Don Pietro Leone, Der Ökumenismus (3 von 3)


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III. DAS ÜBEL DES ÖKUMENISMUS

Den Ökumenismus nannten wir eine Ersatz–Liebe, eine Pseudoliebe. Wer, wenn nicht der Teufel, der Imitator Gottes und Meister aller Täuschung hat das erfunden? Es ist seine Erfindung, oder vielmehr eine neue Verwendung einer früheren Erfindung von ihm, die der falschen Religionen. Denn er schuf die falschen oder nicht-katholischen Religionen mit der Absicht, den Menschen von seinem letzten Ziel, dem Himmel, abzulenken und wegzuziehen. Zu diesem Zweck sorgte der „Herr der Fliegen“ dafür, einige Elemente der objektiven Wahrheit und Güte in ihnen zu bewahren, um sein Produkt für seine Opfer attraktiver und akzeptabler zu machen. In der heutigen Zeit verwendet er dieselben Elemente als etwas Positives – als das, „was wir gemeinsam haben“ -, um die große ökumenische Scharade der sinnlichen, sentimentalen Liebe zur Zersetzung des Katholischen Glaubens aufzubauen: Pseudo-Religionen für eine Pseudo-Evangelisation durch eine Pseudo–Liebe.

Welche Übel birgt diese Zersetzung des katholischen Glaubens?

  1. Das erste Übel der Ökumene ist, dass sie den Glauben verdunkelt. In der Tat ist der Ökumenismus als eine typische modernistische Initiative von Natur aus „mittelalterlich“ verdunkelnd. Wenn der Papst den Dalai Lama umarmt, wenn er mit ihm oder einem anderen religiösen Führer gemeinsam betet, wenn ein katholischer Priester die Worte der Konsekration in der Heiligen Messe zusammen mit einem protestantischen Pfarrer rezitiert, scheinen sie eine gemeinsame spirituelle Grundlage zu haben, aber worin genau besteht diese? Das ist unklar.

Die Einzigartigkeit des katholischen Glaubens ist das, was der Ökumenismus ganz besonders verdunkelt. Denn wenn man den katholischen Glauben auf die gleiche Ebene wie andere Glaubensrichtungen oder Religionen setzt, so verdunkelt das die Tatsache, daß er der eine wahre Glaube und die eine wahre Religion ist und der einzige, der den Menschen erlösen kann, da er in sich die Fülle der Lehren und Sakramente trägt, die zur Rettung notwendig sind.

  1. Der Katholik, der bei ökumenischen Gesten sich nur für das interessiert, was er mit anderen christlichen Konfessionen oder anderen Religionen gemeinsam hat und was ihn mit ihnen verbindet, schwächt den Glauben, (seinen eigenen und den jedes anderen, der Zeuge dieser Gesten sein kann) in den Artikeln, die er schweigend übergeht.

Wer z.B. nur daran interessiert ist, was ihn mit den Lutheranern verbindet, verschweigt und schwächt folgerichtig dadurch sowohl den Glauben an den Opfercharakter der Heiligen Messe und die sieben Sakramente, als auch die Verehrung Unserer Lieben Frau; wer z.B. daran interessiert ist, was ihn mit den Juden oder Muslimen verbindet, verschweigt und schwächt sowohl den Glauben an die Allerheiligste Dreifaltigkeit als auch an die Göttlichkeit und Erlösungsmission Unseres Herrn Jesus Christus, die den Kern des Glaubens bilden.

