Was ist eine Häresie? Die kirchlichen Zensuren: (4) Zensuren, welche die Auswirkungen betreffen.


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Ad c. Zensuren, welche Auswirkungen (effectum) betreffen, welche die theologische Meinung (sententia theologica) auf die Gläubigen ausüben können.

Manche Zensuren betreffen die schlechten Auswirkungen (malos effectus), welche die verurteilten Meinungen auf die Gläubigen haben können. Es ist wirklich ein großer Fehler zu glauben, dass verkündete oder publizierte Ansichten ohne irgendwelche Auswirkungen bleiben. Dem ist nicht so. Jeder Schreibende möchte die Welt verändern. Der Schreiber dieser Zeilen auch und in der Geistesgeschichte tragen Ideen nach ca. 200 Jahren Früchte, wie man es beim Einzug Hegels (1770-1831) in die Kirche durch Amoris laetitia, aber auch durch Vatikanum II beobachten kann.

Diese Zensuren quoad effectum lauten wie folgt:

  1. Ärgernis erregende Meinung (scandalosa)
  2. Schismatische Meinung (schismatica)
  3. Aufrührerische Meinung (seditiosa)
  4. Unsichere Meinung (non tuta)

Ad 1. Ärgernis erregende Meinung (scandalosa)

Es ist eine Meinung, welche ein Ärgernis oder ein Skandal hervorruft und, wie Tanquerey schön schreibt,

„bei der nächsten Gelegenheit zum geistigen Ruin, zur Neigung zur Sünde und zur Abkehr vom Wege der Tugend führen wird.“[1]

Solch eine sententia scandalosa ist die berühmte Aussage unseres Papstes

„Wer bin ich, um zu urteilen/richten?“

als er nach einem homosexuellen Prälaten im Vatikan, der das Haus der Hl. Martha leitet (sic!), gefragt wurde.[2] Wir sprechen hier nicht nur von einem Homosexuellen, sondern von einem homosexuellen Priester und Prälaten im Rang eines Bischofs (Monsignore) und hören so etwas!

Ad 2. Schismatische Meinung (schismatica)

Dies ist eine Meinung, welche der Einheit der Kirche entgegensteht und den Weg zu einer Spaltung ebnet. Solch eine sententia schismatica ist unserer Meinung nach der Punkt 3 von Amoris laetitia, welche wir noch genau besprechen werden, er lautet:

  1. Indem ich daran erinnere, dass die Zeit mehr wert ist als der Raum, möchte ich erneut darauf hinweisen, dass nicht alle doktrinellen, moralischen oder pastoralen Diskussionen durch ein lehramtliches Eingreifen entschieden werden müssen. Selbstverständlich ist in der Kirche eine Einheit der Lehre und der Praxis notwendig; das ist aber kein Hindernis dafür, dass verschiedene Interpretationen einiger Aspekte der Lehre oder einiger Schlussfolgerungen, die aus ihr gezogen werden, weiterbestehen. Dies wird so lange geschehen, bis der Geist uns in die ganze Wahrheit führt (vgl. Joh 16,13), das heißt bis er uns vollkommen in das Geheimnis Christi einführt und wir alles mit seinem Blick sehen können. Außerdem können in jedem Land oder jeder Region besser inkulturierte Lösungen gesucht werden, welche die örtlichen Traditionen und Herausforderungen berücksichtigen. Denn » die Kulturen [sind] untereinander sehr verschieden, und jeder allgemeine Grundsatz […] muss inkulturiert werden, wenn er beachtet und angewendet werden soll «.[3][3]

Ad 3. Aufrührerische Meinung (seditiosa)

Diese Meinung kann zu sozialen Unruhen führen. Die ganze Amoris laetitia ist als Ganzes seditiosa, denn sie hat zu einem Aufruhr in der Kirche geführt, jedoch hauptsächlich unter den Bloggern.

Ad 4. Unsichere Meinung (non tuta)

Dies ist eine solche Meinung, welche bei der Berücksichtigung aller Umstände, nicht befürwortet werden kann, weil sie viele Fehler in anderen Bereichen bewirken kann. Dies ist beispielsweise mit der Philosophie des Personalismus der Fall, der u.a. in Amoris laetitia zum Subjektivismus und Relativismus geführt hat.

