten. Jesus aber wandte Sich zu ihnen und sprach: «Ihr Töchter von Jerusalem, weinet nicht über Mich, sondern weinet über euch und eure Kinder. Denn seht, es werden Tage kommen, an denen es heißt: Selig die Unfruchtbaren, deren Schoß nicht geboren und deren Brüste nicht genährt haben. Dann wird man zu den Bergen sagen: Fallet über uns; und zu den Hügeln: Bedecket uns. Denn wenn das am grünen Holz geschieht, was wird dann erst am dürren geschehen?»

Zugleich mit Ihm wurden noch zwei Verbrecher zur Hinrichtung hinausgeführt. Als sie an den Ort gekommen waren, der Kalvaria heißt, kreuzigten sie Ihn daselbst; ebenso die beiden Missetäter, den einen zu Seiner Rechten, den andern zu Seiner Linken. Da sprach Jesus: «Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun.» Dann verteilten sie Seine Gewänder, indem sie das Los warfen.

Das Volk stand dabei und schaute zu. Die Mitglieder des Hohen Rates verspotteten Ihn und sprachen: «Andern hat Er geholfen, nun mag Er Sich selbst helfen, wenn Er der Messias ist, der Auserwählte Gottes.» Auch die Soldaten verhöhnten Ihn, traten hinzu und reichten Ihm Essig mit den Worten: «Wenn Du der König der Juden bist, hilf Dir.» Über Ihm war aber eine Aufschrift in griechischer, lateinischer und hebräischer Schrift: Das ist der König der Juden. Auch einer von den Missetätern, die am Kreuze hingen, lästerte Ihn und sprach: «Wenn Du Christus bist, hilf Dir selbst und uns.» Der andere aber verwies es ihm und sagte: «Fürchtest auch du Gott nicht? Du erleidest doch die gleiche Strafe! Wir leiden mit Recht; denn wir empfangen, was wir durch unsere Taten verdient haben; Dieser aber hat nichts Böses getan.» Dann sprach er zu Jesus: «Herr, gedenke meiner, wenn Du in Dein Reich kommst!» Jesus antwortete ihm: «Wahrlich, Ich sage dir, heute noch wirst du mit Mir im Paradiese sein.»

Es war ungefähr um die sechste Stunde, da entstand eine Finsternis im ganzen Lande bis zur neunten Stunde. Die Sonne verfinsterte sich, und der Vorhang des Tempels riss mitten entzwei. Da rief Jesus mit lauter Stimme: «Vater, in Deine Hände befehle Ich Meinen Geist.» Mit diesen Worten hauchte Er Seine Seele aus.

Alle knien nieder und gedenken des Erlösertodes unseres Herrn.

Als der Hauptmann sah, was geschehen war, pries er Gott und sprach: «Wahrhaftig, dieser Mensch war gerecht.» Alles Volk, das Zeuge dieses Schauspiels war und die Vorgänge sah, schlug an die Brust und kehrte heim. Alle Bekannten Jesu und auch die Frauen, die Ihm aus Galiläa gefolgt waren, standen in einiger Entfernung und sahen dies mit an.

Und siehe, da war ein Mitglied des Hohen Rates, Joseph mit Namen, ein guter und gerechter Mann; dieser hatte ihrem Beschluss und Verfahren nicht beigestimmt. Er stammte aus Arimathäa, einer Ortschaft in Judäa, und harrte auf das Reich Gottes. Der ging zu Pilatus und erbat sich den Leichnam Jesu. Er nahm Ihn ab, hüllte Ihn in Leinwand und legte Ihn in ein Felsengrab, in das noch niemand gelegt worden war.

 

Gebet

Am Mittwoche.

Allmachtiger Gott! noch immer büßen wir unsere Uebertretungen; laß uns also durch das Leiden deines Eingebornen baldige Erlösung zu Theil werden!

Gott! der Du um unsertwillen deinen Sohn zum Kreuzestod verurtheilen liessest, damit Du des Feindes Macht von uns triebest: verleihe uns, deinen Dienern, daß wir die Gnade der Auferstehung erlangen! Amen.

Litanei

vom heiligen Leiden und Sterben unsers Erlösers.

Herr, erbarme Dich unser!

Christe, erbarme Dich unser!

Herr, erbarme Dich unser!

Christe, höre uns!

Christe, erhöre uns!