  1. Derjenige, der den Glauben verdunkelt und schwächt, minimiert die Möglichkeit der Erlösung (seine eigene und die jedes anderen, der Zeuge dieser Handlungen wird)
  1. Der Ökumenismus demütigt die Kirche durch die Gleichsetzung der unbefleckten Braut Christi mit den Erfindungen des Teufels.
  1. Er beleidigt unseren Herrn Jesus Christus als den Gründer der Kirche, indem er ihn auf die gleiche Ebene stellt, wie die Gründer der anderen „Religionen“, die ihn leugnen, ablehnen oder lästern.
  1. Indem der Ökumeniker den Glauben verdunkelt und verschweigt, die Kirche demütigt und unseren Herrn Jesus Christus beleidigt, wird ihm der Unmut des Herrn auferlegt, der sagt: „Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt, dessen wird der Menschensohn sich schämen, in seiner und des Vaters und der heiligen Engel Herrlichkeit“ (Lk 9 26 nach Allioli)
  1. Wer in diesem unrechtmäßigen Prozess der Annäherung an andere Konfessionen oder Religionen so weit geht, dass er auch nur einen Glaubensartikel leugnet, schwächt nicht allein seinen Glauben, sondern fällt in Häresie und verliert ihn (den Glauben) im Ganzen.
  1. Derjenige der den ganzen Glauben oder den Glaubenskern leugnet, landet im Glaubensabfall, in der Apostasie.
  1. Durch den inter-konfessionellen Ökumenismus kollabiert der Katholizismus auf globaler Ebene in eine Art vagen Humanismus, der vom Christentum leicht angefärbt ist, wie wir es schon schmerzlich erleben können
  1. Durch den interreligiösen Ökumenismus hingegen löst sich der Katholizismus in eine rein natürliche Religion auf, die vom Gnadenstrom abgeschnitten ist. Diese Religion kann eine von zwei Formen annehmen:

a) Ein Gemisch aller Religionen, welches zu einer Art vagen Humanismus ohne eine Spur von Christentum wird

b) Ein Gemisch der monotheistischen Religionen

Diese zweite Form der Religion hat zwei Typen: als erstes einen vagen Deismus; als zweites einen Monotheismus, der das, was die drei großen monotheistischen Religionen theologisch zumindest theoretisch im Alten Testament gemeinsam haben, behält.  Auf diese Weise löst sich der Katholizismus effektiv in das Judentum auf, genauer in die jüdisch-freimaurerische Weltreligion, die als Noachismus bekannt ist. War dies die Motivation der Menschwerdung unseres Herrn Jesus Christus, seines Lebens, seines Leidens und seines Todes am Kreuz inmitten der grauenhaftesten Schmerzenskrämpfe?

Zusammengefasst ist das Übel des Ökumenismus die Verdunkelung, das Verschweigen und die Schwächung des Glaubens. Der Ökumenismus minimiert die Möglichkeit der Erlösung, er demütigt die Kirche, beleidigt Unseren Herrn Jesus Christus und missfällt ihm, er neigt zu Häresie und Glaubensabfall und drängt den Katholizismus in Richtung Humanismus, Deismus und Noachismus. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Kirche bei den ersten Versammlungen zwischen den verschiedenen nichtkatholischen christlichen Konfessionen ausdrücklich durch den Mund des römischen Papstes Pius XI (Mortalium Animos 1928) erklärt hat:

„…es ist klar, dass weder der Apostolische Stuhl in irgendeiner Weise an ihren Konferenzen teilnehmen kann, noch dass es den Katholiken irgendwie erlaubt sein kann, diese Versuche zu unterstützen oder an ihnen mitzuarbeiten. Wenn sie das täten, so würden sie einer falschen christlichen Religion, die von der einen Kirche Christi grundverschieden ist, Geltung verschaffen.“

Das Prinzip, das hier auf die Beziehungen zwischen der Kirche und anderen Konfessionen zutrifft, gilt sinngemäß für die Beziehungen zwischen der Kirche und andere Religionen

Abschluss

Wir beschließen dieses Essay, indem wir kurz die Punkte zusammenfassen, in denen Ökumenismus und Evangelisierung konvergieren und divergieren.

Beide, sowohl der Ökumenismus als auch die Evangelisierung haben einen universellen Anspruch. Der erste Begriff, der sich aus einem griechischen Wort für „die Welt“ ableitet, bedeutet in Wirklichkeit die Anpassung des katholischen Glaubens an alle anderen Konfessionen oder Religionen der Welt. Letzterer bedeutet die Unterweisung, die Taufe und die Bekehrung der ganzen Welt zum Einen Katholischen Glauben, wie aus dem Blick auf das Ende aller synoptischen Evangelien hervorgeht.

