Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3). Reine Schriftlesung statt liturgischer Formeln.


03-bildersturm-vinkeles-nach-buys-1786

Da wir nicht sicher sind, ob dieser Text veröffentlicht wurde, so veröffentlichen wir ihn nochmals. Er gibt Informationen über den Biblizismus des Papstes Franziskus, welcher in der ganzen Amoris laetitia durchscheint. Eine erneute Lektüre dieses Textes wird sicherlich niemanden schaden.

Anbei der dritte Teil der Antiliturgischen Häresie von Pater Guéranger darunter unser Kommentar,

Dies ist in der Tat das zweite Prinzip der antiliturgischen Sekte: [sie wollen] die im kirchlichen Stil verfasste [liturgische] Formeln durch Lesungen aus der Heiligen Schrift ersetzen. Dies verschafft ihnen zwei Vorteile: vor allem lässt es die Stimme der Tradition verstummen, welche täglich ruft; außerdem ist es ein Mittel [die eigenen] Dogmen zu propagieren oder zu bekräftigen und zwar durch die Stimme der Verneinung oder der Bejahung. Sie tun es durch die Stimme der Verneinung, indem sie mit [Still-]Schweigen – einem geschickt gewählten Mittel – diejenigen Texte übergehen, welche eine Doktrin vertreten, die ihren Irrtümern entgegensteht. Sie tun es durch die Stimme der Bejahung, indem sie im Lichte der ausgewählten Passagen, die lediglich nur eine Seite der Wahrheit zeigen, ihre andere Seite vor den Augen des [ungebildeten] Volkes verbergen. Schon seit vielen Jahrhunderten weiß man, dass der Vorzug, den alle Häretiker der Heiligen Schrift vor den kirchlichen Definitionen geben, aus keinem anderen Grund stattfindet, als wegen der Leichtigkeit, mit der sie alles, was sie wollen, dem Wort Gottes zuschreiben können. Sie tun es, indem sie es mal so, mal so, je nach Zusammenhang, nach ihrem Gutdünken erscheinen lassen. Wir werden noch woanders sehen, was die Jansenisten in dieser Hinsicht getan haben, [da sie] durch ihr System verpflichtet waren den äußeren Rahmen der Übereinstimmung mit der Kirche zu wahren; was aber die Protestanten anbelangt, so haben sie beinahe die gesamte Liturgie ausschließlich auf die Schriftlesung reduziert. Die Letztere wird durch Vorträge begleitet, in welchen jeder die Schrift gemäß seinem eigenen Verstand interpretiert.

Was die Wahl und die Bestimmung der kanonischen Bücher [der Heiligen Schrift] anbelangt, so endete dies damit den Launen der Reformatoren nachzugeben, welche als die letzte Instanz nicht nur ausschließlich über den Sinn des Wortes Gottes, sondern auch über den Fakt dieses Wortes entscheiden. So fand Martin Luther, dass Pantheismus, Nutzlosigkeit der guten Werke und Genügsamkeit der Gnade diejenigen Dogmen sind, die in seinem System etabliert werden müssen. Daher erklärte er, dass der Jakobusbrief ein Strohbrief und kein kanonischer Brief sei. Er tat dies einzig und allein deswegen, weil durch eben diesen Brief die Notwendigkeit der guten Werke für das Heil gelehrt wird. In allen Zeiten und unter [der Verwendung] aller Formen wird es dasselbe sein: keine kirchlichen Formeln; die Schrift allein, aber interpretiert, aber ausgewählt, aber präsentiert durch diejenigen, welche darin ihren Nutzen der Neuerung finden. Dieser Falle ist aber für die einfachen Gläubigen gefährlich, die erst nach einer längeren Zeit wahrnehmen, dass sie getäuscht worden sind und dass das Wort Gottes, dieses zweischneidige Schwert, wie der Apostel sagt, ihnen große Wunden zugefügt hat, denn es wurde manipuliert durch die Söhne der Verderbnis.

Kommentar

Hier sehen wir den eigentlichen Grund des protestantischen, jansenistischen und nachkonziliaren Biblizismus. Denn beschränkt man sich auf die Schrift allein (sola Scriptura) oder vornehmlich auf die Schrift, so kann man sie auslegen, wie es einem gerade passt. Wie man aus der Versuchung Christi ersehen kann, kennt der Widersacher Gottes die Schrift sehr gut und setzt sie auch geschickt ein. Deswegen hat die Kirche immer zwischen dem kultischen Schriftgebrauch, in welchem nicht alle Passagen verwendet wurden und dem persönlichen Gebrauch der Heiligen Schrift, welcher dem Studium oder der Frömmigkeit diente, unterschieden. Bis zum Konzil war man der Meinung, dass nicht jede Schriftlesung in den öffentlichen Kult der Kirche gehörte, da nicht alles frommt. Und daher die ausgewählten Schriften im Missale romanum und daher nur ein Jahreszyklus einer Schriftlesung und eines Evangeliums in Vetus Ordo. Das nachkonziliare Durcheinander des Dreijahreszyklus der Sonntagslesungen bringt den Gläubigen nur dazu zu erkennen, dass es Unterschiede und Widersprüche in der Bibel gibt, die weder er, noch der predigende Pfarrer lösen kann. Die Perikopen der Wochentagslesungen, welche nicht selten aus überaus blutrünstigen Passagen des Alten Testaments bestehen, welche vor dem Konzil höchstens im Matutin des Breviers, aber niemals in der Messe gelesen wurden, lassen ebenfalls manch eine Frage offen, warum das soeben dargestellte das Wort Gottes ist.

Daher hat das vorkonziliare Lehramt niemals die reine Schriftlesung allen empfohlen, da solch eine Lesung den theologisch Ungebildeten vor Probleme stellt, die er selbst nicht lösen kann und an denen er früher oder später verzweifeln wird. Denn es gibt tatsächlich manche Passagen, die wirklich schwierig und widersprüchlich bleiben, auch für Fachleute. Dies hat auch, zwar in einer boshaften Absicht, der, in anderem Kontext verurteilte Peter Abelard (1079-1142) in seinem Werk Sic et non dargelegt, in welchem er widersprüchliche Texte der Kirchenväter zu verschiedenen theologischen, auch biblischen, Problemen auflistet. Seine Lösung war vom Ansatz her eigentlich relativistisch, was ihn natürlich für viele heutigen Theologen zum modernen Vordenker machte. Im Gegensatz dazu wollte die Kirche bis zum letzten Konzil gerade den Glauben der einfachen, sprich der ungelernten und der theologisch ungebildeten Leute durch die Liturgie schützen und nicht aushöhlen. Daher wurde auch die reine Schriftlesung nicht allen empfohlen und oft missbilligt, da die Heilige Schrift, wie wir wissen, kein Selbsthilfebuch ist und man viel Wissen und geistliche Anleitung braucht, um sie richtig verstehen zu können. Man vergisst wirklich allzu leicht, dass man, um eine geistliche Unterweisung zu erhalten, in einer geistlichen, sprich spirituellen, Tradition stehen muss. Die bedeutet bei jemanden in die Lehre zu gehen, der selbst ein geistlichen Leben pflegt, wie ein Novize bei einem Wüstenvater oder einem Einsiedler, der natürlich mit der ganzen Tradition der Kirche konform gehen muss. Theologie besteht ja nicht nur aus intellektuellen Inhalten, sondern auch aus geistlichen.

Interessanterweise stammt die erste Aussage des Lehramtes über die Nachteile privater Bibelkreise nicht erst aus der Zeit der Reformation, sondern aus dem Jahre 1199. Der Brief des Innozenz III. Cum ex iniuncto an die Einwohner von Metz vom 12. Juli 1199 lautet wie folgt:

„Unser ehrwürdiger Bruder, der Bischof von Metz, teilte uns in seinem Schreiben mit, dass sowohl in der Diözese die in der Stadt Metz einen nicht unbedeutenden Menge von Laien und Frauen, gewissermaßen von dem Verlangen nach den Schriften gezogen, sich die Evangelien, die Briefe des Paulus, den Psalmen, die Moralia Job <Gregor des Großen> und mehrere andere Bücher in französischer Sprache übertragen ließ; … [so geschah es aber,] dass in geheimen Zusammenkünften Laien und Frauen solches untereinander auskotzen (eructare) und sich gegenseitig zu predigen wagen: Sie verschmähen auch den Umgang mit denen, die sich nicht an Ähnlichem beteiligen … Manche von ihnen verschmähen auch die Einfachheit ihrer Priester; wenn sie ihnen durch diese das Wort des Heils vorgetragen wird, murren sie im Verborgenen, sie hätten in ihren Schriften besseres und sie könnten es klüger ausdrücken.“ (DH 770)

