Pater Richard G. Cipolla, Die Entmännlichung der Liturgie im Novus Ordo (3 von 3)


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Auf einem meiner vielen Aufenthalte in Italien beobachtete ich, dass viele Kinderwagen so gebaut waren, dass das Baby in seinem Sitz saß und seine Mutter, die den Kinderwagen schob, ansah. Das erschien mir seltsam, denn in den Vereinigten Staaten sieht das Baby in dieselbe Richtung, wie die Mutter, die den Wagen schiebt. Als ich eine Freundin darüber befragte, sagte sie dass das daran läge, dass zu viele italienische Mütter den ständigen Augenkontakt zum Baby behalten wollen, um es anzulächeln, mit ihm in einer Babysprache zu reden und um das Band zwischen Mutter und Kind stark und sicher zu machen. Die klassische Mutter Kind Beziehung wird heute durch dieses ständige Bedürfnis des konstanten Augenkontaktes unter Ausschluss der übrigen Umwelt, als ob die „anderen“ die Beziehung zerstören würden,  geradezu pervertiert.

Ohne den Anspruch von Vollständigkeit oder Genauigkeit für die obige Analogie zu erheben, würde ich behaupten, dass die radikale Neuheit der Zelebration versus populum, die übrigens weder von Konzil noch von irgendeinem liturgischen Buch vorgegeben wird, die Rolle des Priesters als Vater, der für sein Volk dem Himmlischen Vater das Allerheiligste opfert transformiert wird in die Rolle einer Mutter, die den Kontakt zu den Leuten, die durch absichtlich einfältige Animationen zu Kleinkindern werden, durch ständigen Augenkontakt und liturgisches Augenzwinkern herstellt. Der Priester wird zur Mutter eines Kindes. Diese Reduktion der Gemeinde zu Kindern die gezwungen sind, den Mutter-Priester anzusehen, verhindert den Blick auf Gott zu richten, der durch die Gegenwart des allerheiligsten  kosmischen Opfers Christi verehrt werden soll.

Um eine weitere säkulare Analogie zu verwenden: die den Menschen zugewandt gefeierte Messe wird zu einer Schulstunde reduziert, in der jeder seine Rolle unter der Leitung des Priesters als mütterlichen Klassenlehrer spielt, der Klassenlehrerin, die sicherstellt, dass alles glatt läuft. Dies wird von einigen Liturgikern als die „horizontale“ Dimension der Liturgie im Gegensatz zur vertikalen Dimension, die die Transzendenz liefert, beschrieben. Letztlich ist das leeres Gerede, denn es setzt voraus, dass die Liturgie vom Priester und den Messdienern kontrolliert wird, deren Funktion es unter anderem ist, diese beiden Dimensionen irgendwie im Gleichgewicht zu halten.

Es ist völlig klar: Dieser gesamte Ansatz bestreitet klar und deutlich die Vorgegebenheit der Liturgie und deren Fokussierung auf die Anbetung Gottes im Lob und im Opfer. Dieses radikal untraditionelle Verständnis von Liturgie wird durch die Rubriken des Novus Ordo („mit anderen Worten“ oder „oder auf andere Weise“ oder „oder, wie es der lokale Brauch ist“) ermutigt und unterstützt. Ganz abgesehen von dem romantisch verklärten Blick auf den Ausspruch des heiligen Justin des Märtyrers und dessen Erhebung zur Norm, der in Bezug auf den Zelebranten der Messe sagte, dass „der Zelebrant die Danksagung nach seinen Möglichkeiten aufopfern soll“,[1] ganz abgesehen von der fragwürdigen Vorstellung, dass der Priester dazu befähigt wäre, aus der Tradition oder aus einem eigenen Gefühl für die Liturgie das,  was die Rubriken sagen und anordnen zu ergänzen oder zu füllen, diese als Schulstunde verstandene Liturgie macht Katholischen Gottesdienst, wie er in der Tradition verstanden wird, unmöglich. In der Tradition ist das ursprüngliche Verständnis der Liturgie die öffentliche Verehrung und der Kult, die und der verpflichtend ist. Eine Verpflichtung, offizium, die sicherlich auf Liebe basiert, aber dennoch eine Pflicht. In diesem traditionellen Sinn wird diese verpflichtende Anbetung verankert, sichtbar gemacht und erlebt im traditionellen römischen Ritus.

Der Priester gleicht Abraham, dem Vater von Isaak, dem Vater der Juden und unserem Vater im Glauben. Abrahams größte Akt des Glaubens und der Verehrung als Vater ist es, dass er seinen Sohn Isaac den Berg hinauf führt, um ihn im Gehorsam gegen Gott zu opfern. Sie gehen beide mit dem Blick auf den Gipfel des Berges gerichtet. Da ist Schweigen mit Ausnahme des kurzen Dialog zwischen Vater und Sohn:

Isaak sprach zu seinem Vater: Mein Vater! Er aber antwortete Was willst du, mein Sohn? Siehe, sprach er, hier ist Feuer und Holz, wo ist das Schlachtopfer zum Brandopfer? Abraham aber sprach: Gott wird sich ein Schlachtopfer zum Brandopfer ausersehen, mein Sohn. So gingen beide miteinander fort. (Gen 22, 7-8 Übersetzung nach Allioli)

Was wir hier zwischen Abraham und Isaak sehen, ist der wahre horizontale Aspekt der Anbetung, kurz auf den Punkt gebracht. Der vertikale und primäre Dialog ist zwischen Abraham und Gott, ein Dialog in der Stille des ehrfurchtsvollen Gehorsams und Glaubens.

Diese Rolle dieses mannhaften Gläubigen unterscheidet sich radikal von dem Priester, der seinen Job nicht darin sieht die Menschen zum Opferaltar zu führen, sondern darin, mit ihnen einen Dialog zu führen und ihnen begreiflich zu machen, was abgeht. Damit wird das eucharistische Hochgebet mit seinem insgesamt kurzen Dialog zwischen Priester und Mitfeiernden zu einer Ausweitung des Dialoggeplänkels des Priesters. Niemand ist hier, der zu Fuß einen Berg ersteigt, hier gibt es keine gemeinsame Hinwendung zum Herrn. Stattdessen gibt es hier den schrecklichen und lähmenden Stillstand der herablassenden und anmaßenden Mutter, die im Versuch, den Kontakt mit ihrem Kind herzustellen dessen Freiheit der Besteigung des Gottesberges zerstört.[2]

Bevor wir auf die wichtige Frage nach der Kontinuität des Novus Ordo Ritus mit dem traditionellen römischen Ritus aus der Sicht der Entmannung der Liturgie zu sprechen kommen, möchte ich einige Kommentare zu zwei praktischen Ergebnissen der Entmannung der Liturgie und des Priesters darlegen: Das erste ist, dass die Musik, die der Novus Ordo produziert hat, sowohl für die Gestaltung der Messe, als auch für die Lieder, die in der Liturgie gesungen werden bestenfalls als funktional im schlimmsten Fall als sentimentales Gejuckel zu bezeichnen sind und im Vergleich dazu die alten protestantischen Lieder wie Bachs Choräle klingen lassen. Wenn die Messe zu einer selbstbezogenen Veranstaltung reduziert wird, dann wird Musik bestenfalls funktional, im schlimmsten Fall nur etwas sein, dass die Gefühle der Menschen anspricht. Dieser Funktionalismus ist ein Merkmal der eingefrorenen, veralteten und antiliturgischen Haltung des liturgischen Establishments, das weithin das liturgische Leben der Kirche in den römischen Dikasterien, in den Seminaren, in den Diözesen und deren Gemeinden prägt. [3]

Große Kunst kann der Funktionalismus nicht schaffen, weder in der Musik,  Malerei, Bildhauerei noch in der Architektur. Der Funktionalismus zerstört die Anbetung, zumindest wie sie traditionell verstanden wird, als vielleicht nicht irrational, so aber sicherlich arational.[4]  In der funktionalistischen Sichtweise erhalten die Lesungen im Novus Ordo einen pädagogischen Touch, wie in einem Klassenraum, anstatt zu einer anbetenden Haltung zu führen, wie sie traditionell verstanden wird. Wieder wirkt der Priester hier als die Klassenlehrerin, die ihren Schülern erklärt, was sie sehen und hören.  Wir haben vergessen, dass die Lesungen in der Messe (die Liturgie des Wortes) Träger und Bewahrer des Wortes in der Liturgie sind; nicht nur Lektionen die gehört und zu Herzen genommen werden wollen. Sie kommen aus der Herzmitte der  Liturgie und nicht aus einem Katechismusunterricht, der von einer Lehrerin-Mutter gehalten wird. Die Liturgie belehrt nicht: sie gestaltet das Herz und die Seele. Es erfordert Aufmerksamkeit, um das zu erkennen, was hinter und unter den Worten ist, die gesungen oder gesagt werden. Die Heilige Schrift innerhalb der Messe ist ein Echo des Wortes und eine verehrende „Erinnerung an Gott“ über das, was ER gesagt und für uns in der Person Jesu Christi getan hat. Aus funktionalistischer Sicht muss der traditionelle Gesang der Kirche deswegen abgeschafft werden, weil er weit über die bloße Funktion hinaus durch seine Ausprägung und seine Vorgegebenheit den Zweck der Erhebung des menschlichen Geistes zu Gott erfüllt.[5]

Wir wenden uns nun von der Betrachtung der banalen und sentimentalen Musik des Novus Ordo ab, die die kränkliche Frucht des Funktionalismus ist und die dem Ritus etwas zugrunde legt, das im Vergleich trivial erscheinen mag, und wenden uns einem anderen Gesichtspunkt zu, der ein Teil des Beweises für die Entmannung des Priester liefert: der Kleidung des Priesters außerhalb der Messe.

Die Kleidung des Priesters, wenn sie nicht der Liturgie zugeordnet ist, hat einen Charakter erhalten, der in der säkularen Modewelt als metrosexuell bezeichnet wird. Das bedeutet, dass seine Männlichkeit in der äußeren Erscheinung bewusst verwischt wird. Der Verzicht auf die Soutane als der normalen Kleidung des Priesters außerhalb der Liturgie ist Teil der Entmannung des Priesters. Seiner unverwechselbaren Kleidung entledigt und mit einem schwarzen Anzug mit weißen Kragen versehen oder zunehmend häufiger mit einem T-Shirt mit weißem Halssaum, das aus der Tasche genommen und aufgeklebt werden kann, gekleidet, wird dem Priester in zunehmenden Maße sein zentraler Wesensbezug geraubt und dadurch seine Liminalität vergossen: Er ist nicht mehr länger der, der an der Schwelle, am Limen, zwischen Himmel und Erde steht, wenn er die Messe aufopfert. Wenn seine religiöse Kleidung nach säkularem Vorbild umgemodelt wird, dressiert und zähmt man ihn zu einem Geistlichen hinunter, bei dem sein Mann–Sein nur noch Person – sein und nicht mehr Mann – sein ist.

