Don Pietro Leone, Die Kirche und Asmodeus. (7 von 7) Schlussfolgerung und status quo.


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Schlussfolgerung

Die Absicht, diesen Aufsatz zu schreiben, war es, zu untersuchen, wie die fleischliche Begierde, oder deutlicher der Geist der Hurerei oder Unreinheit in der Lage war, in das Innere der zeitgenössischen Kirche einzudringen. Wir haben uns die Mühe gegeben, sie/ihn durch verschiedene Kanones des Neuen Kirchenrechts und verschiedene Lehren des jüngsten Lehramtes im Zweiten Vatikanische Konzil zurückzuverfolgen, in denen der Geist der gefallenen Welt offiziell in die katholische Kirche einbrach.

Dieser unreine Geist  stimmt mit der Weltvision der Sexualität überein. Unsere frühere Analyse dieser Vision zitierend und kurz auf den Zeitraum vom letzten Vatikanischen Konzil bis zum gegenwärtigen Pontifikat hinweisend, sollten wir fortfahren zu untersuchen, inwieweit dieser Geist die Enzyklika Amoris Laetitia formt.

A. „Sexualität hat keine besondere Zielsetzung. Ihr Gebrauch ist angenehm und ein Mittel, um Liebe zwischen zwei Personen auszudrücken, die nicht unbedingt miteinander verheiratet sind.“

     Wir haben gesehen, wie Gaudium et Spes den Begriff  „Zielsetzung“ unterdrückte, umso deutlicher unterdrückt im im Neuen Kirchenrecht,  wenn man die alten und die neuen Kanones vergleicht. Anschließend, bis hin zu Amoris Laetitia, hat die Fortpflanzung und Erziehung der Kinder nie wieder ihren bisherigen, traditionellen Status wiedergefunden.

Die Unterdrückung dieses Begriffs, entweder durch Isolierung oder in Verbindung mit der Bezeichnung „primär“, markiert sicherlich den Einbruch des Dämons Asmodeus[1] in die Bastion der beständigen kirchlichen Ehelehre.

     Es ist diese Unterdrückung, die einer undefinierten „Liebe“ erlaubt hat, sich in den Vordergrund einer Eheethik zu drängen, in der zeitgenössische Kirchenmänner nicht einzig und allein die Sexualität als angenehm ansehen (in Übereinstimmung mit den oberflächlichen weltlichen Einstellungen).

In dem von Gaudium et Spes eröffneten Zeitraum deutete das kirchliche Lehramt mehr und mehr an, dass diese „Liebe“ mit erotischem Inhalt tatsächlich der primäre Ehezweck sei,  bis die Enzyklika Amoris Laetitia endlich beide Lehren explizit aussagte (siehe oben).

Bis zu diesem Punkt stellt die Enzyklika nur eine Entwicklung der jüngsten ehelichen Heterodoxie dar; in ihrer Befürwortung des Ehebruchs dagegen stellt sie ein Novum besonderer moralischer Schwere dar, sich immer enger an den Geist der Welt in all seiner eigensinnigen und unverschämten Kühnheit[2] schmiegend.

B. „Die Sexualität ist uneingeschränkt gut und kann mit vollkommener Zulassung benutzt und besprochen werden“

Das unqualifizierte Gutsein der Sexualität wurde seit dem Konzil durch die Unterdrückung der kirchlichen Lehre über die Begierde der gefallenen Natur angedeutet. Diese Unterdrückung zeigte sich besonders im Kirchenrecht und in der Theologie des Leibes.

Ihr  vermeintliches Gutsein wurde von Papst Johannes Paul II. auf eine göttliche Ebene gehoben, wenn auch im Kontext der ehelichen Liebe als Ganzes.[3] In Übereinstimmung mit dieser Ansicht wurde die Ehe nicht mehr als der Jungfräulichkeit oder dem Zölibat untergeordnet angesehen. Papst Franziskus folgte seinem Vorgänger, zumindest bei letzterem.

    Beide Päpste, während sie die kirchliche Lehre über die Sünden gegen die Reinheit[4] aufrechterhielten, sprechen über solche Themen mit völliger Zulassung[5], Papst Franziskus empfiehlt diese Erlaubnis auch öffentlich, da er die Schulprogramme der „Sexualerziehung“ unterstützt.

C. „Sexualmoral wird durch die Grundsätze des Hedonismus festgelegt“

    Während die Kirche ihre Position der Schwere der Sünden gegen die Reinheit offiziell weiterhin beibehält, beobachten wir, wie die jüngsten Veränderungen im Kirchenrecht und im Lehramt die Tür zum Empfang der heiligen Kommunion im Stand der Todsünde unter bestimmten Bedingungen geöffnet haben. Die Vorkehrungen von Papst Franziskus für die Kommunion für Ehebrecher (auch unter bestimmten Bedingungen), muss im Einklang mit dieser Entspannung der eucharistischen Disziplin gesehen werden.

   Wie oben erwähnt, ist die große Neuheit von Amoris Laetitia die Befürwortung des Ehebruchs. Angesichts dieser Laxheit kann man sich nicht nur über die päpstliche Analyse der Sexualität der zeitgenössischen Jugend in ausschliesslich soziologischer und psychologischer Hinsicht ohne jeden Hinweis auf Moral beunruhigen, sondern auch über das völlige Fehlen einer Verurteilung der Unkeuschheit, ob allein oder mit einem anderen. In der Tat, wie wir oben beobachtet haben, scheint er aktiv dazu ermutigen, wie in der Phrase:

„Das Wichtigste ist, ihnen die Sensitivität gegenüber verschiedenen Ausdrücken der Liebe zu lehren …“ in Vorbereitung „für die sexuelle Vereinigung in der Ehe als Zeichen einer allumfassenden Verpflichtung durch alles bereichert, was dem vorausging.“

Was ist die Natur der Liebe, die die „sexuelle Vereinigung“ bereichern soll, wenn es nicht sexuelle Liebe ist? Aber wenn der Verfasser des Textes das nicht beabsichtigt, weil es der kirchlichen Lehre widerspricht, warum sagt er das nicht?

      Kurzum, obwohl die Enzyklika den sexuellen Hedonismus nicht explizit fördert, befürwortet sie die Unkeuschheit in einem besonders schweren Fall (das heißt Ehebruch); Sie analysiert die Sexualität in Begriffen der Psychologie, die typischerweise mit einer hedonistischen Weltanschauung verbunden sind; Sie installiert einen freizügigen Geist unter den Gläubigen; und übergeht in vollständigem Schweigen die beständige kirchliche Verurteilung der Unkeuschheit.

                                                              *

Mit einem Wort, was wir immer deutlicher hören, vom Zweiten Vatikanischen Konzil an bis zur Enzyklika Amoris Laetitia, ist die Stimme der Welt. Diese Stimme verkündet die folgende Botschaft:

„Sexualität ist Liebe; Sie ist uneingeschrankt gut; und sollte für das Streben nach Glück verwendet werden“.

Kardinal Browne OP erwiesenermaßen korrekter Hinweis war, dass die im Konzil vorgeschlagenen Neuerungen den gesamten Sinngehalt der Ehe pervertieren würden.

   Man könnte sich vorstellen:

„Die Kirche hat mit der Zeit ihre Ansichten auch über  diese Angelegenheiten geändert.“

Worauf wir antworten würden: Die Kirche in ihren Verlautbarungen ist nicht wie eine Regierung oder eine Firma, die ihre Politik nach veränderten Umständen anpasst. Vielmehr ist sie Wächter und Lehrer: Wächter und Lehrer des Glaubens und der Moral. Glaube und Moral bilden die übernatürliche Wahrheit, die Offenbarung, das Depositum Fidei. Die Wahrheit in sich selbst ändert sich nicht, nur in der Fülle und der Tiefgründigkeit ihres Zeugnisses; die Offenbarung ist eine Offenbarung von x und nicht von y; Das Depositum Fidei ist so hinterlegt wie es ist und nicht wie alles mögliche.

   Angesichts der Wahrheit, die in letzter Instanz Gott selbst ist, sind die für den Menschen notwendigen Tugenden Demut, Gelehrigkeit, Gehorsam, Unterordnung und Unterwerfung. Der Mensch ist auf dieser Erde um zu dienen, er ist ein „nutzloser Knecht“ mit den Worten unseres Allerheiligsten Herrn, ein bloßes Instrument, ob er gleich Papst, König oder Laie ist. Wenn Konzilien oder Päpste es auf sich nehmen, das Unberührbare, Unveränderliche und Unreformierbare zu berühren, zu verändern oder zu reformieren, dann werden die Konsequenzen gravierend sein

                                                      

 Postscript

 Der Status quo

Unter den verschiedenen Demütigungen, die Amoris Laetitia folgten, wollen wir nur noch erwähnen: „Der Treffpunkt, Projekt zur affektiven und sexuellen Bildung für junge Leute“, der aus dem Päpstlichen Rat für die Familie stammt und unter den Jugendlichen auf dem „Weltjugendtag“ in Polen im vergangenen Jahr großzügig verteilt wurde. Hier begegnet der Personalismus von Papst Johannes Paul II. der sexuellen Amoralität von Papst Franziskus, in einer Verherrlichung der Liebe, in der nicht ein einziges Mal die Todsünde, noch die elterliche Verantwortung erwähnt wird. Das Dokument ist mit Erotik aufgeladen, die auch mit Pornografie nicht spart, was völlig verwerflich ist.

   Die Glorifizierung der Erotik hat einen Schleier der Dunkelheit über die Ehe und die (vollkommene) Keuschheit geworfen: über die Ehe, indem sie ihre Zielsetzung – die Zeugung von Kindern verdeckt, bis hin zur (vollkommenen) Keuschheit, deren Realisierbarkeit verdunkelt wird. Das Ergebnis ist, dass verheiratete Paare in die Ehe eintreten, ohne zu wissen, was sie ist, um dann mit dem Versagen des Vorhabens zu enden, während immer weniger junge Menschen in den geistlichen Stand treten[6]. Denn die Ordensleute legen ein Gelübde vollkommener Keuschheit ab, aber wenn die Kirche nicht mehr erklärt, was dieses Gelübde ist oder was es bedeutet, warum sollte es ein junger Mensch ablegen? Und wenn die Ehe auf dem gleichen Niveau ist wie der geistliche Stand (welcher Jungfräulichkeit / Zölibat in seiner kirchlichen Form darstellt), warum dann die Mühe, den letzteren anzunehmen?

   Die Hierarchie und der Klerus versagen in ihrer Pflicht, den Glauben zu diesen Themen bekanntzumachen. Eine Anzahl ihrer Mitglieder scheinen durch denselben Geist der Erotik gesättigt, den sie predigen. Sie fordern die Befreiung vom Zölibat, und ihre Skandale[7] setzen sich von Tag zu Tag so monoton wie ekelerregend fort. Hier sehen wir Asmodeus wieder am Werk, in dieser seiner für ihn erfreulichsten und endgültigen Aufgabe: der Verseuchung der Kirchenmänner und der kirchlichen Lehre.