Wir finden hier die typische Beschreibung eines Bibelkreises, wie er in jener Pfarrerei und in jeder Erneuerungsbewegung stattfindet. (1) Niemand weiß Bescheid, (2) jeder will was gelten und deswegen (3) gibt man Unsinn von sich. Das starke Wort „auskotzen, bzw. sich erbrechen“ (eructare) wurde tatsächlich vom Heiligen und Papst verwendet und zu Recht. Bei solchen Kreisen entsteht immer ein Elitedenken: „wir“ gegen „sie“. Es entsteht der Eindruck einer höheren Weihe, eines verborgenen Wissens, was von Grund her gnostisch ist. Bei Kreisen, die von Frauen besucht oder geleitet werden, sagt jede nur „was ihr die Schrift sagt“, „was sie dabei fühlt“, „was für sie dabei wichtig“ ist. Es kann aber, theologische gesehen, grundfalsch sein. Es wird aber von niemand berichtigt, da sich niemand auskennt und auch die Gefühle der Betreffenden nicht verletzen möchte. Die Verwendung in diesem Kontext des Verbs eructare ist mehr als treffend. Danach bekräftigt Innozenz III. die Notwendigkeit die Auslegung der Schrift denen zu überlassen, die vom Lehreramt dazu befähigt worden sind also den theologisch gebildeten, so wollen wir hoffen, Priestern. Er schreibt aber auch weiter:

„Die verborgenen Geheimnisse des Glaubens aber sind nicht überall allen darzulegen, weil sie nicht über von allen verstanden werden können, sondern nur denen, die sie im gläubigen Verständnis erfassen können. […] So groß ist nämlich in die Tiefe der göttlichen Schrift, dass nicht nur die Einfältigen und Ungebildeten, sondern auch die Klugen und Gelehrten nicht ganz dazu fähig sind, ihren Sinngehalt aufzuspüren.“ (DH 771)

Die Schrift bleibt also nicht nur deswegen von vielen unverstanden, weil sie schwierig ist, sondern auch deswegen, weil man ein hörendes und reines Herz braucht, in welches das Wort Gottes fallen und sich darin entwickeln kann. Ein Sünder, ein Spötter oder ein Atheist findet nur die falschen Rückschlüsse, weil er das Gehörte nicht im göttlichen Licht einordnen kann.

In diesem Sinne sind auch die folgenden Aussagen des Lehramtes zu verstehen. So sagt die vierte „Tridentinische Regel“ für das Verbot von Büchern vom 24. März 1564:

„Da durch die Erfahrung offensichtlich ist, dass, wenn die Heilige Bibel in der Volkssprache allenthalben ohne Unterschied zugelassen wird, daraus wegen des Leichtsinns der Menschen mehr Schaden als Nutzen erwächst, soll es in diesem Fall im Ermessen des Bischofs oder eines Inquisitors stehen, dass sie auf Zuraten des Pfarrers oder des Beichtvaters denen die Lektüre von katholischen Autoren übersetzten Bibel in der Volkssprache erlauben können, bei denen sie gemerkt haben, dass sie aus dieser Lektüre keinen Schaden, sondern Wachstum des Glaubens und der Frömmigkeit ziehen können …“ (DH 1854)

Die private Bibellektüre war also nicht verboten, aber sie konnte nicht allen unterschiedslos empfohlen werden und zwar aufgrund der Erfahrungen, die mehrere Jahrhunderte dauerten. Diesen Gedankengang bestätigt auch der Brief des Pius VII. Cum magno acerbo (1816), an den Erzbischof von Mogilew:

„Was aber die Ansicht der Kirche über die Lektüre und Auslegung der Schrift ist, soll Deine Brüderlichkeit ganz deutlich aus der berühmten Konstitution Unigenitus unseres anderen Vorgängers Clemens XI. Ergänzen, in der jene liefen ausdrücklich missbilligt wurden, in denen behauptet wurde, <es sei> zu jener Zeit, an jedem Ort und für jenen Personenkreis nützlich und notwendig, die Geheimnisse der Heiligen Schrift kennen zu lernen, deren Lektüre, wie versichert wurde, für alle sei, und es sei schädlich, das christliche Volk von eben dieser abzuhalten, ja, den Gläubigen werden sogar ermuntert Christi verstopft, wenn man ihren Händen das Neue Testament entreiße“ [DH 2712, vgl. 2479-2485]

Pius VII spielt hier auf die antijansenistischen Kanones der Bulle Unigenitus an, die wir vielleicht noch an einer anderen Stelle besprechen werden. Es bleibt festzuhalten, dass die reine Bibellektüre nicht nur Gutes bewirken kann, da die Schrift, wie Pater Guéranger richtig sagt „ein zweischneidiges Schwert ist“ (Hbr 4,12). Ebenso stiftet die Vermehrung der Schriftlesungen in der Liturgie mehr Schaden als Nutzen. Vielleicht kann man tatsächlich sagen, dass kurz nach dem Konzil mehr Katholiken die Heilige Schrift gelesen hat als es vor dem Konzil der Fall war. Jetzt liest wohl kaum mehr jemand etwas. Es stellt sich aber die Frage, ob es ihnen tatsächlich bekommen ist. Denn es ergeben sich eigentlich immer dieselben Möglichkeiten:

  • Man fängt mit der Lektüre an und gibt sie recht schnell wieder auf, weil man wenig bis gar nichts versteht und der Pfarrer oder der Theologe, den man fragt es auch nicht tut, ebenso wenig wie die Pastoralassistentin. Diese Entwicklung betrifft in etwa 60 % der Leser. (Alle Angaben nach Gefühl und Erfahrung des Schreibers dieser Zeilen und ohne Gewähr).
  • Man setzt die Lektüre fort und kommt über ein Eigenstudium zum diffusen und meistens häretischen Ansichten. Der Pfarrer kann hier noch weniger helfen, denn dies ist „Spezialistenkram“ und er ist für das Große und Ganze, das Praktische und das Miteinander (spricht Bratwursteinkauf für das Grillfest) zuständig. Die Pastoralassistentin hat ebenfalls keine Ahnung und auch keine Zeit, denn sie muss gerade den kreativen Bastel-Kindergottesdienst vorbereiten. Diese Entwicklung betrifft in etwa 20 % der Leser.
  • Man entschließt sich zu einem Theologiestudium mit dem Schwerpunkt Exegese, bei welchem man die historisch-kritische Exegese kennenlernt, welche nun wirklich keine Antworten erteilen will oder kann, denn konkrete Antworten sind ja „fundamentalistisch“. Diese Entwicklung betrifft in etwa 10 % der Leser.
  • Man landet über den Biblizismus bei den Freikirchen, bei welchen man tatsächlich die Antworten bekommt, aber auch nicht alle und eben die falschen. Diese Entwicklung betrifft in etwa 8 % der Leser.
  • Man bleibt durch das wundersame Walten der göttlichen Vorsehung von Glaubensabfall und Häresie bewahrt und entdeckt die tief verborgenen Schätze der Schrift. Diese Entwicklung betrifft in etwa 2 % der Leser.

Natürlich sind das alles Ermessensdaten mit einem „Sitz im Leben“, welche aber nahe legen, dass durch das reine Bibelstudium 98% der Katholiken auf schiefe Bahnen geraten kann, im Jahre 1199 genauso wie heute. Deswegen haben die „Reformer“ diesen Biblizismus, vor dem Pater Guéranger warnt, eingeführt, weil der Ausgang vorhersehbar war.

Advertisements

Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3): Kommentar 8 von 8. Ohne die Wandlung des Blutes ein unvollkommenes Sakrament?


Msza sw Grzegorza

Anbei der Text des Abtes von Solesmes, welcher von der Einführung neuer liturgischen Formulierungen handelt. Wir wollen von dieser Warte aus die Thematik des „für alle“, statt „für viele“ bei dem Blutwort der Konsekration beleuchten und das Problem einer eventuellen Ungültigkeit der Novus Ordo Messe bei diesem unkorrektem Blutwort in mehreren Abschnitten prüfen. In diesem Teil wird derselbe Text von Gueranger erscheinen, unser Kommentar jedoch wird ein anderer sein.

[Und hier kommt] der dritte Grundsatz der Häretiker bezüglich der Liturgiereform. Nachdem sie die kirchlichen Formulierungen verjagt und die absolute Notwendigkeit ausschließlich die Bibelworte im Gottesdienst zu verwenden, verkündet haben, mussten sie dennoch anschließend feststellen, dass die Heilige Schrift sich nicht immer nach ihrem Willen verbiegen lässt; so führten sie den dritten Grundsatz ein, welcher, sagen wir es deutlich, darin besteht verschiedene [liturgische] Formulierungen zu fabrizieren und einzuführen. Formulierungen voll Tücke, durch welche die Gläubigen noch stärker an den Irrtum gebunden werden und wodurch das Gebäude der gottlosen Reform für ganze Jahrhunderte gefestigt wird.

Kommentar 3.3

8. Ohne Wandlung des Blutes ein unvollkommenes Sakrament?

Über die doppelte Wandlung und ihre Notwendigkeit schreibt der Aquinate (Summ. Theol. III, Q. 76, a.2) folgendes:

Zweiter Artikel.
Der ganze Christus ist unter einer jeden der zwei Gestalten.

[Manche sagen, dass ]

a) „Dem steht Folgendes entgegen:

I. Das ganze Sakrament dient kraft seines Inhalts dem Nutzen der Gläubigen, nicht kraft der äußeren Gestalten. Ist aber der nämliche Inhalt unter einer jeden von beiden Gestalten, so ist eine völlig überflüssig.