Beide, sowohl der Ökumenismus als auch die Evangelisierung sind verschiedene Typen von Liebe, beide erstreben eine Vereinigung zwischen den Parteien im Hinblick auf ein potenzielles Gut. Die Ökumene sucht die Vereinigung auf der Grundlage gemeinsamer Überzeugungen, basierend auf einem „Perpetuum mobile artigen“ Dialog, und mit Umarmungen. Sie schaut auf ein rein irdisches oder politisches Gut. Die Evangelisierung dagegen sucht die Vereinigung auf der Grundlage des Einen wahren Glaubens, der sieben Sakramente und der Unterwerfung unter den Papst. Sie schaut auf das ewige Gut des Menschen im Himmel.

Ökumenismus und Evangelisierung unterscheiden sich am deutlichsten in Bezug auf die Wahrheit. Der Ökumenismus interessiert sich nicht für die Wahrheit; die Evangelisierung dagegen hält sie für das entscheidend Wichtige, denn die Evangelisierung besteht geradezu in der Bekanntmachung der Wahrheit: in ihrer Mitteilung an jemanden, der die Wahrheit nicht kennt, damit auch er sie in Besitz nehmen und auf diesem Weg gerettet werden kann. Diese Wahrheit in ihrem höchsten Sinne ist nichts anderes als die Allerheiligste Dreifaltigkeit, die den Menschen geschaffen hat, damit der Mensch, jeder Mensch ohne Ausnahme SIE auf Erden kennen und lieben lernt und so seine ewige Seligkeit im Himmel erreichen kann. Amen.

Don Pietro Leone, Der Ökumenismus (2 von 3)


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II. Sentimentalität

1. Die Natur der ökumenischen Liebe

Mit seiner Suche nach dem irdischen Gut des Menschen wird vielleicht jemand versuchen, diesen falschen Ökumenismus zu verteidigen, in dem er behauptet, dass es wenn auch keine geistliche trotz allem eine Art der Liebe ist, in dem er sagt, „die Liebe ist ausreichend“. Denn letztendlich ist die Liebe der Grund für unser Leben und Gott selbst ist Liebe in dem Sinne, daß die Allerheiligste Dreifaltigkeit ein Geheimnis der Liebe zwischen den drei göttlichen Personen ist.

Lasst uns nun die Natur dieser ökumenischen Liebe genauer untersuchen, zuerst das Element der Vereinigung, dann das Gute, das diese Vereinigung hervorbringen soll.

a) Die Ökumenische Einheit

Was ist das, was die Parteien zu einer ökumenischen Initiative einigt?

Gemeinsame Überzeugungen und Ideale unter Ausschluss der lehrmäßigen Unterschiede. Dieses Prinzip wird typischerweise mit dem Slogan „Was wir gemeinsam haben, ist wichtiger als das, was uns trennt“ ausgedrückt. Insbesondere in der Beziehung zu anderen Religionen wird das oft durch die Formel „Wir verehren denselben Gott“ verdeutlicht.

Diese gemeinsamen Überzeugungen und Ideale bilden die Grundlage für den „Dialog“, einen Prozess, der nicht auf die Erreichung der objektiven Wahrheit ausgerichtet ist, sondern lediglich einen brüderlichen Austausch darstellt, einen Prozess, der beiden Parteien auf gleiche Augenhöhe setzt im unausgesprochenen Einverständnis, die jeweils  eigene Vision der Wahrheit dem anderen nicht aufzuzwingen. Sie bilden die Grundlage für gemeinsame Unternehmen wie interreligiöse oder interkonfessionelle Versammlungen oder diplomatische Gesten wie Baumpflanzungen und Umarmungen.

