Notae theologicae oder die dogmatische Gewissheit. (4 von 4). Gewissheitsgrade und Zensuren.


Bonaventura 1

Positive Darstellung der Gewissheitsgrade und der Zensuren

Um die Gewissheitsgrade und die Zensuren noch deutlicher darzustellen, haben wir die u.a. Tabellen entwickelt.[1] Bevor diejenigen unserer Leser, die zu Skrupeln neigen oder ihren Glauben sehr ernst nehmen, sich durch die Bezeichnung „Todsünde“ erschrecken lassen, sei an dieser Stelle gesagt, dass zu einer Todsünde: (a) Bewusstsein und (b) Freiwilligkeit notwendig ist, sodass die Qualifikation der Todsünde im Kontext der Glaubenslehre nur einen ausgebildeten Theologen betreffen kann. Wenn ich es wirklich nicht besser weiß und Unsinn rede, dann ist es keine schwere Sünde, sondern eine leichte, da sie die Menschen intellektuell und später auch anders schädigt. So wie manche Verbrechen oder Verstöße nur Juristen, Polizisten, Ärzte etc. verüben können, weil sie ausgebildet und im Dienst sind, so können manche Sünden nur Theologen begehen. Und deswegen sind die Sünde der Konzilstheologen, der Periti (allgemein im Deutschen: die Erfahrenen, Kundigen) und der direkt nachkonziliaren Geistlichen so schwer, weil sie es wirklich besser wussten oder, wie der papa emeritus und Kard. Müller, wissen. Schön muss doch die Zeit gewesen sein, als man sich im Heiligen Offizium noch um solche Unterteilungen kümmerte und in seinem Gebäude keine Homo-Orgien mit Kokain veranstaltete, wobei wir doch stark hoffen, dass nicht alle Mitarbeiter der Glaubenskongregation in solche Aktivitäten involviert sind. Pfui! Klare Richtlinien ziehen Männer mit klarem Denken an und vom klaren Denken kommt man mit Mühe und Gottes Hilfe auch zum klaren, d.h. zum reinen Leben. Unklares, nachkonziliares Gewusel führt zum unklaren, sündigen Leben, siehe: Homo-Orgien und Msgr. Charamsa, denn Sünde beginnt im Kopf durch die Zustimmung, das andere ist nur eine schiefe Ebene, die irgendwann angestossen wurde.

Wir geben die u.a. tabellarisch gefassten theologischen Qualifikationen deswegen an, da wir in unseren Beiträgen über Theologie diese Begriffe verwenden werden, um die Verbindlichkeit der theologischen Lehren darzustellen. Bene docet, qui bene distinguit – „derjenige lehrt gut, der gut unterscheidet“.

(a) Theologische   Qualifikation: Dogma
Äquivalente Bezeichnung: Glaubensdogma; de fide, de fide Catholica; de fide divina et Catholica.
Erklärung: Glaubenswahrheit, welche von der Kirche als von Gott geoffenbart dargestellt wird.
Beispiele: Unbefleckte Empfängnis; alle Artikel des Symbols von St. Athanasius [Quicumque, Glaubensbekenntnis des hl. Athanasius Red.].
Zensur der Verneinung: Häresie (Sententia haeretica)
Auswirkungen der Verneinung: Todsünde direkt gegen die Tugend des Glaubens begangen, im Falle, dass die Häresie öffentlich verkündet worden wäre, zieht sie automatisch eine Exkommunikation und den Ausschluss aus der Kirchengemeinschaft nach sich.
Bemerkungen: Das Dogma kann entweder durch ein iudicium solemne (päpstliches Kathedralurteil oder Glaubensentscheidung eines allgemeinen dogmatischen Konzils) vorgelegt werden oder aber durch das ordentliche Lehramt, wie dies im Falle des Symbolum Athanasianum der Fall war, welches jahrhundertlang verwendet und gegenteilige Meinungen verurteilt worden sind.
(b) Theologische   Qualifikation: Glaubenswahrheit der Kirche
Äquivalente Bezeichnung: De fide ecclesiastica definita
Erklärung: Glaubenswahrheit, welche nicht direkt von Gott geoffenbart wurde, aber eng mit der göttlichen Offenbarung zusammenhängt und unfehlbar durch das Lehramt präsentiert wurde.
Beispiele: Gültigkeit des Kommunionempfangs unter einer Gestalt.
Zensur der Verneinung: Häresie gegen den Glauben der Kirche. Propositio haeresi proxima.
Auswirkungen der Verneinung: Todsünde direkt gegen die Tugend des Glaubens begangen, im Falle, dass die Häresie öffentlich verkündet worden wäre, zieht sie automatisch eine Exkommunikation und den Ausschluss aus der Kirchengemeinschaft nach sich.
Bemerkungen: Es ist ein Dogma, dass die Unfehlbarkeit der Kirche sich auch auf die Glaubenswahrheiten de fide ecclesiastica definita erstreckt, sodass jeder, der sie verneint, mittelbar die Dogmen und den göttlichen Glauben (fide divina) negiert.
(c) Theologische   Qualifikation: Wahrheit des göttlichen Glaubens
Äquivalente Bezeichnung: De fide divina.
Erklärung: Glaubenswahrheit von Gott geoffenbart, aber nicht als solche von der Kirche als gewiss dargestellt.
Beispiel: Christus hat von Anfang seiner öffentlichen Wirkung verkündet, dass er der Messias ist.
Zensur der Verneinung: Irrtum (im Glauben). (Haeresim sapiens oder de haeresi suspecta)
Auswirkungen der Verneinung: Todsünde gegen den Glauben, welche jedoch keinen Verlust der Kirchenmitgliedschaft nach sich zieht. Möglichkeit einer kanonischen Strafe.
(d) Theologische   Qualifikation: Glaubensnahe Behauptung
Äquivalente Bezeichnung: Sententia fidei proxima.