II. Unter dem Ausdrucke „Fleisch“ sind hier auch die anderen Teile des Körpers einbegriffen wie die Nerven, Knochen etc. Nun ist das Blut ein solcher Teil des Körpers. Ist also das Blut enthalten auch unter der Gestalt des Brotes, so dürfte es nicht getrennt konsekriert werden, wie auch andere Teile des Körpers nicht getrennt konsekriert werden.

III. Was bereits da ist, kann nicht von neuem werden. Der Körper Christi aber ist bereits zugegen nach der Konsekration des Brotes. Also kann er nicht von neuem anfangen, zugegen zu sein bei der Konsekration des Weines. Somit ist unter der Gestalt des Weines nicht der Körper Christi und somit nicht der ganze Christus.

[Gegenargument einer Autorität von Thomas zitiert]: Auf der anderen Seite erklärt zu 1. Kor. 1l. (et calicem) die Glosse: „Unter jeder von beiden Gestalten nehmen wir das Nämliche.“

[Thomas eigene Antwort] b) Ich antworte; mit höchster Gewißheit sei festzuhalten, daß unter einer jeden von beiden Gestalten der ganze Christus sei; aber je in anderer Weise (sub utraque specie sacramenti totus est Christus, aliter tamen et aliter). Denn unter der Gestalt des Brotes ist der Leib Christi kraft des Sakramentes, das Blut kraft thatsächlichen Begleitens (Nam sub speciebus panis est quidem corpus Christi ex vi sacramenti, sanguis autem ex reali concomitantia). Unter der Gestalt des Weines aber ist das Blut Christi kraft des Sakramentes, der Leib Christi kraft thatsächlichen Begleitens. (Sub speciebus vero vini est quidem sanguis Christi ex vi sacramenti, corpus autem Christi ex reali concomitantia). Da also jetzt Blut und Leib in Christo thatsächlich geeint sind, ist unter jeder Gestalt der ganze Christus: Fleisch und Blut.

Hätten aber die Apostel in den drei Tagen, dass Christi Leib vom Blute getrennt war das Geheimnis gefeiert, so wäre unter der Gestalt des Brotes nur der Leib gewesen, nicht aber das Blut; und unter der Gestalt des Weines wäre nur das Blut gewesen und nicht der Leib.

[Die im Teil a vorgebrachten Argumente werden von Thomas entkräftet]

c) ad I. Nicht unnütz sind die beiden Gestalten.

Denn 1. wird dadurch das Leiden Christi dargestellt, in welchem getrennt ward der Leib vom Blute, wonach in der Form der Konsekration des Weines auch Erwähnung geschieht des Ausgießens des Blutes.

Es ist 2. diese Trennung zukömmlich wegen des Genusses der Gläubigen, denen getrennt dargeboten wird der Leib Christi als Speise und sein Blut als Trank.

Es ist 3. zukömmlich der Wirkung des Sakramentes, wonach der Leib Christi dargeboten wird für das Heil des Körpers, sein Blut für das Heil der Seele.

Im Leiden Christi, dessen Andenken das heilige Sakrament ist, wurde nur das Blut vom Leibe getrennt und kein anderer Teil, nach Exod. 12.: „Seine Knochen sollt ihr nicht brechen.“

III. Nur das Blut ist unter der Gestalt des Weines kraft des Sakramentes, und sonach wird nicht unnützerweise konsekriert das Blut des Herrn, nachdem der Leib konsekriert worden.

Soweit Thomas von Aquin. Kurz und gut: die Konsekration des Blutes erfolgt nicht „unnützerweise“, aber die Konsekration des Brotes scheint bei Thomas Vorrang zu haben. Wir lassen uns diesbezügliche gerne korrigieren und belehren, aber unserer Meinung nach, wäre nach der Konsekration des Brotes allein das Brot sicherlich der Leib Christi und eine Kommunion unter einer Gestalt, d.h. des Brotes zulässig. Das Sakrament der Eucharistie, wäre unserer Meinung nach gültig, wenn auch unvollkommen (invalidum). Natürlich wollen wir hier keine Häresien verbreiten, sondern nur denjenigen Skrupulanten helfen, welche überhaupt nicht zu Novus Ordo Messen gehen und dort gar nicht kommunizieren, weil sie aufgrund von „für alle“ des Blutwortes die Wandlung des Blutes für ungültig und somit die ganze Messe für ungültig halten. Dazu ist zu sagen, dass:

  1. Die Novus Ordo Messen gültig sind, weil auch bei der Konsekration des Blutes dies minimale sakramentale Formel beibehalten wurde.
  2. Die Konsekration des Brotes ist zweifelsfrei gültig, sodass die Kommunion unter einer Gestalt möglich ist.

Da wir nach wie vor von 1. ausgehen, so ist auch beim fehlerhaften Blutwort („für alle“) aufgrund der Konkomitanzlehre der ganze Christus im Brot und im Wein vorhanden. Dazu schreibt, wie bereits zitiert der Hl. Thomas (Summ. Theol. III., q. 75, a.7)[1]

„Denn unter der Gestalt des Brotes ist der Leib Christi kraft des Sakramentes, das Blut kraft tatsächlichen Begleitens (Nam sub speciebus panis est quidem corpus Christi ex vi sacramenti, sanguis autem ex reali concomitantia). Unter der Gestalt des Weines aber ist das Blut Christi kraft des Sakramentes, der Leib Christi kraft tatsächlichen Begleitens. (Sub speciebus vero vini est quidem sanguis Christi ex vi sacramenti, corpus autem Christi ex reali concomitantia). Da also jetzt Blut und Leib in Christo thatsächlich geeint sind, ist unter jeder Gestalt der ganze Christus: Fleisch und Blut.“

Also nach erfolgter und gültiger Wandlung des Brotes und des Weines ist sowohl im Brot als auch im Wein der ganze Christus.

Soweit, so gut. Was ist aber, wenn nur eine Gestalt gültig konsekriert wurde? Auch diese Frage wurde vom Aquinaten erörtert und zwar in seinem Sentenzenkommentar, der im Original wie folgt lautet:[2]

Quaestiuncula 2

[14947] Super Sent., lib. 4 d. 8 q. 2 a. 4 qc. 2 arg. 1 Ulterius. Videtur quod deficiente sacerdote post corporis Christi consecrationem non debet alius procedere ad consecrationem sanguinis. Quia unius sacramenti unus debet esset minister. Sed consecratio utraque ad unum sacerdotem pertinet. Ergo ab uno ministro fieri debet.

[14948] Super Sent., lib. 4 d. 8 q. 2 a. 4 qc. 2 arg. 2 Praeterea, sacerdos consecrans gerit figuram Christi, ex cujus persona verba proferuntur. Sed Christus non est divisus, ut dicitur 1 Corinth. 1. Ergo nec verba dividi debent ut a diversis proferantur.

[14949] Super Sent., lib. 4 d. 8 q. 2 a. 4 qc. 2 s. c. 1 Sed contra, ad perfectionem hujus sacramenti utraque consecratio requiritur. Si ergo consecrato corpore non consecratur sanguis, sacramentum remanet imperfectum, quod est inconveniens.

In dieser Fragestellung (Quaestiuncula 2) wird die Frage untersucht, ob nach der Konsekration des Brotes durch einen Priester ein anderer Priester das Blut konsekrieren kann. Dies wird bejaht, was uns hier nicht weiter interessiert, was aber interessant bei unserer Erörterung ist, ist die Antwort aus dem Teil Sed contra ( Super Sent., lib. 4 d. 8 q. 2 a. 4 qc. 2 s. c. 1):

„Hingegen aber, zur Vollkommenheit (perfectio) dieses Sakraments ist eine doppelte Konsekration erforderlich. Wenn also nach der Konsekration des Leibes das Blut nicht konsekriert wird, verbleibt das Sakrament unvollkommen (remanet imperfectum), was unschicklich ist (quod est inconveniens).“

Der Schreiber dieser Zeilen ist leider zu wenig mit der scholastischen Terminologie vertraut, um feststellen zu können, ob der Ausdruck perfectio sacramenti – die „Vollkommenheit des Sakraments“ dasselbe wie die Gültigkeit (validitas) des Sacraments ist. Denn Thomas schreibt ja nicht, dass das Sakrament ungültig (invalidum) sei, sondern, dass es nur unvollkommen (imperfectum) bzw. unvollendet wäre, was unschicklich, unangebracht (inconveniens) sei. Es ist also anzunehmen, dass er eine Zwischenstufe zwischen gültig (validum) und ungültig (invalidum) annimmt und zwar die Stufe des unvollkommenen (imperfectum) Sakraments. Sollte unsere Leseweise zutreffen, so wäre das Sakrament der Eucharistie auch ohne die Wandlung des Blutes zwar gültig, aber unvollkommen. Wir können diese Thematik gerne mit einigermaßen kompetenten Lesern diskutieren, denn der Novus Ordo und die Entscheidung der Deutschen Bischofskonferenz „für viele“ mit „für alle“ zu übersetzen, stellt uns vor diese Schwierigkeiten. Wahrscheinlich ist kaum jemand in der Vergangenheit auf die Idee gekommen nur eine Gestalt zweifelsfrei konsekrieren zu wollen. Leider bereitet das Neue Messbuch vom 1969 und die fehlende Korrektur des „für alle“ vielen Katholiken wirkliche Gewissensqualen, die von vielen Kreisen, ausgenutzt werden. Diese Menschen meidet entweder ganz die Novus Ordo Messen, die an sich ja gültig sind oder sündigen dadurch, indem sie kanonisch irreguläre Messen besuchen. All diese Probleme entstanden erst dadurch, dass die altgebrachten liturgischen Formulierungen verändert worden sind, was Dom Prosper Guéranger zurecht monierte.

