Die kleine Anzahl der Geretteten oder was ist wahrscheinlicher? (5 von 5)


Crucifixus jansen

Wie groß ist denn die Zahl der Prädestinierten?

Das weiß nur Gott, aber es gibt dazu drei theologische Lösungsvorschläge:[1]

  1. Die Mehrzahl der Väter und der Theologen ist der Meinung, dass die Lücke, die durch den Fall der bösen Geister entstanden ist, mit Menschen ausgefüllt sein wird, sodass die Anzahl der zu Seligkeit prädestinierten Menschen mindestens so groß sei wie die der gefallenen Engel (Augustinus, Enchir, 62; Gregor d. Gr., Moral XXXI, 49, 99; Bernhard, De adv. Domini sermo 1, 5).
  2. Andere meinen die Zahl der seligen Menschen werde mit der der seligen Engel übereistimmen.
  3. Andere vermuten, es würden so viele Menschen selig, wie Engel gefallen seien und dazu noch so viele, wie Engel erschaffen worden sind.

Wir halten 1. für die wahrscheinlichste Lösung, weil die Anzahl der Engel die Anzahl der Menschen wohl übersteigt.

Weiterlesen

Advertisements

Die kleine Anzahl der Geretteten oder was ist wahrscheinlicher? (4 von 5)


Crucifixus jansen

Prädestination und Reprobation

Wenn also Gott alle mögliche Gnadenhilfe gibt und niemanden von vornherein von der ewigen Seligkeit ausschließt, so schließt man sich davon selbst aus. Da also Gott allwissend ist, so weiß er, wer in den Himmel und wer in die Hölle kommt und so ist die Prädestination als Vorherbestimmung durch Vorauswissen zu sehen. Wenn es also die Prädestination gibt, so gibt es auch die Reprobation, d.h. die ewige Verwerfung bestimmter Engel und Menschen durch Gott (DH 628). Die Kirche lehrt aber:

Die positive Reprobation ist keine absolute, sondern eine bedingte; sie erfolgt nur post et propter praevisa peccata personalia [nach und wegen der vorausgesehenen persönlichen Sünden Red.] (De fide, DH 397, 621, 628, 1567)

Weiterlesen

Die kleine Anzahl der Geretteten oder was ist wahrscheinlicher? (3 von 5)


Crucifixus jansen

Permanente Unterstützung durch die vielfache Gnade

Gott gibt seinerseits wirklich alles, denn er ist vollkommen und deswegen liegt es an uns, wenn wir nicht gerettet werden. Konsequenterweise lautet die Sententia communis gegen die Jansenisten wie folgt:

Der allgemeine, vorangehende Heilswille Gottes betätigt sich darin, dass Gott allen Menschen zureichende Gnade (gratia sufficiens) zur Erlangung des ewigen Lebens verleiht. [1]

Was ist aber die zureichende Gnade (gratia sufficiens)? Es ist diejenige aktuelle Gnade, also die vorübergehende übernatürliche Bewegung, welche die Befähigung zu einer Heilstätigkeit verleiht. Weil Gott alles Wollen und Vollbringen in uns bewirkt (Phil 2,13), wenn wir ihn lassen und alles Gute von ihm kommt, darum gibt er uns auch zu unseren täglichen Werken, wie das Schreiben dieses Aufsatzes, ausreichend viel Gnade, welche in diesem Falle die zureichende Gnade (gratia sufficiens) heißt. Daher lautet das Dogma:

Es gibt eine gratia sufficiens [zureichende Gnade], d.h. eine Gnade, die zu einem Heilswerk das Können verleiht und ohne die das Heilswerk unmöglich ist. (De fide, DH 397, 1536, 1568, 1572)[2]

Weiterlesen

Die kleine Anzahl der Geretteten oder was ist wahrscheinlicher? (2 von 5)


Crucifixus jansen

Die Gnadenbestimmung Gottes

Die Thematik der Anzahl der Erwählten oder der Verworfenen wird deswegen kaum theoretisch oder pastoral erörtert, damit die Menschen nicht (1) übermütig werden, weil sie zu glauben anfangen, dass sie erwählt wurden und nichts zu machen brauchen oder aber, dass sie nicht (2) in Verzweiflung fallen, falls sie annehmen sollten, dass sie verworfen wurden. Obwohl die Frage der Vorherbestimmung Gottes zum ewigen Heil oder der Prädestination sehr alt ist und schon der hl. Augustinus sich darüber Gedanken machte, so kam dieses Thema das letzte Mal intensiv im Jansenismus (XVII bis XVIII Jhdt.) und vorher bei Calvin auf. Weil Gott allwissend ist, deswegen weiß er alles, auch das, was von uns aus gesehen in der Zukunft passieren wird, weil die Zeit für den zeitlosen Gott nicht existiert. Da Gott gut ist, so möchte er von sich aus, dass alle Menschen gerettet werden. Da Menschen einen freien Willen haben, so wollen manche und wohl die meisten partout nicht gerettet werden und leben dementsprechend. Die Allgemeinheit des göttlichen Heilswillens ist ein Dogma, welches da lautet:

Der Wille Gottes, die Menschen selig zu machen, ist allgemein. Gott schließt niemanden von vornherein von der Himmelsseligkeit aus. (De fide)[1]

Diese Lehre wurde lehramtlich mehrmals verkündet (DH 623, 1567, 2012). Das erste Mal auf der Synode von Quiercy im Jahre 853 gegen Gottschalk, wo eigentlich das Meiste bereits gesagt wurde:

Der freie Wille des Menschen und die Vorherbestimmung

Kap. 1. Der allmächtige Gott schuf den Menschen ohne Sünde rechtschaffen mit freiem Willen und stellte ihn ins Paradies; er wollte, daß er in der Heiligkeit der Gerechtigkeit verbleibe. Der Mensch aber, der den freien Willen schlecht gebrauchte, sündigte und fiel, und er wurde zur »Masse des Verderbens« (massa damnata)[2] des ganzen Menschengeschlechts. Der gute und gerechte Gott aber erwählte aus ebendieser Masse des Verderbens gemäß seinem Vorherwissen die, welche er aus Gnade zum Leben vorherbestimmte [Röm 8,29f; Eph 1,11], und bestimmte für sie das ewige Leben vorher; von den übrigen aber, die er nach dem Ratschluß seiner Gerechtigkeit in der Masse des Verderbens zurückließ, wußte er im Voraus, daß sie zugrunde gehen würden, aber er bestimmte nicht vorher, daß sie zugrunde gehen sollten: er bestimmte diesen aber, weil er gerecht ist, die ewige Strafe vorher. Und deshalb reden wir lediglich von e i n e r Vorherbestimmung Gottes, die sich entweder auf das Geschenk der Gnade erstreckt oder auf die Vergeltung in Gerechtigkeit. (DH 621)

Kap. 2. Die Freiheit des Willens haben wir im ersten Menschen verloren und sie durch unseren Herrn Jesus Christus wieder empfangen; einerseits haben wir den freien Willen zum Guten, dem die Gnade vorausgeht und hilft, andererseits haben wir den freien Willen zum Bösen, der von der Gnade verlassen ist. Wir haben aber den freien Willen, weil er durch die Gnade von der Verderbnis geheilt wurde. (DH 622)

Kap. 3. Der allmächtige Gott »will, daß alle Menschen« ohne Ausnahme »gerettet werden« [1 Tim 2,4]; gleichwohl werden nicht alle gerettet. Daß aber manche gerettet werden, ist das Geschenk dessen, der rettet; daß aber manche zugrunde gehen, ist die Schuld derer, die zugrunde gehen. (DH 623)

Kap. 4. So wie es keinen Menschen gibt, gegeben hat oder geben wird, dessen Natur nicht in unserem Herrn Jesus Christus angenommen war, so gibt es keinen Menschen, hat es keinen gegeben und wird es keinen geben, für den er nicht gelitten hat; gleichwohl werden nicht alle durch das Geheimnis seines Leidens erlöst. Daß aber nicht alle durch das Geheimnis seines Leidens erlöst werden, bezieht sich nicht auf die Größe und Fülle des Lösegeldes, sondern bezieht sich auf den Anteil der Ungläubigen und derer, die nicht mit dem Glauben glauben, »der durch die Liebe wirkt« [Gal 5,6]; denn der Kelch des menschlichen Heiles, der durch unsere Schwachheit und die göttliche Kraft bereitet wurde, hat es zwar in sich, daß er allen nützt; wenn er aber nicht getrunken wird, heilt er nicht. (DH 624)

Wie sind diese Lehrsätze zusammenzufassen? Dass Gott wollen kann, wenn der Mensch aber nicht will und die Erlösung in Christus, von der niemand von vornherein ausgeschlossen ist, nicht annimmt, dann wird es nichts mit der Erlösung des Menschen, der frei ist. Gott zwingt niemanden zu irgendetwas, weil Gott in seiner Allmacht den Raum für den freien Willen der Engel und der Menschen lässt.

[1] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Will: Alverna 2011, 219-222.

