Benedict Constable, Der Symbolismus der Geschlechter in liturgischen Rollen: Nicht bizarr, sondern einfach katholisch


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Nach einer Reihe polemischer Beiträge wieder etwas Polemisches, aber eher für das Gemüt. Es geht um die liturgischen Aufgaben und darum, was es bedeutet männlich und weiblich zu sein. Der Schreiber dieser Zeilen lebt in einem Teil von Deutschland, wo man „schon viel weiter ist“, wie unsere bürstenschnittige Pastoralassistentin es ausdrücken würde und zwar auf dem Weg in den Abgrund des diabolischen Narzismuss. Die Frauen sind hier dermaßen häßlich und unweiblich, dass nicht einmal sekundäre Geschlechtsmerkmale ohne weiteres, wenn man nicht gerade im Schwimmbad ist, erkennbar sind. Frauen sehen also wie Männer aus: wie junge Männer oder wie Männer in der Andropause, Männer sehen noch wie Männer aus, aber besonders bei jüngeren Männer ist der Schritt zur Homosexualisierung und irgendeiner „Intersexualität“ irgendwie schon vollzogen. Ist es nicht gut? Nein, weil die allermeisten Menschen heiraten wollen oder sie wollen sich wenigstens mit jemanden sexuell und emotional binden, was auf die Dauer nicht möglich ist, weil es keine Ergänzung gibt. Wie treffen Ann Barnhard darlegt: die nachkonziliare Erziehung, womit wir auch die Welt meinen, tendiert dazu Mädchen immer maskuliner zu machen und die Jungs immer weiblicher. Man nennt es jetzt Gender. Die Konsequenzen gibt es im Erwachsenenalter, wo die Kinder zwei Väter oder zwei Mütter haben werden, die theoretisch ein Mann und eine Frau sind, sodass sie keine normale Kindheit oder Erziehung haben werden, weil das Mütterliche oder das Väterliche zu kurz kommen wird, falls noch überhaupt erzogen wird. Meistens endet es so, dass „ein Elternteil“, wie es jetzt modern heißt, alles übernimmt und überarbeitet zusammenbricht. Wo begann das Unglück? In der sog. Emanzipation der Frau, welche keine Emanzipation, sondern die Verleugnung der Weiblichkeit durch die Verleugnung der Mütterlichkeit ist. Die Frauen sind entweder: überarbeitet, allein und unglücklich oder verheiratet, arbeitend und unglücklich, eigentlich sind sie permanent unglücklich, weil die ungeborenen Kinder sich irgendwie durch nichts kompensieren lassen. Die Männer bekommen es ab und so wird das Eheleben zur Hölle. Aber im richtigen, d.h. im katholischen Rollenverständnis liegt auch die Spiritualität verwurzelt. Das Leben auf dieser Erde, liebe Leserinnen und Leser ist ein Kampf. Hedonismus ist nicht machbar und eine Sackgasse. Es kann uns nicht permanent gut gehen. Wenn wir aber wissen, wozu wir auf diese Welt sind, d.h. durch die irdischen Mühen die Seeligkeit zu erlangen, dann wird es erträglich und heilsam. Amen.

 

An Pfingsten wird die Heilige Mutter Kirche geboren und alle empfangen die Gabe des Heiligen Geistes als Glieder der mystischen Braut Christi.

In dem Artikel, den ich (Benedict Constable August 13 2015) gestern hier veröffentlicht habe (Sollten Frauen bei der Hl. Messe Lektorinnen sein?), begann ich meine Antwort mit dem folgenden Argument:

Hierzu ist zu sagen, daß in der Heiligen Schrift das Wort Gottes immer mit Samen verglichen wird, und der Prediger mit dem, der den Samen in die Erde pflanzt. Der Hörende ist die Mutter, deren Glauben den Samen empfängt – der Mutterschoß, in den der Same eingepflanzt wird, zu wachsen beginnt, und mit Geduld Frucht bringt. Aus diesem Grund ist die Gemeinde der Gläubigen das Abbild der Jungfrau Maria, während der Lektor das Abbild Gottes des Vaters ist, der in ihre Herzen den Samen des Wortes sät, Jesus Christus, ebenso, wie Er es bei der Verkündigung tat durch die Vermittlung des Erzengels Gabriel.