Was an der ökumenistischen Einigung bemerkenswert ist, ist, dass sie von der objektiven Wahrheit absieht. Das ist jedoch irrational, denn um mit anderen christlichen Konfessionen oder anderen Religionen vernünftig und realistisch umzugehen, müssen wir die ganze Wahrheit und nicht nur einen Teil davon in Betracht ziehen: nicht nur gemeinsame Überzeugungen und Ideale, sondern auch Lehrunterschiede

Nach kurzem Nachdenken können wir tatsächlich erkennen, dass es von dem Wichtigen weniger gibt, was uns mit Konfessionen und Religionen eint, als das, was uns trennt: nämlich der Glaube, der den Schlüssel zum ewigen Leben enthält.

Nehmen wir z.B. die anderen monotheistische Religionen: Judentum und Islam. Die Tatsache, dass sie „denselben Gott anbeten“, ist irrelevant. Denn der Gott, den sie anbeten, ist nur im philosophischen Sinne derselbe, wie der Gott des katholischen Glaubens: als in sich seiendes Sein, als Schöpfer und Ende aller Dinge; während der Gott, den sie anbeten, im theologischen Sinne der Gott ist, den sie leugnen, nämlich die Allerheiligste Dreieinigkeit, und damit nicht derselbe wie der Gott des katholischen Glaubens. Was hier wichtig ist, ist das, wie wir eben erklärt haben, was uns trennt: der Glauben an den Gott des katholischen Glaubens, weil nur dieser Glaube heilbringend ist.

b) Das Ökumenische Gut    

Welches Gut wird mit dem Ökumenismus geplant? Das irdische, politische Gut des Menschen. Dies würde in der Tat das ökumenische Unternehmen rechtfertigen, wenn es nicht um das Übel ginge, das dieses Unternehmen hervorbringt (vgl. Abschnitt III). Mit einem Wort, der Ökumenismus bietet dem Menschen ein irdisches Gut auf Kosten seines geistlichen Gutes

*

Wir schlussfolgern dass der Ökumenismus nicht die angemessene Art der Liebe zwischen der Kirche und den anderen Religionen oder Konfessionen ist. Die angemessene Art der Liebe ist vielmehr die Evangelisierung, da sie, wie jede Form der vernünftigen Liebe auf das wahre Gut des anderen zielt, ja auf sein höchstes Gut, seine Erlösung, die sie durch seine Bekehrung zu sichern sucht.

Dass die von der Ökumene vorgeschlagene Art der Liebe unangemessen ist, kann durch folgendes Bild illustriert werden: Eine Menge von Menschen versucht, einen Ozean zu überqueren. Ein Teil reist auf einem großen Boot, das gebaut wird, um Stürme und alle Arten von Gefahr zu überleben und mit allem ausgestattet, was für eine lange Reise notwendig ist. Andere reisen in kleineren Booten: Segelboote, Ruderboote; wieder andere auf Flößen oder Luftmatratzen; die übrigen schwimmen einfach. Nur das große Boot wird die andere Seite sicher erreichen; einige der anderen Boote können ankommen, aber nur mit großen Schwierigkeiten. Die übrigen Boote und Menschen werden sicherlich nicht auf die andere Seite erreichen. Diejenigen auf dem großen Boot versuchen nicht, die anderen davon zu überzeugen, an Bord zu kommen, sondern grüßen sie nur unbekümmert, wenn sie ihnen begegnen. Wie der Leser verstanden haben wird, ist das große Boot die katholische Kirche; der Ozean ist die Welt; die Menschen außerhalb des Bootes sind diejenigen, die nicht zur Kirche, oder zumindest nicht zum Leib der Kirche gehören.

Es ist offensichtlich leichter und mit mehr Spaß verbunden – zumindest für den Augenblick – zu winken und unverbindlich zu lächeln, als dem Betroffenen zu sagen, daß er einen Fehler begeht und ihn dazu zu überreden, sein Boot zu verlassen (was er vermutlich selbst schon erwogen hat) und selbst an Bord zu kommen. Außerdem wird es größere Mühe erfordern, sich um ihn zu kümmern, wenn er an Bord ist.