Glaubenswahrheit, von der allgemein angenommen wird, dass sie von Gott geoffenbart wurde.

Erklärung: Christus hat während seines ganzen irdischen Lebens die beseligende Anschauung (visio beatifica) genossen.
Zensur der Verneinung: Dem Irrtum Behauptung (sententia errori proxima). (Propositio erronea oder error)
Auswirkungen der Verneinung: Todsünde, welche indirekt sich gegen den Glauben richtet.
(e) Theologische   Qualifikation: Theologisch sichere Behauptung  (theologice certa).
Äquivalente Bezeichnung: Dogmatische Tatsache; dogmatische Schlussfolgerung. (Ad fidem pertinens, theologice certa)
Erklärung: Theologische Wahrheit, welche logisch von Behauptungen herrührt, von welchen eines göttlich geoffenbart wurde, das andere hingegen als historisch sicher gelten kann.
Beispiel: Rechtmäßigkeit des Pontifikats des Pius XI.
Zensur der Verneinung: Irrtum (error) (in Theologie). (Error in theologicis)
Auswirkungen der Verneinung: Todsünde gegen den Glauben.
(f) Theologische   Qualifikation: Katholische Doktrin (doctrina catholica)
Äquivalente Bezeichnung: Katholische Lehre.
Erklärung: Glaubenswahrheit, welche authentisch durch das ordentliche Lehramt gelerht wird, aber weder geoffenbart noch innerlich mit der Offenbarung verbunden.
Beispiel: Ungültigkiet der anglikanischen Priesterweihe; Gültigkeit der Taufe, welche durch Häretiker oder Juden gespendet wurde.
Zensur der Verneinung: Leichtsinnige Behauptung (temeraria)
Auswirkungen der Verneinung: Todsünde, welche mittelbar gegen den Glauben gerichtet ist.
Bemerkungen: Die Bezeichnung “katholische Doktrin” betrifft manchmal Glaubenswahrheiten des höheren Ranges, aber niemals des niedrigeren Ranges. In manchen Fällen  ist eine schärfere Zensur als „leichtsinnige Behauptung” (temeraria) vorgesehen.
(g) Theologische   Qualifikation: Sichere Behauptung (certa)
Äquivalente Bezeichnung: Allgemeine (communis); theologisch sicher (theologicae certe).
Erklärung: Glaubenswahrheit, welche einstimmig von allen theologischen Schulen anerkannt wird, die von der geoffenbarten Wahrheit herrührt, aber zur Schlußfolgerung mehr als ein Schritt des logischen Schließens benötigt.
Beispiel: Wahre und direkte Kausalität der Sakramente.
Zensur der Verneinung: Leichtsinnig (temeraria).
Auswirkungen der Verneinung: Meistens Todsünde der Vermessenheit.
Bemerkungen: Triftige Gründe können manchmal jemanden von der Todsünde entschuldigen, wenn er genau die gegenteilige Meinung gegen die sichere Meinung untersucht hatte; denn es ist nicht völlig auszuschließen, dass sich alle theologischen Schulen in einer Hinsicht irren, obwohl dies sehr untypisch und unwahrscheinlich hinsichtlich einer sehr wichtigen Annahme wäre.
(h) Theologische   Qualifikation: Behauptung, die zu halten ist (tenenda).
 

Äquivalente Bezeichnung:

Ita tenenda, ut contraria sit temeraria (Dies ist so zu halten, dass der Gegenteil als leichtsinnig erscheint).
Erklärung: Behauptung, welche in den doktrinellen Dekreten der römischen Kongregationen bestätigt wird.
Beispiel: Christus wird nicht sichtbar auf Erden nach der Erscheinung des Antichristen herrschen.
Zensur der Verneinung: Unsicher (incerta)/leichtsinnig (temeraria).
Auswirkungen der Verneinung: Todsünde des Ungehorsams oder auch nur der Unbesonnenheit.
Bemerkung: Äußere Annahme der sententia tenenda ist absolut erforderlich, die innere Annahme ist meistens erforderlich. Obwohl die Dekrete der Kongregationen nicht unfehlbar sind, so verfügen sie über eine wahre Autorität im Bereich der Glaubensdoktrin sowie über eine absichernde Führung des Heiligen Geistes.
(i) Theologische   Qualifikation: Allgemeine, allgemeinere Behauptung (communis, communior).
Erklärung: Solide begründet oder am besten bezeugte theologische Meinung zum Thema.
Beispiel: Der Antichrist wird nicht vom Geschlecht Dan stammen.
Zensur der Verneinung: Keine.
Auswirkungen der Verneinung: Keine.
Bemerkungen: Die Behauptungen der Kategorie allgemein (communis) oder allgemeiner (communior) können irren und daher sind wir nicht verpflichtet ihnen zu folgen. Dennoch zeugt es von Klugheit diese Behaptungen als den allgemeinen theologischen Ansatz anzuerkennen. Es ist zu beachten, dass die allgemeinere  (communior) Meinung weniger anerkannt ist als die allgemeine (communis) Meinung, denn die Letztere setzt eine Übereistimmung der theologischen Schulen voraus.

