Brief der 45 – Amoris Laetitia eine theologische Kritik (7) Schwächere Zensuren (ii).


ZURBARÁN, Francisco de (Fuente de Cantos

AL 298: „[…] Die Kirche weiß um Situationen, in denen » die beiden Partner aus ernsthaften Gründen – zum Beispiel wegen der Erziehung der Kinder – der Verpflichtung zur Trennung nicht nachkommen können « [Fußnote 329].[1] Viele, welche die von der Kirche angebotene Möglichkeit, „wie Geschwister“ zusammenzuleben, kennen und akzeptieren, betonen, dass in diesen Situationen, wenn einige Ausdrucksformen der Intimität fehlen, » nicht selten die Treue in Gefahr geraten und das Kind in Mitleidenschaft gezogen werden [kann]. «[2] {N.B. Der letzte Satz in doppelten Anführungszeichen wird hier irreführenderweise für geschiedene und wiederverheiratete Paare angewendet, eine Stellungnahme des II. Vatikanischen Konzils, Gaudium et Spes, 51, die sich nur für gültig verheiratete Paare gilt.}

Wenn es in diesem Sinne verstanden wird, dass Behauptungen befürwortet werden, dass geschiedene und zivil wiederverheiratete Paare eine Verpflichtung zur sexuellen Treue zueinander haben, statt vielmehr zu ihren wahren Ehepartnern, oder dass ihr Leben  „als Bruder und Schwester“ entweder eine schuldhafte Gelegenheit zur Sünde gegenüber der vorausgesetzten Verpflichtung zur sexuellen Treue oder eine schuldhafte Ursache für eine Schädigung der Kinder darstellt:

[dann verdient diese Aussage die Zensur]

  1. i) Erronea in fide.
  2. ii) Scandalosa, prava, perversa.

Ekklesiastikus/Sirach 15,21: „Keinem gibt Er den Befehl zu freveln, keinem die Erlaubnis zu sündigen.“

Siehe auch: Röm 3,8. 8,28; 1 Thess 4,7; Jak 1,13-14; Johannes Paul II, Veritatis splendor, 79-83: AAS 85 (1993): 1197-99 (cf. DH 4969-70).

16).

AL 300: „[…] Und da » der Grad der Verantwortung […] nicht in allen Fällen gleich [ist] «[335], müsste diese Unterscheidung anerkennen, dass die Konsequenzen oder Wirkungen einer Norm nicht notwendig immer dieselben sein müssen. [Fußnote 336] Auch nicht auf dem Gebiet der Sakramentenordnung, da die Unterscheidung erkennen kann, dass in einer besonderen Situation keine schwere Schuld vorliegt. […]“

AL 305: „[…] Aufgrund der Bedingtheiten oder mildernder Faktoren ist es möglich, dass man mitten in einer objektiven Situation der Sünde – die nicht subjektiv schuldhaft ist oder es zumindest nicht völlig ist – in der Gnade Gottes leben kann, dass man lieben kann und dass man auch im Leben der Gnade und der Liebe wachsen kann, wenn man dazu die Hilfe der Kirche bekommt. [Fußnote 351] In gewissen Fällen könnte es auch die Hilfe der Sakramente sein. Deshalb » erinnere ich [die Priester] daran, dass der Beichtstuhl keine Folterkammer sein darf, sondern ein Ort der Barmherzigkeit des Herrn «[3]. Gleichermaßen betone ich, dass die Eucharistie » nicht eine Belohnung für die Vollkommenen, sondern ein großzügiges Heilmittel und eine Nahrung für die Schwachen « ist.[4]

Wenn es in diesem Sinne verstanden wird, dass die Abwesenheit schwerer Schuld aufgrund von verminderter Verantwortung den Zugang zur Eucharistie erlauben kann in den Fällen von Geschiedenen und zivil wiederverheirateten Personen, die sich weder trennen noch in perfekter Enthaltsamkeit leben, sondern in einem objektiven Zustand von Ehebruch und Bigamie verharren:

[dann verdient diese Aussage die Zensur]

i). Erronea in fide, falsa.

ii). Scandalosa.

Johannes Paul II, Familiaris consortio 84: „[…] Die Kirche bekräftigt jedoch ihre auf die Heilige Schrift gestützte Praxis, wiederverheiratete Geschiedene nicht zum eucharistischen Mahl zuzulassen. Sie können nicht zugelassen werden; denn ihr Lebensstand und ihre Lebensverhältnisse stehen in objektivem Widerspruch zu jenem Bund der Liebe zwischen Christus und der Kirche, den die Eucharistie sichtbar und gegenwärtig macht. Darüber hinaus gibt es noch einen besonderen Grund pastoraler Natur: Ließe man solche Menschen zur Eucharistie zu, bewirkte dies bei den Gläubigen hinsichtlich der Lehre der Kirche über die Unauflöslichkeit der Ehe Irrtum und Verwirrung. Die Wiederversöhnung im Sakrament der Buße, das den Weg zum Sakrament der Eucharistie öffnet, kann nur denen gewährt werden, welche die Verletzung des Zeichens des Bundes mit Christus und der Treue zu ihm bereut und die aufrichtige Bereitschaft zu einem Leben haben, das nicht mehr im Widerspruch zur Unauflöslichkeit der Ehe steht. Das heißt konkret, daß, wenn die beiden Partner aus ernsthaften Gründen – zum Beispiel wegen der Erziehung der Kinder – der Verpflichtung zur Trennung nicht nachkommen können, „sie sich verpflichten, völlig enthaltsam zu leben, das heißt, sich der Akte zu enthalten, welche Eheleuten vorbehalten sind“[5].”

1 Joh 2,20: „Ihr habt die Salbung von dem Heiligen und habt alle Erkenntnis …“

Siehe auch: Ez 3,17; Mt 28,20; 1 Kor 11,27-29; Eph 5,30-32; 2. Laterankonzil, DH 717; Paul V, Rituale Romanum, 49; Benedikt XIV, Bestätigung der Synode der Maroniter; Enzyklika Ex omnibus; Benedikt XV, 1917 Codex Iuris Canonici, Kanon 855; Johannes Paul II, 1983 Codex Iuris Canonici, Kanon 915; Glaubenskongregation, Brief an die Bischöfe der Katholischen Kirche bezüglich des Kommunionempfangs für solche Gläubige, welch nach einer Scheidung eine neue [zivilrechtliche] Ehe eingegangen sind, AAS 86 (1994): 974-79; Codex Iuris Canonici für die Ostkirchen, Kanon 712; Katechismus der Katholischen Kirche, 1650, 2390; Glaubenskongregation, Bezüglich einige Vorbehalte zur Lehre der Kirche über den Kommunionempfang für geschiedene und wiederverheiratete Mitglieder der Kirche, in “Documenti e Studi”, On the Pastoral Care of the Divorced and Remarried, Vatican City 1998, pp. 20-29; Pontifical Council for Legislative Texts (PCLT), “Declaration Concerning the Admission to Holy Communion of Faithful who are Divorced and Remarried”, on-line at http://www.vatican.va/roman_curia/pontifical_councils/intrptxt/documents/rc_pc_intrptxt_doc_20000706_declaration_en.html; Benedikt XVI, Apostolische ExhortationSacramentum caritatis 29: AAS 99 (2007), 128-29.

17).