Wir sagten, dass der falsche Ökumenismus eine unangemessene Art der Liebe ist. Wie könnten wir das präzisieren? Insoweit er von der objektiven Wahrheit absieht, ist er irrational, wie wir oben andeuteten, begründet also keine vernünftige, sondern nur eine emotionale Liebe. Diese „Liebe“ kann genauer als Sentimentalität charakterisiert werden. Diese Sentimentalität hat ihren ersten offiziellen Auftritt in der Kirche in den Texten des Zweiten Vatikanischen Konzils in ihrer weichen und versöhnlichen Sprache und Haltung gegenüber anderen Religionen und vor allem gegenüber der heutigen Welt und in einer neuen ethischen Lehre, in der das primäre Ziel der Ehe „Liebe“ ist. Als ein Ersatz der wahren Liebe, d.h. der Tugend der Liebe, ist diese sentimentale Liebe verweichlicht und entmannend. Infolge des Mangels an Bildung und infolge fehlender Wachsamkeit des Klerus und der Gläubigen, konnte sie sich im oben erwähnten Konzil als wahre Liebe ausgeben.

2. Der Metaphysische Irrtum des Ökumenismus

Der metaphysische Fehler, der dem Ökumenismus zugrundeliegt, ist der, dass er dem Guten Priorität vor dem Wahren einräumt.

a) Auf der natürlichen Ebene

Die Seele des Menschen hat zwei grundlegende Fähigkeiten: Verstand/Erkenntnisfähigkeit und Willen (oder vernünftige Liebe), und beide müssen in seinem Handeln zur Anwendung zusammenkommen. Der tiefste Grund dafür ist, daß diese beiden Fähigkeiten dem Menschen notwendig sind, um Gott vollkommen zu verherrlichen. Dem Einwand, daß die „Liebe genügt“, antworten wir mit der Versicherung, daß die Erkenntnisfähigkeit ebenso notwendig ist.

Es muss noch hinzugefügt werden, dass die Erkenntnis (logisch) Vorrang vor der Liebe hat, insofern die Liebe blind ist und durch Erkenntnis geleitet werden muss: man muss erkennen und wissen, was man und wie man liebt. Wenn ein Säufer mich um 100 € bittet und ich sie ihm gebe, liebe ich ihn nicht. Und wenn jemand versucht, den Ozean schwimmend zu überqueren, liebe ich ihn nicht, indem ich ihm nur von meiner schönen Yacht zuwinke, während ich vorbeikomme.

b) Auf der übernatürlichen Ebene

Auf der übernatürlichen Ebene entsprechen der Erkenntnisfähigkeit der Glaube und der Liebe die Nächstenliebe. Beide – Glauben und Nächstenliebe – müssen im menschlichen Handeln eingeschlossen sein. Der Glaube reicht nicht aus, um erlöst zu werden; es ist nicht ausreichend zu lieben, um gerettet zu werden: beides, Glaube und Nächstenliebe sind notwendig.

Darüber hinaus hat der Glaube (als übernatürliche Erkenntnis) logischen Vorrang gegenüber der Nächstenliebe (als übernatürliche Liebe). Der Gegenstand des Glaubens ist Gott, die Allerheiligste Dreifaltigkeit, und wir können ihn nicht mit der Nächstenliebe (und unseren Nächsten in Ihm und IHM zuliebe) lieben, bevor wir ihn durch den Glauben erkennen.

Zusammen mit Professor Romano Amerio in seinem bewundernswerten Buch Iota Unum können wir auf einer tieferen Ebene sagen, daß die Erkenntnis der Liebe letztendlich auch innerhalb der Allerheiligsten Dreifaltigkeit selbst vorausgeht, weil die Erkenntnis Gottes im Wort Gottes der Liebe im Heiligen Geist vorausgeht: Das Hervorgehen des Sohnes aus dem Intellekt des Vaters geht dem Hervorgehen des Heiligen Geistes aus der wechselseitigen Liebe des Vaters und des Sohnes voraus. In diesem Sinne können wir sagen, dass Gott vor dem Geheimnis der Liebe ein Geheimnis der Wahrheit ist. Die hier in Frage stehende Priorität ist wie bisher eine logische Priorität: Der Vater und der Sohn sind wesensgleich und ihre gegenseitigen Beziehungen sind zeitlich nicht verschieden.

