Dom Prosper Guéranger OSB – Leben und Werk (7)


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Dom Prosper Guéranger – ein wahrer Liebhaber der Liturgie

Da es sich mit der Liturgie so verhält, dass nur derjenige sie verstehen kann, der sie liebt und lebt und nur derjenige sie leben und lieben kann, der sie versteht, so ist niemand mehr dafür qualifiziert über Liturgie lehren und zu schreiben als ein Benediktinermönch für den Liturgie alles ist und alles zur Liturgie wird. Sehr treffend schreibt Martin Mosebach über seinen Aufenthalt in der Abtei Fontgombault, welche auf Dom Guéranger zurückgeht, dass es dort kaum zu unterscheiden ist, wo Liturgie anfängt und wo sie endet.

Interessanterweise war Prosper Guéranger (1805-1875) ein liturgischer Autodidakt.[1] Sein Leben viel auf das Trümmerfeld des nachrevolutionären Frankreichs, wo er 1827 zum Diözesanpriester geweiht wurde. 1833 beschloss er mit fünf Gefährten die Abtei Solesmes anhand der Regel des St. Benedikt zu erneuern.[2] Ab 1830 entfaltete er eine reiche schriftstellerische Tätigkeit, bald darauf wurde er zum Abt von Solesmes und 1837 zum Generalsoberen der künftigen, noch zu reformierenden französischen Benediktinerkongregation, ernannt. Er führte also ein Leben eines liturgischen und monastischen Pioniers und es scheint, dass derjenige, der den Geist der benediktinischen Liturgie in Frankreich wieder auferweckte sich das meiste selbst beibringen musste, da er keine Meister fand, die ihn bildeten oder aber ihn verbilden konnten.

Sein literarisches Werk ist absolut imposant, was sein Ausmaß und seine Gelehrsamkeit anbelangt. Zwei seiner Werke Institutions liturgiques – „Liturgische Vorschriften“ (3 Bände, le Mans/Paris 1840-1851, erweiterte Neuauflage, 4 Bände, Paris 1878-1885) und L’Année liturgique – „Das Kirchenjahr“ in 15 Bänden (autorisierte Übersetzung, Mainz [Franz Kirchheim & Co.] 1874-1902) gehören zu den Klassikern der Liturgiewissenschaft und bleiben bis heute wohl unübertroffen.

In der deutschen Sprache erschienen neu in der letzten Zeit:

  • „Die gaben des Heiligen Geistes“ (Les dons du Saint Esprit, Übersetzung von Ludwig Reuter, Solesmes [La Frodfontaine, Éd. De Solesmes,] 2003);
  • „Die Erklärung der Gebete und Zeremonien in der heiligen Messe“ (Explication des prières et des cérémonies de la sainte messe, Stuttgart [Sarto] 2004);
  • „Anmerkungen zum Ordens- und Klosterleben“ (Notions sur la vie réligieuse et monastique, hrsg. Von Cyrill Schäfer, Sankt Ottilien [EOS] 2009);
  • „Einführung in das liturgische Jahr“ (Introducion à l’année liturgique, übers. von Wilhelm Hellmann, Sankt Ottilien [EOS] 2014);
  • außerdem liegt vor die deutschsprachige Übersetzung seiner Biografie von Guy-Marie Oury (Dom Prosper Guéranger – moine au coeur de l‘Église) unter dem Titel „Dom Proster Gueranger 1808-1875 – ein Mönch im Dienst für die Erneuerung der Kirche“, übers. von W. Hellmann, Heiligenkreuz im Wienerwald (Be&Be) 2013.[3]

Viele seiner Werke sind außerdem auf Englisch und Französisch im Internet zu finden.[4] Dom Guéranger bekämpfte jeglichen antiliturgischen Geist, besonders jenen jansenistischen Ursprungs. Seine Schriften haben nicht nur zu einer wahren liturgischen Erneuerung in Frankreich und eigentlich in ganz Europa des 19 Jhtds. beigetragen, sie stellten auch die Fundamente für die liturgische Reform des Pius X dar. Wie wir wissen haben sich leider seine Ansichten auf die Dauer nicht durchsetzen können, da die liturgische „Linke“ vom Schlage Jungmanns, Casels und ihrer Schüler überhandnahm und die Päpste angefangen vom Pius XII. (vielleicht auch früher) beeinflusste. Was macht aber eigentlich den Unterschied zwischen Dom Prosper Guéranger und Jungmann et alia. aus? Guéranger kämpfte für mehre Liturgie, die anderen für weniger. Für Dom Guéranger ist Liturgie ein wahrhafter Kult Gottes, in welchem der Mensch Gott das wiedergibt, was Gott rechtens zusteht. Die Religion ist also, wie die vorkonziliaren Fundamentaltheologien lehren, vornehmlich ein Akt der Gerechtigkeit. Für die liturgische „Linke“ ist hingegen Liturgie, vereinfacht ausgedrückt, ein Treffen der Menschen, welche etwas miteinander organisieren und miteinander erleben. Während in der ersten Perspektive das eigentliche Ziel der kultischen Handlung Gott ist, so ist in der zweiten das eigentliche Ziel der Mensch. Und daher soll die Liturgie, nach Ansicht der „Reformatoren“, etwas für Menschen sein, d.h. kurz, bequem, zeitgemäß usw.

