I Millenari, Kap. VII. Das Dikasterium, wo die Bischöfe geformt werden (4) Mitren ohne Köpfe (iii). Klüngel und Intrigen


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Hier die weiteren Zeilen des Kapitels, die sich auf den Seiten 100-103 befinden, über die Hintergründe der Bischofsernennungen.

Von einem Telefongespräch zwischen zwei Bischöfen im Vorfeld einer Konferenz ist folgendes überliefert: „Exzellenz, erinnert Ihr Euch, dass ihr mich letztes Mal darum batet, Euren Kandidaten bei der Wahl zu unterstützen? Ich möchte Euch ersuchen, dasselbe für meinen Sekretär zu tun, ein ausgezeichneter Mann, der sich bestens für das Bischofsamt eignet. Seit ungefähr 15 Jahren dient er mir auch als Chauffeur, und ich kann auf seinen unermüdlichen Einsatz im Dienst der Kirche [als deren Vertreter sich der Bischof verstand, Anm. der italienischen Redaktion] völlig vertrauen (…) Ihr versteht doch, Exzellenz, dass solche Priester für ihre Hingabe belohnt werden sollten. Stellt euch nur vor, ich hätte mich die ganze lange Zeit eines Laien bedienen müssen. Welche Kosten dadurch dem Bistum entstanden wären“. Jeder Dienst hat seinen Preis!

Die Jagd nach den Stimmen ist bereits in vollem Gange lange bevor die Bischöfe am Ort der Bischofskonferenz zusammenkommen, um alles auf den Favoriten zu setzen. Wenn er nicht in Erwartung einer anderen, erfolgversprechenderen Gelegenheit aufgespart wird. So kommt es dazu, dass manche Bischofskonferenzen auf merkwürdige Weise vorhersehbar und oberflächlich anmuten. Noch drängender und einengender sind die Intrigen gewisser Kirchenmänner, die bereit sind, ihre Seelen zu verkaufen, um neben der Kurie des eigenen Ordens oder der Provinz auch alle erdenklichen Helfer verschiedenster Gruppen auf ihrer Seite zu haben, ganz gleich ob legal oder illegal, ethisch vertretbar oder nicht. Mancher Gläubige stürzt sich kopfüber ins Wagnis in dem Bewusstsein, ohnehin nichts mehr verlieren zu können.

Und deswegen sind all diese Verlautbarungen so langweilig und bei der ganzen Bürokratie kommt nichts dabei raus.

Jegliche Information wird geschickt gesteuert, bis man die Helfershelfer so weit gebracht hat, genau das zu sagen, was den eigenen Zielen förderlich ist. Aus diesen Aussagen filtert man genau die Details heraus, die genügen, um den Kandidaten zu unterstützen oder zu Fall zu bringen. So wird ein Cocktail aus Halbwahrheiten und Beinah-Lügen gemixt, der den weniger Begabten nützt, die brillanten Geister und großen Persönlichkeiten aber von der Spitze verdrängt.

Keine noch so ernsthafte Untersuchung hätte hier eine Chance, all die Diffamierungen und Lügen aufzudecken, sei es nun zu Gunsten oder zu Ungunsten des Kandidaten. Es gibt mittlerweile nur noch wenige, die frei von jeder Parteilichkeit und hundertprozentig vertrauenswürdig sind. Die Informationen über die Bischofsanwärter sind von den Experten lange vorgekocht, und ihre Berichte werden den übrigen Mitgliedern der Kongregation oder Bischofskonferenz lediglich vorgetragen, damit diese ergeben Notiz davon nehmen können.

Welcher Wert ist solchen Wahlgängen noch beizumessen? Worin liegt ihre Glaubwürdigkeit und Legitimation? Sind sich die Teilnehmer der Verantwortung, die sie tragen, voll bewusst? Wichtige Fragen, die nach einer klaren und autoritären Antwort verlangen, die der Tragweite des Problems angemessen ist. Kardinal Ratzinger zufolge kann die Wahrheit nur gesucht, nicht aber mittels einer Wahl hervorgebracht werden. Dies würde bedeuten, die Macht der Wahrheit durch die Wahrheit der Macht zu ersetzen. Die Einstimmigkeit der Wahl kann die Wahrheit weder herstellen noch kann sie an ihre Stelle treten, sie ist lediglich als richtungsweisend zu verstehen. Ist man sich hierüber einig, folgt daraus, dass eine Bischofskonferenz nicht per Abstimmungswahrheit dekretieren kann, so als würde durch ihr Urteil das Unwahrscheinliche konkret und wahrscheinlich.

Auf einer Bischofskonferenz mag es viele Gründe geben, die die Mehrheit dazu bewegt, sich nach den Wünschen einzelner zielstrebiger Mitglieder zu richten: das Gefühl der Gruppenzugehörigkeit, vielleicht auch der Wunsch nach einem ruhigen Leben oder einfach der Hang zur Konformität. Die amorphe Masse bewegt sich in vorgeblicher Einstimmigkeit, wie es von ihr verlangt wird, mit einem verzweifelten Ausdruck, als wolle sie sagen: Wir glauben nicht an das, was wir wählen, aber wir treffen unsere Wahl nach dem, was ihr wenigen euch erhofft. Man kann sicher sein, dass es dieser trägen Mehrheit niemals einfallen wird, selbst auf die Seite der Drahtzieher überzuwechseln, wo sie sich ja die Mächtigen des Clans zu Feinden machen könnte – auch wenn diese sich in der Minderheit befinden!