Die Darstellung der kirchlichen Zensuren, die hier noch nicht ausgeschöpft sind, sollt zur Untermauerung unserer These dienen, dass

„nicht jeder Unsinn gleich Häresie sei.“

Sie soll uns auch bei unserer Analyse von Amoris laetitia behilflich sein, da wir diese Zensuren anwenden werden. Es stellt sich auch die Frage, wie viele Zensuren ein lehramtliches Dokument verträgt, ohne gleich häretisch zu werden. Dies ist eine gute Frage. Das vorkonziliare hat keine enthalten. Natürlich ist das ordentliche Lehramt nicht immer unfehlbar oder besser ausgedrückt es kann auch fehlbar sein, aber Papst Franziskus hat mit Amoris laetitia wirklich alle tolerierbaren Grenzen gesprengt, was wirklich alle zugeben. Deswegen ist es gut sich diese Zensuren gut zu merken.

[1] Tanquerey, Synopsis theologiae dogmatiae, Bd. II, 118.

[2] http://www.katholisches.info/2015/06/16/einflussreichster-kritiker-von-papst-franziskus-unter-den-vatikanisten-vom-heiligen-stuhl-vor-die-tuer-gesetzt/ http://www.katholisches.info/2013/07/29/papst-franziskus-ricca-und-die-homo-lobby-wovon-sprach-der-papst-im-flugzeug-wirklich/

[3] Deutscher Text nach: https://w2.vatican.va/content/francesco/de/apost_exhortations/documents/papa-francesco_esortazione-ap_20160319_amoris-laetitia.html#_Die_Freude_der_Liebe

Was ist eine Häresie? Die kirchlichen Zensuren: (3) Zensuren, welche die Art und Weise betreffen.


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Ad b. Zensuren, welche Art und Weise (modum) der Darstellung der Doktrin betreffen:

  1. Mehrdeutige Meinung (aequivoca)
  2. Unklare Meinung (ambigua)
  3. Vermessene Meinung (praesumptuosa)
  4. Trügerische Meinung (captiosa)
  5. Verdächtige Meinung (suspecta)
  6. Übel klingende Meinung (male sonans)
  7. Fromme Ohren verletzende Meinung (piarum aurium offensiva)
  8. Wenigstens irrige Meinung (ad minus erronea)
  9. Ungerechte Meinung (iniuriosa)
  10. Woanders bereits verurteilte Meinung (alias damnata)

Es ist schwierig für jede einzelne Zensur ein Beispiel zu finden, weil die Konstitution Auctorem fidei, welcher sie entstammen, immer mehrere Zensuren gleichzeitig angibt.

So lesen wir z. B. darin:

XLII. Ebenso das, was hinzugefügt ist, es sei noch mehr zu bedauern, dass diese eingebildete Zuwendung auf die Verstorbenen [es geht um Ablässe Red.] zu übertragen in Verbreitung gekommen ist,

als FALSCH, VERWEGEN, FROMME OHREN VERLETZEND, DIE RÖMISCHEN PÄPSTE BELEIDIGEND UND DIE ÜBUNG UND DEN ALLGEMEINEN SINN DER KIRCHE, FÜHREND ZU DEM IRRTUM, DER ALS HAERETISCH IN PETER VON OSMA BEZEICHNET, UND NOCHMALS IM 12. ARTIKEL LUTHER’S VERDAMMT IST.  (DH 2642)

Oder

XXXIII. Die Vorlage der Synode, wonach sie erklärt, es zu wünschen, dass die Ursachen behoben werden möchten, durch welche zum Teil das Vergessen der Grundsätze hinsichtlich der Ordnung der Liturgie aufgekommen ist, durch Zurückführung derselben zu einer größeren Einfachheit der Riten, durch Erklärung derselben in der Volkssprache, sowie durch Vortragen mit lauter Stimme,

als wenn die herrschende, von der Kirche angenommene und genehmigte Ordnung der Liturgie irgendwie aus dem Vergessen der Grundsätze hervorgegangen wäre, durch welche sie geregelt werden soll,

als VERWEGEN, FROMME OHREN VERLETZEND, DIE KIRCHE SCHMÄHEND, DIE LÄSTERUNGEN DER HAERETIKER GEGEN SIE BEGÜNSTIGEND. (DH 2633)