   Gott wird übergangen und ignoriert, mitsamt seiner der menschlichen Natur eingeschriebenen Bestimmung, der Zeugung von Kindern für die Bevölkerung des Himmels; mitsamt der Liebe zu Ihm, die die totale sich selbsthingebende Liebe ist, welche in der Eucharistie im Stand der heiligmachenden Gnade empfangen wird, oder in der Liebe der vollkommenen Keuschheit, der Liebe der Reinheit, der übernatürlichen Liebe der Barmherzigkeit in ihrer vollkommenen Hinordnung auf Ihn, der Liebe des ungeteilten Herzens, der Liebe, die gesegneter und erhabener und ein vollkommeneres Zeichen der Vereinigung Christi mit seiner Kirche ist als selbst die Ehe[8], der Liebe von der unser Allerheiligster Herr sagte:  Selig sind die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen“.     

                      

 Sancta Maria, ora pro nobis

Mater purissima, ora pro nobis

Mater castissima, ora pro nobis

Sancte Joannes Evangelista, ora pro nobis

Sancte Aloisi Gonzaga, ora pro nobis

Sancte Dominice Savio, ora pro nobis 

Sancte Joannes Baptista, ora pro nobis

Sancte Joannes Fisher, ora pro nobis

Sancte Thoma More, ora pro nobis 

A spiritu fornicatione, libera nos, Domine.

[1] Dementsprechend haben wir als Frontseite für dieses Essay ein Detail aus dem Isenheimer Altar von Matthäus Gruenewald gewählt, der einen androgynen Dämon darstellt, der eine Kirche stürmt.

[2]  In Verbindung damit stellen wir die intellektuelle Verlogenheit der Argumentation für den Ehebruch (wie oben analysiert) fest. Was kann eine Argumentation gegen das Naturrecht und den Glauben anderes sein? Solch eine Verlogenheit war ein Merkmal des Konzils (siehe das Buch über das Zweite Vatikanische Konzil von Professor de Mattei) aber das hier ist sicher das erste Beispiel in einem päpstlichen Dokument.

[3] wenn auch in das theologische Problem eingeschlossen, siehe oben.

[4] Obwohl zweifelhaft im Falle von Papst Franziskus, siehe den nächsten Abschnitt.

[5] Papst Franziskus zögert nicht, mit großer Lässigkeit öffentlich von Perversionen in diesem Bereich zu sprechen

[6] Es scheint, dass die jüngsten vatikanischen Dokumente über das geweihte Leben dazu neigen, weiter zu seiner „Wertminderung“ beizutragen

[7] Lasst sie über die Schmerzen meditieren, die sie für sich selbst ansammeln, entweder im Fegefeuer, in dem eine strenge und gründliche Wiedergutmachung selbst für ein einziges Kreuzzeichen, welches ohne Ehrfurcht gemacht wurde, erzwungen wird, oder in den tiefsten Abgründen der Hölle, die für den verdammten Klerus reserviert sind. Oder falls sie kein Erbarnmen mit ihren eigenen Seelen haben, lasst sie wenigstens Mitleid mit den Opfer-Seelen bekommen,  die ihr Leben zur Sühne für die Sünden des Klerus angeboten haben.

[8] Vgl. Sacra Virginitas, Papst Pius XII

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Die Kirche des Asmodeus oder worum es bei Don Leone geht? (7 von 7) Damit sie nicht in der Hölle landen.


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Was ist die Konsequenz der Umsetzung der jetzigen Sexualiethik wie sie seit Amoris Laetitia angeblich gilt? Die Hölle und die ewigen Höllenquallen. Warum? Weil Theologie die Mathematik des Übernatürlichen ist.

  • Wenn es Gott gibt, dann ist er vollkommen, sonst wäre er nicht Gott.
  • Wenn es Gott gibt, dann hat er sich geoffenbart, damit wir wissen, dass es Ihn gibt, wie Er ist und was er von uns fordert.
  • Wenn er Gott ist, dann ist er unveränderlich und seine Offenbarung, welche einen Teil seiner Selbst und seiner ewigen Ordnung darstellt, ist es auch.
  • Wenn es die Offenbarung gibt, deren Höhepunkt in Jesus Christus stattfand und mit dem Tod des letzten Apostels niedergeschrieben wurde, dann ist sie ebenfalls unveränderlich.
  • Wenn es die Offenbarung gibt und eine von Christus gestiftete Kirche, welche diese Offenbarung interpretiert, dann ist die Lehre der Kirche, was die Offenbarung an sich betrifft, ebenfalls unveränderlich.
  • Es ist doch unmöglich, dass etwas bis zum Jahr 2016 falsch war und ab dem Jahr 2016 richtig wird.
  • Es ist unmöglich, dass der unveränderliche und unveränderbare Gott, und seine Offenbarung gleich mit, sich auf einmal ändern, damit wir es bequem haben.

Göttliche Gesetze sind unveränderlich! Es spielt keine Rolle, ob Sie jetzt daran glauben, Sie werden es sowieso erleben! Dann ist es aber zu spät.

Ann Barnhardt sagte etwas Schönes, was der Schreiber dieser Zeilen ein wenig abgewandelt für sich selbst in Anspruch nimmt:

Get me right! I don’t like most people, but I care. I don’t want them to go to hell, literally!

Verstehen Sie mich richtig! Ich mag die meisten Menschen nicht, aber ich sorge mich um sie. Ich will nicht, dass sie buchstäblich in die Hölle gehen!

Dem Schreiber dieser Zeilen sind die meisten Menschen emotional gleichgültig, er kann aber nicht sagen, dass er sie nicht mag, denn dies wäre eine emotionale Wertung, aber er sorgt sich um sie, damit sie nicht in der Hölle landen.

Don Pietro Leone, Die Kirche und Asmodeus. (6 von 7) Amoris Laetitia.


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III.  AMORIS LAETITIA

Wie können wir daran zweifeln, dass diese Enzyklika, die von demselben Kardinal Caffara, dem Schwester Lucia geschrieben hatte, öffentlich in Frage gestellt wurde, keinen Anteil hat am Zusammenprall zwischen der Kirche und Satan, wie wir oben erwähnt haben?

In diesem kurzen Blick auf Amoris Laetitia betrachten wir Ehe, Ehebruch und „Sexualerziehung“.

          1)    Ehe

a) Ehe in sich selbst

         Die Exhortation Amoris Laetitia

Die Exhortation Amoris Laetitia sagt in § 80: Die Ehe ist an erster Stelle eine »innige Gemeinschaft des Lebens und der Liebe«, die ein Gut für die Ehegatten selbst darstellt, und die Geschlechtlichkeit ist »auf die eheliche Liebe von Mann und Frau hin geordnet … Trotzdem ist diese Vereinigung »durch ihre natürliche Eigenart auf die Zeugung ausgerichtet.«.

      In den Fußnoten sind für diesen Text vier Referenzen angegeben: Gaudium et Spes § 48 in Bezug auf die „intime Gemeinschaft“; Der Kodex des kanonischen Rechts (1983) c.1055 im Hinblick auf das „Wohl der Ehegatten“[1]; Der Katechismus der katholischen Kirche § 2360 im Hinblick auf die Ordnung der Sexualität in der  ehelichen Liebe; Gaudium et Spes § 48 wieder im Hinblick auf die Hinordnung der Ehe auf die Fortpflanzung.

    Es gibt zwei Dinge zu beachten beim Vergleich dieser Passage der Exhortation mit dem jüngeren Lehramt:

    1)  Es stellt einen „Schritt nach vorn“ dar, insofern es nun explizit die eheliche Liebe als das primäre Ziel der Ehe darstellt („Heirat ist erstens … eheliche Liebe“);

    2)  Diese Lehre ist ein weiteres Beispiel für die erotisierende Tendenz des jüngsten Lehramtes, die sich hier auch in der Wiederholung dreier Lehrsätze (die wir oben behandelt haben), die die Ehe als „intime Partnerschaft des Lebens und der Liebe“ und ein „Gut“ für die Ehegatten bezugnehmend auf die Hinordnung der Sexualität zur ehelichen Liebe beschreibt. Der Vorschlag, daß die eheliche Liebe im Wesentlichen sexuellen Inhaltes ist, wird in der Folge auch in § 150 mit dem Titel „Die erotische Dimension der Liebe“ in ausschliesslich weltlichen Begriffen ausgearbeitet.

 

b) Ehe im Bezug zu Jungfräulichkeit oder Zölibat

Gerade haben wir gesehen, wie Papst Franziskus das jüngste Lehramt einen Schritt weiter gehen lässt, indem er ausdrücklich “Liebe” als primäre Zielsetzung der Ehe bezeichnet und und dieser „Liebe“ ausdrücklich einen erotischen Inhalt verleiht.

Im folgenden werden wir sehen, wie er die Ehe jetzt genau so und explizit auf die gleiche Ebene setzt wie Jungfräulichkeit und Zölibat (Exhortation § 159 Papst Johannes Paul II aus seinem Diskurs vom 14. April 1982 zitierend: „…dass die biblischen Texte »weder einen Grund dafür [liefern], die „Minderwertigkeit“ der Ehe zu behaupten, noch dafür, die „Überlegenheit“ der Jungfräulichkeit bzw. des Zölibats zu vertreten.«

   Dadurch, dass er das Zitat hier enden lässt und durch die Einsetzung von Anführungszeichen um die Worte Minderwertigkeit und Überlegenheit vermittelt Papst Franziskus den Eindruck, dass sowohl die Heilige Schrift als auch Papst Johannes Paul II. diese beiden grundlegenden Lebensweisen auf die gleiche Ebene setzen, mit anderen Worten sie als gleichwertig betrachten. Das aber ist nicht wahr. Die Heilige Schrift und die Tradition, die im Konzil von Trient ihren Höhepunkt finden (wie wir oben zeigten), lehren, dass die letztgenannte Lebensweise überlegen ist.

        Unter Bezugnahme auf Johannes Paul II. erkennt er hier die letztere Wahl als überlegen an, wie wir oben gesehen haben, und erklärt am Ende des fraglichen Absatzes, dass der Herr: „…seinen Jüngern das Ideal der Mäßigung und die Berufung dazu schenkt, weder wegen der Minderwertigkeit noch wegen Vorurteilen gegen die ehelich leibliche Vereinigung, sondern allein um des Himmelreiches willen.“[2]

Es ist wahr, daß Papst Franziskus später in diesem Abschnitt von der Vollkommenheit des geweihten Lebens spricht, aber er tut dies nicht im absoluten Sinne, in dem diese Vollkommenheit von der Tradition verstanden wird, sondern nur in einem relativen Sinn in einer kurzen Betrachtung der jeweiligen Stärken und Schwächen der beiden verschiedenen Stände, welche, wie er behauptet, sich der Gleichwertigkeit erfreuen.