Ratzinger sagt weiter über diese verschwiegene Komplizenschaft: „Ich kenne Bischöfe, die privat zugeben, dass sie ganz anders entschieden hätten als in der Konferenz, wenn es nach ihnen eingegangen wäre. Indem sie die Regeln der Gruppe anerkennen, riskieren Sie nicht, als ‚Spielverderber‘ ‚zurückgeblieben‘ oder ‚intolerant‘ dazustehen (…). Auf den ersten Blick scheint es sehr schön, was immer alles gemeinsam entschieden wird. Doch wie oft hat dieses ‚gemeinsam‘ schon den Geist des Aufbruchs und der Erneuerung des Evangeliums erstickt, die ein Bischof heute mehr denn je braucht, um in aller Verantwortlichkeit gegenüber der Kirche und der Gemeinschaft der Gläubigen die schwierigen dringenden Aufgaben unserer krisengeschüttelten Zeit zu lösen.“

Ja, Ratzinger als Papst mit all seiner Kurienerfahrung hätte das doch irgendwie drehen können. Aber er ist zurückgetreten, davongelaufen, um für Bergoglio Platz zu schaffen. Eine schwere Schuld. Es ist nur natürlich, dass viele deutschsprachige Katholiken eine emotionale Bindung an Papst Benedikt verspüren, wie die meisten Polen an Johannes Paul II. Aber Emotionen trüben den Verstand und mindern das Urteil. Was hätte den schlimmstenfalls Papst Benedikt XVI passieren können? Er wäre vielleicht umgebracht worden, falls diese Attentatsgerüchte wahr sind.[1] Na und? Ist denn der Papst nicht im Gnadenstand, um jederzeit sterben zu können? War es nicht seine Pflicht bis zum Ende auszuharren oder den Märtyrerpäpsten zu folgen? Trägt ein Kardinal nicht deswegen Purpur, um sein Blut für Christus zu vergießen? Gibt es keinen Gott und keine göttliche Vorsehung, die über allem wacht? Hatte denn Benedikt XVI kein Vertrauen in seine Standesgnade und die göttliche Hilfe? Und was haben wir jetzt: Einen Rentnerpapst, der mit seinem Sekretär mit dem er auch frühstückt[2] ab und zu „Kommissar Rex“[3] schaut. Einfach peinlich. Verbürgerlichung des Papsttums. Wer soll denn noch kämpfen oder auf seinem Posten ausharren, wenn der Oberbefehlshaber desertiert? Wir haben dafür kein Verständnis!

Oft auch konnte man beobachten, dass Bischöfe ihre Schützlinge schon sehr früh nach Rom auf eine päpstliche Universität schicken, damit sie so mit besseren Voraussetzungen und einigen persönlichen Pluspunkten zu gegebener Zeit ins Rennen gehen können. Marc Twain traf mit seinen Worten genau das Schwarze als er schrieb: „Der Blumenkohl ist auch nichts anderes als der Wirsing, der in Harvard studiert hat.“ Immer wieder kann man beobachten, wie auf Bischofskonferenzen wahren Hohlkörpern die Mitra aufgesetzt wird, aufgrund von „geheimen“ Wahlen, die vorher am Tisch, im Büro oder am Telefon abgesprochen wurden.

[1] http://www.katholisches.info/2013/10/28/prophezeiungen-zweier-kardinaele-der-tod-benedikts-xvi-und-die-wahl-von-franziskus/ http://www.welt.de/politik/ausland/article140025089/Terrornetzwerk-plante-Attentat-auf-Papst-Benedikt.html

[2] http://www.mittelbayerische.de/region/regensburg-stadt-nachrichten/gaenswein-hatte-paepstlichen-auftrag-21179-art1007575.html

[3] http://www.katholisches.info/2014/02/28/die-demontage-eines-pontifikats-gaenswein-benedikt-xvi-schaut-kommissar-rex/

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I Millenari, Kap. VII. Das Dikasterium, wo die Bischöfe geformt werden (3) Mitren ohne Köpfe (ii). Bischofsernennung als Gefälligkeitsdienst


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Wir veröffentlichen die weiteren Teile des Buches der Millenari mit eigenem Kommentar.

Die Weitsicht der Bischofskongregation machte es vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil möglich, über alle Parteien hinweg eigenständige Persönlichkeit mit qualifizierter Sachkenntnis für die verschiedenen Arbeitsbereiche im Schoß der Kirche zu finden. Hervorragende Köpfe, die ihrer Aufgabe voll und ganz gewachsen waren, wurden mit der Leitung der Diözesen und der Kurie betraut. Man denke nur an die vielen edlen und heiligen Personen des italienischen Episkopats Ende des vergangenen und Anfang unseres Jahrhunderts, von denen viele seliggesprochenen wurden und bis heute in Ehren gehalten werden.

