Don Pietro Leone, Der Ökumenismus (3 von 3)


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III. DAS ÜBEL DES ÖKUMENISMUS

Den Ökumenismus nannten wir eine Ersatz–Liebe, eine Pseudoliebe. Wer, wenn nicht der Teufel, der Imitator Gottes und Meister aller Täuschung hat das erfunden? Es ist seine Erfindung, oder vielmehr eine neue Verwendung einer früheren Erfindung von ihm, die der falschen Religionen. Denn er schuf die falschen oder nicht-katholischen Religionen mit der Absicht, den Menschen von seinem letzten Ziel, dem Himmel, abzulenken und wegzuziehen. Zu diesem Zweck sorgte der „Herr der Fliegen“ dafür, einige Elemente der objektiven Wahrheit und Güte in ihnen zu bewahren, um sein Produkt für seine Opfer attraktiver und akzeptabler zu machen. In der heutigen Zeit verwendet er dieselben Elemente als etwas Positives – als das, „was wir gemeinsam haben“ -, um die große ökumenische Scharade der sinnlichen, sentimentalen Liebe zur Zersetzung des Katholischen Glaubens aufzubauen: Pseudo-Religionen für eine Pseudo-Evangelisation durch eine Pseudo–Liebe.

Welche Übel birgt diese Zersetzung des katholischen Glaubens?

  1. Das erste Übel der Ökumene ist, dass sie den Glauben verdunkelt. In der Tat ist der Ökumenismus als eine typische modernistische Initiative von Natur aus „mittelalterlich“ verdunkelnd. Wenn der Papst den Dalai Lama umarmt, wenn er mit ihm oder einem anderen religiösen Führer gemeinsam betet, wenn ein katholischer Priester die Worte der Konsekration in der Heiligen Messe zusammen mit einem protestantischen Pfarrer rezitiert, scheinen sie eine gemeinsame spirituelle Grundlage zu haben, aber worin genau besteht diese? Das ist unklar.

Die Einzigartigkeit des katholischen Glaubens ist das, was der Ökumenismus ganz besonders verdunkelt. Denn wenn man den katholischen Glauben auf die gleiche Ebene wie andere Glaubensrichtungen oder Religionen setzt, so verdunkelt das die Tatsache, daß er der eine wahre Glaube und die eine wahre Religion ist und der einzige, der den Menschen erlösen kann, da er in sich die Fülle der Lehren und Sakramente trägt, die zur Rettung notwendig sind.

  1. Der Katholik, der bei ökumenischen Gesten sich nur für das interessiert, was er mit anderen christlichen Konfessionen oder anderen Religionen gemeinsam hat und was ihn mit ihnen verbindet, schwächt den Glauben, (seinen eigenen und den jedes anderen, der Zeuge dieser Gesten sein kann) in den Artikeln, die er schweigend übergeht.

Wer z.B. nur daran interessiert ist, was ihn mit den Lutheranern verbindet, verschweigt und schwächt folgerichtig dadurch sowohl den Glauben an den Opfercharakter der Heiligen Messe und die sieben Sakramente, als auch die Verehrung Unserer Lieben Frau; wer z.B. daran interessiert ist, was ihn mit den Juden oder Muslimen verbindet, verschweigt und schwächt sowohl den Glauben an die Allerheiligste Dreifaltigkeit als auch an die Göttlichkeit und Erlösungsmission Unseres Herrn Jesus Christus, die den Kern des Glaubens bilden.