   Kurz gesagt, Papst Johannes Paul II. neigt dazu, die beiden Lebensstände als gleichwertig zu betrachten, während Papst Franziskus diese These ausdrücklich feststellt. Das entspricht sicher der Bedeutung, die er auch der ehelichen Liebe zukommen lässt.

2. EHEBRUCH

   Es ist sicherlich der Geist der Erotik, der sich bereits in den obigen Zitaten manifestiert, die hinter der nachsichtigen Haltung des Papstes gegenüber dem Ehebruch steht.

a) Die Befürwortung des Ehebruchs

             In dem Dokument Amoris Laetitia § 298 spricht der Papst von „geschiedenen und wiederverheirateten“ Paaren wie folgt: „Die Kirche weiß um Situationen, in denen »die beiden Partner aus ernsthaften Gründen – zum Beispiel wegen der Erziehung der Kinder – der Verpflichtung zur Trennung nicht nachkommen können«. (Familiaris Consortio § 84) Und er fügt in der Fußnote 329 an: „Viele, welche die von der Kirche angebotene Möglichkeit, „wie Geschwister“ zusammenzuleben, kennen und akzeptieren, betonen, dass in diesen Situationen, wenn einige Ausdrucksformen der Intimität fehlen, »nicht selten die Treue in Gefahr geraten und das Kind in Mitleidenschaft gezogen werden [kann].« (Zweites Vatikanisches Konzil, Past. Konst. Gaudium et spes über die Kirche in der Welt von heute).

    Kommentar

   ‘Ausdrucksformen der Intimität’ bezieht sich auf sexuelle Beziehungen wie aus einer Lektüre der vollständigen Passage von Gaudium et Spes hervorgeht, und aus der Tatsache, dass die „Ausdrucksformen der Intimität“ dem Zusammenleben als Bruder und Schwester gegenübergestellt werden. Folglich kann der Text wie folgt zusammengefasst werden: Viele geschiedene und wiederverheiratete Paare, die zum Wohle ihrer Kinder zusammenleben, finden, dass die sexuellen Beziehungen (d.h. der Ehebruch) für ihre Beziehung und für das Wohl ihrer Kinder fruchtbar sind.

Wir sehen, dass dann:

i) Ehebruch gerechtfertigt ist; und zwar:

ii) als Mittel zum Zweck: nämlich wegen der Treue des Paares und wegen des Wohls der Nachkommenschaft;

iii) in einer bestimmten Situation, ja insbesondere in einer Situation, die von „vielen“ erfahren wird;

iv) in der angeblichen Kontinuität mit dem vorangehenden kirchlichen Lehramt

.
Wir können auf jeden der Punkte wie folgt antworten:

i) Ehebruch wird expressis verbis im Alten Testament im 6. Gebot und von unserem Herrn Jesus Christus selbst im Neuen Testament verurteilt (Mt 19,9, Mk 10,11-12). Darüber hinaus spezifiziert Unser Heiland den Ehebruch als eine der Sünden, die den Sünder vom ewigen Leben ausschließen (Mt. 19,17-18), also als Todsünde. Von daher ist er ein intrinisches (in sich selbst bestehendes (Anm. d. Übers.)) Übel, das in keiner Weise gerechtfertigt sein kann.

ii) Der hl. Paulus (Röm 3,8) erklärt ausdrücklich, dass ein Übel nicht als Mittel zum Guten getan werden kann;

iii) Hier ist die Situationsethik mit dem Grundsatz am Werk, dass das Gewissen eine Norm nach der Situation erschaffe, in der sich das Individuum befindet. Die Kirche hat im Gegensatz dazu die Situationsethik verurteilt, und versteht das Gewissen als Urteilsvermögen, das objektive moralische Prinzipien auf bestimmte Handlungen anwendet.

iv) Der Papst (oder seine Mitarbeiter) unterdrücken wesentliche Teile der Passagen, aus denen er zitiert.  In der ersten Passage erklärt Papst Johannes Paul II., wenn er von den „wiederverheiratet Geschiedenen“ spricht, die aus Motiven zusammenleben, die das Wohl ihrer Kinder einschließen, dass sie in vollkommener Keuschheit leben müssen: wenn sie es nicht tun, können sie die Heilige Kommunion nicht empfangen. In der zweiten Passage befürwortet das Konzil die sexuellen Beziehungen aus Gründen der Treue und dem Wohl der Kinder, aber nur bei denen, die sakramental verheiratet sind.

Mit anderen Worten, sagt Papst Johannes Paul II., dass  „wiederverheiratet Geschiedene“ als Paar für das Wohl ihrer Kinder zusammen leben können, jedoch in vollkommener Keuschheit; Das Konzil sagt, dass die sexuellen Beziehungen die Treue eines Paares und das Wohl ihrer Kinder in der Ehe fördern können. Durch die Kombination beider Passagen, unter Ausschluss der Verweise auf Keuschheit und Ehe, behauptet Papst Franziskus, den Ehebruch auf der Grundlage des vorangegangenen Lehramtes zu rechtfertigen.

b) Der kirchliche Status der Ehebrecher

     Die Ermahnung besagt in § 299, dass die „wiederverheiratet Geschiedenen“ als lebendige Glieder der Kirche leben und reifen können, „und schlägt vor, dass sie in das öffentliche Leben der Kirche integriert werden, zum Beispiel als Paten. Die Tradition der Kirche zusammen mit dem hl. Thomas von Aquin auf der anderen Seite betrachten sie als tote Mitglieder der Kirche, wie abgestorbene  Zweige eines lebendigen Baumes. Aus diesem Grunde und wegen ihres schlechten Beispiels ist es eindeutig unangebracht, daß Ehebrecher im öffentlichen Leben der Kirche Positionen übernehmen noch war es ihnen je erlaubt, dies zu tun.

c) Die Zulassung der Ehebrecher zur Heiligen Kommunion

    Wir können aus § 298 und Fußnote 329, die wir oben analysierten, schlussfolgern, dass, wenn Ehebruch nicht mehr als Todsünde gilt, die Ehebrecher das Recht haben, in das Leben der Kirche integriert zu werden, auch wenn es um die heilige Kommunion geht. Lassen Sie uns nun eine der Passagen des Dokuments untersuchen, das ausdrücklich sagt: „[…] dass die Konsequenzen oder Wirkungen einer Norm nicht notwendig immer dieselben sein müssen. […] Auch nicht auf dem Gebiet der Sakramentenordnung, da die Unterscheidung erkennen kann, dass in einer besonderen Situation keine schwere Schuld vorliegt. (§ 300 mit Fußnote 336).

     Welche Art von Rechtfertigung für den Zugang zur heiligen Kommunion hat der Papst hier im Auge? „Situationsethik“? Aber diese Ethik ist, wie wir bereits erklärt haben, null und nichtig. Oder ist es vielleicht die Unwissenheit seitens des Paares, dass Ehebruch eine Todsünde ist oder dass (der Empfang der… (Anm. d. Übers.) die heilige Kommunion im Stand der Todsünde eine weitere Todsünde ist? Es ist wahr, dass eine Todsünde einem Sünder dann nicht angerechnet wird, wenn er nicht wusste, dass es eine solche war; dennoch ist die fragliche Sünde objektiv eine Todsünde und ein schweres Vergehen gegen Gott. Aus diesem Grunde muß jede Form von geistlicher Hilfe, Unterscheidung, Unterrichtung oder Intervention seitens der Kirche darauf gerichtet sein, das Paar über das objektive natürliche und göttliche Gesetz zu unterrichten und sie dazu zu führen, in der Gnade Gottes zu leben, und sie nicht aus Angst, ihre Empfindungen zu beleidigen, in Unwissenheit und Sünde zurückzulassen. Kurzum, die Aufgabe der Kirche ist es nicht zu vermeiden, die Gläubigen zu kränken, sondern zu vermeiden, dass Gott beleidigt wird.

3. Sexualerziehung

    Jetzt, wo die europäischen Schulen mit „Sexualerziehungs“-Programmen einer unmoralischen und rein hedonistischen Ordnung überschwemmt worden sind (und wir fürchten, dass es noch schlimmer kommen wird), wird ein Eingriff der Heiligen Mutter Kirche mit jedem Tag, der vergeht, zunehmend dringender und notwendiger. Mit der Veröffentlichung von Amoris Laetitia hätte man vielleicht gehofft, dass die Hierarchie eine wahrhaft katholische Haltung in Bezug auf die Frage eingenommen hätte, zum Beispiel:

i) Einen Vorschlag (zu unterbreiten), neue und wirklich katholische Schulen zu gründen oder zumindest neue Institute, um die katholische Lehre in den vorhandenen Schulen zu lehren;

ii) ein Appell an die Eltern, die Kinder selbst zu unterrichten oder zumindest die Ausbildung ihrer Kinder dahingehend zu überwachen, dass dieser Unterricht tatsächlich in Übereinstimmung mit dem primären Ziel der Ehe (d. h. der Fortpflanzung und der Erziehung der Kinder) stattfindet.

iii) Eine klare Darstellung der katholischen Lehre über die Ehe, über die ihr entgegengesetzten Handlungen, über die Reinheit, über die Unreinheit und über die Tatsache, dass alle Sünden gegen die Reinheit Todsünden sind.

