J. S. Bach, Et resurrexit aus der h-moll Messe


Ausführende: The Sixteen Choir & Orchestra

Leitung: Harry Christophers

 

Wie Christus auferstanden ist, so wird auch die Kirche auferstehen. Warum? Weil Er es selbst gesagt hat.

„Ich werde auferstehen“

und er ist auferstanden,

„die Höllenpforten werden sie nicht überwinden“

– so werden sie sie nicht überwinden. Irgendwo steckt doch immer der heilige Rest, der sich in der harten Zeiten bewähren kann und einen Samen darstellt, der irgendwann einmal aufblühen kann. Die Krisen dauern meistens 70 Jahre, die ersten 50 haben wir schon hinter uns gebracht, so bleiben uns nur noch weiter 20 Jahre und einige Päpste. Und das im schlimmsten Falle.

Und deswegen wünschen wir all unseren Lesern ein gesegnetes und zuversichtliches Osterfest.

Alleluja!

 

Palestrina, Karsamstag. Lamentatio Jeremiae, Lectio I. Responsorium I.


Ausführende: Musica Contexta
Dirigent: Simon Ravens
Aufnahme: Aus dem Jahre 2002 für Chandos Records Ltd, Colchester, Essex, England

Auch diese ganz kurzen Responsorien zeigen uns den Sühnecharakter des Todes Christi, also etwas wovon wir zurzeit in der Kirche auch nicht hören. Die Sündenlast, welche von Anfang der Welt bis zu ihrem Ende die göttliche Gerechtigkeit beleidigt hat und den Menschen wie eine Smogwolke die Sicht zu Gott versperrt hatte, wurde mit dem Erlösungswerk Christi, mit seinem Leiden und Tod, abgetragen. Die Menschheit startet nicht einmal wieder beim Null, sondern kann sich die Verdienste Christi (merita Christi) anrechnen, wenn man getauft, katholisch und im Gnadenstand ist.

„Ein einziger Tropfen des Blutes Christi hätte genügt, um die ganze Welt zu erlösen“,

sagt der hl. Thomas von Aquin in seinem Hymnus Adoro devote. Welch eine Freigiebigkeit, welch eine Gnade! Wir haben für Christus nichts bis wenig getan, er für uns alles, bis zum Tod, bis zur Höllenfahrt. Würden unsere Priester dies wissen und daran glauben wie anders würden sie doch leben und die Hl. Messe feiern, welche ja die direkte Vergegenwärtigung des Kreuzopfers Christi ist. Man klinkt sich zeitgleich bei Golgatha ein! Dies ist die Lehre der Kirche und darum werden uns durch jede gültige Messe, auch im Novus Ordo, die Erlösungsfrüchte Christi zuteil. Christus hat also nicht nur die Väter im Scheol insofern „lebendig gemacht“, dass sie in den Himmel kamen, sondern er macht auch uns heute mit seiner sakramentalen Gnade lebendig, falls wir (a) im Gnadenstand sind und (b) die Messe (i) gültig und (ii) würdig ist. Der Schreiber dieser Zeilen ist sich nicht sicher, ob alle Gnaden der Messe auch durch einen unwürdigen, also in Todsünde sich befindlichen Priester, ausströmen, aber er hält es für unwahrscheinlich oder für sehr reduziert. Ein Priester, der unwürdig ein Sakrament spendet begeht eine Todsünde, obwohl das Sakrament gültig ist, der Gläubige ist aber nicht dazu gehalten es von diesem Priester ohne Not zu empfangen, wenn er andere zur Auswahl hat. In manchen Diözesen ist diese Auswahl sehr klein und die Not sehr groß. Aber zwischen der (i) Gültigkeit eines Sakraments, seiner (ii) Würdigkeit und seinem (iii) Gnadenreichtum, welches ja ex opere operantis wirkt, bestehen ja Unterschiede. Christus hat aber all seine Erlösungswerk der Kirche übertragen und den konkreten Priestern, welche so mit ihm verfahren, wie wir sehen. Sie werden sicherlich all ihre Taten zu verantworten haben, denn Christus wollte „sein Volk lebendig machen“ (ut vivificaret populum suum), was jedoch bei den vielen ungültigen und bei den noch zahlreicheren unwürdigen Sakramenten wirklich schwierig ist.

Beten wir doch alle und vielleicht wird sich Gott erbarmen und uns gläubige und würdige Priester schicken:

Ich danke dir, Herr Jesus Christ, dass du für mich gestorben bist. Ach, lass dein Blut und deine Pein an mir doch nicht verloren sein.