Daher ist es ein Widerspruch in sich, wenn eine Frau das Wort verkündet: es macht das Weibliche, das den Samen empfängt, zum Männlichen, das den Samen aussät. Wenn jemand diese symbolische Dissonanz verneint, muss er einen Schritt weiter gehen und verfechten, dass männlich oder weiblich zu sein metaphysisch nebensächlich und irrelevant ist, und dass es keinen religiösen Symbolismus gibt, männlich oder weiblich zu sein.

Dieses Argument zog etliche Widersprüche nach sich (und Spötteleien), wie auch das folgende Duo in Facebook:

So… Nach dieser Logik sollten Männer nicht das Wort empfangen. Von uns wird nicht erwartet, dass uns der „Same“ eingesetzt wird!

und

Wenn also ich, ein Mann, im Kirchenvolk sitze und dem Lektor zuhöre, bin ich wie die Mutter, welcher der Same eingepflanzt wird. Es scheint mir, dass ich nach dieser Logik nicht zuhören sollte.

Ein anderer gemäßigterer und nachdenklicherer Leser drückte den komplizierten Sachverhalt folgendermaßen aus:

Benedict spricht von dem religiösen Symbolismus, männlich oder weiblich zu sein. Weiblich = Mutter der Kirche, die in ihrem Leib den Samen „empfängt“ (Wort Gottes) von dem Geber (männlich/Mann/Gott) und es nährt, damit es wächst und Frucht bringt. Das ist einfach zu verstehen und nichts zu Streiten. Er sagt dann, dass wenn Frauen Lektorinnen seien, dies sich selbst widerspreche: Die Gemeinde repräsentiert die Jungfrau Maria, die Kirche ist weiblich, wir sollten das Wort empfangen. Aber was ist mit den Männern in der Gemeinde? Wenn man diesem Argument folgt, würden dann nicht alle männlichen Gottesdienstbesucher, die zwischen den weiblichen [Gottesdienstbesuchern] sitzen, ebenso sich selbst widersprechen?

Dies sind gute Fragen, die man stellen kann. In seinem wunderbaren Buch Redeemer in the Womb: Jesus Living in Mary(Erlöser im Mutterschoß: Jesus lebt in Maria) widmet Fr. John Saward sein sechstes Kapitel dem Thema: „Christus im Mutterschoß des Herzens“. Hier zitiert er nicht nur viele Kirchenväter und Mystiker der Kirche, die das Wort Gottes mit einem Samen vergleichen, der in den Mutterschoß gepflanzt wird, zuerst der Jungfrau Maria, dann jedem christlichen Gläubigen, der ihren Glauben nachahmt, wie z. B. diese Zeilen von St. Augustinus:

… Daher war also auch Maria selig, weil sie das Wort Gottes hörte und es befolgte. Sie bewahrte die Wahrheit mehr im Geist als im Fleisch des Leibes. Die Wahrheit ist Christus, das Fleisch ist Christus: Christus Wahrheit im Geiste Marias, Christus Fleisch im Leibe Marias; …Die Mutter trug Ihn in ihrem Mutterschoß; lasst uns Ihn in unseren Herzen tragen. Die Jungfrau wurde schwanger durch die Inkarnation, lasst unsere Brust schwanger werden mit dem Glauben an Christus. Die Jungfrau gebar den Erlöser, lasst unsere Seelen die Erlösung gebären, lasst uns Preis gebären. Lasst uns nicht unfruchtbar sein. Lasst unsere Seelen fruchtbar sein für Gott.“ [1]

Fr. Saward fährt damit fort, in seinen eigenen Worten diese klassische Lehre des Glaubens zu erklären:

Beide, die Kirche als Ganzes und der einzelne Christ, haben Anteil an Marias göttlicher Mutterschaft, das Tragen des göttlichen Wortes [wie im Mutterschoß] … in und durch die Kirche ist der Gläubige für Christus eine „Mutter“. Der einzelne Christ ist dazu berufen zu werden, was die Kirche als Ganzes ist, Christi Braut und Mutter, eine wahrhaft „ekklesiastische Seele.“ … Maria ist das Modell aller Seelen, die das ewige Wort in ihren Herzen formen und gebären. … Die Tradition des mystischen [im Mutterleib] Tragens Christi beleuchtet schlaglichtartig den bevorzugten Status des Frauseins als Abbild der Haltung gegenüber Gott, die dem Geschöpf eigen ist. Analog ist die Seele immer weiblich – bräutlich dem Bräutigam, mütterlich dem Kind gegenüber. Um den Heiligen Vater [Johannes Paul II] noch einmal zu zitieren, „’Braut zu sein‘, und so das ‚feminine‘ Element, wird ein Symbol all dessen, was menschlich ist.“ Schwangerschaft im Besonderen ist in den geistlichen Lesungen bedeutungsschwer; ein Kind im Mutterschoß zu tragen ist das Modell davon, in Glaube, Hoffung und Liebe Christusträger zu sein (hier geht das englische Wortspiel leider bei der Übersetzung verloren), im demütigen Dienst und im tiefsten Gebet.[2]