Ja, dieser Einbruch der Qualität der Kirchenmänner ist mehr als deutlich festzustellen, siehe unsere Kurzbeiträge über Kard. Merry del Val[1] oder Kard. Steinhuber.[2] Es gab wirklich vor dem Konzil ein System die Besten, statt die Schlechtesten durchzusieben.

In den letzten Jahren war eine gegenläufige Tendenz festzustellen. So fordern denn beispielsweise die französischen Bischöfe schon 1984 mit dem treffenden Neologismus recentage, Rezentralisierung, dazu auf, sich wie früher auf die zentrale Lage Roms sowie des Bischofs und seine Diözese zu besinnen. Zurzeit jedoch verengt sich das Blickfeld wieder egoistisch auf die einzelnen Gebiete. Jede Bischofskonferenz – in Italien, Spanien, Frankreich und Lateinamerika sogar die regionalen -propagiert ihre eigenen Interessen und setzt sich fast ausschließlich für ihre eigenen Lieblinge ein.

Die Franzosen haben einen deutlicheren Blick, da bei ihnen, mangels der Kirchensteuer, alles viel schneller und sichtbarer als in den deutschsprachigen Ländern zusammenfällt.

Der Großteil der Entscheidungen fällt aus eigennützigen oder karrieristischen Gründen. Wer wüsste etwa nicht, dass der Sekretär, der gleichzeitig Chauffeure des Bischofs ist, bessere Chancen auf die Beförderung zum Bischof hat als andere? Und in der Regel ist es der junge ambitionierte Priester, der sich dem Bischof als Chauffeur, Sekretär und Mädchen für alles anbietet, mit dem Hintergedanken der Vorgesetzte werde sich in Zukunft erkenntlich zeigen und das Opfer sich auf lange Sicht auszahlen.

Obwohl es uns schwer fällt darüber zu schreiben, so handelte es sich bis ungefähr bis Mitte des XX Jahrhunderts in der Literatur, aber woanders auch bei „Chauffeur“, „Sekretär“, „Kammerdiener“, „Gärtner“, „Privatsekretär“ um Kodeworte und Anstellungen für homosexuelle Liebhaber. Der Chauffeur von Marcel Proust war sein Liebhaber, der polnische Schriftsteller Iwaszkiewicz hat auch so junge Männer beschäftigt, Evelyn Waugh beschreibt in seinem Roman „Das Schwert der Ehre“ diese Situation bei der Figur Sir Ralph Brompton. Sind denn alle Bischöfe homosexuell? Wir hoffen nicht, manche aber schon. Manche umgeben sich halt mit Menschen, die sie gerne haben, was nichts Schlimmes ist. Aber das Chauffeur-Dasein scheint auf die Dauer sehr frustrierend für einen Priester zu sein. Wenn das der Preis für die Karriere ist, so ist es besser keine zu machen, denken sich viele.

In der Bischofskonferenz, einer höchst heterogenen und kaum kompromissfähigen Versammlung, wird keiner der anwesenden Bischöfe es wagen, einen Kandidaten anzufechten, aus Angst, mit seiner Meinung allein da zustehen. Die Wahl verkommt zu einem bloßen Formalität: man gibt seine Stimme dem vorher bestimmten Kandidaten, der einen in den meisten Fällen völlig unbekannt ist, um dem vorgeschlagenen Bischof einen Dienst zu erweisen als Gegenleistung für einen früheren Gefallen seinerseits.

Wolfgang Leonhard, der zu den ersten Aktivisten der Ulbricht-Regierung gehörte und in der Sowjetunion in der Komintern seine Ausbildung enthielt, beschreibt in seinem Buch Die Revolution entlässt ihre Kinder, wie man den kommunistischen Aktivisten, die für den Einsatz in den „befreiten Ländern“ gedacht waren, beigebracht hat, so demokratisch gewählte Versammlungen zu steuern oder solche Menschen auszuwählen, die kommunistisch denken, ohne Kommunisten zu sein und wie man die Mehrheit steuern kann, obgleich man sich in der Minderheit befindet. Eine Kollegin von Leonhard, die in anderen Bereichen recht unbegabt war, konnte erstaunlich gut solche Wahlen steuern. Deswegen ist Demokratie nicht das beste System, weil sie so leicht manipulierbar ist und von einer verdeckten Oligarchie, d.h. der Regierung der Wenigen, gesteuert wird, was wirklich überall passiert. Man weiß wirklich nicht, wer regiert und wer die Verantwortung trägt, was wir bei der jetzigen „Flüchtlingskrise“ sehen. Da nachweislich seit den 1930 viele kommunistische Agenten die Kirche infiltriert haben, nicht nur im Osten, so hat man ihnen vielleicht beigebracht, wie man Bischofskonferenzen steuert. Zwei bis drei genügen da, damit die anderen nach ihrer Pfeife tanzen. Wer sind die Macher innerhalb der deutschen Bischofskonferenz: Marx, Koch und Bode, diejenigen, die bei der Synode waren. Aber wahrscheinlich steuert sie jemand anders.