  1. Derjenige, der den Glauben verdunkelt und schwächt, minimiert die Möglichkeit der Erlösung (seine eigene und die jedes anderen, der Zeuge dieser Handlungen wird)
  1. Der Ökumenismus demütigt die Kirche durch die Gleichsetzung der unbefleckten Braut Christi mit den Erfindungen des Teufels.
  1. Er beleidigt unseren Herrn Jesus Christus als den Gründer der Kirche, indem er ihn auf die gleiche Ebene stellt, wie die Gründer der anderen „Religionen“, die ihn leugnen, ablehnen oder lästern.
  1. Indem der Ökumeniker den Glauben verdunkelt und verschweigt, die Kirche demütigt und unseren Herrn Jesus Christus beleidigt, wird ihm der Unmut des Herrn auferlegt, der sagt: „Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt, dessen wird der Menschensohn sich schämen, in seiner und des Vaters und der heiligen Engel Herrlichkeit“ (Lk 9 26 nach Allioli)
  1. Wer in diesem unrechtmäßigen Prozess der Annäherung an andere Konfessionen oder Religionen so weit geht, dass er auch nur einen Glaubensartikel leugnet, schwächt nicht allein seinen Glauben, sondern fällt in Häresie und verliert ihn (den Glauben) im Ganzen.
  1. Derjenige der den ganzen Glauben oder den Glaubenskern leugnet, landet im Glaubensabfall, in der Apostasie.
  1. Durch den inter-konfessionellen Ökumenismus kollabiert der Katholizismus auf globaler Ebene in eine Art vagen Humanismus, der vom Christentum leicht angefärbt ist, wie wir es schon schmerzlich erleben können
  1. Durch den interreligiösen Ökumenismus hingegen löst sich der Katholizismus in eine rein natürliche Religion auf, die vom Gnadenstrom abgeschnitten ist. Diese Religion kann eine von zwei Formen annehmen:

a) Ein Gemisch aller Religionen, welches zu einer Art vagen Humanismus ohne eine Spur von Christentum wird

b) Ein Gemisch der monotheistischen Religionen

Diese zweite Form der Religion hat zwei Typen: als erstes einen vagen Deismus; als zweites einen Monotheismus, der das, was die drei großen monotheistischen Religionen theologisch zumindest theoretisch im Alten Testament gemeinsam haben, behält.  Auf diese Weise löst sich der Katholizismus effektiv in das Judentum auf, genauer in die jüdisch-freimaurerische Weltreligion, die als Noachismus bekannt ist. War dies die Motivation der Menschwerdung unseres Herrn Jesus Christus, seines Lebens, seines Leidens und seines Todes am Kreuz inmitten der grauenhaftesten Schmerzenskrämpfe?

Zusammengefasst ist das Übel des Ökumenismus die Verdunkelung, das Verschweigen und die Schwächung des Glaubens. Der Ökumenismus minimiert die Möglichkeit der Erlösung, er demütigt die Kirche, beleidigt Unseren Herrn Jesus Christus und missfällt ihm, er neigt zu Häresie und Glaubensabfall und drängt den Katholizismus in Richtung Humanismus, Deismus und Noachismus. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Kirche bei den ersten Versammlungen zwischen den verschiedenen nichtkatholischen christlichen Konfessionen ausdrücklich durch den Mund des römischen Papstes Pius XI (Mortalium Animos 1928) erklärt hat:

„…es ist klar, dass weder der Apostolische Stuhl in irgendeiner Weise an ihren Konferenzen teilnehmen kann, noch dass es den Katholiken irgendwie erlaubt sein kann, diese Versuche zu unterstützen oder an ihnen mitzuarbeiten. Wenn sie das täten, so würden sie einer falschen christlichen Religion, die von der einen Kirche Christi grundverschieden ist, Geltung verschaffen.“

Das Prinzip, das hier auf die Beziehungen zwischen der Kirche und anderen Konfessionen zutrifft, gilt sinngemäß für die Beziehungen zwischen der Kirche und andere Religionen

Abschluss

Wir beschließen dieses Essay, indem wir kurz die Punkte zusammenfassen, in denen Ökumenismus und Evangelisierung konvergieren und divergieren.

Beide, sowohl der Ökumenismus als auch die Evangelisierung haben einen universellen Anspruch. Der erste Begriff, der sich aus einem griechischen Wort für „die Welt“ ableitet, bedeutet in Wirklichkeit die Anpassung des katholischen Glaubens an alle anderen Konfessionen oder Religionen der Welt. Letzterer bedeutet die Unterweisung, die Taufe und die Bekehrung der ganzen Welt zum Einen Katholischen Glauben, wie aus dem Blick auf das Ende aller synoptischen Evangelien hervorgeht.