Gott Vater vom Himmel, – erbarme dich unser

Gott Sohn, Erlöser der Welt, – erbarme dich unser

Gott heiliger Geist, – erbarme dich unser

Jesus Christus, unser Erlöser, –

Du für uns leidender und sterbender Jesus,

Du bis in den Tod betrübter Jesus,

Gottergebener Jesus,

Gebundener Jesus,

Verhöhnter Jesus,

Unschuldig verurtheilter Jesus,

Gegeißelter Jesus,

Mit Dornen gekrönter Jesus,

Mit dem Kreuz beladener Jesus,

Gekreuzigter Jesus,

Durch deine Todesangst am Oelberg,

Durch deinen blutigen Schweiß,

Durch dein dreimaliges Angstgebet zum Vater,

Durch deine Geduld mit den schlafenden Jüngern,

Durch deine Sanftmuth gegen Judas, den Verräther,

Durch deine ehrwürdige Majestät bei Annäherung der Gerichtsdiener,

Durch die harten Bande und Schläge,

Durch das dunkle und elende Gefängniß,

Durch die Vorstellung vor Annas und Kaiphas,

Durch den schmerzlichen Backenstreich,

Durch die ungerechte Anklage und Verurtheilung,

Durch dein geheimnißvolles Schweigen,

Durch dein herrliches Zeugniß für die Wahrheit,

Durch die Verspeiung deines heiligen Angesichts,

Durch die Verspottung deines königlichen Namens,

Durch die erduldete Lästerung deiner heiligsten Gottheit,

Durch deine Verhöhnung vor Pilatus und Herodes,

Durch das unbillige Todes -Urtheil,

Durch deinen willigen Gehorsam bis zum Tod des Kreuzes,

Durch deinen dreimaligen Fall unter der Last des Kreuzes,

Durch die schmerzhaften Wunden deiner heiligen Schulter,

Durch die schmerzliche Beraubung deiner Kleider,

Durch deine unaussprechlichen Schmerzen bei der Anheftung an’s Kreuz,

Durch deine dreistündigen Leiden am Kreuze,

Durch dein vergossenes kostbares Blut,

Durch das Gebet der Liebe für deine Kreuziger,

Durch deine göttliche Huld gegen den reumüthigen Schächer und alle bußfertigen Sünder,

Durch die zärtliche Liebe gegen deine Mutter und Johannes und alle Leidenden,

Durch deinen heißen Durst und bange Verlassenheit,

Durch die bittere Galle und Essig, die man Dir dargereicht,

Durch deinen harten Todeskampf,

Durch die sieghafte Vollendung aller deiner Leiden,

Durch den mächtigen Ruf, mit dem Du deine Seele dem Vater übergeben.

Durch das sanfte Neigen deines sterbenden Hauptes,

Durch die Eröffnung deiner heiligen Seite,

Durch die Abnahme vom Kreuze und deine Ruhe im Schooße deiner schmerzhaften Mutter,

Durch dein heiliges Begräbniß,

Durch deine Beschimpfung noch im Grabe,

Sey uns gnadig, verschone uns, o Herr!

Sey uns gnädig, erhöre uns, o Herr!

Von allem Uebel, – erlöse uns, o Herr!

Von aller Sünde,

Von einem unglückseligen Tode,

Von Kleinglauben und von Muthlosigkeit in Leiden,

Von Geringschätzung deines Leidens und Sterbens,

Wir arme Sünder, – wir bitten Dich, erhöre uns!

Daß Du uns zur Betrachtung deines heiligen Leidens und Sterbens Gnade geben wollest, – wir bitten Dich, …

Daß Du uns in jeder Betrübniß durch deine erlittene Angst trösten wollest,

Daß Du durch deinen blutigen Schweiß die Lust der Sünde in uns ertödten wollest,

Daß Du uns vor allem Zorne durch deine unbesiegte Sanftmuth behüten wollest,

Daß Du uns Liebe zum Kreuze einflößen wollest,

Daß Du uns nach den Leiden der Zeit mit Dir verherrlichet werden lassest,

Durch die Fürbitte deiner schmerzhaften Mutter,

O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschöne unser, o Herr!

O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr!

O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser, o Herr!

Herr, erbarme Dich unser!

Christe, erbarme Dich unser!

Herr, erbarme Dich unser!

Vater unser. Ave Maria.