Diese Diskrepanzen der beiden Zugänge zur Liturgie machen nicht nur die Spannungen, sondern einfach die Widersprüche aller nachkonziliaren Dokumente von Sacrosanctum Concilium aufwärts aus. Man muss an dieser Stelle auch sagen, dass die Perspektive von Dom Prosper Guéranger grundkatholisch, die andere hingegen von Grund auf protestantisch ist. Da Gott unveränderlich ist, sagt Dom Guéranger, so ist der Kult, den in der Mensch zollt ebenfalls in seinem Wesen unveränderlich. Da der Mensch veränderlich ist und er die Zeiten ändert, so ist die Liturgie auch veränderlich, dass sie sich dem veränderlichen Menschen angleichen muss, würden die Schüler von Jungmann sagen. Die Enzyklika Mediator Dei stellt die beiden Momente der Veränderlichkeit und der Angepasstheit sowie der Unveränderlichkeit der Liturgie sehr gut dar. Man muss aber auch wirklich sagen, dass während die Liturgie bis zum Vatikanum II im Laufe der Jahrhunderte sich wirklich sehr geringfügig änderte, so ist sie seit nur 50 Jahren, in einem Zeitraum der nur 2,5% der gesamten Kirchengeschichte ausmacht, einem permanenten Wandel unterworfen, der niemandem gut tut, da die Menschen vor solch einer Liturgie einfach davonlaufen. Daher beträgt der durchschnittliche Gottesdienstbesuch am Sonntag in Frankreich 2 % und in Deutschland 9,8 % und er fällt weiterhin. Interessanterweise hat Dom Prosper Guéranger den liturgischen Niedergang, welcher aus falschen Prämissen resultiert, gleichsam prophetisch vorausgesehen. Wie wir sehen werden ist seine Analyse wirklich meisterhaft.

[1] http://www.solesmes.com/GB/entree.php

[2] http://www.solesmes.com/GB/entree.php

[3] Mehr Informationen zum Schrifttum des Abtes Guéranger, P., St. Benediktusbüchlein. Die Medaille des Heiligen Benedikt, Stuttgart: Sarto 2015, 7-14.

[4] http://www.abbaye-saint-benoit.ch/gueranger/institutions/index.htm

Dom Prosper Guéranger OSB – Leben und Werk (6)


Fall Of The Rebel Angels

Nachkonziliare Liturgie als die Umkehrung der heilsbringenden Routine (2)

Da es sich aber in Deutschland, entgegen den liturgischen Vorschriften eingebürgert hat,[1] statt die vorgeschriebenen Texte des Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Agnus Dei zu beten oder zu singen verschiedene Lieder, je kürzer desto besser, zu verwenden, so kann man die oben genannte Zahl von 516.096.000 wirklich beliebig nach oben erweitern, um das Ganze wirklich ad absurdum zu führen. Man kann aber wirklich sagen, dass den deutschen Priestern die Liturgie wirklich ganz gleichgültig ist. Hauptsache sie selbst stehen im Mittelpunkt, die Pastoralassistentinnen und die engagierten Laien und vor allem die Kinder sind beschäftigt und das Restpublikum „macht mit“, d.h. ist gut unterhalten. Die Liturgie wird also zu einer Art Mannschaftssportart, bei der niemand ausgeschlossen werden darf, da sie ein „Gemeinschaftserlebnis“ darstellt. Das Argument auch bei den frommsten Priestern lautet: „Wenn ich es mache, dann ist es richtig“. Es lautet niemals: „Weil es richtig ist, darum mache ich es richtig.“ Natürlich hat diese narzisstisch-subjektive Sicht der Liturgie weder etwas mit der vorkonziliaren noch mit der nachkonziliaren Sicht der Liturgie zu tun, was man auch anhand der nachkonziliaren Enzyklika und Vorschriften leicht beweisen kann. Aber es interessiert hier niemanden, es geht um das „Miteinander“.

Es bleibt an dieser Stelle festzuhalten, dass ein Gläubiger bei der Neuen Messe niemals die segensreiche Routine, welche erst einen Tiefgang ermöglicht, erleben kann, da die liturgischen Vorschriften sie einfach nicht vorsehen. Geht man auch in die Messe zu einem Priester, der immer auf die gleiche Art und Weise zelebriert, so hat man auch nicht den Jahresrhythmus, da die Sonntags- und die Wochentagslesungen zyklisch wechseln. Es ist wirklich eher unwahrscheinlich, dass man einem Priester oder eine Ordensschwester treffen kann, welche, obgleich sie seit 1970 die neue Messe täglich erleben, auswendig sagen können, welche Lesungen beispielsweise am vierten Sonntag im Jahreskreis des Zyklus B vorgesehen sind. Und an diesen ständigen Änderungen kann man, will man und muss man nach den Novus Ordo Rubriken zelebrieren, wirklich nichts machen. Denn es gibt keine Rubriken! Das letzte Mal wurden die liturgischen Vorschriften unter Johannes XXIII. Im Jahre 1960 für die Alte Messe kodifiziert und stellten ein geltendes Kirchenrecht dar.[2] Während das alte Kirchenrecht (1917) recht umfangreich auch liturgische Vorschriften enthielt, so sind diese im neuen Kirchenrecht (1983) kaum vorhanden. Man muss einfach feststellen, dass von Rom aus kein Wille besteht die Neue Messe verbindlich zu kodifizieren und liturgische Vorschriften verbindlich und eindeutig festzusetzen, woran die Enzykliken Ecclesia de Eucharistia und Redemptoris sacramentum auch nichts ändern.

Da keine Sanktionen drohen, so ist es nicht weiter verwunderlich, dass Priester im Allgemeinen und die deutschen Priestern im Besonderen sich an keine liturgischen Vorschriften halten. Ein Pfarrer in einer deutschen Diözese gab im Gespräch mit dem Schreiber dieser Zeilen seinem Erstaunen Ausdruck, dass es schon die dritte normative Einführung in das Messbuch gibt. Dann erinnerte er sich dunkel daran, dass irgendetwas bei der Priesterfortbildung darüber gesagt wurde, er fand aber die römischen Argumente dermaßen „wenig überzeugen“, dass er zu der Entscheidung kam sich an sie nicht halten zu müssen. Wie es bei „seinen“ Messen aussieht, können wir uns alle denken. An diesem Beispiel sieht man die Konsequenzen der pastoralen und subjekttheoretischen Wende in der Theologie und der Priesterausbildung, welche dazu geführt hat, dass jeder das macht, was er für richtig hält und was am bequemsten für ihn ist.