Beide, sowohl der Ökumenismus als auch die Evangelisierung sind verschiedene Typen von Liebe, beide erstreben eine Vereinigung zwischen den Parteien im Hinblick auf ein potenzielles Gut. Die Ökumene sucht die Vereinigung auf der Grundlage gemeinsamer Überzeugungen, basierend auf einem „Perpetuum mobile artigen“ Dialog, und mit Umarmungen. Sie schaut auf ein rein irdisches oder politisches Gut. Die Evangelisierung dagegen sucht die Vereinigung auf der Grundlage des Einen wahren Glaubens, der sieben Sakramente und der Unterwerfung unter den Papst. Sie schaut auf das ewige Gut des Menschen im Himmel.

Ökumenismus und Evangelisierung unterscheiden sich am deutlichsten in Bezug auf die Wahrheit. Der Ökumenismus interessiert sich nicht für die Wahrheit; die Evangelisierung dagegen hält sie für das entscheidend Wichtige, denn die Evangelisierung besteht geradezu in der Bekanntmachung der Wahrheit: in ihrer Mitteilung an jemanden, der die Wahrheit nicht kennt, damit auch er sie in Besitz nehmen und auf diesem Weg gerettet werden kann. Diese Wahrheit in ihrem höchsten Sinne ist nichts anderes als die Allerheiligste Dreifaltigkeit, die den Menschen geschaffen hat, damit der Mensch, jeder Mensch ohne Ausnahme SIE auf Erden kennen und lieben lernt und so seine ewige Seligkeit im Himmel erreichen kann. Amen.

Don Pietro Leone, Der Ökumenismus (2 von 3)


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II. Sentimentalität

1. Die Natur der ökumenischen Liebe

Mit seiner Suche nach dem irdischen Gut des Menschen wird vielleicht jemand versuchen, diesen falschen Ökumenismus zu verteidigen, in dem er behauptet, dass es wenn auch keine geistliche trotz allem eine Art der Liebe ist, in dem er sagt, „die Liebe ist ausreichend“. Denn letztendlich ist die Liebe der Grund für unser Leben und Gott selbst ist Liebe in dem Sinne, daß die Allerheiligste Dreifaltigkeit ein Geheimnis der Liebe zwischen den drei göttlichen Personen ist.

Lasst uns nun die Natur dieser ökumenischen Liebe genauer untersuchen, zuerst das Element der Vereinigung, dann das Gute, das diese Vereinigung hervorbringen soll.

a) Die Ökumenische Einheit

Was ist das, was die Parteien zu einer ökumenischen Initiative einigt?

Gemeinsame Überzeugungen und Ideale unter Ausschluss der lehrmäßigen Unterschiede. Dieses Prinzip wird typischerweise mit dem Slogan „Was wir gemeinsam haben, ist wichtiger als das, was uns trennt“ ausgedrückt. Insbesondere in der Beziehung zu anderen Religionen wird das oft durch die Formel „Wir verehren denselben Gott“ verdeutlicht.

Diese gemeinsamen Überzeugungen und Ideale bilden die Grundlage für den „Dialog“, einen Prozess, der nicht auf die Erreichung der objektiven Wahrheit ausgerichtet ist, sondern lediglich einen brüderlichen Austausch darstellt, einen Prozess, der beiden Parteien auf gleiche Augenhöhe setzt im unausgesprochenen Einverständnis, die jeweils  eigene Vision der Wahrheit dem anderen nicht aufzuzwingen. Sie bilden die Grundlage für gemeinsame Unternehmen wie interreligiöse oder interkonfessionelle Versammlungen oder diplomatische Gesten wie Baumpflanzungen und Umarmungen.

Was an der ökumenistischen Einigung bemerkenswert ist, ist, dass sie von der objektiven Wahrheit absieht. Das ist jedoch irrational, denn um mit anderen christlichen Konfessionen oder anderen Religionen vernünftig und realistisch umzugehen, müssen wir die ganze Wahrheit und nicht nur einen Teil davon in Betracht ziehen: nicht nur gemeinsame Überzeugungen und Ideale, sondern auch Lehrunterschiede

Nach kurzem Nachdenken können wir tatsächlich erkennen, dass es von dem Wichtigen weniger gibt, was uns mit Konfessionen und Religionen eint, als das, was uns trennt: nämlich der Glaube, der den Schlüssel zum ewigen Leben enthält.

