Pius XII, Mediator Dei. I. Wesen, Ursprung und Entfaltung der Liturgie (4). Ziel des Menschen. Leben Christi als Gottesdienst.


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Nach einiger Pause kehren wir wieder zur Vorstellung der Enzyklika Mediator Dei zurück. Bei der Lektüre der hier vorgestellten Teile wird deutlich, dass Liturgie wirklich die Krönung der ganzen Theologie bildet. Denn zuerst stellt Pius XII. die Lehre vom Ziel (finis, telos) des Menschen dar? Was ist es? Gott zu gefallen und sein Leben auf Gott hinzuordnen. Warum? Weil Gott Gott ist und wir mit ihm oder ohne ihn unsere Ewigkeit verbringen werden. Und Ewigkeit dauert länger als ein jedes Leben. Das Ziel des Menschen ist also nicht „das Miteinander“, „das soziale Engagement“, „die Flüchtlinge“ oder die Rettung der Wale, respektive der „Weltfrieden“. Das Ziel ist Gott und von dieser Hierarchie her alles andere. Durch die Menschenzentrierung der Novus Ordo Messe aber auch der anderen Sakramente geriet alles aus den Fugen. Die Lehre von der Liturgie erfordert auch die Lehre von der Gnade, dass wir auf die Gnadenmittel Gottes angewiesen sind, um zu ihm zu kommen. Wodurch bekommen wir diese Gnadenmittel? Wir ahnen es schon, durch die Liturgie. Eine sehr schöne Passage zeigt, dass das gesamte Leben Christi ein Gottesdienst war, in welchem er Gott – dem Vater – das schuldige Opfer aber auch den schuldigen Gottesdienst brachte. Wir haben hier also auch Christologie und Soteriologie, also Erlösungslehre. Liest man die meisten der nachkonziliaren Theologen, so predigen sie einen mehr oder weniger versteckten Arianismus, wonach Christus ein besserer Mensch war und dessen Taten, besonders im Sozialen (Stichwort „Flüchtlinge“) durchaus nachahmenswert sind, aber an und für sich keine Bedeutung haben. Natürlich haben sie an und für sich eine Bedeutung, da jede Tat des Gott-Menschen, besonders aber seine Kreuzestod, erlösend war. Da wir es aber in der Liturgie nicht hören, so wissen wir nicht, was wir glauben sollen und die ungläubigen Theologen und Priester sagen es auch nicht, sondern warten, was die Zeitungen von ihnen verlangen. Zuerst sind es „Flüchtlinge“, danach sind es keine. Ein Trauerspiel. Aber lassen wir uns nicht entmutigen, sondern lesen diese schöne Enzyklika weiter.

220. Alle Christgläubigen mögen deshalb gelehrigen Sinnes auf die Stimme des gemeinsamen Vaters hören, der nur wünscht, daß alle eng um ihn geschart, sich Gottes Altare nähern, den gleichen Glauben bekennend, dem gleichen Gesetze sich fügend, am gleichen Opfer in gleicher Gesinnung und mit gleicher Absicht teilnehmend. Das verlangt schon die Ehre Gottes; das fordern auch die Bedürfnisse der Gegenwart. Nachdem ein langer und grauenvoller Krieg die Völker durch Feindschaft und blutigen Tod sich gegenseitig entfremdet hat, mühen sich jetzt Menschen guten Willens, alle nach besten Kräften zur Eintracht zurückzuführen. Kein Planen und kein Unternehmen hat aber, so glauben Wir, hierbei eine größere Wirkung als der lebendige religiöse Eifer, von dem alle Christen beseelt sein und sich leiten lassen müssen, indem sie dieselben Wahrheiten aufrichtigen Herzens bekennen, den rechtmäßigen Hirten gern und willig gehorchen, Gott die gebührende Verehrung erweisen und eine brüderliche Gemeinschaft bilden, denn ein Leib sind wir viele, wir alle, die wir an einem Brote teilhaben[9].