Stattdessen fehlen dem Abschnitt § 280-286 mit dem Titel „Die Notwendigkeit der Sexualerziehung“ seltsamerweise all diese Punkte.

i) Weit davon entfernt, Alternativen zu den gegenwärtigen „Sexualerziehungs“-Programmen aufzuzeigen, beschränkt sich das Dokument darauf, bestimmte Modifikationen oder Abänderungen einiger Akzente (innerhalb dieser Programme) vorzuschlagen

ii) Die erzieherische Rolle der Eltern wird nicht einmal erwähnt, im markanten Gegensatz zu dem Dokument „Die Wahrheit und Bedeutung der menschlichen Sexualität“, das der Vatikan etwa 20 Jahre zuvor (1995) promulgiert hat, welches angesichts der Gefahren, dieses Thema in der Schule zu behandeln, streng die Sexualerziehung innerhalb der Familie anordnet.[3] In der fraglichen Passage ignoriert Amoris Laetitia tatsächlich die primäre Zielsetzung der Ehe und konzentriert sich (mit Ausnahme eines einzigen Verweises auf das „natürliche Ziel der Sexualität: die Fortpflanzung“) auf den sekundären Ehezweck, d.h. auf die Liebe: ja auf eine Liebe exklusiv verstanden in einem emotionalen und vor allem sexuellen Sinne. Man liest zum Beispiel über die „Erziehung zur Liebe, zum gegenseitigen Sich-Schenken“ (§ 280); Über die „Liebesfähigkeit“ (§ 281-2) und die Art und Weise, wie „junge Menschen Liebe zeigen“ (§ 284)

iii) In Bezug auf die katholische Lehre über Ehe und Reinheit[4] wird überhaupt gar nichts gesagt. Die Sexualität wird in einer ausschließlich psychologischen Weise behandelt, ohne die klitzekleinste Anspielung auf Moral. Das Übel, das vermieden werden soll, ist keine Sünde mehr, sondern es sind eher soziale oder psychische Probleme wie: „Banalisierung und Verarmung“ (§ 280) „die außer Kontrolle geratene Pornographie und die auf Krankhaftigkeiten herabgewürdigte Sexualität, die unsere Liebesfähigkeit entstellt“ (§ 281-2) „narzissitische Aggressivität“, „mit ihrem Körper und ihren Begierden zu spielen“ (§ 283); „Unreife“ (§ 284) „die Einschließung in die eigenen Grenzen“ (§284-5), „den eigenen Körper nicht zu akzeptieren aus Angst vor der Verschiedenheit“ (§ 285).

   Wir sehen, dass Sexualität außerhalb der Ehe nicht verurteilt wird. Vielmehr wird, so scheint es, dazu aktiv ermutigt, so dass der Abschnitt in seiner endgültigen Analyse mit Sexualerziehungsprogrammen kompatibel ist, die bereits stattfinden und mit solchen, die den Kindern noch übergestülpt werden sollen: „Der Sexualtrieb kann geschult werden in einem Weg der Selbsterkenntnis und der Entwicklung einer Fähigkeit zur Selbstbeherrschung, die helfen können, wertvolle Fähigkeiten zur Freude und zur liebevollen Begegnung zu Tage zu fördern.“ (§ 280) „Es ist hingegen wichtig, ihnen einen Weg aufzuzeigen zu verschiedenen Ausdrucksformen der Liebe, zur gegenseitigen Fürsorge, zur respektvollen Zärtlichkeit, zu einer Kommunikation mit reichem Sinngehalt[5] zu kommen”, in der Vorbereitung „für die sexuelle Vereinigung in der Ehe als Zeichen einer allumfassenden Verpflichtung durch alles bereichert, was dem vorausging“ (§ 283, siehe auch § 284).

   Tatsächlich ist der Abschnitt auch mit „Gender[6]“ kompatibel, da der Verfasser die Sexualerziehung nicht nur für Jugendliche, sondern auch für „Kinder“ in Betracht zieht (§ 280 und 281); und er sich freut zu behaupten: „Wir können auch nicht ignorieren, dass die Gestaltung unserer eigenen Seinsart, sei es männlich oder weiblich, nicht einfach das Ergebnis biologischer oder genetischer Faktoren[7] ist, sondern von mehreren Elementen, die mit Temperament zu tun haben, Familiengeschichte, Kultur usw. […]; Aber es ist auch wahr, dass Männlichkeit und Weiblichkeit keine starren Kategorien sind […]. Der Abschnitt endet mit einer Warnung vor der „legitimen Freiheit und der Verstümmelung der echten Entwicklung der konkreten Identität der Kinder oder ihrer Möglichkeiten“ (§ 286)[8]

[1] Vgl. die Fußnote 9 oben

[2] Die Schwierigkeiten dieses Statements haben wir weiter oben ausgeführt

[3] Dieses Dokument atmet einen authentischen katholischen Geist, abgesehen von einem übermäßigen persönlichen Beharren auf die „Liebe“.

[4] Wiederum in einem markanten Gegensatz zu „der Bedeutung und Wahrheit der menschlichen Sexualität“

[5] Es ist unklar, worüber hier gesprochen wird. Sicherlich hätten sich die griechischen und römischen „Liebesdichter“ z.B. vorgestellt, in solch eine Kommunikation mit einbezogen zu werden, allerdings in völliger Abwesenheit von Keuschheit.

[6] Einer Ideologie – so dumm, wie verabscheuungswürdig

[7] Aber in welchen Fällen und warum ist das Gebet ein Problem, „den eigenen Körper nicht zu akzeptieren“ (vgl. § 285)?

[8] Die schädliche Wirkung dieser Passage wird nicht durch die päpstliche Missbilligung von „Gender“ bei anderen Gelegenheiten vermindert, da die letztgenannten Aussagen nur einen verwirrenden Effekt haben und nicht die Korrektur früherer Aussagen bewirken.

Die Kirche des Asmodeus oder worum es bei Don Leone geht? (6 von 7) Der Untergang oder Amoris Laetitia als Ziel.


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Wenn man sich die nachkonziliare Ehe- und Sexuallehre näher anschaut, wird einem im Nachhinein deutlich, dass seit mindestens 50 Jahren auf Amoris Laetitia hingearbeitet wurde. Wer konkret hat darauf hingearbeitet?

  1. Vat. II mit Gaudium et Spes 48 und 49: Gleichstellung des ersten (Kinder) und zweiten (gegenseitige Hilfe) Ehezweckes
  2. Paul VI. Humanae vitae: Anerkennung und Zulassung der natürlichen Verhütung, deren Anwendung so ausgeweitet wurde, dass sie zu einer legitimen Verhütung avansierte.
  3. Johannes Paul II. Theologie des Leibes: Ehelicher Sex als Selbstzweck und als Weg zu Gott
  4. Johannes Paul II. Familiaris consortio (1981): Zusammenleben von Ehebrechern wird zwecks Erziehung der Kinder geduldet, wenn sie keusch leben. (84)
  5. Johannes Paul II. Codex iuris canonici (1983): Umkehrung des ersten und zweiten Ehezweckes im Canon 1055 § 1:

Der Ehebund, durch den Mann und Frau unter sich die Gemeinschaft des ganzen Lebens begründen, welche durch ihre natürliche Eigenart auf (1) das Wohl der Ehegatten und (2) auf die Zeugung und die Erziehung von Nachkommenschaft hingeordnet ist, wurde zwischen Getauften von Christus dem Herrn zur Würde eines Sakramentes erhoben.“ (Can. 1055 § 1)

  • Da also laut dem nachkonziliaren Eherecht (CIC 1983, Can. 1055 § 1) die Ehe hauptsächlich Sex wegen geschlossen wird und die Kinder als eine Beigabe erscheinen, so steht Amoris Laetitia  – der „Freude am Sex“ nichts mehr im Weg. Sex erscheint also als das, was er für die Welt ist: das Höchste auf Erden, ein Menschenrecht, etwas Unabdingbares, das niemand missen sollte.
  • Da Johannes Paul II in Familiaris Consortio 84 erlaubte, dass:
    • Ehebrecher zusammen wohnen dürfen,
    • zur Kommunion gehen dürfen, obzwar nicht in der eigenen Gemeinde, wenn sie sich vor ihrem Pfarrer verpflichtet haben, keusch zu leben,
    • da sie sich aus wichtigen Gründen nicht trennen können, falls sie
    • beispielsweise gemeinsame Kinder haben.

Diese Erlaubnis ist widersinnig und stellt wieder einmal ein trojanisches Pferd und eine Zeitbombe da. Denn:

  • Wenigstens einmal wurde schon die Ehe gebrochen, denn wenigstens einer der „wiederverheirateten Geschiedenen“ begingt Ehebruch und begeht ihn mit dem „neuen Partner“ immer wieder.
  • Wenn diese Menschen zusammen wohnen, sorgern sie für Ärgernis, da alle annehmen, dass sie Sex haben und zwar ehebrecherischen Sex.
  • Kinder sind entweder aus der ersten Ehe da und fragen: „Wo ist Mutti?“ „Wo ist Vati?“, falls es gemeinsame Kinder sind, lernen Sie, dass Ehen nicht ewig dauern und haben ihr ganzes Leben lang Angst verlassen zu werden.
  • Inwieweit Keuschheit bei Menschen praktizierbar ist, die zusammen wohnen, gemeinsame Kinder haben und miteinander Sex hatten, sodass wenigstens in der Vergangenheit sexuelle Anziehung vorhanden war, sei dahin gestellt, wahrscheinlich bleibt sie in den meisten Fällen auf dem Papier. Keuschheit ist nur dann praktizierbar, wenn man Gelegenheit meidet und nicht mit der „Gelegenheit“ zusammenwohnt.
  • Entweder man kommuniziert in einer Gemeinde, wo man unbekannt ist, als müsste man sich für etwas schämen oder man geht zur Kommunion, hoffentlich im Gnadenstand, in der eigenen Gemeinde, wo alle annehmen, dass man im Ehebruch lebt, sollte man auch keusch leben.

Und was haben wir? Jawohl, Skandal und Verwirrung. Johannes Paul II hat mit Familiaris consortio eine de facto kirchlichen Anerkennung der „Zweit-“ oder „Drittehe“ geschaffen, sodass Franziskus und seine Mannen oder dieselben Mannen, welche hinter Johannes Paul II standen nur einen weiteren Schritt zu gehen brauchten. Amoris Laetitia fiel nicht vom heiteren Himmel, liebe Nachkonzilsbrüder.  Es ist doch wirklich unsinnig, Menschen, die im Ehebruch leben mit Familiaris consortio 84 zu einer Josephsehe im Ehebruch zu zwingen. Nur eine Handvoll von Heiligen, ja Heiligen, hat die Josephsehe, also Ehe ohne Sex praktiziert, aber sie haben nicht zusammen mit dem Ehepartner gelebt. So legte die hl. Elisabeth von Thüringen, welche bevor sie sich zur keuschen Ehe entschied, mit ihrem Ehegatten sechs Kinder hatte, großen Wert darauf nicht mit ihm alleine zu bleiben und sah ihn nur in Begleitung ihrer Hofdamen und zwar recht selten. Das waren aber meistens Adelige mit großen Häusern, die als Heilige die Josephsehe praktizierten, was wirklich nicht jedem gegeben ist, und sie lebten nicht mit zwei Kindern in einer Drei- oder Vierraumwohnung.

Wahrscheinlich kommt bei den Ehepaaren, welche dennoch „der Kinder wegen“ zusammenwohnen doch regelmässig zum Sex, was sie vielleicht beichten, bevor sie zur Kommunion gehen, obwohl der Vorsatz recht zweifelhaft ist. Ein Beichtvater, der es richtig machen wollte, könnte Menschen, die Unverheiratet sind oder im Ehebruch leben, Sex haben und zusammenwohnen, keine Absolution erteilen, da sie wieder fallen werden. Nach Familiaris consortio 84 darf er aber dies tun, da diese Ehebrecher oder Konkubinarier „der Kinder wegen“ zusammenbleiben und Familiaris consortio diese Lösung erlaubt. Schauen wir uns hier zwei hypothetische Fälle an:

Fall 1:

Zwei Studenten, wohnen zusammen, beide unverheiratet, haben vorehelichen Sex. Lösung des Beichtvaters na dem geltenden Kirchenrecht: während sie zusammenwohnen, keine Absolution, da fehlender Vorsatz.