Nehmen wir z.B. die anderen monotheistische Religionen: Judentum und Islam. Die Tatsache, dass sie „denselben Gott anbeten“, ist irrelevant. Denn der Gott, den sie anbeten, ist nur im philosophischen Sinne derselbe, wie der Gott des katholischen Glaubens: als in sich seiendes Sein, als Schöpfer und Ende aller Dinge; während der Gott, den sie anbeten, im theologischen Sinne der Gott ist, den sie leugnen, nämlich die Allerheiligste Dreieinigkeit, und damit nicht derselbe wie der Gott des katholischen Glaubens. Was hier wichtig ist, ist das, wie wir eben erklärt haben, was uns trennt: der Glauben an den Gott des katholischen Glaubens, weil nur dieser Glaube heilbringend ist.

b) Das Ökumenische Gut    

Welches Gut wird mit dem Ökumenismus geplant? Das irdische, politische Gut des Menschen. Dies würde in der Tat das ökumenische Unternehmen rechtfertigen, wenn es nicht um das Übel ginge, das dieses Unternehmen hervorbringt (vgl. Abschnitt III). Mit einem Wort, der Ökumenismus bietet dem Menschen ein irdisches Gut auf Kosten seines geistlichen Gutes

*

Wir schlussfolgern dass der Ökumenismus nicht die angemessene Art der Liebe zwischen der Kirche und den anderen Religionen oder Konfessionen ist. Die angemessene Art der Liebe ist vielmehr die Evangelisierung, da sie, wie jede Form der vernünftigen Liebe auf das wahre Gut des anderen zielt, ja auf sein höchstes Gut, seine Erlösung, die sie durch seine Bekehrung zu sichern sucht.

Dass die von der Ökumene vorgeschlagene Art der Liebe unangemessen ist, kann durch folgendes Bild illustriert werden: Eine Menge von Menschen versucht, einen Ozean zu überqueren. Ein Teil reist auf einem großen Boot, das gebaut wird, um Stürme und alle Arten von Gefahr zu überleben und mit allem ausgestattet, was für eine lange Reise notwendig ist. Andere reisen in kleineren Booten: Segelboote, Ruderboote; wieder andere auf Flößen oder Luftmatratzen; die übrigen schwimmen einfach. Nur das große Boot wird die andere Seite sicher erreichen; einige der anderen Boote können ankommen, aber nur mit großen Schwierigkeiten. Die übrigen Boote und Menschen werden sicherlich nicht auf die andere Seite erreichen. Diejenigen auf dem großen Boot versuchen nicht, die anderen davon zu überzeugen, an Bord zu kommen, sondern grüßen sie nur unbekümmert, wenn sie ihnen begegnen. Wie der Leser verstanden haben wird, ist das große Boot die katholische Kirche; der Ozean ist die Welt; die Menschen außerhalb des Bootes sind diejenigen, die nicht zur Kirche, oder zumindest nicht zum Leib der Kirche gehören.

Es ist offensichtlich leichter und mit mehr Spaß verbunden – zumindest für den Augenblick – zu winken und unverbindlich zu lächeln, als dem Betroffenen zu sagen, daß er einen Fehler begeht und ihn dazu zu überreden, sein Boot zu verlassen (was er vermutlich selbst schon erwogen hat) und selbst an Bord zu kommen. Außerdem wird es größere Mühe erfordern, sich um ihn zu kümmern, wenn er an Bord ist.

Wir sagten, dass der falsche Ökumenismus eine unangemessene Art der Liebe ist. Wie könnten wir das präzisieren? Insoweit er von der objektiven Wahrheit absieht, ist er irrational, wie wir oben andeuteten, begründet also keine vernünftige, sondern nur eine emotionale Liebe. Diese „Liebe“ kann genauer als Sentimentalität charakterisiert werden. Diese Sentimentalität hat ihren ersten offiziellen Auftritt in der Kirche in den Texten des Zweiten Vatikanischen Konzils in ihrer weichen und versöhnlichen Sprache und Haltung gegenüber anderen Religionen und vor allem gegenüber der heutigen Welt und in einer neuen ethischen Lehre, in der das primäre Ziel der Ehe „Liebe“ ist. Als ein Ersatz der wahren Liebe, d.h. der Tugend der Liebe, ist diese sentimentale Liebe verweichlicht und entmannend. Infolge des Mangels an Bildung und infolge fehlender Wachsamkeit des Klerus und der Gläubigen, konnte sie sich im oben erwähnten Konzil als wahre Liebe ausgeben.