Natürlich ist diese liturgische Abscheu vieler Zelebranten moralisch und spirituell begründet. Man lebt unmoralisch und man verfügt über kein geistliches Leben und deswegen wählt man diejenigen Optionen, welche einen am wenigsten belasten. Zeige mir also, wie Du zelebrierst und wie Du betest und ich sage Dir, wer du bist. Man kann daran aber glücklicherweise erkennen, dass auch die Neue Messe über ein geistliches Potenzial verfügt, sonst würden manche Geistliche sie nicht dermaßen meiden. Die höchst empfohlene tägliche Zelebration der Messe (Kan. 276 § 2: „die Priester sind daher nachhaltig eingeladen (enixe invitatur), täglich das Eucharistieopfer darzubringen“, CIC 1983) wird kaum eingehalten. Bei der auch wirklich absolut notwendigen Sonntagszelebration hingegen wird die „abgespeckteste“ Version gewählt, d.h. meistens das Zweite Hochgebet (das Kürzeste) oder das Fünfte („Jesus, unser Bruder“), niemals das Erste. Man braucht hier bei wirklich keine besondere Gabe der Geistesunterscheidung anzuwenden, denn die schweren Sünder haben einen sehr guten sensus fidei (Glaubenssinn), nur einen umgekehrten. Daher kann man mit großer Gewissheit sagen, dass die „Macher“ der Neuen Messe, sowie die nachkonziliaren Liturgiekommissionen ganz genau wussten, was sie taten. Sie haben einfach all das weggenommen oder auf dem Papier in Optionen beibehalten, was sie selbst, bzw. die Kräfte, welche sie inspirierten, am meisten spirituell störte. Denn zu solch einer genialisch-zerstörerischen Voraussicht ist wirklich kein Mensch fähig.

[1] Laut Allgemeine Einführung in das römische Messbuch, Editio Typica 3a, Vatikan 2002. Es handelt sich um die folgenden Vorschriften: Bußakt/Kyrie- 51, Gloria – 53, Credo – 67, Sanctus – 151. Nachzulesen http://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/veroeffentlichungen/arbeitshilfen/AH_215.pdf

[2] Siehe “Rubricae Breviarii et Missalis Romani”, Acta Apostolicae Sedis 52 (1960) 597-729.

Dom Prosper Guéranger OSB – Leben und Werk (5)


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Nachkonziliare Liturgie als die Umkehrung der heilsbringenden Routine (1)

Da also die Liturgie ein subjektiv-objektives Eintauchen in eine objektive göttliche Wirklichkeit darstellt, daher ist im liturgischen Vollzug, welcher den Übergang vom Subjektiven ins persönlich Objektive darstellt, alles wichtig. Da der Mensch kein reiner Geist ist, so braucht er bestimmte, in einer langen Tradition erprobte, Hilfsmittel. Dies ist auch die Sicht des tridentinischen Konzils, welches über die Zeremonien beim Meßopfer folgendes schreibt:

„Und da die Natur des Menschen so beschaffen ist, dass sie sich nicht leicht ohne äußere Hilfsmittel zur Betrachtung der göttlichen Dinge erheben kann, deswegen hat die gütige Mutter Kirche bestimmte Riten eingeführt, nämlich dass in der Messe einiges mit leiser, anderes mit lauter Stimme gesprochen werden soll; desgleichen verwandte sie aufgrund der apostolischen Lehre und Überlieferung Zeremonien, die geheimnisvolle Segnungen, Lichter, Weihrauch, Gewänder und viele der andere Derartige; einerseits sollte dadurch die Erhabenheit dieses so großen Opfers hervorgehoben werden, andererseits sollten die Gemüter der Gläubigen durch diese sichtbaren Zeichen der Religion und Frömmigkeit zur Betrachtung der höchsten Dinge, die in diesem Opfer verborgen liegen, angeregt werden.“ [1] (DH 1746)

Darum ist es nicht verwunderlich, dass in der Neuen Messe, besonders wie sie in Deutschland zelebriert, bzw. nicht zelebriert wird, das Gefühl der Erhabenheit sich nicht einstellen will. Dieses will sich deswegen nicht einstellen, weil die legitimen, liturgischen Mittel weggenommen worden sind und neue Mittel, sprich die Pastoralassistentin auf der Ambo oder die kreativen Miteinander-Kindergottesdienste, ausschließlich Aggression und Frustration hervorbringen. Leider muss man, bei aller Liebe zu der real existierenden Kirche und dem real existierenden Lehramt, sagen, dass dieses liturgische Chaos, von der höchsten Stelle nicht nur toleriert, sondern gewollt ist. Denn die neue Messe kann man, aufgrund der vielen vorgesehenen Optionen, ganz legal auf ganz verschiedene Art und Weise zelebrieren. Auf wie viele Weisen genau? Ein Blogger aus Polen hat es ausgerechnet und ist zu der imposanten Zahl von 516.096.000 (516 Millionen 96 Tausend!) für die Messen in Polen gekommen.[2] Diese Zahl ergibt sich aus den folgenden Optionen, wie sie in Polen gelten:

  • Begrüßung – 5 Varianten
  • Bußakt – 4 Varianten
    • Die dritte Variante des Bußaktes – 11 Anrufungen frei wählbar
    • Insgesamt: 11 Varianten Bußaktes
  • Kyrie – 2 Varianten (sogar 3, da bei der Verwendung des dritten und vierten Bußaktes das Kyrie entfällt)
  • Credo – 2 Varianten (sogar 3, wenn in der Messe die Taufe gespendet wird)
  • Fürbitten – 4 Varianten (angeblich gibt es mehr)
  • Gabenbereitung – 2 Varianten
  • Präfation – 10 Varianten
  • Eucharistische Hochgebet – 18 Varianten (in Polen, woanders mehr oder weniger)
  • Doxologie – 2 Varianten
  • Einführung zum Vater Unser – 8 Varianten
  • Domine, qui dixisti (Herr, der Du gesagt hast, meinen Frieden) – 5 Varianten
  • Gebet vor der Kommunion – 2 Varianten
  • Aussendung – 2 Varianten

Die Neue Messe kann man also in Polen (grob geschätzt) legal auf 5x4x14x2x2x4x2x10x18x2x8x5x2x2 = 516.096.000 Weisen zelebrieren.