[1] http://www.unifr.ch/bkv/summa/kapitel781-7.htm

[2] http://www.corpusthomisticum.org/snp4008.html#14892

Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3): Kommentar 7 von 8. Die Wandlung vollzieht sich nach Thomas augenblicklich


H.-Mass-3280-e1394126062899Anbei der Text des Abtes von Solesmes, welcher von der Einführung neuer liturgischen Formulierungen handelt. Wir wollen von dieser Warte aus die Thematik des „für alle“, statt „für viele“ bei dem Blutwort der Konsekration beleuchten und das Problem einer eventuellen Ungültigkeit der Novus Ordo Messe bei diesem unkorrektem Blutwort in mehreren Abschnitten prüfen. In diesem Teil wird derselbe Text von Gueranger erscheinen, unser Kommentar jedoch wird ein anderer sein.

[Und hier kommt] der dritte Grundsatz der Häretiker bezüglich der Liturgiereform. Nachdem sie die kirchlichen Formulierungen verjagt und die absolute Notwendigkeit ausschließlich die Bibelworte im Gottesdienst zu verwenden, verkündet haben, mussten sie dennoch anschließend feststellen, dass die Heilige Schrift sich nicht immer nach ihrem Willen verbiegen lässt; so führten sie den dritten Grundsatz ein, welcher, sagen wir es deutlich, darin besteht verschiedene [liturgische] Formulierungen zu fabrizieren und einzuführen. Formulierungen voll Tücke, durch welche die Gläubigen noch stärker an den Irrtum gebunden werden und wodurch das Gebäude der gottlosen Reform für ganze Jahrhunderte gefestigt wird.

Kommentar 3.4.2

7. Die Wandlung vollzieht sich nach Thomas augenblicklich

Wie bereits erwähnt erfolgt die Wandlung nach Thomas (Summ. Theol, III, q. 75 a.7) augenblicklich und nicht erst sukzessiv. Der Originalton Thomas von Aquin lautet:

Siebenter Artikel.
Die Umwandlung in der Eucharistie vollzieht sich im Augenblicke.

[Manche sagen, dass] a) Sie vollzieht sich nach und nach. Denn:

I. In dieser Wandlung ist die Substanz des Brotes und nachher die Substanz des Leibes Christi. Nicht aber sind sie beide zusammen da im selben Augenblicke. Also sind dies zwei Augenblicke und somit ist dazwischen eine gewisse Zeit, was dasselbe ist wie eine allmähliche Verwandlung.

II. Bei jeder Wandlung besteht ein Werden und ein Geschehensein. Dieses Beides aber besteht nicht zugleich. Denn was wird, ist noch nicht geschehen. Also ist da ein Vorher und Nachher und somit eine Entwicklung.

III. Dieses Sakrament wird durch die Rede vollbracht (Ambr. 4. Sacr. 4.). Die Rede aber wird nach und nach ausgesprochen.

[Gegenargument einer Autorität, von Thomas zitiert] Auf der anderen Seite wird diese Wandlung vollbracht durch unendliche Kraft, der es entspricht, daß ihre Wirkung im Augenblicke da sei und keinerlei Zeit bedürfe.

[Thomas eigene Antwort]

b) Ich antworte, es gebe eine Veränderung im Augenblicke in dreifacher Weise:

Von seiten der Form, welche der Abschlusspunkt ist für die Veränderung. Denn falls eine solche Form oder Eigenschaft ein Mehr oder Minder in sich zuläßt, so wird sie nach und nach vom betreffenden Subjekte erlangt, wie z. B. die Gesundheit. Die substantiale Wesensform aber läßt in sich kein Mehr und Minder zu; es ist z. B. jemand Mensch oder er ist dies nicht. Also erhält der Stoff sie im Augenblicke.

Von Seiten des Subjekts oder des Trägers. Bisweilen ist da ein allmähliches Empfangen, wie das Wasser nach und nach warm wird; bisweilen ein plötzliches, wie das Durchscheinende, weil vollständig vorbereitet, auf einmal erleuchtet wird.

Von Seiten der wirkenden Kraft, die unendlich ist, so daß sie im Augenblicke den Stoff vorbereitet für das Aufnehmen der Form, nach Mark. 7., wo, nachdem der Herr gesagt: „Ephpheta, was ist, öffne dich,“ sogleich „geöffnet worden sind die Ohren des Menschen und gelöst ward das Band seiner Zunge.“

Nun handelt es sich hier 1. um eine substantiale Form; 2. besteht kein Subjekt oder Träger für diese Wandlung im Sakramente; 3. ist die wirkende Kraft unendlich. Also ist dieselbe im Augenblicke.

[Die im Teil a) vorgebrachten Argumente werden von Thomas entkräftet]

c) ad I. Manche gestehen das nicht zu, daß zwischen zwei Augenblicken es eine Zwischenzeit gibt; das sei wohl der Fall mit Bezug auf ein und dieselbe Bewegung, aber nicht wenn die zwei Augenblicke sich auf verschiedene Bewegungen beziehen. So wäre zwischen dem Augenblicke, welcher mißt den Endpunkt der Ruhe für die eine Bewegung, und dem Augenblicke, der da mißt den Anfang der anderen Bewegung, keine  Zwischenzeit.

Darin aber täuschen sie sich. Denn die Einheit der Zeit und des Augenblicks oder die betreffende Vielheit wird nicht beurteilt nach irgendwelchen Bewegungen, sondern nach der ersten Bewegung des Zentralkörpers, welche ist das Maß für alle Bewegung und für alle Ruhe.

Die anderen gestehen deshalb eine solche Zwischenzeit zu für alle Bewegung und Ruhe, die von der Bewegung der Himmelskörper abhängig ist. Es gibt jedoch Bewegungen, welche von den Himmelskörpern nicht abhängig sind, wie z. B. die der Engel (I. Kap. 53, Art. 3.). Also zwischen zwei Augenblicken in solchen Bewegungen bestehe keine Zwischenzeit. Jedoch hat dies hiermit nichts zu thun. Denn allerdings ist diese Wandlung nicht abhängig von der Beziehung zu den Himmelskörpern, sie folgt aber dem Aussprechen der Worte; und dieses wird gemessen durch den Einfluß der Himmelskörper auf die irdische Zeit und Bewegung. Danach also wäre eine Zwischenzeit zwischen zwei bestimmt gekennzeichneten Augenblicken in dieser Wandlung.

Andere also wieder sagen, der Augenblick, in dem zuerst da ist der Leib Christi, und der Augenblick, in dem zuletzt da ist das Brot, sind zwar zwei Augenblicke mit Rücksicht auf das Gemessene, nicht aber mit Rücksicht auf die Zeit, welche mißt; wie, wenn zwei Linien sich berühren, es zwei Punkte giebt von seiten der Linien, einen aber nur von seiten des einschließenden Ortes. Doch das hat keine Ähnlichkeit mit dem vorliegenden Falle. Denn Augenblick und Zeit sind für die einzelnen Bewegungen kein innerliches Maß, wie dies die Linie ist und der Punkt für einen Körper; sondern es ist ein von außen allein kommendes, wie der Ort für die Körper.

Andere also wieder sagen, der Augenblick, in dem zuerst da ist der Leib Christi, und der Augenblick, in dem zuletzt da ist das Brot, sind zwar zwei Augenblicke mit Rücksicht auf das Gemessene, nicht aber mit Rücksicht auf die Zeit, welche mißt; wie, wenn zwei Linien sich berühren, es zwei Punkte giebt von seiten der Linien, einen aber nur von seiten des einschließenden Ortes. Doch das hat keine Ähnlichkeit mit dem vorliegenden Falle. Denn Augenblick und Zeit sind für die einzelnen Bewegungen kein innerliches Maß, wie dies die Linie ist und der Punkt für einen Körper; sondern es ist ein von außen allein kommendes, wie der Ort für die Körper.

Andere also noch sagen, es sei ein und derselbe Augenblick dem thatsächlichen Sein nach und es seien zwei Augenblicke der Auffassung und Beziehung nach. Aber danach würde folgen, daß zwei einander entgegengesetzte Dinge dem thatsächlichen Sein nach zugleich wären, da die Verschiedenheit der Auffassung keine Verschiedenheit macht im thatsächlichen Sein des Dinges. Nicht anders kann ein Ding der Wahrheit gemäß aufgefaßt werden, als es ist.