 

 I. Wesen, Ursprung und Entfaltung der Liturgie

 

  1. Die erste Pflicht des Menschen ist es zweifelsohne, sich und sein Leben auf Gott hinzuordnen. „Er ist es, dem wir als unserem ewigen Urgrund vor allem verbunden sein müssen, auf den als letztes Ziel auch unsere Wahl immerfort zu richten ist, den wir verlieren, wenn wir ihn in der Sünde hintansetzen, und den wir durch den Glauben und das Bekenntnis des Glaubens wieder gewinnen müssen“[10].Der Mensch ist aber richtig auf Gott hingeordnet, wenn er dessen höchste Majestät und Lehrgewalt anerkennt, wenn er die von Gott geoffenbarten Wahrheiten bereitwillig aufnimmt, wenn er die von ihm erlassenen Gesetze in gläubiger Unterwerfung beobachtet, wenn er sein ganzes Tun auf ihn ausrichtet, wenn er, um es kurz zu sagen, durch die Tugend der Gottesverehrung dem einen und wahren Gott den gebührenden Kult und die gebührende Hingabe erweist.
  2. Wenn diese Aufgabe in erster Linie den Einzelmenschen verpflichtet, so obliegt sie doch auch der ganzen durch soziale Bindungen gebildeten Menschengemeinschaft, da diese gleicherweise von Gottes höchster Autorität abhängt.
  3. Dabei ist zu beachten, daß jene Pflicht die Menschen noch in besonderer Weise bindet, weil sie Gott nämlich zur übernatürlichen Ordnung erhoben hat.

Wenn wir deshalb Gott als Gesetzgeber des Alten Bundes betrachten, so sehen wir, wie er auch über die sakralen Riten Vorschriften erläßt und genaue Richtlinien gibt, die das Volk bei dem ihm zu erweisenden gesetzmäßigen Kult einhalten soll. Er verordnete dementsprechend verschiedene Opfer und verschiedene Zeremonien zur Darbringung der ihm geweihten Gaben; alles bestimmte er genau, was die Bundeslade, den Tempel und die Festtage betraf. Er setzte einen Priesterstamm und einen Hohenpriester ein; sogar die Gewänder, welche die Kultdiener tragen sollten, bestimmte und beschrieb er, und was sonst noch zum Gottesdienst gehörte[11].

  1. Indessen war dieser Gottesdienst nur ein schattenhaftes Bild[12] jenes Kultes, den der Hohepriester des Neuen Bundes dem himmlischen Vater erweisen sollte.

Kaum nämlich ist das Wort Fleisch geworden[13], als es auch schon mit dem Priesteramt bekleidet sich der Welt offenbart, indem es sich dem Ewigen Vater unterwirft und diese Unterwerfung sein ganzes Leben hindurch ununterbrochen fortsetzt  Beim Eintritt in die Welt spricht Christus: … Siehe ich komme . . . Deinen Willen, O Gott, zu erfüllen . . .[14], und im blutigen Kreuzesopfer hat er dies wunderbar erfüllt : Kraft dieses Willens sind wir ein für allemal geheiligt durch die Hingabe des Leibes Jesu Christi[15]. Sein tatenreiches Menschendasein strebt diesem einen Ziele zu. Als kleines Kind wird er im Tempel zu Jerusalem dem Herrn dargestellt; als Knabe begibt er sich wieder dorthin; später betritt er den Tempel immer und immer wieder, um das Volk zu lehren und dort zu beten. Bevor er seine öffentliche Tätigkeit beginnt, beobachtet er ein vierzigtägiges Fasten; durch seinen Rat und sein Beispiel mahnt er alle, ihre Bitten bei Tag und bei Nacht an Gott zu richten. Er, der Lehrer der Wahrheit, erleuchtet jeden Menschen[16] damit die Sterblichen den unsichtbaren Gott gebührend anerkennen und nicht Söhne feigen Versagens seien zu ihrem Verderben, sondern Kinder des Glaubens, durch den das Leben gewonnen wird[17]. Als Hirt leitet er seine Herde, führt sie auf die Weide des Lebens und erläßt sein Gesetz so, daß niemand von ihm und dem rechten Wege, den er weist, sich abbringen lasse, sondern alle unter dem Hauch seines Geistes und in seiner Kraft heilig leben. Beim letzten Abendmahle begeht er in feierlicher Form das neue Pascha, dessen Fortbestand er durch die Einsetzung der heiligen Eucharistie sichert; am folgenden Tag bringt er, zwischen Himmel und Erde schwebend, das heilbringende Opfer seines Lebens dar und läßt seiner durchbohrten Brust gleichsam die Sakramente entströmen, die den Menschen die Schätze der Erlösung zuführen sollen. Bei alledem schaut er einzig auf die Ehre seines himmlischen Vaters und darauf, die Menschen mit immer größerer Heiligkeit zu erfüllen.