Responsorium:

R. Sicut ovis ad occisionem ductus est, et dum male tractaretur, non aperuit os suum: traditus est ad mortem,
* Ut vivificaret populum suum.
V. Tradidit in mortem animam suam, et inter sceleratos reputatus est.
R. Ut vivificaret populum suum.

Responsorium:

R. Wie ein Lamm, das zur Schlachtung geführt wurde und während er schlecht behandelt wurde, öffnete er seinen Mund nicht: er wurde dem Tod übergeben.
* Damit er sein Volk lebendig macht.
V. Er hat seine Seele dem Tode übergeben und zu den Verbrechern wurde er gezählt.
R. Damit er sein Volk lebendig macht.

Palestrina, Karsamstag. Lamentatio Jeremiae, Lectio I.


Ausführende: Musica Contexta
Dirigent: Simon Ravens
Aufnahme: Aus dem Jahre 2002 für Chandos Records Ltd, Colchester, Essex, England

Das Wort Barmherzigkeit (misericordia) kommt im Lateinischen, im Gegensatz zum Deutschen, auch in der Mehrzahl vor. Es sind also die „Barmherzigkeiten“, die vielen Gunst-und Gnadenerweise Gottes, die uns in unserem Leben begleiten. Da es diese gibt, so kann Jeremias sagen: non sumus consumpti – „wir sind noch nicht am Ende, wird sind noch nicht vollendet“, im Sinne von: „Es geht noch für uns weiter“. Auch im Fegefeuer, denn in der Hölle geht es nicht zum Besseren, sondern es gibt eine gleichbleibende und ewige Qual. Die Glaubenswahrheit von der Höllenfahrt Christi, wobei hier „Hölle“ für descendit ad inferos – „Er stieg hinab in die Unterwelt“ steht, wo die Seelen der Gerechten, seit Anfang der Welt auf Christus harrten, ist in der heutigen Verkündigung absolut abwesend. Aber diese Seelen non sunt consumpti – „waren noch nicht am Ende“, da sie auf der Erlöser warteten. Die Kirchenväter beschreiben in freudigen Tönen das Treffen von Adam und Eva mit Christus. Die Ureltern mit ihrem Nachkommen und Erlöser. Schöne, bewegende Bilder, welche uns, wie vielen andere auch, seit dem Konzil nicht berühren können, weil man davon nirgends hört. Wir haben diese Worte hier, in der Vertonung von Palestrina, also können uns wirklich nicht beklagen, finden wir.

Lectio 1
De Lamentatione Jeremiae Prophetae.
Lam 3:22-30
22 Heth. Misericordiae Domini, quia non sumus consumpti; quia non defecerunt miserationes ejus.
23 Heth. Novi diluculo, multa est fides tua.
24 Heth. Pars mea Dominus, dixit anima mea; propterea exspectabo eum.
25 Teth. Bonus est Dominus sperantibus in eum, animae quaerenti illum.

Jerusalem, Jerusalem, convertere ad Dominum Deum tuum.

Lectio 1
Aus den Wehklagen des Propheten Jeremias.
Lam 3:22-30
22 Heth. Die Barmherzigkeiten des Herrn, denn wir sind noch nicht am Ende; denn seine Barmherzigkeiten hörten nicht auf.
23 Heth. Ich habe am Morgen erkannt, groß ist Deine Treue.
24 Heth. Mein Teil ist der Herr, sagte meine Seele; daher werde ich Ihn erwarten.
25 Teth. Gut ist der Herr zu denen, die auf Ihn hoffen, zu der Seele, die ihn sucht.

Jerusalem, Jerusalem, kehre zum Herrn, Deinem Gott zurück.

Palestrina, Karfreitag. Lamentatio Jeremiae I. Responsorium I


Ausführende: Musica Contexta
Dirigent: Simon Ravens
Aufnahme: Aus dem Jahre 2000 für Chandos Records Ltd, Colchester, Essex, England

Während die Lesung der ersten Nokturn das Objektive der Geschichte und der Prophetie darstellt, denn oft schon ist es der Kirche wie Israel ergangen, stellt das Responsorium das objektivierte Subjektive des Leidens Christi und des Gläubigen dar. Wir können versichert sein, dass bei der richtigen Christusnachfolge uns auch die Nachfolge im Leiden nicht erspart bleibt. Verrat, Einsamkeit, Qual, Verleumdung etc. etc. Die Texte der dunklen Responsorien sind sehr emotional, literarisch schön und schlicht und so wundert es nicht, dass sie durch die vielen Jahrhunderte verschiedene Komponisten inspirierten. Interessanterweise komponiert Palestrina dieses Responsorium nicht aus, sondern belässt es gregorianisch, wahrscheinlich aus Zeitgründen und als Kontrapunkt zu der auskomponierten Lectio. Da sie nach dem letzten Konzil, wie eigentlich alles Schöne, abgeschafft wurden, so werden sie heute kaum vertont. Erst wenn man diese alte Musik und die alte Liturgie kennt, wird man sich der heutigen, nachkonziliaren Barbarei erst bewusst. Die Pferdedecken, die Pastoralassistentin, das Bla-Bla-Bla. Früher hielt die Liturgie die Menschen auch ästhetisch bei der Stange, was sie ja heute nicht tut. Das alte Lied dieses Blogs, aber hören wir uns die Schönheit der Vergangenheit an, welche sicherlich früher oder später zur Schönheit der Zukunft wird.