Die Auswahl der Kandidaten erfolgt also quasi auf Vertrauensbasis. Dadurch werden nicht die würdigen, frommen Männer ohne Fehl und Tadel auf die Karriereleiter gesetzt, sondern die erfolg-und machtbesessen. Kaum jemand mit Bildung und klarer Lebensführung wird sich mit seinem Bischof auf solche Händel einlassen, trotz des Wissens, dass er ohne sie wenig oder gar keine Aussicht auf Beförderung hat.

Ja, es stimmt, es findet eine Negativauswahl statt, auf den katholischen Fakultäten natürlich auch. Mittelmaß und höchstens Durchschnitt regiert. Und da sich die Besseren von diesen Kreisen fernhalten, so haben wir das, was wir haben. Die Unterdurchschnittlichen vermehren sich selbst, indem sie die eigenen Kopien befördern. Ein geschlossenes System, wie vor dem Untergang des Kommunismus auch.

Was war aber der Geniestreich der „Erneuerer“ bei dem letzten Konzil, außer natürlich dem Konzil selbst? Die Einführung der Bischofskonferenzen! Warum? Weil sich dieses dubiose und sich aller Verantwortung entziehende Konstrukt zwischen den Ortsbischof und den Papst, seinen eigentlichen Chef, eingeklinkt hat und auf diese Art und Weise jede Kommunikation und Folge stört. Die Einführung der Bischofskonferenzen war von Grund auf subversiv, weil sei dazu dienten schneller und im Gremium die Konzilsbeschlüsse einzuführen beziehungsweise über diese hinauszugehen, wie in Holland und Deutschland (Königsteiner Erklärung).[3] Es gibt einfach wenige Menschen, die sich trauen vor eine Menge zu treten und ihr, verkürzt formuliert, zu sagen: „Ihr seid alle Deppen, ich habe Recht!“. Der Schreiber dieser Zeilen tut es sein Leben lang, er lebt noch und er musste den Preis dafür mehrmals zahlen. Aber manche regen sich dann und sagen einem, ganz im Vertrauen, dass sie ihn unterstützen, bevor sie das Messer von hinten rammen. Aber damit muss man leben, denn es ist ein metaphorisches Messer, noch. Nach der Einführung der Konzilsreformen qua Bischofskonferenzen dienen die Letzteren dazu sich Rom zu widersetzen und jegliche katholischen Impulse, zuletzt unter Benedikt, erfolgreich zu blockieren. Die Deutsche Bischofskonferenz ist ein Meister darin. Aber paradoxerweise können dieselben Bischofskonferenzen dazu dienen die verheerenden franziskanischen „Reformen“ zu blockieren und auszusitzen bis ein katholischer Papst kommt. Wir werden sehen. Zurzeit sind die Bischofskonferenzen ein Selbstzweck und dienen den Bischöfen dazu viel in der Sitzhaltung zu verharren, sich zu versammeln, zu jammern und sich wichtig zu machen. Denn die Erklärungen werden woanders erarbeitet, siehe die letzten zur Aufnahme von Homosexuellen und Ehebrechern in den Kirchendienst. Die Masse stimmt willig ab, so wie die „Macher“ es wollen. In Deutschland dient die DBK auch dazu, aus der Perspektive des „Miteinanders“ der DBK aufmüpfige, also einigermaßen romtreue Bischöfe z.B. Tebartz Van Elst, Mixa ins Abseits zu befördern, sollte jemand wagen sich auf den Katholizismus zu besinnen. Denn es gilt: menschennah, locker, flockig, joggend, Kürbis-Latte-Machiatto-fettarm, viel Weltfrieden, Flüchtlinge und Rettet die Wale. Haben Sie etwas Religiöses in dieser Zusammenstellung bemerkt? Wir auch nicht, denn es ist nichts da.

Wenn ein Bischof sich über das normale Maß hinaus eines untergebenen Priesters bedient, ist es nur natürlich, dass dieser versuchen wird, seinen Vorgesetzten auch für die eigenen vorbedachten Ziele zu gewinnen. Nach zehn-, fünfzehnjährigen Symbiose aus Leistung und Gegenleistung kann der Bischof sich kaum seiner kaum noch ohne angemessene Anerkennung und Entschädigung entledigen. Stellt er sich aber unwissend und ignoriert die Forderung, wird er sehr bald von dem Dienstleister selber daran erinnert werden, zuerst vielleicht in Andeutungen, dann jedoch mit sehr klaren Worten.

Der Schreiber dieser Zeile hat an einer Universität über eine längere Zeit diese wechselseitige Abhängigkeit zwischen zwei Priestern beobachtet. Der Diener hat seinen Gönner nachdem er an die Macht gekommen ist sehr schnell an die Wand gestellt und hat sich als ein minderbemittelter, intriganter Machtmensch herausgestellt, was jedem, außer dem Gönner längst klar war. Bei dem Gönner lag sicherlich eine Homophilie vor, wahrscheinlich aber keine Taten, beim Diener weiß man es nicht, obzwar man munkeln hörte, dass bei diesem auch Taten folgten. Der Letztere ist Gott sei Dank noch kein Bischof geworden, worauf er stark spekulierte. Soviel muss man dieser Ortskirche noch zugutehalten. Also der hier beschriebene Mechanismus ist ein wahrer, obzwar in der Welt der Wissenschaft man ab und zu irgendwelche Nachweise vorlegen muss, was die Bischofsanwärter kaum betrifft. So fungiert man jahrzehntelang als Chauffeur oder Sekretär und hofft auf Belohnung in diesem Leben. Manchmal vergebens.