Für Deutschland muss diese Zahl noch weiter erhöht werden, da man hierzulande legal über zwölf Hochgebete (Polen 18) und 78 Präfationen verfügt. Siehe die nachfolgenden Tabellen:

Präsentation1

Präsentation1(1)Die „antideutschen“ Untertöne, die hier vielleicht herauszuhören sind, sind nicht antideutsch, sondern theologisch-katholisch motiviert. Die Katholische Kirche in Deutschland ist theologisch und moralisch in solch einem desolaten Zustand, welchen die Vorbereitungen der DBK zur Herbstsynode zweifelsfrei offenlegen, dass man wirklich die deutschen Katholiken nur bemitleiden kann. Denn sie haben nicht mehr eine konservativ-tragende Volksfrömmigkeit, von welcher die Osteuropäer noch zehren. Theoretisch, was die Stuktur, das Vermögen, die Organisation, das akademische Niveau und die nun wirklich großzügigien Konkordate in Deutschland anbelangt, so könnte es hierzulande wirklich sehr gut aussehen, da es aber die Verantwortlichen (siehe dies Kasper-Fraktion) seit mindestens 50 Jahren wirklich anders haben wollen, so sieht es wirklich so desolat aus, wie es ist. Denn wenn ein gutes System in die Hände von falschen Leuten gerät, so wendet sich seine Qualität gegen ihn selbst.

[1] Konzil von Trient, 22. Sitzung, 17. Sept. 1562, Lehre und Kanones über das Meßopfer, Kap.5.

[2] http://breviarium.blogspot.de/2007/05/chaos-liturgiczny.html

Dom Prosper Guéranger OSB – Leben und Werk (4)


carreno-de-miranda

Liturgie wirkt

Spricht man aber von der Wirkung der Liturgie, welche über eine psychologische, eine soziologische oder eine katechetische Wirkung hinausreicht, so wird man schnell eines ‚magischen Denkens‘ bezichtigt. Der Vorwurf des magischen Verständnisses der Sakramente stammt zwar aus der Schatztruhe der Reformatoren, lebte leider in der nachkonziliaren Theologie wieder auf. Wir wollen diese Thematik an einer anderen Stelle behandeln. An dieser Stelle lässt sich dazu so viel sagen, dass Magie tatsächlich Liturgie mit umgekehrten, denn dämonischen, Vorzeichen ist. In der Magie glaubt man durch die präzise Einhaltung der „magischen Rubrizistik“ mithilfe der dämonischen Wesenheiten, die von den Magiern und Esoterikern als real existent angenommen werden, etwas präzise und technisch bewirken zu können und damit die Wirklichkeit zu beeinflussen. In der wahren Liturgie jedoch hofft man durch die präzise Einhaltung der liturgischen Rubrizistik auf diese Weise Gott den gottgewollten Kult darzubringen und auf diese Art und Weise von Gott etwas zu erbitten. Man hat aber, nach dem katholischen Verständnis, auch durch die wahre Liturgie auf Gott keinen Einfluss. Gott bleibt Gott und Mensch bleibt Mensch. In der Magie hingegen ist der Mensch Gott, wozu er sich zuerst unwissentlich, dann aber wissentlich der Dämonen bedient, während sie sich in Wahrheit seiner bedienen. Die Beiträge auf vielen esoterischen Foren sowie auf Seiten über katholische Exorzismen[24] lehren uns, dass diese Begebenheiten durchaus real sind.

Verrichtet man also die gottgewollte Liturgie nicht oder man tut es nachlässig, so

  • beleidigt man Gott, weil man ihm den gebührenden Kult verweigert,
  • man erbittet viel weniger Gnadengabe für die Kirche und die Welt,
  • und man heiligt schließlich viel weniger sich selbst, indem man sich selbst um viele Gnadengaben bringt.

Erst aus diesem Hintergrund heraus wird verständlich, warum Liturgie so wichtig ist. Sie ist deswegen wichtig, weil sie die geistige Speise, im spirituellen, moralischen aber auch intellektuellen Sinne, darstellt, da wir erst mit ihrer Hilfe zum Verständnis und Ansicht der göttlichen Dinge kommen. Daher die Notwendigkeit des liturgischen Gebetes bei den geistlichen Ständen, damit sie den übrigen das weitergeben können, was sie „dort geschaut haben“, um es ein wenig platonisch auszudrücken. Und deswegen hatte die letzte Liturgiereform eine dermaßen verheerende Wirkung gerade auf die Geistlichen und die Ordensleute.[25] Andererseits weiß man aber, dass diejenigen, die am meisten sündigen und sich somit im Reich der Dunkelheit aufhalten, auch am meisten das Heilige und das Liturgische scheuen. Von einer immer größer werdenden Anzahl der Besessenen weiß man, dass diese Menschen wirklich die größten und ungewollten Probleme damit haben überhaupt die Schwelle einer Kirche zu betreten, geschweige denn dort längere Zeit auszuhalten. Psychiatrie ist in diesen Fällen machtlos, da die Betroffenen psychisch gesund sind. Helfen können dabei nur Exorzismen, wie sie beispielsweise in Italien aber auch in Polen immer selbstverständlicher praktiziert werden. Auch von normalen Menschen weiß man, dass sie nach der Sünde das Liturgische scheuen und meistens ein Taedium (Unwille, Abscheu) der religiösen Praxis gegenüber von einer lang anhaltenden, unmoralischen Lebensweise herrührt.

Man braucht sich bloß die offene liturgische Haltung unserer Priester anzuschauen, so weiß man auch gleich um ihr verborgenes Privatleben. Denn das Innere kommt nach außen und das Äußere kommt nach innen. Wenn man also Liturgie lebt, dann liebt man sie, wenn man sie aber nicht lebt, dann beginnt man sie zu hassen.

