Bäumer, Geschichte des Breviers. (5) Einleitung: § 1. Begriff und Inhalt des Breviers. Mündliches Gebet.


all saints

Mündliches Gebet

Eigentlich ist der Weg zur Heiligkeit ganz einfach. Man muss lediglich wissen, was nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil abgeschafft oder verändert wurde und das Gegenteil tun. Je gründlicher etwas abgeschafft wurde und je mehr dagegen gewettert wurde und immer noch gewettert wird, desto mehr Heiligkeit steckt dahinter. Der Umkehrschluss also, da hinter all diesen „Reformen“ von welchen wirklich keine einzige der Kirche und den Seelen zum Heil gereichte, der Widersacher Gottes steckte („Ich bin der Geist, der stets verneint“ nach Goethes Faust), sowie Menschen, die von ihm mehr oder weniger direkt inspiriert wurden.

Die nachkonziliare Verwerfung des mündlichen Gebets

Das mündliche Gebet stellt etwas dar, was wenigstens seit dem Konzil, aber bei vielen Theologen schon früher als verächtlich abgetan wurde, als ein bloßes Rezitieren und Auswendiglernen, etwas, was eines „mündigen Christen“ unwürdig ist. Der Schreiber dieser Zeilen hat noch in seiner Kindheit auf diese Art und Weise gebetet, dass er bestimmte Gebete wie: Vater Unser, Gegrüßtes seist Du Maria, Ehre dem Vater, Credo etc. kniend und laut oder halblaut aufsagte. Dieses Gebet wird in seiner Heimat Pacierz [Aussprache in etwas patziesch] genannt, ein Wort, das wohl vom Pater noster stammt. Erst in seiner Jugend lernte er in einer katholischen (sic!) Erneuerungsbewegung sowohl die Verachtung für das mündliche, private Gebet im Sinne des bisherigen Pacierz als auch gegenüber dem vorformulierten Gebet im Allgemeinen kennen. Man solle, so sagte man ihm, sich bei einem „Dialog mit Gott“ keiner vorformulierten Gebete bedienen, sondern „frei aus dem Herzen heraus“ beten. Man solle mit Gott, „wie mit einem Freund sprechen“, da es Moses (vgl. Ex 33,11) auch so tat. Er lernte diese Einstellung natürlich bei den katholischen Charismatikern, aber eigentlich auch bei allen anderen katholischen Spiritualität (ignatianisch, dominikanisch und andere), die er kennenlernte, kennen.

Das mündliche Gebet ist als privates Gebet nicht mehr en vogue, man solle nach Höherem streben. Das liturgische, mündliche Gebet, wie das Brevier oder der Rosenkranz, wurde zwar vielerorts empfohlen, aber es wurde entweder im Sinne einer schweren äußeren Pflicht verstanden, welche den hart gebeutelten Klerikern, die es ja, so, so schwer haben, obliegt oder als eine Art Show betrachtet, welchen manche Laien oder dritter Orden öffentlich vorführen oder seine Mitglieder zwar privat beten, aber immer so, dass andere es mitgekommen. Der Schreiber dieser Zeilen hat noch niemals jemanden gesehen, der sein Brevier privat laut oder halblaut betet und so betete er auch jahrzehntelang sein nachkonziliares Brevier auch im Stillen, indem er fast immer die Worte nur las anstatt sie zu rezitieren.

Vorteile des lauten Betens

Erst als er die Rubriken der alten Breviere entdeckte, in welchen gefordert wird, dass man auch privat  laut oder halblaut, d.h. rezitierend[1] („so dass man sich selbst hören kann“, wie es die Rubriken formulieren) beten soll, entdeckte er die Kraft des lauten Gebets. Worin besteht diese? Er spürt, dass die halblaut gesprochenen Gebete einfach mehr wirken. Es geht also nicht nur um den subjektiven Gewinn, dass man beim Rezitieren schneller die Psalmen und andere Gebete auswendig lernt und aufmerksamer ist als beim stillen Beten. Die ausgesprochenen also die rezitierten Gebete wirken einfach mehr in einer geistigen und übernatürlichen Dimension. Es geht also nicht nur darum, dass die Menschen es hören, sondern auch darum dass Gott es hört und die Dämonen es auch tun. Hört denn Gott nicht die Gedanken, wie die Dämonen auch? Doch. Warum also laut beten? Weil man durch das laute Beten einen geistlichen Raum schafft. Die ausgesprochenen Gebete bleiben gleichsam im Raum und in der Zeit stehen. Man erweckt die rezitierten Buchstaben gleichsam zum Leben, es ist als würde man eine Partitur singen und nicht sich nur im Kopf (manche Menschen können es durchaus) die Melodie oder die Musik vorstellen. „Sprechen“, im Hebräisch dabār, bedeutet auch „erschaffen“. Man „erschafft“ sozusagen eine spirituelle Wirklichkeit, indem man die heiligen Worte ausspricht. Umgekehrt ist es genauso: bei den Okkultisten müssen bestimmte Beschwörungen oder Flüche ebenfalls laut ausgesprochen werden, damit die Dämonen es hören und diese Beschwörungen wirken.

Unsere nachkonziliare theologische Wahrnehmung ist extrem menschenzentriert (d.h. anthropozentrisch) und horizontal geworden. Liturgie und Gebet und vor allem das liturgische Gebet ist aber vor allem gottzentiert (d.h. theozentrisch) und vertikal und erst aus dieser Vertikalität herau werden den Menschen die Früchte der Gottverbundenheit zugeeignet. Man bringt also durch das laute Beten der traditionellen Gebete, insbesondere der liturgischen Gebete (natürlich der vor 1962) die objektive Heiligkeit zum Klingen. Es ist so als würde man eine große, heilige Partitur singen. Ohne Sänger – kein Gesang. Und deswegen wurden sowohl im Israel als auch in der Kirche die offiziellen Gebete immer laut verrichtet. Auch die einsam lebenden Wüstenväter rezitierten die Psalmen laut. Dass private Gebete im Alten Testament vornehmlich laut vorgetragen wurden, wird auch aus der Reaktion Helis auf die betende Anna deutlich, welche nur ihre Lippen bewegte, sodass Heli annahm, dass sie, das sie nicht wie üblich laut betet, betrunken sei (1 Sam 1, 13). Sogar Heli war also ein stilles Gebet unbekannt. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das übliche und normale Gebet in der Kirche das laute Gebet war. Die betrifft auch das private Gebet.

Höhere, stille Gebetsstufen nicht allen zugänglich

Natürlich kann man auch still, nur im Gedanken beten, dies betrifft aber nicht das Breviergebet und das liturgische Gebet. Die Kirche kennt das:

  1. Diskursive Gebet, also das betrachtende Gebet mit Hilfe des Verstandes,
  2. Das meditative Gebet
  3. Das kontemplative Gebet.

Ad 1.