Einmal wurde ein vergesslicher Kardinalpräfekt, der sich seinen besonderen Sekretär aus dem Ausland geholt hatte, von seinem Schützling aufgefordert, ihm mit seiner Berufung in ein Bischofsamt den langen Dienst zu vergelten. Mag sein, dass der Kardinal dies auch wusste, aber ob der dunklen Vergangenheit seines Dieners gescheitert war. Als der Purpurträger ihm in seiner Not erklärte, dass man bestimmte Ziele lieber nicht anstreben solle, erinnerte ihn der Monsignore in aller Offenheit daran, wie er selbst vor lauter Ungeduld beinahe einem Herzanfall erlegen war, als die lang ersehnte Berufung zum Kardinal auf sich warten ließ. Damals hatte ihm der Diener beruhigen müssen mit dem Hinweis, sich in Geduld zu üben und auf den Papst zu vertrauen.

Es kommt aber auch vor, dass der Mächtige aus kühler Gleichgültigkeit heraus sein Werkzeug nach Gebrauch einfach fallenlässt und dabei einen Weg findet, den ins Unrecht zu setzen, der ihm mit einem klaren Ziel gedient hatte. Eine diesmal für den Unterlegenen höchst peinliche Situation.

Ja, das stimmt auch. Kommt aber überall vor. Nur außerhalb der Kirche ist es weniger bitter, weil man immer den Arbeitsplatz, die Stadt, das Land etc. wechseln kann und in der Kurie oder im Ordinariat ist man an die Scholle gebunden.

[1] https://traditionundglauben.wordpress.com/2015/05/27/augustin-poulain-sj-die-fulle-der-gnaden-1-einleitung-von-kard-merry-del-val/

[2] https://traditionundglauben.wordpress.com/2015/05/29/augustin-poulain-sj-die-fulle-der-gnaden-3-einleitung-von-kard-steinhuber/

[3] http://www.kath.net/news/8763

I Millenari, Kap. VII. Das Dikasterium, wo die Bischöfe geformt werden (2) Mitren ohne Köpfe (i). Bischofsvorauswahl durch die Bischofskonferenzen


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Hier kommt der nächste Abschnitt über die Kulissen der nachkonziliaren Bischofsernennungen mit ein wenig Hintergrundaufklärung.[1] Man braucht keine Beraterfirmen in den Vatikan zu holen, wie Papst Franziskus es tat, zum Schaden der Kirche. Man braucht bloß auf die langjährigen Mitarbeiter des mittleren Managements zu hören, wie wohl in jeder Firma auch.

[1] I Millenari, Wir klagen an. Zwanzig römische Prälaten über die dunklen Seiten des Vatikans, Aufbau Taschenbuch Verlag: Berlin 20002,95-97.

Bis zum Zweiten vatikanischen Konzil war der natürliche Ort für das Heranwachsen und die Geburt eines Bischofs die Bischofskongregation, welcher in der Mission Ländern die Kongregation zur Evangelisierung der Völker zur Seite stand. Die Länder der orientalischen Kirchen folgen schon immer eine andere Regelung, die ebenfalls nicht frei von Betrug und Begünstigung ist.

Seit dem Vaticanum Secundum hingegen spielt sich die Auswahl der Anwärter auf das Episkopat in zwei Schritten und auf zwei unterschiedlichen Ebenen ab: zunächst innerhalb der nationalen und regionalen Bischofskonferenzen mit dem abschließenden Urteil des apostolischen Nuntius des jeweiligen Landes; danach geht das Verfahren in die Hände des zuständigen Dikasteriums in Rom über, wo untersucht wird, ob nichts Schwerwiegendes gegen die auf der Liste genannten Kandidaten vorgelegt. Darin werden die Vorschläge zur Bewilligung dem Pontifex Maximus vorgelegt.

Die derzeit geltenden nachkonziliaren Bestimmungen erweisen sich immer wieder als unzureichend, da die Wahrheit über einen Kandidaten allzu leicht verschwiegen oder verfälscht werden kann, je nachdem, ob man ihn befördern will oder nicht. Solche Manipulationen müssen eingedämmt und der Informationsprozess besser kontrolliert werden.

Mit der neuen Vorschrift bleibt im lockeren Ballwechsel zwischen Bischofskonferenzen, Nuntius und römischer Behörde die persönliche Verantwortlichkeit oft auf der Strecke. Zumal manche nationale Episkopate so pedantisch auf ihre Autonomie und Unabhängigkeit in jeder einzelnen Entscheidung bedacht sind, dass die Nuntien ihre Hände in Unschuld waschen, um nicht ihre Karriere zu riskieren. Denn manchmal stellt sich die Wahrheit über einen von bestimmten Bischöfen vorgeschlagenen Kandidaten am Ende als eine ganz andere heraus.

