Steven Skojec, Warum die Liturgie wirklich der Schlüssel zu allem anderen ist


messa-di-s-gregorio-magno-400x517-400x517

Wir präsentieren wieder einmal einen Aufsatz von Peter Skojec, dem Herausgeber von onepeterfive, in der ausgezeichneten Übersetzung von davillatollkuehn. Menschen und besondere Geistliche, die ausschließlich Novus Ordo kennen, wundern sich oft über die Hartnäckigkeit der Traditionalisten, mit welcher diese auf die Wichtigkeit der Tridentinischen Messe pochen. Sogar diese „toleranten“ Novus Ordo – Vertreter, welche die Alte Messe für zulässig und kein „Teufelswerk“ halten, denken sich:

„Messe hin oder her. So einen Unterschied kann es ja nicht machen, wenn beide gültig sind. Das andere ist bloß kulturell angewachsenes Brimborium. Es gibt Wichtigeres in der Kirche. Familie, Gesellschaft, Lehre und jetzt haben wir einen häretischen Papst. Wenn wieder alles ins Lot kommt, werden wir uns um die Liturgie kümmern. Jetzt aber gibt es Wichtigeres“.

Dieser Aussprucht könnten von einem „guten, konservativen Bischof“ stammen, den es in Deutschland nicht gibt, siehe die letzte Entscheidung der DBK Sakramente an die Ehebrecher, d.h. an Todsünder, zu spenden. Es ist ein Denken, das sicherlich sowohl von bona fide zeugt als auch von der Unkenntnis der Alten Messe gekennzeichnet ist, ein Denken, welches von der fehlenden Erfahrung geprägt wird, dass die Alte Liturgie wirklich wirkt. Sie wirkt gnadenbringender, erleuchtender, heiligender, die lässlichen Sünden mindernder als die Novus Ordo Liturgie. Dies ist auch die katholische Sakramentenlehre insbesondere über das Sakrament der Eucharistie, welche diese Wirkungen aufzählt. Und warum erfahren wir es meistens nicht? Weil die Novus Ordo Sakramente viel weniger wirken, insbesondere die Neue Messe wirkt kaum. Wie kann aber ein gültiges Sakrament „weniger wirken“? Weil ein Sakrament nicht nur aus der Gütligkeit besteht und die Messe viel mehr ist als die Wandlungsworte selbst, welche samt Materie und der Intention des Priesters das zu tun, was die Kirche mit diesem Sakrament tut, das eigentliche Sakrament ausmachen. Liturgie ist auch viel mehr als das Sakrament. Liturgie ist ein Sich-Einklinken in die göttlichen Wirklichkeit, an das himmlische Jerusalem, an der wir gerade durch die Liturgie teilnehmen. Der Schreiber dieser Zeilen hatte wirklich sein Leben lang mit allem Ernst nach der Wahrheit, warum es um die Theologie und die Kirche so schlecht steht, gesucht. Aber erst als er mit dem täglichen Beten der Alten Breviere auf Lateinisch anfing, also mit einer liturgischen Handlung, welche für ihn keine Pflicht war, begann er gleichsam „zu sehen“. Die Antworten kamen von selbst mit der Einsicht, wie und warum die Dinge so stehen wie sie stehen. Als hätte man mehr Licht erhalten, um die Unordnung in einem Zimmer zu sehen, wo man früher, in der Dunkelheit, nur gegen Möbel lief und sich fragte, was es wohl war. Es war als würde man sich immer höher erheben, um die Dinge aus der Vogelperspektive zu betrachten, um auf diese Art und Weise die verschlungenen Wege und die Sackgassen zu sehen. Es ist die Wirkung der Liturgie, nicht sein Verdienst oder nur insoweit, dass er sich dieser Liturgie, wie bei der Messe, aussetzte oder diese, wie beim Brevier, verrichtete. Die Alte Messe wird deswegen unterbunden und verfolgt, weil sie „sehend“ macht. Es ist so, als hätten Sie im tiefsten Kommunismus den Westen besucht und stellten fest, dass der „real existierende Sozialismus“ doch nicht das beste System war. Hilary White spricht von der nachkonziliaren Kirche als von dem „Novus Ordo Konzentrationslager“. Ein wenig übertrieben, wie wir finden, „Lager“ oder „Gulag“ hätten gereicht, doch Recht hat sie. Fahren wir zur Alten Messe, wenn wir können, scheuen wir nicht den Weg oder das Geld. Wir werden an göttlichen Mysterien teilnehmen und zwar so, wie die Kirche sie immer hielt, wir werden verständiger und schauender. Wir müssen Gnade horten, um bei dem kommendem Kampf bestehen zu können.

Der o.a. Aufsatz von Steven Skojec wurde ursprünglich hier publiziert.

Nichts ist so großartig wie die Eucharistie. Wenn Gott uns etwas Kostbareres zu geben hätte, hätte ER es getan.

– Saint Jean-Marie Vianney

Das erste Mal, als ich durch die Tore des Petersdomes in Rom ging, war ich überwältigt. Dieser größte Schatz der christlichen Architektur beeindruckte mich und erzeugte in mir ein unglaubliches und beeindruckendes Gefühl der Kleinheit. Als ich von draußen von der sonnigen Piazza in das gewaltige Innere der Kirche der Kirchen trat, wurde ich gleichsam verschlungen. Hier, in diesem majestätischen Testament aus Stein und Marmor, Silber und Gold, wurde mir die überwältigende Herrlichkeit Gottes und meine eigene Bedeutungslosigkeit klar.

Keine Religion in der Geschichte der Welt hat jemals solche Tempel inspiriert; keine heidnische Gottheit konnte die Ausgießung menschlicher Erfindungsgabe, handwerklichen Könnens und Leistungsfähigkeit hervorrufen, die sich im Dienst an der Ehre des einzig wahren Gottes manifestierte. Die Menge und Qualität der Architektur, der Kunst, der Musik, der Poesie und theologischen Darlegung, die der Welt in zwanzig Jahrhunderten des Katholizismus geschenkt wurde, macht den Geist taumeln.

Es gibt keine größere Inspirationsquelle als IHN, der uns alles gibt – unser Leben, unsere Talente, unsere Freuden, unsere Ewigkeit. Dadurch, dass wir durch die besten Werke unserer Kreativität IHN verehren, kehren wir selbst zu IHM zurück und geben IHM das wieder, was wir von IHM empfingen.

„Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk stammt von oben, herabsteigend vom Vater der Lichter, bei welchem keine Veränderung statthat, noch ein Schatten von Wandel ist.“ Jak 1: 17

Es ist daher nur passend, dass Gott uns befiehlt, IHN zu verehren. Wir sind geschaffen, um IHN in dieser Welt zu erkennen, zu lieben und IHM zu dienen und mit IHM für immer im Himmel glücklich zu sein. Aber glauben wir, dass diese Vorschriften zu unseren eigenen Bedingungen ausreichend zu erfüllen sind? Verlangt nicht Gott streng von uns das, wozu ER uns verpflichtet? Ist Gott nicht ein eifernder Gott, im wirklichen Sinn des Wortes, der das von uns erwartet, was IHM zusteht? Und ist das weniger als das Beste, was wir haben?

Es war schon immer so. Die meisten Menschen kennen die biblische Geschichte von Kain, der seinen Bruder Abel ermordet, aber nicht viele könnten sagen, was Kain zum Mord trieb. Es war Neid – Neid, der entstand, weil Abels Anbetung Gott wohlgefälliger als Kains eigene war.

Abel aber war ein Schafhirt, und Kain ein Ackerbauer. Es begab sich aber nach vielen Tagen, dass Kain von den Früchten der Erde dem Herrn Opfergaben darbrachte. Aber Abel brachte gleichfalls ein Opfer dar, von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fette. Da sah der Herr auf Abel und sein Opfer, aber auf Kain und sein Opfer sah er nicht, und Kain ergrimmte so heftig, dass sein Angesicht einfiel. Da sprach der Herr zu ihm: Warum bist du ergrimmt und warum ist dein Angesicht eingefallen? Wirst du nicht, wenn du Gutes tust, Lohn empfangen? Tuest du aber Böses, wird nicht sogleich die Sünde vor der Tür sein? Aber ihre Begier soll unter dir sein und du sollst über sie herrschen. Und Kain sagt zu Abel, seinem Bruder: Lass uns hinausgehen! Als sie nun auf dem Felde waren, erhob sich Kain gegen seinen Bruder Abel und erschlug ihn. (Gen 4, 2-8)

Warum bist du ergrimmt und warum ist dein Angesicht eingefallen? Wirst du nicht, wenn du Gutes tust, Lohn empfangen?“ Als Abel Gott opferte, brachte er IHM sein Kostbarstes, sein Bestes dar. Er opferte seine Erstgeburt, gab Gott nicht nur das Beste aus der Herde, sondern das Fett der Schafe, das wertvollste, was sie zu bieten haben. Er hielt nichts zurück; insbesondere nicht die Teile, die er wirklich eigentlich für sich haben wollte. Es war ein Ausgießen, eine Entleerung des Selbst, sein Flehen vor Gott war IHM wohlgefällig in seiner Gesamtheit.

Wir wissen nicht, was Kain Gott anbot – nur, dass er IHM von den Früchten der Erde gab. Wir wissen auch, durch die Worte Gottes an Kain, dass sein Opfer Gott gefälliger gewesen wäre, wenn er großzügig gehandelt hätte. Es ist daher klar, dass nicht alle Opfer, die Gott dargebracht werden von ihm als gleich angesehen werden. Es gibt einen Unterschied zwischen einer Verehrung, die ihm gefällt und einer Verehrung, die er nicht akzeptiert.

Es ist nicht egoistisch von Gott, von uns unser Kostbarstes zu verlangen. Nicht nur hat er uns jede gute Sache gegeben, und nicht nur, dass er uns in jedem Moment, in dem wir atmen,  in unserer Existenz hält, sondern

„Er hat die Welt so sehr geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern das ewige Leben habe“ (Joh. 3,16).

Während Gott den Engel zu Abrahm sandte, um dessen Hand zurückzuhalten und damit  Isaaks (dessen Sohn) Leben zu schonen, ließ er jedwede grausame Folter bis hin zum grausamen und schändlichen Tod am Kreuz an seinem eigenen göttlichen und unschuldigen Sohn Christus zu. Diesen Kelch des Leidens, wie Christus sich ausdrückte, trank ER bis zur Neige. Es ist die Wahrheit, dass es für uns nichts Wertvolleres gibt, als die Eucharistie, den Leib, das Blut, die Seele und die Gottheit des gekreuzigten Christus. Gott liebt uns so sehr, dass er uns dieses unsagbar selbstlose Geschenk gab, um unsere Erlösung zu realisieren. Nichts ist größer, als seine Liebe zu uns, die er uns gibt, damit wir sie IHM zurückgeben

Aber behandeln wir dieses Geschenk als das größte Geschenk, das es überhaupt geben kann? Ehren wir die Eucharistie als das Kostbarste, was im Universum existiert? Erkennen wir, dass dieses Geschenk SEINER Selbst unsere ganze Hingabe an IHN fordert?

Jede Liturgie stellt uns aufs neue in diesem Zyklus des sich selber Schenkens. Gott gibt uns das Beste, was er hat, und er fragt nach dem Besten, das wir IHM im Gegenzug dafür geben können. Aber wir können IHM nicht wirklich angemessen etwas geben, dass auch nur annähernd mit dem vergleichbar ist, was ER uns gibt. In unserer Ohnmacht eines angemessenen Gegengeschenkes gibt Gott sich selbst uns als Geschenk an IHN. ER nimmt auch unseren Platz ein als der, der Gott dieses Opfer anbietet. Er ist beides: Priester und Opfergabe. Jeder Priester, der an jedem Altar steht, wird von Christus selbst umfangen und eingeschlossen. Es ist Christus, der das Allerheiligste Altarsakrament seines eigenen Leibes und Blutes konsekriert. Es ist Christus, der opfert und gleichzeitig ist Christus der, der dem Vater im Namen von uns armen Sündern geopfert wird.

Das heilige Messopfer ist keine Mahlzeit. Es ist ein totales und vollkommenes Opfer. Der Priester deckt nicht den Tisch für ein Abendessen. Er bringt das geschlachtete und mit Blut befleckte Opfer auf dem Opferaltar dar, weil ER durch seinen Tod den Tod besiegt hat – den ewigen Tod der Sünde – und weil ER uns durch seine Auferstehung zum ewigen Leben transformiert. Die Messe wird, wesenhaft verstanden, nicht gefeiert, sondern sie wird IHM aufgeopfert, um seinen göttlichen Zorn wegen unseren vielfältigen und schweren Sünden zu stillen. Dieses Opfer ist nicht nur vollkommen, sondern IHM so lieb und teuer, dass wenn Gott IHN (seinen geopferten Sohn – Gott) sieht, und uns sieht, die wir IHN empfangen, ER uns so mit seiner Gnade übergießt, wie Christus sein Blut vergoss.