 

(j) Theologische   Qualifikation: Wahrscheinliche Meinung (probabilis).
Erklärung: Eine theologische Meinung, welche entweder sich auf die inner Konsistenz ihrer Argumente stützt oder auf das äußere Ansehen derjenigen Autorität, welche sie vorstellt.
Beispiel: Judas hat die Hl. Kommunion beim letzten Abendmahl empfangen. Judas hat keine Hl. Kommunion beim letzten Abendmahl empfangen
Zensur der Verneinung: Keine.
Auswirkungen der Verneinung: Keine.

Bemerkung:

Die besser begründete Meinung ist wahrscheinlicher, aber Katholiken können auch die entgegengesetzte Meinung, gleich aus welchem Grunde, annehmen.

 

(k) Theologische   Qualifikation: Fromme Meinung (sententia oder opinio pia).
Erklärung: Eine Lehre, welche nicht theologisch im eigentlichen Sinne ist, aber gut Frömmigkeit und Empfindungen der Gläubigen ausdrückt.
Beispiel: Mutter Gottes ist die Braut des Heiligen Geistes.
Zensur der Verneinung: Skandalös, schlecht klingend, beleidigend für die Ohren der Gläubigen (scandalosa seu male sonans seu offensiva piarum aurium)
Auswirkungen der Verneinung: Keine
Bemerkung: Einem Katholiken ist es erlaubt eine solche Meinung zu haben, aber er braucht es nicht zu tun. Man sollte die gegenteilige Meinung meiden, da sie zum Ärgernis der Schwachen im Glauben führen können.
(l) Theologische   Qualifikation: Sichere Meinung (sententia tuta)
Erklärung: Eine Ansicht, die theologisch schlecht begründet ist, aber welche, wenigstens jetzt, von der Kirche nicht für verdammungswürdig oder würdig einer Zensur gesehen wird.
Beispiel: Scientia media von Molina S.J., d.h. eine der Lösungen des Gnadenstreites.
Zensur der Verneinung: Keine
Auswirkungen der Verneinung: Keine
(m) Theologische   Qualifikation: Tolerierte Meinung (opinio tolerata)
Erklärung:

Eine Meinung, welche völlig falsch sein kann,  welche aber, wenigstens jetzt, von der Kirche nicht für verdammungswürdig oder würdig einer Zensur gesehen wird.

Beispiel: Ruhen im Geist kommt von Gott.
Zensur der Verneinung: Keine
Auswirkungen der Verneinung: Keine

Was bedeuet aber die oben gennante Klassifizierung für den einfachen Gläubigen? Was ist zu glauben und was nicht? Die Verpflichtung zum Glauben sieht wie folgt aus: [2]

Zu glauben unter schwerer Sünde als geoffenbart.

(a)   Dogma De fide
(b)  Glaubenswahrheit der Kirche De fide ecclesiastica definita
(c)   Wahrheit des göttlichen Glaubens De fide divina
(d)  Glaubensnahe Behauptung Sententia fidei proxima

Zu glauben unter schwerer Sünde, was die Kirche zum Glauben vorlegt.

(e)   Theologisch sichere Behauptung Sententia theologice certa
(f)   Katholische Doktrin Doctrina catholica
(g)  Sichere Behauptung Sententia certa
(h)  Behauptung, die zu halten ist Sententia tenenda

Glaubenslehren, die zu ehren und zu respektieren sind.

(i)    Allgemeine Sententia communis
(g) Theologisch sichere Meinung Sententia theologicae certa
(l) Fromme Meinung Sententia/opinio pia

  Diskussion unter Experten ist erlaubt.

(i)              Allgemeinere Sententia communior
(j)    Wahrscheinliche Meinung Sententia probabilis
     Wahrscheinlichere Meinung Sententia probabilior
(k)  Sichere Meinung Sententia tuta
(l)    Tolerierte Meinung Opinio tolerata

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die katholische Theologie, womit wir fast immer die vorkonziliare, traditionelle Theologie meinen, ein höchst präzises System, ein gleichsam vollkommenes Uhrenwerk ist, welches ein ebenfalls präzises Rahmenwerk der theologischen Unterscheidung sichert. Dies bedeutet, dass die Kenntnis der katholischen Theologie und ihrer Gewissheitsgrade die Unterscheidung ermöglicht, was inwieweit rechtgläubig oder häretisch ist. Durch die Anarchie, welches das Vat. II einführte und welche in „Papst“ Franziskus ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden hat, gibt es heutzutage kaum Unterscheidungsmerkmale für Theologen, nicht mal die Worte Christi können als Beweis für irgendetwas dienen, weil man, nach Bultmann und Co., nicht weiß, ob es wirklich ipsissima verba Jesu sind und falls ja, Christus selbst es heute anders gesagt hätte, wie der Jesuitengeneral Sosa neulich meinte. Werden wir denn noch einmal zu diesen schönen scholastischen Unterscheidungen gelangen? Ja, wenn Novus Ordo völlig zusammenbricht und man zum Alten, Funktionierenden und Bewährten zurückkehren wird. Das wird noch etwas dauern. Halten Sie durch!