Seit über 30 Jahren also wählt sich die Kirche die Bischöfe, die sie verdient. Dementsprechend sind viele Mitren im Umlauf, unter denen sich keine Köpfe befinden, sondern nur Leere und Anmaßung; gleichzeitig werden viele Köpfe ohne Mitren in das Dunkel des Vergessens abgedrängt.

Die Frage der Bischofsernennungen muss neu überdacht und gelöst werden, damit sie von der ganzen Kirche und nicht bloß ihren Ranghöchstem gutgeheißen werden kann. Das göttliche Recht besagt lediglich, dass jeder lokalen Kirche ein Bischof zugeordnet werden soll. Die Art und Weise der Bischofswahl jedoch erfolgt allein nach irdischem Kirchenrecht und hat im Laufe der Jahrhunderte viele verschiedene Formen angenommen. Bis 1829 pflegte der Heilige Stuhl die Bischofsberufung für ein vakantes Bistum den Bischöfen der umliegenden Region zu überlassen. Beim Tode Leos XII. (1823-29) waren von 646 Diözesanbischöfen nur 24 unmittelbar vom Heiligen Stuhl genannt, den Kirchenstaat ausgenommen. Und die wenigen direkten Berufungen waren größtenteils auf interne Unstimmigkeiten in Albanien, Griechenland und Russland zurückzuführen.

Wie sich die Praxis zurzeit gestaltet, wird der Papst nicht über das ganze Auswahlverfahren informiert, sondern bekommt lediglich die Präferenz mitgeteilt, die fast immer mit dem ersten Kandidaten auf der Liste übereinstimmt. In seiner Akte wird er als geradezu prädestiniert für den Posten beschrieben, auch wenn dies nicht der oder nur sehr bedingt der Wahrheit entspricht. Außerdem sind die Akten, die man dem Papst vorliegt, derartig umfangreich, dass er kaum Gelegenheit hat, sich auch nur einen groben Überblick zu verschaffen, zumal man ihm seine Zeit absichtlich knapp bemisst. So bleibt ihm nichts anderes übrig, als in blindem Vertrauen Siegel und Datum unter den Namen zu setzen, was dann auch als Einverständnis des Papstes zur Ernennung des neuen Bischofs gilt. Das macht es natürlich unmöglich festzustellen, ob der Erwählte des Amtes, das man ihm anvertrauen will, oder des Bistums oder der Kurie überhaupt würdig ist. Und noch unmöglicher, sicherzugehen, dass der Beförderte keiner Freimaurerloge oder mafiösen in Verbindung angehört.

Es kann also kaum die Rede davon sein, dass der Papst die Entscheidung trifft. Sein Siegel reicht gerade mal dazu aus, der Wahl die Aura päpstlicher Unfehlbarkeit zu geben. Wie aber sollte der Papst bei 5000 Bischofsernennungen auch nur annäherungsweise seine Kontrollpflicht ausüben können? Er hat keine andere Wahl, als seinen Mitarbeiter zu vertrauen. Daraus erwachsen ungesunde Machtkonzentrationen innerhalb des aufgeblasenen, zentralistischen Apparats, der von Prälaten angeführt wird, die meist nicht zu den ehrwürdigsten gehören. Die Glaubwürdigkeit von Informationen jedoch ist gewährleistet, wenn der Informationsprozess über alle Parteilichkeit hinweg abläuft, objektiv und untendenziös; andernfalls öffnen sich Tür und Tor für Täuschung und Korruption.

Pius XI., der Schrecken Mussolinis, pflegte sich Informationen aus eigenen Kanälen zu beschaffen, bevor er seine Zustimmung zur Berufung eines Bischofs gab. Einmal antwortete in einem Würdenträger, der immer wieder die überragenden Qualitäten seines Schützlings pries, mit Schärfe und Mut: „Signor Kardinal, an Eurem Kandidaten wäre nichts auszusetzen, wenn derjenige, der ihn vorschlägt, nicht ganz so interessiert an seiner Ernennung wäre, wie ihr es zu sein scheint!“

I Millenari, Kap. VII. Das Dikasterium, wo die Bischöfe geformt werden (1) Drei Arten der Bischofsanwärter.


Jeremiah-by-RembrandtDa man, um die gegenwärtige Krise der Kirche nicht nur geistlich, sondern auf praktisch und administrativ zu verstehen, ein bestimmtes Insider-Wissen braucht, so wollen wir hier Teile des Buches Wir klagen an, und zwar das Kapitel VII. im vollen Wortlaut vorstellen,[1] dessen Fragmente schon einem Beitrag über Kardinal Woelki verwendet worden sind.[2] Da unsere Redaktion sehr klein ist und über wenig Zeit verfügt, so werden die betreffenden Seiten des Buches über ein Programm diktiert werden, welches ab und zu das Gehörte verfälscht. Wir versuchen so gut es geht Korrektur zu lesen, aber manchmal entgeht etwas unserer Aufmerksamkeit, was wir zu entschuldigen bitten.