V. Omnes amici mei dereliquerunt me, et praevaluerunt insidiantes mihi: tradidit me quem diligebam:
* Et terribilibus oculis plaga crudeli percutientes, aceto potabant me.
V. Inter iniquos projecerunt me, et non pepercerunt animae meae.
R. Et terribilibus oculis plaga crudeli percutientes, aceto potabant me.

R. Alle meine Freunde haben mich verlassen und meine Verfolger nahmen Überhand: derjenige, den ich liebte, hat mich verraten.

* Und mit schrecklichen Blicken schlugen sie mir grausame Wunden, mit Essig tränkten sie mich.

V. Unter Verbrecher haben sie mich geworfen, und sie schonten meine Seele nicht.

R. Und mit schrecklichen Blicken schlugen sie mir grausame Wunden, mit Essig tränkten sie mich.

Palestrina, Karfreitag. Lamentatio Jeremiae I: Heth und Teth.


Ausführende: Musica Contexta
Dirigent: Simon Ravens
Aufnahme: Aus dem Jahre 2000 für Chandos Records Ltd, Colchester, Essex, England

Da wir in der Karwoche wahrscheinlich alle wenig erbauliche Liturgien über uns ergehen lassen werden, es sei denn jemand hat das Glück sie im Alten Ritus und würdig zu feiern, so wollen wir uns auf das Triduum ein wenig einstimmen, indem wir uns die Tenebrae von Palestrina anhören. Beim vorgestellten Stück handelt es sich um die erste Lesung des ersten Nokturns der Matutin von Karfreitag, welche zwar schon auf Lateinisch, aber noch nicht auf Deutsch beim divinum officium eingesehen werden kann. Unserer Meinung nach stellt Palestrina, neben Victoria, die katholischste Musik dar, welche die göttliche Vollkommenheit und Schönheit am besten vermittelt. Obwohl das Leid und die Zerstörung beklagt werden, so geschieht es, anders als bspw. beim vorgestellten Thomas Tallis, auf eine harmonische Art und Weise. Diese Musik ist wirklich ein Träger des Sakralen und deswegen wird sie so selten in der heutigen Kirche aufgeführt. Wir stellen eine eigene Übersetzung vor, da wir die Allioli-Bibel, die ebenfalls aus der Vulgata übersetzt, nicht zur Hand haben.

Die Kirche erkannte bis zum letzten Konzil im zerstörten Jerusalem sich selbst. Man hielt sich einmal im Jahr, bei den dunklen Laudes, also bei den Tenebrae, die mögliche göttliche Strafe für die eigenen Sünden vor Augen. Wahrscheinlich hat es ein wenig geholfen, da man es zurzeit ja nicht macht und die Folgen sieht. Die Kirche ist zwar der Neue Israel, aber Gott ändert seine Vorgehensweise nicht. Er fordert von der Kirche und ihren Vertretern viel mehr, als er von Israel forderte. Wenn man all das realisiert und sich die heutige Lage der Kirche und der Kleriker in den deutschsprachigen Ländern ansieht, so kann die Strafe Gottes, auch in diesem Leben, wirklich nicht weit sein und erst nach dem Tod. Wir alle, die wir noch leben, können uns bekehren, beichten, sühnen und Buße tun. Auch für andere.

Lectio 1
De Lamentatione Jeremiae Prophetae.
Lam 2:8-11
8 Heth. Cogitavit Dominus dissipare murum filiae Sion; tetendit funiculum suum, et non avertit manum suam a perditione: luxitque antemurale, et murus pariter dissipatus est.
9 Teth. Defixae sunt in terra portae ejus, perdidit et contrivit vectes ejus; regem ejus et principes ejus in Gentibus: non est lex, et prophetae ejus non invenerunt visionem a Domino.

Jerusalem, Jerusalem, convertere ad Dominum Deum tuum.

Lectio 1
Die Wehklages des Propheten Jeremias.
Lam 2:8-11
8 Heth. Der Herr beschloss die Mauer der Tochter Zion zu zerstreuen; er nahm ein Richtmaß und zog seine Hand von der Zerstörung nicht zurück: er brachte die Vormauer in eine Schieflage und gleichzeitig wurde die Hauptmauer auseinander geworfen.