2. Der Metaphysische Irrtum des Ökumenismus

Der metaphysische Fehler, der dem Ökumenismus zugrundeliegt, ist der, dass er dem Guten Priorität vor dem Wahren einräumt.

a) Auf der natürlichen Ebene

Die Seele des Menschen hat zwei grundlegende Fähigkeiten: Verstand/Erkenntnisfähigkeit und Willen (oder vernünftige Liebe), und beide müssen in seinem Handeln zur Anwendung zusammenkommen. Der tiefste Grund dafür ist, daß diese beiden Fähigkeiten dem Menschen notwendig sind, um Gott vollkommen zu verherrlichen. Dem Einwand, daß die „Liebe genügt“, antworten wir mit der Versicherung, daß die Erkenntnisfähigkeit ebenso notwendig ist.

Es muss noch hinzugefügt werden, dass die Erkenntnis (logisch) Vorrang vor der Liebe hat, insofern die Liebe blind ist und durch Erkenntnis geleitet werden muss: man muss erkennen und wissen, was man und wie man liebt. Wenn ein Säufer mich um 100 € bittet und ich sie ihm gebe, liebe ich ihn nicht. Und wenn jemand versucht, den Ozean schwimmend zu überqueren, liebe ich ihn nicht, indem ich ihm nur von meiner schönen Yacht zuwinke, während ich vorbeikomme.

b) Auf der übernatürlichen Ebene

Auf der übernatürlichen Ebene entsprechen der Erkenntnisfähigkeit der Glaube und der Liebe die Nächstenliebe. Beide – Glauben und Nächstenliebe – müssen im menschlichen Handeln eingeschlossen sein. Der Glaube reicht nicht aus, um erlöst zu werden; es ist nicht ausreichend zu lieben, um gerettet zu werden: beides, Glaube und Nächstenliebe sind notwendig.

Darüber hinaus hat der Glaube (als übernatürliche Erkenntnis) logischen Vorrang gegenüber der Nächstenliebe (als übernatürliche Liebe). Der Gegenstand des Glaubens ist Gott, die Allerheiligste Dreifaltigkeit, und wir können ihn nicht mit der Nächstenliebe (und unseren Nächsten in Ihm und IHM zuliebe) lieben, bevor wir ihn durch den Glauben erkennen.

Zusammen mit Professor Romano Amerio in seinem bewundernswerten Buch Iota Unum können wir auf einer tieferen Ebene sagen, daß die Erkenntnis der Liebe letztendlich auch innerhalb der Allerheiligsten Dreifaltigkeit selbst vorausgeht, weil die Erkenntnis Gottes im Wort Gottes der Liebe im Heiligen Geist vorausgeht: Das Hervorgehen des Sohnes aus dem Intellekt des Vaters geht dem Hervorgehen des Heiligen Geistes aus der wechselseitigen Liebe des Vaters und des Sohnes voraus. In diesem Sinne können wir sagen, dass Gott vor dem Geheimnis der Liebe ein Geheimnis der Wahrheit ist. Die hier in Frage stehende Priorität ist wie bisher eine logische Priorität: Der Vater und der Sohn sind wesensgleich und ihre gegenseitigen Beziehungen sind zeitlich nicht verschieden.

Von daher sehen wir, dass die Ökumeniker falsch liegen, wenn sie so tun, als ob Liebe alles ist, was zählt, denn – wir wiederholen es – Wissen und Liebe sind notwendig, wobei die Erkenntnis logischen Vorrang vor der Liebe hat: der Glaube vor der Nächstenliebe: die Ordnung des Wahren vor der Ordnung des Guten.