[9] 1 Kor. 10, 17.

[10] Thomas von Aquin, Sum. Theol. II-II q. 81 a. 1.

[11] Vgl. Levit.

[12] Vgl. Hebr. 10. 1.

[13] Joh.  1, 14.

[14] Hebr. 10, 5-7.

[15] Hebr. 10, 10.

[16] Joh. 1, 9.

[17] Hebr. 10, 39.

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Pius XII, Mediator Dei. Einleitung. (3) Würdigung und Tadel der liturgischen Bewegung


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Der Papst würdigt in dem vorgestellten Text der Einleitung, denn weiter sind wir immer noch nicht, die Liturgische Bewegung und warnt gleichzeitig von den Gefahren, die von ihr ausgehen, deren wir alle heute Zeugen sind. Denn schnell mutierte die liturgische Bewegung, besonders in Deutschland, von der liturgischen Pietät zur liturgischen Neuerung, was mit der missa ad populum und dialogisierten Messen begann. Am Ende dieser Bewegung steht die heutige Gemeindemesse, welche eine unentwegte Selbstdarstellung des Priesters, der Gemeindereferentinnen und der engagierten Laien ist und kein vergegenwärtigendes Gedächtnis des Kreuzesopfers Christi. Da leider heutzutage wenigstens in Deutschland die meisten Priester und Bischöfe nicht an die Wesenswandlung glauben und daher kein Problem bei der sakrilegischen Kommunion für die dauerhaften Ehebrecher – von den Gremien „wiederverheiratete Geschiedene“ genannt, sehen, so muss man sich wirklich fragen, was da eigentlich am Altar stattfindet. Zwar ist der persönliche Glaube des Priesters für die Sakramentenspendung nicht notwendig, sondern die allgemeine Intention das zu tun, was die Kirche tut, aber dennoch bleiben viele Zweifel und Probleme bestehen.

Obwohl Pius XII als konservativ galt, so hat er selbst eine Bewegung angestossen bzw. sie erlaubt, welche leider auch direkt zur nachkonziliaren Krise beigetragen hat. Diese Entwicklung war u.a. die Neuübersetzung aller Psalmen, das sogenannte „Bea-Brevier“, welches von kard. Bea SJ, dem späteren großen „Hauptökumenisator“ übersetzt und herausgegeben wurde. Der Schreiber dieser Zeilen hat es noch nicht in der Hand gehabt und kann sich somit noch keine philologische oder theologische Meinung bilden. Aber allein schon der Gedanke, dass jemand inmitten des XX Jhd. von sich annimmt, dass er über ein besseres und eleganteres Latein als der hl. Hieronymus, der Übersetzer der Vulgata, verfügt, scheint sehr vermessen. Denn jede Übersetzung ist ja eine Neuinterpretation und am Ende dieser Bea-Bewegung stand die lateinische Übersetzung der Neo-Vulgata, welche mit der eigentlichen Vulgata wenig gemein hat, maßgeblich aber auf dem Bea-Brevier fußt. Zum Glück hat sich vor dem Konzil das Bea-Brevier nicht durchgesetzt, da fast alle die alten Vulgata-Psalmen bevorzugten.