AL 298: „Die Geschiedenen in einer neuen Verbindung, zum Beispiel, können sich in sehr unterschiedlichen Situationen befinden, die nicht katalogisiert oder in allzu starre Aussagen eingeschlossen werden dürfen, ohne einer angemessenen persönlichen und pastoralen Unterscheidung Raum zu geben. Es gibt den Fall einer zweiten, im Laufe der Zeit gefestigten Verbindung, mit neuen Kindern, mit erwiesener Treue, großherziger Hingabe, christlichem Engagement, mit dem Bewusstsein der Irregularität der eigenen Situation und großer Schwierigkeit, diese zurückzudrehen, ohne im Gewissen zu spüren, dass man in neue Schuld fällt. […]“

Wenn es in diesem Sinne verstanden wird, dass es bedeutet, dass die Geschiedenen und Wiederverheirateten entweder sündigen können oder sich der Gefahr der Sünde aussetzen können, indem sie sich in Übereinstimmung mit der immerwährenden Lehre der Kichre und Disziplin der Kirche vom Sexualverkehr enthalten:

[dann verdient diese Aussage die Zensur]

i). Temeraria, falsa.

ii). Scandalosa, prava, derogans praxi et disciplinae Ecclesiae.

Ekklesiastikus 15,16: “Willst du seine Gebote halten und auf immer ihm zum Wohlgefallen Treue üben, so werden sie dich erhalten.“ (Übersetzung der Vulgata Clementina, Allioli) – „Wenn du willst, kannst du die Gebote halten, und Treue üben hängt von deinem freien Willen ab.“ (Henne/Rösch, hier wegen unterschiedlicher Zählung Vers 15).

Siehe auch : 1 Kor 7,11;10, 13 ; Johannes Paul II, Veritatis splendor, 102-03 ; AAS 85 (1993): 1213-14; Apostolische Exhortation, Familiaris consortio, 84, AAS 74 (1982) 92-149; Katechismus der Katholischen Kirche, 1650; Benedikt XVI, Apostolische Exhortation Sacramentum caritatis 99 (2007), 128-29.

18).

AL 298: „Es gibt auch den Fall derer, die große Anstrengungen unternommen haben, um die erste Ehe zu retten, und darunter gelitten haben, zu Unrecht verlassen worden zu sein, oder den Fall derer, die »eine neue Verbindung eingegangen [sind] im Hinblick auf die Erziehung der Kinder und […] manchmal die subjektive Gewissensüberzeugung [haben], dass die frühere, unheilbar zerstörte Ehe niemals gültig war «.[330]

 

Wenn es in dem Sinne verstanden wird, dass subjektive Gewissheit im Gewissen über die Ungültigkeit einer vorhergehenden Ehe genüge für sich selbst, um von Schuld oder rechtmäßigen Strafe jene zu entbinden, die eine neue Ehe geschlossen haben, während ihre vorhergehende Ehe von der Kirche als gültig angesehen wird:

[dann verdient diese Aussage die Zensur]

i). Temeraria, falsa.

ii). Scandalosa.

Konzil von Trient, 24. Sitzung, Kanon 12: „Wer sagt, Eheangelegenheiten gehörten nicht vor kirchliche Richter: der sei mit dem Anathema belegt“.  (DH 1812).

Siehe auch: Leo XIII, Arcanum, ASS 12 (1879), 393; Johannes Paul II, 1983 Codex Iuris Canonici, Kanon 1059-60, 1085.

19).

AL 311: „Die Lehre der Moraltheologie dürfte nicht aufhören, diese Betrachtungen in sich aufzunehmen, […]“

Wenn es in diesem Sinne verstanden wird, dass die Lehre der Moraltheologie in der katholischen Kirche die oben zensurierten Sätze al wahrscheinlich oder wahr darstellen sollte:

[dann verdient diese Aussage die Zensur]

i). Falsa.

ii). Scandalosa, prava, perversa, perniciosa.

Mt 5,19: „Wer darum eines von diesen Geboten, und sei es das Geringste, aufhebt und so die Menschen Lehrt, wird der geringste heißen im Himmelreiche.“

Siehe auch: Jes 5,20; Mt 28,20; 1 Tim 6,20; Jak 3,1; Pius IX, Bulle Ineffabilis Deus, DH 2802; I. Vaticanisches Konzil, Konstitution Dei Filius, Kap. 4 (DH 3020); Pius X, Motu Proprio Sacrorum antistitum, DH 3541; Kongregation für die Glaubenslehre, Iusiurandum fidelitatis in suscipiendo officio nomine ecclesiae exercendo, AAS 81 (1989): 106; Kongregation für die Glaubenslehre, Donum veritatis, On the ecclesial vocation of the theologian, AAS 82 (1990): 1559; Johannes Paul II, Veritatis splendor, 115-16: AAS 85 (1993): 1223-24; Benedikt XVI, Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung zu den Werken von P. Jon Sobrino SJ, 2 (DH 5107).

Die oben zensurierten Sätze wurden in vielen vorhergehenden lehramtlichen Schreiben verurteilt. Es ist dringend notwendig, dass ihre Verurteilung durch den Papst auf eine definitive und endgültige Weise wiederholt wird und dass autoritativ festgestellt wird, dass Amoris laetitia nicht fordert, dass irgendeines dieser Sätze geglaubt oder als möglicherweise als wahr betrachtet wird.

[1] Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Familiaris consortio (22. November 1981), 84: AAS 74 (1982), S. 186

[2] Zweites Vatikanisches Konzil, Past. Konst. Gaudium et spes über die Kirche in der Welt von heute, 51.

[3] Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium [14. November 2013], 44: AAS 105 [2013], S. 1038.

[4] Ebd., 47: AAS 105 [2013], S. 1039.

[5] Johannes Paul II., Homilie zum Abschluß der VI. Bischofssynode (25.10.1980), 7: AAS 72 (1980) 1082)

Brief der 45 – Amoris Laetitia eine theologische Kritik (6) Schwächere Zensuren (i).


ZURBARÁN, Francisco de (Fuente de Cantos

B. Aussagen, die unter eine schwächere Zensur fallen

12).

AL 295: „Auf dieser Linie schlug der heilige Johannes Paul II. das sogenannte » Gesetz der Gradualität « vor, denn er wusste: Der Mensch » kennt, liebt und vollbringt […] das sittlich Gute […] in einem stufenweisen Wachsen «.[323] Es ist keine „Gradualität des Gesetzes“, sondern eine Gradualität in der angemessenen Ausübung freier Handlungen von Menschen, die nicht in der Lage sind, die objektiven Anforderungen des Gesetzes zu verstehen, zu schätzen oder ganz zu erfüllen.“

Wenn es in diesem Sinne verstanden wird, dass freie Handlungen, welche die objektiven Anforderungen des Göttlichen Gesetzes nicht ganz erfüllen, moralisch gut sein können:

[dann verdient diese Aussage die Zensur]

i). Erronea in fide.

ii). Scandalosa, prava.

1 Joh 3,4: „Wer sündigt, übertritt das Gesetz; denn die Sünde besteht in der Übertretung des Gesetzes.“

Siehe auch: Leo XIII, Libertas praestantissimum, ASS 20 (1887-88): 598 (DH 3248); Johannes Paul II, Veritatis splendor, 40: AAS 85 (1993): 1165 (DH 4953).

13).

AL 296: „[…] » Zwei Arten von Logik […] durchziehen die gesamte Geschichte der Kirche: ausgrenzen und wiedereingliedern […] Der Weg der Kirche ist vom Jerusalemer Konzil an immer der Weg Jesu: der Weg der Barmherzigkeit und der Eingliederung […] Der Weg der Kirche ist der, niemanden auf ewig zu verurteilen, […]

AL 297: Niemand darf auf ewig verurteilt werden, denn das ist nicht die Logik des Evangeliums! […]“

Wenn es in diesem Sinne verstanden wird, dass in Umständen, in denen ein Schuldiger nicht aufhört, eine Schuld zu begehen, die Kirche nicht die Macht oder das Recht habe, Strafen zu verhängen oder Verurteilung auszusprechen, ohne diese später nachzulassen oder aufzuheben, oder dass die Kirche nicht die Macht oder das Recht habe, Individuen nach ihrem Tod zu verurteilen oder zu anathematisieren:

[dann verdient diese Aussage die Zensur]

i). Erronea in fide.

ii). Scandalosa, perniciosa, derogans praxi sive usui et disciplinae Ecclesiae.