Das diskursive Gebet ist ein Gebet, in welchem ich mithilfe meines Verstandes beispielsweise das Attribut der göttlichen Allgegenwart betrachte. Pater Poulain SJ nennt es „das methodische oder erwägende Gebet“[2] und wir haben ebenfalls darüber geschrieben.[3] Die Aktivität bei dieser Art des Gebetes geht vom Menschen aus und dieses Gebet ist recht anstrengend. Versuchen Sie bitte eine halbe Stunde lang aktiv darüber nachzudenken, wo überall Gott ist, wie seine Überräumlichkeit aufzufassen sei etc. Die Kirche hat immer dieses Art des Gebetes anerkannt und seine  Herabsetzung seitens falscher Mystik verteidigt, wovon wirklich viele Denzinger-Stellen sprechen (DH 2218-2223, 2225, 2229, 2264, 2365-2368). Das diskursive Gebet wurde von denjenigen herabgesetzt, welche meinten, dass dieses Gebet für „vollkommene Seelen“ unnütz sei, da man sogleich mit der Stufe der Meditation anfangen sollte. Dazu muss man sagen, dass, wie Pater Poulain SJ bestätigt, der selbst ein geistlichen Leben führte, ein Seelenführer war und sicherlich auch viele Exerzitien gab, die meisten Menschen wirklich niemals zum Gebet der Betrachtung oder der Meditation kommen, es selbst wissen und darüber sehr frustriert sind. Und diese Menschen sollten einfach auf der Stufe des mündlichen Gebets und des diskursiven Gebets bleiben.

Ad 2.

Das betrachtende Gebet oder die Meditation[4] wurde ebenfalls von der Kirche anerkannt (DH 2181-2185), aber dieses Gebet wurde niemals als heilsnotwendig betrachtet. So lesen wir im Entwurf des Innozenz XI für eine Instruktion des Hl. Offizium zum Quietismus:

„[…] Gottlos <ist es> schließlich, <zu behaupten>, dass das geistige Gebet, sei es das meditative oder kontemplative, schlechthin notwendig zum Heil sei.“ (DH 2192)

Und warum ist es nicht heilsnotwenig? Weil nicht jeder dazu in der Lage ist.

Ad 3.

Ebenfalls wurde die Kontemplation oder das kontemplative Gebet von der Kirche in seiner Vortrefflichkeit immer anerkannt (DH 2182, 2185, 2188, 4862), aber dieses Gebet zu welchem noch viel weniger Menschen gelangen, als im Falle der Meditation, wurde niemals als für alle vorgeschrieben und somit als notwendig erachtet.

Und was kann jeder? Laut die vorgeschriebenen Gebete mündlich beten und über ihren Inhalt nachdenken. Dies ist möglich und deswegen auch notwendig. Wie immer im Falle, in welchem etwas als nicht allgemein zugänglich und als elitär bezeichnet wird, auch im Falle des fortgeschrittenen Gebets möchten die Menschen es erst recht haben.

Meditation nicht für alle geeignet

Da im Gebetsleben eine Zusammenarbeit zwischen Natur und Gnade stattfindet, so gibt es Menschen, die aufgrund ihrer gottgegeben Natur sich einfach nur sehr kurz konzentrieren können und über ein schwaches abstraktes Denken verfügen. Sie können sich auch schlecht in ihr Inneres zurückziehen und brauchen immer eine äußere Anregung. Bei manchen legt sich das im Laufe der geistlichen Entwicklung, bei manchen aber nicht. Es ist wirklich recht unwahrscheinlich, dass diese Menschen beim diskursiven Gebet große Fortschritte machen werden. Ebenso gibt es Menschen, welche ständig aktiv über etwas nachdenken müssen, sodass sie niemals innerhalb ihrer selbst die notwendige Leere schaffen können, um zum affektiven Gebet oder zum Gebet der Ruhe zu kommen. Daher scheinen sie für Meditation oder Kontemplation ungeeignet. Natürlich kann man dies nicht wissen, wenn man diese Gebetsarten nicht langjährig wenigstens versucht hat. Pater Poulain SJ beschreibt es wirklich sehr eingehend und wir wollen seinem Werk hier nicht vorgreifen. Es ist einfach so, dass manche Menschen trotz aller Anstrengung bestimmte Stufen niemals erreichen werden. Man kann diese Problematik in etwa mit Gegebenheiten der menschlichen Stimme vergleichen. Der Schreiber dieser Zeilen kann singen, die hohen Töne in seiner Stimmlage bereiten ihm Mühe, er hat eine sehr „kurze“ Kopfstimme, weil seine Stimmbänder einfach, wie er glaubt, zu kurz sind, damit er einen passablen Kontratenor abgeben würde. Er kann nur an seiner normalen Stimme arbeiten und das kompetente und schön klingende Singen mit der Kopfstimme anderen überlassen, zumal auch nicht jedermanns Kopfstimme gut klingt. Dies ist keine Diskriminierung, keine Herabsetzung, es sind Fakten. So kann man sich in etwa seine mögliche Gebetsentwicklung vorstellen. Gott gibt uns unsere natürlichen Anlagen und erwartet von uns nichts Unmögliches.

Deswegen auch ist die nachkonziliare Herabsetzung des mündlichen, vorformulierten Gebetes so  verhängnisvoll. Man wird, falls man es überhaupt wird, angeleitet gleich und sofort mit dem diskursiven oder gleich mit der Meditation anzufangen, mit Gebet der Ruhe oder dem affektiven Gebet. Es gibt tatsächlich Menschen, die es sogleich können, welche schnell die Stufe des mündlichen und des diskursiven Gebets überspringen, wie es auch Männer mit einer sehr schönen und „langen“ Kopfstimme gibt. Dies sind aber in beiden Fällen die Ausnahmen. Die meisten Menschen verwerfen die einzige Art des Gebetes, das ihnen zuträglich ist und beten überhaupt nicht, obwohl sie glauben, dass sie meditieren oder das Gebet eigentlich alles ist. Dieses unvorbereitete Meditieren führt leider meistens zum Kreisen um sich selbst, denn man will mit Gott „Dialog“ pflegen, es öffnet den Menschen auf den bösen Geist, der nicht schläft und es führt von irgendeinem Gebet weg, weil man „zu sich selbst finden“ möchte. Gebet ist aber der schuldige Kult Gottes, die Anrufung Gottes und nicht sich selbst. Das christliche Leben besteht auch in der Erfüllung des Willens Gottes und nicht im Eigenwillen oder in der Selbstverwirklichung. Wenn uns Gott keine Anlagen zu höheren Gebetsformen gegeben hat, was durchaus der Fall sein kann, dann ist es eben so. Die anderen gehen uns nichts an, denn es geht um unser Heil.

Natürlich haben die Menschen vor dem Konzil nicht alle gebetet und waren nicht alle heilig. Wenn sie aber beteten und wir sprechen hier von Laien, dann beteten sie morgens und abends vorformulierte Gebete, sie beteten halblaut den Rosenkranz, hier und da eine Litanei, ab und zu absolvierten manchen von ihnen Übungen zum diskursiven Gebet, indem sie den Anleitungen aus frommen Büchern folgten. Dann gab es noch den Kreuzweg und andere Andachten. Wahrscheinlich haben viele von ihnen, besonders beim Rosenkranz oder beim Kreuzweg, die Stufe des betrachtenden oder affektiven Gebetes erreicht, ohne es zu wissen. Wahrscheinlich haben viele von ihnen die Stufe des Gebetes der Ruhe bei der Messe, insbesondere der stillen Messen erreicht, was bei der Novus Ordo Messe, in der permanent geredet oder gesungen wird, nicht möglich ist. Da sie also auf diese Art und Weise, ausschließlich vom mündlichen Gebet ausgehend beteten, so hatten sie einen besseren Glaubenssinn als die meisten jetzt, da sie nach und nach die Glaubensgeheimnisse sozusagen sahen, was wir alle von unserem Pfarrer und seiner PastoralreferentInnen wirklich nicht sagen können.