Das nachfolgende, siebte Kapitel handelt von der Bischofskongregation, einem der Hauptzentralen der Kirche. Wir werden so wenig wie möglich kommentieren, da der Text leider für sich spricht.

Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil betont die Kirche gerne ihre Internationalität, als sei sie eine ganz neue Errungenschaft. Dabei war die Kurie schon immer international, von der Spitze bis zur Basis, katholisch eben. Mit dem Unterschied, dass früher sowohl Italiener – weltoffene, kosmopolitisch orientierten Menschen – als auch Ausländer ihre Laufbahn ganz unten anhängen: beim Noviziat.

Heutzutage hingegen sind die Ausländer im Vatikan nicht mehr bereit, diesen langen und mühsamen Weg zurückzulegen, sondern streben zielbewusst und ohne Umschweife die Posten mit dem größten Prestige und Einflussreichtum an. Da sie völlig unerfahren sind, überlassen Sie die schwierigeren Aufgabe jeden 80 % treuen und kundigen Beamten, die fernab von aller Öffentlichkeit im Hintergrund wirken und von Johannes Paul I. beschrieben wurden: „Das unverzichtbare Uhrwerk, das in der Kirchengeschichte stets die genaue Uhrzeit anzeigt“.

Ja, Johannes Paul I. wusste im Jahre 1978 die Kurie zu schätzen, welche wohl noch größtenteils vorkonziliar besetzt oder wenigstens geformt war. Franziskus weiß sie auch zu schätzen, indem er sie absolut schonungslos demütigt. Also auch die jetzige Kurie scheint wenigstens teilweise katholisch zu denken und zu arbeiten.

Die neuen ausländischen Oberhäupter der Kirche, allen voran die Polen, wissen sehr wohl, dass sie sich nicht wirklich auskennen. Die Regierungsangelegenheiten legen Sie daher völlig in die Hände ihrer Monsignori Sekretäre, Mädchen für alles, die sich als die großen Herren aufspielen. So hat jeder Kardinal einen wahren Hofstaat an Vasallen unter seiner Befehlsgewalt, und zu Versammlungen erscheint er, in der Regel unvorbereitet und desinteressiert, an der Leine seiner Handlanger auf diese Weise gebraucht und missbraucht jede beliebige Speichellecker skrupellos die Macht seines Vorgesetzten, auch dann, wenn es um Entscheidungen von größter Wichtigkeit geht, wie zum Beispiel Amtseinsetzung oder Amtsenthebung. Jeder weiß, dass die Kirche Christi ist, doch Gott verpachtet sie den Entschlossenen. Und da stehen sie, die Karrieristen, bereit, die Erbpacht in Besitz zu nehmen und für ihre Zwecke zu nutzen – ein ganzes Leben lang.

Die Bemerkung bezüglich des polnischen Nationalcharakters der Oberflächlichkeit ist leider mehr als gerechtfertigt. Den Prozess der Steuerung eines Ministers durch seinen Untersekretär zeigt sehr intelligent und witzig die Komödie „Yes, Minister“ aus den 1980-gern, eine der Lieblingssendungen von Margaret Thacher, die sich in den Korridoren der Macht wirklich auskannte.[3]

Die Kongregationen für die Bischöfe ist nach dem Staatssekretariat das wichtigste Dikasterium der Kurie, seinerzeit gänzlich in der Macht des Kardinals Sebastiano Baggio. Sie schlägt dem Papst die Kandidaten für das Bischofsamt vor – zumindest dem Papier nach, da das Kirchenoberhaupt in der Regel fast unbesehen den Namen, der zuoberst auf der Liste mit den drei Vorschlägen steht, mit seinem Siegel bestätigt. Welcher das ist, haben die Führer der Seilschaft schon längst unter sich ab gemacht. Diese Behörde ist folglich von größter Bedeutung, ein Knotenpunkt kirchlicher Macht – mehr denn je in der augenblicklichen Situation, in der die Bischofssynode dazu tendiert, dem Papst so viel Macht wie möglich zu entziehen. Wie die Praxis sich zurzeit darstellt, gibt es drei Arten von Anwärter auf die Bischofssynode:

a) die Exzellenten, eine Bezeichnung, die sich auf ausgesprochen kirchentreue und fromme Persönlichkeiten bezieht, sowohl was ihre Lebensführung als auch ihre Bildung und seelsorgerische Tätigkeit angeht; Priester, die einem Bischof ebenbürtig sind, verdienstvoll an Diözese und Kurie. Sie werden von ihren Vorgesetzten oft als störend empfunden und von vielen für wahre Heilige und daher untauglich gehalten; manche von ihnen folgen dem Ruf nicht, um nicht dem Hochmut zu verfallen;

b) die Exzellenzen, Würdenträger, die ein Bischofsamt erhalten, obwohl sie wenig oder gar nicht darum bemüht haben, eine sehr kurze Liste; viele von ihnen besitzen sogar die Bescheidenheit, sich der ihnen anvertrauten Aufgabe für nicht gewachsen zu halten;