1983 Codex Iuris Canonici, „Can. 1358 — § 1. Eine Beugestrafe kann nur einem Täter erlassen werden, der gemäß can. 1347, § 2 die Widersetzlichkeit aufgegeben hat; einem solchen aber kann der Nachlaß nicht verweigert werden.“

 

Konzil von Konstantinopel, Verurteilung der Monotheleten und des Papstes Honorius I:

“Nachdem wir die dogmatischen Briefe untersucht haben, die von Sergius, dem ehemaligen Patriarchen dieser dem Schutz Gottes anvertrauten Kaiserstadt, sowohl an Cyrus, den damaligen Bischof von Phais, als auch an Honorius, den ehemaligen Papst von Altrom [d.h. von Rom, denn Konstantinopel wurde in Byzanz das neue Rom oder Neurom genannt Red.], geschrieben wurden, ebenso aber auch den Brie, der von jenem, nämlich Honorius, an ebendiesen Sergius zurückgeschrieben wurde , und nachdem wir gefunden haben, dass diese den apostolischen Lehren und den Bestimmungen der heiligen Konzilien und aller anerkannten heiligen Väter völlig widersprechen, sich vielmehr den falschen Lehren der Häretiker anschließen, verwerfen wir diese völlig und verabscheuen sie als für die Seele schädlich“. (DH 550)

Siehe auch: 2. Konzil von Konstantinopel, Kanons 11-12; Lateransynode, Kanon 18 (DH 518-20); Leo II, Brief Regi regum, DH 563; 4. Konzil von Konstantinopel, Kanon 11, Konzil von Florenz, Dekret für die Jakobiten DH 1339-1346; Benedikt XV, 1917 Codex Iuris Canonici, Kanons 855, 2214.1 und 2257; Johannes Paul II, 1983 Codex Iuris Canonici, Kanons 915 und 1311; Codex Iuris Canonici für die Ostkirchen, Kanon 1424:1.

 

14.)

AL 298: „Die Geschiedenen in einer neuen Verbindung, zum Beispiel, können sich in sehr unterschiedlichen Situationen befinden, die nicht katalogisiert oder in allzu starre Aussagen eingeschlossen werden dürfen, ohne einer angemessenen persönlichen und pastoralen Unterscheidung Raum zu geben. Es gibt den Fall einer zweiten, im Laufe der Zeit gefestigten Verbindung, mit neuen Kindern, mit erwiesener Treue, großherziger Hingabe, christlichem Engagement, mit dem Bewusstsein der Irregularität der eigenen Situation und großer Schwierigkeit, diese zurückzudrehen, ohne im Gewissen zu spüren, dass man in neue Schuld fällt. […]“

Wenn es in diesem Sinne verstanden wird, dass Personen, die mit jemand anders zivil verheiratet sind als mit ihrem wahren Ehepartner, christliche Tugend dadurch zeigen können, dass sie sexuell zu ihrem zivilen Partner treu sind:

[dann verdient diese Aussage die Zensur]

i). Erronea in fide.

ii). Scandalosa.

1 Kor 7,10-11: „Den Verheirateten gebiete nicht ich, sondern der Herr: Die Frau darf sich von ihrem Manne nicht trennen; hat sie sich aber doch getrennt, so muss sie unverheiratet bleiben oder sich mit ihrem Manne wieser aussöhnen. Ebenso darf der Mann seine Frau nicht entlassen.“

Siehe auch: Gen 2,21; Mal 2,15-16; Mt 5,32. 19.9; Mk 10,11-12; Lk 16.,8; Heb 13,4; Brief Quam laudabiliter von Leo I, DH 283; Brief Regressus ad nos von Leo I, DH 311-14; Brief Gaudemus in Domino von Innocent III, DH 777-79; 2. Konzil von Lyon, Glaubensbekenntnis des Kaisers  Michael Palaeologus (DH 860); Konzil von Trient, Sitzung 24 Kanones 5, 7; Pius Vl, Rescript. ad Episc. Agriens., 11. Juli 1789; Arcanum, ASS 12 (1879-80): 388-94; Pius XI, Casti connubii, AAS 22 (1930): 546-50 (cf. Dz 3706-10); Johannes Paul II, Apostolische Exhortation Familiaris consortio, 19, 80-81, 84: AAS 74 (1982) 92-149; Katechismus der Katholischen Kirche, 1643-49.

Brief der 45 – Amoris Laetitia eine theologische Kritik (5). Zensuren: Häretische Sätze (iii).


ZURBARÁN, Francisco de (Fuente de Cantos

9).

AL 303: „ […] Doch dieses Gewissen kann nicht nur erkennen, dass eine Situation objektiv nicht den generellen Anforderungen des Evangeliums entspricht. Es kann auch aufrichtig und ehrlich das erkennen, was vorerst die großherzige Antwort ist, die man Gott geben kann, und mit einer gewissen moralischen Sicherheit entdecken, dass dies die Hingabe ist, die Gott selbst inmitten der konkreten Vielschichtigkeit der Begrenzungen fordert, auch wenn sie noch nicht völlig dem objektiven Ideal entspricht.“

Wenn es in diesem Sinne verstanden wird, dass das Gewissen wahrhaft beurteilen kann, dass Handlungen, die vom Evangelium verurteilt werden, und im Besonderen sexuelle Akte zwischen Katholiken, die nach einer Scheidung zivil wiederverheiratet sind, manchmal moralisch richtig oder von Gott befohlen sein können:

[dann verdient diese Aussage die Zensur]

i). Haeretica, sacrae Scripturae contraria.

ii). Scandalosa, prava, perversa, perniciosa, impia, blasphema.

Konzil von Trient, Sitzung 6, canon 21:

“Wer sagt, Christus Jesus sei von Gott den Menschen geschenkt worden als Erlöser, dem sie vertrauen sollen, nicht auch als Gesetzgeber, dem sie gehorchen sollen: der sei mit dem Anathema belegt“. (DH 1571).

Konzil von Trient, Sitzung 24, Kanon 2:

“Wer sagt, den Christen sei es erlaubt, mehrere Frauen zugleich zu haben, und dies sei durch kein göttliches Gesetz verboten: der sei mit dem Anathema belegt“. (DH 1802).

Konzil von Trient, Sitzung 24, Kanon 5:

“Wer sagt, das Band der Ehe könne wegen Häresie, Schwierigkeiten im Zusammenleben oder vorsätzlicher Abwesenheit vom Gatten aufgelöst werden: der sei mit dem Anathema belegt”. (DH 1805)

Konzil von Trient, Sitzung 24, Kanon 7:

“Wer sagt, die Kirche irre, wenn sie lehrte und lehrt, gemäß der Lehre des Evangeliums und des Apostels könne das Band der Ehe wegen Ehebruchs eines der beiden Gatten nicht aufgelöst werden, und keiner von beiden, nicht einmal der Unschuldige, der keinen Anlass zum Ehebruch gegeben hat, könne, solange der andere Gatte lebt, eine andere Ehe schließen, und derjenige, der eine Ehebrecherin entlässt und eine andere heiratet, und diejenige, die einen Ehebrecher entlässt und einen anderen heiratet, begingen Ehebruch: der sei mit Anathema belegt.“ (DH 1807)

Siehe auch: Ps 5,5; Ps 18,8-9; Ecclesiasticus/Sirach 15,21; Hebr 10,26-29; Jak 1,13; 1 Joh. 3,7; Innozenz XI, Verurteilte Sätze der ‘Laxisten’, 62-63 (DH 2162-63); Clemens XI, Konstitution Unigenitus, Über die Irrtümer von Pasquier Quesnel, 71 (DH 2471); Leo XIII, Enzyklika Libertas praestantissimum, ASS 20 (1887-88): 598 (DH 3248); Pius XII, Dekret des Heiligen Offiziums über die Situationsethik, DH 3918; Vatikanum II, Pastorale Konstitution  Gaudium et spes, 16; Johanne Paul II, Veritatis splendor, 54: AAS 85 (1993): 1177; Katechismus der Katholischen Kirche, 1786-87.