Deshalb muß man sagen, diese Umwandlung vollende sich durch das Aussprechen der Worte von seiten des Priesters, so daß der letzte Augenblick des Aussprechens der Worte der erste ist, daß der Leib Christi im Sakramente sich findet. In der ganzen Zeit vorher aber ist da die Substanz des Brotes. Und da ist kein Augenblick zu bezeichnen, welcher als letzter dem ersten der Gegenwart des Leibes unmittelbar voranginge; denn die Zeit setzt sich nicht aus Augenblicken zusammen, die einander ohne Zusammenhang folgen (6 Physic.). Ein erster Augenblick also ist zu kennzeichnen, in welchem der Leib Christi da ist; aber kein letzter, in welchem das Brot da ist, sondern eine letzte Zeit. Und dasselbe hat statt in den rein natürlichen Umwandlungen (8 Physic.).

ad II. In augenblicklichen Veränderungen ist zugleich: „Werden“ und „Geschehensein“; wie zugleich ist: „Beleuchtetwerden“ und „Beleuchtetsein“. Von „Werden“ wird da gesprochen, insoweit etwas vorher nicht war; von „Geschehensein“, insoweit es bereits ist.

III. Im letzten Augenblicke des Aussprechens der Worte der Form [der Konsekration] geschieht die Verwandlung. Denn da ist vollendet das, was die Worte bezeichnen; und die Form wirkt ja, was sie bezeichnet.

Wir lassen die Überlegungen Thomas zum Thema: „Was ist die Zeit?“ erst mal außen vor und fassen zusammen, dass nach dem Aussprechen der Worte: „ Dies ist mein Leib“ durch den Priester sich die gesamte Substanz des Brotes in die Substanz des Leibes Christi wandelt. Das Brot ist also gewandelt. Was bedeutet dies für das Blut? Davon handelt die nächste Abhandlung des heiligen Thomas (Summ. Theol. III, Q. 76, a.2), die wir im nächsten Eintrag zitieren wollen.

Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3): Kommentar 6 von 8. „Für viele“ und die Konkomitanzlehre


master-of-the-mass-of-st.-gregory-the-miraculous-mass-of-saint-gregory-the-great

Anbei der Text des Abtes von Solesmes, welcher von der Einführung neuer liturgischen Formulierungen handelt. Wir wollen von dieser Warte aus die Thematik des „für alle“, statt „für viele“ bei dem Blutwort der Konsekration beleuchten und das Problem einer eventuellen Ungültigkeit der Novus Ordo Messe bei diesem unkorrektem Blutwort in mehreren Abschnitten prüfen. In diesem Teil wird derselbe Text von Gueranger erscheinen, unser Kommentar jedoch wird ein anderer sein.

[Und hier kommt] der dritte Grundsatz der Häretiker bezüglich der Liturgiereform. Nachdem sie die kirchlichen Formulierungen verjagt und die absolute Notwendigkeit ausschließlich die Bibelworte im Gottesdienst zu verwenden, verkündet haben, mussten sie dennoch anschließend feststellen, dass die Heilige Schrift sich nicht immer nach ihrem Willen verbiegen lässt; so führten sie den dritten Grundsatz ein, welcher, sagen wir es deutlich, darin besteht verschiedene [liturgische] Formulierungen zu fabrizieren und einzuführen. Formulierungen voll Tücke, durch welche die Gläubigen noch stärker an den Irrtum gebunden werden und wodurch das Gebäude der gottlosen Reform für ganze Jahrhunderte gefestigt wird.

 

Kommentar 3.4

6. „Für viele“ und die Konkomitanzlehre

Für die Gültigkeit der Novus Ordo Messe auch beim fehlerhaften Blutwort spricht auch die scholastische Konkomitanzlehre. Laut der Konkomitanzlehre ist durch die Wandlungsworte in jeder heiligen Gestalt der ganze Christus enthalten. Dies bedeutet Jesus Christus von Nazareth, Gott und Mensch, ist mit Leib und Seele, Menschheit und Gottheit sowohl im Wein als auch im Brot wesenhaft unter sakramentalen Gestalten enthalten. Deswegen ist es zulässig nur unter einer Gestalt zu kommunizieren, weil man dadurch die gesamte sakramentale Fülle Christi zu sich nimmt und durch die eine sakramentale Gestalt nichts „verpasst“. So spricht das Konzil von Florenz (1439) im Dekret für die Armenier:

„Die Form dieses Sakrament des sind die Worte des Erlösers, mit denen er dieses Sakrament vollzog; der Priester vollzieht dieses Sakrament nämlich, in dem er in der Person Christi spricht. Denn Kraft der Worte selbst wird die Substanz des Brotes in den Leib Christi und die Substanz des Weines in das Blut verwandelt, jedoch so, dass Christus in der Gestalt des Brotes ganz enthalten ist und ganz in der Gestalt des Weines. Auch in jedem beliebigen Teil der konsekrierten Hostie und des konsekrierten Weines ist nach der Teilung Christus ganz.“ (DH 1321)

Mit „Teilung“ ist hier die Brotbrechung und die Mischung der Heiligen Gestalten, wie sie in jeder Messe stattfindet, gemeint. Auf dem Konzil von Florenz fußend, kann das Konzil von Trient feststellen:

„Kann. 3 Wer leugnet, dass im ehrwürdigen Sakrament der Eucharistie unter jeder der beiden Gestalten und – nach erfolgter Trennung – unter den einzelnen Teilen jeder Gestalt der ganze Christus enthalten ist: der sei mit dem Anathema belegt.“ (DH 1653)

„Deswegen ist es ganz wahr, dass ebenso viel unter einer der beiden Gestalten wie unter beiden enthalten ist. Ganz und unversehrt ist nämlich Christus unter der Gestalt des Brotes und unter jedwedem Teil ebendieser Gestalt, ganz ebenso unter der Gestalt des Weines und unter seinen Teilen“. (DH 1641)

Kurz und gut: nach der erfolgten Konsekration des Brotes und des Weines ist der ganze Christus sowohl im Wein als auch im Brot enthalten.

Man könnte aber fragen: Nach welcher Konsekration konkret? Ist damit:

  • die Konsekration des Brotes?
  • die Konsekration des Weines?
  • oder aber die Konsekration des Brotes und des Weines gemeint?

Anders formuliert, lässt sich fragen, ob das Sakrament der Eucharistie erst dann stattfindet, wenn sowohl die Konsekration des Brotes als auch die des Weines ohne jegliche Mängel erfolgt ist. Anders gefragt, würde ein Priester nur das Brot ohne den Wein konsekrieren, wäre dann das Sakrament gültig? Die Antwort darauf ist gar nicht so einfach. Denn erstens behaupten zwar alle Autoren, dass die Vollkommenheit, Vollendung oder Verwirklichung (perfectio) dieses Sakraments in der Konsekration der beiden (utraque) Gestalten besteht.[1] Die Kirche hat immer angenommen, dass zur Gültigkeit des Sakraments die Konsekration der Materie des Sakraments, in diesem Falle von Brot und Wein, erforderlich ist.

Es scheint aber, dass der Konsekration des Brotes eine größere Bedeutung als der Konsekration des Weines beigemessen wird. So schreibt der Aquinate (Summ. Theol. III, q. 74, a.1 ad 2.)

„Es darf aber nicht das eine ohne das andere konsekriert werden; sonst wäre das Sakrament nicht vollendet (non esset perfectum sacramentum).“[2]

Bedeutet aber die Vollendung (perfectio) des Sakraments dasselbe wie seine Gültigkeit? Vielleicht kann ein Thomas-Kenner unter unseren Lesern weiterhelfen. Anders gefragt, angenommen, dass ein Priester nach der Konsekration des Brotes vom Blitz getroffen wird und augenblicklich stirbt, ohne den Wein konsekriert zu haben. Ist dann das Brot der Leib Christi? Unserer Meinung nach schon, da die Konsekration augenblicklich erfolgt und das konsekrierte Brot, als der Leib Christi, gleich nach seiner Wandlung und vor Wandlung des Blutes angebetet wird, ohne das die Konsekration des Blutes nicht abgewartet wird. Nach Thomas (Summ. Theol., III, q. 75 a.7) erfolgt die Wandlung, wie sein Text im nächsten Beitrag beweist, ja augenblicklich und nicht erst sukzessiv.

[1] https://books.google.de/books?id=vEA_AAAAYAAJ&pg=PA336&lpg=PA336&dq=perfectio+sacramenti&source=bl&ots=F637KQh2ZK&sig=aKCFQvGVsiBwwW0rdMD2kmittas&hl=de&sa=X&redir_esc=y#v=onepage&q=perfectio%20sacramenti&f=false

[2] http://www.unifr.ch/bkv/summa/kapitel780-1.htm

Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3): Kommentar 5 von 8. Das Blutwort nach Thomas von Aquin


Stephanus4

Anbei der Text des Abtes von Solesmes, welcher von der Einführung neuer liturgischen Formulierungen handelt. Wir wollen von dieser Warte aus die Thematik des „für alle“, statt „für viele“ bei dem Blutwort der Konsekration beleuchten und das Problem einer eventuellen Ungültigkeit der Novus Ordo Messe bei diesem unkorrektem Blutwort in mehreren Abschnitten prüfen. In diesem Teil wird derselbe Text von Gueranger erscheinen, unser Kommentar jedoch wird ein anderer sein.