Wenn wir zur Messe gehen, stellt das die intimste Erfahrung Gottes dar, die wir in diesem Leben jemals erfahren können. Wir kommen zum Altar, um an diesem göttlichen sich gegenseitig selbst  Ausgießen und Hingeben teilzuhaben. ER gibt uns SICH SELBST, SEIN ALLES, und obwohl das unendlich mehr ist, als wir zurückgeben können, können  wir IHM doch uns selbst, unser alles zurückgeben. Während sich ein Mann und eine Frau in der unvollkommenen Vereinigung der ehelichen Umarmung zu einem Fleisch vereinigen, erlaubt uns Gott, IHN selbst uns einzuverleiben, so dass er buchstäblich eins mit unserem Körper und unserer Seele werden kann und dadurch, das wir das vollziehen, kann er sich uns einverleiben. Das ist eine atemberaubende Erfahrung.

Sobald wir die Natur der Messe und unsere Bestimmung wirklich zu verstehen beginnen, wird es uns möglich, zu erkennen, wie wichtig es ist, dass sie in einer angemessenen Art und Weise gefeiert wird. Obwohl man sagen kann, dass die Messe um des Menschen willen gemacht wurde, geht es konkret darum, dass der Mensch eine angemessene Gabe bekommt, die er Gott anbieten kann. Der Gegenstand unserer Anbetung ist Gott, nicht wir selbst. Aus diesem Grund ist jede Messe, in welcher der Mensch im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht, eine gefährliche Verfälschung und Karikatur.

Einige argumentieren, dass die Form der Liturgie so lange keine Rolle spielt, wie Christus vorhanden ist. Es ist wahr, dass, wenn Christus gegenwärtig gemacht wird, das Gott angebotene Opfer selbst perfekt ist, aber das bedeutet nicht, dass das auch für unsere Anbetung oder unser Verständnis des Opfers gilt.

Die eucharistische Gegenwart Christi manifestiert sich durch göttliches Handeln. Es ist Christus, der Priester Christus, der das Opfer dem Vater im Himmel durch die Kraft des Heiligen Geistes anbietet. Das, was wir sehen, was auf dem Altar geschieht, ist ein Einblick in das innere Leben der Heiligsten Dreifaltigkeit, ein Einblick in die Liebe und die Interaktion zwischen den göttlichen Personen, – ohne irgendein eigenes Verdienst unsererseits. Wie der Priester im Quam oblationem Gebet des ALTEN Ritus betet:

Diese Opfergabe mache du, o Gott, wir bitten dich, huldvoll in jeder Hinsicht zu einer gesegneten, bei dir eingetragenen, gültigen, geistigen und genehmen, damit sie uns werde Leib und Blut deines vielgeliebten Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus.

Es ist Gott, der das Opfer Gott wohlgefällig macht, und zwar deswegen, weil Gott selbst das Opfer ist.

Was wir in der Liturgie bringen, was wir Gott anbieten, ist unsere Ehre, unsere Ehrfurcht, unser Flehen, unsere Zerknirschung, unsere Anbetung, und unser Lob. „Ein Opfer für Gott ist ein zerknirschter Geist, ein reuiges und gedemütigtes Herz wirst du, o Gott nicht verschmähen“ (Ps 51:19.). Der Priester, der die Gaben konsekriert, tut dies nicht durch eine Kraft, die er besitzt, sondern durch eine, die er aus der Vereinigung mit dem einzig wahren Priestertum Christi bezieht.

„Wenn ich die Messe zelebriere:“ sagte mir einmal ein junger traditioneller Priester: „bin ich ein Sklave der Liturgie. Die Kirche sagt mir, wo ich zu stehen, wie ich meine Hände zu legen habe, wann ich knie oder den Altar küssen soll … Mein Selbst verschwindet und Christus wirkt durch mich. „Das Opfer des Priesters ist eines der Demut, der Ehrfurcht, der Entleerung seiner selbst. „Schaff Recht mir, Gott“, fleht er am Fuße des Altars, die Worte des Psalmisten wiederholend, „und führe meine Sache gegen ein unheiliges Volk; von frevelhaften, falschen Menschen rette mich „

Auch wir kommen als demütige Bittsteller, mit einer empfänglichen und aufmerksamen Disposition. Die Liturgie geschieht unabhängig von uns, aber sie zieht uns in ihre Geheimnisse hinein und gewährt uns himmlische Gaben, um uns zu vervollkommnen und treibt uns in Richtung Himmel. Wir vereinen unser Gebet mit dem des Priesters, der in unserem Namen betet, der kraft seiner Vereinigung mit Christus das vollzieht, was wir nicht vollziehen können.

Es ist die wichtigste und schönste Sache auf dieser Seite des Himmels.

Von daher ist es unausweichlich, dass ein angemessenes Verständnis von Liturgie uns in einer richtigen Weise auf unseren Platz im Universum erdet. Eine Liturgie, die das Opfer unseres Herrn betont und uns mental und spirituell demütig unter das Kreuz auf dem Kalvarienberg stellt, macht uns empfänglich für unsere absolute Abhängigkeit von Gott, und offen für alle guten Dinge, vor allem für unser Heil. Eine Liturgie, in der der Priester und die Menschen sich gleichermaßen in Richtung Himmel orientieren und wo heilige Dinge verschleiert und verhüllt und in angemessener Weise verehrt werden, lehrt uns, wer wir sind – und welche Aufgaben wir haben – in Bezug auf IHN, von dem alle guten Dinge kommen und auf den wir vertrauen müssen. denn wir haben keine andere Wahl, als uns mehr durch unseren Glauben, als durch unseren Verstand leiten zu lassen. Liturgie sollte uns unsere Kleinheit fühlen lassen. So wie es die großen Bauten der Christenheit tun.

Der Angriff auf die Liturgie, den wir im letzten halben Jahrhundert erlebt haben, kann als nichts weniger als ein Versuch des Teufels verstanden werden, unsere wichtigste und innigste Verbindung mit unserem Schöpfer in unserem  Herzen zu zerschlagen, – und uns durch diesen Verlust der richtigen Perspektive zu verwirren und zu desorientieren. Wir sind damit zum Götzendienst übergegangen – zur Vergötterung unseres Selbst, so dass wir die Welt nur noch durch die Linse unserer eigenen Wünsche sehen.

Das Opfer Christi wurde durch ein Gemeinschaftsmahl ersetzt, Sein Opferaltar wurde zum Buffet, sein Priestertum wurde von Menschen verfälscht, die in den priesterlichen Bereich eindrangen, jedoch nicht die Fähigkeit besitzen, in Persona Christi zu handeln. Die universelle Ausrichtung des Priester und der Menschen auf Gott hin, wurde zueinander gekehrt, so dass sich im Wesentlichen alles um uns selbst dreht, und fast jedem Akt der Ehrfurcht der heilige Boden entzogen wurde.

Christus bleibt in dieser neu erfundenen, banalisierten, und Mensch-zentrierten Liturgie gegenwärtig, aber er wird ignoriert, vergessen, missbraucht, und ihm wird die Show gestohlen. Wie Kain bieten wir Gott nicht mehr unser Bestes an, sondern behalten es für uns. Jeder, der versucht, Gott das zu bieten, was er verdient, wird wie Abel, mit Neid, Verachtung und sogar Gewalt bedroht.