Von daher sehen wir, dass die Ökumeniker falsch liegen, wenn sie so tun, als ob Liebe alles ist, was zählt, denn – wir wiederholen es – Wissen und Liebe sind notwendig, wobei die Erkenntnis logischen Vorrang vor der Liebe hat: der Glaube vor der Nächstenliebe: die Ordnung des Wahren vor der Ordnung des Guten.

Don Pietro Leone, Der Ökumenismus (1 von 3)


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Wir wollen hier wieder einmal einen Text von Don Pietro Leone vorstellen, welcher nach den neuesten Eskapaden von Kardinal Marx nicht  besser gewählt sein könnte. Es geht um den leidigen Ökumenismus.  Und was ist so falsch daran? Das, dass sich die logischen Werte „wahr“ und „falsch“ im Laufe der Jahre nicht verändern oder gilt das für den Satz von Pythagoras. Aber in Religion ist es anders, meinen Sie? Nein, den Religion ist eine geoffenbarte Wahrheit von Gott, der Wahrheit, schlechthin und deswegen können nicht die Irrlehren von Luther aus dem Jahre 1517 nur 500 Jahre später richtig und salonfähig gemacht werden. Denn sie sind genauso falsch heute, wie sie es gestern waren. Wer das leugnet, ist nicht mehr katholisch, lieber Kardinal Marx. Die wachsende Akzeptanz für die lutherische Häresien ist durch die Umstellung des katholischen Paradigmas nach Vat. II entstanden, welches den Katholizismus zur einer sich ständig verändernden Zeitgeistreligion machte. Siehe Papst Franziskus. Wahr und falsch spielt keine Rolle, es geht umd die Beliebtheit oder die leidige Kirchensteuer. Vielleicht denkt die cancelliera, wie sie auf Italienisch heißt, Angela Merkel, dass die Zusammenlegung der beiden Kirchen Geld sparen kann, welches für die islamischen Kulturbereicherer ausgegeben werden kann, damit wir bald hier überhaupt kein Christentum mehr haben. Wer weiß, wer weiß? In der Zeit als Don Pietro Leone diesen Aufsatz schrieb, war eine neue Einheitsmesse, die angeblich von Papst Franziskus geplant wird, noch nicht denkbar.  Durch den Ökumenismus hat die katholische Kirche ihre Identität verloren, das Papstum mit Franziskus auch. Schade.

Von Don Pietro Leone

Im Anfang war der Ökumenismus und der Ökumenismus war mit Gott und der Ökumenismus war über Gott.

(Aggiornamento per tutto compreso i vangeli, cap.iv, Ester Maria Ledda, 2013, Bonanno)

Das Original ist hier zu finden.

In der Waffen- und Rüstungsabteilung seiner Höllen-Werkstatt ist Satan sicherlich stolz auf den Ökumenismus. Bitten Sie Satan, Ihnen den Ökumenismus zu zeigen, wenn Sie jemals das Pech haben, dort zu enden. Diese mächtige Waffe ist jüngeren Datums. Sie wurde für die heutige Zeit, in der der Glaube zerfällt und erkaltet und für die Beschleunigung dieses Prozesses entwickelt. Ihre erste Reaktion wird eine bewundernde sein:

„Was für ein schönes Kunstwerk!“

werden Sie sagen. Ihre zweite Reaktion, wenn Sie es sich näher angesehen haben, wird eine überraschte sein, da es innerlich völlig hohl und leer ist.

„All unsere Waffen sind hohl“,

wird Er ihnen kurz antworten.