[Und hier kommt] der dritte Grundsatz der Häretiker bezüglich der Liturgiereform. Nachdem sie die kirchlichen Formulierungen verjagt und die absolute Notwendigkeit ausschließlich die Bibelworte im Gottesdienst zu verwenden, verkündet haben, mussten sie dennoch anschließend feststellen, dass die Heilige Schrift sich nicht immer nach ihrem Willen verbiegen lässt; so führten sie den dritten Grundsatz ein, welcher, sagen wir es deutlich, darin besteht verschiedene [liturgische] Formulierungen zu fabrizieren und einzuführen. Formulierungen voll Tücke, durch welche die Gläubigen noch stärker an den Irrtum gebunden werden und wodurch das Gebäude der gottlosen Reform für ganze Jahrhunderte gefestigt wird.

Kommentar 3.3.2

5. Das Blutwort nach Thomas von Aquin

Ferner behauptet der Aquinate zum Thema Konsekration des Blutes in seiner Summa theologica III, q. 78, a.1, sed contra und ad 4.[1]:

„ [Sed contra:] Auf der anderen Seite sagt Ambrosius (4. de sacr. 4.): „Die Konsekration geschieht, durch die Worte, welche der Herr Jesus in seiner Rede gebraucht hat. Denn in dem Übrigen, was da gesagt wird, lobt man Gott, wird gebeten für das Volk, für die Könige, für die übrigen. Sobald man aber zu dem Augenblicke kommt, dass das ehrwürdige Sakrament hergestellt werde, gebraucht der Priester nicht mehr seine Worte, sondern die Worte Christi. Die Worte Christi also vollenden dieses Sakrament.“ […]

Ad 4. Es meinten wohl einige, der Priester könne nicht mit diesen Worten allein das Sakrament herstellen, wenn er die anderen vorhergehenden, im Kanon zumal, auslässt. Doch das ist falsch, wie aus den Worten des Ambrosius hervorgeht und weil der Kanon der Messe nicht überall derselbe ist. Wenn also der Priester nur diese Worte sagte mit der Absicht, das Sakrament zu vollenden, so besteht das Sakrament und würden kraft der Absicht dann die Worte auf die Person Christi gehen, dass der Leib Christi da wäre und nicht der Leib des Priesters. Schwer aber würde der Priester sündigen, der so thäte und den Ritus der Kirche nicht beobachtete. […]

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Konsekration des Blutes also auch beim „verkorksten“ Blutwort stattfindet und daher die Novus Ordo Messen, bei Beobachtung der vorgeschriebenen Form, Materie und Intention des Spenders gültig sind. Daher hat die Piusbruderschaft, welche die Bedeutung des Blutwortes für die Konsekration dermaßen unterstreicht, dass sie die Gültigkeit der Neuen Messe infrage stellt,[2] unrecht, obwohl sie es, aufgrund der von ihr verlegten Dogmatik von Diekamp-Jüssen, eigentlich besser wissen sollte. Besser wissen sollte es auch Pfr. Cekada,[3] der in der Ungültigkeitsthese Henry Omlor folgt, welcher den berühmten Traktat mit dem Titel Questioning the Validity oft he Masses using the New All-English Canon verfasste.[4] Der Schreiber dieser Zeilen hat Omlor noch nicht gelesen, da aber die eigentliche Sakramentalform beibehalten worden ist und Thomas immer allen anderen vorzuziehen ist, so ist Omlors These irrelevant. Dufgrund der katholischen Dogmatik kann keine Ungültigkeit der Wandlungsworte wegen der fehlerhaften Form „für viele“ behauptet werden.

[1] Übersetzung ist hier zu finden: http://www.unifr.ch/bkv/summa/kapitel784-1.htm

[2] Diese Schlussfolgerung kann man aus der folgenden Lektüre ziehen. Katholischer Katechismus zur kirchlichen Krise, Jaidhof 2012, 127-129. Es handelt sich um Punkt 65. Ist die neue Messe gültig? S. 129: „Somit haben wir den Wandlungsworten tatsächlich einen Irrtum! Diese mussten zwar die Wandlung nicht unbedingt ungültig machen, vor allem dann nicht, wenn der Priester dass „für alle“ in einem Gläubigen sind versteht, nämlich an als Angebot des Heils für alle. Trotzdem bleibt das Anführungszeichen „für alle“ falsch und begünstigt die Häresie.“ Leider hegen die meisten der Gläubigen der Piusbruderschaft aufgrund solcher Lehren, seien es nur Anspielungen, ernsthafte Zweifel an der Gültigkeit der Neuen Messe und aller Sakramente des Novus Ordo.

[3] Cekada, Anthony, Work of Human Hands. A Theological Critique of the Mass of Paul VI, Ohio 2010, 320-324.

[4] Nachzulesen http://www.the-pope.com/qtv.html

Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3): Kommentar 4 von 8. Hl. Thomas von Aquin über die Form des Blutwortes


henry-viii_h8f168

Anbei der Text des Abtes von Solesmes, welcher von der Einführung neuer liturgischen Formulierungen handelt. Wir wollen von dieser Warte aus die Thematik des „für alle“, statt „für viele“ bei dem Blutwort der Konsekration beleuchten und das Problem einer eventuellen Ungültigkeit der Novus Ordo Messe bei diesem unkorrektem Blutwort in mehreren Abschnitten prüfen. In diesem Teil wird derselbe Text von Gueranger erscheinen, unser Kommentar jedoch wird ein anderer sein.

[Und hier kommt] der dritte Grundsatz der Häretiker bezüglich der Liturgiereform. Nachdem sie die kirchlichen Formulierungen verjagt und die absolute Notwendigkeit ausschließlich die Bibelworte im Gottesdienst zu verwenden, verkündet haben, mussten sie dennoch anschließend feststellen, dass die Heilige Schrift sich nicht immer nach ihrem Willen verbiegen lässt; so führten sie den dritten Grundsatz ein, welcher, sagen wir es deutlich, darin besteht verschiedene [liturgische] Formulierungen zu fabrizieren und einzuführen. Formulierungen voll Tücke, durch welche die Gläubigen noch stärker an den Irrtum gebunden werden und wodurch das Gebäude der gottlosen Reform für ganze Jahrhunderte gefestigt wird.

Kommentar 3.3.1

4. Thomas von Aquin über die Form des Blutwortes

Die ganze, in Kommentar 3.3 zitierte Thomas-Passage (Summ. Theol. III, 78, q.3), die als solche lesenswert ist und welche wir deswegen in Originalton Thomas unten anführen, lautet wie folgt:

Dritter Artikel.
Diese Form: „Dies ist der Kelch meines Blutes“, ist höchst zukömmlich.

  1. a) Dagegen spricht Folgendes:

  2. Es müßte hier heißen, wie in der anderen Form: „Dies ist mein Leib;“ so: „Dies ist mein Blut.“ Also unzulässigerweise steht als direktes Prädikat da: „der Kelch.“

  3. Die Konsekrationsworte des Blutes sind nicht minder wirksam wie die des Leibes. Sogleich aber nachdem gesagt ist: „Dies ist mein Leib,“ ist der Leib Christi gegenwärtig. Hier aber scheint dies nicht der Fall zu sein, da noch andere Worte hinzugefügt werden; oder diese letzteren sind überflüssig.

III. Das Neue Testament gehört zur innerlichen Einsprechung, nach Jerem. 31.: „Vollenden werde ich über das Haus Israel das Neue Testament …, indem ich die Gesetze ihnen ins Herz legen werde.“ Ein Sakrament aber wird in nach außen sichtbarer Weise vollendet. Also steht hier unzulässigerweise: „des Neuen Testamentes.“

  1. „Neu“ wird etwas genannt, weil es nahe am Anfange seines Seins ist; — „ewig“, weil es keinen Anfang hat. Also wird hier unzulässigerweise Beides verbunden, indem es heißt: „des Neuen und ewigen Testamentes.“
  2. Die Gelegenheiten des Irrtums sind dem Volke hinwegzunehmen, nach Isai. 57, 14. Viele aber irrten und meinten, nur in mystischer Weise sei hier Leib und Blut des Herrn gegenwärtig. Also darf man nicht sagen: „Mysterium des Glaubens.“ [S. 190] VI. Wie die Taufe das Sakrament des Glaubens ist, so ist die Eucharistie das Sakrament der Liebe. Also durfte hier nicht der Glaube Erwähnung finden.VII. Das ganze Sakrament der Eucharistie, Leib und Blut, ist ein Andenken des Leidens Christi, nach I. Kor. 11.: „So oft ihr dieses Brot esset und diesen Kelch trinket, werdet ihr den Tod des Herrn verkündigen.“ Also durfte nicht vorzugsweise in der sakramentalen Form für das Blut das Leiden Christi erwähnt werden; während doch der Herr sagt (Luk. 22.): „Das ist mein Leib, der für euch wird dahingegeben werden.“VIII. Das Leiden Christi ist hinreichend nützlich für alle; und ist thatsächlich wirksam für viele. Also durfte hier nicht gesetzt werden: „Welches vergossen worden für euch und für viele,“ sondern es mußte einfach heißen „für alle“ oder „für viele“ ohne das „für euch.“IX. Kein Evangelist hat berichtet, daß Christus diese Form gebraucht habe; und doch hat sie nur Kraft auf Grund der Einsetzung Christi.