Diejenigen, die sich selbst vor allem im Europa der 50er und 60 er Jahren des 20. Jahrhunderts als die Avantgarde der Reform verstanden, kleideten sich als Priester in einer Art und Weise, die sie selbst als noch radikaleren Ansatz sahen. Sie trugen weiterhin Jackett und Krawatte oder schwarz Rollis, aber kombiniert mit der weltlichen Kleidung der Menschen, die sie umgaben. Heute noch kleiden sich viele europäische Priester so, entweder in Kontinuität mit ihrer Romanze mit dem Säkularismus oder als Versuch, sich noch besser in ihre „Herde“ einzupassen. Die Soutane, als traditionelle Kleidung des Priesters ist in Wahrheit zumindest in seiner Gemeinde eine Erinnerung daran, dass er nicht nur ein „Geistlicher“ (clergyman) [wie die protestantischen Pastoren es auch sind Red.], sondern ein Priester, dass er nicht nur ein „religiöser Führer“, sondern derjenige ist, der das Allerheiligste für sie aufopfert. Sie ist eine Erinnerung daran, dass das im Opfer der Messe fokussiertes Leben des Priesters niemals total säkularisiert werden kann. Die Soutane ist eine Bestätigung der Mannhaftigkeit und der Männlichkeit des Priesters. Diese Männlichkeit steht im Gegensatz zu der Vorstellung der Welt von Mannhaftigkeit als grunzenden Fußballspieler oder als unrasiertes Modell für Armani in engen Jeans, oder als eine Art sexuelle Kraft ausstrahlenden „Hengst“. Durch das Tragen des Soutane nimmt der Priester den Mantel des Propheten als das äußere Zeichen dafür, dass das Alleinsein und die Loslösung (von der Welt) ein integraler Bestandteil seines Wesens als Mann – vir –Priester ist.  Die Soutane ist ein Symbol genau dieser Distanz, die die Beziehung zwischen dem Priester und seinem Volk charakterisiert.

Der entmannte Priester verwechselt die Ablösung mit Arroganz, mit Überlegenheit, Kälte oder gar mit Klerikalismus. Ironischerweise ist das genaue Gegenteil wahr. Die nachkonziliare Zeit hat den Aufstieg eines Klerikalismus gesehen, eines Klerikalismus, der sich in die Behauptung einhüllt, dass der Priester nur den Vorsitz der Gemeindeversammlung innehat, obwohl er offensichtlich und tatsächlich über alle und über alles den „Vorsitz“ innehat. Der Priester darf niemals ein Vorsteher oder Vorsitzender sein, denn dann wird er zum pingeligen Hochzeitplaner degradiert. Damit er sein Volk lieben kann, muss der Priester eine wesentliche Distanz zu eben diesem Volk leben, sonst wird er zu einem weiteren mit einem Priesterkragen versehenen „Barbie-Ken“.[6]

Schließlich kommen wir zu dem, was die schwerste Wirkung der Entmannung des Priesters in sich trägt: zur scheinbaren und echten Diskontinuität zwischen dem Novus Ordo und dem traditionellen römischen Ritus. Diese Frage der Diskontinuität und des Bruches wurde in den letzten Jahren Gegenstand einer Reihe von Studien und Gespräche, nicht zuletzt zum Gegenstand der heute berühmte Ansprache Benedikt XVI. an die Römische Kurie am 22. Dezember 2005. Während es wahr bleibt, dass diese Ansprache die Frage der Hermeneutik der Interpretation des 2. Vatikanischen Konzils behandelt,  hat sie dennoch immer noch Relevanz für das spezifische Problem der Diskontinuität der Liturgie.[7]

Die Bedeutung des Wortes „Diskontinuität“ ist oft nicht klar. Ich schlage eine Analogie vor, von der ich denke, dass sie deutlich macht, was in dieser Diskontinuität zwischen den beiden Formen des römischen Ritus eingeschlossen liegt.[8]

dokument25In der Mathematik gibt es Funktionen, die an einem bestimmten Punkt unstetig genannt werden. Mit einfachen Worten gesagt bedeutet das, dass es an diesem Punkt keinen zuzuordnenden Wert für diese Funktion gibt. Wir könnten vereinfachend sagen, an dieser Stelle gibt es ein „Loch“ in der Funktion. Weiterhin bedeutet das, dass es keinen „Weg“ aus der Zeit vor der Diskontinuität zu einem Zeitpunkt danach gibt. Man kann nicht durch ein „Loch“ in der Funktion hindurch auf die andere Seite gelangen.

Wenn wir diese Analogie benutzen und von einer Funktion sprechen, die ein Loch hat, eine Diskontinuität, hilft uns das, die Tatsache zu verstehen, dass die überwältigende Mehrheit der Katholiken, die in der Zeit „nach“ dem Loch lebt und für die der Novus Ordo die einzige Erfahrung der Messe darstellt, die Seite der Funktion, die „zeitlich vor“ dem Loch war, als absolut fremd erlebt. Die überraschende Tatsache, dass für die Katholiken, die mit der Novus Ordo Messe aufgewachsen sind trotz aller Diskussionen, trotz aller theologischen und liturgischen Argumente, die in dieser Kontinuitätsdebatte aufgefahren werden, der traditionelle Ritus fremd und exotisch ist, bleibt bestehen. Diese Katholiken sehen die Kontinuität nicht, die bisher angenommen und verteidigt wurde. Sie sehen dieses Loch als einen Abgrund,  und können die andere Seite „davor“ weder sehen noch verstehen.

Die mathematische Analogie weiterhin benutzend, können wir erläutern, was die Diskontinuität zwischen den beiden Formen wirklich bedeutet. Funktionen werden durch Formeln definiert, die Variablen enthalten. Eine unstete (diskontinuierliche) Funktion kann auf beiden Seiten des Loches mit der gleichen Formel beschrieben werden. Es kann aber auch die Situation auftreten, dass sich für die Beschreibung der Funktion die Formel nach der Diskontinuität ändert und nun im Wesentlichen eine neue Formel mit einer neuen Funktion ist. Wenn wir unserer  eigenen Erfahrung als katholischem Volk trauen, können wir in der Feier der Messe in den beiden Formen des römischen Ritus die offensichtliche Tatsache einer Diskontinuität, eines Loches sehen. Eines Loches, auf dessen anderer Seite es auch eine neue Funktion mit einer neuen Formel gibt. Die neue Formel verwendet dieselben Variablen wie die alte Formel, aber es ist dennoch eine andere, neue Formel, die eine neue Familie von Kurven bezeichnet. Das Aussehen, die Form und Struktur der neuen Form sind sehr verschieden von der Form vor dem Loch. Dies ist ein sehr ernstes Problem für die Integrität des katholischen Glaubens, der in der Zelebration der Heiligen Messe gesehen, erkannt und verwirklicht wird.[9]

Auf der einen Seite haben wir die traditionelle römische Messe, die in der Regel des heiligen Benedikt in einem zeitgenössischen Bericht über das Leben des Heiligen als potente e strana, kraftvoll und seltsam bezeichnet wird.[10] In der Beschreibung des Gesanges der Kirche in der Einführung in das „Antiphonale Monasticum“  wird sie folgendermaßen beschrieben: „einfach, nüchtern, manchmal vielleicht etwas streng, sicherlich aber schön, und dazu befähigt in einer sehr starke Distanz letztendlich eine tiefe Süßigkeit zu beschreiben.“ Weiterhin sei sie „sehr ausdrucksvoll, annehmbar für alle Temperamente, und mit der Fähigkeit ausgestattet, die innersten Gefühle der Seele auszudrücken“.[11] Auf der anderen Seite (im Novus Ordo) etwas „Entmannendes“ und „Ent-Rom-anisierendes“.

Dies ist in der Tat das, was Kardinal Heenan im Jahr 1967 an jenem Tag sah, als die experimentelle Form der Novus Ordo Messe das erste Mal für die Bischöfe in Rom gefeiert wurde. Er sah dort die Ergebnisse der funktionalistischen Mentalität, die Zeremonien nicht versteht und Einfachheit mit einem abgespeckten Infantilismus verwechselt. Er sah dort die „Neuheit“ der Novus Ordo Messe, eine Neuheit, die nicht organisch aus der Tradition wuchs, sondern vielmehr von einer bestimmten liturgischen Theologie hervorgebracht wurde, die nicht nur von einem nachaufklärerischen Rationalismus infiziert war, sondern von ihm begründet wurde. Karinal Heenan sah dort die Entmannung der Liturgie und erfasste eine der zukünftigen Auswirkungen des Novus Ordo  in der Kirche: eine deutliche Abnahme des Messbesuches. Er lebte noch lange genug, um den Beginn des Verlustes des Sinnes für das Heilige zu erleben. Was er nicht mehr erlebte, war die Entmannung des Priestertums und seine verheerenden Folgen im Mangel an Berufungen und persönlicher Untreue zu Keuschheit und Zölibat.

Fr. Cipolla ist Vorsitzender der Fakultät für Alte Sprachen in Brunswick School in Greenwich, CT, und Pfarrvikar von St. Marien, Norwalk, CT

[Wir bedanken uns herzlich bei Fr. Cipolla für diesen exklusiven Beitrag fürr Rorate Caeli. Artikel sollte in seiner Gesamtheit nicht Dritten zugänglich gemacht werden. Bei Erwähnung oder Auszüge aus diesem Artikel zu zitieren, sind immer Quelle und Link.]

[1] St.Justin Martyr, Apology. 66-67 .

[2] Guardini, “The Primacy of the Logos over the Ethos”, op. cit., 199-211.

[3] Diese tödliche Rolle des Funktionalismus in der Liturgie wurde von Benedikt XVI. in einer Sammlung von Aufsätzen zur Rolle der Musik in der Liturgie unter dem Titel Lodate Dio con arte (Venezia:Marcianum Press 2010) besprochen und widerlegt.

[4] Guardini, op.cit., “The playfulness of the Liturgy”.

[5] In Italien, wo das liturgische Establishment immer noch dem Funktionalismus und der technokratischen Einstellung zur Liturgie anzuhängen scheint, hat man ein wunderbares Wort recycled, um das Entblößen der Liturgie und der Kirchengebäude bis auf die Knochen hin beschreibt: adeguamento [Anpassung, Angleichung, Gleichmachung Red.]. In Lodato Dio con arte bespricht Benedikt XVI diesen Termin und zeigt die zerstörerischen Auswirkungen, welches das adeguamento auf das liturgische Leben der Kirche Italiens hatte.