Um nun auf die Einwände zu antworten: wie viele Heilige und Theologen verfochten haben, sind, alle Christien vor Gott symbolisch in der Rolle der Braut und Mutter. Kreaturen sind grundsätzlich Empfangende; und die Kirche ist eine Braut, und wir alle sind ihre Glieder (cf. Epheser 5). Nun soll natürlich diese Symbolik den Männern nicht auf eine Weise aufgedrückt werden, dass sie sich unwohl fühlen. Für Männer gebrauchen wir die Sprache des Kämpfens wie ein Soldat, Zimmermann oder Beschützer sein, etc. Aber dennoch ist unsere fundamentale Identität als Christ die dessen, der Gnade empfängt und durch sie fruchtbar gemacht wird. Das ist der Grund, warum die Selige Jungfrau Maria nicht nur ein Modell für Frauen ist, sondern für alle Christen als solche.

In der Liturgie ist es klar, dass das Heiligtum und die Diener um den Altar Christus repräsentieren, während das Kirchenschiff und die Gläubigen, die dort anbeten, die Kirche repräsentieren, auf die Er einwirkt und die, beim Hören im Glauben und Handeln nach dem empfangenen Wort, Ihm geistliche Frucht zurückgeben. Wenn das Wort durch jene verkündet wird, welche Christus repräsentieren, sind die Männer, die in der Gemeinde sitzen, nicht weniger empfänglich als die Frauen. Diese Rolle des Zuhörers  erfordert nicht, dass wir Frauen sind, denn alle vernunftbegabten Wesen können zuhören und Christus in Glaube und Liebe anhangen. Auf der anderen Seite ist der Dienst im Heiligtum ausdrücklich in Glaube und Liebe an Christus, den Hohenpriester gebunden, der in Seiner ontologischen Realität als Eingeborenes Wort ein Mann ist und nicht eine Frau. (Dies ist offensichtlich der Frage sachdienlich, warum nur Männer Priester sein können, während es keine solche Beschränkung gibt in der Frage, wer die anderen Sakramente empfangen kann.)

Kurz gesagt basiert das Argument darauf zu begreifen, dass nicht alle Bilder austauschbar sind: einige Vergleiche funktionieren nicht genau so in beide Richtungen. Christus ist ein Mann, ein Priester, ein Bräutigam; dies ist nicht nur einfach eine Metapher, sondern eine Tatsache der natürlichen und übernatürlichen Ordnungen. Der Christ ist wie eine Frau, eine  Mutter, eine Braut; dies ist eine Metapher von einer gewissen grundlegenden spirituellen Identität und Berufung. Die heilige Liturgie muss beiden Tatsachen und Metaphern Rechnung tragen, in einer schlüssigen Synthese — und genau das ist es, was Katholiken in ihrer theologischen und liturgischen Tradition gehabt haben, bis zu der Verwirrung der letzten Jahrzehnte.

[1] St. Augustin, Sermo de Verbis Evang. Matt. 12; Sermo 180.

[2] John Saward, Redeemer in the Womb, 106, 108, 112, 116-17.

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Der Dreijahreszyklus oder damit man vergisst


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Der Schreiber dieser Zeilen stellt fest, dass er mittlerweile jetzt das vierte Jahr das Tridentinische Brevier betet. Erst jetzt im vierten „tridentinischen“ Jahr fängt er an sich die Lesungen und Predigten der Kirchenväter zu erinnern.