Die Krise in der Kirche ist offensichtlich eine Krise des Egoismus und des Anthropozentrismus. Es ist die Frucht dieser neuen Abgötterei. Wir sind dahin gekommen, zu glauben, dass wir besser als Gott wissen, was für uns am wichtigsten ist.

Das Zweite Vatikanische Konzil sagt uns:

„[A] lle Dinge auf der Erde sollten auf den Menschen als Zentrum und Höhepunkt bezogen sein“  (Gaudium et Spes 12, 1. Satz)

Das müssen wir ablehnen.

 Alle Dinge auf der Erde sollten auf Christus als ihr Zentrum und Höhepunkt bezogen sein. Wir sind nicht Verehrer des Menschen; wir sind Verehrer Jesu Christi! Verehrer der Heiligsten Dreifaltigkeit! Aber wenn unsere Liturgien nicht Gott als Gegenstand der Verehrung zeigen, ist es ein Wunder, dass wir von uns selbst besessen sind? Wir sprechen ständig darüber, wie wir Liturgie „erleben“ und was wir „aus ihr herausnehmen“ und ob sie „uns bewegt “ – aber wem wenden wir uns da zu?

Die Architekten der Neuen Liturgie wussten genau, was sie taten. Und sie waren erfolgreich. Sie haben mit einem einzigen Schlag das gesamte liturgische Gebäude der Kirche auf ein Fundament aus Sand gesetzt. Und jetzt, wo das Gebäude zusammenbricht, und der Glauben zusammen mit ihm, kommen sie, um uns zu sagen, dass die anderen Wahrheiten unseres Glaubens nichts anderes als ein „Ideal“ sind,  zu schwer, um sie zu leben bis dahin, dass, weil die Dinge so weit abgekommen sind, wir nun Wege finden müssen, diese zu akzeptieren und mit diesen Situationen zu arbeiten „wie sie sind.“ Dadurch dass sie den zentralen Akt des Gebetes der Kirche zerstört haben, haben sie unser Verständnis unserer Beziehung zu Gott und alles andere untergraben. Jetzt, nach einem halben Jahrhundert des Abrisses, sind sie ohne wesentlichen Protest dabei, auch das noch abzureißen, was vom Glauben übrigblieb.

Diejenigen, die die Krise in der Kirche wahrnehmen, haben das Recht, die Frage zu stellen:

„Warum können wir sehen, was passiert, wenn andere es nicht können? Warum scheint Gott dies nur uns wenigen zu zeigen? „Könnte es sein, dass es wegen dem ist, was er zu Kain sagte „Wirst Du nicht, wenn du Gutes tust, Lohn empfangen?“

Jemand schrieb mir vor kurzem über das Ausmaß der Leugnung katholischer Weggefährten darüber, was in der Kirche geschieht „Es ist einzig die lateinische Messe „, sagte sie, „die mich das mit meinen Augen sehen lässt“.

Es ist nicht zu spät. Liebe katholische Weggefährten, verliert nicht die Orientierung! Lasst euch nicht täuschen. Gute Liturgie – und damit meine ich heilige, andächtige, gottesfürchtige Liturgie – wird Euer Leben verändern, auch wenn Ihr große Opfer bringen müsst, sie zu besuchen.

 Gibt es etwas wichtigeres als dein Heil, oder das deiner  Kinder? Wenn Du eine gute Messe besuchen kannst, spute dich! Wenn Du keine traditionelle lateinische Messe finden kannst, wende dich dem Osten zu, der von den Zerstörern weitgehend ignoriert worden ist!

Die Saboteure hatten einen Versuch, und so zerschlugen sie die eine Form der Liturgie, die die größte Zahl der Katholiken beeinflussen würde. Sie gaben alles, was sie hatten, aber, wie Gott es wollte, war es nicht der Todesstoß. Gott wird immer noch wirklich verehrt. Und wir sind verpflichtet, in dieser wahren Anbetung zu bleiben um seinetwillen und wegen unseres Heiles. Keine weiteren Entschuldigungen.

Zwar trifft es zu, dass eine gute Liturgie allein nie ein Allheilmittel sein wird, aber es gibt doch nichts wirkungsvolleres, was Sie für Ihren Glauben tun können, was Sie für Ihr Verständnis von dem tun können, was in der Welt geschieht, was Sie für das Wohl Ihrer Seele und das Ihrer Lieben tun können, als aufzuhören, an einer Liturgie teilzunehmen, die entworfen wurde, Sie selbst vom Allerheiligsten, dem man zu gedenken behauptet, zu trennen. Man kann nicht vergiftetes Wasser ohne schädliche Wirkung trinken, egal wie durstig oder wie belastbar man ist. Es wird nicht nähren, sondern auszehren.

Hier ist keine Zukunft.

Das neue Paradigma stürzt jetzt in sich selbst zusammen. Es wird noch zu unseren Lebzeiten aufgegeben werden, Es wird zu einer Karikatur seiner selbst werden, unkenntlich für alle, die den Glauben bewahren. Wie die arianischen „Christentümer“ des 4. Jahrhunderts wird dieses neue Paradigma zu einem ausschließlichen Wirkungsbereich der Feinde unseres Herrn werden.

Die Liturgie ist der Schlüssel unseres gesamten Verständnisses von dem, womit wir konfrontiert sind, wer wir sind, und von dem, was wir tun müssen.

Es wird auch keinen anderen Weg geben, um das Kommende zu überstehen. Die Liturgie ist unser wesentlicher und wirkmächtigster Begegnungsraum mit Gott. Wir haben die Pflicht, einen Ort zu finden, wo der Priester und das Volk Gott in einer Weise anbeten, die IHM wohlgefällig und angemessen für IHN ist.

Sobald dieser Ort gefunden ist, fliehe zu ihm. Klammere dich an ihn. Mach dir keine Sorgen über die Widerwärtigkeiten die du ertragen musst, um ihn zu erreichen, denn Gott weiß diese Dinge, und er wird dich für diese Mühen segnen.

Sei an deinen Platz im Universum erinnert. Unterwirf dich DEM, der es regiert. Liebe ihn aus deinem ganzem Herzen, deinem Verstand und mit aller  Kraft, und verehre ihn so, wie er es verdient. Es ist eine Entscheidung, die Du nie bereuen wirst.