Hochachtung des mündlichen Gebets

Das Fundament eines jeden Gebets ist das mündliche Gebet, welches von den geistlichen Ständen der Kirche durch das Breviergebet ohnehin gepflegt wird oder wenigstens wurde. Daher schreibt auch Innozenz XI. in der schon erwähnten Verurteilung des Quietismus:

„Keinem also, der dem meditativen bzw. kontemplativen Gebet zugetan ist, soll es erlaubt sein, das mündliche Gebet, das von Christus, dem Herrn, eingesetzt, von den Aposteln beobachtet und von der katholischen Kirche in unaufhörlicher Folge bei allen Gottesdiensten (in omnibus divinis ministeriis) immer angewandt wurde, entweder zu verachten oder als nutzlos und im Vergleich mit dem meditativen oder kontemplativen nichtig herabzusetzen; vielmehr sollen es, da der Prophet lehrt, der Herr sei in Hymnen und Gesängen zu loben, alle zusammen mit dem geistigen und kontemplativen <Gebet> loben und empfehlen.“ (DH 2181)

Leider wurde das schöne lateinische in omnibus divinis ministeriis „in allen göttlichen Diensten“ mit „Gottesdiensten“ übersetzt, was die Aussage des Papstes ein wenig verflachen lässt, da man zwangsläufig an den Kindergottesdienst in der eigenen Gemeinde denken muss, Mit göttlichen Diensten ist:

  • Die Messe,
  • Das Brevier,
  • Die Sakramente
  • Das Paraliturgische Gebetet (Rosenkranz, Maiandacht etc.) gemeint.

Wenn auch in der Tridentinischen Messe oder beim Brevier secreto also im stillen Gebet wird, so überwiegt doch das halblaute Beten, z.B. des Kanons, wo der Priester sich selbst hören muss.

Die laut gesprochenen liturgischen Gebete sind, wie wir schon erwähnten, wirkungsvoll, was die Enzyklika des Pius XI. Ad catholici sacerdotii vom 20. Dez. 1935 bestätigt. Sie sind wirkungsvoll besonders dann, wenn sie von Priestern dargebracht werden. Warum? Weil die geistlichen Stände bei Gott sozusagen einen höheren „Umrechnungsfaktor“ wegen des geistlichen Standes oder wegen der Weihe wegen haben. Die Sünden ebenso. Pius XI. schreibt:

„ […] Der Priester ist schließlich  – auch darin den Dienst Jesu Christi fortsetzend, der »die Nacht im Gebet zu Gott verbrachte« [Lk 6,12] und immer lebt, um für uns einzutreten [vgl. Hebr 7,25] – von Amts wegen der öffentliche Fürbitter für uns bei Gott: zu seinen Aufgaben gehört es nicht nur, der himmlischen Gottheit im Namen der Kirche das eigentliche und wahre Opfer des Altares darzubringen, sondern auch »das Opfer des Lobes« [Ps 50, 14] und die gemeinsamen Gebete; er versieht nämlich mit Psalmen, Fürbitten und Gesängen, die er großenteils aus der heiligen Schrift entlehnt, täglich wieder und wieder den Gott gebührenden Dienst der Anbetung und erfüllt für die Menschen die notwendige Aufgabe solchen Bittgebetes …“ (DH 3757)

Mit den „gemeinsamen Gebeten“ ist hier natürlich das Brevier gemeint, welches von einem Priester als dem qualifizierten Beter (diesmal keine Ironie) dargebracht wird. Die betenden Stände, d.h. die geistigen Stände der Kirche, müssen für uns Laien beten. Ja, ja, …nachdem wir alle jetzt herzlich gelacht haben, müssen wir feststellen, dass heutzutage die Laien, die noch einen Rest des Glaubenssinnes besitzen, für die Kirche und „für die Menschen die notwendige Aufgabe solchen Bittgebetes“ verrichten müssen, da es die Priester wirklich nicht tun. Siehe unsere Bußpsalmen! Sind denn unsere Gebete ebenso wirkungsvoll wie die der Priester oder der formell gottgeweihten Personen? Leider nicht, denn wir besitzen weder das Weihesakrament noch das Sakramentale der Ordensweihe und somit verfügen wir über einen kleineren „Umrechnungsfaktor“, den wir durch unsere persönliche Heiligkeit ausgleichen müssen. Da aber diejenigen, die es tun sollten (Kardinäle, Bischöfe, Priester, Ordensfrauen, Ordensmänner) kaum beten, so muss es jemand rausreißen.  Wahrscheinlich ist die Anzahl derjenigen Geistlichen, welche wissen, dass sie und nur sie die Aufgabe haben Gott das Opfer:

  • Des Lobes,
  • Des Dankes,
  • Der Bitte
  • Der Sühne

und zwar nicht nur durch die Messe, sondern auch durch das Brevier, ihr privates Gebet und ihr Leben darzubringen, sehr klein. Sollte uns jemand dieser Zielgruppe lesen, dann erfährt er oder sie es jetzt. Es geht um das Sein (esse), nicht um das Tun (agere), denn agere sequitur esse, das Wirken folgt aus dem Sein. Das Gebet im Namen der Kirche durch das Gebet der Kirche, sprich das Brevier, ist sehr wirkungsvoll (vi virtuteque), wie der Papst weiter schreibt:

„Wenn selbst das private Fürbittgebet sich so feierlicher und großer von Jesus Christus gegebener Verheißungen erfreut [vgl. Mt 7, 7-11, Mk 11, 24; Lk 11,9-13], dann verfügen die Gebete, die im Namen der Kirche, die ja die geliebte Braut des Erlösers ist, von Amts wegen verrichtet werden, zweifellos über eine noch größere Kraft und Stärke (vi virtuteque).“ (DH 3758)

Deswegen ist das alte Brevier so wirkungsvoll, was der Schreiber dieser Zeilen am eigenen Leibe seit einigen Jahren erfährt und je älter, desto wirkungsvoller, da länger. Betrachten wir die Argumentationskette:

  • Gebet der Kirche ist mündliches Gebet,
  • Gebet der Kirche ist wirkungsvoll,
  • Mündliches Gebet, wenn es das Gebet der Kirche ist, ist wirkungsvoll.

Wir sollen also auch mündlich beten, quod erat demonstrandum.

[1] Siehe Additione et Variationes in Rubricis Breviarri Ad norman bullae „Divino Afflatu“, Ti.t I Der ratione divini Officii recitandi, *35, in Breviarium Romanum, Pars Hiemalis, Ratisbonae 1922.

[2] https://traditionundglauben.files.wordpress.com/2015/08/poulain-2-1-a-e1438505612852.jpg

[3] https://traditionundglauben.wordpress.com/category/geistliches-leben/spirituelle-einzelthemen/vier-stufen-des-gebets/

[4] https://traditionundglauben.wordpress.com/category/geistliches-leben/spirituelle-einzelthemen/vier-stufen-des-gebets/ https://traditionundglauben.wordpress.com/2015/08/03/die-vier-stufen-des-gebetes-als-geistliches-surfen/

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Bäumer, Geschichte des Breviers. (5) Einleitung: § 1. Begriff und Inhalt des Breviers. Kultische Pflicht.