Fall 2:

Ein geschiedener Mann, ehemals kirchlich verheiratet, nennen wir ihn z.B. Mulff und eine ledige Frau, seine ehemalige Sekräterin, nennen wir sie. z.B. Armina. Angenommen Sie würden sich zu einer katholischen Ehe nach Familiaris Consortio entscheiden:

  • sie wohnen zusammen, „der Kinder wegen“, ein gemeinsames und eins aus der „vorigen Beziehung“,
  • sie geben sich Mühe kein Sex zu haben, haben aber doch welchen,
  • Mulff will zur Kommunion, da er auf seinen katholischen Schützenverein einen katholischen Eindruck machen möchte, damit sie ihn wiederwählen,
  • Armina will auch zur Kommunion, weil sie dann ein schönes Kleid tragen kann,
  • ein katholischer, nachkonziliarer Beichtvater muss diesen Fall, anhand der „Unterscheidung“ ganz anders wägen, als es beim Studentenpärchen der Fall ist,
  • denn Mulff und Armina können sich, „aus wichtigen Gründen“ (FC 84), „der Kinder wegen“ (FC 84) nicht trennen, sie geben sich Mühe, wollen „es“ seltener tun,
  • der nachkonziliare Beichtvater gibt die Absolution „bis zum nächsten Mal“.

Ist diese Lossprechung gültig? Unserer Meinung nach nicht, da der Vorsatz der Besserung fehlte. Ist das eine sakrilegische Beichte? Ja, der dann eine sakrilegischen Kommunion folgt. Wir gehen hier vom Idealfall aus, dass die Menschen ihren Fall beichten, was kaum der Fall ist. Was tut also Amoris Laetitia auf der doktrinellen Ebene? Jawohl, sie legalisiert eine überkommene Praxis. Also jetzt nicht mehr „unter der Hand“, sondern offiziell. Ehebruch wird geduldet, denn es gibt keine Sünde. Die zwei oben genannten Fälle unterscheiden sich nur darin, dass der Fall von Mullf und Armina Ehebruch (adulterium) ist, denn er ist immer noch kirchlich verheiratet und bleibt so bis zum Tod seiner Ehefrau, bei den Studenten ist es Unzucht (fornicatio), weil beide miteinander nicht verheiratet ist. Wessen Sünde ist schlimmer? Die von Mulff und Armina, weil es Ehebruch ist. Weil sie zusammenleben und ein gemeinsames Kind haben, er aber immer noch gebunden ist, verursacht es mehr Sünden als im Falle der Studenten, denn die können sich jederzeit trennen, haben sich gegenüber keine Verpflichtungen, können zwar nicht rein in die sakramentale Ehe eingehen, aber es ist nicht so schlimm. Mulff und Armina geben vor eine „normale“ Ehe zu führen und eine katholische noch dazu, die keine ist: weder Ehe, denn er ist verheiratet, noch katholisch, da in Todsünde.  Dies war der Zustand bis Amoris Laetitia, welche jede Unterscheidung zwischen Ehe und Konkubinat, Ehe und Ehebruch, Ehe und Unzucht aufhob, „aufgrund der pastoralen Unterscheidung“. Aber Amoris Laetitia wurde durch das Konzil und die nachkonziliare Entwicklung vorbereitet.

Es spielt wirklich keine Rolle, ob Armina und Mulff es bequem haben, ob ihr Pfarrer sie segnet und ob alle so leben. Es spielt eine Rolle ob sie in der Hölle landen werden, weil sie objektiv gegen das objektive Gesetz Gottes:

Du sollst nicht ehebrechen!

verstoßen haben. Es spielt auch keine Rolle, ob Franziskus es mit Amoris Laeitita absegnet, denn ein Papst macht das göttliche Gesetz nicht. Und deswegen ist Amoris Laetitia und das jetzige Pontifikat so verheerend, weil es so viele Seelen in die Hölle leitet.

Don Pietro Leone, Die Kirche und Asmodeus. (5 von 7) „Überhöhung der ehelichen Liebe“.


asmodeus

B. Die Überhöhung der ehelichen Liebe

 1. Vergöttlichung und Zielsetzung

       Wir haben erklärt, wie die eheliche Liebe durch ihre Vergöttlichung erhöht wurde, durch ihre Angleichung an die göttliche Liebe der Barmherzigkeit.

        Durch die Angleichung der ehelichen Liebe an die Nächstenliebe, vergöttlicht sie der Papst nicht nur, sondern legt sie auch dadurch fest, dass er sie als einen Weg zur Verwirklichung des Sinns des menschlichen Lebens präsentiert. Denn da Gott die Summe alles Guten und Vollkommenen ist, ist die raison d’être (die Daseinsberechtigung) jedes gegebenen Dinges durch die Nachahmung des Gutseins und der Vollkommenheit Gottes selbst bestimmt. Die Vollkommenheit Gottes, zu deren Nachahmung der Mensch imstande ist, ist sein (Gottes) Wissen über und vor allem die Liebe zu sich selbst. Diese Liebe, wie wir oben erklärt haben, ist eine totale sich selbst hingebende Liebe. Indem er behauptet, dass die eheliche Liebe einer total sich selbst hingebenden Liebe gleich kommt, behauptet der Papst dann, dass der Mensch seine raison d’être, Daseinsberechtigung,  durch die eheliche Liebe (einschließlich des dazugehörigen Aktes) erfüllen kann. Tatsächlich behauptet der Papst ausdrücklich, dass die totale Selbsthingabe in der Ehe (dem Menschen (Anm. d. Übers.) die „Verwirklichung des eigentlichen Sinns seines Seins und seiner Existenz“ (16 Jan. 1980) ermöglicht.

2. Konsequenzen der unangemessenen Überhöhung der ehelichen Liebe

Es gibt zwei Arten von Konsequenzen, die aus dieser unangemessenen Überhöhung der ehelichen Liebe fließen: eine interne, das heißt eine Art von Konsequenz für andere Lehren, die die Theologie des Leibes ausmachen, und eine externe, für die Art und Weise, wie dieses System generell im Ganzen verstanden wird.

a) Interne Konsequenzen 

Wenn nun die eheliche Liebe auf das Niveau erhoben wird, das wir beschrieben haben, so kann sie klarerweise in keinerlei Weise als negativ dargestellt werden, sei es wegen der Begierde (im Sinne der inhärenten Störung des sinnlichen Begehrens) oder in ihrer Beziehung zu Jungfräulichkeit und Zölibat.

i) Begierde

     Die sexuelle Begierde wird mit der Tugend der Keuschheit bekämpft: das bedeutet totale Abstinenz außerhalb der Ehe oder Mäßigung innerhalb der Ehe. Die totale Abstinenz, die mit der Wachsamkeit über den Willen und die Phantasie verbunden ist, reicht aus,  um den Makel der Begierde in unserem Handeln zu vermeiden. Mäßigung bei der Verwendung der sexuellen Befähigung innerhalb der Ehe ist im Gegensatz dazu unzureichend, um diesen Makel vollständig zu vermeiden, wegen der der Natur innewohnenden Unordnung dieser Befähigung als Folge der Erbsünde. Die Ehe bietet jedoch einen Kontext für die nicht-sündhafte Ausübung der sexuellen Fakultät, trotz ihrer inhärenten Störung. Dies ist, was der Begriff „Abhilfe oder Heilmittel der Begierde“ bedeutet (siehe oben).

    Papst Johannes Paul II. leugnet natürlich nicht die Existenz der Begierde als Quelle der Sünde, sondern vernachlässigt, dass sie dem ehelichen Akt innewohnt, wenn auch nicht in sündhafter Weise. Aus diesem Grund kann er sagen (Diskurs 29. Oktober 1980):

„Durch die Gnade durchtränkt der Heilige Geist das sexuelle Verlangen mit allem, was edel und schön ist“,

und (26. September 1979) kann von „ursprünglicher Unschuld“ sprechen als etwas, das in gewissem Sinne dem Menschen (heute) noch zugänglich ist.

ii) Ehe in Beziehung zu Jungfräulichkeit und Zölibat

Das Konzil von Trient erklärt dogmatisch (Sitzg. 24 Can. 10):

Wer sagt, … es sei nicht besser und seliger, in der Jungfräulichkeit und dem Zölibat zu bleiben, als sich in der Ehe zu verbinden der sei mit dem Anathema belegt.

Si quis dixerit… non esse melius ac beatius manere in virginitate aut caelibatu, quam matrimonio: Anathema sit.

    In Übereinstimmung mit dieser Lehre referiert Johannes Paul II. die Worte des Heiligen Paulus (Diskurs, 7. Juli 1982), dass: derjenige, der sich für die Ehe entscheidet, „gut handelt”, während der, der die Jungfräulichkeit wählt, “besser” handelt. (1 Kor 7, 38) Das “dem Herrn gefallen” hat als Hintergrund die Liebe. Dieser Hintergrund wird an einer weiteren Gegenüberstellung sichtbar: Der Unverheiratete sorgt sich darum, wie er dem Herrn gefallen könne, während der verheiratete Mann sich auch darum sorgen muss, wie er seine Frau zufriedenstellen kann.”

     Der gleiche Papst erklärt in einer weiteren Passage (Diskurs 14. April 1982), während er die Aussage unseres Herrn (Mt 19. 12):

“Es gibt Verschnittene, die sich selbst verschnitten haben um des Himmelreiches willen”, referiert, dass diese Worte “weder einen Grund dafür liefern, die “Minderwertigkeit“ der Ehe zu behaupten, noch dafür, die “Überlegenheit” der Jungfräulichkeit bzw. des Zölibats zu vertreten, weil diese ihrer Natur nach darin bestehen, sich der ehelichen leiblichen Vereinigung zu enthalten … einzig allein um des “Himmelreiches” willen.“

In dieser zweiten Passage gibt er die Überlegenheit der Jungfräulichkeit oder des Zölibats wieder zu, und zwar um des „Himmelreiches“ willen (was eindeutig eine Entsprechung der Liebe Gottes ist). Aber er präzisiert dahingehend, dass der Grund für deren Überlegenheit genau das ist und nicht die Enthaltung vom ehelichen Akt. Und doch ist es unmöglich, das eine Motiv von dem anderen zu trennen. Die Jungfräulichkeit oder der Zölibat um des Himmelreiches/um der vollkommenen Gottesliebe willen besteht wesentlich in der Enthaltung von der ehelichen Liebe, welche buchstäblich das ist, was diesem Lebensstand seinen Charakter des übernatürlichen Opfers verleiht, in dem seine Überlegenheit liegt.