Bevor wir darlegen werden, warum es von einer Bedeutung sei, hier ein paar Fakten. Das Abenteuer mit den Alten Brevieren begann im Jahre 2012 und verlief wie folgt:

  • Das Brevier vom 1962, das letzte vorkonziliare wurde gebetet
    • vom 11. Juni 2012 bis 28. April 2013,
  • Das Brevier vom 1910 vom Pius X., Divino afflatu wurde gebetet
    • vom 29. April 2013 bis 29. April 2014
  • Das Tridentinische Brevier, welches vom 1570 bis 1910 gültig war, wurde gebetet:
    • vom  30. April 2014 bis 30. April 2015
    • vom 30 April 2015 bis 30 April 2016
    • vom 30 April 2016 bis 30 April 2017

Der Schreiber dieser Zeilen liest viel, kann vieles bis sehr vieles behalten. Er hat als Musiker ein gutes Hörgedächtnis, was viele Menschen erstaunt und manchmal verängstigt, da er ihnen manchmal nach Jahren ihre exakten Aussagen wiederholen kann. Sein Gedächtnis ist sicherlich gut bis überdurchschnittlich gut zu nennen, wenn es auch kein eidetisches Gedächtnis ist. Wenn also ein Mensch, der über eine überdurchschnittliche Gedächtnisleistung  verfügt erst nach drei Jahren anfängt Inhalte sich in Erinnerung zu rufen, die er das vierte Jahr oder das fünfte Jahr lang sukzessiv liest, denn manche Predigten sind auch im Brevier Divino afflatu zu finden, dann ist es für einen jeden Menschen unmöglich sich an gehörte Inhalte zu erinnern, die sich in jedem Jahr abwechseln.

Worüber sprechen wir hier? Über den Dreijahreszyklus der Sonntagsevangelien, welche in der Reihenfolge A, B, C gelesen werden, wie sie die nachkonziliare Leseordnung vorschreibt. Während jeder, der regelmäßig zur Alten Messe geht rechts schnell die Sonntagsevangelien lernt, da sie immer dieselben sind, kann wirklich kein Novus Ordo „Gottesdienst“-besucher sagen, was es beispielsweise am neunten Sonntag nach Pfingsten im Jahr B zu lesen gibt. Der Schreiber dieser Zeilen hielt mal eine Vortragsreihe für eine Ordensgemeinschaft mit dem Altersdurchschnitt Anfang 80, wo sich wirklich keine Ordensfrau daran erinnern konnte, welches Sonntagsevangelium wann gelesen wird. Das können wohl nicht einmal Priester, wenn Sie aus dem Stehgreif gefragt werden. Es ist also völlig unmöglich, dass die Inhalte sacken, weil ständig abgewechselt wird. Wie wir aus der Erfahrung des Autors dieser Zeilen lernen können, kann ein Mensch mit einem guten Gedächtnis erst im dritten Jahr sich daran erinnern, was er zyklisch, täglich seit drei Jahren liest, wenn es dasselbe ist. Bei einem ständigen Wechsel in der Ordnung A,B,C oder I, II bei den Wochentagslesungen kann es wirklich niemand, zumal Sie bei Novus Ordo ja zwei Lesungen am Sonntag haben, welche ja auch abwechseln.

So lesen wir bei einem Ministrantenportal:

Das Zweite Vatikanische Konzil gab den Auftrag, bei den liturgischen Feiern die Schriftlesungen „reicher, mannigfaltiger und passender“ zu gestalten und bei der eucharistischen Feier den Gläubigen den Tisch des Wortes reicher zu bereiten und die „Schatzkammern der Bibel weiter“ aufzutun, als das zuvor der Fall war. Deshalb gilt seit 1969 für Sonn- und Festtage eine dreijährige Leseordnung.

Was leider wie ein blanker Hohn klingt, denn diese Speise ist zwar mannigfaltiger, aber viel oberflächlicher, was wir noch bei Don Pietro Leone lesen werden. Auch wenn es vielen weiterhin schwer fällt es anzunehmen: die Novus Ordo Messe wurde so konzipiert, dass man seinen Glauben verliert und sich ständig schuldig fühlt. Denn jeder stellt sich die Frage:

Warum passe ich nicht auf?

Antwort: Weil man nicht die ganze Zeit aufpassen kann. Es ist kein Vortrag.

Warum bin ich gelangweilt?

Antwort: Weil es langweilig ist.

Warum kann ich mich nicht an den Lesungen erinnern?

Antwort: Weil sie ständig abwechseln.