Steven Skojec, Falls Franziskus ein Gegenpapst ist, so können wir es noch nicht wissen


bonaventura-funaral

Anbei stellen wir einen Aufsatz von STEVE SKOJEC, den er am 21. Juni 2016 auf 1P5 BLOG als seine Antwort auf Ann Barnhardts Vocem alienorum veröffentlicht hat. Der Schreiber dieser Zeilen stimmt mit ihm nicht überein und glaubt, dass Steve Skojec sich weigert das I-Tüpfelchen zu stellen und sich seine Leser, Spenden und Einnahmen nicht vergraulen möchte. Dies alles ist verständlich, aber kein Sachargument. Sein Argument, dass wir alle auf eine öffentliches Dokument der Kirche warten müssen, welches uns die jetzige Situation mit Gewissheit erklärt, erinnert den Schreiber dieser Zeile an eine Komödie aus der Zeit des ausgehenden Sozialismus, wo zwei Parteimitglieder, obwohl draussen ein Schneesturm tobt, darauf warten, dass in der Tagessschau oder anderem offiziellen Nachrichtenprogramm der Partei gesagt wird, dass es wirklich schneit, denn wenn die Nachrichten sagten, dass es nicht schneit, dann schneit es nicht (wobei hier die hegelianische Dialektik einzusetzen wäre). Als in diesem Film endlich „im Fernsehen“ gesagt wurde, dass es schneit, so konnten diese beiden Parteigänger endlich und mit Erleichterung ihren Sinnen trauen: „Ja, es schneit tatsächlich“. Das kirchlichen Urteil, auf das Steven Skojec wartet, kann vielleicht in 200 Jahren erfolgen und wir müssen bis dahin wenigstens für uns selbst diese Dinge ordnen. Wer soll den jetzt in Rom katholisch korrekte Erklärungen abgeben, nach dem theologischen Tschernobyl von Amoris Laetitia? Come on, Steve, please! Wir werden dennoch bald eine eigene Kritik und Ergänzung zu Ann Barnhardt vorstellen, welche unserer Meinung nach nur eine Spitze des Eisbergs sieht, wir glauben eine zweite  Spitze zu sehen, denn der Eisberg ist groß. Es ist aber sehr trostreich und beruhigend, dass es auf der Welt noch Katholiken gibt, die sich noch wirklich um ihre Kirche sorgen und wir beschließen nicht wieder einmal zu erwähnen, wer es nicht tut.

lightening

Am demselben Tag, an dem Papst Benedikt XVI. seine Abdankung verkündete, schlugen zwei Blitze in den Vatikan ein. (Source)

Über das [letzte] Wochenende veröffentlichte die beachtenswerte katholische Bloggerin Ann Barnhardt ein Essay, in dem sie darlegt, dass sie glaubt, dass „Jorge Bergolio, ‚Franziskus‘ sei ein Gegenpapst, der nie kanonisch gewählt wurde, und das Joseph Ratzinger, Papst Benedikt XVI. Immer noch der Römische Papst ist.“ Sie fährt fort indem sie behauptet, dass

Die überwältigende Menge an Beweisen und die Verschiedenheit der Beweisrahmen, die zusammenfließen  ist nun dermaßen überwältigend, dass ich glaube, dass eine Person, die über alle Fakten informiert ist,  eine willentliche Aussetzung der Ungläubigkeit[1] auf sich nehmen müsste, um weiterhin Bergoglio als den römischen Papst anzuerkennen.

Ich bin mit Ann befreundet. Wir haben zusammen einige Podcasts gemacht, und wir schreiben uns gelegentlich. Wenn sie Recht  hat, ist sie eine rhetorische Waffe der Massenvernichtung, und [zwar] eine, die man nur durch ein Wunder ertragen kann. Dies von vornherein feststellend, bedeutet nicht, dass ich immer zustimme, dass sie immer recht hat (oder zu auf die 11 zugehen muss). Und in diesem Fall, um ehrlich zu sein, finde ich ihr Argument bedeutend weniger überzeugend als sie selbst es tut. Nichtsdestoweniger beginne ich zu sehen, dass in unserem Kommentarbereich auf [ihren Beitrag] verwiesen wird, ebenso wie an anderen Stellen online. Das macht es schwierig, [den Beitrag] zu ignorieren – insbesondere, seitdem das Meinungsspektrum zu diesem Thema [d.h. dass Bergoglio der Antipapst ist] infolge eines päpstlichen Skandals nach dem anderen, mit zunehmender Häufigkeit in katholischen Online-Diskussionen erscheinen.

Ich werde Anns Theorie nicht so viel Zeit und Mühe bei der Recherche widmen, die notwendig wäre, um eine wirklich substantielle Kritik zu schreiben. Kurz gesagt möchte ich jedoch einige Streitpunkte ansprechen, die ich in ihrer Argumentation sehe.

Zunächst sind drei der fünf Prophetien, welche sie zitiert, von fraglicher Herkunft. Die Prophetie des Hl. Franz von Assisi ist die Bedeutendste von diesen, denn wenn man sie liest, fühlt man sich, als ob sie für unsere gegenwärtige Zeit gemeint sei. Nichtsdestoweniger wird sie von Wissenschaftlern, die über die  katholische Prophetie forschen als apokryph betrachtet, z. B. von Desmond Birch und Emmett O’Reagan (unter anderen). Niemand hat diese Prophetie bis zum Hl. Franziskus selbst zurückverfolgt – sie erscheint nicht in seinen bestehenden Werken. Die Prophetie, wie Ann sie zitiert, stammt aus dem Buch von 1882 mit dem Titel Works of the Seraphic Father St. Francis Of Assisi, von R. Washbourne. Die Einleitung zu diesem Buch stellt selbst fest, dass es eine Übersetzung „der Ausgabe der ‚Werke des Hl. Franziskus‘ Ist, veröffentlicht in Köln im Jahr 1848. Da das Werk dazu gedacht ist, praktisch zu sein und der [persönlichen] Andacht zu dienen, wurden weder kritische Notizen eingefügt noch Fußnoten zu den Autoren gemacht, von denen Wadding seine Zusammenstellung vornahm nahm.“  Der besagte Wadding war der Franziskanermönch Luke Wadding aus dem 17. Jahrhundert, dessen eigenes Werk nach Meinung einiger Wissenschaftler einige zweifelhafte Texte enthält. In der Einleitung des Herausgebers zu einer Auflage von 1906 des Textes von Wadding, nun online aufrufbar, lesen wir, dass

Waddings Ausgabe der Opuscula unterscheidet sich hauptsächlich von allen anderen Sammlungen darin, dass wo die letzteren nur solche Stücke enthielten, welche der Materie und Form nach Manuskripte des Hl. Franziskus waren, so sah sich Wadding ermächtigt, zu den Schriften des Hl. Franziskus viele Sinnsprüche des Heiligen zu setzen, die in den frühen Legenden gefunden wurden.