[1] Nach http://www.the-pope.com/theolnotes.html Vgl. http://monarchieliga.de/index.php?title=Theologische_Zensuren Ott, Ludwig, Grundriss der Dogmatik, Bonn 201011, 35-36.

[2] Nach: http://iteadthomam.blogspot.de/2007/04/fundamental-theology-2-notae-theologic.html

 

Notae theologicae oder die dogmatische Gewissheit. (3 von 4) Theologische Gewissheitsgrade


Bonaventura 1

Gewissheitsgrade und notae theologicae

Im Abschnitt „der Gegenstand der kirchlichen Lehrgewalt“ lesen wir bei Diekamp-Jüssen:

„Die kirchliche Lehrgewalt und ihre Unfehlbarkeit erstreckt sich auf die gesamte Offenbarungswahrheit und alles, was zu dieser in innerer Beziehung steht“.[1]

Was bedeutet das? Dass verbindlich das zu glauben ist, was die Kirche als verbindlich zum Glauben bestimmt. Und „was bestimmt sie als verbindlich zu glauben“ oder anders gefragt:

Wie viele Dogmen gibt es wirklich?

Es gibt genau 245 Dogmen der Kategorie de fide.

Was bedeutet diese Kategorie? Dazu muss man wissen, dass nicht jede Glaubensaussage gleich ein Dogma ist, weswegen die Kirche verschiedene theologischen Gewissheitsgrade festgelegt hat, welche sich nach dem Maß der Klarheit und Sicherheit richten, mit dem eine Wahrheit in der Offenbarung ausgesprochen und von kirchlichen Lehramt vorgelegt ist. Je höher eine Lehre klassifiziert ist, desto schwerer das Vergehen gegen diese Lehre.[2] Stellt man die Gewissheitsgrade, ihre Bedeutung und die Zensuren, welche den Grad der Verwerflichkeit oder Bedenklichkeit bezeichnen, so ergibt sich die folgende Tabelle.[3] Sie wurde nach der Seite The Church’s Theological Notes or Qualifications[4] zusammengestellt, die wiederum auf dem Buch On the Value of Theological Notes and the Criteria for Discerning Them by Father Sixtus Cartechini S.J. (Rome, 1951) fußt, einem Werk, welche für die Mitarbeiter des Heiligen Offiziums herausgegeben wurde.[5] Also noch katholischer geht es wirklich nicht! Sie liest sich wie folgt:

Bezeichnung Bedeutung Zensur
1. De fide Glaubenswahrheit mit dem höchsten Gewissheitsgrad, welche als solche durch das Lehramt bezeichnet wurden:
a. De fide divina et catholica definita oder de fide definita Dogmen, welche ex cathedra durch den Papst oder durch ein Konzil bzw. das  Lehramt (de fide ecclesiastica definita) verkündet wurden. Sententia haeretica
b. De fide divina et catholica auch de fide divina et ecclesiastica Glaubenswahrheiten von Gott geoffenbart und als solche im unfehlbaren Lehramt der Kirche weitergegeben. Propositio haeresi proxima
c. De fide divina Glaubenswahrheiten von Gott geoffenbart, obwohl die Kirche diese Glaubenswahrheit nicht dogmatisch festlegte. Haeresim sapiens oder de haeresi suspecta
2. Fides ecclesiastica Glaubenswahrheiten durch die Kirche gelehrt (veritates catholicae), von Gott nicht direkt geoffenbart, aber mittelbar aus der Offenbarung deduziert.
a. Sententia fidei proxima Der geoffenbarte Charakter dieser Glaubenswahrheit wird von allen Theologen und von der Kirche anerkannt. Diese Ansicht ist aber nicht unfehlbar.  

 

 

Propositio erronea oder error

b. Ad fidem pertinens, theologice certa Diese Glaubenswahrheit steht in einem inneren Zusammenhang mit der geoffenbarten Wahrheit.
c. Sententia communis Glaubenswahrheit wird von den meisten Theologen für eine solche gehalten, bei einer schweigenden Zustimmung der Kirche. Eine Diskussion über den Gewissheitsgrad ist möglich. Propositio temeraria
d. Sententia probabilis lub probabilior Glaubenswahrheit für welche die besseren Argumente sprechen. Freie Diskussion ist darüber möglich.
e. Sententia pia Fromme Meinung über ein Thema, ohne eine doktrinelle Gewissheit.
f. Sententia tolerata Eine Ansicht, die von der Kirche geduldet, aber nicht empfohlen wird.