Michael Davies, der Autor des Klassikers Pope Paul’s New Mass war Lehrer, kein Hochschullehrer, und deswegen war ihm klar, was vielen Hochschullehrern entgeht, da sie es nolens volens mit einer Elite zu tun haben, dass ein durchschnittlicher Mensch eine sehr begrenzte Aufmerksamkeitspanne hat, die zurzeit bei Erwachsenen 8 Sekunden beträgt, was den Handys etc. geschuldet ist, andere Quellen geben andere Zeiten an. Wenn man diese Aufmerksamkeitsspanne auch trainieren kann und Menschen, die studiert haben, in den meisten Fällen mehr als 8 Sekunden erreichen, so ist es dennoch für absolut einen jeden unmöglich sich 60 Minuten lang, so lange also, wie eine Novus Ordo Messe dauert, ständig zu konzentrieren und sich an jedes Wort zu erinnern. Bei Altem Ritus fällt diese Notwendigkeit weg, aber bei Novus Ordo wird permanent auf Sie eingeredet oder sie müssen „mitmachen“ als würden Sie Volleyball spielen.

Es ist also interessant, dass erst im dritten Jahr der Wiederholung sich bestimmte neurologische Prozesse einfinden, welche per se ausgeschlossen sind, wenn man auch im Dreijahreszyklus etwas abwechselt, wie es die Novus Ordo Leseordnung vorschreibt. Aber woher wussten es die Novus Ordo Macher? So intelligent ist doch kein Mensch. Sie können es auch nicht im Geheimen an Menschen ausprobiert haben, da es Novus Ordo vorher nicht gab. Die einzige stringente und konsistente Antwort, welche aber die materialistische Ordnung sprengt lautet: Dämonen, die überzeitlich sind, haben es vorhergesagt!

Eugenie Roth, Wie ich zur Traditionellen Lateinischen Messe kam (2 von 2)


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Teil 2:  Erfahrungen

Was ich im ersten Teil schon angedeutet habe, möchte ich jetzt – vielleicht auch in mehreren Abschnitten – etwas näher betrachten.

Wie bereits geschrieben, war mir zu Beginn alles fremd bis auf die Musik – ja, und der erste Priester, den ich zu Hause erlebt habe, hat auch noch die alten „Baßgeigen“-Messgewänder[1] getragen, die – ich war damals wohl zehn Jahre alt – der „neue“ Pfarrer recht bald im Schrank hängen ließ.

Ja, warum habe ich mir diese fremden Gottesdienste in einer mir fremden Sprache angetan (doch, so kann man ohne Übertreibung sagen), die Heilige Messe besteht ja nicht nur aus den Messgesängen, die ich aus meiner Kindheit noch kannte, und der gesamte Ablauf der TLM war mir unbekannt.

  • Der Priester betet oft leise – ich will etwas hören!
  • Der Priester betet auf Latein – ich will etwas verstehen!

Nun gut, wenn man – wie ich – im Besitz eines Messbuches ist, kann man ja mitlesen. Die Texte im Novus Ordo sind doch oft im Vergleich zum Vetus Ordo verkürzt oder gleich „richtig“ verändert, da wollte ich schon wissen, was da gebetet wird. Zudem liebe ich die alte, teils recht ausführliche Ausdrucksweise. Aber auch das war nicht einfach: oft wusste ich nicht, wo der Priester gerade war, die Präfation ändert sich je nach Anlass, und er betet ja auch weiter, während das Volk singt (besonders auffällig während des Sanctus‘) … das hat mich zutiefst gestört … Schließlich singe ich auch gerne. Sehr gerne … Es hat Jahre gedauert – ich war schon längst wieder an den Ort meiner ersten Begegnung mit der Lateinischen Messe zurückgekehrt – bis ich den Eindruck hatte, dass ich mich mit den Gebeten nun etwas auskannte und mich dann während des Gottesdienstes mehr dem Singen widmete (den Schott verwende ich auch heute noch während des Gottesdienstes). Die schönen alten Lieder und Gebete aus dem früheren Gesangbuch der Diözese (in Kopie) – vergleichen Sie einmal, wenn Sie noch Ihr Gesangbuch von früher und das alte Gotteslob haben! Auch hier wurden die Texte zum Teil stark verändert, sprich „verwässert“, oder die Lieder gleich durch modernere mit weniger Aussagekraft getauscht. Teilweise  wurden auch einfach Strophen weggelassen[2] – die etwas zu sagen hatten. Und das neue Gotteslob hat wieder in Text und Melodie Änderungen gebracht (das besitze ich allerdings nicht und kann daher hier schlecht Beispiele bringen)[3] . Oder es wurden alte, inzwischen vergessene, Lieder wieder mit in das Liedgut aufgenommen. Diese Veränderungen sind – nebenbei bemerkt – für Sehbehinderte äußert unangenehm, denn dann kann man nicht auswendig singen.