[…]

So kommt es dazu, dass in Waddings Ausgabe, neben den unstrittigen Werken des Hl. Franziskus, wir zweifelhafte, sogar unechte Auszüge aus verschiedenen Quellen finden, die dem Seraphischen Vater zugeschrieben werden. Es muss immer bedauert werden, dass Wadding, anstatt den ältesten MSS [Manuskripten] zu folgen, die er zur Hand hatte, sich damit zufrieden gab, die unvollständigen und oftmals eingefügten [interpolierten] Teile derselben abzuschreiben, die er in Sammlungen aus zweiter Hand fand, wie die von Markus von Lissabon. Von unserem Standpunkt aus [gesehen] wird sein Werk beeinträchtig von unvollkommener Recherche und unverlässlicher Kritik.

Aus dieser Ausgabe von 1906 wurden tatsächlich viele dieser fragwürdigen Schreiben durch die Minderbrüder von Quaracchi entfernt, einschließlich „all der Kolloquien, Prophetien, Parabeln etc. …“

Die Botschaft von La Salette bezüglich Rom, [das] „der Sitz des Antichrist“ wird, beinhaltet einigen Wert gemäß dem kirchlichen Verständnis der Prophetie bezüglich dieser Figur [des Antichristen], aber dieser Teil der ansonsten anerkannten Erscheinungen von La Salette wurde einige Zeit als eine mögliche spätere Erfindung der Seherin Mélanie Mathieu diskutiert, die zu dieser Zeit mit den Schwierigkeiten ihres Klosterlebens kämpfte. Viele Gelehrte betrachten diesen Teil der Botschaften daher nicht als authentisch. Jedenfalls ist Franziskus ganz gewiss nicht der Antichrist, obgleich man argumentieren könnte, dass er eine Art davon ist.

Abschließend ist hierzu zu sagen, dass die Fatima-Botschaft, die Ann zitiert, Teil eines Textes, den man nur vom Hörensagen kennt und nicht der Teil irgendeines der offiziell herausgegebenen Geheimnisse von Fatima. Fr. Paul Kramer – selbst auch derselben Meinung wie Ann, dass Benedikt der wahre Papst sei –  ordnete dieses Zitat einer Paraphrase von Kardinal Ottaviani bezüglich eines unveröffentlichen Geheimnisses von Fatima zu. Dies geschah im Mai dieses Jahres (2016).  Ohne ein offizielle Dokumentation über die Sprache [des Fatimatextes, den man nur vom Hörensagen kennt Red.] dient er als ein Interessensgebiet [der Fatima-Forscher], man kann sich aber auf den Wortlaut in Bezug auf Genauigkeit nicht verlassen, bis die vollständigen Texte der [Fatima-]Botschaften schließlich veröffentlicht wird.

Zu der Frage des Rücktritts von Papst Benedikts fortschreitend, so sind die Aussagen über ein erweitertes Papstamt von Erzbischof Gänswein, obwohl an sich wegen seiner Nähe zu den beiden Päpsten berichtenswert, faktisch nichts mehr als sein eigene Theorie [über den Sinn von Benedikts Rücktritt Red.]. Gleicherweise ist der Gedanke, dass Papst Benedikts Abdankung unter die kanonische Ungültigkeit eines „wesentlichen Irrtums“ falle, soweit sich ein äußerer Beobachter [jemand anderer als Benedikt XVI selbst, der keinen Zugang den Gedankengängen von Ratzinger hat Red.] mit derartigem beschäftigt, allenfalls dürftig. Wir wissen nicht, dass er [Benedikt] tatsächlich glaubte, er könne das Petrusamt in eine Doppelherrschaft erweitern (und tatsächlich hat er die Theorien rundweg verneint, es hätte einen Mangel an seiner Resignation gegeben), ohne Rücksicht auf das, was Gänswein theoretisiert. Erinnern Sie sich an den Brief, den Papst Emeritus 2014 an Andrea Tornelli sandte:

„Es gibt absolut keinen Zweifel hinsichtlich der Gültigkeit meiner Resignation“ vom Petrusamt“ und die „Spekulationen“ darüber seine „einfach absurd“. Joseph Ratzinger wurde nicht gezwungen zurückzutreten, er wurde dahingehend nicht unter Druck gesetzt und er wurde kein Opfer einer Konspiration: Sein Rücktritt war echt und gültig und es gibt heute in der Kirche keine „Diarchie“ (Doppelregierung). Es gibt einen regierenden Papst, Franziskus, der die katholische Kirche leitet und einen Papst Emeritus, dessen „einzige Aufgabe“ die ist, für seinen Nachfolger zu beten.

Ich verstehe, warum Menschen dies infrage stellen, aber bar eines konkreten [Hinweises] von Benedikt selbst, dass seine Abdankung unter anderen Umständen stattfand als er selbst eingestanden hatte, verbleibt [solch eine Annahme] im Bereich der Spekulation, nicht im Bereich der Gewissheit.

Die Fragen um die Wahl von Jorge Kardinal Bergoglio sind, denke ich, etwas substantieller, insofern  wir das Eingeständnis der Mitglieder der sogenannten „St. Gallen Mafia“ bezüglich einer geheimen Verschwörung haben, Bergoglio auf den Thron Petri zu heben. Abgesehen davon wissen wir nicht, dass Bergoglio selbst zu dieser Verschwörung gehörte, und wenn er dies nicht tat, so machten die Rechtsbrüche der Verschwörer seine Wahl nicht ungültig (obgleich sie es sollten, wenn man Universi Dominici Gregis glauben soll, welche eine automatische Exkommunikation aller [an einer geheimen Wahlabsprachen] Beteiligten als Folge bestimmt).

Ann fährt fort, „Bergoglios Litanei der Häresien“ aufzuschreiben, und sie wird keinen Streit mit mir darüber bekommen, dass diese alle zutiefst beunruhigend sind. Sind sie jedoch alle offenkundig häretisch? Sind sie [diese Worten und Taten] andauernd und formal?[2] Noch einmal: das ist es, wo es an Sicherheit fehlt. Und wenn sie nicht auf materielle Häresie hinauslaufen, bleiben Theologen unsicher bezüglich der Frage, ob die Bellarmin/Suarez Hypothese hier tatsächlich auch greift.

Der Rest von Anns Essay von beinahe 5.000 Worten handelt größtenteils von ihrer eigenen Kompetenz solche Vorwürfte [gegen den Papst] zu erheben, sowie dieser Teil ihres Schreibens bringt Gegenargumente auf eventuelle Vorwürfe [gegen ihre These]. Ihre Argumentation als solche erstreckt sich auf die erste Hälfte ihres Schreibens. Tatsächlich, wenn jemand ihr einleitendes Statement und die Teile über Prophetie sowie Bergolianische Häresien weglässt, ist die Autorität, solche Feststellungen zu treffen und die Erwiderung der Gegenargumente, so bleiben weniger als 1000 Worte tatsächlicher Argumentation über den rechtswidrigen Rücktritt von Benedikt und die ungültige Wahl von Franziskus.