Andere Bestimmungen der kirchlichen Zensuren sind woanders auf unserem Blog zu finden, sodass die Kategorie der Zensuren unterhalb sententia temeraria noch durchaus ausbaufähig ist. Was aber die obere Tabelle klar machen soll, ist die innere Verbindung zwischen der Verbindlichkeit und der Verwerflichkeit der Glaubenswahrheiten. Je höher eine Glaubenswahrheit eingestuft ist, desto verwerflicher ist ihre Verneinung. Jedoch ist nicht alles eine Häresie (sententia haeretica) im eigentlichen Sinne, sondern nur das, was sich gegen die Kategorie 1.a) richtet, d.h. gegen die Kategorie De fide divina et catholica definita oder de fide definita. Leider gehen die meisten katholischen, insbesondere traditionalistischen Blogger sehr inflationär mit dem Adjektiv „häretisch“ um. Nicht alles ist häretisch und nicht alle nachkonziliaren Päpste waren Häretiker in forum externum im eigentlichen, wahren und theologischen Sinne des Wortes. Unserer Meinung nach hat kein nachkonziliarer Papst vor Franziskus eine Häresie in forum externum begannen. Dies tat erst Bergoglio, was man dem Brief der 45 mit genaueren Angaben zu Zensuren entnehmen kann. Die Päpste Johannes XIII bis Benedikt XVI. treffen als Päpste höchstens schwächere Zensuren, von 1.b. aufwärts, ebenso ihr theologisches Privatwerk. Wir verleihen der Theologie des Leibes,[6] welche Johannes Paul II als Papst zwar, aber als seine theologische Privatmeinung, so Don Pietro Leone, unterrichtet hatte, die Zensur haeresim sapiens oder haeresim suspecta, was aber trotz allem keine sententia haeretica ist. Die inkriminierten Sätze von Kardinal Müllers Privatwerk bezeichnen wir als propositio haeresi proxima, was ebenfalls keine Häresie im Sinne einer sententia haeretica ist.[7] Wenn uns jemand sagt, dass diese theologische Einstufung nur unsere private Meinung ist, so müssen wir einwenden, dass wir zwar kein Amt in der Kirche besitzen, welches verbindlich irgendwelche Zensuren verhängen könnte, dennoch dies Zensurbestimmung keine subjektive Meinung ist. Denn man bestimmt in der Theologie die Zensuren so, wie das Strafmaß im Strafrecht bestimmt wird. Reicht ein Tathergang nicht für den Strafbestand einer Straftat aus, für welche Tatbestand, Rechtswidrigkeit und Schuld kennzeichnend sind, so ist es keine Straftat, sondern nur eine Ordnungswidrigkeit oder überhaupt kein Strafwürdiges vergehen. Reicht ein theologischer Unsinn nicht für die Zensur sententia haeretica aus, dann ist es keine Häresie. Der Grund, warum die theologischen Zensuren und die Lehre von den dogmatischen Gewissheitsgraden auch bei Profi-Theologen so unbekannt ist, hängt damit zusammen, dass nach Vat. II kaum etwas zensuriert wird und schon gar nicht mit diesen Bezeichnungen, aus „pastoralen Gründen“, wie immer. Um die

[1] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Will: Alverna 2011, 80.

[2] Ebd., 81-82.

[3] Angabe nach:  Antonius Panormitanus, Scrutinium doctrinarum qualificandi assertionibus, thesibus atque libris conducentium, Romae 1709; Viva, S.K., Damnatarum thesium theologica trutina, Paduae 1737. Erster Teil ist online: https://books.google.de/books?id=fsUPpE6-KlEC&pg=PA361&lpg=PA361&dq=Damnatarum+thesium+theologica+trutina&source=bl&ots=uQyHiYW20F&sig=decCEvQ8wNjozMU-Ss8qxOGdFHI&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjb87no5KLMAhUI2CwKHS4lCwwQ6AEIQjAG#v=onepage&q=Damnatarum%20thesium%20theologica%20trutina&f=false; Montagne, Cl., De censuris seu notis theologicis (Migne, Theol. Cursus, I, 1111-1222); Quilliet, H., in Dict de Théol. (Mangenot), t. II, 2101. Por. https://books.google.de/books?id=OL0_AAAAcAAJ&pg=PA73&lpg=PA73&dq=propositio+praesumptuosa&source=bl&ots=VJ5yBXYmjR&sig=1FjosGORo_9YNDzWy2C6yU_rlWc&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjWsOPAnqfMAhVC3CwKHdyjCGQQ6AEIMDAE#v=onepage&q=propositio%20praesumptuosa&f=false

[4] http://www.the-pope.com/theolnotes.html

[5] Hier zu kaufen:  http://www.lulu.com/shop/sixtus-cartechini-sj/de-valore-notarum-theologicarum/paperback/product-6525626.html Interessierte können mehr zum Thema Notae-Zensuren hier nachlesen: http://iteadthomam.blogspot.de/2007/04/fundamental-theology-2-notae-theologic.html http://iteadthomam.blogspot.de/2006/05/notae-theologicae.html http://www.newadvent.org/cathen/03532a.htm

[6] So schreibt Don Pietro: ‘Theologie des Leibes’ ist der Titel, den Papst Johannes Paul II einer Reihe von Reden gab, welche zwischen September 1979 und November 1984 gehalten wurden. Wenn wir diese Lehre im Licht der Tradition bewerten, so sehen wir, dass sie in ihren grundsätzlichen Annahmen keine Entwicklung der katholischen Lehre (im Sinne einer Klärung oder Vertiefung dieser Lehre), darstellen. Sie stellen  vielmehr einen Bruch mit ihr dar, also eine Neuerung. Daher kann diese Darstellung als katholische Lehre bezeichnet werden, sondern vielmehr als eine Reihe von persönlichen Meditationen des damaligen Papstes.