Eigentlich ist diese oben dargestellte Sichtweise des liturgischen Objektivismus gar nicht so lebensfern und durchaus leicht nachvollziehbar. Denn ist Gott real, so ist auch die Liturgie, der Ort der Gottesbegegnung, real. Jeder kann dies entdecken, der die Liturgie praktiziert und zwar je mehr, desto besser. Und da Dom Prosper Guéranger als Benediktiner der Liturgie leibte und lebte, so ist es die weiter verwunderlich, dass er zu seinen vielen heiligen Einsichten kann.

[24] Z. B. http://exorcismus.org/category/de-deutsch/exorzismen-und-exorzist/

[25] Siehe unseren Beitrag https://traditionundglauben.wordpress.com/2015/05/21/kommt-ihr-tochter-helft-mir-klagen-wo-sind-die-fruchte-des-konzils-2-weniger-priester/

Dom Prosper Guéranger OSB – Leben und Werk (3)


Benedict XVI, pope emer

Liturgie als Objektivität bei Ratzinger

Die Sicht von der Objektivität der Liturgie ist auch bei Kardinal Ratzinger bzw. bei  Benedikt XVI zu finden.[23] Wir wollen diese Zitate sozusagen als Hommage an die „gute, alte Zeit“ (2005-2013), ja, man muss auch für das Bisschen dankbart sein, die jäh mit seinem Rücktritt endete, hier zur Herzenserwärmung darstellen.

„Aber wo Liturgie nur selbstgemacht ist, da eben schenkt sie uns nicht mehr, was ihre eigentliche Gabe sein sollte: die Begegnung mit dem Mysterium, das nicht unser Produkt, sondern unser Ursprung und die Quelle unseres Lebens ist.“

(Aus meinem Leben, Stuttgart 1998, 172)

„Wo immer man bei liturgischen Besinnungen nur darüber nachdenkt, wie man Liturgie attraktiv, interessant, schön machen kann, ist Liturgie schon verfallen. Entweder sie ist opus Dei mit Gott als dem eigentlichen Subjekt oder sie ist nicht.“

(Benedikt XVI, Rede in Heiligenkreuz 2007)

„Ich bin überzeugt, dass die Kirchenkrise, die wir heute erleben, weitgehend auf dem Zerfall der  Liturgie beruht, die mitunter sogar so konzipiert wird, ‘etsi Deus non daretur’: daß es in ihr gar nicht mehr darauf ankommt, ob es Gott gibt und ob er uns anredet und  erhört.”

(Aus meinem Leben, Stuttgart 1998, S. 174)

„Die Kritik an der derzeitigen Liturgie ist unüberhörbar geworden. Vielen ist sie nicht mehr heilig genug. Braucht man eine Reform der Reform, um sie wieder heiliger zu machen? Zumindest braucht man wieder ein neues liturgisches Bewusstsein, damit dieser macherische Geist verschwindet.

Es ist ja auch soweit gekommen, daß sich Liturgiekrise für den Sonntag selber die Liturgie zurechtbasteln. Was hier geboten wird, ist sicher das Produkt von ein paar gescheiten, tüchtigen Leuten, die sich etwas ausgedacht haben. Aber damit begegne ich eben nicht mehr dem ganz Anderen, dem Heiligen, das sich mir schenkt, sondern der Tüchtigkeit von ein paar Leuten. Und ich merke, das ist es nicht, was ich suche. Das ist zu wenig, und ist etwas anderes. Das Wichtigste ist heute, daß wir wieder Respekt vor der Liturgie und ihrer Unmanipulierbarkeit haben.

Dass wir sie wieder als das lebendig Gewachsene und Geschenkte erkennen lernen, in dem wir an der himmlischen Liturgie teilnehmen, Daß wir in ihr nicht die Selbstverwirklichung suchen, sondern die Gabe, die uns zukommt.

Das, glaube ich, ist das erste, daß dieses eigentümliche oder eigenmächtige Machen wieder verschwinden und der innere Sinn für das Heilige erwachen muß. In einem zweiten Schritt wird man dann sehen können, in welchem Bereich sozusagen zuviel weggestrichen wurde, so daß der Zusammenhang mit der ganzen Geschichte wieder deutlicher und lebendiger werden muß. Ich selber habe in diesem Sinn von der Reform der Reform gesprochen.

Dies sollte meiner Meinung nach aber zunächst einmal vor allem ein erzieherischer Prozeß sein, der Einhalt gebietet gegenüber einem Zertrampeln der Liturgie mit Selbsterfundenem.“

(Gott und die Welt, S. 447 – 449)

Angeblich sind im frühen Ouevre von Ratzinger auch andere Passagen zu finden, aber man wird ja mit der Zeit weiser, zumal man auch die Auswirkungen seiner eigenen Theologie betrachten kann. Seien wir aber Papst Benedikt XVI vor allem für Summorum pontificum dankbar, welches auf der berühmt-berüchtigten praktisch-pastoralen Ebene eine Aushebelung und Umgehung des Vatikanum II darstellt. Dies haben viele Konservative gar nicht erkannt, die Liberalen umso mehr. Man kann aber wirklich nicht in den deutschsprachigen Ländern behaupten, dass das Summorum pontificum enthusiastisch umgesetzt wird. Denn gerät jemand zufällig in eine Alte Messe und fühlt sich von ihr angezogen, was nicht zwangsläufig geschehen muss, so beginnt er Fragen zu stellen, warum sie wenn nicht gerade verboten, dann zumindest durch die Neue Messe ersetzt worden ist. Dann folgen Fragen, nach dem Konzil, nach dem Vorher und dem Nachher usw. usw. Es stimmt also wirklich: liturgy matters, denn wäre sie gleichgültig, so würde man sie nicht bekämpfen, sondern erlauben, wenn es nichts mehr als etwas mehr „Weihrauch oder Brimborium“ ist, wie es viele alt-progressive Katholiken darstellen. Weil aber das Konzil selbst mit der Liturgiekonstitution angefangen hat, so wird vielleicht irgendwann das nachkonziliare Durcheinander mit der vorkonziliaren Liturgie enden.  Ob wir das erleben werden, steht aber auf einem anderen Blatt. Die neuesten Überlegungen von Kardinal Sarah eine Art Mischform aus der Alten und Neuen Messe zu entwickeln, scheinen in diese Richtung zu gehen, aber sie werden in einer Sackgasse enden, da sie weder von den Anhängern des Alten Ritus noch von den egozentrisch verwöhnten Priestern des Novus Ordo der mittleren oder älteren Generation akzeptiert werden würden. Den einen wird es zu alt, den anderen zu neu sein. Außerdem würde man den Gläubigen wieder eine neue Messe zumuten oder noch eine Option der Zelebration offen lassen. Es ist aber gut zu wissen, dass es einen Kardinal in einer Spitzenposition im Vatikan gibt, welcher eine objektive Sicht der Liturgie vertritt. Denn die Befürworter dieser Sicht sind mehr oder wenigen in partes infidelium (diesmal mit Accusativus directionis) verbannt worden.