Champagne Gebet

Nach längeren Pause kehren wir wieder zur Darstellungen von Pater Bäumer O.S.B., welche ergänzend und bereichernd zu den Ausführungen von Gregory DiPippo präsentiert werden. Da die Schriften des Benediktiners einiger Vorbereitung bedürfen, da sie wirklich recht kondensiert die vorkonziliare, also die richtige und gute, Theologie präsentieren, so können diese Beiträge nicht so oft erscheinen, wie wir uns vielleicht wünschen würden, denn ein gut Ding braucht Weile. Vergleicht man Bäumer mit DiPippo, was eigentlich recht unfair ist, so wird uns ersichtlich nicht nur wie tiefschürfend im XIX Jhd. von manchen geschrieben wurde, sondern es wird auch deutlich wie das neue Medium des Internets mit seinen Blogs ein oberflächliches Schreiben begünstigt. Bäumer kann man wirklich betrachten, DiPippo liest man durch. Natürlich wollen wir DiPippo nicht schlecht reden, denn wir sind froh, dass wir ihn haben, aber an diesem Vergleich zeigt sich, dass früher nicht alles schlechter war und jetzt ist alles besser. Im Geistlichen ist es genau umgekehrt.

Religion ist ein Akt der Gerechtigkeit Gott gegenüber

Was ist ganz kurz gefasst eigentlich Religion? Es ist ein Akt der Gerechtigkeit. Was ist Gerechtigkeit? Jedem das zu geben, was ihm zusteht (suum cuique reddere). Was steht Gott zu? Der höchste Kult auf Erden.

Daher fasst Adolphe Tanquerey in seiner Synopsis die Religion objektiv, also was sie an sich darstellt oder was die Inhalte der Religion ausmacht, wie folgt auf:

Religion objective spectata est complexus veritatum et officiorum, quibus tota vita nostra in Deum finem ultinum ordinatur.[1]

„Religion ist, seitens des Objekts betrachtet, ein Gesamtzusammenhang der Wahrheiten und Pflichten, durch welche unser ganzes Leben auf Gott, das letzte Ziel, hin geordnet wird.“

Was ist also die Religion? Ein Komplex im Sinne eines zusammenhängenden Gefüges der Worte und Taten oder der Wahrheiten und Pflichten. Es genügt also nicht nur zu wissen, man muss es auch tun. Dieser Gesamtzusammenhang ordnet unser Leben auf Gott hin, mit dem, so hoffen wir, wir die gesamte Ewigkeit verbringen werden.

Hingegen wird Religion, seitens des Subjekts also des Gläubigen wie folgt definiert:

Religion subjective considerata est voluntaria hominis dispositio imo et virtus, qua homo, per acceptionem veritatum ad adimpletionem praeceptorum convenientium, Deo exhibet debitum cultum et reverentiam.[2]

„Religion ist, seitens des Subjekts betrachtet, eine willentliche Disposition des Menschen und zugleich eine Tugend, durch welche der Mensch, aufgrund der Annahme der Wahrheiten und aufgrund der Erfüllung der zutreffenden Gebote Gott den schuldigen Kult und Ehre zollt.“

Was ist also die Religion? Wie die Liebe, eine Angelegenheit des Willens, eine Willenssache und keine Gefühlsduselei. Daher ist sie eine Tugend, da man sie sich erarbeiten kann. Durch die wahre Religion zollt man Gott den schuldigen Kult, durch die falsche Religion beleidigt man ihn und sündigt, natürlich, wenn man es nicht besser weiß. Da Gott wahr ist und die Wahrheit selbst, so war es doch selbstverständlich, dass er nach und nach die wahre Religion, also die Art und Weise, wie er verehrt werden möchte, offenbarte. Davon erzählt das Alte Testament und natürlich erfolgte die Hauptoffenbarung in und durch Jesus Christus. Christentum und seine wahre Ausprägung der Katholizismus ist die wahre Religion, die anderen sind schlichtweg falsch. Dies war die konsequente Lehre der Kirche bis zum, wir ahnen es schon, Vaticanum II. Zwar wurde schon bei den frühen Apologeten wie Justin oder Athenagoras davon gesprochen, dass die Samenkörner des Logos (logoi spermatikoi) sich auch unter den Heiden befinden, dies bedeutet aber nicht, dass heidnische Religionen alternative Heilswege sind, wie der unselige Papst Franziskus neuerdings lehrt. Sie sind es nicht! Die Kirche lehrte immer sowohl die Möglichkeit bei einer unbesiegbaren und unverschuldeten Ignoranz (ignorantia invincibilis) durch die Begierdetaufe errettet zu werden, sie lehrte aber auch die Lehre von der hinreichenden Gnade (gratia sufficiens), wonach Gott jedem Menschen so viel Gnade gibt, damit er gerettet werden kann. Daher die Notwendigkeit der Mission und der Verkündigung, damit die Menschen aus der Ignoranz und der Herrschaft der Dämonen zum Licht kommen. Die Enzyklika des Pius IX. Quanto conficiamur moerore vom 10. Aug. 1863, in welcher de fide der Indiferrentismus verurteilt wird, gibt die Lehre vom unüberwindbaren Irrtum und der Notwendigkeit der Kirche wie folgt wieder:

„Wiederum müssen Wir den äußerst schweren Irrtum erwähnen und tadeln, in dem sich bedauernswerterweise manche Katholiken befinden, die meinen, Menschen, die in Irrtümern leben und dem wahren Glauben und der katholischen Einheit ferne stehen, könnten zum ewigen Leben gelangen. [DH 2865]

Dies widerstreitet freilich in der katholischen Lehre in höchstem Maße. Uns und Euch ist bekannt, dass diejenigen, die an unüberwindlicher Unkenntnis (invicibili ignorantia laborant) in Bezug auf unsere heiligste Religion leiden und die, indem sie das natürliche Gesetz und seine Gebote, die von Gott in die Herzen aller eingemeißelt wurden, gewissenhaft beachten und bereit sind, Gott zu gehorchen, ein sittlich gutes und rechtes Leben führen, durch das Wirken der Kraft des göttlichen Lichtes und der göttlichen Gnade das ewige Leben erlangen können, da Gott, der die Gesinnungen, Herzen, Gedanken und Eigenschaften aller völlig durchschaut, erforscht und erkennt, in seiner größten Güte und Milde keineswegs duldet, dass irgendjemand mit ewigen Qualen bestraft werden, der nicht die Strafwürdigkeit einer willentlichen Schuld besitzt. [DH 2866]

Aber wohlbekannt ist auch der katholische Lehrsatz, dass nämlich niemand außerhalb der katholischen Kirche gerettet werden kann und dass diejenigen, die der Autorität und den Definitionen derselben Kirche trotzig widerstehen und von der Einheit dieser Kirche und vom römischen Bischof, dem Nachfolger des Petrus, dem vom Erlöser die Wache über den Weinberg übertragen wurde, hartnäckig getrennt sind, das ewige Heil nicht erlangen können… [DH 2867]“.

Wie es also die eine wahre Religion gibt, so gibt es auch den einzig wahren Kult. Die Tugend der Religion wird daher vom Heiligen Thomas von Aquin zu den Tugenden der Gerechtigkeit gezählt.[3] Die Religion und ihre kultische Ausübung ist demnach und dies ist die Ansicht nicht nur der katholischen Lehre, sondern aller Natur- und Kulturreligionen, ein Akt der schuldigen Pflicht Gott gegenüber. Man bringt Gott den ihm gebührenden. Da, damit er uns segnet und alles böse von uns fernhält. Geht es denn den Menschen heute nicht gut? Sind Sie da sicher? Depression ist die Volkskrankheit, massenhafter Drogenmissbrauch fast aller Altersgruppen, Volksdroge Alkohol und Lebensabschluss durch Selbstmord, sprich durch Euthanasie. Ein gottloses Leben macht nicht glücklich und kann durch nichts kompensiert werden. Religion ist also keine Angelegenheit der persönlichen Wellness oder des sozialen Miteinanders.