Auf der anderen Seite ist diese Form im Gebrauche in der Kirche, die von den Aposteln unterrichtet ist: „Dies ist der Kelch meines Blutes, des Neuen und ewigen Testamentes, das Mysterium des Glaubens, welches für euch und für viele vergossen werden wird zur Vergebung der Sünden.“

  1. b) Ich antworte, rücksichtlich dieser Form herrsche eine doppelte Meinung. Denn die einen sind der Ansicht, zum Wesen derselben gehören nur die ersten Worte: „Dies ist der Kelch meines Blutes;“ nicht aber die folgenden. Dies scheint aber unzulässig. Denn die Worte, welche folgen, sind nähere Bestimmungen des Prädikats: „des Blutes Christi“; gehören somit zur Vollständigkeit der Redeweise. Deshalb meinen andere, alle diese Worte gehören zum Wesen der Form bis zu dem Satze: „So oft ihr dies thun werdet . . .;“ welcher den Gebrauch dieses Sakramentes betrifft. Und deshalb spricht der Priester unter demselben Ritus und in derselben Weise, indem er nämlich den Kelch in den Händen hält, diese Worte aus. Luk. 22. werden ebenfalls Worte, die hier folgen, dazwischengeschoben zwischen jene, die hier vorhergehen: „Dieser Kelch ist das Neue Testament in meinem Blute.“

Es ist also zu sagen, daß alle diese Worte zur Substanz oder zum Wesen der Form gehören. Jedoch wird durch die ersten Worte: „Dieses ist der Kelch meines Blutes“ bezeichnet die Umwandlung selber des Weines in Blut, in der Weise wie es eben gesagt worden ist rücksichtlich der Konsekrationsform des Brotes. Die folgenden Worte aber drücken die Kraft des im Leiden vergossenen Blutes aus, welches in diesem Sakramente wirkt. Dieselbe erstreckt sich auf dreierlei: 1. Es bewirkt die Besitznahme des himmlischen Erbes, nach Hebr. 10.: „Wir haben Vertrauen, in den Himmel einzutreten im Blute Christi;“ und danach wird gesagt: „des Neuen und ewigen Testamentes.“ 2. Es verleiht die Gerechtigkeit der Gnade, die durch den Glauben ist, nach Röm. 3.: „Ihn (Christum) hat Gott aufgestellt als Sühner in seinem Blute durch den Glauben, daß Er selber gerecht sei und gerecht mache den, der aus dem Glauben ist Jesu Christi;“ und danach heißt es: „das Mysterium des Glaubens.“ 3. Das Blut Christi entfernt die Hindernisse für das Heil und für die Rechtfertigung im Glauben, nach Hebr. 9.: „Das Blut Christi wird euer Gewisien reinigen von toten Werken;“ und danach heißt es: „das für euch und für viele vergossen werden wird zum Nachlasse der Sünden.“ [S. 191] c) I. Der Ausdruck: „Der Kelch meines Blutes“ ist entweder eine Metonymie, wonach das Enthaltende gesetzt wird für das Enthaltene, so daß der Sinn ist: „Dies ist mein Blut, das da enthalten ist im Kelche, welches hier erwähnt wird;“ denn das Blut wird hier konsekriert als Trank der gläubigen, was sonst bei dem Blute nicht gedacht wird und deshalb durch die Erwähnung des Trinkgefäßes gekennzeichnet werden mußte; — oder dieser Ausdruck wird verstanden als Figur für das Leiden, nach Ps. 22.: „Und mein Kelch, der da berauscht, wie herrlich ist er;“ oder auch nach Matth. 26.: „Es gehe vorüber dieser Kelch.“ Danach wäre der Sinn: „Dies ist der Kelch meines Leidens, dessen Erwähnung geschieht im Blute, das da getrennt vom Leibe konsekriert wird;“ denn die Trennung des Blutes vom Leibe geschah in dem bitteren Leiden.

  1. Weil eben das Blut, welches getrennt vom Leibe konsekriert wird, ausdrücklich das Leiden Christi vorstellt; deshalb geschieht des Leidens Erwähnung vielmehr bei der Konsekration des Weines wie des Brotes. Und dies deutet auch der Heiland an, der da sagt: „Das ist mein Leib, der für euch dahingegeben wird“ d. h. der für euch dem Leiden unterworfen werden wird.

III. Ein Testament will sagen: Verfügung über das Erbe. Das himmlische Erbe aber wollte Gott den Menschen durch die Kraft des Blutes Jesu Christi geben, nach Hebr. 9.: „Wo ein Testament ist, da muß der Tod des Erblassers dazwischentreten.“ Das Blut Christi aber ist zuerst den Menschen vorgestellt worden in der Figur, was dem Alten Testamente angehört, wonach der Apostel seinen Schluß macht: „Auch das Erste Testament ist nicht ohne Blut geweiht worden;“ denn „nachdem Moses gelesen hatte das ganze Gesetz, besprengte er das ganze Volk und sprach: Dies ist das Blut des Testamentes, das der Herr euch gesandt hat.“ Dann wurde das Blut des Herrn uns vorgestellt in der Wahrheit; und so gehört es dem Neuen Testamente an; darum fährt der Apostel fort: „Deshalb ist Christus der Mittler des Neuen Testamentes, damit durch das Dazwischentreten seines Todes sie die Erfüllung der Verheißung erlangen, die da berufen sind zum ewigen Erbe.“ Es wird also gesagt: „Dieses Blut des Neuen Testamentes,“ weil es nicht mehr in der Figur, sondern in der Wahrheit uns geboten wird; weshalb wie zur Erklärung dahinter steht: „Das vergossen werden wird zum Nachlasse der Sünden.“ Die innerliche Einsprechung aber geht hervor aus der Kraft dieses Blutes, insoweit wir gerechtfertigt werden durch das Leiden Christi.

  1. Dieses Testament ist „neu“, weil es uns in Christo eben dargeboten ward. Es ist „ewig“, sowohl auf Grund der ewigen Vorherbestimmung als auch auf Grund des ewigen himmlischen Erbes. Und ebenso ist die Person Christi selber, durch dessen Blut das Testament dargeboten wird, ewig.
  2. „Mysterium“ steht hier; nicht als ob die Wahrhaftigkeit des Blutes Christi ausgeschlossen werden sollte und im Sakramente nur eine Figur wäre, wie etwa im Alten Bunde dies Brauch war; sondern dieser Ausdruck wird hier gebraucht, um das Geheimnisvolle anzuzeigen, da das Blut Christi in verborgener Weise, unter der Hülle der Gestalt des Weines, gegenwärtig ist.VI. „Mysterium des Glaubens“ ist gesetzt, weil es sich um einen Gegenstand des Glaubens handelt; denn nur durch den Glauben halten wir fest, daß Christi Blut im Sakramente gegenwärtig sei. Auch [S. 192] rechtfertigt das Leiden selber durch den Glauben. Die Taufe ist das Sakrament des Glaubens, weil sie ein gewisses Bekenntnis des Glaubens bildet. Die Eucharistie ist in dem Sinne das Sakrament der Liebe, weil sie die Liebe Christi darstellt und die Liebe zu Christo in uns bewirkt.VII. Das Blut, soweit es getrennt vom Körper konsekriert wird, stellt ausdrücklicher dar das Leiden Christi. Deshalb findet das Leiden Christi und dessen Frucht vielmehr Erwähnung bei der Konsekration des Blutes wie bei der des Leibes.VIII. Das Blut des bitteren Leidens erstreckt seine Wirksamkeit nicht allein auf die Juden, denen allein vorgestellt ward das Blut des Alten Testamentes, sondern auch auf die Heiden; — und zudem nicht nur auf die Priester, welche dieses Sakrament konsekrieren, sondern auch auf die, welche es genießen und selbst auf die, für welche es dargebracht wird.

Deshalb heißt es hier ganz zutreffend „für euch“, nämlich die Juden, ,und für viele“, nämlich die Heiden; oder „für euch“, die ihr es genießet, „und für viele“, für welche es dargebracht wird.IX. Die Evangelisten hatten nicht die Absicht, die sakramentalen Formen zu berichten; denn diese mußten nach Dionysius (ecl. hier. c. ult.) in der Urkirche vielmehr verborgen sein. Sie wollten nichts Anderes berichten wie die Geschichte Christi. Jedoch können beinahe alle diese Worte hier in den verschiedenen Stellen der Schrift gefunden werden. Denn „das ist der Kelch“ steht Luk. 22. und 1. Kor. 11. „Dies ist das Blut des Neuen Testamentes, welches wird vergossen werden für viele zum Nachlasse der Sünden“ steht Matth. 26. Der Zusatz „ewig“ und dieser andere, „Mysterium des Glaubens“, stammt aus dem Munde des Herrn und kam vermittelst der Apostel zur Kenntnis der Kirche, nach 1. Kor. 11.: „Ich habe es vom Herrn empfangen und es euch gelehrt;“ und 1. Tim. 3.:, „Wir haben das Mysterium des Glaubens.“

Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3): Kommentar 3 von 8. „Für viele“ für die eigentliche Sakramentenform unerheblich


Gregor3_244x300Anbei der Text des Abtes von Solesmes, welcher von der Einführung neuer liturgischen Formulierungen handelt. Wir wollen von dieser Warte aus die Thematik des „für alle“, statt „für viele“ bei dem Blutwort der Konsekration beleuchten und das Problem einer eventuellen Ungültigkeit der Novus Ordo Messe bei diesem unkorrektem Blutwort in mehreren Abschnitten prüfen. In diesem Teil wird derselbe Text von Gueranger erscheinen, unser Kommentar jedoch wird ein anderer sein.