10)

AL 304:  „[…] Ich bitte nachdrücklich darum, dass wir uns an etwas erinnern, das der heilige Thomas von Aquin lehrt, und dass wir lernen, es in die pastorale Unterscheidung aufzunehmen: » Obgleich es im Bereich des Allgemeinen eine gewisse Notwendigkeit gibt, unterläuft desto eher ein Fehler, je mehr man in den Bereich des Spezifischen absteigt […] Im Bereich des Handelns […] liegt hinsichtlich des Spezifischen nicht für alle dieselbe praktische Wahrheit oder Richtigkeit vor, sondern nur hinsichtlich des Allgemeinen; und bei denen, für die hinsichtlich des Spezifischen dieselbe Richtigkeit vorliegt, ist sie nicht allen in gleicher Weise bekannt […] Es kommt also umso häufiger zu Fehlern, je mehr man in die spezifischen Einzelheiten absteigt. «[347]Es ist wahr, dass die allgemeinen Normen ein Gut darstellen, das man niemals außer Acht lassen oder vernachlässigen darf, doch in ihren Formulierungen können sie unmöglich alle Sondersituationen umfassen.“

Wenn es in diesem Sinne verstanden wird, dass moralische Prinzipien und moralische Wahrheiten, die in der göttlichen Offenbarung und im Naturrecht enthalten sind keine negativen Auflagen enthalten, die bestimmte Arten der Handlung unter allen Umständen absolut verbieten:

[dann verdient diese Aussage die Zensur]

i). Haeretica, sacrae Scripturae contraria.

ii). Scandalosa, prava, perversa.

Johanne Paul II, Veritatis splendor 115:

„Jeder von uns weiß um die Bedeutung der Lehre, die den Kern dieser Enzyklika darstellt und an die heute mit der Autorität des Nachfolgers Petri erinnert wird. Jeder von uns kann den Ernst dessen spüren, worum es mit der erneuten Bekräftigung der Universalität und Unveränderlichkeit der sittlichen Gebote und insbesondere derjenigen, die immer und ohne Ausnahme in sich schlechte Akte verbieten, nicht nur für die einzelnen Personen, sondern für die ganze Gesellschaft geht.“ (DH 4971).

Siehe auch: Röm 3,8; 1 Kor 6,9-10; Gal 5,19-21; Apoc. 22,15; 4. Konzil von Lateran, Kapitel 22 (DH 815); Konzil von Konstanz, Bull Inter cunctas, 14 (DH 1254); Paul VI, Humanae vitae, 14: AAS 60 (1968) 490-91. Johannes Paul II, Veritatis splendor, 83: AAS 85 (1993): 1199 (DH 4970).

11).

AL 308: „Ich verstehe diejenigen, die eine unerbittlichere Pastoral vorziehen, die keinen Anlass zu irgendeiner Verwirrung gibt. Doch ich glaube ehrlich, dass Jesus Christus eine Kirche möchte, die achtsam ist gegenüber dem Guten, das der Heilige Geist inmitten der Schwachheit und Hinfälligkeit verbreitet: eine Mutter, die klar ihre objektive Lehre zum Ausdruck bringt und zugleich » nicht auf das mögliche Gute [verzichtet], auch wenn [sie] Gefahr läuft, sich mit dem Schlamm der Straße zu beschmutzen «.[356]

Wenn es in diesem Sinne verstanden wird, dass unser Herr Jesus Christus will, dass die Kirche ihre beständige Disziplin aufgibt, die Eucharistie den Geschiedenen und Wiederverheirateten zu verweigern, wie auch die Absolution denjenigen Geschiedenen und Wiederverheirateten zu verweigern, die keine Reue bezüglich ihres Lebensstandes ausdrücken und einen starken Vorsatz der Verbesserung diesbezüglich fehlen lassen:

[dann verdient diese Aussage die Zensur]

i). Haeretica, sacrae Scripturae contraria.

ii). Scandalosa, prava, perversa, impia, blasphema.

1 Kor 11,27: „Wer daher unwürdig das Brot isst oder den Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig des Leibes und Blutes des Herrn.“

Familiaris consortio, 84:

„Die Wiederversöhnung im Sakrament der Buße, das den Weg zum Sakrament der Eucharistie öffnet, kann nur denen gewährt werden, welche die Verletzung des Zeichens des Bundes mit Christus und der Treuen zu ihm bereut und die aufrichtige Bereitschaft zu einem Leben haben, das nicht mir im Widerspruch zur Unauflöslichkeit der Ehe steht. Das heißt konkret, dass, wenn die beiden Partner aus ernsthaften Gründen – z. B. wegen der Erziehung der Kinder – der Verpflichtung zur Trennung nicht nachkommen können, ’sie sich verpflichten, völlig enthaltsam zu leben, was heißt, sich der Akte zu enthalten, welche Eheleuten vorbehalten sind.’“

Das Zweite Konzil von Lateran, Kanon 20:

“Weil es fürwahr unter anderem eines gibt, was die heilige Kirche im höchsten Grad verwirrt, nämlich die falsche Buße, ermahnen wir unsere Mitbrüder und die Priester, nicht zu dulden, dass die Seelen der Laien durch falsche Bußen getäuscht und in die Hölle gezogen werden. Um eine falsche Buße aber handelt es sich bekanntlich, wenn man unter Vernachlässigung von mehreren nur für eines Buße tut, oder wenn man so für eines [Buße] tut, dass man von etwas anderem nicht ablässt“.  (DH 717).

Siehe auch: Mt 7,6; Mt 22,11-13; 1 Kor 11,28-30; Hebr 13,8; Konzil von Trient, Sitzung 14, Dekret über die Buße, Kap. 4; Konzil von Trient, Sitzung 13, Dekret über die Heilige Eucharistie (DH 1646-47)); Innozenz XI, Verurteilte Sätze der ‘Laxisten’, 60-63 (DH 2160-63); Johannes Paul II, Katechismus der Katholischen Kirche, 1385, 1451, 1490

 

Brief der 45 – Amoris Laetitia eine theologische Kritik (4). Zensuren: Häretische Sätze (ii).


ZURBARÁN, Francisco de (Fuente de Cantos

5)

AL 297; „Niemand darf auf ewig verurteilt werden, denn das ist nicht die Logik des Evangeliums!“

Wenn es in diesem Sinne verstanden wird, dass kein menschliches Wesen je zur ewigen Strafe in der Hölle verdammt werden kann oder verdammt wird:

[dann verdient diese Aussage die Zensur]

i). Haeretica, sacrae Scripturae contraria.

ii). Scandalosa, perniciosa.

Mt 25,46: „Diese werden eingehen in die ewige Pein, die Gerechten aber in das ewige Leben.“

Siehe auch: Mt 7,22-23. Lk 16,26. Joh 17,12. Apoc. 20,10; 16-te Synode von Toledo (DH 574); IV Konzil von Lateran, DH 801; Benedikt XII, Konstitution Benedictus Deus, DH 1002; Konzil von Florenz, Dekret Laetentur caeli, DH 1306; Johannes Paul II, Brief der Kongregation für Glaubenslehre, Recentiores episcoporum, AAS 71 (1979): 941; Katechismus der Katholischen Kirche, 1033-37

6)

AL 299: „Ich nehme die Bedenken vieler Synodenväter auf, die darauf hinweisen wollten, dass ‚Getaufte, die geschieden und zivil wiederverheiratet sind, […] auf die verschiedenen möglichen Weisen stärker in die Gemeinschaft integriert werden [müssen], wobei zu vermeiden ist, jedwelchen Anstoß zu erregen. Die Logik der Integration ist der Schlüssel ihrer pastoralen Begleitung, damit sie nicht nur wissen, dass sie zum Leib Christi, der die Kirche ist, gehören, sondern dies als freudige und fruchtbare Erfahrung erleben können. Sie sind Getaufte, sie sind Brüder und Schwestern, der Heilige Geist gießt Gaben und Charismen zum Wohl aller auf sie aus. […] Sie sollen sich nicht nur als nicht exkommuniziert fühlen, sondern können als lebendige Glieder der Kirche leben und reifen, indem sie diese wie eine Mutter empfinden, die sie immer aufnimmt, sich liebevoll um sie kümmert und sie auf dem Weg des Lebens und des Evangeliums ermutigt.’“

Wenn es in diesem Sinne verstanden wird, dass die Geschiedenen und zivil wiederverheirateten, welche ihre Situation in vollem Wissen und voller Zustimmung des Willens wählen, nicht im Stand der Todsünde sind, und dass sie heiligmachende Gnade empfangen und in der Liebe wachsen können:

[dann verdient diese Aussage die Zensur]

i). Haeretica, sacrae Scripturae contraria.

ii). Scandalosa, prava, perversa.