[23] Mehr dazu unter http://www.summorum-pontificum.de/texte/ratzinger.shtml

Dom Prosper Guéranger OSB – Leben und Werk (2)


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Liturgie etwas Objektives für wahre Liebhaber

Wenn Plotin, in der Nachfolge Platos, diejenigen benennt, welche sich sozusagen von Haus aus für die Schau des Göttlichen qualifizieren, so nennt er den Philosophen, den Musiker und Liebhaber.[1] denn nur diese drei Menschenarten müssen aus sich heraus gehen, um mit dem Gegenstand ihrer Erkenntnis aber auch ihre Liebe eins zu werden. Dieser Gegenstand ist darüber hinaus unkörperlich oder wenig körperlich, so wie es mit der Philosophie und mit der Musik der Fall ist. Aber auch der wahre Liebhaber liebt vor allem die psychischen oder geistigen Eigenschaften der geliebten Person und nicht ihre körperlichen Vorzüge. So wenigstens ist der platonische Ansatz, wie er im Symposion dargestellt wird.

Es lässt sich also sagen, dass der Philosoph, der Musiker und der Liebhaber in eine Wirklichkeit treten, die sie selbst nicht schaffen, welche aber insofern zu ihrer eigenen Wirklichkeit wird, indem sie an ihr, als an einer objektiven Über-Wirklichkeit, teilnehmen. Und dies ist die eigentlich katholische Sicht der Liturgie. Dies ist die Sicht von Dom Prosper Guéranger. Liturgie ist vor allem das Werk Gottes (opus Dei), sie ist gleichsam eine Leiter, die Gott zu uns herunter lässt, damit wir an ihren Stufen zu Ihm emporklettern können. Diese Sicht der Liturgie enthält die Enzyklika Mediator Dei (vgl. I, 1), die Spuren davon sind auch in der Liturgiekonstitution des Vatikanum II zu finden (vgl. Sacrosanctum concilium 2).

„In der Liturgie, besonders im heiligen Opfer der Eucharistie, „vollzieht sich“ „das Werk unserer Erlösung“[2], und so trägt sie in höchstem Maße dazu bei, daß das Leben der Gläubigen Ausdruck und Offenbarung des Mysteriums Christi und des eigentlichen Wesens der wahren Kirche wird, der es eigen ist, zugleich göttlich und menschlich zu sein, sichtbar und mit unsichtbaren Gütern ausgestattet, voll Eifer der Tätigkeit hingegeben und doch frei für die Beschauung, in der Welt zugegen und doch unterwegs; und zwar so, daß dabei das Menschliche auf das Göttliche hingeordnet und ihm untergeordnet ist, das Sichtbare auf das Unsichtbare, die Tätigkeit auf die Beschauung, das Gegenwärtige auf die künftige Stadt, die wir suchen[3]. Dabei baut die Liturgie täglich die, welche drinnen sind, zum heiligen Tempel im Herrn auf, zur Wohnung Gottes im Geist[4] bis zum Maße des Vollalters Christi[5]. Zugleich stärkt sie wunderbar deren Kräfte, daß sie Christus verkünden. So stellt sie denen, die draußen sind, die Kirche vor Augen als Zeichen, das aufgerichtet ist unter den Völkern[6]. Unter diesem sollen sich die zerstreuten Söhne Gottes zur Einheit sammeln[7], bis eine Herde und ein Hirt wird[8].“

Liturgie ist also der heilige Raum der Gegenwart Gottes und daher der Raum der Gottesbegegnung. Diese Einstellung liegt nicht nur dem Stufengebet zugrunde, in welchem der Priester stellvertretend aber auch sich selbst meinend seiner Unwürdigkeit Ausdruck gibt, bevor er die heiligen Geheimnisse, an Christi statt (in persona Christi), im heiligen Raum der Liturgie und durch die Liturgie verrichtet. Interessanterweise ist die Intuition, dass es sich bei der Liturgie um einen, objektiv aufgefassten, heiligen Raum handelt auch bei Protestanten zu finden und zwar bei den Freikirchen, welche, um es ein wenig pauschal auszudrücken, ihre eigene Tradition ab ovo errichtet haben. So sagt das Kirchenlied von Jack Hayford, welches im Liederbuch von Jugend mit einer Mission zu finden ist folgendes:

            „Darf ich stehen, o Herr, in dem heil‘gen Raum,

            möcht anbeten Dich und Dein Antlitz schaun.