c) und schließlich die lange Liste der exzellenten Diebe, die auf ganz besondere, verstohlen-diebische Art zu Amt und Würde gelangt sind, nämlich nach dem Motto do tu des, ich gebe, damit du gibst: liebenswürdige Aufmerksamkeiten für jene, die an der Spitze stehen eigennützige Schenkungen und Prälaten, hier mal großzügig über etwas hinweg sehen und dort mal einen Gefallen tun, goldene Kreuze zu Geburtstagen hin und wieder auch kostspielige Geschenke an einflussreiche Freude des Freundes. Sie sind aufgeblasen und voller Stolz es geschafft zu haben, quo modo cumque [auf welche Art auch immer]. Selbst auf Kosten ganzer Lieferwagen von Lebensmittel für die päpstliche Fürsprache, dank derer der Bischof an die Ernennung kommt wie die Jungfrau zum Kinde – wenn auch manchmal mit etwas Verzögerung.

Diese Exzellenzen und Eminenzen sind wie beulenartige Wucherung auf dem jahrhundertealten, entblätterten Baum der Kirche Christi. Indem sie behaupten, nichts für ihre Ernennung getan zu haben, säen sie in ihrem Zuhörer den Verdacht, dass andere sehr wohl einiges dazu beitragen können und dies in der Regel auch tun. Nur sie hat die Ernennung zum Bischof ganz unerwartet getroffen, wie aus heiterem Himmel, und sie haben auch nur angenommen, um sich dem Willen Gottes zu beugen. Doch bei all den Winkelzügen und Betrügereien beschränkt sich der Wille Gottes hier wohl auf ein bewusstes Gewährenlassen.

Gleichzeitig beteuert der befördernde Würdenträger eifrig, dass er nie und nimmer auf die Idee käme, irgendwelche Geschenke anzunehmen – solange sie nicht wertvoll genug sind, fügt leise hinzu, wer ihn besser kennt. Solche inneren Widersprüchen im offenbar zu einem Umfeld dazu, wo die Vorurteile der Ungläubigen immer wieder durch die Tatsachen bestätigt werden.

Seit dem Konzil wurden nur die Wenigsten aufgrund eigener, bemessener Verdienste der Persönlichkeit ausgezeichnet: der Großteil hingegen wurde für undurchsichtige Machenschaften und Liebessdienste aller an aller Art entlohnt.

Meine Güte, das sind wirklich starke Worte! Aber man soll sich an dieser Stelle nicht fragen, ob es moralisch möglich ist, weil man sich wünscht es wäre nicht wahr, sondern ob diese Art der Beförderung eine Stringenz ergibt, ob es also Sinn macht, dass so beförderte Bischöfe z.B. jahrzehntelang Missbrauchsskandale vertuschen. Ja, es macht Sinn, weil sie selbst die ganze Zeit erpressbar sind. Wir können also mit moralischer Gewissheit annehmen, dass es stimmt. Unter „moralisches Gewissheit“ versteht man diejenige Gewissheit, welche aus keinem mathematischen oder logischen Beweis resultiert oder durch Augenschein genommen wird, indem man bspw. Zeuge bestimmter Vorgängen ist. Moralische Gewissheit ist eine Gewissheit, die daher resultiert, dass wir wissen, dass Menschen so handeln können und das Gegenteil weniger wahrscheinlich und stringent ist, als das, was wir annehmen.[4] Konkret bedeutet dies:

Ist es eher wahrscheinlich, dass ein Bischof der durch „undurchsichtige Machenschaften und Liebessdienste aller an aller Art“ durch die Bischofsernennung „entlohnt“ wurde Häresien verbreitet, kein katholisches Profil hat, Missbrauchsfälle und Priesterkonkubinate aller Art deckt und die Diözese in den Abgrund treibt? Oder ist zu solchen Taten ein Bischof fähig, der rechtgläubig ist und heiligmäßig lebt und „aufgrund der bemessener Verdienste der Persönlichkeit ausgezeichnet“ mit einer Bischofsernennung belohnt wurde? An den Taten und Aussagen nach der Bischofsernennung kann man den Ursprung dieser Ernennung erkennen.

[1] I Millenari, Wir klagen an. Zwanzig römische Prälaten über die dunklen Seiten des Vatikans, Aufbau Taschenbuch Verlag: Berlin 20002, 92-116.

[2] https://traditionundglauben.wordpress.com/2016/01/25/bischofsperlen-kardinal-woelki-weis-nicht-wo-die-reise-hingeht-oder-wie-bischofsernennungen-vor-sich-gehen/

[3] https://www.youtube.com/channel/UCPpRxduIc-vtL9ZmhhS3ivw https://de.wikipedia.org/wiki/Yes_Minister http://www.yes-minister.com/introduc.htm Sehr witzig, aber gute Englischkenntnisse sind Voraussetzung.

[4] Por. J. McHugh & C. Callan, Moral Theology, New York: Wagner 1929), 1:643. “Judgments are morally certain, when error is impossible according to what is customary among mankind, the opposite of what is held by the mind being so unlikely that it would be imprudent to be moved by it.” Siehe moral certitude: http://www.newadvent.org/cathen/03539b.htm