  1. Es ist Euch, ehrwürdige Brüder, sicher bekannt, daß gegen Ende des letzten und zu Beginn des gegenwärtigen Jahrhunderts ein außerordentlicher Wetteifer auf dem Gebiet der liturgischen Studien entfaltet wurde, sowohl durch private Arbeit, wie besonders durch die weit ausholende und emsige Tätigkeit einiger Klöster des berühmten Benediktinerordens; so wuchs nicht nur in vielen europäischen Nationen, sondern auch in den überseeischen Ländern diesbezüglich ein lobenswertes und fruchtbringendes Bemühen. Die segensreichen Früchte dieses eifrigen Bemühens konnte man auf dem Gebiet der theologischen Wissenschaften wahrnehmen, wo die liturgischen Riten der abend- und morgenländischen Kirche erschöpfender und tiefer durchforscht und erfaßt wurden, wie auch im geistlichen und privaten Leben vieler Christen.
  1. Die hehren Zeremonien des heiligen Opfers wurden besser erkannt, erfaßt und geschätzt, die Sakramente wurden allgemeiner und häufiger empfangen, die liturgischen Gebete inniger verkostet und die Verehrung der heiligen Eucharistie – was auch fortdauern soll – als Quelle und Mittelpunkt wahrer christlicher Frömmigkeit gewertet. Außerdem wurde die Tatsache in helleres Licht gerückt, daß alle Gläubigen einen einzigen, eng gefügten Leib bilden, dessen Haupt Christus ist, weshalb dem christlichen Volke die Pflicht obliege, in gebührender Weise an den liturgischen Handlungen teilzunehmen.
  1. Ihr wißt ohne Zweifel sehr wohl, daß der Apostolische Stuhl jederzeit eifrig bestrebt war, das ihm anvertraute Volk mit richtigem und lebendigem liturgischem Empfinden zu erfüllen; und wie er mit nicht geringerem Eifer darauf geachtet hat, daß die heiligen Handlungen auch nach außen durch angemessene Würde wirkten. Wir selbst haben, als Wir dem Brauch gemäß im Jahre 1943 zu den Fastenpredigern der Ewigen Stadt sprachen, sie mit Nachdruck ermahnt, ihre Zuhörer zu einer wachsenden Teilnahme am eucharistischen Opfer anzuspornen; und erst neulich haben Wir in der Absicht, das rechte Verständnis der liturgischen Gebete und die Erfassung ihres kostbaren Wahrheitsgehaltes zu fördern, das Buch der Psalmen, das in der katholischen Kirche einen großen Teil jener Gebete ausmacht, aus dem Urtext von neuem ins Lateinische übertragen lassen.[8]
  1. Während also diese Bestrebungen infolge ihrer heilsamen Wirkungen Uns nicht geringen Trost bereiten, fordert doch auch das Gewissen, daß Wir jene Erneuerungsbestrebungen im Auge behalten und sorgsam darauf achten, daß die Anregungen nicht ins Maßlose oder Fehlerhafte ausarten.
  1. Wenn Wir nämlich einerseits mit großem Bedauern feststellen, daß in verschiedenen Ländern der Sinn für die heilige Liturgie, ihre Kenntnis und ihr Studium gelegentlich ungenügend sind oder fast ganz fehlen, so müssen Wir anderseits mit Besorgnis, ja mit Furcht wahrnehmen, wie einige allzu neuerungssüchtige Leute vom Weg der gesunden Lehre und der Klugheit abweichen. Den Plänen und Bestrebungen zur Erneuerung der Liturgie, an die sie herantreten, mischen sie häufig Auffassungen bei, die in der Theorie oder Praxis diese heilige Sache gefährden und bisweilen mit Irrtümern behaften, die den katholischen Glauben und die aszetische Lehre berühren. Reinheit des Glaubens und der Sitte muß aber die hauptsächlichste Richtlinie dieser heiligen Wissenschaft sein, die mit der weisen Lehre der Kirche in allem übereinstimmen soll. Es ist demnach Unsere Pflicht, was gut ist, zu loben und zu empfehlen, was aber vom rechten Weg abweicht, in Schranken zu halten oder zu verwerfen. Es sollen jedoch die Säumigen und Lässigen nur nicht meinen, Wir wären mit ihnen zufrieden, weil Wir die Irrenden tadeln und die Allzukühnen zügeln; noch sollen die Unklugen es als Lob für sich deuten, wenn Wir die Nachlässigen und Zauderer zurechtweisen. Wenn Wir in Unserem Rundschreiben hauptsächlich von der lateinischen Liturgie sprechen, so geschieht das nicht, weil Wir die ehrwürdigen Liturgien der Ostkirche weniger schätzten; ihre Riten, durch alte und kostbare Urkunden überliefert, sind Uns ebenso teuer; das geschieht vielmehr wegen der besonderen Verhältnisse der abendländischen Kirche, die so geartet sind, daß sie das Eingreifen Unserer Autorität notwendig zu machen scheinen.