Vgl. https://traditionundglauben.wordpress.com/2016/06/08/fr-pietro-leone-theology-of-the-body-explained-a-traditional-catholic-view-1/

[7] https://traditionundglauben.wordpress.com/2017/07/18/der-fall-muller-oder-warum-die-wirklichkeit-beist-2-von-2/

Notae theologicae oder die dogmatische Gewissheit. (2 von 4). Gibt es Ausweg?


Bonaventura 1

Gibt es einen Ausweg?

Wenn Sie nicht durch irgendein unverdientes Privileg der Vorsehung nach der akademisch-theologischen Vorbildung an die richtigen, lateinischen Bücher zu der richtigen Zeit kommen sollten, dann werden Sie wirklich niemals intellektuell aus der nachkonziliaren Matrix herauskommen können, weil alle Ebenen Ihres theologischen Denkens durch das Theologiestudium verseucht worden sind.

  1. Keine formale Logik, auf welches sich die Philosophie stützt.
  2. Keine realistische Philosophie, auf welcher sich die Theologie samt Dogmatik stützt.
  3. Keine Apologetik, sondern „Fundamentaltheologie“, die alle Glaubenssätze untergräbt.
  4. Keine katholische Exegese, weil AT und NT „erfundene Märchen“ sind.
  5. Keine Dogmen, weil diese „Glaubensvorschläge sind, die für die damaligen Menschen in der damaligen Sprache formuliert wurden und für den modernen Menschen irrelevant sind“.
  6. Keine Moraltheologie, weil die Dogmen ja nicht gelten und wir bequem leben sollen.
  7. Keine Pastoraltheologie, welche sich ja auf die Punkte 1. bis 6. stützt.

Wenn Sie also irgendwo auf der Welt, ob in Deutschland, in den USA, in Polen, in Afrika oder auf den Philippinnen Theologie studiert haben, dann haben Sie Sie die o.a. sieben Punkte mit mehr oder weniger häretischen oder orthodoxen Abwandlungen durchgenommen und:

  • Sie sind Atheist oder Agnostiker geworden,
  • Sie haben die Fachrichtung geändert und wurden etwas Anderes und „Richtiges“,
  • Sie sind Theologe des nebulösen Sowohl-Als-Auch-Wenn-die-Pastoralen-Gründe-dafür-Sprechen geworden, indem Sie hegelianische selbstwidersprüchliche Thesen formulieren, die nicht mal Sie selbst verstehen,
  • Sie sind Priester geworden, haben ein bequemes und gut bezahltes Leben, leben in Sünde, glauben an gar nichts und es stört Sie nicht weiter
  • Sie sind Priester geworden, wollen „den Menschen nahe sein“ ohne das „lästige Dogma“ und versuchen die nachkonziliare Quadratur des Kreises zu erreichen,
  • Sie sind Priester geworden, glauben doch, sitzen irgendwo still und feige und es fehlen Ihnen theologische Argumente,
  • Sie sind Sedisvakantist oder Anhänger der diversen Privatoffenbarungen geworden, sitzen im Wald, essen Wurzeln und warten auf den Weltuntergang.

Die fehlende Reaktion auf Amoris Laetitia macht nicht nur eine Krise des Glaubens, des Mutes und der persönlichen Integrität der Theologen deutlich, insbesondere unter den Kirchenhierarchen, sie macht auch eine intellektuelle Krise deutlich. Wenn man Franziskus und Amoris Laetitia hinterfragt, muss man konsequenterweise das „Super-Konzil“ hinterfragen mit all seinen nachkonziliaren Entscheidungen, mit den Päpsten, welche die Bischöfe weihten und den eigenen Bischof, der einen selbst weihte oder einem die missio canonica verlieh. Deswegen stellen die Dubia Kardinäle Fragen, als ob sie es besser nicht wüssten. Sie zitieren auch ausschließlich, von einer St. Thomas-Stelle abgesehen, nachkonziliare Dokumente als ob es vorher nichts gäbe und die Kirche angefangen hätte im Jahre 1962 zu existieren. Es scheint wirklich heutzutage kaum Theologen zu geben, die ausreichend gut die katholische Lehre kennen, um das Nichtkatholische des Nachkonziliaren zu entdecken. Jedoch je höher ihr akademischer Grad ist, desto verseuchter ist leider ihr theologisches Wissen. Das Schlimme ist aber, dass es Ihnen gar nicht auffällt und Sie auch niemanden finden, der es darlegen kann, falls Sie überhaupt zum Licht kommen wollten.