V. Wir beten Dich an, Herr Jesu Christe, und preisen Dich!

A. Denn durch dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.

Gebet.

Wir bitten Dich, o Herr! sieh gnädig auf diese deine Gemeinde herab, für welche unser Herr Jesus Christus sich den Händen der Sünder überlassen und am Kreuze sterben wollte, der mit Dir in Einigkeit des heiligen Geistes lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe


A 4158

Evangelium des Dienstags der heiligen Woche

Leidensgeschichte nach Markus 14, 32-72; 15, 1-46

bedeutet Christus, C (Cantor, Chronista) den Erzähler, S (Succentor) die übrigen sprechenden Personen

Das Leiden unseres Herrn Jesus Christus nach Markus. In jener Zeit kamen Jesus und Seine Jünger zu einem Landgut, das Gethsemane heißt. Dort sprach Jesus zu Seinen Jüngern: «Setzt euch hier, während ich bete.» Nur Petrus, Jakobus und Johannes nahm Er mit Sich. Dann begann Er zu zittern und traurig zu werden. Er sprach zu ihnen: «Meine Seele ist betrübt bis in den Tod; bleibet hier und wachet.» Hierauf ging Er ein wenig vorwärts, fiel zur Erde nieder und betete; wenn es möglich sei, möge diese Stunde an Ihm vorübergehen. Er sprach: «Abba, Vater, alles ist Dir möglich:laß diesen Kelch an Mir vorübergehen; doch nicht wie Ich will, sondern wie Du willst.« Dann kehrte Er zu ihnen zurück und fand sie schlafend. Er sprach zu Petrus: «Simon, du schläfst? Konntest du nicht eine einzige Stunde wachen? Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung fallet. Der Geist ist zwar willig, das Fleisch aber ist schwach.» Wiederum ging Er hin und betete mit den gleichen Worten. Dann kehrte Er zurück und fand sie wieder schlafend (ihre Augen waren ihnen schwer geworden), und sie wußten nicht, was sie Ihm antworten sollten. Er kam zum dritten Male und sprach zu ihnen: «So schlafet denn weiter und ruhet. Genug! Die Stunde ist da. Seht, der Menschensohn wird den Händen der Sünder überliefert. Steht auf, wir wollen gehen. Seht, der Mich verrät, ist nahe.»

Während Er noch redete, kam Judas Iskariot, einer von den Zwölfen, und mit ihm eine große Menge mit Schwertern und Prügeln, die von den Hohenpriestern, Schriftgelehrten und Ältesten geschickt waren. Der Verräter aber hatte mit ihnen ein Zeichen verabredet und gesagt: «Den ich küssen werde, Der ist es. Den ergreift und führt Ihn vorsichtig ab.» Wie er nun herankam, ging er sogleich auf Jesus zu und sprach: «Sei gegrüßt, Meister!» Und er küßte ihn.

Jetzt legten sie Hand an Ihn und nahmen Ihn fest. Einer der Umstehenden (Petrus) zog das Schwert, schlug auf den Knecht des Hohenpriesters ein und hieb ihm ein Ohr ab. Jesus sprach nun zu ihnen: «Wie gegen einen Räuber seid ihr ausgezogen mit Schwertern und Prügeln, um Mich zu ergreifen. Täglich war Ich unter euch im Tempel und lehrte, und ihr habt Mich nicht ergriffen. Allein die Schrift muß in Erfüllung gehen.» Jetzt verließen Ihn alle Seine Jünger und flohen. Ein Jüngling aber folgte Ihm. Er trug ein Linnen um den bloßen Leib. Als sie ihn festnehmen wollten, ließ er das Linnen los und floh unbekleidet davon.