Von dieser Warte aus werden die Ausführungen über die Schuldigkeit des präsentiert Betens vom Pater Bäumer erst verständlich. Ebenso wird verständlich, warum nach dem Konzil das Breviergebet, wie manches andere, zusammenbrach. Denn:

  1. Keine wahre Religion,
  2. Kein wahrer Kult,
  3. Keine Verpflichtung zum wahren Kult.

Wie richtigerweise aber Pater Bäumer schreibt betrifft die Pflicht des wahren und richtigen Gotteskultes alle Gläubigen. Da aber schon recht früh die Arbeitsteilung eintraf in diejenigen, die mehr denn in etwa 8 h pro Tag beten und in diejenigen, die für den Unterhalt der Betenden zahlen, so entstand auch die Brevierpflicht für die geistlichen Stände der Kirche. Den Laien war das Breviergebet aber niemals verboten und in den Zeiten als das Brevier in den Kathedralen oder in den Klöstern öffentlich gesungen wurde, wurden diese Gebete immer von den einfachen Gläubigen frequentiert. Manche Orden sollen so schön gesungen haben, dass es auch ein ästhetischer Hochgenuss war, wovon die liturgischen Kompositionen, die wir hier vorstellen, zeugen. Denn wer hat es gesungen? Nicht Berufsmusiker, sondern Beter. Wenn man 6-8 h am Tag singt, so ist es unmöglich dies ganz schlecht zu tun und deswegen verkaufen manche Gemeinschaften auch CDs, da ihre Darbietungung dermaßen hochqualifiziert ist, was der altrituelle Orden der Benedictines of Mary Queen of Apostles aus den USA wieder einmal bewiesen hat.[4] Die wahre Religion führt zum wahren Kult und der wahre Kult führt zu wahren Schönheit.

[1] Adolphe Tanquerey, Synopsis Theologiae Dogmaticae, T.1, Paris 1937, 67.

[2] Ebd., 69; vgl. Sum. Theol. IIa IIae, q. 81, a. 1, 2, 3.

[3] Sum. Theol. IIa IIae Q. 80-91, insb. Q. 81, a. 1-7. Vgl. http://www.unifr.ch/bkv/summa/kapitel597.htm

[4] http://hereandnow.wbur.org/2013/07/01/singing-nuns-missouri http://benedictinesofmary.org/home http://www.amazon.de/Benedictines-of-Mary-Queen-of-Apostles/e/B009W2Q04M/works/ref=ep_artist_tab_w?_encoding=UTF8&sn=d

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Bäumer, Geschichte des Breviers. (4) Einleitung: § 1. Begriff und Inhalt des Breviers


cuthbert

Breviarium als die Kurzfassung

Das Werk von Pater Bäumer beginnt leider mit einer Wissenslücke, die wahrscheinlich zu seiner Zeit nicht zu schließen war und auch jetzt vom Schreiber dieser Zeilen nicht geschlossen werden kann. P. Bäumer schreibt, dass man in der zweiten Hälfte des Mittelalters anfing das vorherige Gebet zu kürzen und die vielen Hilfsbücher wie:

  • Psalterium,
  • Antiphonale,
  • Hymnales,
  • Lectionale
  • etc.

in eins, d.h. die verkürzte Fassung „Breviarium“ genannt, zusammenzufassen.  Er schreibt aber nicht genau, wann es war. Dennoch war diese Zusammenfassung  eine Verkürzung. Wie bekommt dem Individuum und der Kirche die Verkürzung des Gebets? Wir ahnen es schon: schlecht. Der Schreiber dieser Zeilen meint, wie viele andere auch, dass der Untergang der katholischen Philosophie und Theologie mit dem Tod von Thomas von Aquin im Jahre 1274 einsetzte, denn philosophisch gesehen war das, was danach folgte nur ein Prozeß der Zersetzung, welcher schließlich über den Nominalismus zum Auftritt Luthers 1517 führte mit dem anschließenden Sacco di Roma nur zehn Jahre später im Jahre 1527.  Es kann natürlich sein, dass die zweite Hälfte des Mittelalters genau die Zeit nach 1274 ist. Denn von da an fing man zuerst philosophisch und dann theologisch zu irren, weil insgesamt weniger gebetet wurde? Möglich wäre es, wenn man die Brevierreformen im XX. Jhd. in ihre Konsequenzen, hier nur die wichtigsten politischen genannt, sich anschaut:

  • 1911 – das verkürzte Brevier des Pius X. Divino afflatu, ab 1.01.1913 vorgeschrieben

    • 1914-1918 Erster Weltkrieg
    • 1917 Oktoverrevolution
    • 1911 Faschistischer Staat in Italien
    • 1933 Hitlers Machtergreifung
    • 1939-1945 Zweiter Weltkrieg
    • 1945 Besetzung Osteuropas durch Sovjetische Truppen (Teilweise auch zuvor)
    • 1950-1953 Koreakrieg
    • 1953-Stalins Tod und anschließende Säuberungen
    • Weiterentwicklung vieler Häresien, noch im Verborgenen
  • 1955 – das Pianische Brevier
    • 1956 Ungarnaufstand
    • 1956 Poseneraufstand in Polen
    • 1958-1969 Revolution auf Kuba
    • 1958 Fünfte Französische Republik, nicht gerade katholikenfreundlich
    • Weiterentwicklung vieler Häeresien
    • die Reformen der Karwoche unter Bugnini
  • 1960 – das Brevier des Johannes XXIII.
    • 1961 Bau der Berliner Mauer
    • 1961 Scheitern der Schweinebucht-Invasion der USA auf Kuba
    • 1962 Kubakrise
    • 1962-1965 das Zweite Vatikanische Konzil
    • 1963  Ermordung Kennedys
    • 1964 Gründung der PLO
    • 1966 Beginn der chinesischen Kulturrevolution
    • 1966 Gründung des Satanskirche (Church of Satan) in den USA
    • 1968 Höhepunkt der Studentenrevolution
    • 1969 Britische Truppen in Nordirland
    • Häresien brechen offen aus
    • Kontinuierlicher Niedergang der Kirche
  • 1970 – das Nachkonziliare Brevier
    • ach ja…

Wir sparen uns an dieser Stelle die Aufzählung aller unerfreulichen Ereignisse seit 1970, aber der katholische Glauben wurde seitdem kaum gestärkt. Natürlich kann man dieser Zusammenstellung vieles vorwerfen, dass man etwas zusammenstellt, was in keinem Bezug zueinander steht. Dies ist aber eine materialistische Sicht der Dinge. Wir glauben, dass das Geistige auf das Materielle Einfluß hat und dass die fehlende Heiligkeit, die u.a. vom fehlenden Gebet resultiert, Einfluß auf die Welt hat. Wird das göttliche Licht, metaphorisch gesprochen, vom Himmel herabgezogen, so können sich alle an ihm weiden. Genauso sehen es die Satanisten, nur andersrum. Sie wollen möglichst viel Dunkleheit zustande bringen, durch ihre Rituale und damit verbundene Folterungen und sexuelle Exzesse, um mit dieser Dunkelheit die Welt zu überfluten. Daher die Notwendigkeit der Beter, der Orden und besonders der kontemplativen Orden. Der Abt vom altrituellen Le Barroux sagte, dass für sie das größte Kompliment sei, wenn die Weltleute ihnen sagen:

Euer Leben ist völlig nutzlos!