Wir wollen uns hier der Erklärung der zu recht verurteilten Sätze nicht widmen, wollen dennoch festhalten, dass wirklich sehr viele, wenn nicht alle in Auctorem fidei verurteilten Sätze durch das letzte Konzil in der Kirche, zu ihrem Verderben, ihr Heimatrecht gefunden haben.

Was ist eine Häresie? Die kirchlichen Zensuren: (2) Zensuren, welche die Glaubenslehre selbst betreffen.


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Ad a. Zensuren, welche die Glaubenslehre selbst (doctrina ipsa) betreffen

Die hier angeführten Zensuren werden hierarchisch, als von der schädlichsten bis zu der am wenigsten schädlichen dargestellt.[1] Wir zählen sie zunächst auf, bevor wir sie kurz besprechen.

  1. Häretische Meinung (sententia haeretica) oder Häresie
  2. Der Häresie nahe Meinung (sententia haeresi proxima)
  3. Nach Häresie schmeckende Meinung (sententia haeresim sapiens)
  4. Die Häresie begünstigende Meinung (sententia haeresi favens)
  5. Irrige Meinung (sententia erronea)
  6. Leichtfertige Meinung (sententia temeraria)

Ad 1. Häretische Meinung (sententia haeretica) oder Häresie

Dies ist die schwerstwiegende Zensur. Eine häretische Meinung (sententia haeretica) ist diejenige Meinung, welche sich direkt (directe) und unmittelbar (immediate) der geoffenbarten katholischen Glaubenswahrheit widersetzt und zwar

  • (i.) als ihr entgegengesetzt (contrarie) oder
  • (ii.) ihr widersprechend (contradictorie).

Im Falle, dass die Glaubenswahrheit lautet:

            „alle Menschen werden auferstehen“

Dann lautet (i.) die entgegengesetzte Meinung (propositio contraria):

            „kein Mensch wird auferstehen“

Die (ii.) widersprechende Meinung (propositio contradictoria) hingegen lautet:

            „ein bestimmter Mensch wird nicht auferstehen“.

Sowohl (i.) als auch (ii.) sind häretisch, denn sie negieren die oben angeführte Glaubenswahrheit, prädikatenlogisch ausgedrückt mit Hilfe (ii) eines Existenzquantors ($ oder ˅) „es gibt mindestens einen Menschen, der nicht aufersteht…“ oder mit Hilfe (i) eines Allquantors (“ oder ˄)  „Für alle (Menschen) gilt: sie werden nicht auferstehen.“[2]

Besteht eine Glaubensaussage aus mehreren Elementen wie z.B.:

„Christus ist (A) wahrer Gott, (B) wahrer Mensch, (C) geboren von der (D) Jungfrau Maria“

dann ist die Negierung nur eines Element die Negierung der ganzen Aussage, denn man kann nicht behaupten, dass (A) bis (C) zwar stimmen, aber (D) nicht, dass Maria keine Jungfrau war.

Der Gegenstand einer Häresie ist die Verneinung dessen, was lehramtlich als verbindlich definiert wurde und vereinfacht ausgedrückt eine Häresie richtet sich dagegen, was sich im Denzinger-Hünermann befindet. Es muss also etwas explizit definiert worden sein, um es explizit, im Sinne von (i.) und (ii.) zu verneinen, nur dann ist es eine Häresie oder eine häretische Meinung (sententia haeretica).

Ad 2. Der Häresie nahe Meinung (sententia haeresi proxima)

Eine der Häresie nahe Meinung widerspricht dem, was nach der übereinstimmenden Meinung (ex communi sensu) der Theologen für eine Glaubenswahrheit gehalten wird, aber noch nicht dogmatisch festgelegt wurde. Mit der übereinstimmenden Meinung (sensus communis) meint man die Meinung der Kirchenväter, der Kirchenlehrer, der rechtgläubigen Theologen in der ganzen Kirchengeschichte.