„Hast du die ganze Zeit nichts verstanden? Das Wichtige ist die Sichtweise auf die Dinge. Aber es ist wahr,“

wird er nach einem kurzen Moment einräumen,

„diese Waffe ist ganz besonders hohl.“

 

I. Die Hohlheit

 1. Logische Hohlheit   

Es gibt zwei Arten von Ökumenismus. Die erste zielt auf die Einheit aller christlichen Konfessionen, oder aller Glaubensbekenntnisse ab, voraussetzend, dass sie alle wahr sind, die zweite fokussiert auf die Einheit auf der Basis des kleinsten gemeinsamen Nenners.

Wir werden die logische Zusammenhanglosigkeit beider Typen im Folgenden aufzeigen

a) Die Zusammenhanglosigkeit der ersten Form des Ökumenismus

Was den ersten Typus anbelangt, so zitieren wir den Heiligen Pius X in Pascendi:

„Die Modernisten leugnen nicht, sondern geben tatsächlich zu, manche hinter vorgehaltener Hand, andere ganz offen, dass alle Religionen wahr sind.“

Der Papst bezieht sich auf eine subjektivistische Auffassung von Religion, die auf die persönliche Erfahrung reduziert wird, die jeder Mensch von Gott in seiner eigenen Religion hat, zusammen mit der Symbolik, die dazu gehört. Diese Auffassung wurde von ihm im Dekret Lamentabili und in der oben erwähnten Enzyklika Pascendi verurteilt.

Das bedeutet jedoch nicht, dass es nicht viele gibt, die gerne behaupten, dass alle Glaubensbekenntnisse wahr sind, sogar als objektives Konzept von Glaube und Religion. Darauf muss aber erwidert werden, dass diese Behauptung gegen den Grundsatz des Nicht-Widerspruchs verstößt, da es nur eine Wirklichkeit gibt und jeder Glaube oder jede Religion eine andere und exklusive Sichtweise davon darstellt. Aus diesem Grund behauptet der überzeugte Gläubige jeder Religion oder jedes Bekenntnisses, dass seine Vorstellung richtig ist und die Vorstellungen der anderen Gläubigen falsch sind: Kurzum, er behauptet, dass sein Glaube oder seine Religion der einzige wahre Glaube und die einzig wahre Religion ist, die es gibt.

Die Eine Heilige Römisch Katholische Kirche kann in dem Sinne noch weiter gehen, als sie nicht nur sagt, dass sie den einzig wahren Glauben hat und die einzig wahre Religion ist, sondern dass es der einzige Glaube und die einzige Religion überhaupt ist. Denn die Kirche lehrt, dass der Glaube eine Art von Wissen ist, d.h. die Erkenntnis der Wirklichkeit: Die Realität, die Gott ist. Und da es nur eine Wirklichkeit und nur einen Gott gibt, kann es nicht mehr als eine Erkenntnis von dieser einen Wirklichkeit, die Gott ist, geben. Weiterhin lehrt die Kirche, dass nur der katholische Glaube (zusammen mit der Taufe) uns mit diesem Gott vereinigt, und dass deswegen der Katholische Glaube auch die einzige Religion ist, wenn Religion nichts anderes bedeutet, als das spirituelle System, das uns mit Gott verbindet (Lateinisch ligat).

Die Popularität der Theorie, dass alle „Glaubensbekenntnisse“ oder „Religionen“ objektiv wahr seien, zeigt uns das Ausmaß der Unfähigkeit zu rationalem Denken, zu dem der heutige Mensch gekommen ist – auch wenn die Absurdität solch einer Theorie ihre Respektabilität in den Augen der Modernisten sicher nicht mindert.

b) Die Zusammenhanglosigkeit der zweiten Form des Ökumenismus

Die zweite Form des Ökumenismus reduziert den Glauben zu einem Amalgam (zusammengekleisterten Gemisch) von unterschiedlichen Überzeugungen, um ihn dann mit dem Amalgam anderer „Glaubensbekenntnisse“ und „Religionen“ auf der Suche nach einer gemeinsamen Grundlage zu vergleichen. Die EINE, HEILIGE, RÖMISCH KATHOLISCHE Kirche lehrt im Gegensatz dazu, dass sich der Glaube als unteilbare Einheit konstituiert, als Einheit, die sich aus seinem Gegenstand, nämlich Gott selbst, ergibt. Aus diesem Grunde ist es unmöglich, von irgendeiner katholischen Lehre im Interesse der Übereinstimmung mit anderen abzusehen.