[1]    Siehe z. B. Hier: http://www.stvitus-olfen.de/m-chronik/vitus Bitte etwas herunterscrollen! Oder https://de.wikipedia.org/wiki/Heilige_Messe unter dem Stichpunkt Liturgische Dienste Oder http://deerbe.com/unt/43783-casel_hell_rmisch_bassgeige_messgewand_chasuble_vestment_4c1114003.html

[2]     Siehe z. B. altes GL 616. Es fehlt im Vergleich zum diözesanen Gesangbuch von 1959

Strophe 4:

Fällt’s euch zu schwer, ich geh voran, ich steh euch an der Seite, ich kämpfe selbst, ich brech‘ die Bahn, bin alles in dem Streite. Ein böser Knecht, der still mag steh’n, sieht er voran den Feldherrn gehen.

Oder man vergleiche die Allerheiligenlitanei auf dem Blog Tradition und Glauben mit der im neuen Gotteslob (Nr. 556)– oder auch schon mit der im alten GL. Dazwischen liegen „Welten“. Bei Nr. 537 haben sie die Strophe weggelassen, bei der es dann den Beter selbst betrifft. Wer das alte GL mit dem neuen vergleicht hat sicherlich schon festgestellt, dass es rund 100 Nummern weniger hat, und dass im Diözesanteil nun auch moderne Lieder zu finden sind … ich dachte, der Diözesanteil ist dazu da, der einzelnen Diözese ihre traditionellen Lieder zu erhalten?

[3]     Das zu belegen ist schwierig, da dies vermutlich für jede Diözese anders aussieht.

Im Vergleich unseres Diözesanen Gebet- und Gesangbuchs zum alten Gotteslob wurde z. B. bei Nr. 470 sowohl der Text als auch die Melodie geändert. Bei Nr. 537 altes GL wurde gegenüber dem diözesanen Buch auch der Text geändert. Im alten Gotteslob findet man das 1., 3. und 4. Hochgebet (das 1. Hochgebet wurde jahrhundertelang gebetet, die anderen kamen im Rahmen des Vatikanum II neu hinzu), im neuen das zweite Hochgebet, das kaum verwendet wird bzw. das kaum jemand hört. Sonntags gehen doch noch mehr Leute in die Kirche als werktags. Auch wurden die alten Antiphonmelodien im neuen Gotteslob durch kompliziert zu singende Melodien ersetzt, die man mit der Gemeinde erst eine Weile proben muss.

 

Wie ich zur Traditionellen Lateinischen Messe kam (1 von 2)


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Auf die Traditionelle Lateinische Messe wurde ich durch eine Bekannte aufmerksam, die mich bat, doch meine Unterschrift auf eine Liste zu setzen, damit in der Bischofsstadt die Heilige Messe nach den Büchern von 1962 gefeiert werden durfte. Nein, ich sei durch diese Unterschrift zu nichts verpflichtet (wie beruhigend war das damals für mich!). Dies war noch die Zeit, in der man die Erlaubnis des Bischofs einholen musste, welcher der beantragenden Gruppe dann einen Priester und eine Kirche zuwies.

So bin ich dann, neugierig geworden durch die Begeisterung meiner Bekannten, auch einmal in den Gottesdienst nach dem Vetus Ordo gegangen. Der „alte“ Schott stand seit Jahrzehnten unbenutzt in meinem Regal, den hatte ich irgendwann – man brauchte ihn ja nicht mehr – geschenkt bekommen. Also:

In die Hand nehmen. Abstauben. … Lesen … Zunächst die Erläuterungen. Wenn man den Verlauf des Gottesdienstes nicht kennt – für mich waren das viele unverständliche Worte.

– Zwar gehöre ich zu denen, die sich noch an Gottesdienste nach dem Vetus Ordo erinnern müssten, doch habe ich daran keine Erinnerung. So war mir im Gottesdienst alles fremd:

Die häufigen Kniebeugen (vor allem der Ministranten), das Hin- und Hertragen des Missale auf dem Altar, … alles fremd. Bis auf die Lateinischen Messgesänge, die wir als „Relikt der vergangenen Zeit“ ab und zu als Kinderschola während des regulären deutschen Gottesdienstes zu Gehör bringen durften … Doch irgendwie spürte ich, dass dieser Gottesdienst – trotz der von mir empfundenen Fremdheit – „etwas hatte“. Ich kam ab und zu wieder … bis ich mir eines Tages vornahm, regelmäßig dorthin zu gehen.