Ad 3. Eine nach Häresie schmeckende Meinung (sententia haeresim sapiens)

Dies ist eine mehrdeutige (aequivoca) Aussage, welche eine rechtgläubige oder häretische Aussage, abhängig vom Kontext zulässt. Wie z.B. „einer der Hl. Dreifaltigkeit hat gelitten“ oder „der Glaube rechtfertigt“.

Ad 4. Die Häresie begünstigende Meinung (sententia haeresi favens)

Diese Meinung begünstigt eine Häresie, welche schon explizit verurteilt wurde. So wurde in Auctorem fidei die Meinung:

XVI. Die Lehre der Synode vom Stand der glücklichen Unschuld, wie sie diesen in Adam vor dem Sündenfall darstellt: nicht allein die Reinheit umfassend, sondern auch die innere Gerechtigkeit mit dem Antrieb zu Gott durch die Liebe (per amorem) der höheren Liebe (caritas), und die nach dem Sündenfall in irgendeiner Weise wiederhergestellte ursprüngliche Heiligkeit, insofern sie, im Zusammenhang genommen, annimmt, dieser Zustand sei eine Folge der Schöpfung, gebührend aus natürlicher Erfordernis und durch die Beschaffenheit der Menschennatur, nicht aber als ein Gnadengeschenk Gottes,

als FALSCH, SCHON IN DU BAY UND QUESNEL VERDAMMT, IRRIG, UND DIE HAERESIE DES PELAGIUS BEGÜNSTIGEND.  (DH 2616)

bezeichnet, weil diese verurteilte Meinung die Lehre von der Erbsünde in Frage stellt, wofür schon Pelagius verurteilt wurde.

Ad 5. Irrige Meinung (sententia erronea)

Dies ist eine Meinung, welche direkt einer theologischen Schlussfolgerung oder einer Wahrheit, welche implizit in dieser Schlussfolgerung geoffenbart wird, entgegensteht. So hat Pius VI die folgende Meinung als irrig (sententia erronea) verurteilt:

Die Lehre der Synode, wo sie bekennt, sie sei überzeugt, ein Bischof habe von Christus alle zur guten Führung seiner Diözese notwendigen Rechte empfangen, so, als ob zur guten Führung einer Diözese nicht die höheren Anordnungen gehören würden, die sich auf den Glauben und die Sitten oder auf die allgemeine Disziplin beziehen, wozu das Recht bei den Päpsten und den Allgemeinen Konzilien für die ganze Kirche liegt, als SCHISMATISCH, MINDESTENS ABER IRRIG. (DH 2606)

Diese Meinung ist deswegen irrig (erronea), weil ein Bischof nur mit der Verbundenheit mit dem Papst und dem Kollegium der Bischöfe seine Rechte wahrnehmen kann, da ansonsten jede Diözese autark, also selbstgenügsam, hinsichtlich der Disziplin und Lehre wäre und somit eine protestantische Landeskirche abbilden würde.

Eine Unterart der irrigen Meinung (sententia erronea) bilden:

  1. eine dem Irrtum nahe Meinung (sententia errori proxima) und
  2. eine nach Irrtum schmeckende Meinung (sententia errorem sapiens)

Ad 6. Leichtfertige Meinung (sententia temeraria)

Dies ist eine Meinung, welche sich einer allgemein anerkannten Glaubenswahrheit entgegenstellt, welche sich auf wahrscheinliche Prämissen stützt. Und so hat Pius VI, in Übereinstimmung mit dem vorhergehenden Lehramt (DH 184, 219, 780, 224, 1008) die Meinung als leichtfertig (temeraria) verworfen, welche den Limbus puerorum in Frage stellt:

XXVI. Die Lehre, welche als eine pelagianische Fabel jenen Ort der Unterwelt bezeichnet (welchen die Gläubigen allgemein den ,limbus puerorum‘ / den Aufenthaltsort der Kinder/ nennen), in welchem die bloß mit der Schuld der Erbsünde Gestorbenen ohne Strafe des Feuers mit der Strafe des Seligkeitsverlustes gestraft werden:

so als wenn eben dadurch Diejenigen, die die Strafe des Feuers (von dort) fernhalten, eben diesen Ort, sowie einen der Schuld und Strafe ledigen Zustand zwischen dem Reiche Gottes und der ewigen Verwerfung (neu) einführen würden, so wie es den Fabeleien der Pelagianer entspricht,

als FALSCH, VERWEGEN, DIE KATHOLISCHEN (GELEHRTEN-) SCHULEN BELEIDIGEND. (DH 2626)

Die Ablehnung des Limbus durch die Armenier wurde schon im Jahre 1341 im Schreiben Cum dudum von Benedikt XII. verworfen:

„Desgleichen sagen die Armenier, dass die Seelen der Kinder, die nach dem Leiden Christi von christlichen Eltern geboren werden, wenn sie sterben, bevor sie getauft werden, zum irdischen Paradies wandern […]“ (DH 1008)

Und deswegen muss man sich fragen, welcher Teufel die Internationale Theologenkommission geritten hat,[3] dass diese den Limbus zu einer Theologenmeinung degradierte. So berichtet wikipedia, dass:

Am 20. April 2007 (AP) genehmigte Papst Benedikt XVI. die Ergebnisse der Internationalen Theologenkommission und ermöglichte damit die Abwertung der Lehre von limbus puerorum zu einer älteren theologischen Meinung, die nicht vom kirchlichen Lehramt unterstützt wird.[4]

Welche „Hermeneutik der Kontinuität“ war da zu Gange, um es so darzulegen? Es ist sachlich falsch, denn es wurde dogmatisiert, entgegengesetzte Meinungen wurden verurteilt, also es wurde dogmatisiert und die Kirche hat doch keine Verfügungsgewalt über die Existenz des Limbus. Ist denn diese Lehre direkt in der Offenbarung enthalten? Nein, aber sie resultiert:

  • aus der Lehre von der Erbsünde
  • sowie aus der Notwendigkeit der Taufe.

Die ungeborenen Kinder, sprich die massenweise abgetriebenen Kinder, kommen nicht zur Anschauung Gottes, weil sie nicht getauft sind, sondern genießen, nach hl. Thomas von Aquin (In Sent. 2 d. 33 q. 2 a. 2) einen Zustand, welcher dem höchsten Erdenglück gleicht, aber die ewige Seligkeit ist es nicht.[5] Der Limbus wird mit dem Fegefeuer am Ende aller Zeiten aufgelöst werden, da sind alle Erlösten wieder beisammen.

[1] Die deutschen Bezeichnungen werden dieser Aufstellung entnommen: http://www.kathpedia.com/index.php?title=Auctorem_fidei_%28Wortlaut%29#Anhang_:_WESEN_UND_BEDEUTUNG_DER_THEOLOGISCHEN_ZENSUREN

[2] Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4dikatenlogik

[3] http://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/veroeffentlichungen/arbeitshilfen/AH_224.pdf

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Limbus_%28Theologie%29#cite_note-5  http://www.spiegel.de/panorama/kirchen-vatikan-schafft-vorhoelle-ab-a-478599.html https://web.archive.org/web/20090509105109/http://www.tagesschau.de/ausland/meldung38452.html

[5] Diekamp-Jüssen, Dogmatik, 1179, 1181.

Was ist eine Häresie? Die kirchlichen Zensuren: (1) Ihre Bandbreite und Unterteilung.


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Da leider Gottes seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil kaum irgendwelche Lehre verurteilt wird, so können nur die wenigsten Katholiken oder gar Theologen etwas mit dem Begriff „kirchliche Zensur“ anfangen. Da Kardinal Ratzinger in einem seiner Interviews mit Peter Seewald selbst sagte, dass die Glaubenskongregation das Ziel hat die Irrenden „noch mehr zu lieben“, so können wir nur hoffen, dass hier Liebe durch die gerechte Ermahnung gemeint ist und nicht „Liebe“ im Sinne des Prälaten Charamsa oder im Sinne David Bergers, der auch ein Konsultor der Glaubenskongregation gewesen ist.