[6] Man kann die Anfänge dieser Entmännlichung des Priesters in den Hollywood-Darstellungen der Priester sehen, wie diese, wie sie von Bing Crosby in dem Film The Bells of St. Mary [deutscher Titel: Die Glocken von St. Marien] dargestellt wird. Es ist die Darstellung eines Priesters der ein guter Kerl ist, der Pfeife raucht und vor niemanden Angst hat, ein domestizierter Priester, welcher hilft den reflexartigen Antikatholizismus des protestantischen Amerikas zu zerstreuen. Man fragt sich wie viele junge Männer vom Priestertum in den letzten vierzig Jahre weggetrieben wurden, weil sie Angst hatten, dass das Priester-Sein die Aufgabe ihrer Männlichkeit und Virilität bedeuten würde.

[7] Um auf die spezielle Frage der Diskontinuität zwischen Novus Ordo und dem römischen Ritus siehe die Einleitung von Josef Ratzinger zu The Reform of the Roman Liturgy by Klaus Gamber, Roman Catholic Books 1993 und Josef Ratzingers, Der Geist der Liturgie, insbesondere das Kapitel über den Ritus. Eine detaillierte Darstellung der Übereinstimmung unter vielen Gelehrten, dass zwischen Novus Ordo und dem römischen Ritus eine Diskontinuität besteht, siehe die Aufsätze der liturgischen Konferenz, welche in der Abtei Fontgombault im Jahre 2001 abgehalten wurde: Looking again at the Question of the Liturgy, Alcuin Reid, ed., (Farnborough, England: St. Michael’s Abbey Press. 2002). Diese Frage der Diskontinuität scheint, zu Recht, aus pastoralen Gründen in Summorum Pontificum und dem Begleitbrief an die Bischöfe umgangen worden zu sein. Die Tatsache, dass zwei Formen des römischen Ritus in der Kirche koexistieren, sagt nichts Definitives darüber aus, ob eine Kontinuität zwischen ihnen vorherrscht oder auch nicht.

[8] Die Diskontinuität ist eine Frage, die getrennt von der Frage nach der Gültigkeit der Form gestellt werden kann. Die Gültigkeit der beiden Formen des römischen Ritus wird hier als gegeben angenommen.

[9] Pristas, Orations: Hinsichtlich der Arbeit des postkonziliaren Conciliums an den Kollekten der Messe spricht Pristas von „der Konstruktion einer völlig neuen Stadt“. Es ist bemerkenswert, dass die Arbeit dieses Gelehrten kein großes Unbehagen unter den Bischöfen auslöste, welche tatsächlich die Moderatoren und Leiter der Liturgie in ihren Diözesen sind.

[10] Flaminia Morandi, San Benedetto: Una luce per l’Europa(Milano:Paoline 2009)

[11] “simplices, sobriae, aliquando fortisan austeriores, decoram certe et firmamissam exhibent lineam, de cetero dulcibilem ac per hoc maxime expressivam, omnium susceptibilem temperamentorum, intimos animae sensus preferendi capacem.” Antiphonale Monasticum, (Tournai: Desclée & Co., 1934) p. xi

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Pater Richard G. Cipolla, Die Entmännlichung der Liturgie im Novus Ordo (1 von 3)


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Von Pater Richard G. Cipolla, Ph.D., D. Phil.(Oxon.), das Original fand sich hier.

Der Briefwechsel zwischen Kardinal Heenan von Westminster und Evelyn Waugh[i] vor der Promulgierung des Novus Ordo, in dem Waugh seinem Herzensschrei über die nachkonziliare Liturgie Luft macht und im Kardinal einen sympathischen, wenn auch unwirksamen Zuhörer findet, ist allgemein bekannt.[1] Nicht allgemein bekannt ist Kardinal Heenans Kommentar auf der Bischofssynode in Rom nach Präsentation einer experimentellen Messe, einer sogenannten Missa normativa, die zum ersten Mal im Jahre 1967 einer Gruppe von ausgewählten Bischöfen präsentiert wurde. Das folgende Essay ist von den Worten Kardinal Heenans inspiriert:

Bei uns zu Hause besuchen nicht nur Frauen und Kinder, sondern auch Familienväter und junge Männer regelmäßig die Messe. Wenn wir ihnen diese Art von Zeremonie anbieten würden, die wir gestern sahen, wären wir in unseren [Gottesdienst-]Gemeinden bald mit Frauen und Kindern allein.“[2]

Der Kardinal bezieht sich auf die Lügen, die den eigentlichen Kern der Novus Ordo Form der Römischen Messen betreffen, sowie auf die Gottesdienstbesucher und die tiefen Probleme, welche  die Kirche seit der Aufzwingung der Novus Ordo Form des römischen Ritus 1970 begleiten.[3] Man könnte versucht sein das, was Kardinal Heenan erfahren hatte als die Verweiblichung der Liturgie zu subsumieren. Aber dieser Begriff wäre unzureichend und letztlich irreführend. Denn es gibt einen wirklichen marianischen Aspekt der Liturgie, die deswegen weiblich ist. Die Liturgie bringt das Wort Gottes zur Welt (gebärt), weiterhin bringt sie den Leib des Wortes hervor, damit es angebetet wird und als Speise dargebracht wird. Präziser sollte man sagen, dass die Liturgie im Novus Ordo „ver-weibisch-t“ und verweichlicht (effeminized)  wurde.

Es gibt eine berühmte Passage in Caesars „De bello Gallico“, wo der Verfasser erklärt, warum der Stamm der Belgae so gute Soldaten hatte. Er führt dies auf ihren Mangel an Kontakt mit den Städten, den Zentren der Kultur zurück. Caesar nahm an, dass ein solcher  Kontakt ad effeminandos animos – zur Verweichlichung der Seelen führen, zur Verweichlichung und Verweibischung ihres Charakters.[4] Aber wenn man über die Risiken der Verweibischung/Verweiblichung der Liturgie spricht, wird man deswegen falsch verstanden, weil das als Abwertung der Frau und des Frauseins an sich verstanden wird. Ohne die Ansicht Caesars über den Einfluss der Kultur auf die Soldaten, welche sicherlich als macho bezeichnet werden kann, zu übernehmen, kann man sicherlich über die Entmännlichung des Soldaten sprechen, welche seine Strenge minimiert und das auflöst, was einen Soldaten ausmacht. Es ist keine Abwertung der Weiblichkeit. Es kann vielmehr als eine Abschwächung dessen beschreiben, was es bedeutet ein Mann zu sein.

Um zu beschreiben, was Kardinal Heenan bei der ersten Feier der experimentellen Messe im Jahr 1967 sah,[5] möchte ich den Begriff Entmännlichung (devirilization) verwenden. Die Liturgie wurde in der Novus Ordo Form, welche Benedikt XVI. etwas umständlich, aber verständlicherweise die ordentliche Form des Römischen Ritus nennt, entmännlicht (devirilized). Man muss sich die Bedeutung des lateinischen Wortes vir ins Gedächtnis rufen. Sowohl vir als auch homo bedeuten „Mensch“, aber es ist vir allein, die die Konnotation des Mannes als Held enthält und es ist genau dieses Wort, das oft für „Mann“ verwendet wird. Die Aeneis beginnt mit den berühmten Worten: arma virumque cano („Ich singe von Waffen und Helden“). Was Kardinal Heenan im Jahr 1967 vorausschauend und richtig sah, war die faktische Beseitigung der mannhaften Natur der Liturgie. Er sah den Ersatz der männlichen Objektivität, notwendig für den öffentlichen Kult der Kirche, durch Weichheit, Sentimentalität und einer Personalisierung, welche auf die mütterliche Person zentriert ist.

Das Volk steht während der Liturgie[6] in einer marianischen Beziehung zur Liturgie: achtsam, innerlich offen und  nach-denkend  wartet man, um erfüllt zu werden. Innerhalb der Liturgie ist es der Priester als Vater, der spricht, verkündet und das Wort so vermittelt, dass das Wort zur Nahrung werden kann für diejenigen, die in dieser erhebendsten Betätigung der Kirche, das ist in der Liturgie, stehen.[7] Es ist der Priester, der Christus dem Vater opfert. Dieser Akt ist es, der die tiefste Bedeutung dessen vermittelt, was es heißt Priester zu sein. Und so macht die Rolle des Priesters als Vater seine Rolle unterscheidbar nicht nur in seiner Funktion, sondern in der eigentlichen Ontologie der Sexualität[ii].[8] Der Priester am Altar steht in persona Christi [in der Person Christi, d.h. an Christi statt Red.], in persona Verbi facti hominem [in der Person des Wortes, das Mensch wurde], und das nicht nur als homo [Mensch], da dies ein Wort ist, welches gewissermaßen das Geschlecht transzendiert, sondern in persona Christi viri [in der Person Christi des Mannes][iii], in diesem Sinne, dass  homo factus est ut fiat vir, ut sit vir qui destruat mortem, ut sit vir qui calcet portas inferi [er ist Mensch geworden, um ein Mann zu werden, damit er ein Mann ist, der den Tod zerstören wird, damit er ein Mann ist, der die Pforten der Hölle niedertreten wird Red.]: Gott ist Mensch geworden, um ein männlicher Held zu werden, welcher den Tod zerstören und die Pforten der Hölle mit eigenen Füßen niedertreten wird.

Die Entmännlichung der Liturgie und die Entmännlichung des Priesters kann aus praktischen Gründen nicht voneinander getrennt werden. Im Folgenden möchte ich, obwohl lückenhaft und unvollständig, zunächst spezieller auf die Entmännlichung der Liturgie als solcher in der Novus Ordo Form des römischen Ritus zu sprechen kommen. Im Weiteren will ich die notwendige (da sie vom entmännlichten Ritus stammt) Entmännlichung des Priesters zu sprechen kommen und diese anhand von konkreten Beispielen beschreiben.

Die Beschreibung der römischen Liturgie mit Adjektiven wie „streng“, „präzise“, „edel“ und „einfach“ ist ein Gemeinplatz unter denen, die über die Liturgie in der modernen liturgischen Bewegung des zwanzigsten Jahrhunderts geschrieben haben. Viele dieser Autoren haben jedoch diese Strenge des römischen Ritus verklärt oder habe sie benutzt, um den Ritus seiner organisch über mehrere Zeitalter gewachsenen Gestalt zu entblößen, in dem sie die organisch gewachsene Gestalt mit Begriffen wie „gallikanische Zusätze“ und „nutzlose Wiederholungen“ diskreditierten. Anstatt den römischen Ritus als „streng“ zu bezeichnen, ein Adjektiv, das wohl puritanischen Unterton hat, ist es besser, von der Männlichkeit oder Mannhaftigkeit des traditionellen römischen Ritus zu sprechen. Eine Definition von Männlichkeit in diesem Zusammenhang ist deswegen notwendig. Dies ist etwas schwierig, und diese Frage verdient ein tieferes Studium. Deswegen werde ich einige Aspekte des traditionellen römischen Ritus aufgreifen, die zu erklären helfen, was ich mit der inhärente Männlichkeit und Mannhaftigkeit im Zusammenhang mit diesem Ritus meine.[9]

[1] Evelyn Waugh and John Carmel Cardinal Heenan, A Bitter Trial, 2nd ed. (South Bend: St. Austin Press, 2000)

[2] Ibid., 70.