Diese Zurückhaltung, den ehelichen Akt in irgendeiner Weise zu erniedrigen, entspricht einer Tendenz, die beiden Lebensstände ein und derselben Ebene zuzuordnen. Und der Papst erklärt (Familiaris Consortio § 11) in der Tat:

„Die christliche Offenbarung kennt zwei besondere Weisen, die Berufung der menschlichen Person zur Liebe ganzheitlich zu verwirklichen: die Ehe und die Jungfräulichkeit“.[1]

     Diese dritte Passage präsentiert beide Lebensstände als Berufungsziele, als Wege, in einem totalen Sinn zu lieben, die dann folglich ein und denselben moralischen Wert haben. Folglich kann man sagen, wird beiden Ständen die selbe Ebene zugewiesen. Das steht sowohl im Widerspruch zum Konzil von Trient als auch zu der zweiten oben genannten Passage. Diese (die 2. og Passage (Anm. d. Übers.)) hatte den Stand der Jungfräulichkeit oder des Zölibates als dem verheirateten Stand auf der Grundlage  einer Verschiedenheit der Liebe als überlegen präsentiert, während die 3. Passage (aus Familiaris Consortio) beiden Ständen dieselbe Ebene aufgrund einer Gleichwertigkeit der Liebe zuweist.

Abschließend verzeichnen wir die Zusammenhanglosigkeit in der Art und Weise, wie der Papst die beiden Lebensstände zu einander in Beziehung setzt: Einmal die Jungfräulichkeit / den Zölibatsstand als überlegen; andererseits die beiden Stände als gleichwertig anzusehen. Die letztgenannte Sichtweise muss, wegen ihrer Grundlegung in einem zentralen Grundsatz seines Denkens, nämlich der sich total hingebenden Liebe, als die vorherrschende Ansicht angesehen werden.[2]

b) Externe Konsequenzen der Überhöhung der ehelichen Liebe 

      Die Überhöhung der ehelichen Liebe hat ebenfalls Konsequenzen für die Art und Weise, wie die Theologie des Leibes grundsätzlich zu verstehen ist.

     Papst Johannes Paul II. vergöttlicht die eheliche Liebe, wie wir erklärt haben, indem er sie als “sich total selbst hingebende Liebe” bezeichnet. Aber während die eheliche Liebe von der Welt als sexuelle Liebe verstanden wird und auch so vom jüngsten Lehramt (s.o.) präsentiert wird, wird diese Vergöttlichung generell als Vergöttlichung der sexuellen Liebe aufgefasst.

Derselbe Papst vergöttlicht gleichermaßen den Akt der ehelichen Liebe, indem er ihn als „totale Selbsthingabe“ bezeichnet, aber da die totale Selbsthingabe des ehelichen Aktes (insoweit er von den Ehegatten in gegenseitiger Hingabe und Zuwendung verwirklicht wird, siehe oben) auch außerhalb der Ehe bestehen kann, wird diese Vergöttlichung grundsätzlich als Vergöttlichung der sexuellen Liebe verstanden.

   Die Vergöttlichung des Eheaktes (in der Lehre des Papstes), die Vergöttlichung des sexuellen Aktes und der sexuellen Liebe im allgemeinen (wie die Lehre des Papstes generell verstanden wird) ist mit dem katholischen Empfinden eindeutig unvereinbar und stimmt weniger mit dem Katholischen Glauben und dem Katholischen Gefühlen als mit den verwirrten Launen der gefallenen Natur überein, wenn eine solche Liebe als ein Ausdruck des inneren Lebens der Allerheiligsten Dreifaltigkeit dargestellt wird.[3]

   Die Tatsache, daß diese Vergöttlichung auf Kosten der wahren göttlichen Liebe, der Caritas, erfolgte, stellt eine Ersetzung oder Verdunkelung der Caritas (und deren Vervollkommnung, der Heiligkeit) durch die Sexualität dar. Das entspricht auch dann der Wahrheit, wenn der Papst keinen solchen Effekt beabsichtigte, und selbst wenn er der Sexualität in seinem Pontifikat weniger Gedanken und Worte als der Heiligkeit widmete.

 

C. Der Wurzelfehler der Theologie des Leibes

     Wir haben behauptet, daß das formale Prinzip der Theologie des Leibes das Konzept der ehelichen Liebe als »totale Selbsthingabe« sei. Das ist ein personalistisches Prinzip der moralischen Ordnung. Es ist in einem personalistischen Grundsatz der ontologischen Ordnung begründet, nämlich dem, dass die Liebe die Persönlichkeit ursächlich bestimmt.[4]

   Diese Prinzipien leiten sich offensichltich von der trinitarischen Theologie her, die lehrt, dass:

  1. innerhalb der Allerheiligsten Dreifaltigkeit die Beziehungen die Personen konstituieren (so formt zum Beispiel die göttliche Vaterschaft den himmlischen Vater);
  2. die Liebe zwischen den göttlichen Personen eine sich total selbst hingebende ist.

   Wenn wir diese beiden Prinzipien auf die eheliche Ethik anwenden, sehen wir, wie Papst Johannes Paul II. behaupten kann, dass die Liebe zwischen den Ehegatten eine der totalen Selbsthingabe sei und dass diese Liebe ihre Persönlichkeit konstituiert: und sie zu dem macht, was sie als Personen sind.

   Jedoch müssen wir einwenden, dass das, was für die Allerheiligste Dreifaltigkeit wahr ist, weder für die Eheethik, noch für zwischenmenschliche Ethik im allgemeinen gilt. Was den ersten Punkt angeht, so haben wir oben argumentiert, daß die eheliche Liebe keine totale Selbsthingabe ist, zum zweiten Punkt, dass die Liebe die menschliche Person nicht ontologisch, sondern nur moralisch bestimmt. Ontologisch ist die Person eine Einheit aus Leib und Seele und ihre Handlungen (wie ihre Liebe) sind eine Folge ihrer Natur (agere sequitur esse), anstatt ihre Natur bestimmend.

In der Zusammenschau ist der Grundirrtum der Theologie des Leibes die missbräuchliche Anwendung der trinitarischen Theologie auf die Eheethik.

   Vom theologischen Standpunkt aus folgt dieser Irrtum der Verwirrung der übernatürlichen und natürlichen Ordnung, philosophisch gesehen ist er ein Irrtum des Subjektivismus: eine Missachtung der objektiven Ordnung – der konkreten objektiven Wirklichkeit der Dinge – sei es des Glaubens oder der Vernunft, zugunsten des Subjekts.

Weiter oben haben wir die Beweise dafür gesehen, dass dieser Subjektivismus die Person (nur) im Sinne ihrer  Liebe unter Missachtung ihrer menschlichen leib-seelischen Natur versteht, die Ehe sich im Sinne der totalen Selbsthingabe unter Missachtung des Sakramentes, des Bundes und der Gnade erdenkt; in ihrer Überhöhung ohne Berücksichtigung der Begierde oder ihrer Unterlegenheit gegenüber dem Zölibat/der Jungfräulichkeit; und in seiner Vereinnahmung der Liebe Christi zur Kirche in einer untraditionellen uind erotisierenden Art und Weise.

                                                           *

Bevor wir die Enzyklika von Papst Franziskus untersuchen, werden wir kurz den Einfluß des Geistes der Welt auf die Eheethik im jüngsten Lehramt im Lichte unserer kurzen Zusammenschau dieses Geistes oben erforschen.

Im ersten Teilabschnitt, bei Gaudium et Spes und im angepassten Kodex des Kanonischen Gesetzes, sahen wir, wie der Begriff der Zielsetzung der Ehe unterdrückt und wie die „Fortpflanzung“ dann in den Hintergrund und die „eheliche Liebe“ in den Vordergrund gerückt wurde. Wir haben dann beobachtet, wie diese Liebe einen erotischen Inhalt erwarb, der sich in den folgenden Jahren verstärken sollte.

    Im zweiten Abschnitt über die liturgischen Veränderungen und einen neuen Kodex des Kanonischen Rechts erkannten wir, wie die Schwere der Todsünde (indirekt) verniedlicht wurde.

      Im dritten Teil über die »Theologie des Leibes«, sahen wir, wie die eheliche Liebe und besonders der Eheakt verherrlicht und die »negative« Begierde heruntergespielt wurde. Wir haben eine völlige Offenheit, oder Bereitschaft seitens des Papstes erlebt, über diese Dinge zu sprechen, gleichzeitig hörten wir in seinen Worten nichts, was die Schwere der Unreinheit zu vermindern suchte. In der Tat – eine der großen Stärken des moralischen Lehre dieses Papstes ist seine Aufrechterhaltung des Naturrechts und sein konsequentes Beharren auf der Tugend der Reinheit.[5]

[1] In ähnlicher Weise lesen wir von einer „Berufung zur Ehe“ im Katechismus der Katholischen Kirche (1603).

[2] In Zusammenhang mit diese Sichtweise nehmen wir die Initiative Johannes Paul II. zur Kenntnis, einzelne verheiratete Personen und Ehepaare zu Ehren der Altäre zu erheben.

[3] Etwa vor einem Dutzend Jahren gab ein Angestellter der Kongregation für die Glaubenslehre gegenüber dem Autor informell und wortreich den Irrtum der „Theologie des Leibes“ in einer Konversation im Heiligen Offizium zu. Die Tatsache, dass dieses theologische System eine trinitarische Doktrin von der Art enthält, die wir eben erwähnt haben, genügt, um jedem, der eine katholische Sensibilität besitzt, ihren Irrtum zu zeigen, auch wenn er von unserer Kritik ihr gegenüber nicht überzeugt ist. Solche Konzepte im Katholischen Lehramt zu finden und aus dem Mund des Vikars Christi zu hören, ist ein Zeugnis für die bemerkenswerte Ausweitung der Erotik im Schoß der Katholischen Kirche  in den zwanzig Jahren nach der Verkündung von Gaudium et Spes.

[4] Vgl. unsere Diskussion des ethischen Personalismus in “Angriff auf die Ehe”

[5] Wir leugnen nicht, daß Johannes Paul II. vieles schrieb, das katholisch und wahr war, und zur Verteidigung der Nächstenliebe und Reinheit (beitrug), auch in seinen Diskursen zur Theologie des Leibes.

Die Kirche des Asmodeus oder worum es bei Don Leone geht? (5 von 7) Warum Sex schlecht für die Seele ist.


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Menschen, die aus der Welt kommen, aber auch die Mehrheit der Katholiken, Geistliche leider eingeschlossen, verstehen die traditionelle Einstellung zum Sex nicht, welche da lautet:

So wenig wie möglich, am Besten gar nicht.