Sollten Sie aber in einem Priesterseminar der FSSPX oder einer Ecclesia Dei  Gemeinschaft studiert haben, dann haben Sie ein gewisses Niveau der akademischen Diskussion nicht erreicht, was Sie durch Ihre „priesterliche Autorität“ zu überbrücken versuchen. Die traditionalistischen Priester, die der Schreiber dieser Zeilen kennengelernt hatte, FSSPX-Priester eingeschlossen, waren theologisch sehr ungebildet und von sich selbst, in ihrer priesterlichen Würde, leider sehr eingenommen. Da sie meistens es mit theologischen Laien zu tun hatten, fiel es nicht weiter auf und jegliche Kritik wurde mit dem Verweis auf die nachkonziliare Kirche oder die Kirchenkrise abgeschmettert. Dennoch muss festgestellt werden, dass die FSSPX und FSSP-Priester tatsächlich ein katholisches Fundament und einen katholischen Kern vorweisen konnten, wogegen andere Traditionalisten die übliche Novus Ordo Theologie mit einem traditionell- liturgischen Anstrich vertreten, ohne sich dessen klar zu sein. Das Problem mit Traditionalisten besteht leider darin, dass sie sehr oft in einer sedisvakantistischen Ecke oder ein einer anderen Denksackgasse enden, weil sie niemanden finden, mit denen sie die jetzigen Probleme: z.B. Vorgehen beim Absetzen des Papstes diskutieren können. Kurz und gut: ein Teil der Theologen ist ausgebildet, aber nicht katholisch (vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht), ein anderer ist katholisch, aber sehr ungebildet. Deswegen können Katholiken kaum irgendwo Argumentationshilfen bei der jetzigen Apostasie finden. Ausnahmen: Rorate Caeli, onepeterfive, Ann Barnhardt, Hilary White und wir, die Unwürdigen. Auf Rorate Caeli publizieren auch Theologen, bei den übrigen Blogs handelt es sich um Privatinitiativen von Nicht-Theologen, welche in bestimmte Bereiche nicht vorstoßen. Ein englischsprachiger Leser kann zu Not noch irgendwelche Antworten finden, ein deutschsprachiger aber nicht, denn außer uns bemüht sich niemand um eine theologisch durchdachte Antwort.

Notae theologicae oder die dogmatische Gewissheit. (1 von 4) Theologische Lage.


Bonaventura 1

Die vorliegende Beitragsreihe dient als Vorbereitung zu unserer Reihe, in der wir darlegen möchten, warum Bergoglio ein Antipapst ist. Da dies ein theologischer Blog ist, in welchem theologische Fachbegriffe verwendet werden, so müssen diese dem Leser zuerst vorgestellt werden, damit er weiß, was wir meinen. Sie brauchen sich aber, lieber Leser, nicht schlecht zu fühlen, da die u.a. notae theologicae kaum jemand kennen wird, der Theologie studiert und sogar promoviert hat. Ein Professor der Dogmatik an einer deutschsprachigen Universität wird diese Unterscheidung, falls er sie kennt, als einen „unnötigen neuscholastischen Ballast“ empfinden, welcher dem „theologischen Diskurs“, den man „treibt“ im Wege steht. Führen Sie doch ein Experiment durch: lesen Sie die unten angegebenen Tabellen einem promovierten Theologen, sei es in der akademischen Welt oder im Ordinariat vor und beobachten Sie, wie er oder sie aufspringen und zusammenzucken wird. Nein, wir brauchen keine Frösche, um zu experimentieren, wir haben die Theologen des öffentlichen Dienstes, die sich über den Machtverlust der Koalitionsparteien Sorgen machen. Das bedauerliche an der theologischen nachkonziliaren Entwicklung ist dies, dass Lüge oder eine ausgehöhlte, mit Lügen versetzte Wahrheit, niemanden anziehen kann. Es ist die Wahrheit, die etwas Stringentes und Ergreifendes hat, nicht die Lüge. Diese ist ausgelutscht und lasch, wenn Sie an die letzte Predigt, die Sie bei einer Novus Ordo Messe gehört haben, denken. Es ist die Wahrheit, die erleuchtet, doch diese wird uns nirgends mitgeteilt, da, im Falle dass Sie ein akademischer Theologe sind, Sie entweder:

a. ungläubig

oder

b. feige

sind.

Auch in der theologischen Landschaft gilt das Barnhardt-Axiom:

Die Tatsache, dass eine konkrete Person ein hohes öffentliches Amt inne hat oder anstrebt, beweist an sich und durch sich, dass die besagte Person moralisch und/oder psychologisch UNFÄHIG ist, dieses öffentliche Amt zu bekleiden.

Dies kann man daraus ersehen, dass unter den Unterzeichnern des Briefes der 45 sich kein Deutscher einfand, sondern nur zwei Österreicher vom Heiligenkreuz: Prof. Thomas Stark und Pater Edmund Waldstein OCist. Das dem oberen Beitrag beigefügte Bild stellt den hl. Bonaventura, Kirchenlehrer und Kardinal dar, der auch fremde Bücher gelesen hat, um seine eigenen zu schreiben. Mögen die heiligen Theologen uns in unseren Kämpfen eine Hilfe sei. Amen.

Die theologische Lage: zwischen Pest der Unwissenheit und Cholera der gelehrten Häresie

Die große Not der heutigen Kirche besteht darin, dass es keine katholischen Theologen gibt. Bevor jemand protestiert oder uns der Unverschämtheit bezichtigt, indem er auf die vielen theologischen Fakultäten verweist, welche bürstenschnittige Pastoralassistentinnen und verweichlichte Jünglinge, die dann immer doch kein Priester werden, produzieren, wollen wir zuerst bestimmen, was wir unter einem katholischen Theologen verstehen. Wir verstehen darunter jemanden:

  1. der, die katholische Lehre vollumfänglich vertritt und an die Glaubenssätze glaubt, der die traditionelle, d.h. die vorkonziliare Lehre, kennt und diese mit der nachkonziliaren abgleichen kann,
  2. der, die katholische Lehre wissenschaftlich, rational, quellenfundiert und kommunikativ wiedergeben kann,
  3. der keiner Sonderlehre oder theologischen Schule oder Gemeinschaft dermaßen anhängt, dass er außer ihr die Welt nicht sieht.