[2] Vgl. Augustinus, Brief 190, Kap. 3, Nr. 9 (CSEL 57,144 / PL 33,859f); De dono perseverantiae 14, n. 35 (PL 45,1014).

Die kleine Anzahl der Geretteten oder was ist wahrscheinlicher? (1 von 5)


Crucifixus jansen

Hl. Leonard von Port Mauritius und sententia probabilis

Wir wollen in der nächsten Zeit eine berühmte Predigt eines Heiligen vorstellen, die recht verstörend ist und was die Heilsgewissheit anbelangt allem widerspricht, was Sie bisher in Novus Ordo, aber auch fast allem, was Sie in Vetus Ordo gehört haben. Es handelt sich um die Predigt von hl. Leonard von Port Mauritius (1676-1751), der wenig bekannt ist. Der hl. Alfons von Liguori nannte ihn den größten Heiligen des XVIII Jahrhundert und der hl. Leonard machte sich insbesondere um die Andacht zum Kreuzweg verdient. Leonard von Port MauritiusDer Schreiber dieser Zeilen (DSDZ) wurde durch Ann Barnhardt auf diese Predigt aufmerksam, welche nach den youtube Beiträgen auf Englisch zu urteilen in der englischsprachigen Welt nicht unbekannt ist.

Worum geht es in dieser Predigt?

Es geht darum, dass mehr Menschen auf eigenen Wunsch in die Hölle kommen als über das Fegefeuer in den Himmel. Der Hl. Leonard von Port Mauritius stellt alle Väter- und Theologenzeugnisse dazu zusammen und unserer Meinung nach spricht mehr für diese These als für die Gegenthese, dass die Meisten gerettet werden.

Woher wissen wir das?

Weil nach dem Konzil das Gegenteil gelehrt wird und so kann man sehr leicht durch Umkehrschluss (diabolus inverse legitur – „den Teufel muss man per Umkehrschluss lesen“) dazu kommen, wie es richtig ist.

Bevor wir diese Lehre darstellen, muss gesagt werden, dass sie kein Dogma ist. Die Anzahl der Erwählten, d.h. der Prädestinierten oder der Verworfenen, d.h. der Reprobierten ist Gott allein bekannt, nicht uns. DSDZ würde diese Meinung als Sententia probabilis oder probabilior (Eine wahrscheinliche oder eine wahrscheinlichere Theologenmeinung) bezeichnen, also als eine Glaubenswahrheit für welche die besseren Argumente als für die Gegenthese sprechen, worüber aber eine freie Diskussion möglich ist. Während also ein Dogma, an welches zu glauben ist, an der ersten Stelle der Hierarchie der Notae theologicae steht, steht die Sententia probabilis an der siebten Stelle von allen neun möglichen. Sie brauchen also nicht daran zu glauben, um katholisch zu sein, obwohl wir glauben, dass daran zu glauben hilfreich ist. Bevor wir mit der Darlegung beginnen, sei daran erinnert, dass man sich einzig um sein eigenes Heil zu mühen braucht, weil man auf die anderen ohnehin kaum Einfluss hat. Ja, es gibt die Fremdsünde und wir agieren auch mit anderen Menschen, aber all das zählt nur insoweit, inwieweit es uns verändert: zu Vorteil und Heiligkeit oder zum Nachteil und zur Verdammung. Alles auf dieser Welt ist nur Mittel zum Zweck, welcher die beseligende Anschauung (visio beatifica) ist. Die Menschen, die uns auferbauen, unterweisen, quälen oder demütigen dienen auch dazu. Am Ende stehen Sie allein vor Gott und werden aufgrund ihrer Verdienste (merita) gerettet, d.h. Sie kommen wenigstens ins Fegefeuer oder Sie werden aufgrund ihrer „Mißverdienste“ (demerita), d.h. der Sünden und ihrer Konsequenzen, gerichtet und kommen in die Hölle. Und alles, was Sie im Leben getan oder erreicht haben, spielt nur insofern eine Rolle, inwiefern es sie geheiligt hat. Daher kann ein Gefängnisaufenthalt unter Umständen von Vorteil sein, während ein Millionärsdasein von Nachteil sein kann. Wir werden nicht gruppenweise gerettet und auch nicht die gesamte Verwandtschaft; dieser ganze nachkonziliare Kollektivismus des berühmten „Miteinanders“ ist verkehrt, der „Heilsegoismus“ dagegen richtig. Deswegen sollte es Sie nicht so sehr kümmern, wie viele gerettet werden, Hauptsache Sie selbst sind dabei.