Und ich finde weder das eine noch das andere überzeugend, aus Gründen, die ich bereits oben angeführt hatte.

Ist es [dennoch] möglich, dass Ann recht hat? Ja, das ist möglich, aber wir können es nicht mit Gewissheit wissen, bis die Kirche darüber eine Erklärung herausgibt.[3] Ist es möglich, dass sie falsch liegt? Ja, und ich halte das für wahrscheinlicher. Nicht, dass dies die Sache besser macht – es ist eine viel schwierigere Situation, mit der wir umgehen müssen, wenn Franziskus ein gültig gewählter Papst ist, als wenn er es nicht ist; im letzten Fall kann er einfach entlassen werden und seine Amtshandlungen abrogiert werden. Im ersten Fall müssen wir uns mit der Realität des  theologisch am meisten destruktiven Papstes in der Kirchengeschichte anfreunden, und die negativen Auswirkungen [seines Pontifikats] richtigzustellen wird höchstwahrscheinlich  Generationen dauern.

Aber noch einmal: Ich denke, dass Diskussionen wie diese wertvolle Zeit vergeuden. Jemand schrieb mir vor einigen Wochen, um meine Meinung zu einem anderen Artikel Ann  zu erhalten und zu diesem Zeile für Zeile Stellung zu nehmen. Meine Antwort war folgendermaßen:

Offen gesagt neige ich dazu, solcher Art von Diskussionen fernzubleiben. Sie können interessant sein, aber sie können uns auch dazu verführen zu versuchen mit einem gewissen Grad der Gewissheit zu bestimmen, was man nur durch ein autoritatives Urteil der Kirche wissen kann.

Ist es möglich, dass Franziskus ungültig gewählt wurde, oder dass Benedikt ungültig zurücktrat? Ja, es ist möglich. Wird der Versuch, diese Schlüsse selbstständig zu ziehen uns irgendeinen inneren Frieden geben oder gar eine Art einklagbarer Gewissheit?[4] Nope.

Ich für meinen Teil vertraue darauf, dass, während Christus möglicherweise im Boot schläft, während der Sturm sich erhebt, Er die Wellen mit einem Wort beruhigen kann. Er fordert uns auf, einfach genug Glauben aufzubringen um darauf zu vertrauen, dass Er das tun wird, wenn die Zeit kommt.

Letztendlich wird dies alles aussortiert werden. Ob Franziskus ein Antipapst oder ein gültiger Papst ist, sein Papsttum wird zweifellos von künftigen Generationen verurteilt werden. Die Charismen der Indefektibilität[5] und Unfehlbarkeit greifen immer noch, und Franziskus wird nicht in der Lage sein, sie zu beseitigen. Stattdessen ist er gezwungen, sie zu umgehen. Und dies bedeutet, hinterhältig und heimtückisch zu sein, und das ist es, was wir alle wahrnehmen. Er wird viele Seelen in die Irre führen, aber Unser Herr sagte voraus, dass es solch falsche Lehrer und Propheten geben würde, und Hl. Paulus sagte (Apg 20, wenn ich mich recht erinnere), dass es Wölfe geben würde, die sich unter die Hirten mischen würden.

Nun, wir werden das durchstehen. Wie ich das sehe, haben wir alle genügend Kopfschmerzen ohne zu versuchen ein juristisches Durcheinander auseinanderzusortieren, das just göttliche Führung erfordert. Und niemand möchte ein Sedisvakantist sein. Das ist nämlich kein Spaß.

Ann ist KEINE Sedevakantistin, wie sie selbst klarstellt. Sie denkt halt, wir haben immer noch denselben Papst wie im Februar 203. Hat sie recht? Dafür bin ich nicht zuständig. Spielt das eine Rolle? Nach objektiven Maßstäben, selbstverständlich ja. Den wahren Papst vom falschen unterscheiden zu können ist besser, als es nicht zu wissen. Aber wir können es nicht mit der Gewissheit eines kirchlichen Urteils wissen. Noch nicht.

Der Versuch zu ergründen, ob ein Mann, der behauptet Papst zu sein, es nun ist oder nicht, indem man Dinge im Internet liest und daraus Schlüsse zieht, ist damit zu Vergleichen, wie jemand versucht die eigene Krankheit zu ergründen, indem er seine Symptome ergoogelt: die Chancen stehen gut dafür, dass man dadurch überzeugt wird an einer seltenen oder unheilbaren Krankheit anstatt an einer hundsgewöhnlichen zu leiden; aber sogar wenn man richtigerweise herausfindet, dass man an etwas Schrecklichem leidet, was kann man damit tun? Man muss immer noch zum Arzt gehen, damit [die Krankheit] behandelt wird. Man kann sich nicht einfach so selbst behandeln.

Ann selbst gibt zu, praktisch gesagt, dass ihre Schlussfolgerung wirklich nichts für den durchschnittlichen Katholiken und Kirchgänger ändert:

Zuerst und vor allem: Messen, in denen von dem zelebrierenden Priester im Kanon ein Gegenpapst kommemoriert wird, sind GÜLTIGE MESSEN. Die Eucharistie findet statt, das Heilige Opfer wird dargebracht.   

Weiter wurde mir ganz entschieden versichert, dass ich, wenn ich die Heilige Kommunion in einer Messe empfange, von der ich weiß, dass Bergoglio in ihr als Papst kommemoriert wurde, dies für mich KEIN Akt der Hypokrisie ist. Ich weiß, dass die Messe gültig ist. Ich weiß, dass die Eucharistie stattgefunden hat. Ich weiß, dass unser Herr begierig danach ist, im Allerheiligsten Sakrament des Altars zu mir zu kommen und ich zu Ihm, vorausgesetzt, ich bin im Stand der Gnade.

Wenn meine Haltung zu Bergoglio richtig ist – und ich glaube offensichtlich, dass sie es ist – was dies bedeutet ist, dass die Kommemoration von ihm als Papst im Kanon entweder RECHTSWIDRIG oder IRRTÜMLICH geschieht. Wir haben hierfür einen klaren historischen Präzedenzfall.  Während des Großen Abendländischen Schismas, das allein auf politische Intrige und NICHT irgendwelche Fragen der Häresie zurückzuführen ist, haben drei Männer gleichzeitig den Anspruch erhoben Papst zu sein. Einer diese Männer war der Wahre Papst, und die beiden anderen waren Gegenpäpste. Diese Gegenpäpste waren keine Gott lästernden Häretiker wie Bergoglio. Noch einmal: die gesamte Situation war allein politischer Intrige geschuldet. Und so standen zwei Giganten der Kirche – beide Heilige und eine [davon] Kirchenlehrerin – hinter verschiedenen „Päpsten“. Dies bedeutet, dass einer dieser Heiligen sich geirrt hat und einer Recht hatte.  Welcher war der Heilige, der den wahren Papst befürwortete? Es war Katharina von Siena, Kirchenlehrerin und Laie. Wussten Sie, dass die Heilige Katharina KEINE Nonne mit Gelübden war? Sie war Dominikaner-Tertiarin (Drittorden), der die Erlaubnis gegeben worden war, den dominikanischen Habit zu tragen. Sie war Laie.