Ad 1. Kenntnis des depositum fidei

Wenn jemand nach dem Konzil irgendwo auf der Welt katholische Theologie studiert hat, dann betrifft ihn der Punkt 1. Er weiß manchmal Vieles und hält das „konservativ“ Nachkonziliare, wie die allermeisten Neokonservativen, für das eigentlich Katholische, was leider nicht der Fall ist. In dieser Situation befindet sich 99% aller Theologen, womit wir hier alle diejenigen meinen, die wenigstens ein Diplom in der katholischen Theologie erworben haben. Je höher und angesehener die theologische Fakultät, an der man studiert hatte (z.B. Rom), desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass man Häresien wie Amöben verschluckt hat, leider in der Überzeugung wahre katholische Lehre zu assimilieren. In dieser Lage befindet sich 99% der Priester, Bischöfe und Kardinäle.

Ad 2. Fehlendes akademisches Niveau der Frommen

Wissenschaftliches Niveau und Häresie schließen einander nicht aus. Man kann sehr intelligent und verschmitzt Häresien verbreiten, aber auch sehr primitiv und ungekonnt Orthodoxie lehren. Beides ist falsch, Häresie ist zwar immer schlimm, aber durch das höhere Niveau der Häresie schärfen Sie den Verstand ihrer Hörer oder Leser, der irgendwann einmal zum Einsatz kommen wird, da der menschliche Intellekt nach der Wahrheit lechzt, wie der biblische Hirsch nach dem Wasser (Ps 42). Die Chance einer Umkehr bei intelligenten Menschen besteht darin, dass sie irgendwann die Inkonsistenzen und Aporien ihres Lebenswandels oder einer Lehre entdecken werden und vielleicht die Konsequenzen daraus ziehen werden. Wenn man aber zu primitiv argumentiert oder überhaupt keine rationalen Argumente liefert, dann schließt man intelligente Menschen von dem Vortrag aus. Wenn man aber keine Intelligenten hat, dann wird der Glaube weder verteidigt noch untermauert werden. Menschen verlassen theologische Fakultäten oder traditionelle Seminare oft aus denselben Gründen: sie bekommen keinen intellektuellen Glaubensunterricht. Auf der Fakultät ist es zu widersprüchlich und zu nebulös, an einem FSSPX oder vielleicht auch an einem Ecclesia Dei-Seminar ist es zu wenig rational untermauert, weil

„der Professor immer recht hat, die Oberen ohnehin, und falls man nicht spurt wird man nicht geweiht oder herausgeschmissen“,

siehe die leidvollen Piuserinnerungen von zelozelavi.[1] Man kann durchaus über seine Lehrer später hinauswachsen, aber das erste Fundament zählt und trägt lange, bevor man selbst intellektuell mündig wird. Wenn man aber ausschließlich Dozenten unterrichten lässt, die nicht in der Lage waren irgendwo akademische Grade zu erwerben, dann werden die Studierenden eine bestimmte akademische Qualität nicht erreichen. Ja, es ist der Dirigent, der ein Orchester oder einen Chor ausmacht. Stellt man aber die Frage:

„Wo kann man noch studieren, wenn überall Häretiker unterrichten?“

dann schließt sich leider der Kreis, weil es keine oder so gut wie keine Hochschulen mit einem akademischen Niveau und orthodoxer Lehre gibt. Sie dürfen ja am Vat. II nicht rütteln, mit dem die ganze Misere angefangen hat.

Ad 3. Theologenmeinung, Schulmeinung oder doch katholisch

Aufgrund der Punkte 1. und 2. ist es leider der Fall, dass die meisten frommen Katholiken oder Blogger keine studierte Theologen sind. Sie können demzufolge aufgrund ihrer fehlenden Bildung manches nicht richtig darstellen oder in bestimmte Bereiche tiefer vordringen. Viele Nicht-Theologen wissen auch nicht, dass auf den unteren Graden der theologischen Verbindlichkeit, die wir im Nachfolgenden darlegen werden, man durchaus anderer Meinung sein kann, ohne gleich in Häresie zu verfallen. Manchmal ist es wirklich der Fall, dass die Kirche etwas sagt und dies verbindlich ist, aber nicht immer. Lebt man in einer Gemeinschaft und wird dort unterrichtet wird, so eignet man sich oft unbewusst die Meinung seines Professors oder seines Ordens an und sieht diese als die eigentlich katholische an. Insbesondere ist diese Einstellung bei Sedisvakantisten oder bei den FSSPX-Leuten anzutreffen. Ipse dixit – „er selbst hat es gesagt“, reicht als Argument völlig aus. Dies ist nichts Ungewöhnliches, denn am Anfang des Glaubensweges glaubt man Autoritäten oder denen, die man dafür hält, bevor man selbst in der Lage sein wird es zu überprüfen. Verbleibt man aber sein ganzes Leben lang innerhalb einer Gemeinschaft oder eines Milieus, so kann es durchaus passieren, dass man eine bloße Schulmeinung für die katholische Lehre auslegt.

[1] https://zelozelavi.wordpress.com/ Z.B. https://zelozelavi.wordpress.com/2016/03/03/der-gruender-und-seine-vorsehung/  https://zelozelavi.wordpress.com/?s=Priester