Die Bandbreite der Zensuren

In der Zeit aber, als das Heilige Offizium dazu diente die theologischen Fehler zu brandmarken, um die Gläubigen von dem Gift der Häresie zu schützen, gab es ein recht umfangreiches Instrumentarium von negativen, kirchlichen Entscheiden, die man Zensuren (censurae) nannte, die Tätigkeit hingegen als das Zensurieren, nicht als das Zensieren beschrieb. Denn nicht jeder Unsinn ist gleich Häresie. Wie richtigerweise Roberto de Mattei sagt,[1] wurde die ganze Bandbreite der Zensuren erst im Kampfe gegen den Jansenismus entwickelt:

Diese Präzision in der Beurteilung der Irrtümer entwickelte sich vor allem im 17. und 18. Jahrhundert, als die Kirche der ersten Häresie entgegentreten mußte, die dafür kämpfte, in der der Kirche bleiben zu können: dem Jansenismus. Die Strategie der Jansenisten, wie später auch der Modernisten, war die, ihre volle Rechtgläubigkeit zu behaupten, trotz der wiederholten Verurteilungen. Um einer Anklage wegen Häresie zu entgehen, dachten sie sich zweideutige und mißverständliche Glaubens- und Moralformeln aus, die sich nicht offen dem katholischen Glauben widersetzten und es ihnen erlaubten, in der Kirche zu bleiben. Mit ebensolcher Sorgfalt und Entschlossenheit machten die orthodoxen Theologen die Irrtümer der Jansenisten ausfindig und beanstandeten sie nach ihren spezifischen Merkmalen.

Papst Clemens XI., beanstandete am 8. September 1713 mit der Bulle Unigenitus Dei filius 101 Thesen des Buches Réflexions morales des jansenistischen Theologen Pasquier Quesnel unter anderem als

„falsas, captiosas, male sonantes, piarum aurium offensivas, scandalosas, perniciosas, temerarias, Ecclesiae et eius praxi iniuriosas, neque in Ecclesiam solum, sed etiam in potestates saeculi contumeliosas, seditiosas, impias, blasphemas, suspectas de haeresi ac haeresim ipsam sapientes, necnon haereticis et haeresibus ac etiam schismati faventes, erroneas, haeresi proximas, pluries damnatas, ac demum haereticas.“3

Pius VI. verurteilte in der Bulle Auctorem fidei vom 28. August 1794 seinerseits 85 Thesen der jansenistischen Synode von Pistoia (1786). Einige dieser Thesen werden ausdrücklich als häretisch bezeichnet, andere hingegen je nachdem als: schismatisch, häresieverdächtig, zur Häresie verleitend, den Häretikern günstig, falsch, irrig, schädlich, ärgerniserregend, tollkühn, beleidigend für die gemeinsame Praxis der Kirche.4 Jeder dieser Begriffe hat eine unterschiedliche Bedeutung. So ist die These, mit der sich die Synode überzeugt gibt, daß der Bischof von Jesus Christus alle notwendigen Rechte für eine gute Regierung in seiner Diözese erhalten habe, unabhängig vom Papst und den Konzilen (Nr. 6) „irrig“ und „verleitet zum Schisma und zum Umsturz der hierarchischen Ordnung“. Jene, mit der der Limbus verworfen wurde (Nr. 26), wird als „falsch, tollkühn, beleidigend gegenüber den katholischen Schulen“ beanstandet. Die Proposition, die es verbietet, Reliquien und Blumen auf den Altar zu stellen (Nr. 32), wird als „tollkühn, beleidigend für den frommen und anerkannten Brauch der Kirche“ bezeichnet.

Die Bulle Auctorem fidei (1794), die auch auf Deutsch einzusehen ist[2] und welche mit den lehramtlichen Aussagen (DH 2600-2700) gleichbedeutend ist, zeigt wirklich die ganze Bandbreite der Zensuren, welche deswegen entwickelt wurde, weil die Jansenisten ihre Irrlehren so formulierten, dass sie rechtgläubig klangen, was Roberto de Mattei bereits erwähnte.