Und wer war der Heilige, einer der wahren intellektuellen Giganten der Kirche, der sich irrte und einen Gegenpapst unterstützte? Es war St. Vincent Ferrer, der Priester war und so das Heilige Messopfer viele, viele Male feierte und [dabei] einen Gegenpapst im Kanon kommemorierte.

Hier haben wir [wohl in die Heiligsprechungsakten] eine interessante Präzisierung: St. Vincent Ferrers Kommemoration eines Gegenpapstes wird nicht einmal „rechtswidrig“ genannt – sie wird „irrtümlich“ genannt.

Mein Vorschlag ist folgender: vielmehr als sich darüber zu sorgen, welcher der beiden Päpste in Rom der wahre ist – also um etwas, was die Kirche rechtzeitig, auch ohne unsere Hilfe, beantworten wird –, so sollten wir, glaube ich, unsere Bemühungen darauf richten, die Irrtümer, die Franziskus verbreitet und gegen die Benedikt nichts tut, zu bekämpfen. Und wir sollten dies tun, indem wir als Gegengift die echte katholische Lehre verbreiten. Dahin zu kommen, diese Lehre besser zu verstehen und neue und wirksame Wege zu finden, sie auszusäen, ist weit effektiver als die müßige Spekulation über etwas, was wir nicht definitiv bestimmen können, anzustellen und was zu heilen, wir niemals die Macht haben werden.

[1] Zu diesem Begriff siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Willentliche_Aussetzung_der_Ungl%C3%A4ubigkeit

[2] Damit eine formale Häresie ausgesprochen werden kann, bestimmt sowohl das neue als auch das alte Kirchenrecht, dass die Häresie: a) offenkundig, also in forum externum, d.h. in der Öffentlichkeit stattfinden muss, b) der mutmaßliche Häretiker muss mit Gewissheit wissen, dass er eine Häresie begeht und es nicht aus Wissensmangel tun und es muss c) eine „andauernde Widersetzlichkeit“ (CIC 1983, kann 1364 § 2) vorliegen, d.h. er muss die Häresie trotz einer Warnung weiterhin aufrechthalten. Siehe dazu: https://wobronietradycjiiwiary.wordpress.com/category/apologetyka-i-polemika/nieomylnosc-papieska/ http://www.cfnews.org/page88/files/d9316b1dfdf813d95b197bee8640f489-219.html

Steven Skojec sagt zurecht, dass nicht alle Elemente einer formalen Häresie in forum externum bei den Worten und Taten zweifelsohne vorliegen.

[3] D.h. ein öffentliches Dokument, dass der Rücktritt von Benedikt und die Wahl von Bergoglio gleichermaßen ungültig waren.

[4] Actionable certainty ist ein juristischer Fachtermin, der auch in Moraltheologie vorkommt. Es geht um diese Art von Gewissheit, welche eine Handlung möglich macht.

[5] Laut Ott, Grundriss der Dogmatik, Bonn 201011, 418 ist die Indefektibilität der Kirche wie folgt zu verstehen: „Die Indefektibilität der Kirche besagt sowohl ihre Unvergänglichkeit, d.i. die stete Dauer bis an das Ende der Welt, als auch die wesentliche Unveränderlichkeit ihrer Lehre, ihrer Verfassung und ihres Kultes. Den Untergang von Einzelkirchen und akzidentielle Veränderungen schließt sei jedoch nicht aus.“ Eine sententia certa lautet: „Die Kirche ist indefektibel, d.h. sie bleibt bis zum Ende der Welt als die von Christus gestiftete Heilsanstalt bestehen“.(Ott, ebd.)

Steve Skojec, Raus aus dem Kaninchenloch


Bosch Ascent_of_the_Blessed

Es gibt eine ganze Reihe von Dingen, die nun einem großen Teil der katholischen Bevölkerung bewusst werden – oder zumindest bewusster als sie waren. Die Handschrift war an der Wand, schon bevor ich geboren wurde, doch es war für Viele schwer zu erkennen. Zu Beginn dieses Pontifikats wurde sie einem starken Kontrast ausgesetzt  wie die verblichenen, beinahe unsichtbaren Farben der phosphorisierenden Farbe die leuchtet, wenn man sie ultraviolett anstrahlt. Ich schreibe über diese Anzeichen fast schon seit dem Beginn dieses Pontifikats, sogar schon bevor ich dem Ruf folgte, diese Website zu gründen und die Arbeit zu beginnen, die wir nun tun. Ich bitte die Leser inständig, die “rote Pille zu nehmen” und aufzuwachen, ein Bild aus dem 1999 entstandenen Science Fiction Film The Matrix, der sich wiederum stark auf die Symbolik von Lewis Carrolls Alice im Wunderland bezieht. Die Szene und die Metapher, die sie entwickelt, spricht für sich:

Weiterlesen!

Steven Skojec, Hilary White und die nachkonziliare Matrix


Benedikt-und-Scholastika

Wir wollen hier einen von Eugenie Roth übersetzten Aufsatz vorstellen, den wir nicht hätten besser schreiben können, da wir unsere Feder und unsere Temperament noch ein wenig zügeln und manche Überspitzung bewusst vermeiden. Der vorgestellte Aufsatz Out of the Rabbit Hole erschien am 6.05.2016 auf dem Blog onepeterfive[1] und er ist uns vom Leser dspecht ans Herz gelegt worden, wofür wir uns ebenfalls bedanken. Der Schreiber dieser Zeilen hat schon lange nichts gelesen, was ihn dermaßen berührt hätte und womit er dermaßen übereinstimmen würde. Es ist ein treffendes, objektives und erschütterndes Bild des desolaten Zustandes der Weltkirche, welcher, wie man ihn auch dreht und wendet derselbe ist. Der Schreiber dieser Zeilen ist ein viel in der Welt herumgekommener Osteuropäer, der in einem deutschsprachigen Land lebt, Steve Skojec ist US-Amerikaner, Hilary White ist eine in Italien lebende Kanadierin. Und wir alle kommen zu denselben Schlussfolgerungen, obwohl wir nur mehr oder weniger detaillierte Kenntnisse verschiedener Ortskirchen haben. Man tröstet sich zwar, dass woanders es besser ist, aber woanders ist es nicht besser, es ist derselbe Verfall mit anderen Akzenten.

Weiterlesen!