[Und hier kommt] der dritte Grundsatz der Häretiker bezüglich der Liturgiereform. Nachdem sie die kirchlichen Formulierungen verjagt und die absolute Notwendigkeit ausschließlich die Bibelworte im Gottesdienst zu verwenden, verkündet haben, mussten sie dennoch anschließend feststellen, dass die Heilige Schrift sich nicht immer nach ihrem Willen verbiegen lässt; so führten sie den dritten Grundsatz ein, welcher, sagen wir es deutlich, darin besteht verschiedene [liturgische] Formulierungen zu fabrizieren und einzuführen. Formulierungen voll Tücke, durch welche die Gläubigen noch stärker an den Irrtum gebunden werden und wodurch das Gebäude der gottlosen Reform für ganze Jahrhunderte gefestigt wird.

 

Kommentar 3.3

3. „Für viele“ für die eigentliche Sakramentform unerheblich

Obwohl die richtige Version der Wandlungsworte „für viele und nicht „für alleheißt, so ist dennoch diese Änderung für die eigentliche Form des Sakraments unerheblich. Es gilt unter Theologen als eine sententia certa, d.h. eine sichere Meinung,[1] das wesentlich für die gültige Form des Sakraments nur die Worte: Hoc est corpus meum („Dies ist mein Leib“) und Hic est calix sanguinis mei („Dies ist der Kelch meines Blutes“) oder Hic est sanguis meus („Dies ist mein Blut“) sind und nicht das Drumherum.[2] Die Dogmatik von Diekamp-Jüssen stellt die bisherige Lehre zusammenfassend, vgl. Thomas, Summ. Theol. Q. 78, a.1, wie folgt dar:

„Diese Worte bezeichnen klar und bestimmt, was durch die Konsekration bewirkt wird. Die vorausgehenden und folgenden Worte auch das enim [„nämlich“ bei der Konsekrationsform der tridentinischen Messe], sind hierfür unerheblich. Es wäre zwar sündhaft, sie auszulassen; aber die Gültigkeit hängt nicht von ihnen ab. Die Worte bei der Konsekration des Kelches:

  1. novi et aeterni testamenti [„des neuen und ewigen Bundes“],
  2. mysterium fidei [„Geheimnis des Glaubens“],
  3. qui pro vobis et pro multis effundetur in remissionem peccatorum [„das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden“]

zeigen nach Thomas Summ. Theol. III. Q. 73 a.3 drei Wirkungen des beim Leiden Christi vergossenen Blutes an, nämlich

(ad 1) die Erlangung der ewigen Erbschaft,

(ad 2) die Rechtfertigung durch den Glauben

(ad 3) und die Nachlassung der Sünden.“ [3]

Der Hl. Thomas von Aquin vertritt zwar die Meinung, dass (1) bis (3) die Worte de substantia formae seien, was in etwa mit „von der Substanz her die Form betreffend“ übersetzt werden kann. Dies ist aber so zu verstehen, dass Thomas, entgegen einigen späteren Thomisten, zwischen der sakramentalen Form im engeren Sinne (sensu stricto) und der sakramentalen Form im weiteren Sinne (sensu lato) unterscheidet. Nur die Erstere, d.h. die Form sensu stricto: „Dies ist mein Leib“, „Dies ist mein Blut“ wesentlich für die Gültigkeit der Form ist. Wohingegen die Letztere, d.h. die Form sensu lato, zwar die Würdigkeit, aber nicht das Wesen des Sakraments selbst betrifft. Dies ist die Auslegung des Schreibers dieser Zeilen, welcher hier mit Diekamp-Jüssen und anderen konform geht.[4]

Wie auch bei anderen theologischen Problemen lautet die Lösung ite ad Thomam, d.h. „geht zur Thomas“, der in seiner Summa theologica III, q. 78, a.1, sed contra und ad 4.[5] wie folgt schreibt:

 „ [Sed contra:] Auf der anderen Seite sagt Ambrosius (4. de sacr. 4.): „Die Konsekration geschieht, durch die Worte, welche der Herr Jesus in seiner Rede gebraucht hat. Denn in dem Übrigen, was da gesagt wird, lobt man Gott, wird gebeten für das Volk, für die Könige, für die übrigen. Sobald man aber zu dem Augenblicke kommt, dass das ehrwürdige Sakrament hergestellt werde, gebraucht der Priester nicht mehr seine Worte, sondern die Worte Christi. Die Worte Christi also vollenden dieses Sakrament.“ […]

 Ad 4. Es meinten wohl einige, der Priester könne nicht mit diesen Worten allein das Sakrament herstellen, wenn er die anderen vorhergehenden, im Kanon zumal, auslässt. Doch das ist falsch, wie aus den Worten des Ambrosius hervorgeht und weil der Kanon der Messe nicht überall derselbe ist. Wenn also der Priester nur diese Worte sagte mit der Absicht, das Sakrament zu vollenden, so besteht das Sakrament und würden kraft der Absicht dann die Worte auf die Person Christi gehen, dass der Leib Christi da wäre und nicht der Leib des Priesters. Schwer aber würde der Priester sündigen, der so thäte und den Ritus der Kirche nicht beobachtete. […]“

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Konsekration des Blutes also auch beim „verkorsten“ Blutwort stattfindet und daher die Novus Ordo Messen, bei Beobachtung der vorgeschriebenen Form, Materie und Intention des Spenders gültig sind. Daher hat die Piusbruderschaft, welche die Bedeutung des Blutwortes für die Konsekration dermaßen unterstreicht, dass sie die Gültigkeit der Neuen Messe infrage stellt,[6] unrecht, obwohl sie es, aufgrund der von ihr verlegten Dogmatik von Diekamp-Jüssen, eigentlich besser wissen sollte. Besser wissen sollte es auch Pfr. Cekada,[7] der in der Ungültigkeitsthese Henry Omlor folgt, welcher den berühmten Traktat mit dem Titel Questioning the Validity oft he Masses using the New All-English Canon verfasste.[8] Der Schreiber dieser Zeilen hat Omlor noch nicht gelesen, da aber die eigentliche Sakramentalform beibehalten worden ist und Thomas immer allen anderen vorzuziehen ist, so ist Omlors These irrelevant. Dufgrund der katholischen Dogmatik kann keine Ungültigkeit der Wandlungsworte wegen der fehlerhaften Form „für viele“ behauptet werden.

[1] Unter Theologen versteht man in diesem Kontext nicht jeden, der Theologie studiert oder häretischen Unsinn wie Arius oder Rahner verbreitet hat, sondern diejenigen rechtgläubigen kirchlichen Schriftsteller, die weder Kirchenväter noch Kirchenlehrer sind, deren Ansichten aber in den lehramtlichen Dokumenten und bei theologischer Beweisführung zitiert wurden. Einen Teil dieser Theologen kann man hier nachlesen: http://gloria.tv/media/93424kLSDhT J.B. J.B. Gener zählte in seinem Werk „Prodromo ad Theologiam“, Rom 1767 1000 Namen auf, u.a. Sanchey (gest. 1610), Lessius (gest. 1623), Cornelius a Lapide (gest. 1637), Kard. Lugo (gest. 1660). Dass in der nachkonziliaren Theologie diese Namen kaum genannt oder zitiert werden, versteht sich wohl von selbst. Man weiß ja alles selbst und besser.

[2] Diekamp-Jüssen, 911

[3] Ebd. 911.

[4] Ebd. 911-912 (Literaturangaben).

[5] Übersetzung ist hier zu finden: http://www.unifr.ch/bkv/summa/kapitel784-1.htm

[6] Diese Schlussfolgerung kann man aus der folgenden Lektüre ziehen. Katholischer Katechismus zur kirchlichen Krise, Jaidhof 2012, 127-129. Es handelt sich um Punkt 65. Ist die neue Messe gültig? S. 129: „Somit haben wir den Wandlungsworten tatsächlich einen Irrtum! Diese mussten zwar die Wandlung nicht unbedingt ungültig machen, vor allem dann nicht, wenn der Priester dass „für alle“ in einem Gläubigen sind versteht, nämlich an als Angebot des Heils für alle. Trotzdem bleibt das Anführungszeichen „für alle“ falsch und begünstigt die Häresie.“ Leider hegen die meisten der Gläubigen der Piusbruderschaft aufgrund solcher Lehren, seien es nur Anspielungen, ernsthafte Zweifel an der Gültigkeit der Neuen Messe und aller Sakramente des Novus Ordo.

[7] Cekada, Anthony, Work of Human Hands. A Theological Critique of the Mass of Paul VI, Ohio 2010, 320-324.

[8] Nachzulesen http://www.the-pope.com/qtv.html