Unterteilung der Zensuren

Wir werden die kirchlichen Zensuren hier kurz anhand von Adolphe Tanquerey darlegen,[3] uns ein wenig auf Diekamp-Jüssen stützen,[4] der leider weniger genau ist und die interessierten Leser an andere Literatur verweisen,[5] welche, wie man sich denken kann, nach dem Konzil sehr spärlich geworden ist.[6]

Laut Tanquerey unterteilt man die Zensuren, welche die falschen theologischen Meinungen (propositiones doctrinales) sanktionieren, in diejenigen, welche:

  1. die Doktrin, d.h. die Glaubenslehre selbst (doctrina ipsa) betreffen,
  2. die Art und Weise ihrer Darstellung (modum) betreffen,
  3. die Auswirkungen (effectum) betreffen, welche sie auf die Gläubigen ausüben können.[7]

Wir wollen diese Zensuren zuerst aufzählen und im späteren Verlauf kurz besprechen:

Ad a. Zensuren, welche die Doktrin selbst (doctrina ipsa) betreffen:

  1. Häretische Meinung (haeretica) oder Häresie
  2. Der Häresie nahe Meinung (haeresi proxima)
  3. Nach Häresie schmeckende Meinung (haeresim sapiens)
  4. Häresie begünstigende Meinung (haeresi favens)
  5. Irrige Meinung (erronea)
  6. Leichtfertige Meinung (temeraria)

Ad b. Zensuren, welche Art und Weise (modum) der Darstellung der Doktrin betreffen:

  1. Mehrdeutige Meinung (aequivoca)
  2. Unklare Meinung (ambigua)
  3. Vermessene Meinung (praesumptuosa)
  4. Trügerische Meinung (captiosa)
  5. Verdächtige Meinung (suspecta)
  6. Übel klingende Meinung (male sonans)
  7. Fromme Ohren verletzende Meinung (piarum aurium offensiva)
  8. Wenigstens irrige Meinung (ad minus erronea)
  9. Ungerechte Meinung (iniuriosa)
  10. Woanders bereits verurteilte Meinung (alias damnata)

Ad c. Zensuren, welche Auswirkungen (effectum) betreffen, welche die theologische Meinung (sententia theologica) auf die Gläubigen ausüben können.

  1. Ärgernis erregende Meinung (scandalosa),
  2. Schismatische Meinung (schismatica),
  3. Aufrührerische Meinung (seditiosa),
  4. Unsichere Meinung (non tuta)

[1] http://www.katholisches.info/2016/01/13/den-katholischen-glauben-verletzt-man-nicht-nur-durch-haeresie/

[2] http://www.kathpedia.com/index.php?title=Auctorem_fidei_%28Wortlaut%29

[3] Tanquerey, A., Synopsis theologiae dogmaticae, Bd. II, Paris 1935, 117-118.

[4] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Wil: Alverna 2012 [1957], 80-84.

[5] Diese befindet sich auch in Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, 84; außerdem siehe: Antonius Panormitanus, Scrutinium doctrinarum qualificandi assertionibus, thesibus atque libris conducentium, Romae 1709; Viva, S.K., Damnatarum thesium theologica trutina, Paduae 1737. Der erste Teil ist online: https://books.google.de/books?id=fsUPpE6-KlEC&pg=PA361&lpg=PA361&dq=Damnatarum+thesium+theologica+trutina&source=bl&ots=uQyHiYW20F&sig=decCEvQ8wNjozMU-Ss8qxOGdFHI&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjb87no5KLMAhUI2CwKHS4lCwwQ6AEIQjAG#v=onepage&q=Damnatarum%20thesium%20theologica%20trutina&f=false

Montagne, Cl., De censuris seu notis theologicis (Migne, Theol. Cursus, I, 1111-1222); Quilliet, H., in Dict de Théol. (Mangenot), t. II, 2101.

[6] Vgl. Georg May, Lehrverurteilungen – kirchentrennend?, Schmid Verlag: Durach 1998.

[7] Tanquerey, A., Synopsis theologiae dogmaticae, T. II, 117-118.