[3] Die wichtige Frage bezüglich der Gültigkeit der Aufzwingung von Novus Ordo und die effective Verbannung des Missale des Römischen Ritus 1962 wurde von Joseph Ratzinger in seinem Buch Der Geist der Liturgie (San Francisco: Ignatius Press, 2000, 165-66) aufgeworfen. Es scheint, dass die Antwort auf diese Frage in der Promulgierung von Summorum Pontificum und in dem Begleitschreiben an die Bischöfe geklärt wurde. Die Frage ist aber nicht diese, ob ein Papst ein reformiertes Missale herausgeben kann. Der Hl. Pius V tat dies gewiß als Antwort auf das Tridentinum. Die Frage lautet, ob ein Papst der Kirche eine neue Form des Missale auferlegen [aufzwingen] und den traditionellen römischen Ritus unterdrücken kann. Dieses Kult-ähnliche Verständnis der päpstlichen Gewalt wurde von Paul VI vertreten und es wurde von denen unterstützt, welche ihn dazu ermutigt haben den traditionellen römischen Ritus zu unterdrücken, sowie von Bischöfen, welche sich diesem kühnen Manöver angeschlossen haben. All das würde Pius IX [dem ersten Papst, welchem das Jurisdiktionsprimat dogmatisch zugestanden wurde Red.] vor Scham und vielleicht von Neid erröten lassen [weil er sich niemals so viel Macht hätte träumen lassen Red.].

[4] Caesar, De bello Gallico, 1.1

[5] Kardinal Heenan stellte dieser Bemerkung die Beobachtung voraus, dass er nicht wisse, wer die Neue Messe vorgeschlagen habe, aber es sei ihm klar, dass nur wenige von ihnen Pfarrer waren [oder in der Gemeinde arbeiteten].

[6] Man sollte nicht vom Volk [als dem liturgischen Gegensatz zum Priester Red.] sprechen, das während der Liturgie anwesend ist, sondern eher vom Volk, das innerhalb der Liturgie ist. Die Liturgie ist etwas, was zu betreten ist, es ist nichts, was betrachtet, gemacht oder durch das anwesende Volk ins Sein gebracht wird.

[7] Sacrosanctum Concilium 10: “Dennoch ist die Liturgie der Höhepunkt, dem das Tun der Kirche zustrebt, und zugleich die Quelle, aus der all ihre Kraft strömt.”

[8] Über die ontologische Natur der Sexualität siehe Angelo Scola, “The Nuptial Mystery: A Perspective for Systematic Theology?”, Communio 30 (Summer 2003).

[9] Dieser Aufsatz hat nicht vor, den verbalen Inhalt des Novus Ordo Ritus zu thematisieren, wie zum Beispiel die radikalen Änderungen in den Kollekten und in den Offertorien. Die wichtigen und auf ihre Weise verheerenden Ergebnisse der Forschung von Dr. Lauren Pristas wurde in einer Reihe von Aufsätzen und einem zu folgenden Buch behandelt, welches die Revisionen des post-konziliaren Consiliums [eines ökumenischen Gremiums von Theologen und Liturgiewissenschaftlern Red.] zum Inhalt hat, welche an den Kollekten der Messe vorgenommen wurden, um die rationalistische und modernistische Politik [des Conciliums] darzustellen und was zu den neuen Kollekten innerhalb der Novus Ordo Messe führte. Diese Politik fällt ebenfalls unter die Kategorie der „Entmännlichung“. Lauren Pristas, “The Orations of the Vatican II Missal: Policies for Revision”, Communio 30 (Winter 2003) 621-653; “Theological Principles that Guided the Redaction of the Roman Missal 1970”, The Thomist 67(2003) 157-95; “The Collects at Sunday Mass: An Examination of the Revisions of Vatican II”, Nova et Vetera, 3:1 (Winter, 2005) 5-38. Siehe auch Aidan Nichols, Looking at the Liturgy, (San Francisco: Ignatius Press 1997). Dieses kurze Buch ist immer noch die beste Quelle, um die rationalistischen und antiliturgischen Voraussetzungen der spät-modernen liturgischen Bewegung zu verstehen, welche in die Novus Ordo Form der Messe mündete.  [Diese Thematik der neuen Kollekten und Offertorien wurde auch im folgenden Buch thematisiert in Cekada, Anthony, Work of Human Hands. A Theological Critique of the Mass of Paul VI, Philothea Press: West Chester 2010, 219-246;275-304. Red.]

[i] Evelyn Waugh (1903-1966) britischer Schriftsteller und Konvertit. Bekannt für seinen Roman „Wiedersehen mit Brideshead“ (Brideshead revisited), einer der bessern Stilisten der englischen Sprache im XX Jahrhundert. Ebenfalls empfehlenswert sind  aus der katholischen Sicht seine Romane „Schwert der Ehre“ (Sword of Honour) und „Helena“, welche auf Deutsch verlegt wurden, denn die Originalprosa Waughs ist sprachlich recht anspruchsvoll, dennoch lesenswert. [Red.]

[ii] Der Autor will hier wohl sagen, dass der Priester nicht nur der Gemeindevorsteher oder –bespasser ist, weil dies leider die Priesterrolle im Novus ordo ist, sondern, dass er liturgisch gesehen ein Vater ist, weil er ein Mann ist. Der Mann kann nur ein Vater sein, keine Mutter.

[iii] Dies ist auch eines der Hauptargumente gegen die Frauenweihe. Christus war ein Mann oder ein biologischer Mann, wie man heutzutage näher bestimmen muss, und daher kann nur ein Mann an Christi statt wirken und zwar real und nicht metaphorisch.

Novus Ordo und Mann-Sein oder Vorbemerkungen zum Text von Pater Cipolla.


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Wir stellen hier, wieder einmal in der hervorragenden Übersetzung von davillatollkühn, einen profunden und dichten Text von Pater Cipolla vor, einem der bekannteren Autoren auf Rorate Caeli.

Wenn wir Pater Cipolla schreiben, dann trifft diese Anrede die Sache nicht genau, denn seit 50 Jahren ist die korrekte Anrede eines Priesters in der deutschen Sprache verschwunden. Korrekt wäre es „Hochwürden“ zu schreiben, aber dies erscheint sogar uns zu antiquiert und am Rande der Lächerlichkeit. Denn Cipolla ist kein Ordensgeistlicher, sodass er kein „Pater“ ist, er ist ein Hilfsgeistlicher, somit kein „Pfarrer“ und kein Bischof und daher kein „Monsignore“, obwohl dieser Ehrentitel nicht nur für Bischöfe gilt. Von „Priester“ Cipolla zu sprechen erscheint despektierlich und undeutsch, sodass wir das amerikanische Father – Pater für Priester hier einfach lassen. In anderen Sprachen, wie im Polnischen, gibt es eine gebräuchliche Anredeform für einen Priester, die sich recht antiquiert der 3 Person Singular bedient, wie es in manchen Regionen Deutschlands noch heute üblich ist: „Er nehme“ anstatt „Du nimmst“ oder „Sie nehmen“. Diese besondere Priesterform lautet: „der Priester nehme“. Was hat das mit dem Text von Pater Cipolla zu tun? Dass es im deutschsprachigen Raum so wenige Priester gibt, dass es nicht einmal eine korrekte und allseits bekannte Anredeform für sie gibt. Es ist so, als würden alle Doktoren aussterben! Oh weh!

Priestertum kein Männerberuf

Warum gibt es keine Priester oder immer weniger Priester? Weil das Priestertum kein Männerberuf ist. Man sagt zwar in anderen Bereichen „kein reiner Männerberuf mehr“, aber das Priestertum ist entweder ein Männerberuf oder es existiert nicht, obwohl das Priestertum durch die verheirateten Diakone, die immer den Eindruck eines Pantoffelhelden machen und durch die Pfarr-Gemeinde-Pastoral-und-wie-auch-immer-Assistentinnen immer weiter entmännlicht und feminisiert wird. Die Anzahl der Frauen auf der Szene, pardon, im Presbyterium, ist in den deutschsprachigen Ländern wirklich beispiellos hoch und es handelt sich fast immer um übergewichtige, wenig hübsche Frauen, mit Kurzhaar-Bürsten-Mecki-Frisur mit einem Batisttuch um den Hals, welche mit einem Augenaufschlag nach oben immer recht betont Worte wie: „Gott“, „Menschen“, „Ökumene“, „Engagement“ und „Miteinander“ sprechen, während ihnen der Pfarrer oder „die andere Madam“, wie es boshaft der Blogger Mundabor ausdrücken würde, selig zulächelt. Nein, nicht alle katholische Priester sind homosexuell, aber sie machen einen dermaßen verweiblichten und verweichlichten Eindruck, dass es nicht weiter auffällt.

Was macht ein Pfarrer im deutschsprachigen Raum? Wir wissen es nicht genau, nach Beobachtungen vermuten wir aber, dass es nicht sehr viel ist. Denn es ist:

  1. „das Einbinden der pastoralen Gruppen“,
  2. „das Miteinander“,
  3. das Herumsitzen in verschiedenen Gremien, im Sinne von 2.,
  4. „die Jugendpastoral“, man verreist mit den Jugendgruppen und spielt Gitarre,
  5. „die Kinderpastoral“, man verkleidet sich als Weihnachtsmann, während die Pastoralassistentin das Zepter führt,
  6. Man macht einen gütigen und wohlwollenden und vor allem menschennahen Eindruck,
  7. Man brüskiert niemanden, denn man ist „dialogoffen“ und „gesprächsbereit“,
  8. Man veranstaltet „Gottesdienste“ (das Wort „Messe“ wird nicht verwendet), in denen es um „Kreativität“, „das Mitmachen“ und „die-Menschen-Erreichen-Wollen“ geht.

Was ist da der Unterschied zu einer männlichen Kindergärtnerin? Kaum einer. Es ist doch unmöglich, dass dieses Priesterbild und diese Aufgaben normale, männliche Männer anziehen, die ja etwas „schaffen oder bewegen“ wollen. Die nachkonziliare Kirche ist nicht in der Lage ein konsistentes Lehrgebäude zu vermitteln, was jedem spätestens im zweiten Semester der Theologiestudiums auffällt. Die alte vorkonziliare Theologie ist zwar konsistent, denn wahr, aber sie ist verboten. Und Männer lieben Sinn, Ordnung und Logik. Den Kampf lieben sie auch. Dies ist wahrscheinlich auch der Grund, warum die Alte Messe so viele Männer anzieht. Bei allen Vetus Ordo Messen, die der Schreiber dieser Zeilen in mehreren Ländern besuchte, waren mehr Männer als Frauen unter den Gläubigen. Um die Exotik dieses Satzes, der sich dermaßen von unserem Novus Ordo-Alltag unterscheidet, nochmals zu unterstreichen, halten wir fest:

  1. Es sind überhaupt Menschen in der Kirche.
  2. Es sind Männer in der Kirche.
  3. Es sind mehr Männer als Frauen in der Kirche.