[8] Vgl. Pius XII., Motu proprio In cotidianis precibus vom 24. März 1945. AAS XXXVII (1945) 65-67.

Pius XII, Mediator Dei. Einleitung. (2) Der Hohepriester Jesus Christus. Das Priesteramt der Kirche.


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Was ist die wahre Barmherzigkeit? „Das Menschengeschlecht mit übernatürlichen Wohltaten zu überhäufen“, d.h. ihnen die Teilnahme am trinitaren Leben Gottes zu geben. Wozu dient die Liturgie? Eben dazu, die Menschen in das übernatürliche göttliche Leben einzutauchen. Die Liturgie ist ja nicht nur die reale Gegenwart des eucharistischen Christus, sondern die Fortsetzung seiner Mission, denn er selbst ist es, der durch die Hände des Priesters segnet, konsekriert, durch seinen Mund das Evangelium liest und verkündet. All diese Priesterzentriertheit des wahren katholischen Ritus rührt daher, dass der Priester in persona Christi also wortwörtlich an Christi statt in der Liturgie und außerhalb natürlich auch handelt. Tja, ihr lieben Geistlichen, die ihr uns lest, so ist es nun mal. Diese Würde schafft Pflichten und ein viel härteres Strafgericht. Die Hölle soll ja mit den Köpfen der schlechten Priester gepflastert sein. Einige werde es selbst erfahren, ob es stimmt.

Einleitung:

  1. Der Hohepriester Jesus Christus, 212.

  2. Das Priesteramt der Kirche, 213-214.

212. Der Mittler zwischen Gott und den Menschen[1], der Hohepriester, der die Himmel durchmessen, Jesus, der Sohn Gottes[2] hat das Werk der Barmherzigkeit auf sich genommen, das Menschengeschlecht mit übernatürlichen Wohltaten zu überhäufen. Seine Absicht war es dabei zweifellos, die zwischen dem Menschen und seinem Schöpfer durch die Sünde gestörte Ordnung wiederherzustellen und die unglückliche, durch die Erbschuld belastete Nachkommenschaft Adams dem himmlischen Vater, dem Ursprung und letzten Ziele aller Geschöpfe, wieder zuzuführen. Deshalb verkündete er während seines Wandels auf Erden nicht allein den Anbruch der Erlösung und erklärte das Gottesreich für gekommen, sondern er trachtete, durch beständiges Beten und Opfern das Heil der Seelen zu erwirken, bis er schließlich am Kreuze sich als makelloses Opfer Gott darbot, um unser Gewissen von toten Werken zu reinigen, damit wir dem lebendigen Gott dienen könnten.[3] So wurden alle Menschen vom Weg, der zu ihrem völligen Verderben führte, zu ihrem Glück zurückgerufen und Gott wieder zugeführt; durch das persönliche Mitwirken eines jeden zur Erlangung der eigenen Heiligkeit, die dem Blute des unbefleckten Lammes entsprießt, sollten sie Gott die ihm gebührende Ehre erweisen.

213. Der göttliche Erlöser wollte, dass das Priesterleben, das er in seinem sterblichen Leibe durch sein Gebet und Opfer begonnen hatte, durch die Jahrhunderte in seinem mystischen Leibe, der Kirche, ununterbrochen weitergeführt werde. Daher setzte er ein sichtbares Priestertum ein, damit an jedem Ort ein reines Speiseopfer dargebracht werde[4] und so die Menschen vom Aufgang bis zum Niedergang, befreit von der Sünde, dem Ruf des Gewissens folgend, frei und willig Gott dienten.