Mk 10,11-12: „Er sprach zu ihnen: Wer seine Frau entlässt und eine andere nimmt, bricht ihr die Ehe; und wenn eine Frau ihren Mann entlässt und einen andern nimmt, bricht sie die Ehe.“

Siehe auch: Ex 20,14; Mt 5,32; 19,9; Lk 16,18; 1 Kor 7,10-11; Hebr 10,26-29; Konzil von Trient, Sitzung 6, Kanones 19-21, 27 (DH 1569-71, 1577); Sitzung 24, Kanones 5 und 7 (DH 1805, 1807); Innozenz XI, Verurteilte Sätze der ‘Laxisten’, 62-63 (DH 2162-63); Alexander VIII, Dekret des Heiligen Offizium über die ‘Philosophische Sünde’, DH 2291; Johannes Paul II, Veritatis splendor, 65-70: AAS 85 (1993): 1185-89 (DH 4964-67).

7).

AL 301: „[…] Daher ist es nicht mehr möglich zu behaupten, dass alle, die in irgendeiner sogenannten „irregulären“ Situation leben, sich in einem Zustand der Todsünde befinden und die heiligmachende Gnade verloren haben. Die Einschränkungen haben nicht nur mit einer eventuellen Unkenntnis der Norm zu tun. Ein Mensch kann, obwohl er die Norm genau kennt, große Schwierigkeiten haben » im Verstehen der Werte, um die es in der sittlichen Norm geht «,[339] oder er kann sich in einer konkreten Lage befinden, die ihm nicht erlaubt, anders zu handeln und andere Entscheidungen zu treffen, ohne eine neue Schuld auf sich zu laden.“

Wenn es in diesem Sinne verstanden wird, dass ein katholischer Gläubiger über das volle Wissen über das göttliche Gesetz haben und freiwillig wählen kann mit dem göttlichen Gesetz in schwerer Materie zu brechen, dennoch in keiner Todsünde als Ergebnis dieser Tat sich befinden kann:

[dann verdient diese Aussage die Zensur]

i). Haeretica, sacrae Scripturae contraria.

ii). Prava, perversa.

Konzil von Trient, Sitzung 6, Kanon 20:

“Wer von einem gerechtfertigten und noch so vollkommenen Menschen sagt, er sei nicht gehalten zur Beobachtung der Gebote Gottes und der Kirche, sondern nur zum Glauben, so als ob das Evangelium die bloße und unbedingte Verheißung des ewigen Lebens sei, ohne die Bedingung, die Gebote zu beobachten: der sei mit dem Anathema belegt“.  (DH 1570).

Siehe also: Mk 8,38; Lk 9,26; Hebr 10,26-29; 1 Joh 5,17; Konzil von Trient, Sitzung 6, Kanones  19 and 27; Clemens XI, Konstitution Unigenitus, Über die Irrtümer von Pasquier Quesnel, 71 (DH 2471); Johannes Paul II, Apostolische Exhortation Reconciliatio et paenitentia 17: AAS 77 (1985): 222; Veritatis splendor, 65-70: AAS 85 (1993): 1185-89 (DH 4964-67).

8).

AL 301: „[…] Daher ist es nicht mehr möglich zu behaupten, dass alle, die in irgendeiner sogenannten „irregulären“ Situation leben, sich in einem Zustand der Todsünde befinden und die heiligmachende Gnade verloren haben. Die Einschränkungen haben nicht nur mit einer eventuellen Unkenntnis der Norm zu tun. Ein Mensch kann, obwohl er die Norm genau kennt, große Schwierigkeiten haben » im Verstehen der Werte, um die es in der sittlichen Norm geht «,[339] oder er kann sich in einer konkreten Lage befinden, die ihm nicht erlaubt, anders zu handeln und andere Entscheidungen zu treffen, ohne eine neue Schuld auf sich zu laden.“

Wenn es in diesem Sinne verstanden wird, dass eine Person mit voller Kenntnis des göttlichen Gesetzes sündigen kann, indem sie wählt, dieses Gesetz zu befolgen:

[dann verdient diese Aussage die Zensur]

i). Haeretica, sacrae Scripturae contraria.

ii). Prava, perversa.

Ps18/19,8: „Die Lehre des Herrn ist ein sicherer Führer, geleitet die Seele […]“

Siehe auch: Ecclesiasticus/Sirach 15,21; Konzil von Trient, Sitzung 6, Kanones 20; Clemens XI, Konstitution Unigenitus, Über die Irrtümer von Pasquier Quesnel, 71 (DH 2471); Leo XIII, Libertas praestantissimum, ASS 20 (1887-88): 598 (DH 3248); Johnannes Paul II, Veritatis splendor, 40: AAS 85 (1993): 1165 (DH 4953).

 

Brief der 45 – Amoris Laetitia eine theologische Kritik (3) Zensuren: Häretische Sätze (i).


ZURBARÁN, Francisco de (Fuente de Cantos

Theologische  Zensuren der Sätze der Apostolischen Exhortation Amoris laetitia entnommen

 

A). Häretische Sätze

1).

AL 83; „[…] die Kirche […] lehnt [auch] nachdrücklich die Todesstrafe ab.“

Wenn es in diesem Sinne verstanden wird, dass es bedeutet, dass die Todesstrafe immer und überall ungerecht in sich selbst ist und daher nicht rechtmäßig von Staat verhängt werden kann:

[dann verdient diese Aussage die Zensur]

i). Haeretica, sacrae Scripturae contraria.

ii). Perniciosa.

Gen 9,6: „Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll auch durch Menschen vergossen werden. Denn nach Gottes Bild hat Gott den Menschen geschaffen.“ (Alle Bibelstellen: Henne/Rösch).[1]

Siehe auch Lev 20,1; Dtn 13,10-11; Mt 15,4; Mk 7,10; Joh19,11; Röm 13,4; Hebr 10,28; Innozenz I, Brief an Exsuperius, PL [Patrologia Latina] 120: 499A-B; Innozenz III, Glaubensbekenntnis für die Waldenser, DH [Denzinger-Hünermann][2] 7954; Pius V, Katechismus des Tridentinischen Konzils, Kommentar zum Fünften Gebot; Papst Pius XII, Ansprache zum ersten Kongress für Histopathologie des Nervensystems, AAS [Acta Apostolicae Sedis] 44 (1952): 787; Johannes Paul II, Katechismus der Katholischen Kirche, 2267.

2).

AL 156; „Es ist wichtig, in der Zurückweisung jeglicher Form von sexueller Unterwerfung eindeutig zu sein.“

 Wenn es nicht nur als Verneinung verstanden wird, dass eine Ehefrau ihrem Ehemann sklavischen Gehorsam schuldet oder dass der Ehemann Autorität über seine Ehefrau eine Autorität hat, die der elterlichen Autorität gleicht, wenn aber gleicherweise verneint wird, dass der Ehemann irgendeine Form der Autorität über seine Ehefrau hat oder wenn es verneint, dass die Ehefrau irgendeine Pflicht hat, den legitimen Befehlen ihres Ehemannes zu folgen, kraft seiner Autorität als Ehemann:

 [dann verdient diese Aussage die Zensur]

i). Haeretica, sacrae Scripturae contraria.

ii). Prava, perniciosa.