„Unmöglich!“, sagen Sie? Nein, Vetus Ordo macht es möglich!

Als Mann bei der Novus Ordo Messe – verdächtig

Der Schreiber dieser Zeilen ging recht oft in die Kirche und häufig passierte es, dass er der einzige Mann, damals noch ein recht junger, unter lauter Frauen bei einer Novus Ordo Messe war. Häufig war er die einzige „Nicht-Nonne“ bei einer frühen Gemeindemesse, die von Ordensfrauen besucht wurde. Er fühlte sich dabei schlecht, als hätte er sich in einen Damenumkleideraum verirrt oder als wäre er der einzige Mann bei einem Damenkränzchen. Es kam ihm vor, als ob ihn diese Frauen misstrauisch anschauten und sich insgeheim fragten:

„Was stimmt bei dem nicht? Warum ist er in der Kirche? Als Mann? Warum nicht im Seminar? Warum selbst kein Priester? Ist er schwul? Ist er krank? Ist er sonst nicht normal?“

Es kommt oder kam wirklich sehr selten vor, dass er bei Wochentagsmessen andere Männer traf, die keine Rentner, keine Obdachlosen und keine zarten, verweiblichten Jünglinge waren. So hatten die fragenden Blicke der Ordensschwestern und der Frauen doch recht. Es war sehr ungewöhnlich. Der Schreiber dieser Zeilen ist sich sicher, dass andere Männer ähnliche Erfahrungen haben, die sie vielleicht nicht reflektieren oder verbalisieren. Denn nach dem sensus communis des Novus Ordo gehören Männer einfach nicht in die Kirche. Er hörte oft unter den „richtigen Männern“ den Satz:

„Kirche ist nichts für Männer. Es ist etwas für Frauen und Kinder. Ein Mann kann Priester werden oder ein Bischof, wenn er die Frauen lassen kann. Das ist in Ordnung. Aber dieses In-die-Kirche-Gehen ist unmännlich!“

Dies sind die Aussagen sozusagen der Besten, also der einigermaßen noch gläubigen Katholiken, welche den Sinn der katholischen Religion einsehen. Der Schreiber dieser Zeilen hatte sich immer bei den Novus Ordo Messen gelangweilt, konnte sich schlecht konzentrieren, fühlte sich deswegen schuldig, bis er in einem pastoralen Buch eines Moraltheologen las, dass

„Männer sich halt in der Kirche langweilen, weil sie von ihrer Natur her auf Aktivität ausgerichtet sind“.

Das war eine Erleichterung, dass er doch normal ist. Aber er langweilte sich immer bei den Novus Ordo Messen, jedoch niemals bei der Anbetung, wo ja gar nichts passiert, kaum bei den Litaneien oder beim Rosenkranz. Nur bei der Novus Ordo Messe. Es scheint einfach, und Pater Cipolla zeigt die Gründe, dass die Novus Ordo Messe mit Absicht, unter dämonischer Einflüsterung, so konzipiert wurde, damit sie Männer verjagt. Kardinal Heenan hatte es schon früh erkannt. Als der Schreiber dieser Zeilen zum ersten Mal eine Alte Messe besuchte, so dachte er bei sich:

„Endlich Ordnung, Logik, Struktur! Das ist es!“

Diese Erfahrung wird auch anderen Männern zuteil und unsere Leser können gerne über ihre eigenen Erfahrungen berichten. Entweder sind Frauen bei Novus Ordo duldsamer oder sie werden durch die weibliche Art des Novus Ordo angezogen. Es ist doch recht weiblich permanent auf jemanden einzureden, ohne dass er zuhört. Das Beispiel mit dem italienischen Kinderwagen, bei dem die Mutter das Kind immer vor Augen hat, das Pater Cipolla wählt, ist sehr treffend. Die Priester ist im Novus Ordo nicht nur der Showman, er ist auch die Übermutter, welche die Kinder, sprich die Gemeinde, immer vor Augen hat, damit die nichts „ausfressen“ und z.B. während des Gottesdienstes den Rosenkranz beten oder nicht „aufpassen“. Bei der Alten Messe fällt dieser beidseitige Druck weg, denn der eine hat nichts zu animieren und die anderen können beten, meditieren, im Schott die Gebete mit verfolgen oder anderes tun. Bei allen Tridentinischen Messen, die der Schreiber dieser Zeilen besuchte, sah er niemanden bei den Erwachsenen, der etwas Ungebührliches tat. Sogar Kinder waren konzentrierter. Es ist als würde man dem Anführer in die Schlacht folgen oder am untersten Treppenabsatz der Opferung eines Priesters beiwohnen, der für uns stellvertretend opfert. Und genau das ist ja auch die Theologie der Messe.

Unmännlichkeit des Novus Ordo und die Kompensation

Die Novus Ordo Messe ist unmännlich und das Novus Ordo Priestertum leider auch. Und deswegen gibt es kaum Berufungen oder es kommen verweiblichte Jünglinge in die Seminare, welche dann oft homosexuell werden und falls doch nicht können sie den Beschwernissen des geistlichen Kampfes nicht gerecht werden. Was macht einen Mann aus? Das Kämpfen und das Erschaffen, was nicht nur in die biologische Vaterschaft münden muss. Nicht der Geschlechtsverkehr. Man hat wirklich als Christ und Priester genug zu kämpfen:

  • Gegen das Fleisch,
  • Gegen die Welt,
  • Gegen den Satan.

Da braucht man wirklich viel Männlichkeit, Durchhaltevermögen und Mut, denn leicht ist es nicht. Man hat aber auch als Vater andere zu leiten, sie zu belehren und durch das eigene Zeugnis aufzuerbauen. Man hat als Priester die absolute Vorbildfunktion. Man hat aber in der Novus Ordo Kirche nicht gegen das Fleisch zu kämpfen, denn man ist nicht „leibfeindlich“. Man hat nicht gegen die Welt zu kämpfen, denn nach dem Vat. II hat man mit ihr einen „offenen und wertefreien Dialog zu führen“. Man hat natürlich auch nicht gegen den Satan zu kämpfen, da es ihn nicht gibt. Was bleibt da von der Männlichkeit und vom geistlichen Kampf übrig, der die Vorbedingung für die Heiligkeit ist? Genau, nichts! Das, was wir hier darlegen, ist wirklich das traditionell-katholische Priesterbild. Solch ein Priesterbild kann Männer anziehen.

Aber es wird spätestens seit 1962 nicht praktiziert und die Priester kämpfen mit einer ständigen Identitätskrise.

Wer bin ich denn als Priester? Bin ich noch ein Mann? Bin ich krypto-schwul? Trage ich wirklich Frauenkleider?

Ja, es sind wirklich quälende Fragen, die der Schreiber dieser Zeilen schon auf die eine oder andere Weise von Seminaristen, Ordensmännern oder Priestern vernommen hatte. Und das ist der Weg sich doch noch seine Männlichkeit auf der sexuellen Ebene zu beweisen nicht so abwegig. Die Psychologie sagt, dass unsichere Männer fremdgehen, um sich einfach wenigstens auf der einen Ebene zu beweisen.[1] Die Häufigkeit des Priesterkonkubinats hat ja dieselben Gründe. Die Priester wissen nicht, was sie sind, wissen nichts mit sich anzufangen, weil sie kein geistliches Leben führen, haben zu viel Zeit, zu viel Geld und eine Willige findet sich immer, wenn man die Ansprüche nicht zu hoch schraubt. Der Schreiber dieser Zeilen hatte doch tatsächlich ein paar Priesterkonkubinen kennengelernt oder wenigstens Frauen, die gelegentliche sexuelle Beziehungen zu Priestern hatten, was sie ihm recht freimütig eröffneten und er dachte, dass die Kirchenväter doch auch in diesem Bereich recht hatten, dass die Sünde selbst die Bestrafung für die Sünde ist. Die weltlicheren Gedanken lauteten aber:

„Der arme Mensch! Was hat er sich da angelacht? Das ist erbärmlich. Sie ist weder hübsch, noch wohlgebaut, noch intelligent. Eine beidseitige verkümmerte Leidenschaft. Was ist denn mit ihr los, dass sie sich an einen Priester wirft?“

Ja, es ist Unsicherheit an beiden Seiten. Der Priester denkt:

„Ich bin nichts wert, so will ich es mir beweisen, dass es anders ist“.

Sie denkt:

„Ich bin sowieso nichts wert. Keiner will mich. Ich verdiene keinen guten, ordentlichen Mann. Dann mache ich es mit einem Priester“.

Paradoxerweise fällt ein Mann viel öfter durch hässliche Frauen als durch hübsche. Denn die hübschen haben ein höheres Selbstwertgefühl und sind meistens auch intelligenter. Sie haben es also nicht nötig.

Daher haben die deutschsprachigen Bischofskonferenzen wohlbedacht den Novus Ordo Priestern die meist hässlichen Pastoralassistentinnen zur Seite gestellt, damit die Ersteren durch die Letzteren fallen. Warum diese Betonung der männlich-priesterlichen Seite? Die Pastoralassistentinnen fallen doch auch. Weil die Assistentinnen keine Sakramente spenden. Ein gefallener Priester begeht ein Sakrileg, welcher recht schnell mit dem Glaubensverlust und Verblendung des Intellekts bestraft wird. Aufgrund dessen erhalten die Gläubigen zuerst keine würdigen Sakramente, denn der Priester befindet sich ja in der Todsünde. Dann aber nach längerer Zeit erhalten die Gläubigen keine gültigen Sakramente mehr, weil dieser Priester nicht einmal mehr die Intention hat das zu tun, was die Kirche in diesem Ritus tut,[2] was, neben der richtigen Form und Materie, die Mindestvoraussetzung eines gültigen Sakraments ist.