2. Moralische Hohlheit

Der Ökumenismus wird als eine Art geistige Vereinigung präsentiert, die auf ein geistliches Gut zielt. Mit einem Wort, es wird als eine Art spirituelle Liebe zwischen den Mitgliedern der katholischen Kirche und den Außenstehenden dargestellt. Aber der Ökumenismus stellt keine geistliche Liebe dar, weil er weder aus einer geistigen Vereinigung (was auch immer damit sinnvoll gemeint sein könnte), noch in irgendeiner Art von geistlichem Gut besteht.

a) Das Fehlen einer geistlichen Einheit

i) Der Katholischen Kirche wurde von Unserem Herrn die Anweisung gegeben, nur eine Art von geistlicher Vereinigung mit Nicht Katholiken zu entwickeln und das ist eine dreifache Vereinigung die besteht aus:

a) der Vereinigung unter der Autorität der katholischen Hierarchie

b) der Vereinigung in den sieben Sakramenten  und

c) der Vereinigung in dem einen Katholischen Glauben

Das ist die einzige Art der Einheit, die der Katholischen Kirche erlaubt ist, mit anderen zu etablieren, weil nur dieser Typ der Einheit das geistliche Gut, nämlich ihre Erlösung bewirken kann. Auf der anderen Seite ist die von der Ökumene gesuchte Einheit schlicht nur eine partielle Einheit, insoweit, als nur einer oder mehrere dieser drei Elemente fehlen. Deswegen hat sie nicht die Kraft zu erlösen.

ii)  Die geistliche Einheit, die vom Ökumenismus gesucht wird, wirkt also nicht erlösend. Bezeichnenderweise ist sie nicht übernatürlich, insoweit der Ökumenismus den Katholizismus typischerweise auf den Glauben (verstanden als eine Ansammlung von verschiedenen Überzeugungen) reduziert, und folgerichtig die Sakramente ignoriert, die notwendig sind, um uns mit Gott hier auf der Erde und im Himmel zu vereinigen. In den beiden Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils Ad Gentes und Nostra Aetate, die sich auf das Verhältnis zwischen Kirche und den nichtchristlichen Religionen beziehen, ist der Begriff „übernatürlich“ nirgendwo zu finden.

iii) Die geistliche Einheit, die vom Ökumenismus gesucht wird, ist bezeichnenderweise nicht moralisch, da sie dazu neigt, den Glauben auf jene Lehren zu reduzieren, die die Natur und die Wirklichkeit Gottes betreffen. Dabei vernachlässigt sie jedoch die moralischen Lehren, die ein wesentlicher Bestandteil des Glaubens sowohl als auch für das ewige Leben notwendig sind, denn der Glaube ist das Licht, das uns den Weg zum Himmel zeigt

b) Das Fehlen eines geistlichen Gutes

Die Art des Guten, das ausschließlich vom Ökumenismus gefördert wird, ist nicht die Erlösung, sondern nur der irdische Frieden und das Glück, die kein geistliches Gut sind. Beide sind auch nicht die primäre oder wesentliche Aufgabe der Kirche. Die Kirche, wie wir eben angedeutet haben, wurde für das ewige Heil des Menschen gegründet: für seine Erlösung. Der Ökumenismus hingegen zielt ausschließlich auf sein irdisches Gut. Dann aber ist es keine geistliche Initiative, sondern eine rein politische. Das irdische Wohlergehen des Menschen ist – als Folge ihrer Hauptaufgabe, die sein ewiges Heil ist –  höchstens eine Nebenpflicht der Kirche.