Sie führten nun Jesus zum Hohenpriester. Dort waren alle Priester, Schriftgelehrten und Ältesten zusammengekommen. Petrus aber folgte Ihm von ferne bis in den Hof des Hohenpriesters. Er setzte sich zu den Dienern an das Feuer und wärmte sich. Die Hohenpriester und der ganze Hohe Rat suchten nun nach einem Zeugnis wider Jesus, um Ihn dem Tode zu überliefern. Sie fanden aber keines. Viele brachten zwar falsche Aussagen wider Ihn vor, aber die Aussagen stimmten nicht überein. Einige erhoben sich und sagten fälschlich wider Ihn aus: «Wir haben Ihn sagen hören: Ich will diesen von Händen gebauten Tempel zerstören und in drei Tagen einen anderen aufbauen, der nicht von Händen gemacht ist.» Aber auch da stimmte ihr Zeugnis nicht überein. Da erhob sich der Hohepriester, trat in die Mitte und fragte Jesus: «Antwortest Du nicht auf das, was diese gegen Dich vorbringen?» Er aber schwieg und antwortete nicht ein Wort. Wiederum fragte Ihn der Hohepriester: «Bist Du Christus, der Sohn Gottes, des Hochgelobten?» Jesus antwortete ihm: «Ich bin es; und ihr werdet den Menschensohn zur Rechten der Macht Gottes sitzen und auf den Wolken des Himmels kommen sehen.» Da zerriß der Hohepriester seine Kleider und sprach: «Wozu brauchen wir noch Zeugen? Ihr habt die Gotteslästerung gehört. Was dünkt euch?» Sie gaben alle das Urteil ab. Er sei des Todes schuldig.

Nun spien Ihn einige an, verhüllten Ihm das Gesicht, schlugen Ihn mit Fäusten und sprachen: «Weissage!» Die Diener gaben Ihm Backenstreiche.

Unterdessen war Petrus unten im Vorhof. Da kam eine der Mägde des Hohenpriesters, und als sie Petrus sah, der sich wärmte, schaute sie ihn an und sprach: «Auch du warst bei Jesus dem Nazarener.» Er leugnete es und sagte: «Ich weiß nicht und verstehe nicht, was du da sagst.» Dann ging er hinaus in die Vorhalle. Jetzt krähte der Hahn. Als die Magd Petrus sah, sprach sie abermals zu den Umstehenden: «Er ist einer von ihnen.» Er aber leugnete wiederum. Nach einer Weile sagten die Umstehenden wieder zu Petrus: «Wahrhaftig, du bist einer von ihnen; denn du bist ein Galiläer.» Da begann er zu fluchen und zu schwören: «Ich kenne den Menschen nicht, von dem ihr sprechet.» Und sogleich krähte der Hahn zum zweiten Male. Nun erinnerte sich Petrus an das Wort, das Jesus zu ihm gesagt hatte: «Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du Mich dreimal verleugnen.» Da brach er in Tränen aus.

In aller Frühe hielten die Hohenpriester eine Versammlung mit den Ältesten und Schriftgelehrten und dem ganzen Hohen Rate. Sie ließen Jesus gebunden fortführen und übergaben ihn dem Pilatus. Pilatus fragte Ihn: «Bist Du der König der Juden?» Er antwortete ihm: «Ja, Ich bin es.» Nun brachten die Hohenpriester viele Anklagen gegen Ihn vor. Pilatus fragte Ihn abermals: «Antwortest Du nicht? Höre doch, welch schwere Anklagen sie gegen Dich vorbringen.» Jesus aber erwiderte nichts mehr, so daß sich Pilatus sehr verwunderte.

Auf den Festtag pflegte er ihnen einen Gefangenen freizugeben, den sie sich erbitten durften. Es war nun damals ein gewisser Barabbas mit anderen Aufrührern im Gefängnis, der bei einem Aufstand einen Mord begangen hatte. Die Menge zog denn hinauf und forderte das, was er ihr immer gewährte. Pilatus antwortete ihnen: «Wollt ihr, daß ich euch den König der Juden freigebe?» Er wußte nämlich, daß Ihn die Hohenpriester aus Neid überliefert hatten. Die Hohen-priester aber hetzten das Volk auf, daß er ihnen lieber den Barabbas freigeben solle. Pilatus fragte nun noch einmal: «Was soll ich dann mit dem König der Juden machen?» Sie schrien wieder: «Kreuzige Ihn!» Pilatus entgegnete: «Was hat Er denn Böses getan?» Da schrien sie noch lauter: «Kreuzige Ihn!»

Pilatus wollte nun dem Volke willfahren und gab ihnen Barabbas frei, Jesus aber ließ er geißeln und übergab Ihn dann zur Kreuzigung. Die Soldaten führten Ihn in den Vorhof des Gerichtsgebäudes, versammelten die ganz Kohorte, zogen Ihm ein Purpurkleid an, flochten eine Krone aus Dornen und setzten sie Ihm auf. Dann begrüßten sie Ihn: «Heil Dir, König der Juden!» Sie schlugen Ihm mit einem Rohr auf das Haupt, spien Ihn an, beugten ihre Knie und warfen sich vor Ihm nieder. Nachdem sie Ihn so verspottet hatten, zogen sie Ihm das Purpurkleid aus und legten Ihm wieder Seine Kleider an. Dann führten sie Ihn hinaus zur Kreuzigung.