            Herr, verwandle mich durch Deinen Geist und Dein Wort,

            dass ich sehe den Tag deiner Macht.“[9]

Dieses Beispiel soll zeigen, dass eigentlich jeder Christ, der betet zu dieser Auffassung der Liturgie gelangt, und da die Fülle des Christentums in der katholischen Kirche zu finden ist (und nicht bloß ‚subsistiert‘), so wollen wir hoffen, dass auch die Freikirchen irgendwann diese Fülle finden werden. Liturgie ist etwas Objektives, denn im Himmel findet ununterbrochen die göttliche Liturgie statt, an welcher die kämpfende Kirche auf Erden und die leidende Kirche im Fegefeuer teilnehmen. Liturgie ist also nicht Selbstgemachtes, keine Selbstbeschäftigung einer hyperaktiven Gemeinde, sondern etwas, in das man eintaucht. Man kann aber in etwas eintauchen, wenn etwas vorhanden ist, da es, den liturgischen Vorschriften entsprechend, „gemacht“ wurde. An dieser Stelle kommen auch Menschen ins Spiel, denn Liturgie ist vorrangig das Werk Gottes (opus Dei), als das Werk Christi (opus Christi). Als solches ist sie das Werk der Kirche (opus Ecclesiae), welche als der mystische Leib Christi das Werk Christi hier auf Erden fortgeführt und schließlich und endlich das Werk des Menschen (opus hominis), welcher all das vorher Gesagte beachtend betet oder andere liturgische Handlungen (actio liturgica) vollführt.[10]

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, sagte Erich Kästner, wobei man anführen muss, dass es das Gute an sich geben muss, da ansonsten jeder das Gute selbst definieren könnte. Man kann aber auch sagen, dass es keine irdische Liturgie gibt, außer sie wird zelebriert und zwar unter Berücksichtigung aller liturgischen Vorschriften. Tut man dies nicht, so wirkt sie nicht oder sie wirkt weniger heiligend und erleuchtend. Liest man liturgische Abhandlungen, die sich kritisch und manchmal auch sehr kompetent mit der letzten Liturgiereform auseinandersetzen, so bleiben alle von uns gelesenen Autoren auf der Argumentationsebene stehen, dass die letzte Liturgiereform deswegen schlecht ist, weil sie nicht katholisch ist oder gelinder formuliert, weil sie dem vorhergehenden katholischen Liturgieverständnis vor allem dem Verständnis der Messe entgegensteht. Diese Sicht der Dinge ist beispielsweise in der Ottaviani-Intervention,[11] bei Michael Davies,[12] bei Anthony Cekada[13] oder bei verschiedenen Schriften der Pius-Bruderschaft nachzulesen.[14] Dies ist wohl wahr, aber man müsste eigentlich sagen, die neue Liturgie ist schlecht, weil sie weniger wirkt. Anders lässt sich ja der massenweise Glaubensabfall nach dem Konzil nicht erklären, als eben durch die schwächere Wirkung der nachkonziliaren Liturgie.

[1] Plotin, Enneaden I, 3; vgl. Plato, Phaedr. 248 d.

[2] Sekret des 9. Sonntags nach Pfingsten. Natürlich nach dem Messbuch von 1962 oder früher.

[3] Vgl. Hbr 13, 14.

[4] Vgl. Eph 2, 21-22.

[5] Vgl. Eph 4,13.

[6] Vgl. Is 11,12.

[7] Vgl. Joh 11, 52.

[8] Vgl. Joh 10, 16.

[9] In Deiner Nähe. Ein Liederbuch von Jugend mit einer Mission, Tübingen 19852, Nr. 37, 82.

[10] Vgl. KKK 1069, 1073, 1071.

[11] Kurze kritische Untersuchung des neuen „Ordo Missae von Kard. Ottaviani und Kard. Bacci. Auf Deutsch zu beziehen beim Sarto Verlag, auf Englisch http://www.catholictradition.org/Eucharist/ottaviani.htm und Italienisch http://www.unavox.it/doc14.htm im Netz zu finden.

[12] Davies, Michael, Pope Paul’s New Mass, Liturgical Revolution. Volume Three, Kansas City, Missouri: Angelus Press 2009.

[13] Cekada, Work of Human Hands.

[14] Eher etwas für Fachleute: The Problem of the Liturgical Reform. A Theological and Liturgical Study, Angelus Press. http://archives.sspx.org/superior_generals_news/the_problem_of_the_liturgical_reform/the_problem_of_the_liturgical_reform.pdf Auf Deutsch beim Sarto-Verlag zu beziehen. Eingängiger wird diese Thematik z.B. hier dargestellt: Katholischer Katechismus zur kirchlichen Krise, Der neue Meßritus, Jaidhof: Rex Regum 2012, 111-136.

Dom Prosper Guéranger OSB – Leben und Werk


220px-ProsperAbwechselnd mit anderen unseren Materialien wollen wir hier in Abschnitten die Schrift „Antiliturgische Häresie“ von Abt (=Dom) Prosper Guéranger (1805-1875) vorstellen. Dies soll teilweise in der Übersetzung von Prof. Michael Fiedrowicz[1] und teilweise in unserer eigenen Übersetzung erfolgen, da die vorliegende deutsche Übersetzung den letzten, gleichsam krönenden, Teil nicht enthält.

Prosper Guéranger, der als der eigentliche Begründer der liturgischen Bewegung gilt, ist wahrscheinlich dem deutschsprachigen Leser bekannt. Da man aber einerseits das Vorwissen des Lesers nicht überschätzen, andererseits aber es auch nicht unterschätzen sollte, so wollen wir das Leben und Werk des französischen Abtes hier kurz darstellen.

Die Liturgische Bewegung – ihre „Rechte“, ihre „Linke“ und die Jugendbewegung

Vorangehend sei angeführt, dass wenn man heutzutage in den deutschsprachigen Landen den Begriff „liturgische Bewegung“ liest, so empfindet man als ein traditionell eingestellter und romtreuer Katholik bei diesem Begriff zumindest Abneigung, wenn nicht gar Aggression oder Ekel. Denn, so denkt mancher, hätte es die liturgische Bewegung nicht gegeben, so hätten wir nicht in unseren Kirchen das, was wir haben und wovor man am liebsten davonlaufen würde. Dennoch war die liturgische Bewegung in ihren Anfängen etwas Gutes. Erst in den 1920er Jahren nahm sie eine Wendung, welche sich auf die lange Sicht dermaßen verheerend erwiesen hat.[2] Es lässt sich durchaus die Meinung vertreten, dass so wie die Hegelianer in die hegelsche Rechte[3] und die hegelsche Linke[4] zerfielen, wovon die Letztere schließlich in den Marxismus-Leninismus mündete, so zerfiel auch die liturgische Bewegung in die Rechte, von welcher man kaum noch etwas weiß, und in die Linke, welche sich schließlich beim letzten Konzil und in der nachfolgenden Zeit kräftig durchsetzte. Dieser „liturgischen Linken“, auf die wir an dieser Stelle nicht näher eingehen wollen, gehörten solche Leute an wie: Dom (Abt) Lambert Beaudauin (1884-1960), Abt Ildefons Herwegen (1874-1946) und sein Schüler Abt Odo Casel (1886-1948), Romano Guardini (1885-1968), Pius Parsch (1884-1954),[5] ferner die späteren berühmten Joseph A. Jungmann SJ (1889-1975), Louis Bouyer (1913-20014)[6], Giovanni Battista Montini (1889-1978)[7], der spätere Papst Paul VI., und schließlich Annibale Bungini (1912-1982), der all diese theoretischen Vorüberlegungen praktisch zum Abschluss brachte. Es ist natürlich schwierig zu beurteilen, inwieweit all diese vorher genannten Männer mit der jetzigen liturgischen Situation einverstanden gewesen wären und inwieweit sie diese von der Intention her tatsächlich gewollt haben. Aber den einen oder den anderen Grundstein, soviel steht fest, haben sie doch tatsächlich dazu gelegt.