Wenn man weiß, dass die Welt vom Satan inspiriert wird, dass dieser lügt und alles umdreht, so lautet diese Aussage übersetzt:

Euer Leben ist absolut unersetzlich!

Den Teufel ärgert es und darum schickt er seine Mannen. Es ist interessant, wie immer gegen die kontemplativen Orden gewettert wurde und heute mehr als je zuvor. Leider auch in der Kirche. Wenn es so unnütz ist, warum sich so aufregen? Lasst sie doch. Der Feind aller Aufklärer, allen voran Voltaire, war natürlich der Mönch und im protestantischen Deutschland erst recht. Dabei waren sie es, welche die Heiligkeit für uns gleichsam generierten und einen geistlichen Schutzschirm für die Welt aufbauten. Es ist wirklich so, dass seit der zweiten Hälfte des Mittelalters immer weniger gebetet wurde, weil die vorgeschriebenen Gebetszeiten immer mehr verkürzt wurden. Interessanterweise hält man gerade im XX Jhd. oder sagen wird es offen seit dem Konzil für gegeben, dass man heutzutage wirklich keine Zeit für das Gebet hat, obwohl gerade in der zweiten Hälfte des XX Jhds. man viel mehr technische Hilfsmittel hat, ale jemals zuvor. Natürlich hat man Zeit, bspw. um zu fernsehen, zu googeln, in unnötigen Gremiensitzungen zu sitzen und das Miteinander zu pflegen. Dafür ist Zeit vorhanden, für das Gebet nicht.

Nun ja den Rest der Ausführungen von Pater Bäumer kann sich jeder selbst durchlesen. Wir fügen diese Seiten auch als pdf-Datei bei, um es sich eventuell auszudrucken. Es ist reichhaltig und gut.

 

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Bäumer, Geschichte des Breviers. (3) Inhaltsverzeichnis


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Da das Lebensbild von P. Suitbert Bäumer samt unserer Einführung nur sehr selten angeklickt wurde, so machen wir uns keine großen Hoffnungen, dass es dem nüchternen Inhaltsverzeichnis besser ergehen wird. Warum soll man es lesen? Um daraus zu lernen und mit dem Gebet schöner zu werden. Die Liturgie hat ja nicht erst 1962 angefangen. Sie fing auch nicht mit dem neuen Brevier aus dem Jahre 1970 an, welcher den jetzigen Verfalls sicherlich beschleunigt und kaum aufgehalten hat. Es gab früher Besseres und Reichhaltigeres. Und der Satz: „dass früher alles besser war“, bezieht sich leider auf die kirchliche, vorkonziliare Zeit. Denn gesündigt wurde auch früher, aber wohl nicht so viel wie jetzt und katholische Synoden schrieben keine häretischen oder der Häresie nahen Schlußberichte (Relatio synodi), worauf wir vielleicht noch später eingehen werden. Zuerst kommt ja das ora, danach das labora und man betet, wie man glaubt, beziehungsweise man glaubt, wie man betet.

Da der Schreiber dieser Zeilen im Jahre 2012 angefangen hat das Brevier von 1962 zu beten, im Jahre 2013 das Brevier von 1911 „Divino afflatu“ und seit 2014 betet er das tridentinische Brevier, so weiß er aus eigener Erfahrung zu sagen, wie sehr er ausschließlich durch diese Veränderung geistlich gewachsen ist. Ja, es ist wahr. Das nachkonziliare Brevier aus dem Jahre 1970 hat er über zwanzig Jahre beinahe täglich gebetet, so hat er wirklich Vergleichsmöglichkeiten. Welche Inspirationen erhält man doch bei den alten Brevieren! Welche Lichteinblicke! „Es wirkt tatsächlich“, wie wir es manchmal in der Werbung hören können. Kaum zu glauben, aber wahr. Der Glaube wächst, die katholische Identität mit und was für Perlen diese Breviere doch erhalten. Daher ist es möglich, dass die früheren Generationen der Brevierbeter heiliger waren, weil sie einfach die bessere geistliche Nahrung zur Verfügung hatten. Tja, wer hat, der hat, auch im Geistlichen. Ein Teil der Kirche muss doch für die anderen beten und die Gnaden Gottes für die weniger betenden erflehen. Das ist auch der Grund für die Existenz der Orden, besonders der kontemplativen Orden. Jemand muss einfach Gott das Bitt- und Lobopfer bringen. Seitdem das Brevier reduziert wurde, geht wirklich alles den Bach runter und unsere „Synodenväter“, besonders die deutschen entscheiden, wie sie entscheiden. Kein Glaubensleben führt zu keinem Gebetsleben und kein Gebetsleben führt zu keinem Glaubensleben. Dann kommt die Sünde, der Fall, der Zerfall, mit welchem man auch andere, wie die Dämonen anstecken und verderben möchte. Also mehr beten, richtig beten und von den betenden Generationen lernen.

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Bäumer, Geschichte des Breviers. (2) Pater Suitbert Bäumer O.S.B. Ein Lebensbild.


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Wenn das Werk gut ist, so stellen sich die Fragen nach seinem Verfasser. Die Biografie oder die Autobiografie sollte am Ende, nicht am Anfang eines Werdegangs stehen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Augustinus seine „Bekenntnisse“ am Ende seines Lebens schrieb, Paris Hilton, wenn der Vergleich erlaubt sein möge, ihre Autobiografie schon mit 25 verfasste. Der Werdegang von Pater Suitbert Bäumer OSB, den man bei den unten angefügten Scans selbst nachlesen kann, ist ein innerer und kein äußerer. Wahrscheinlich hat im Laufe der Jahrhunderte kein anderer Orden so sehr zur Wissenschaft beigetragen als die Benediktinert es taten, zumal sie es seit 1500 Jahre tun. Der Grund für diese unablässige Fruchtbarkeit ist die berühmte benediktinische stabilitas locii, d.h. das Verbleiben an demselben Ort, sprich in einem und demselben Kloster, sowie der strikte äußerer Rahmen, welche die praktizierte, vorkonziliare (ja, ja, leider nicht die nachkonziliare) Regel auferlegt. Auch der schreibende Benediktiner hat die Gebete zu verrichten, Handarbeit auszuführen, sodass ihm pro Tag vielleicht, mit einem besonderen Dispens des Oberen, 2-3 h für das Schreiben verbleiben. Dies ist aber auch das Maximum der wirklich kreativen Tageszeit, was viele Schriftsteller und Wissenschaftler bestätigen können. Arbeitet man mehr pro Tag, so führt dies langfristig zu einer Überbelastung, die, was man wirklich an allen möglichen Fakultäten bestätigt findet, zu psychosomatischen Krankheiten und Erschöpfungszuständen führt. Vielleicht hat auch Pater Bäumer OSB am Ende seines Lebens schlecht mit seinen Kräften gehaushaltet, so dass er vielleicht zu früh von uns geschieden ist.