214. Die Kirche führt also, getreu dem von ihrem Stifter erhaltenen Auftrag, das Priesteramt Jesu Christi vor allem durch die heilige Liturgie weiter. In erster Linie tut sie dies am Altare, wo das Kreuzesopfer ständig dargebracht[5] und erneuert wird,[6] wobei einzig die Art der Darbringung verschieden ist; dann durch die Sakramente, besondere Mittel, durch welche die Menschen des übernatürlichen Lebens teilhaftig werden; endlich durch den Lobpreis, der täglich dem allgütigen und allmächtigen Gott dargebracht wird. „Welch wundervolles Schauspiel – sagt Unser Vorgänger ehrwürdigen Andenkens Pius XI. – bietet dem Himmel und der Erde die betende Kirche, wenn ohne Unterlass Tag und Nacht die unter göttlicher Eingebung geschriebenen Psalmen auf Erden gesungen werden; wenn keine Stunde des Tages gezählt wird, die nicht durch ihre eigene Liturgie geweiht wäre; wenn jedes Lebensalter seine Rolle hat beim Dank-, Lob-, Bitt- und Sühnegebet, diesem gemeinsamen Flehen des mystischen Leibes Christi, der Kirche“ [7].

 

[1] 1 Tim. 2, 5.

[2] Vgl. Hebr. 4,14.

[3] Vgl. Hebr. 9,14.

[4] Vgl. Mal. 1, 11.

[5] Vgl. Konzil von Trient, Sess. XXII, c. 1. Denzinger Nr. 938.

[6] Vgl. Konzil von Trient, Sess. XXII, c. 2. Denzinger Nr. 940

[7] Pius XI., Rundschreiben Caritate Christi compulsi vom 3. Mai 1932. AAS XXIV (1932) 185. Vgl. HK Nr. 1005.

 

 

Pius XII, Mediator Dei. Inhaltsangabe (1)


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Natürlich ist es kein Kunststück fertige Enzyklika aus dem Internet auf dem eigenen Blog zu veröffentlichen, um damit die Zeit zwischen den eigenen Beiträgen zu überbrücken. Dennoch ist es legitim, da der Schreiber dieser Zeilen in der nahen Zukunft noch weniger Zeit für diesen Blog haben wird, als er ohnehin schon hat. Will man aber zum rechten Verständnis der katholischen Liturgie gelangen, so muss man einen Punkt voraussetzen, an dem sie noch als solche erkennbar war. Diesen Ausgangspunkt kann das Jahr 1962 und die liturgische Konstitution Sacrosanctum Concilium nicht bieten, da die Kirchengeschichte 1962 weder überhaupt, noch neu angefangen hat, sondern die Fortsetzung des Bisherigen darstellt beziehungsweise darstellen sollte. Die Enzyklika Mediator Dei stellt das vollste, vorkonziliare Liturgieverständnis dar und eigentlich das katholische Liturgieverständnis an sich, ohne das die konziliaren Versänderungen gar nicht begreifbar wären. Diese Enzyklika ist als Ganzes nicht außer Kraft gesetzt worden, sondern nur diejenigen Teile, welche durch das Vaticanum II und die spätere Entwicklung formal oder nicht abrogiert worden sind, haben ihre Gültigkeit verloren – zum großen Nachteil, wie wir jetzt alle sehen. Zwar ist Mediator Dei bekannt und man kann sie auch woanders nachlesen, aber das kann man bei Kardinal Bona und Augustin Poulain SJ ja auch, nur niemand tut es. Wir wollen diese Enzyklika hier, abschnittsweise mit eigenen Kommentaren versehen, neben anderen Publikationen vorstellen, um den Leser zur Fülle des katholischen Liturgieverständnisses zu führen. Denn jemand muss es ja tun. Zuerst die Inhaltangabe der recht, für vorkonziliare Begriffe, umfangreichen Schrift, welche aus einer Zeit stammt, als das Lehramt kurz und bündig zu schreiben wußte.

Rundschreiben Papst Pius‘ XII.

vom 20. November 1947

MEDIATOR DEI ET HOMINUM

über die heilige Liturgie

Lateinisch in: AAS 39 (1947) 521-595

Der folgende deutsche Text wurde übernommen aus: Anton Rohrbasser (Hrsg.), Heilslehre

der Kirche: Dokumente von Pius IX. bis Pius XII., Freiburg in der Schweiz 1953, S. 133-209.

Die Zahlen zu Beginn eines jeden Absatzes verweisen auf die Nummerierung in diesem Sammelwerk. Daraus stammt auch die folgende Inhaltsübersicht der Enzyklika. Irrtum vorbehalten.