0,,17116636_303,00Dennoch hätte die liturgischen Theorien keinen so großen Einfluss auf die Kirche gehabt, wäre die liturgische Linke in den 1920er Jahren nicht mit der Jugendbewegung verschmolzen. Es entstand dabei eine Spezies der ewig-reformfreudigen, jugendlichen Alten, eine Art Vor-1968er, welche Martin Mosebach als die Generation seiner Eltern beschreibt. Lassen wir ihn zu Wort kommen:

„Ich bin nach dem Krieg, 1951, geboren. Als Kind erlebte ich bei meinen Eltern ältere Herrschaften, intellektuelle mit schlohweißem Haar, die Männer hatten einen so genannten Cäsarschnitt, die Frauen Pony, und sie trugen unförmige Bernsteinketten zum Sackkleid. Die Moderne hatte für mich ein greisenhaftes Antlitz. Die prägende Erfahrung dieser Menschen war die Jugendbewegung vor dem Ersten Weltkrieg. Sie ist der große Ideenkochtopf des Jahrhunderts. Politische Bewegungen, die Todfeinde wurden, haben Pate gestanden, man denke an den Kommunismus und Nationalsozialismus. Und nicht nur Nacktkultur, Feminismus, Vegetarianismus, Lebensreform, Neuheidentum, pseudoindische Meditation, Gay Liberation, Klampfenmusik und das Bauhaus haben hier Wurzeln und Ursprünge, sondern auch die Liturgiereform. Dass am Grund all diese Bewegungen auch der glühende Idealismus von guten Menschen zu finden ist, die missbraucht und verraten wurden, steht auf einem anderen Blatt. Aber die Zerstörungslust, die man einst an den Lagerfeuern mit heißen Backen beschwor, als man den Sturz des Alten und das Kommen herrlicher neuer Zeiten zusammenphantasierte, hatte sich aus der infantilen Phase bis in ein erstaunlich hohes Alter erhalten.“[8]

Interessanterweise hat sich diesbezüglich in Deutschland seitdem wenig geändert, da der liturgische Geschmack mit den Jugenderinnerungen zusammenzuhängen scheint. So gehört die Mehrheit der katholischen Gottesdienstbesucher, man geht hier nicht mehr zur Messe, sondern zum Gottesdienst, derjenigen Generation an, welche in der Konzilszeit oder kurz danach ihre Jugend verlebt hat. Die Älteren sind mittlerweile gestorben, die Jüngeren sind nicht nachgewachsen. Die katholische Kirche in Deutschland ist also größtenteils zu einer Kirche einer bestimmten Alters- und Bildungschicht geworden und zwar zu einer Kirche eines bestimmten Bildungsbürgertums im Alter ab 65 aufwärts. Diese Menschen sind meistens in der Kirche anzutreffen und sie gleichen einander auch optisch so sehr, dass ein Außenstehender manchmal den Eindruck hat zufällig in eine Familienfeier geraten zu sein. Die Ansichten sind auch gleichermaßen uniform: mehr Laien, mehr Engagement (was auch immer dies bedeuten mag), weniger Zölibat, weniger Rom usw. usw. wir kennen es alle zur Genüge. Diese Menschen halten sich für modern und jugendlich, während sie eigentlich alt-liberale „Konservative“ sind. Sie werden in ihren Ansichten von ihren Priestern, die auch aus derselben Generation stammen, bestätigt und so bleibt man unter einander. Diese Mentalität, welche auch die jüngeren Generationen im positiven oder negativen Sinne formt, ist auf die Jugendbewegung und die liturgische Bewegung zurückzuführen, welche eigentlich auf den zu besprechenden Prosper Guéranger zurückgeht.

[1] Enthalten in Una Voce Korrespondenz 3 (2010) 33-36.

[2] Bonneterre, Didier, The Liturgical Movement: Guéranger to Beauduin to Bugnini, Kansas City: Angelus Press 2002. Originalausgabe ders., La Mouvement Liturgique de Dom Guéranger à Annibal Bugnini, Escurolles, France: Editions Fideliter 1980. Zitiere nach Cekada, Anthony, Work of Human Hands. A Theological Critique of the Mass of Paul VI, West Chester: Philotea Press 2010, 14-18. Obwohl Rev. Cekada ein Sedisvakantist ist, so ist sein hier zitiertes Werk sehr empfehlenswert, soweit wir es durchgearbeitet haben, objektiv und wurde daher u.a. von Rorate Caeli in hohen Tönen gelobt. http://rorate-caeli.blogspot.com/2010/07/work-of-human-hands.html

[3] http://en.wikipedia.org/wiki/Right_Hegelians

[4] http://en.wikipedia.org/wiki/Young_Hegelians

[5] Cekada, 15-17.

[6] Ebd., 32-40.

[7] Ebd. 40-44.

[8] Mosebach, Martin, Häresie der Formlosigkeit. Die römische Liturgie und ihr Feind, München: Deutscher Taschenbuchverlag 2012, 76-77.