Diese Einstellung ist dermaßen unweltlich und kontraintuitiv, da sexuelle Handlungen besonders bei ihrem Höhepunkgt mit einer großen Lust verbunden sind, welche nach neuesten Untersuchungen, nur noch vom Kokain-Kick im Gehirn übertroffen werden.

Warum also auf etwas verzichten, was so lustvoll ist?

Weil es vergänglich ist.

Ihr Körper, mit seinen Genitalien, ist vergänglich, liebe Leserinnen und Leser. Ihre Seele ist unvergänglich und ewig. Nachdem Sie diese 80 bis 90 Jahre gelebt haben, werden Sie sterben und die ganze Ewigkeit lang die Konsequenzen Ihrer im Leib begangenen Taten tragen. Ewig: stellen Sie ist eine Zahl mit einer unendlichen Anzahl von Nullen vor, welche niemals endet. Das also, was Sie jetzt in diesem Augenblick, im Moment der Niederschrift dieses Eintrags ist es am 4.08.2017 (St. Dominik) um 11:55, Ihnen wichtig erscheint, wird schon in ein paar Stunden belanglos sein. Abhängig von Ihrem Alter werden Sie feststellen, dass sich Ihre Prioritäten geändert haben:

  • Säugling – von der Mutter gesäugt werden,
  • Kleinkind – spielen, kuscheln, Kuscheltiere
  • Schulkind – Freunde, Schule
  • Erwachsener – Familie, Beruf, Häuslebauen etc.

Sie werden doch mit 35 über die Prioritäten gelacht haben, die Sie mit 4 gehabt haben, und mit 70 über die Ihres 35. Lebensjahres. Dies sind aber alles weltliche oder sinnliche Prioritäten. Gott ist transzendent, überweltlich, geistlich und heilig und vor Ihm werden Sie überhaupt erst bestehen können, wenn Sie ihm in Ihrem Leben gleichförmig geworden sind. Sie müssen also:

  • entweltlich
  • geistig
  • heilig

werden. In der spirituellen Literatur wird Gott oft mit Feuer verglichen, der alles vertilgt, was aus einem anderen Material als er selbst besteht (Stroh, Holz, Gummi etc) oder es umwandelt (Metall und Edemetall). Deswegen wird Christus die Welt durch Feuer richten und im Fegefeuer, mit Betonung auf „Feuer“ werden Sie so lange gereinigt werden, bis Sie auf die Energiestufe Gottes, sozusagen, kommen.  Sollten Sie aber überhaupt keine Heiligkeit und Geistigkeit aufgebaut haben, so kommen Sie in die Hölle, wo Sie ewig gemartert werden.

Ist das wirklich wahr?

Ja, es ist wahr.

Was stört aber bei der geistlichen Entwicklung am Meisten? Sex, weil er so körperlich, körperfixiert und körperbetont ist, weil er so schnell süchtig macht, weil er zu so vielen anderen Sünden führt, weil so sehr die Konkupiszenz, die Begierlichkeit, die von der Erbsünde resultiert freisetzt. Sie werden durch Sex wirklich nicht heiliger, auch in der Ehe nicht!

Wie kann man sich diese Konkupiszenz vorstellen?

Wie ein Infektionsherd, der ständig latent vorhanden ist, welcher aber durch bestimmte Tätigkeiten freigesetzt wird. Der Schreiber dieser Zeilen leidet an einer Stauballergie und immer, wenn er an seinem Rechner sitzt und in die Tasten haut, wie jetzt, setzt er eine kleinere oder größere Staubwolke frei, die er einatmet. Ja, sooft er schreibt wird seine Allergie schlimmer. Es genügt in seinem Falle die Tastatur mit einem Handstaubsauger gründlich abzusaugen, damit es besser wird, aber im Falle der Erbsünde und ihrer Konsequenz der Konkupiszenz ist dies nicht möglich. Die Konkupiszenz kann zwar durch Gnadenleben gemindert werden, sie bleibt leider bis zum Tod da. Wenn man aber das tut, was sie am meisten, wie eine Staubwolke födert, wäre man die ganze Zeit umnebelt. Der Schreiber dieser Zeilen könnte also nicht Tätigkeiten ausführen, welche mit viel Staubkontakt verbunden sind, da dies bei ihm ein Asthma und Schlimmeres verursachen würde.

Nichts setzt also die Konkupiszenz, die Vernebelung der Seele so frei, wie Sex. Danach kommen andere sinnlichen Genüsse wie Essen und Trinken, welche natürlich auch zum Sex führen. Daher die Keuschheit, das Fasten und die Mäßigkeit.  Sex dient dazu Kinder zu zeugen, in die Welt zu setzen, diese christlich zu erziehen und somit den Himmel zu bevölkern. Je mehr Kinder, desto mehr Plätze nach den gefallenen Engeln können eingenommen werden. Deswegen hasst der Teufel die Fortpflanzung, denn je weniger Menschen geboren werden, desto länger kann er wüten und der Endbestrafung entgehen. Daher leitet er zum Sex, Sex, Sex ohne Fortplanzung und Konsequenzen, am Besten natürlich zum: Gay Sex.

Da Sie also in Ihrer Todesstunde danach und ausschließlich danach beurteilt werden, wie Sie Ihre Seele Gott entsprechend entwickelt haben, so ist es doch sehr konsequent und vernünftig all das zu meiden, was ihrer Seele schadet und am meisten ist es Sex.  Die Kirche verteufelt Sex nicht, in der Ehe hat er sogar stattzufinden, aufgrund der gegenseitigen Gerechtigkeit, aber die Kirche weiß, dass Sex das Haupteinfallstor des Feindes ist. Warum? Weil vom Erlaubten zum Unerlaubten nur ein kleiner Schritt ist, auch in der Ehe.

 

Sex in der Ehe

Wenn, wie es leider in der nachkonziliaren Kirche der Fall ist, Sex als Selbtzweck und nicht zum Zweck der Fortpflanzung betrachtet wird, dann stellen sich konsequent die Fragen, warum man nicht verhüten soll, um noch mehr Sex, als Selbstzweck, zu haben. Die natürliche Verhütung ist auch eine Verhütung, denn die Intention zählt. Verhütung oder jegliche Art der Unterbindung der Forpflanzung ist aber eine schwere Sünde. Ein Ehepaar, das im Einklang mit der nachkonziliaren Lehre natürlich verhütet, indem es in ausschließlich den unfruchtbaren Tagen Sex, verhütet ja auch. So kommt man dazu, dass katholische Eheleute höchstens zwei Kinder haben, weil sie all die Kinder verhütet oder noch schlimmer abgetrieben haben (, wieder eine schwere Sünde), welche Gott ihnen schenken wollte. Eine Leserin unseres polnischen Blog hat ausgerechnet, dass beim Praktizieren der natürlichen Methode man höchstens auf zwei bis drei Tage im Monat kommen kann, wo man Sex haben darf, wozu die Frau meistens keine Lust hat. Das ist aber wirklich wenig! Wohingegen das Brustgeben eine natürliche Unfruchtbarkeit bedient, falls das Kind mit der Mutter schläft, welche in ihrem Fall ganze zwei Jahre dauerte, andere Quellen sprechen von drei Jahren. Sie stellte fest, dass die Natur schon weiß, was sie tut und Gott auch sehr freigiebig ist, da man während der Laktanz theoretisch zwei Jahre lang täglich Sex haben kann, ohne zu verhüten. Das ist wirklich viel! Bedeutet das 14 Kinder im Eheleben? Nein, höchstens 6, abhängig von der Fruchtbarkeit der Frau. Und da Sex zum Zeugen der Kinder dient, darf eine Schwangerschaft niemanden überraschen. Unsere „islamischen Mitbürger“ praktizieren es ja auch und gewinnen so die Oberhand, Frau Noch-Kanzlerin Merkel!

Wie sieht also ein katholisches Sexleben in der Ehe aus?

  • Sex haben ohne zu verhüten und ohne auf den Kalender zu schauen
    • jedoch nicht öfter als dreimal pro Woche (was kaum jemand auf die Dauer schafft)
  • ein Kind zeugen
  • während der Schwangerschaft Sex haben, falls keine Gefahr für das Kind droht
  • Kind zur Welt bringen
  • Kind mit der Brust stillen, solange es will, mit der Mutter schlafen lassen
    • eine Frau ist mindestens 6 Monate lang während der Stillzeit unfruchtbar
    • bei manchen dauert es bis 3 Jahren
  • wenn die Frau wieder fruchtbar ist, mit dem Zeugen des nächsten Kindes anfangen
  • mit der Zeit sinkt die Fruchtbarkeit der Frau und die Abstände zwischen den nächsten Kindern werden größer
  • nach den Wechseljahren können Sie theoretisch rund um die Uhr Sex haben, da keine Schwangerschaft eintritt

Wie Sie sehen, kommt man sexuell in einer katholischen Ehe durchaus auf seine Kosten und hat auch viele Kinder, wobei viel relativ ist. Ja, die Frau darf da nicht arbeiten, wodurch wirklich niemand verliert und vom Kindergeld lässt sich auch leben. Nochmals für alle zum Mitschreiben:

Sex dient dazu Kinder zu haben!

also

Sex dient nicht dazu keine Kinder zu haben!

Wenn Sie keine Kinder wollen, dann haben Sie keinen Sex, vorausgesetzt, dass Sie fruchtbar oder zeugunsfähig sind. Dennoch dient Sex in einer katholischen Ehe nicht dem Lustgewinn, sondern ist nur als remedium concupiscentiae als ein Abwehrmittel gegen die Konkupiszenz zu betrachten, denn wenn Sie Sex haben, auch in der Ehe, dann entwickelt sich das Geistige nicht.

Dennoch hat es Gott so geplant, dass sexuelles Interesse mit dem Alter abnimmt und falls man lange genug lebt, man noch an seiner seelischen Entwicklung arbeiten kann, welche natürlich viel niedriger ausfällt, hätte man keusch gelebt und sein ganzes Leben lang an der geistigen Entwicklung gearbeitet. Ein sinnlicher Mensch ist in allen Bereichen sinnlich. Das Geistige stört ihn, er kann es nicht fassen, begreifen, fühlen. Es ist so als hätten Sie 30 kg Übergewicht. In solch einem Zustand können Sie auch bestimmte Bewegungen nicht ausführen und passen nicht in manche Kleidungsstücke, dies ist nur möglich, wenn Sie abnehmen. Dieses Übergewicht ist das Nicht-Geistige, das Irdische, das Weltliche, welches Sie an Ihrem geistigen Fortkommen behindert, am meisten durch Sex. Amen.