9 Teth. Eingeschlagen sind ihre Tore, er hat zerstört und zermahlt ihre Türriegel; ihren König und ihre Fürsten zerstreute er unter die Heidenvölker: es gibt kein Gesetz und ihre Propheten haben bei Gott keine Vision gefunden.

Jerusalem, Jerusalem, kehre zu Gott, Deinem Herrn, zurück.

Thomas Tallis, Lamentatio Jeremiae (He): Deller Consort


De Lamentatione Jeremiae Prophetae

Lam 1:5

5 He. Facti sunt hostes eius in capite; inimici eius locupletati sunt: quia Dominus locutus est super eam propter multitudinem iniquitatum eius; parvuli eius ducti sunt in captivitatem ante faciem tribulantis.
Ierusalem, Ierusalem, convertere ad Dominum Deum tuum.

 

Lam 1:5

5 He. Zum Haupt geworden sind ihre Angreifer; ihre Feinde haben sich bereichert: denn der Herr hat [ein Urteil] über sie gesprochen wegen der [großen] Menge ihrer Sünden; ihre Kinder wurden in Gefangenschaft geführt vor dem Angesicht, das sich grämte.

 

Jerusalem, Jerusalem, kehrte zum Herrn, Deinem Gott zurück.

Tenebrae des Gründonnerstags – Nachtrag

 

Wie tiefgehend sind doch diese Texte. Wie sehr fallen sie ins Gedächtnis, wenn man sie entweder vor Sonnenaufgang am Gründonnerstag betet oder in der Nacht von Karmittwoch auf Gründonnerstag. Diese Fülle des Schmerzen, der desolate Zustand von Jerusalem und die Strafe Gottes. Die Kirche hat diese Texte jahrhundertlang gebetet und sich einen Spiegel vorzuhalten. Denn als das neue Jerusalem, denn es gilt weiter die Substitutionslehre, wonach die Kirche Israel in seiner Heilsmission ablöste, ungeachtet Nostra aetate und der neuere Ausführungen von Kardinal Koch, wußte die Kirche, dass die Strafe Gottes auch sie ereilen wird, falls sie Gott untreut wird.  Das oben angeführte Bild stellt Sacco di Roma dar, das Strafgericht Gottes über das Renaissance-Rom, welches genau 10 Jahre nach dem Auftritt Luthers, also im Jahre 1527 stattfand. All die bei Jeremias beschreibenen Umstände fanden in Rom im Jahre 1527 buchstäblich statt und die Kleriker, die danach ihr Brevier beteten, wußten Bescheid. Warum straft Gott die heutige Kirche nicht? Er wird es sicherlich tun, weil der Verfall wirklich viel mehr fortgeschritten ist als in der Renaissance-Zeit. Wir können nur Sühne leisten, Fürbitte tun, damit es nicht so schlimm ausfällt und uns selbst im Gnadenstand halten, damit wir jederzeit sterben können.  Sollten die 500-jährigen Jubileen zur Ketzerei Luthers tatsächlich auch in der katholischen Kirche stattfinden, wie geplant, dann bleibt dabei zu bedenken, dass das 500-jährige Jubiläum von Sacco di Roma ebenfalls nicht weit entfernt ist. Vielleicht wird es sich das auch jähren?  Ist es realistisch? Hat jemand vor einem Jahr damit gerechnet, dass „Mutti Merkel“ 1 Million, wenn nicht mehr zumeist islamische „Flüchtlinge“ und darunter sicherlich einige Terroristen ins Land lässt? Bis zum Jahr 2027 kann also noch einiges passieren. Deswegen häufig beichten, Ablässe für sich selbst erwirken (wir werden noch schreiben wie) und bereit sein, denn wir wissen weder Tag noch Stunde. Die Römer sollten sich gleich ganz warm anziehen, denn Gott ändert sein modus operandi nicht und es wird uns allen wie Israel in den Wehklagen Jeremias ergehen.

Thomas Tallis, Lamentatio Jeremiae (Dhalet): Deller Consort


De Lamentatione Jeremiae Prophetae

Lam 1:4

4 Daleth. Viae Sion lugent, eo quod non sint qui veniant ad solemnitatem: omnes portae eius destructae, sacerdotes eius gementes; virgines eius squalidae, et ipsa oppressa amaritudine.

Lam 1:4

4 Daleth. Die Wege Sions weinen, denn es gibt keine, die zum Fest komment würden: zerstört sind all ihre Tore, ihre Priester weinen; ihre Jungfrauen sind beschmutzt und sie selbst [die Stadt Jerusalem] durch die Bitterkeit unterdrückt.