Der Schreiber dieser Zeilen ist sich ziemlich sicher, dass in seiner Diözese eine Anzahl der Messen, aber auch der Beichten ungültig ist, wenn bestimmte Priester diese zelebrieren bzw. hören. Woher kann er das wissen? Er spürt es, kein Ausströmen der Gnade, keine hl. Kommunion. Ist er sich das sicher? Ja, schon. Kann er das beweisen? Wie denn? Vielleicht betrügt ihn der Teufel? Möglich, aber in diesen Fällen unwahrscheinlich, weil das ganze Drum-Rum dieser Priester nicht stimmt. Weiß er denn ganz sicher von den Konkubinaten? In einigen Fällen schon, in anderen schließt er per analogiam. Somit stellt die Entwicklung von fehlender Männlichkeit zu ungültigen Sakramenten eine schiefe Ebene dar. Es ist zwar am Anfang möglich, dass, wenn der Priester zum ersten Mal fällt, es bereut und beichtet, aber fast immer wird diese Situation zu einem Dauerzustand und dann wartet man die Aufhebung des Zölibats ab. Das Problem ist aber, dass man die fehlende Männlichkeit des Novus Ordo Priestertums über das Sexuelle kompensiert und vollends seine priesterliche Identität und die Gnade für sich und andere verliert. Wenn man uns fragt, warum wir uns über das „Privatleben“ der Priester so aufregen, so antworten wir: Deswegen, weil wir keine Leistung erhalten für die wir unsere Kirchensteuer bezahlen. Keine würdigen Sakramente, keine gültigen Sakramente, keine Lehre, keine geistliche Leitung. Deswegen.

Zukunft des katholischen Priestertums

Fast nur noch Traditionalisten haben Priesterberufungen, die doch ein mehr oder weniger männlich-katholisches Priestertum verkörpern. Dennoch weiß sich eine vermeintliche Priesterberufung, die es mit der Lehre der Kirche und dem Priestertum ernst meint, nirgends zu verwirklichen.

  • Piusbruderschaft ist immer noch kanonisch irregulär, falls dies unter Papst Franziskus noch etwas bedeutet.
  • Ecclesia Dei Gemeinschaften werden fast überall von der normalen Pfarrseelsorge ausgeschlossen und seit Franziskus unterdrückt.
  • Es bleiben nur noch ein paar Mönchsorden übrig, aber nicht jeder Priester ist ein Mönch und vice versa.

Wenn man mit einer frommen Ordensfrau spricht oder gar einer kontemplativen Nonne, so merkt man: das ist vor allem eine Nonne und keine Frau. Ja, es ist eine Frau und kein Mann, aber das Geschlecht wird so sublimiert und überhöht das es keine Rolle mehr spielt, dennoch nicht im Sinne des Genders. Man wird einfach ein geistlicher Mensch. Diesen Eindruck kann man auch bei den richtig frommen Priestern und Mönchen gewinnen. Das sind vor allem Männer Gottes, keine Frauen, zuerst Männer, aber vergeistigte Männer. Diese Männer stellen sich vor dem lauten Brevierbeten und anderen geistlichen Übungen kaum Fragen nach ihrer eigenen Männlichkeit, weil sie dazu keine Zeit haben und durch die Alte Messe weniger ich-zentriert sind. Während die Alte Messe das Beste im Menschen freilegt und zum Besseren verändert, weil es die ultimative Quelle der Gnaden ist, so macht es die Neue Messe gerade umgekehrt. Man verweiblicht, man wird zu einem Mann-Weib oder einem Macho als Mann. Und deswegen wird die Neue Messe keine Priesterberufungen langfristig irgendwo generieren, eher die vorhandenen degenerieren.

Wann werden wir also Priesterberufungen haben?

  1. Beim Wiedererrichten der katholischen Liturgie.
  2. Beim Wiedererrichten der katholischen Lehre.
  3. Beim Wiedererrichten der katholischen sakramentalen Disziplin.
  4. Beim Wiedererrichten der katholischen Moral.
  5. Beim Wiedererrichten der katholischen Orden.
  6. Beim Wiedererrichten des katholischen Gemeindelebens.
  7. Beim Wiedererrichten der katholischen Bildung.

All diese Punkte bedingen sich gegenseitig, aber es fängt bei der Messe an, damit man sieht, was die eigentliche Hauptaufgabe eines Priesters ist. Und wann werden wir das in den deutschsprachigen Ländern erleben? Frühestens in hundert Jahren. Sie und ich, liebe Leser, werden es nicht mehr erleben. Machen wir uns nichts vor! Zuerst muss die ganze Kirche den Deuterovatikanismus ganz abstreifen und verwerfen, bevor sich etwas in den deutschsprachigen Ländern regt. Die jetzige Bischofsgeneration muss aussterben, also in etwa in 30 bis 40 Jahren. Die Buben, die jetzt die Tridentinische Messe erleben, müssen erwachsen werden, das Priestertum wählen, irgendwo ein Seminar finden und sich weihen lassen, um in ca. 40 bis 50 Jahren zum Bischof geweiht zu werden, sodass die altrituellen Bischöfe eine Mehrheit bilden und diese zu Kardinälen geweiht werden. Wo und von wem und wie, all das steht in Gottes Hand. Vielleicht wird es nach dem Schisma eine traditionalistische Untergrundkirche, wie in China geben? Ja, wirklich harte Zeiten kommen auf uns zu, damit die Restkatholiken wie Gold oder Silber gereinigt werden und als Licht für die Welt glänzen. Falls Sie also ein Mann sind, dann gehen Sie in die Alte Messe. Es wird ihren Kampfgeist und ihre Männlichkeit stärken. Wenn Sie eine Frau sind, dann tun sie es auch. Es wird ihre Weiblichkeit stärken, denn kämpfen müssen Sie auch. Amen.

[1] https://www.welt.de/wissenschaft/article13513981/Sexuell-unsichere-Maenner-gehen-haeufiger-fremd.html http://www.mensvita.de/seitensprung-unsichere-maenner-gehen-haeufiger-fremd-30437/ http://www.wunderweib.de/warum-gehen-maenner-fremd-die-haeufigsten-gruende-1713.html

[2] https://traditionundglauben.wordpress.com/2015/11/09/muss-man-da-wirklich-hingehen-oder-die-intention-bei-den-novus-ordo-messen/

Die Novus Ordo Sakramente sind gültig – der Novus Ordo Ritus ist mangelhaft. Eine Skizze


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Die beiden Artikel über die Novus Ordo Messe haben Wellen geschlagen, da vorher unsere Seite nicht so oft frequentiert wurde. Dies zeigt, dass es sich um Themen handelt, welche viele Menschen beschäftigen. Es bleibt an dieser Stelle festzuhalten, dass auch die Novus Ordo Messe gültig ist, dass in ihr das gültige Sakrament der Eucharistie gespendet und empfangen werden kann, wenn die von der Kirche vorgegebenen Voraussetzungen zu einer gültigen Sakramentenspendung eingehalten werden. Ebenso sind auch alle anderen Novus Ordo Sakramente gültig. Wir werden uns dieser Thematik sicherlich noch mit aller Ausführlichkeit widmen und dabei alle Einwände des Lesers dspecht berücksichtigen. An dieser Stelle nur eine erste Feststellung:

„Menschen reden aneinander vorbei, denn sie sagen dasselbe » Novus Ordo Messe ist ungültig«, meinen aber etwas anderes.“

Wenn also ein Gegner der Neuen Messe sagt:

            „Die Novus Ordo Messe ist nicht gültig“,

so weiß man nicht, ob er damit meint, dass:

  1. Kein Sakrament zustande kommt? oder
  2. Der Ritus, in welchem das Sakrament stattfindet oder nicht stattfindet nicht gültig, im Sinne nicht katholisch ist.

Die meisten Traditionalisten meinen (2), manche auch (1) und (2), während die Verteidiger der Neuen Messe nur (1) heraushören.

Die Frage der Gültigkeit

Die ganze Thematik ist recht kompliziert, da in der vorkonziliaren Literatur, soweit der Schreiber dieser Zeilen es weiß, ausschließlich die Problematik der Gültigkeit des Sakraments aber nicht die Gültigkeit eines sakramentalen Ritus erörtert wurde. Warum? Weil die Gültigkeit die absolut minimalen Anforderungen einer Sakramentenspendung darstellt, der Ritus hingegen, um es sehr vereinfacht auszudrücken, den liturgischen Rahmen bietet, welcher die Würdigkeit dieser Sakramentenspendung sichert und an sich gnadenbringend und gnadenspendend ist. Eine Taufe ist auch dann gültig, wenn ein Ungetaufter einen Menschen mit Wasser begießt und ihm sagt:

„Ich taufe Dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

So hat es die Kirche, seit der frühen Entscheidung über die Häretikertaufe im III Jhd. schon immer gesehen und diese Sicht dogmatisiert (DH 802, 1314, 1617, 646).[1] Empfängt aber der auf diese Art und Weise getaufte alle Gnaden, welche ihm eine feierliche Taufe, bei Erwachsenen nach einer längeren Taufvorbereitung, gegeben hätte? Natürlich nicht, weil alle Sakramentalien dabei fehlen, welche auch wirken, obzwar nicht ex opere operato.

            Festzuhalten bleibt:

  • Die Gültigkeit bestimmt das absolute Minimum.
  • Der sakramentale Rahmen des Ritus wird zur Gültigkeit der meisten Sakramente nicht verlangt und zwar:
    • Nicht bei der Taufe,
    • Nicht bei der Beichte,
    • Nicht bei der Krankensalbung
    • Wohl nicht bei der Priesterweihe
    • Nicht bei der Ehe
    • Nicht bei der Eucharistie
  • Wären der sakramentale Rahmen des Ritus zur Sakramentenspendung notwendig, so würde die Kirche nicht zwischen Gültigkeit und Würdigkeit unterscheiden.

Die Frage nach der „Gültigkeit“ des Ritus

Die Frage nach der Gültigkeit eines Ritus stellte sich vor dem letzten Konzil nicht, da es nur einen und zwar seit dem Tridentinum nur den Tridentinischen gab. Die anderen Riten der Westkirche:

  • Der ambrosianische Ritus,
  • Der Braga Ritus,
  • Der mosarabische Ritus,
  • Der benediktinische Ritus,
  • Der karmelitanische Ritus,
  • Der zistersianische Ritus,
  • Der dominikanische Ritus,
  • Der karthusianische Ritus,
  • Der prämonsterianische Ritus[2]
  • Und andere (denn manche sind schon ausgestorben)

wichen und weichen voneinander und vom tridentinischen Ritus wohl so wenig ab, dass wohl niemand auf die Idee kam zu untersuchen, welcher der bessere sei? Der Schreiber dieser Zeilen hat noch keine Kompetenzen in den anderen Riten der Westkirche, aber der einzige „Ritenstreit“, der vor dem Konzil entbrannte, betraf ja etwas gänzlich anderes. Der Hl. Pius V hat ja in seiner Weisheit alle Riten gelten lassen, die älter als 200 Jahre alt waren und daher nicht von den Reformatoren stammen konnten, um die Gewohnheiten der Gläubigen und der Ordensleute nicht zu stören. Wohl niemand kam auf die Idee zu schreiben, dass z.B. die Messen im mosarabischen Ritus ungültig sind oder dass dieser Ritus weniger heiligt als bspw. der ambrosianische es tut.