Für den Leser seines Werkes stellt sich dennoch die Frage, wie jemand eine solch hohe Qualität, bei so wenig Zeitaufwand und Konzentration auf das Eine bewerkstelligen konnte? Die Antwort lautet: Indem man sein ganzes Leben lang diese Fragen erörtert und die Liturgie einfach lebt. Dank der eingehaltenen Klosterdisziplin und des verhältnismäßig späten Erfolges konnte Pater Bäumer der Versuchung vieler Schaffenden widerstehen irgendwelchen äußeren Vortragstätigkeiten nachzugehen, mit dem neuesten Buch auf Tour zu gehen und verschiedene Radiosender oder Fernsehstationen zu frequentierten, welche es zu seinen Lebzeiten noch gar nicht gab. Man sagt, dass man dazu gezwungen wird. Dies ist aber nicht wahr. Man kann immer „Nein“ sagen. Das Schreiben, besonders das wissenschaftliche Schreiben, ist eine innere und keine äußere Tätigkeit. Sie ist auch eine Angelegenheit der Objektivität, nicht des Kreisens um das eigene Ich. Betrachtet man die aufreibende, äußere Aktivität und eigentlich den Aktivismus vieler, wenn nicht gar aller nachkonziliaren Theologen, so fragt man sich, wie sie überhaupt bei alldem vielen Schafen und Tun zu einem tieferen Gedankengang kommen konnten. Sie konnten nicht und taten es auch nicht. Denn vergleicht man die Schriften von Karol Wojtyła, Johannes Paul II, Delumaeus, Congar, Ratzinger, Lubac, Urs von Balthasar, um hier die mehr oder weniger orthodoxen zu nennen, mit den Schriften der Kirchenväter, der Scholastiker oder der Theologen der Gegenreformation, so wird die spirituelle Oberflächlichkeit der Ersterer und die Tiefgründigkeit Letzterer deutlich. Aber auch wissenschaftlich, was die Dichtheit des Diskurses anbelangt, stehen die Älteren vor.

Der italienische Philosoph Romano Amerio nennt die Krankheit unserer Zeit den Mobilismus. Eine Krankheit, die in uns leider der heilige Johannes Paul II explizit vorgelebt hat.  Hat denn tatsächlich sein wohl unübertroffener Aktivismus der Kirche langfristig genutzt und diese gestärkt? Wohl kaum. Denn, wie man so schön sagt, „ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse“. Und die Mäuse im Vatikan tanzten schon damals und tanzen jetzt, wie man am gegenwärtigen Pontifikat erkennen kann, da durch die ganze Herumreiserei des polnischen Papstes, sich langfristig in der römischen Kurie Geistliche ansiedeln konnten, siehe Vakileaks und die berühmte Homo-Lobby, welche langfristig und beständig ihre negative und destruktive Agenda realisieren konnten, derer Früchte wir heute beobachten können.  Der Gerechte im ersten Psalm wird ja mit einem Baum am Fluss verglichen, wogegen die Sünder mit dem herumgewirbelten Staub gleichgesetzt werden. Uns allen soll dies eine Lehre sein nicht allzu viel nach einer äußeren Tätigkeit zu streben.

 

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Bäumer, Geschichte des Breviers. (1) Vorwort des Verfassers


rw758sIn unserem unermüdlichen und nicht gerade bescheidenen Bemühen den deutschen Katholiken ihrer eigene Geschichte und Kultur wieder nahe zu bringen, und wer scheint dazu mehr berufen worden zu sein als der Ausländer (siehe Marcel Reich-Ranicki), so wollen wir an dieser Stelle das Vorwort von Pater Bäumer selbst ein wenig einleiten.

Was die Eigenart der Einleitung von Pater Bäumer ausmacht, ist das Fehlen von etwas, was aber in fast allen deutschsprachigen theologischen Werken der letzten 50 Jahre dermaßen selbstverständlich vorhanden ist, dass man es selbst nicht mehr bemerkt. Es fehlt der süffisante, brechtisch-verfremdende, distanziert-ironische Unterton, welcher fast die gesamte nachkonziliare Literatur wie ein Brummen oder zischen im Hintergrund begleitet. Denn, so dieser Unterton, früher war alles schlecht, wenn es den Anschein hatte gut zu sein, dann war es auch schlecht, denn nicht ausreichend (1) sozialkritisch, (2) frauenfreundlich, (3) Minderheiten orientiert, (4) Blah-Blah-Blah und im liturgischen Bereich (1) zur rubrizistisch, (2) das Volk nicht einbindend, (3) zu elitär, (4) Blah-Blah-Blah. So schreiben halt Agnostiker oder Atheisten über die Religion, die sie hassen oder nicht verstehen. Dieser Unterton gilt in Deutschland als das Kennzeichen der aufgeklärten, akademischen Zugehörigkeit, denn man soll ja immer kritisch bleiben allen. Kritisch allem und jedem, hauptsächlich aber dem Lehramt gegenüber, nur nicht gegenüber dem medialen Mainstream den eigenen und der Kollegen Ansichten, da die Letzteren über Stellen und Geldmittel beschließen und verüfen. Ist man aber erst fest angestellt und verbeamtet, so schreibt man nach einer Rudelbildung Theologenmemoranden, welche dann bei den Studenten als „mutig“ gelten. Ein Trauerspiel von unsicheren und jeder Überzeugung baren Menschen.

Bäumer PhotoBei Pater Bäumer jedoch hören wir kein Zischen, sondern lesen so vollgeformte Sätze wie: „Da die katholische Kirche die schönste und vollkommenste Gesellschaft auf Erden ist“, eine Erinnerung an die Definition der Kirche vom hl. Robert Bellarmin – societas perfecta seu hierarchica. Ja, in all der weltlich-diesseitigen Ungenügsamkeit war die Kirche tatsächlich bis ca. 1962 tatsächlich, auch rein äußerlich und weltlich betrachtet, die vollkommenste Gesellschaft auf Erden. Seitdem haben wir eine permanente Krise der Räterepublik, der Gremien, der Synoden, der Verbände und der Pastoralreferentinnen, die auch diesem Wege heiraten wollen. Man merkt am Buch von Pater Bäumer O.S.B., dass er seine Kirche liebt und sein ganzes Werk zeugt davon wie sehr er es tut. Während die heutigen Liturgiker, die in Schwinden sind, manche Lehrstühle können schon jetzt nicht mehr ausgeschrieben werden, entweder die Reformen des Zweiten Vatikans immer noch hochhalten, für kreative Bastelgottesdienste für Kinder kämpfen oder sich in einer spezialistischen Forschung zur Vergangenheit, um ja nicht irgendwo anzuecken, vertiefen, beschreibt Pater Bäumer seine Lebenswirklichkeit eines Betenden und glaubenden Benediktiners. Dieser Innenansicht ist auch die Qualität seines Werkes zu verdanken, ähnlich wie ein Musiker ein Traktat über alte Instrumente schreiben kann, wenn er wenigstens ausreichend gut die heutigen Instrumente der jeweiligen Instrumentengruppe spielt, um die alten Instrumente musikalisch zu erforschen. Wir werden von diesem betenden Zugang des deutschen Benediktiners, der die beneditktinische Arbeitsamkeit mit dem deutschen Fleiß verbindet, noch alle profitieren.