Auf dem Wege zwangen sie einen Mann, der eben vom Felde kam und vorüberging, Ihm das Kreuz zu tragen. Es war Simon von Cyrene, der Vater des Alexander und Rufus. Und sie führten Ihn an den Ort Golgotha, das heißt Schädelstätte. Dort gaben sie Ihm Wein zu trinken, der mit Myrrhe gemischt war; Er nahm ihn aber nicht. Dann kreuzigten sie Ihn und verteilten Seine Gewänder, indem sie das Los darüber warfen, was jeder erhalten solle. Es war aber die dritte Stunde, als sie Ihn kreuzigten. Die Inschrift, die Seine Schuld angab, lautete: König der Juden.

Mit Ihm kreuzigten sie zwei Räuber, den einen zu Seiner Rechten, den andern zu Seiner Linken. So ging die Schrift in Erfüllung, die sagt: «Er wurde unter die Missetäter gezählt.» Die Vorübergehenden lästerten Ihn, schüttelten den Kopf und sprachen: «Ei, Du wolltest den Tempel Gottes zerstören und in drei Tagen wiederaufbauen, hilf Dir selbst und steig herab vom Kreuze!» Ebenso höhnten auch die Hohenpriester mit den Schriftgelehrten: «Andern hat Er geholfen, Sich selbst kann Er nicht helfen. Christus, der König von Israel, Er steige herab vom Kreuze, damit wir es sehen und glauben.» Auch die mit Ihm gekreuzigt waren, schmähten Ihn.

Von der sechsten Stunde bis zur neunten entstand eine Finsternis im ganzen Lande. Zur neunten Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: «Eloi, Eloi, lamma sabacthani?» Das heißt: «Mein Gott, Mein Gott, warum hast Du Mich verlassen?» Einige von den Umstehenden hörten es und sagten: «Er ruft den Elias.» Da lief einer hin, füllte einen Schwamm mit Essig, steckte ihn auf ein Rohr und gab Ihm zu trinken mit den Worten: «Wartet, wir wollen sehen, ob Elias kommt, um Ihn herabzunehmen.» Jesus aber stieß einen lauten Schrei aus und verschied.

Alle knien nieder und gedenken des Erlösertodes unseres Herrn.

Da riß der Vorhang des Tempels entzwei von oben bis unten. Als der Hauptmann, der gegenüberstand, Ihn so mit lautem Ruf verscheiden sah, sprach er: «Wahrhaftig, dieser Mann war Gottes Sohn.» Auch Frauen schauten von ferne zu. Unter ihnen war Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus des Jüngeren und des Joseph, und Salome; sie hatten Ihn, während Er in Galiläa war, begleitet und Ihm gedient. Auch viele andere waren da, die zugleich mit Ihm nach Jerusalem hinaufgezogen waren.

Am Abend (es war Rüsttag, das heißt der Tag vor dem Sabbat) kam Joseph von Arimathäa, ein angesehener Ratsherr, der ebenfalls auf das Reich Gottes wartete. Mutig ging er zu Pilatus und erbat sich den Leichnam Jesu. Pilatus wunderte sich darüber, daß Dieser schon gestorben sei. Er ließ den Hauptmann kommen und erkundigte sich, ob Er schon tot sei. Auf die Versicherung des Hauptmanns hin schenkte er dem Joseph den Leichnam. Joseph aber kaufte Leinwand, nahm Ihn herab, wickelte Ihn in die Leinwand und legte Ihn in das Grab, das in einen Felsen gehauen war. Dann wälzte er einen Stein vor den Eingang zum Grabe.

Gebet

Am Dienstage.

Ewiger Gott! gib uns, die Geheimnisse des Leidens und Sterbens Jesu Christi also zu begehen, daß wir Vergebung unserer Sünden erlangen!

Gott! deine Barmherzigkeit mache uns rein auch von den heimlichsten Einflüssen des alten Menschen, und heilige und umwandle uns zu neuen Menschen! Amen.

Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe


A 4158

Evangelium des Montags der heiligen Woche

Joh 12, 1 – 9

Sechs Tage vor dem Osterfeste kam Jesus nach Bethanien, wo Lazarus wohnte, den Jesus von den Toten auferweckt hatte. Dort bereitete man ihm ein Gastmahl. Martha bediente, und Lazarus war einer von denen, die mit ihm zu Tische saßen. Maria aber nahm ein Pfund echten, kostbaren Nardenöls, salbte damit Jesu Füße und trocknete sie mit ihren Haaren. Der Duft des Salböls erfüllte das ganze Haus. Da bemerkte einer seiner Jünger, Judas Iskariot, der ihn verraten sollte: „Warum hat man dieses Salböl nicht für dreihundert Denare verkauft und diese unter den Armen verteilt?“ Das sagte er aber nicht, weil ihm an den Armen etwas lag, sondern weil er ein Dieb war und im Besitze der Kasse das, was einkam, unterschlug. Jesus erwiderte: „Laßt sie! Sie hat das Salböl für den Tag meines Begräbnisses aufbewahrt. Arme habt ihr allezeit bei euch, mich hingegen habt ihr nicht allezeit.“

Eine große Anzahl Juden hatte erfahren, daß er dort weilte. Da kamen sie nicht bloß Jesu wegen, sondern auch um Lazarus zu sehen, den er von den Toten auferweckt hatte.

Gebet

Am Montage der heil. Woche.

Allmächtiger Gott! unsere Schwachheit unterliegt fast der Menge der Widerwärtigkeiten; gib also, daß uns durch die Passion deines eingebornen Sohnes Hilfe und neues Leben komme!

Gott, unser Heil! sende uns Beistand, um die Wohlthat unserer Erlösung zu beherzigen und uns derselben einstens ewig zu erfreuen! Amen.

Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe


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Evangelium des Palmsonntags

Oder 2. Sonntags in der Passionszeit

Mt 21, 1 – 9

Als sie in die Nähe von Jerusalem nach Bethphage am Ölberge kamen, entsandte Jesus zwei Jünger mit dem Auftrag: „Geht in den Flecken, der vor euch liegt. Alsbald werdet ihr eine Eselin angebunden finden mit ihrem Füllen; bindet sie los und bringt sie zu mir. Wenn euch jemand irgendwie zur Rede stellt, so sagt: Der Herr bedarf ihrer. Sogleich wird er sie freigeben.“ Dadurch sollte sich das Wort des Propheten erfüllen:

Sagt der Tochter Sion:

Siehe, dein König kommt zu dir voll Sanftmut. Er sitzt auf einem Esel, auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttieres.“

Betrachtung zum Evangelium des Palmsonntags

Hosanna dem Sohne David’s! Hochgelobt sey, der da kömmt im Namen des Herrn!“ Wir beten Dich an, Du himmlische Demuth! König der Könige! Du kömmst sanftmüthig, sitzend auf dem Füllen einer Eselin. Wir kommen Dir entgegen mit den grünen Zweigen des Vertrauens und der Hoffnung. Du sieghafter König kommst, um den Teufel, den Tod und die Welt zu überwinden und das menschliche Geschlecht durch deinen Tod zu erlösen. Wir bitten Dich, gütigster Heiland! Verleihe uns, daß wir diesem deinem Einzuge einverleibt werden, und einziehen mögen in Jerusalem, das ist: in die Stadt des Friedens, die Du durch deinen martervollen Tod gegründet hast! Gib, daß wir in unserer ganzen Lebenszeit mit herzlicher Danksagung dein kostbares Leiden betrachten, die Sünden vermeiden, unser Leben nach deinem Wohlgefallen einrichten und mit deiner Gnade selig vollenden, auf daß wir Dir, dem kommenden Richter, mit Palmen freudigen Jubels entgegen gehen und durch Dich eingeführt werden in die ewige Freude und Seligkeit! Amen.

Kollekte zum Palmsonntag

K i r ch e n g e b e t.

Allmächtiger, ewiger Gott! der Du für’s Menschengeschlecht, daß es nachahme dem Muster der Demuth, unsern Erlöser hast Mensch werden und dem Kreuze sich unterziehen lassen: verleihe gnädig, daß wir die Beweise seiner Geduld vor Augen zu haben, an seiner Auferstehung Antheil zu erhalten verdienen! Amen.