Don Pietro Leone, Die Kirche und Asmodeus. (4 von 7) „Theologie des Leibes“.


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Da wir der „Theologie des Leibes“ schon eine Reihe samt unseren Kommentaren gewidment haben, so verzichten wir an dieser Stelle auf eine erneute Einführung. Kurz und knapp: Papst Johanne Paul II hatte Unrecht, Sex ist nicht alles, Ehe ist nicht wegen Sex da und Sex stört am meisten das spirituelle Fortkommen, weswegen man auch in der Ehe die ehelichen Akte zurückhaltend zu genießen hat, traditionelle Moraltheologie spricht von maximal dreimal pro Woche, was gar nicht so sparsam erscheint.

 

3. „Theologie des Leibes“

Der treue Besuch der Angelus – Ansprachen des Papstes Johannes Paul II. vom September 1979 bis November 1984 in der Hoffnung auf eine Schulung oder fromme Abhandlungen, wäre sicherlich enttäuscht worden. Stattdessen waren seine von ihm in aller Freiheit vorgelegten persönlichen Theorien der sexuellen Sittlichkeit zu hören. Wir werden hier kurz zwei Grundsätze der personalistischen „Theologie des Leibes“[1] untersuchen, nachdem wir diese Theorie in unserem Buch ausführlich besprochen haben. Über folgendes werden wir jetzt nachdenken:

A. Ihr (Theologie des Leibes Anm. d. Übers.) formaler Grundsatz: das Konzept der ehelichen Liebe als totale Selbsthingabe

B. Die Überhöhung der ehelichen Liebe als ihr bemerkenswertestes Kennzeichen

C. Ihr Wurzelfehler

 

A. Die total sich hingebende Liebe

Es ist unsere Behauptung, dass das formale Prinzip (oder die zentrale Konzeption) der Theologie des Leibes die Konzeption der ehelichen Liebe als „totale Selbsthingabe“ ist. Während das jüngste Lehramt die eheliche Liebe als sexuelle Liebe darstellt, präsentiert Papst Johannes Paul II. die eheliche Liebe als „totale Selbsthingabe“ und unterscheidet zwei Arten davon: eine „totale persönliche Selbsthingabe“, die die eheliche Liebe im ständigen Sinn ist, und eine „totale körperliche Selbsthingabe“, die der Akt der ehelichen Liebe ist, „das Zeichen und die Frucht“ der erstgenannten Liebe (Familiaris Consortio §11).

Im Weiteren kritisieren wir die Konzeption der ehelichen Liebe als »totale Selbsthingabe«; und dann den Vergleich der ehelichen Liebe (als Vorstellung) mit der  Liebe Gottes.

 

  1. Die totale sich selbst hingebende Liebe als eine Definition der ehelichen Liebe

Es gibt verschiedene Schwierigkeiten mit dieser Definition, von denen wir hier aber nur drei präsentieren.

a) Die eheliche Liebe als „totale Selbsthingabe“ zu definieren heißt, sie schlussendlich zu vergöttlichen; um sie so zu definieren, muss man sie mit der Liebe der Caritas (Nächstenliebe) identifizieren, die in Wirklichkeit die einzige totale sich selbst hingebende Liebe ist, die existiert. Wir erinnern uns an das Gebot unseres Herrn, Gott mit einer totalen Liebe zu lieben (ex toto corde tuo …), aber den Nächsten mit einer kleineren Liebe, das heißt, ‚wie sich selbst‘

b) In der Tat ist es für eine menschliche Person unmöglich, sich einer anderen menschlichen Person, sei es auf der metaphysischen oder auf der physischen Ebene, völlig hin zu geben.

c) Wenn wir den Inhalt der total sich selbst hingebenden Liebe auf das reduzieren, was einem Ehepaar praktisch möglich ist, nämlich ein Leben gegenseiteigen Engagements und Hingabe, so sehen wir, dass die so verstandene Form der Liebe für die Zwecke des Papstes zu weitgefasst ist. Das ist so, weil sie nicht allein auf die sakramentale Ehe beschränkt ist, wie er es beabsichtigt, sondern vielmehr eine Eigenschaft jeder gültigen Form der Ehe und sogar von gewissen außerehelichen Beziehungen, vorausgesetzt, daß die beiden fraglichen Personen (die sogar Ehebrecher sein können) sich verpflichten, für das Leben mit den entsprechenden Gefühlen der gegenseitigen Hingabe zusammenzuleben.

 

2) Sich totale selbsthingebende Liebe in Beziehung zu Gottes Liebe zum Menschen und zu sich selbst

 

Der Papst hört nicht auf, den Akt der ehelichen Liebe zur menschlichen Liebe zu Gott in Beziehung zu setzen[2], sondern sucht ihn noch weiter zu vergöttlichen, indem er ihn sowohl auf die Liebe Gottes zum Menschen als auch auf die Liebe Gottes zu sich selbst bezieht. Infolgedessen nähert sich sein Konzept der ehelichen Liebe der kirchlichen Lehre  der Nächstenliebe immer mehr an.

 

Die Liebe Gottes zum  Menschen, die der Papst im Sinn  hat, ist die Liebe Christi für seine Kirche. Er bezieht diese Liebe auf den Akt der ehelichen Liebe in verschiedener Art und Weise, von denen wir nur drei erwähnen müssen.

a) Die Unterwerfung der Kirche unter Christus

Dieses Konzept ist in Epheser 5  ausgedrückt:

„22. Die Frauen seien ihren Männern untertan wie dem Herrn; 23 denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt ist der Kirche, er, als Erretter des Leibes. 24 Wie aber die Kirche Christus untertan ist, so seien es auch die Frauen ihren Männern in allem.“

Es ist klar und so wurde es immer von der Heiligen Mutter Kirche gelehrt, dass der hl. Paulus damit lehrt, dass der Mann die Autorität über die Frau hat.

Im Gegensatz dazu interpretiert der Papst diesen Satz als die gegenseitige Unterwerfung der Ehegatten im allgemeinen (Diskurs vom 11. August 1982[3]); und in deren sexueller Entsprechung im besonderen (4. Juli 1984[4])

Im ersteren Diskurs akzeptiert der Papst, dass die Frau dem Mann unterworfen ist, ergänzt aber:„Die Liebe bringt es mit sich, dass gleichzeitig auch der Mann seiner Frau und damit dem Herrn selber untergeordnet ist, so wie die Frau dem Mann.“ Im zweiten versteht er die Unterwerfung der Ehegatten wieder als eine gegenseitige und in diesem Fall auch in einer sexuellen Art und Weise, denn so „gelangt  die wechselseitige Anziehung der Männlichkeit und Fraulichkeit zu geistlicher Reife“

 

Abschließend dann versucht der Papst,  die Unterwerfung der Frau unter ihren Ehemann als eine Form der gegenseitigen Unterordnung zu fassen. Warum aber besteht der Heilige Paulus an nicht weniger als 3 Stellen auf der einseitigen Unterordnung der Frau unter ihren Mann (in den oben zitierten Versen 22-24)? In keinem seiner Diskurse zitiert der Papst Vers 23, der den Mann als „Haupt der Frau“ beschreibt, der besonders deutlich seine Autorität über sie zeigt. Der Grund, den er für diese Innovation gibt, ist die Andersartigkeit „unseres heutigen Empfindens“, „unserer Mentalität und Sitten“, und der „sozialen Stellung der Frau gegenüber dem Mann“ (Diskurs, 11. August  1982). Aber ist der Mann dann nicht mehr “ Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Kirche ist“? Wurden der Heilige Paulus und die Tradition auf den zweiten Platz hinter die moderne Welt gesetzt? Und Wahrheit hinter das Empfinden?

 

b) Die Einheit in einem Fleisch als ein Zeichen der Einheit Christi mit seiner Kirche

Der Papst versteht diesen Satz als die fleischliche Vereinigung der Ehegatten. Im Gegensatz dazu versteht das Konzil von Trient diesen Satz als die Einheit des geistigen Bandes der Ehegatten.

 

c) Das Ausdrucksmittel der Agape

Der Papst stellt den ehelichen Akt als „den tiefsten Ausdruck von „Agape“ dar. Hier vermischt er zwei radikal verschiedene Formen der Liebe: natürliche Sinnesliebe und übernatürlich rationale Liebe (d.h. Agape oder Nächstenliebe). Die erstgenannte Liebe ist zu verschieden von der letztgenannten, um als deren Ausdruck dienen zu können[5].

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Ein ähnlicher Einwand kann gegenüber der päpstlichen Vision des Eheaktes als Ausdruck der innertrinitarischen Liebe gebracht werden, der sicherlich die kühnste Behauptung in seiner ganzen Theologie der Ehe ist. Als ein Beispiel dieser Lehre zitieren wir (Diskurs 14. Nov. 1979): „Der Mensch ist nicht nur durch sein Menschsein als solches, sondern auch durch die personale Gemeinschaft, die Mann und Frau von Anfang an bilden, zum „Abbild und Ebenbild“ Gottes geworden“ und (Diskurs vom 25. Juni 1980): „“Ein Fleisch werden“ (ist ein) „sakramentaler“ Ausdruck,… der der Gemeinschaft der Personen… entspricht“

 

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Zusammenfassend sehen wir, wie der Papst sich bemüht, die eheliche Liebe mit der Liebe Gottes in neuartiger und erotisierender Weise zu verknüpfen, ohne jede Grundlage in der Heiligen Schrift[6] oder in der Tradition.

[1] Die „Theologie des Leibes“ kann so verstanden werden, daß sie aus diesem Korpus der Diskurse besteht, aber wir werden sie in einem weiteren Sinne verstehen, um auch die Ehelehre des Papstes Johannes Pauls einzubeziehen,  die auch anderswo ausgedrückt ist, z.B. in Familiaris Consortio, welche, als Enzyklika eine größere Autorität, als die Ansprachen, beansprucht.

[2] Die unmittelbare Liebe des Menschen zu Gott (anstatt seiner Liebe durch den Nächsten mittelbar zu Gott)

[3] Vgl. auch Mulieris Dignitatem 1988

 

[4] in Familiaris Consortio §19 und §22 bietet er eine ethische Grundlegung für diese Gegenseitigkeit in gleicher Würde

[5] Natürlich kann sie der Nächstenliebe gleichkommen, wenn der Handelnde im Zustand der Gnade ist.

 

[6] Natürlich ist eine Lehre nicht einfach deshalb katholisch, weil sie in der Heiligen Schrift gründet, was der Papst hier tut. Luther begründete seine Lehre durch die Heilige Schirft, war aber ein Häretiker. Es ist notwendig, Lehren in der Heiligen Schrift so zu begründen, wie sie durch die Kirche und die Tradition ausgelegt wird. Aus diesem Grund sprechen wir oben über die „persönlichen Theorien des Papstes.