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Geschichte des Breviers – Eine Einführung


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Während man nach einigem Suchen wertvolle Literatur zum Thema Entwicklung der Messe oder des Messeritus auch auf Deutsch finden kann,[1] was hauptsächlich der Renaissance der Tridentinischen Messe durch Summorum Pontificum zu verdanken ist, bleibt die Geschichte des Breviers weitgehend unbekannt. Ob die heutigen Liturgiker sie tatsächlich kennen, entzieht sich der Kenntnis unserer Redaktion. Wir haben da aber unsere Zweifel.

Unsere Arbeitsthese lautet, dass durch die Reduktion des vorgeschriebenen Breviergebetes, wie sie seit Pius X. vier Etappen durch die Reformen:

(1) Divinum afflatu von 1911,

(2) Cum hac nostra aetate von 1955,

(3) Rubricarum Instructum von 1960,

(4) Laudis canticum von 1970,

eingetreten ist, den geistlichen Ständen die notwendige geistlich-intellektuelle Speise entzogen wurde. Da Liturgie wirkt, so wirkt weniger Liturgie weniger. Wir werden diese These nicht nur durch eine eigene Reihe über die Reformen des Breviergebets belegen, sondern auch auf unserem Blog eine gute, deutschsprachige Geschichte des Breviers vorstellen.

Dabei wird es sich um die Geschichte des Breviers: Versuch einer quellenmäßigen Darstellung der Entwicklung des altkirchlichen und des römischen Officiums bis auf unsere Tage von Pater Suitbert Bäumer O.S.B. aus dem Jahre 1895 handeln. Dieses Werk wurde vom Verlag Nova et Vetera im Jahre 2004 neu verlegt, scheint aber zurzeit vergriffen worden zu sein.[2] Sollte der Verlag das Buch wieder vorrätig haben, so werden wir es „aus unserem Angebot“ nehmen, um dem Verlag die Möglichkeit geben die wahrscheinlich wenigen Exemplare doch noch abzusetzen. Da es sich um 674 Seiten einer wahrlich benediktinischen Arbeitsamkeit handelt, so werden wir alle von dieser intellektuellen Speise satt werden. Sei es durch die jpg, pdf-Dateien oder durch die vielleicht kommende Buchausgabe.

Für alle, die gut Englisch lesen, fügen wir demnächst als eine Download-Datei in pdf das Buch History of the Roman Breviary von Pierre Batiffol bei, eine Übersetzung aus dem Französischen aus dem Jahre 1898. Es ist kürzer und weniger detailliert als das Werk von Pater Bäumer O.S.B. Da es sich auf die neuere Breviergeschichte konzentriert, eignet es sich gut als Ergänzung zum Werk des Benediktiners.

Das Brevierbeten wirkt tatsächlich heiligend. Während man noch in anderen Ländern Priester treffen kann, die wenigstens ab und zu ihr Brevier tatsächlich beten, so ist dem Schreiber dieser Zeilen in Deutschland der Anblick eines Geistlichen, der irgendwo still privat sein Breviergebet verrichtet noch niemals begegnet, obwohl er mit vielen Geistlichen von früh bis spät zu tun hatte und mit manch einem sogar eine Unterkunft teilen musste. Sie beten ihr Brevier eben nicht, was auch ihr nichtvorhandenes geistliches Niveau erklärt. Beginnt man mit einem deutschen Priester der Amtskirche ein Gespräch über das Brevier oder gar die verschiedenen Breviere und beobachtet man seine Reaktionen, so hat man es immer mit: Erstarrung, Abscheu, Widerwillen, Ironie oder bekundeten Langeweile zu tun, bevor er sich schließlich zusammenreißt, um von der vielen pastoralen oder anderen Arbeit zu sprechen, die ihn leider am Gebetsleben hindert. Natürlich muss es noch andere Priester geben, das Problem besteht leider darin, dass sie dem Schreiber dieser Zeilen nirgendwo begegnen. Der Heilige Antonius der Wüstenvater pflegte zu sagen: „Es gibt drei Arten von Menschen. Die Stolzen, die Neider und die Anderen. Aber die Anderen sind kaum zu finden.“ Er scheint also ähnliche Erfahrungen in seinem langen Leben gemacht zu haben.

Da der Autor dieses Textes in einer Diözese lebt, in der das Niveau des Klerus, besonders jenes an den Schalt- und Schlüsselstellen, dem er begegnet (anderen begegnet er leider nicht) dermaßen unterirdisch ist, dass es kaum noch steigerungsfähig zu sein scheint (Es kann also jede deutsche Diözese sein.), so nahm er sich vor nicht weiter darüber zu jammern, sondern die Aussagen dieser Kleriker, falls sie überhaupt welche treffen, denn meistens ist es ja ein nichtsagendes Nichts, per Umkehrschluss zu deuten. Dies erweist sich als hilfreich, es ist aber einer Vorgehensweise, die jedoch nicht allen und immer zu empfehlen ist. Wie schreibt doch Hermas in seinem Hirten:

„Da er [Teufel] selbst ein hohler Kopf ist, gibt er auch den hohlen Menschen gehaltlose Antworten; was immer gefragt wird: die Antwort entspricht der Hohlheit des Menschen. Allerdings spricht er auch einige wahre Worte. Denn der Teufel erfüllt ihn mit seinem Geiste, ob er etwa einen Gerechten abwendig machen könne.“ (Hermas, Hirte, II.11.2)[3]

Der Teufel kann also auch etwas Wahres unter das Falsche beimischen, um die Treuen zu täuschen.

An dieser Stelle kommt bei manch einem Leser der Einwand: „Wie kann man es wagen unsere guten, wenigen Priester, die es ja so schwer haben, dermaßen zu kritisieren?!“ Die Antwort darauf lautet: „Es sind keine guten Priester, sonst würden sie anders reden, anders zelebrieren und vor allen anders leben und dann würde man sie nicht kritisieren müssen, sondern wertschätzen“. Denn vieles ist leider keine Verleumdung oder Mutmaßung, sondern Fakt. Und da sie so viele Jahre lang keinerlei Korrektur erfahren haben, ihre Bischöfe leider auch nicht, so sind sie so geworden, wie sie sind und eine Änderung zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist wirklich unwahrscheinlich.

Daher empfiehlt es sich nicht nur manch eine Predigt oder manch einen Rat im Beichtstuhl – denn dieser gehört nicht zum eigentlichen Sakrament, sondern ist das Beiwerk des jeweiligen Priesters – per Umkehrschluss zu deuten, falls man keinen guten Beichtvater finden kann. Es empfiehlt sich auch zu beobachten, was und wen diese Priester meiden. Da das kanonisch vorgeschriebene, nachkonziliare Breviergebet ebenfalls von vielen gemieden wird, so scheint es tatsächlich Spuren von Heiligkeit und heiligender Wirkung zu enthalten, denn leider sind es beim heutigen, nachkonziliaren Brevier an älteren Brevieren gemessen nur Spuren. Wir hoffen, dass die kommenden Beiträge zum Brevier zum wachsenden Verständnis unserer Leser beitragen werden.

[1] Besonders empfehlenswert auch für Nichtfachleute: http://www.amazon.de/Die-%C3%BCberlieferte-Messe-Geschichte-klassischen/dp/3941862081

[2] http://www.amazon.de/Geschichte-Breviers-quellenm%C3%A4ssigen-Darstellung-altkirchlichen/dp/3936741034

[3] https://www.unifr.ch/bkv/kapitel29.htm-Teufel