Eph 5,24: „Wie die Kirche Christus untertan ist, so  seien es auch die Frauen ihren Männern in allem.”

Siehe auch: 1 Kor 11,3; Kol 3,18; Tit 2,3-5; 1 Petr 3,1-5; Pius V, Katechismus des Tridentinischen Konzils, Kommentar zum Sakrament der Ehe; Leo XIII, Arcanum, ASS 12 (1879): 389; Pius XI, Casti connubii, AAS 22 (1930): 549 (DH 3708-09); Johannes XXIII, Ad Petri cathedram, AAS 51 (1959): 509-10. 3).

3.)

AL 159; „ Der heilige Paulus empfahl sie [die Jungfräulichkeit], weil er die baldige Wiederkunft Jesu Christi erwartete und wollte, dass alle sich nur auf die Verkündigung des Evangeliums konzentrierten: „Die Zeit ist kurz.“ (1 Kor 7,29). … Vielmehr als absolut über die Überlegenheit der Jungfräulichkeit zu sprechen, sollte es genügen herauszustellen, dass die verschiedenen Lebensstände einander ergänzen, und daraus folgend, dass manche in einer Weise vollkommener sein können, andere in anderer [Weise].

Wenn es in diesem Sinne verstanden wird, dass man verneint, dass der jungfräuliche Stand des Christus geweihten Lebens an sich selbst betrachtet der Ehe überlegen ist:

 [dann verdient diese Aussage die Zensur]

i). Haeretica, sacrae Scripturae contraria.

ii). Perniciosa, suspensiva gravis resolutionis.

Konzil von Trient, 24. Sitzung,  Kanon 10:

„Wer sagt, der Ehestand sei dem Stand der Jungfräulichkeit oder des Zölibates vorzuziehen, und es sei nicht besser und seliger, in der Jungfräulichkeit und dem Zölibat zu bleiben, als sich in der Ehe zu verbinden: der sei mit dem Anathema belegt“. (DH 1810).

Siehe auch: Mt 19, 12; 21. 1 Kor 7,7-8; 38. 2 Thess 2,1-2; Apoc. 14,4; Konzil von Florenz, Dekret für die Jakobiter, DH 1353; Pius X, Antwort der Bibelkommission, DH 3629; Pius XII Sacra virginitas, AAS 46 (1954): 174; Vatikanum II, Dekret Optatam totius, 10.

4).

AL 295: „Auf dieser Linie schlug der heilige Johannes Paul II. das sogenannte ‚Gesetz der Gradualität‘ vor, denn er wusste: Der Mensch ‚kennt, liebt und vollbringt […] das sittlich Gute […] in einem stufenweisen Wachsen‘.[323] Es ist keine ‚Gradualität des Gesetzes‘, sondern eine Gradualität in der angemessenen Ausübung freier Handlungen von Menschen, die nicht in der Lage sind, die objektiven Anforderungen des Gesetzes zu verstehen, zu schätzen oder ganz zu erfüllen. Denn das Gesetz ist auch ein Geschenk Gottes, das den Weg anzeigt, ein Geschenk für alle ohne Ausnahme, das man mit der Kraft der Gnade leben kann, auch wenn jeder Mensch ‚von Stufe zu Stufe entsprechend der fortschreitenden Hereinnahme der Gaben Gottes und der Forderungen seiner unwiderruflichen und absoluten Liebe in das gesamte persönliche und soziale Leben «[324] voranschreitet.’“

AL 301: „[…] Daher ist es nicht mehr möglich zu behaupten, dass alle, die in irgendeiner sogenannten „irregulären“ Situation leben, sich in einem Zustand der Todsünde befinden und die heiligmachende Gnade verloren haben. Die Einschränkungen haben nicht nur mit einer eventuellen Unkenntnis der Norm zu tun. Ein Mensch kann, obwohl er die Norm genau kennt, große Schwierigkeiten haben » im Verstehen der Werte, um die es in der sittlichen Norm geht «,[339] oder er kann sich in einer konkreten Lage befinden, die ihm nicht erlaubt, anders zu handeln und andere Entscheidungen zu treffen, ohne eine neue Schuld auf sich zu laden.“

Wenn es in diesem Sinne verstanden wird, dass eine gerechtfertigte Person mit Gottes Hilfe nicht die Kraft hat, die objektiven Anforderungen des göttlichen Gesetzes auszuführen, als ob irgendeines der Gebote Gottes für den Gerechtfertigten unmöglich sei; oder, wenn es dahingehend verstanden wird, dass Gottes Gnade, wenn sie in einem Individuum Rechtfertigung erzeugt, nicht unveränderlich und aus ihrer Natur heraus Abwendung von aller schweren Sünde erzeugt, oder [diese Gnade] nicht ausreichend ist, um sich von aller schweren Sünde abzuwenden:

 [dann verdient diese Aussage die Zensur]

i). Haeretica, sacrae Scripturae contraria.

ii). Impia, blasphema.

Konzil von Trient, 6.  Sitzung, Kanon 18:

„Wer sagt, die Gebote Gottes seien auch für einen gerechtfertigten und unter Gnade stehenden Menschen unmöglich zu beobachten: der sei mit dem Anathema belegt“. (DH 1568).

Siehe auch: Gen 4,7; Dtn 30,11-19; Ecclesiasticus/Sir 15,11-20; Mk 8,38; Lk 9,26; Hebr 10,26-29; 1 Joh 5,17; Zosimus, 15-te (oder 16-te) Synode von Karthago, Kanon 3 über die Gnade, DH 225; Felix III, 2. Synode von Orange, DH 397; Konzil von Trient, Sitzung 5, Kanon 5; Sitzung 6, Kanones 18-20, 22, 27 und 29; Pius V, Bulle Ex omnibus afflictionibus, Über die Irrtümer von Michael du Bay [Bajus], 54, (DH 1954); Innozenz X, Konstitution Cum occasione, Über die Irrtümer von Kornelius Jansen, 1 (DH 2001); Clemens XI, Konstitution Unigenitus, Über die Irrtümer von Pasquier Quesnel, 71 (DH 2471); Johannes Paul II, Apostolische Exhortation Reconciliatio et paenitentia 17: AAS 77 (1985): 222; Veritatis splendor 65-70: AAS 85 (1993): 1185-89 (DH 4964-67).

[1]           Nach der Vulgata.

[2]           Denzinger-Hünermann – 43 Ausgabe.

Brief der 45 – Amoris Laetitia eine theologische Kritik (2). Die Gefahren von AL.


ZURBARÁN, Francisco de (Fuente de Cantos

 

Die Gefahren von Amoris laetitia

Die folgende Analyse negiert nicht den persönlichen Glauben von Papst Franziskus und stellt ihn auch nicht in Frage. Es ist nicht gerechtfertigt oder rechtmäßig, den Glauben irgendeines Autors auf der Grundlage eines einzigen Textes zu negieren, und dies ist besonders der Fall des Papstes im Fall. Es gibt weitere Gründe, warum der Text von Amoris laetitia nicht als ausreichender Grund verwendet werden kann zu behaupten, dass der Papst in Häresie gefallen sei. Das Dokument ist außerordentlich lang, und es ist wahrscheinlich, dass ein Großteil seines Originaltextes von einem Autor oder Autoren produziert wurde, die nicht Papst Franziskus sind, wie es bei den päpstlichen Dokumenten normal ist. Diese Stellungnahmen in [Amoris laetitia], die anscheinend dem Glauben widersprechen, könnten vielmehr ganz einfach auf einem Fehler von Papst Franziskus zurückzuführen werden als auf eine freiwillige Zurückweisung des Glaubens.