Bis „das Leben“ mich in eine andere Stadt schickte, hatte ich schon etliche Jahre lang (unregelmäßig) die Möglichkeit, diese Heiligen Messen mitzufeiern.

Heute, seit langem wieder hierher zurückgekehrt und um die Erfahrung vieler Heiliger Messen nach dem Vetus Ordo reicher, kann ich sagen:

Die Heilige Messe nach dem Vetus Ordo ist nicht nur reicher am Schmuck der alten Gewänder und der Bücher, die der Priester während der Heiligen Messe verwendet, sondern die Texte sind viel reicher, haben mehr „Biss“. Sowohl die Lesungen aus der Bibel, als auch die Gebete des Priesters.

Wer meint, im Novus Ordo höre man mehr aus der Bibel, da nicht im einjährigen, sondern im dreijährigen Turnus gelesen wird, irrt sich gewaltig. Sollten Sie einen alten und einen neuen Schott zu Hause haben – machen Sie den Vergleich! Nehmen Sie den alten Schott, schlagen Sie ihn auf und suchen Sie dann diese Bibelstelle im neuen Schott … ich habe da schon manche Überraschung erlebt …

Wer meint, er möchte etwas TUN während des Gottesdienstes, dem sage ich als frühere Lektorin und Kommunionspenderin: knieen Sie sich hin! Schauen Sie! Hören Sie zu, lesen Sie mit!

Und genießen Sie die Ruhe, die diese Messfeiern ausstrahlen, nehmen Sie sich wie Maria die Zeit, das, was Sie hören, in Ihrem Herzen zu bewegen. DAS ist die Teilnahme, die den Gottesdienst für das persönliche Leben reich und fruchtbar macht.

Der Seiko-Mariensamstag (5 von 5): Mariensamstag im Brevier


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Mariensamstag im Brevier

Aber die Messe am Mariensamstag ist nur ein Kennzeichen dessen, dass der Samstag Maria gewidmet ist. Ein anderes Kennzeichen ist das Marienoffizium am Samstag im Brevier. Die Grundregel für alle vorkonziliaren Breviere lautet:

An Samstagen, an welchen kein Fest der höheren Klasse zelebriert wird, beten man das Offizium vom Mariensamstag.

Was „ein Fest der höheren Klasse“ bedeutet, werden wir noch erläutern. An dieser Stelle bleibt festzuhalten, dass natürlich das nachkonziliare Brevier mit dieser Tradition bricht, wie mit vielen anderen auch, und einen Mariensamstag bloß zu einer Option macht, nach dem berühmten Spruch: „Alles kann nichts muss“. Wie wir nämlich in der Institutio generalis de Liturgia Horarum des Breviers von Paul VI. im Punkt 240 nachlesen können:

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Der Seiko-Mariensamstag (4 von 5): Votivmesse am Samstag und Maria


Votivmesse an Samstag ist Maria gewidmet

Schon im VIII Jhdt. sind Votivmessen zur Ehren der Mutter Gottes nachweisbar. Im 9. Jahrhundert verbreitete sich die Gewohnheit, den Samstag ganz Maria zu weihen.[1] Es war aber der Hl. Alkuin (735-804), der Benediktiner, welcher am Hof Karls des Großen wirkte und die karolingische Liturgiereform vorantrieb, diesmal zur Abwechslung eine positive, welcher wir den Mariensamstag verdanken. Wie der Seite Marian Catechist Apostolate, die wir hier fast wörtlich zitieren zu entnehmen ist:

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Der Seiko-Mariensamstag (3 von 5): Permutationen des Novus Ordo


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Permutationen der NOM

Warum ist es bei NOM nicht möglich in die Tiefe zu gehen? Aus zweierlei Gründen. Es ist entweder immer dasselbe: Zweiter Messkanon oder es ist ein permanentes Chaos bzw. zu viele neue Informationen auf einmal, da man auch ganz genau nach den nachkonziliaren Rubriken zelebrierend, schier eine unendliche Permutation- oder Optionsmöglichkeit hat. Keep on reading!