Ein direkter Vergleich mit den Riten der Ostkirchen entzog sich den Lateinern wohl auch deswegen, da sie an ihnen nach dem Großen Schisma nicht teilnehmen konnten und auch vorher es wohl keine Biritualität gab. (Vielleicht auch doch, wir wissen es im Moment einfach nicht.) Daher kann die Frage, ob ein Ritus zur Ungültigkeit des Sakraments beitragen kann, anhand der vorkonziliaren Literatur kaum geklärt werden. Aber die Antwort wäre: „Nein“, was wir noch ausführen werden, denn die Gültigkeit betrifft die Form, die Materie und die Intention des Spenders, aber nicht den Ritus selbst, der sich ja auch innerhalb der ganzen Kirchengeschichte geändert hat. Es heißt ja nicht ohne Grund bene docet qui bene distinguit, „derjenige lehrt gut, der gut unterscheidet“. Denn im Falle der Eucharistie und der Messe muss man differenzieren, zwischen:

  1. der gültigen Sakramentenspendung, also Sakrament qua Sakrament,
  2. der „gültigen“ Messe, also Messe qua Messe.

Man kann die Vereinfachung auf die Spitze treibend sagen, dass die Heilige Messe „nur“, sakramentaltheologisch gesehen, den liturgischen Rahmen bildet, in welchem das heiligste Altarsakrament gespendet wird, da in einer jeden Messe in die Wandlung vorgesehen wird. Natürlich ist die Messe viel mehr, denn der höchste Gotteskult auf Erden, aber wir wollen hier nur das sakramentaltheologische Minimum betrachten. (Das seltene Beispiel einer missa sicca, d.h. einer Messe ohne Wandlung, welche bis zum Tridentinum hier und da zelebriert wurde, lassen wir jetzt außen vor.)[3]

Eine Messe, so sagt man vereinfachend, ist dann „gültig“, wenn die Wandlung gültig ist. Da die Wandlung außerhalb der Messe, wenigstens vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil, streng verboten war, so war die Messe der einzige Ort einer möglichen Wandlung. Der Priester darf auch die heilige Kommunion außerhalb der Messe spenden und manchmal, beispielsweise bei der Krankenkommunion muss er es sogar tun und dies ist eine Sakramentenspendung, aber die Wandlung, d.h. das Zustandekommen des Sakraments und somit seine Gültigkeit findet nur innerhalb der Messe statt. Wie bereits festgestellt, reden bei dieser ganzen Diskussion um die Neue bzw. Alte Messe die beiden Seiten, nennen wir sie die Novus Ordo Apologeten und die Novus Ordo Verächter aneinander vorbei. Denn man muss präzisieren, was man meint

  1. Die Wandlung also das Sakrament der Eucharistie?
  2. Oder das liturgische „Drumrum der Wandlung“ (möge diese Ausdruckweise für einen Moment gestattet sei) also den Messritus?

Ad a. Das Altarssakrament

Von radikalen Sedisvakantisten und denen die der Omlor-Hypothese folgen, abgesehen, leugnet kaum jemand, dass man auch bei einer Novus Ordo Messe gültig kommunizieren kann, weil die Wesenswandlung auch da stattfindet und das Brot zum Leib Christi wird. Der Novus Ordo Ritus generiert per se keine ungültige Wandlung, soviel wollen wir in aller Entschiedenheit feststellen. Daher auch die positiven Kommunion- und Anbetungserlebnisse unseres Autors und seiner Freunde. Das Sakrament ist gültig bzw. ist nicht notgedrungen ungültig, weil es in einer Novus Ordo Messe zustande kommt, gespendet und empfangen wird.

Ad b. Der Messritus

Der geänderte Messritus jedoch vermittelt viel weniger Gnaden als die Überlieferte Messe es tut und untergräbt sicherlich die katholische Identität aller Teilnehmer. Der Ritus ist mangelhaft, was auch die Piusbruderschaft in einer mangelhaften Art und Weise zum Ausdruck bringt, indem sie sagt:

„Die neue Messe ist schlecht“.[4]

Bisher gibt es nicht in der Sakramentenlehre oder in der Theologie den Ausdruck „ein ungültiger Ritus“. Deswegen scheint uns, dass die Piusbruderschaft, welcher wir nicht anhängen, hier nicht klar genug präzisiert. Viele Traditionalisten, wie Rev. Cekada schließen vom mangelhaften Ritus auf die Ungültigkeit des Altarsakraments hin, was nicht zulässig ist, wie wir noch zeigen werden.

Also zum Mitschreiben: Sakrament ist Sakrament und Ritus ist Ritus. Punkt.

A. Fragt man:

„Kann man bei einer Novus Ordo Messe zur Kommunion gehen?“

So lautet die Antwort:

„Ja, es wird gewandelt. Es ist Leib Christi.“

B. Fragt man:

„Vermittelt die Novus Ordo Messe die Gnadenfülle der Tridentinischen Messe?“

So lautet die Antwort:

„Nein, sicherlich nicht, sonst wäre der Riesenglaubensabfall, besonders der Priester, nicht erklärbar.“

Dies ist dennoch kein Widerspruch, da A. das Sakrament und B. den Ritus betrifft.

Und deswegen sind leider alle vorkonziliaren Überlegungen zur Gültigkeit oder Würdigkeit der Sakramente für uns „wenig hilfreich“, wie sich die Kanzlerin auszudrücken pflegt, da sie den fast unveränderten, kirchlichen Ritus der Sakramentenspendung, scil. den tridentinischen im Sinn haben. Die Sakramente sind dann gültig und würdig, wenn sie diesen, also den vorkonziliaren Ritus, aufs Genaueste beachten und viele andere Erfordernisse der Würdigen Sakramentenspendung auch. Der Vergleich mit den anglikanischen Weihen oder der Cranmers Messe (nähere Erklärung und Literaturangaben folgen noch) sind nicht zulässig, da sie ausdrücklich deswegen geschaffen wurden, um mit dem katholischen Ritus und dem katholischen sakramentalen Selbstverständnis zu brechen. Denn ein anglikanischer Ritus ist anglikanisch, damit protestantisch und nicht katholisch. Ein katholischer Novus Ordo Ritus ist immer noch katholisch, bzw. „restkatholisch“, aber für eine gültige Wandlung reicht er qua Ritus immer noch aus.

Die Novus Ordo Sakramente sind, unserer Meinung nach, gültig, wenn sie unter der Beobachtung aller Formen und Normen gespendet werden, sind sie auch würdig. Gültig ist gültig und die Gültigkeit ist nicht steigerungsfähig, behaupten wir, die Würdigkeit seitens des Spenders und des Empfängers schon.

Dennoch aber glauben wird, dass der Novus Ordo Ritus aller Sakramente defizitär und weniger gnadenbringend. Diese Defizite betreffen aber nicht die sakramentale Form, die ja beibehalten wurde, siehe unsere Reihe zum Blutwort.[5]

Ein in Novus Ordo gespendetes gültiges und würdiges Sakrament ist im Novus Ordo gültig und würdig, aber der Empfänger empfängt viel weniger Gnade als wenn er dasselbe Sakrament in Vetus Ordo empfangen hätte. Dies ist unsere These.

Warum?

  • Weil Novus Ordo als „Gremienarbeit“ menschengemacht ist und Vetus Ordo der tatsächlichen göttlichen und apostolischen Tradition entstammt.
  • Weil Vetus Ordo durch Jahrhunderte unter der Anleitung des Heiligen Geistes entstand, währen Novus Ordo von einer Kommission teilweise auf einem Pizza-Tisch entworfen wurde.
  • Weil Vetus Ordo alle Dogmen der Katholischen Kirche in reinster und heiligsten Weise wiedergibt, währen Novus Ordo von einem ganz anderen und gelinde ausgedrückt wenig katholischen und recht protestantischen Kirchenbild ausgeht.

Diese Unterschiede ließen sich noch fortführen. Dennoch garantiert der Novus Ordo das minimale Überleben des Gnadenlebens und es ist besser zu einer Novus Ordo Messe zu gehen, als es überhaupt nicht zu tun, was einen freiwilligen Verzicht auf Sakramente bedeutet und schwer sündhaft ist. Ebenso sündhaft ist der bewusste Empfang der Sakramente von suspendierten oder exkommunizierten Priestern, außer in Todesgefahr.

Wir haben vor all diese Thesen genau zu beweisen, aber manchmal ist es besser etwas auch skizzenhaft und unvollkommen zu schreiben. Wie sagte doch der Hl. Ignatius Loyola:

„Man solle kein kleines Gut, um eines künftigen, größeren Gutes willen vernachlässigen.“

Soweit, so gut.

[1] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, 881 (Traditionszeugnisse).

[2] https://en.wikipedia.org/wiki/Catholic_liturgical_rites

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Missa_Sicca http://www.newadvent.org/cathen/09790b.htm

[4] http://www.catholicculture.org/news/headlines/index.cfm?storyid=19372

[5] https://traditionundglauben.wordpress.com/category/liturgie/gueranger-antiliturgische-haresie/ Gemeint ist Antiliturgische Häresie (3), Teile 1 bis 8.

Die Novus Ordo Messen oder „Warum muss man sich so quälen?“


Sancta-Missa-138

Der Schreiber dieser Zeilen ist nach dem Konzil geboren und verlebte seine Kindheit in den 1970-ern in einem Land, das auf wunderbare Weise die nachkonziliare Zeit fast unbeschadet überstand, wo er die Taufe, die Beichte und die Erstkommunion empfing. Er war kein besonders frommes oder braves Kind, um es gelinde auszudrücken, dennoch an theologischen Fragestellungen irgendwie interessiert. Er erhielt einen wirklich guten Erstkommunionunterricht zuerst bei einer Ordensschwester, dann bei einem Kaplan, von welchem er lange Jahre zehrte. Er hat seit er nur denken kann immer große Schwierigkeiten damit gehabt sich zur Sonntagsmesse aufzuraffen, weil sie ihn so unendlich langweilte. Es war immer mühevoll, langweilig, langwierig und man war immer froh, es hinter sich zu haben. Als Kind bekam er von seinem frommen Kaplan den Spruch zu hören:

„Bez ofiary nie ma wiary“,

was übersetzt bedeutet:

„Ohne Opfer [Aufopferung, Selbtsüberwindung, Opfer bringen] kein Glaube“.

Da er in seinem Erstkommunionunterricht lernte, dass die Heilige Messe, jetzt auch Eucharistie genannt, ein Opfer sei, so assoziierte er lange Zeit Opfer, einem Begriff, welcher in seiner Muttersprache eine breitere Bedeutungspalette abdeckt als es im Deutschen der Fall ist,  mit Selbstüberwindung, da es ihn so viel kostete zur Messe zu gehen.