Was das Dokument selbst betrifft, so gibt es jedoch keinen Zweifel darüber, dass es eine ernsthafte Gefährdung für den katholischen Glauben und die katholische Moral darstellt. Es enthält viele Stellungnahmen, deren Unklarheit oder Zweideutigkeit Interpretationen erlauben, die gegen den Glauben oder die Moral sind, oder die einen Behauptung andeuten, die gegen den Glauben und die Moral ist, ohne dass sie es ausdrücklich festzustellen. Das Dokument enthält auch Stellungnahmen, deren natürliche Bedeutung Glauben und Moral entgegengesetzt scheinen.

Diese Aussagen, welche in Amoris laetitia gemacht werden, werden nicht mit wissenschaftlicher Genauigkeit ausgedrückt. Das kann vorteilhaft sein für die sehr kleine Anzahl von Katholiken, die eine wissenschaftliche Ausbildung in Theologie haben, weil diese Katholiken in der Lage sind zu unterscheiden, dass die Sätzen von Amoris laetitia nicht ihre religiöse Unterwerfung von Geist und Wille fordern oder gar eine respektvolles Stillschweigen in Bezug auf sie. Eine akkurate Formulierung und ordnungsgemäße gesetzliche Form sind notwendig, um eine lehramtliche Sätze auf diese Art und Weise bindend zu machen, und diese fehlen größtenteils in dem Dokument. Es ist jedoch schädlich für die überwiegende Mehrzahl der Katholiken, die keine theologische Ausbildung haben und die nicht ausreichend über die Katholische Lehre zu den Themen informiert sind, welche die apostolische Exhortation bespricht. Der Mangel an Präzision in den Sätzen des Dokuments macht es leicht, sie als den wahren Lehren der katholischen Kirche und der göttlichen Offenbarung widersprechend zu interpretieren und diese [ursprünglich katholische] Lehren in gerechtfertigter und gebotener Weise [mit Berufung auf Amoris Laetitia] von Katholiken in Theorie und Praxis zu verwerfen. Einige Kardinäle, Bischöfe und Priester, die ihre Pflicht Jesus Christus und der Sorge der Seelen gegenüber verraten, bieten Interpretationen dieser Art bereits an.

Das Problem mit Amoris laetitia besteht nicht darin, dass es rechtmäßig bindende Regeln auferlegt hätte, welche intrinsisch  ungerecht wären oder autoritativ bindende Lehren, welche falsch sind, lehren würde. Das Dokument hat nicht die Autorität, ungerechte Gesetzte zu promulgieren oder Zustimmung zu falschen Lehren zu fordern, denn der Papst hat nicht die Macht, diese Dinge zu tun. Das Problem mit dem Dokument besteht darin, dass es Katholiken dazu verführen kann zu glauben, was falsch ist und das zu tun, was durch göttliches Recht verboten ist. Das Dokument ist in Begriffen formuliert, die entweder kirchenrechtlich oder theologisch nicht exakt sind, aber dies spielt keine Rolle für die Beurteilung seines Inhalts, denn auch die präziseste Formulierung kann Dekreten, die dem Göttlichen Gesetz und göttlicher Offenbarung widersprechen, keinen gesetzlichen und doktrinellen Status [was die wahre Doktrin der Kirchen anbelangt] geben. Was an dem Dokument wichtig ist, ist der schädigende Auswirkung, den es auf den Glauben und das moralische Leben der Katholiken haben kann. Der Charakter dieser Auswirkung wird bestimmt werden durch die Bedeutung, welche die meisten Katholiken ihm zumessen werden, nicht durch seine [eigentliche] Bedeutung, wenn das Dokument durch präzise theologische Kriterien beurteilt wird, und es ist diese Bedeutung, die hier angesprochen wird. Die Sätze von Amoris laetitia, welche eine [kirchliche] Zensur erfordern, müssen folglich in diesem Sinn verurteilt werden, in welchen der durchschnittliche Leser dazu neigt ist Amoris Laetitia zu geben. Der durchschnittliche Leser wird hier als jemand verstanden, der nicht versucht, die Worte des Dokumentes in irgend eine Richtung zu verdrehen, sondern derjenige, welcher den natürlichen oder den unmittelbaren Eindruck der Wortbedeutung als korrekt ansieht.

Es wurde festgestellt, dass manchen der monierten Sätze anderswo im Dokument widersprochen wird, und dass Amoris laetitia viele wertvolle Lehren enthält. Einige der Passagen von Amoris laetitia leisten einen wichtigen Beitrag zur Verteidigung und Lehre des Glaubens. Die Kritik, die hier an Amoris laetitia geboten wird, erlaubt diesen wertvollen Elementen, ihre wahre Wirkung zu zeigen, indem man sie von den problematischen Elementen im Dokument unterscheidet und die Bedrohung, welche von diesen ausgeht, neutralisiert. Um der theologischen Klarheit und Gerechtigkeit willen wird diese Kritik der schädlichen Teile von Amoris laetitia die Form einer theologischen Zensur der einzelnen defizitären Passagen annehmen. Diese Zensuren werden in diesem Sinne verstanden, wie er traditionell in der Kirche verstanden wird werden[1] und sie werden auf die Passagen prout iacent, also wie sie vorliegen, angewendet. Die zensurierten Sätze sind so zerstörend, dass eine komplette Aufstellung der zu zensurierten Punkte nicht angestrebt wird. Die meisten, wenn nicht alle, fallen unter die Zensur aequivoca, ambigua, obscura, praesumptuosa, anxia, dubia, captiosa, male sonans, piarum aurium offensiva, ebenso wie jene, die wir aufzählen werden.

Die Zensuren listen auf

  1. Zensuren, die im Zusammenhang mit dem Inhalt der zu zensurierenden Sätzen stehen und
  2. Zensuren, die im Zusammenhang mit zerstörerischer Auswirkung der zu zensurierenden Sätzen stehen.

Die Zensuren sind nicht als eine ausführliche Liste der Irrtümer von Amoris laetitia gedacht, welche nach einer Lektüre dieser Schrift plausibel erscheinen; sie versucht, die schlimmsten Bedrohungen des katholischen Glaubens und der Moral in diesem Dokument auszumachen. Die zensurierten Sätze sind aufgeteilt in jene, die häretisch sind und jene, die unter eine geringere Zensur fallen. Häretische Sätzen, zensuriert als ‘haeretica’, sind jene, die Sätzen widersprechen, die in der göttlichen Offenbarung enthalten sind und mit einem feierlichen Urteil als von Gott offenbarte Wahrheiten definiert werden, entweder durch den Papst, wenn er ‚ex cathedra‘ spricht, oder durch das Bischofskollegium, das sich im Konzil versammelt, oder es handelt sich um Unfehlbarkeit, wie sie durch das ordentliche und universelle Lehramt zum Glauben vorgelegt wird. Jene Sätze, die unter eine geringere Zensur als Häresie fallen, wurden als solche beigefügt, da sie eine besonders schwerwiegende Gefahr für Glauben und Moral darstellen.

Die Zensuren dieser Sätzen sind keine Zensuren von administrativer, legislativer oder lehrmäßiger Handlungen des Papstes, da die zensurierten Sätzen [von AL] solche Handlungen nicht begründen und sie auch nicht begründen können. Die Zensuren sind das Subjekt einer kindlichen Anfrage an den Papst, das ihn bittet, definitiv und abschließend rechtlich und lehramtlich zu handeln, indem er die zensurierten Sätze verurteilt.

Schließlich behalten sich einige der Theologen, welche Unterzeichner dieses Briefes sind, das Recht vor, geringe Anpassungen einiger an die Kritiken angefügten Sätzen zu machen: ihre Unterschriften sollen dazu dienen, ihren Glauben anzuzeigen, dass alle diese Sätzen zensuriert werden sollten, und eine allgemeine Zustimmung [aller Unterzeichner des Briefes der 45] mit den hier  vorgestellten Zensuren wird übereinstimmend angenommen.