  Inhaltsangabe

 

Einleitung:

1. Der Hohepriester Jesus Christus, 212.

2. Das Priesteramt der Kirche, 213-214.

3. Die liturgische Bewegung der Gegenwart, 215-218.

4. Versäumnisse und Übertreibungen, 219-220.

 

I. Wesen, Ursprung und Entfaltung der Liturgie

1. Liturgie als Gottesdienst, 221-223.

a) Gottesverehrung durch Jesus Christus, 224-225.

b) Gottesverehrung durch die Kirche, 226-227.

c) Definition der Liturgie, 228.

d) Die Liturgie im Laufe der Zeiten und im Menschenleben, 229-230.

 

2. Innere und äußere Gottesverehrung, 231-232.

a) Einseitige Überbetonungen, 233-235.

b) Notwendigkeit der persönlichen Frömmigkeit, 236-238.

c) Früchte echter Frömmigkeit, 239-240.

d) Einklang zwischen dem inneren und äußeren Element, 241-242.

 

3. Regelung durch die kirchliche Hierarchie:

a) Hierarchie und Priesteramt der Kirche, 243-245.

b) Liturgie und Glaube, 246-249.

 

4. Entfaltung und Entwicklung der Liturgie:

a) Göttlicher und menschlicher Anteil, 250-251.

b) Ursachen der fortschreitenden Umgestaltung, 252-256.

c) Gründung der Ritenkongregation, 257.

d)   Oberste Autorität in liturgischen Belangen, 258-259.

e) Liturgische Sprache, 260.

f) Alte und neue Formen, 261-264.

 

II. Der eucharistische Kult

1. Das Wesen des heiligen Meßopfers, 265.

a) Erneuerung und Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers, 266-272.

b) Unendlicher Wert des Opfers, 273-274.

c) Notwendigkeit persönlicher Teilnahme, 275-276.

 

2. Die Teilnahme der Gläubigen, 277.

a) Abgrenzung der priesterlichen Vollmacht, 278-280.

b) Das allgemeine Priestertum der Gläubigen, 281-289.

c) Selbsthingabe als Mitvollzug, 290-294.

d) Mittel zur Förderung der Opferteilnahme, 295-300.

 

3. Die heilige Kommunion:

a) Als wesentlicher Bestandteil des Meßopfers, 301-303.

b) Sakramentale und geistige Kommunion, 304-306.

c) Empfang innerhalb der Messe, 307-308.

d) Sinn und Segen der Danksagung, 309-313.

 

4. Anbetung Christi im Altarssakrament:

a) Die Gegenwart Christi nach Glauben und Überlieferung, 314-315.

b) Entwicklung des eucharistischen Kultes, 316-317.

c) Jesus im Sakrament ist der geschichtliche Christus, 318.

d) Der eucharistische Segen, 319-320.

 

III. Breviergebet und Kirchenjahr

1. Sinn und Herkommen des kirchlichen Stundengebetes, 321-322.

a) Das immerwährende Gebet der Kirche, 323-325.

b) Sammlung und Andacht, 326-327.

c) Gehalt der Psalmen, 328-329. d) Teilnahme der Laien und Sonntagsheiligung, 330-332.

 

2. Sinn und Gehalt des Kirchenjahres, 333.

a) Die heiligen Zeiten und Feste, 334-340.

b) Widerlegung moderner Irrtümer, 341-343.

c) Fortleben Christi im Kirchenjahr, 344-345.

 

3. Heiligen- und Marienfeste, 346-350.

 

IV. Pastorale Weisungen

1. Die außerliturgischen Andachten, 351.

a) Wert und Berechtigung, 352-353.

b) Oftbeichte, geistliche Übungen und Volksandachten, 354-358.

c) Warnung vor Zersetzung und Zersplitterung, 359-360.

 

2. Die liturgische Bewegung, 361.

a)       Die sakralen Künste:

aa) Schönheit des Gotteshauses

bb) Choral, moderne Musik und Volksgesang, 363-366.

cc) Architektur, Bildhauerei und Malerei, 367-368.

b)       Liturgische Volksbildung, 369-372.

c)       Warnung vor Irrtümern, 373.

Schlußwort und Segen

Auswertung der Liturgie, 374.

Prüfet alles; was gut ist, behaltet ! 375-376.