„Die Messe ist deswegen ein Opfer, weil die Anwesenheit bei einer Messe immer mit Selbstkasteiung verbunden ist“,

so erklärte er sich das selbst. Auch alle anderen sagten es ihm:

„Ja, es ist so, aber es muss so sein! Opfer bringen, gehört zum Glauben“.

Interessanterweise waren für ihn andere Übungen der Frömmigkeit, wie das Gebet oder die Eucharistische Anbetung und mit der Zeit auch der Rosenkranz niemals mit solch einer Selbstüberwindung verbunden wie die Messe es war. Auch der Empfang der Heiligen Kommunion, besonders der Erstkommunion, war für ihn oft mit großer Gnade verbunden, die er tatsächlich spüren und „schmecken“ konnte. Er war sich und ist sich sicher, dass die Novus Ordo Messe an sich gültig sind und bei ihnen tatsächlich eine Wandlung von Brot und Wein und Leib und Blut Christi stattfindet. Dies sind alles Erfahrungswerte und keine theoretischen, theologischen Axiome. Er war schon häufig bei Messen anwesend, alles Novus Ordo, bei welchen er mit einer gleichsam stehenden, verdichteten Heiligkeit zu tun hatte. Ebenso bei eucharistischer Anbetung. Diese Erfahrungen sind nicht so ungewöhnlich. Als er Ende der 1980-er Jugendexerzitien mitorganisierte, bei denen verschiedene, kirchenferne Jugendliche teilnahmen, von welchem manche sogar evangelisch waren, so bestand ein fester Tagespunkt dieser Exerzitien aus der Eucharistischen Anbetung. Es stellte sich in der Feedback Runde der Teilnehmer heraus, dass gerade diese Eucharistische Anbetung für viele, auch für die Nichtkatholiken, ein Schlüsselerlebnis ihrer Gottesbegegnung war. Er musste selbst auf die Fragen der Jugendlichen antworten, welche lauteten:

„Wie kommt der ganze Christus in diese kleine Hostie? Warum haben die Evangelischen das nicht? Warum kann man sich das nicht mit nach Hause nehmen?“

Dies waren alles ernstgemeinte Fragen von jungen Menschen, welche absolut nicht katholisch sozialisiert wurden, keine anerzogene Erwartungen an die Eucharistische Anbetung hatten, sondern einfach ihre Erfahrung wiedergaben als sie eine Wirklichkeit trafen, deren Dimension sie nur ahnen konnten – die Realpräsenz. Sie haben es also auch gespürt, dass die Wandlung stattfand. Und all das ausschließlich in den Novus Ordo Messen.

Nichtdestotrotz Kommunionempfang und Eucharistische Anbetung ist nicht gleich das Erlebniss der Messe. Es ging ja bei ihm um die Messe an sich, die so wenig fruchtete. Er fühlte sich lange Jahre auch sehr schuldig, weil er keine Messe-Frömmigkeit hatte, weil er niemals eine Messe ohne Selbstüberwindung überstehen konnte, weil ihn immer wieder etwas reizte, langweilte, zum Zorn verleitete, besonders in Deutschland. Er hatte Kommilitonen, hauptsächlich unter den Ordensfrauen aber nicht ausschließlich, welche tatsächlich täglich zur Messe gingen und große Gnaden, wie sie sagten, dabei erfuhren. Er ging eine Zeitlang ebenfalls täglich zur Messe, diese Zeit dauerte mehrere Monate oder gar über ein Jahr, aber die großen Gnaden ließen auf sich warten, die Notwendigkeit der Selbstüberwindung blieb. Er wurde abgehärteter, wie jemand, der das Kaltwasserschwimmen betreibt: Das Wasser bleibt kalt, aber man erträgt es leichter.

Als er mit 16 Jahren die liturgischen Vorschriften der Novus Ordo Messen kennenlerne, stellte er fest, dass die nichtliturgischen Messen ihn mehr reizten, als die nach den Rubriken zelebrierten, aber auch die Letzteren reizten ihn und ödeten ihn an. Das Erleben der Heiligen Messe änderte sich interessanterweise innerhalb der fortschreitenden Jahre des Schreibers nicht. Sie blieb nach seiner Bekehrung, nach seiner theologischen Bildung und nach seinem geistlichen Fortschritt, der ja auch stattfand, dieselbe. Er verstand lange Jahre nicht, warum, das, was das größte Geheimnis und der größte Schatz der Kirche ist, von welchem er bei den Kirchenvätern, Theologen und Mystikern las, ihm immer schal und öde vorkam. Dies änderte sich schlagartig im Jahre 2011 als er die Tridentinische Messe kennenlernte und feststellen musste: Novus Ordo ödet an, Vetus Ordo tut es nicht. Als er zum ersten Male, ohne Vorbereitung, eine Tridentinische Messe erlebte, so fühlte er als hätte er etwas gefunden, wonach er lange gesucht hatte. Eine Logik, eine Struktur, einen Sinn.

„Ja, das ist endlich die Messe“,

dachte er bei sich.

In der Zeit als er die Vetus Ordo Messen frequentieren konnte, freute er sich auf die Messe, auf den Sonntag und war enttäuscht, als es schon vorbei war. Keine Selbstüberwindung, kein Zwang, die fast ungetrübte Freude, obwohl diese Tridentinischen Messen, die er kennenlernte, unter kümmerlichen Umständen stattfanden. Als er anfing im Internet Zeugnisse andere Leute zu lesen, stellte er fest, dass es anderen auch so erging. Er war also nicht verrückt in all den Jahren! Er hat nicht durch die fehlende Andacht gesündigt! Es lag nicht an ihm, er lag an der Novus Ordo Messe! Sie wurde so konzipiert, dass sie die Menschen aus der Kirche wegjagt, was ihr gelungen ist. Die noch verbliebenen Selbstüberwinder stürzt sie in ständige Zweifel, weil sie nicht wissen, was bei ihnen nicht stimmt. Da man oft nicht die Möglichkeit hat zu einer Tridentinischen Messe zu gehen und die kanonisch irreguläre Piusbruderschaft leider keine Alternative ist, so bleibt man der Novus Ordo Messe ausgeliefert und quält sich, da es die Sonntagspflicht weiterhin gibt. Schwere Zeiten und die „Reformer“ haben wirklich die ganze Arbeit der Kirchenentleerung geleistet.

Daher das Interesse an der Liturgie, um das Subjektive zu Objektivieren. Der Schreiber dieser Seiten musste zu seinem Erstaunen feststellen, dass er anscheinend über einen guten liturgischen Sinn verfügt. Als er zum ersten und bislang letzten Male am Triduum in der Abtei Fontgombault im Alten Ritus teilnahm, -einer Abtei, welche die pianischen Reformen aus dem Jahre 1955 berücksichtigen musste – so kamen ihm ausschließlich diejenigen Teile des Triduums komisch vor, obwohl er sie unvorbereitet zum ersten Mal erlebte, welche, wie er später erfuhr, gerade durch die pianischen Reformen geändert wurden. Es war als hörte man auf einmal Dissonanzen in diesem ganzen Wohlklang. Die „Reform“ der Karwoche, war ja nicht ohne Bedeutung, denn auf diese Reformen und auf die Notwendigkeit die Liturgie zu reformieren, beriefen sich die Macher des Novus Ordo als auf den Präzedenzfall. Dazu werden wir vielleicht an einer anderen Stelle schreiben.

Der Schreiber dieser Zeilen blieb wirklich viele Jahre unwissend über die Unterschiede zwischen Vetus Ordo und Novus Ordo. So ist es ihm ja auch beigebracht worden.

„Im Grunde ist es ein und dasselbe“,

sagten seine Lehrer. Und entweder logen sie oder sie hatten keine Ahnung. Es aber wirklich für einen Katholiken schwer zu glauben, dass der ordentliche Messritus der Kirche dazu konzipiert wurde und praktisch dazu dient die Menschen zum Unglauben zu führen. Ja, etwas Heiligkeit ist auch dort vorhanden, aber im Vergleich zu einer in der kanonischen Kirche gefeierten Tridentinischen Messe ist es wirklich sehr wenig. Daher darbt das Volk und die Hirten darben mit, weil sie nicht richtig genährt werden. Der Glaubenssinn schwindet, die Sünden wachsen und die neueste Bischofssynode zeigt, wie weit die Apostasie schon fortgeschritten ist. Daher wird auch die Tridentinische Messe so stark unter Papst Franziskus unterbunden, weil sie eben heiligt und die Fragen nach dem Sinn des Zweiten Vatikanischen Konzils entstehen lässt.

Der Schreiber dieser Zeilen hat sich unentwegt gefragt, warum er all die Früchte der Heiligen Messe, von denen er gelesen hat, kaum erlebt, obwohl er andere Inhalte der gelesenen Schriften geistlich und existentiell durchaus nachvollziehen kann. Es ist so, weil diese Inhalte die Vetus Ordo Messe und nicht die Novus Ordo Messe betreffen. Hätten die Menschen die Möglichkeit die Tridentinische Messe kennenzulernen, so könnten sie auch diese Erfahrung machen. Aber sie dürfen diese Erfahrung nicht machen, damit sie nicht zum Sehen kommen. Wenn aber Vetus Ordo das wahre Opfer der Kirche ist, so bricht nicht nur die Kirche, was man in den letzten 50 Jahren sehen kann, durch den Novus Ordo zusammen, weil die geistige Speise fehlt. Novus Ordo beleidigt auch Gott, weil nicht das rechte, das gottgefällige Opfer dargebracht wird. Daher keine Berufungen, keine Gnaden, der Glaubensabfall und die Kirche verkommt zu einem Verein, besonders in den deutschsprachigen Ländern, wo man seit langem keine andere Kirchensicht als die Vereinssicht mehr pflegt. Das Bla-Bla, die Menschen, das Miteinander etc. Siehe der kommenden Katholikentag: eine andere NGO, welche für Merkels „Flüchtlingspolitik“ vor den Karren gespannt wird. Leider findet man niemanden, der diese Sicht der Dinge innerhalb der Amtskirche in Deutschland teilt. Denn für die Piusbruderschaft heißt es:

„Je schlimmer für die Amtskirche, desto besser für uns“.

Die Eröffnung einer eigenen Kirche ist wirklich keine Lösung. Es gibt zwar Männer der Kirche wie Kard. Burke oder Weihbischof Athanasius Schneider, aber sie sind weit weg. Wir haben hier: Marx, Koch und Bode, Gott sei’s geklagt. Dennoch ist Novus Ordo gültig, die minimale und abgespeckte Form des Katholizismus. Daher muss man unter Qualen hingehen und immer daran denken, wie der Schreiber dieser Zeilen bei seiner letzten Gemeindemesse: Im Fegefeuer wird es schlimmer sein, falls wir überhaupt dorthin gelangen.