[1]             See H. Quilliet, ‘Censures doctrinales’, DTC II, 2101-2113, and the Sacred Congregation for the Doctrine of the Faith, ‘Doctrinal commentary on the concluding formula of the Professio fidei’, June 29th, 1998.

Unsere Erklärung zum Brief der 45. (2) Gesunden Menschenverstand ausschalten?


Champagne Gebet

Das Fragment des Briefes der 45 über die Gefahren von Amoris Laetitia enthält eine wertvolle Passage, welche man sowohl auf die Konzilsdokumente als solche als auch auf die gesamte nachkonziliare Theologie anwenden kann. Wenn Sie einem normalen Menschen, der mit einem gesunden Menschenverstand ausgestattet ist, eine vorkonziliare Dogmatik, Enzyklika oder ein anderes lehramtliches oder theologisches Schreiben vorlegen, so wird er zwar nicht alles verstehen, aber eine innere Logik dahinter feststellen und wenn es ein Mathematiker, Logiker oder Jurist ist, so wird er das logisch-juristische Machwerk oder das Know how dahinter zu schätzen wissen. Klar, kommunikativ, deutlich. So gut hatte es die Menschheit bis zum Jahre 1962 als die ersten Vat. II Dokumente herauskamen. Der Schreiber dieser Zeilen hatte schon in seiner Jugend die Widersprüchlichkeit und ihre Mehrdeutigkeit beklagt, bekam aber zu hören, dass er:

  1. zu dumm,
  2. bösartig,
  3. theologisch ungebildet sei.

Er hatte das mit 15 oder 16 tatsächlich geglaubt, obwohl es bis auf 3. nicht stimmte. Aber diesselbe Argumente hörte er während seines Theologiestudiums und bei der Erwerbung der späteren akademischen Grade. Es war wirklich wie im Märchen von des Kaisers neuen Kleider:

„Nein, der Kaiser ist nicht nackt. Denn nur die guten Beamten und die intelligenten Menschen können sie sehen. Wenn ihr sie nicht seht, dann seid ihr weder das Eine noch das Andere.“

Der Schreiber dieser Zeilen, der doch demütiger ist als man es vielleicht vermuten könnte, glaubte wirklich viele jahrzehntelang, dass er nicht ausreichend intelligent oder gebildet sei, um Sinn im nachkonziliaren theologischen Magma oder Tohuwabohu zu erkennen. Er sagte sich:

„Da muss doch was dahinter stecken. Es ist nur vielleicht äußerlich so chaotisch?“

Nein, liebe Leserinnen und Leser, es steckt wirklich nichts dahinter. Nur Unglauben und Chaos. Aber diese Argumente bekommen wir ja ständig seit 1962 vorgesetzt, denn es, d.h. die Konzils-und Nachkonzilslehre, macht Sinn, aber

  • nur für mündige Christen,
  • richtig theologisch Gebildete,
  • Dialogbereite,
  • in allen Wojtyla/Ratzinger-Schriften Belesene

kurz und gut für jene, die ein geheimes Zusatzwissen haben, wohl ein gnostisches, und wissen wie es geht. Hä…hä…

Es stimmt leider nicht, dahinter steckt nur Atheismus, Agnostizismus, Unglaube, Satanismus, Sodomie, andere sexuelle Perversionen, Kirchensteuerwanst von Leuten, die Gott und seine Kirche hassen und uns seit 1962 permanent mit diesen Argumenten einen Bären aufbinden. Leider scheinen die 45 Theologen diesem Duktus zu folgen, wenn Sie schreiben:

„Diese Aussagen, welche in Amoris laetitia gemacht werden, werden nicht mit wissenschaftlicher Genauigkeit ausgedrückt. Das kann vorteilhaft sein für die sehr kleine Anzahl von Katholiken, die eine wissenschaftliche Ausbildung in Theologie haben, weil diese Katholiken in der Lage sind zu unterscheiden, dass die Aussagen von Amoris laetitia nicht ihre religiöse Unterwerfung von Geist und Wille fordern oder gar eine respektvolles Stillschweigen in Bezug auf sie. Eine akkurate Formulierung und ordnungsgemäße gesetzliche Form sind notwendig, um eine lehramtliche Aussage auf diese Art und Weise bindend zu machen, und diese fehlen größtenteils in dem Dokument. Es ist jedoch schädlich für die überwiegende Mehrzahl der Katholiken, die keine theologische Ausbildung haben und die nicht ausreichend über die Katholische Lehre zu den Themen informiert sind, welche die apostolische Exhortation bespricht.“

Natürlich ist diese Passage auch diplomatisch zu verstehen, ad captandam benevolentiam (um jemandes Wohlwollen zu erlangen) sozusagen, aber auch Hochgebildete und in Theologie Bewanderte können in AL nichts Katholisches entdecken oder gerade sie. Aber gerade AL treibt das Nachkonziliare

„Wir wissen etwas, was ihr nicht wisst, weil ihr zu dumm seid“

auf die Spitze, denn kein Mensch kann mit Sicherheit sagen, worum es eigentlich in diesem Dokument geht, außer darum durch eine Fußnote das Naturrecht zu verwerfen.

Weil leider seit dem Konzil niemand eigentlich weiß, wie die kirchlichen Dokumente gelesen werden müssen, da man eine Hermeneutik zur einer Hermeneutik braucht, so geben die Autoren des Briefes der 45 an:

„Die Sätze von Amoris laetitia, welche eine [kirchliche] Zensur erfordern, müssen folglich in diesem Sinn verurteilt werden, in welchen der durchschnittliche Leser dazu neigt ist Amoris Laetitia zu geben. Der durchschnittliche Leser wird hier als jemand verstanden, der nicht versucht, die Worte des Dokumentes in irgend eine Richtung zu verdrehen, sondern derjenige, welcher den natürlichen oder den unmittelbaren Eindruck der Wortbedeutung als korrekt ansieht.“

Sicherlich wird man die Autoren mit der Aussage konfrontieren:

„Das steht dort gar nicht drin. Ich habe es ganz anders verstanden“,

was wir ungefähr seit 50 Jahren bei jeder Gelegenheit zu hören bekommen, aber welche Bedeutung soll man denn einem Text zugestehen, der mit Absicht mehrdeutig und verschleiert formuliert wurde.

Die Autoren wählen also Zensuren, wie sie traditionell in der Kirche verstanden wurden und welche auch wir hier dargelegt haben.

„[…] sie werden auf die Passagen prout iacent, also wie sie vorliegen, angewendet.“

Dies bedeutet, dass man den unmittelbaren Wortsinn wählt, ohne eine unterschwellige Hermeneutik oder doppelten Boden.

Natürlich kann man sich die Frage stellen, wer es wagen kann den Papst selbst zu zensurieren? Tja, diejenigen, die sich auskennen und noch katholisch sind. Aber die vorgelegten Zensuren beziehen sich ausschließlich auf Amoris Laetitia und nicht auf alle Amtshandlungen des Papstes Franziskus.

„Die Zensuren dieser Sätzen sind keine Zensuren von administrativer, legislativer oder lehrmäßiger Handlungen des Papstes, da die zensurierten Sätzen [von AL] solche Handlungen nicht begründen und sie auch nicht begründen können. Die Zensuren sind das Subjekt einer kindlichen Anfrage an den Papst, das ihn bittet, definitiv und abschließend rechtlich und lehramtlich zu handeln, indem er die zensurierten Sätze verurteilt.“

 Leider wird Papst Franziskus die zensurierten Sätze nicht verurteilen, da er sie ja selbst verfasst hat. Aber solch eine Bitte muss schon vorkommen, sonst wäre dieser Appell ganz sinnlos. Man schreibt ja an Kardinäle, damit sie den Papst beeinflussen. Die Kardinäle taten aber nichts, tun nichts und haben anscheinend auch nicht vor etwas zu tun.