Don Pietro Leone, Der Ökumenismus (1 von 3)


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Wir wollen hier wieder einmal einen Text von Don Pietro Leone vorstellen, welcher nach den neuesten Eskapaden von Kardinal Marx nicht  besser gewählt sein könnte. Es geht um den leidigen Ökumenismus.  Und was ist so falsch daran? Das, dass sich die logischen Werte „wahr“ und „falsch“ im Laufe der Jahre nicht verändern oder gilt das für den Satz von Pythagoras. Aber in Religion ist es anders, meinen Sie? Nein, den Religion ist eine geoffenbarte Wahrheit von Gott, der Wahrheit, schlechthin und deswegen können nicht die Irrlehren von Luther aus dem Jahre 1517 nur 500 Jahre später richtig und salonfähig gemacht werden. Denn sie sind genauso falsch heute, wie sie es gestern waren. Wer das leugnet, ist nicht mehr katholisch, lieber Kardinal Marx. Die wachsende Akzeptanz für die lutherische Häresien ist durch die Umstellung des katholischen Paradigmas nach Vat. II entstanden, welches den Katholizismus zur einer sich ständig verändernden Zeitgeistreligion machte. Siehe Papst Franziskus. Wahr und falsch spielt keine Rolle, es geht umd die Beliebtheit oder die leidige Kirchensteuer. Vielleicht denkt die cancelliera, wie sie auf Italienisch heißt, Angela Merkel, dass die Zusammenlegung der beiden Kirchen Geld sparen kann, welches für die islamischen Kulturbereicherer ausgegeben werden kann, damit wir bald hier überhaupt kein Christentum mehr haben. Wer weiß, wer weiß? In der Zeit als Don Pietro Leone diesen Aufsatz schrieb, war eine neue Einheitsmesse, die angeblich von Papst Franziskus geplant wird, noch nicht denkbar.  Durch den Ökumenismus hat die katholische Kirche ihre Identität verloren, das Papstum mit Franziskus auch. Schade.

Von Don Pietro Leone

Im Anfang war der Ökumenismus und der Ökumenismus war mit Gott und der Ökumenismus war über Gott.

(Aggiornamento per tutto compreso i vangeli, cap.iv, Ester Maria Ledda, 2013, Bonanno)

Das Original ist hier zu finden.

In der Waffen- und Rüstungsabteilung seiner Höllen-Werkstatt ist Satan sicherlich stolz auf den Ökumenismus. Bitten Sie Satan, Ihnen den Ökumenismus zu zeigen, wenn Sie jemals das Pech haben, dort zu enden. Diese mächtige Waffe ist jüngeren Datums. Sie wurde für die heutige Zeit, in der der Glaube zerfällt und erkaltet und für die Beschleunigung dieses Prozesses entwickelt. Ihre erste Reaktion wird eine bewundernde sein:

„Was für ein schönes Kunstwerk!“

werden Sie sagen. Ihre zweite Reaktion, wenn Sie es sich näher angesehen haben, wird eine überraschte sein, da es innerlich völlig hohl und leer ist.

„All unsere Waffen sind hohl“,

wird Er ihnen kurz antworten.

„Hast du die ganze Zeit nichts verstanden? Das Wichtige ist die Sichtweise auf die Dinge. Aber es ist wahr,“

wird er nach einem kurzen Moment einräumen,

„diese Waffe ist ganz besonders hohl.“

 

I. Die Hohlheit

 1. Logische Hohlheit   

Es gibt zwei Arten von Ökumenismus. Die erste zielt auf die Einheit aller christlichen Konfessionen, oder aller Glaubensbekenntnisse ab, voraussetzend, dass sie alle wahr sind, die zweite fokussiert auf die Einheit auf der Basis des kleinsten gemeinsamen Nenners.

Wir werden die logische Zusammenhanglosigkeit beider Typen im Folgenden aufzeigen

a) Die Zusammenhanglosigkeit der ersten Form des Ökumenismus

Was den ersten Typus anbelangt, so zitieren wir den Heiligen Pius X in Pascendi:

„Die Modernisten leugnen nicht, sondern geben tatsächlich zu, manche hinter vorgehaltener Hand, andere ganz offen, dass alle Religionen wahr sind.“

Der Papst bezieht sich auf eine subjektivistische Auffassung von Religion, die auf die persönliche Erfahrung reduziert wird, die jeder Mensch von Gott in seiner eigenen Religion hat, zusammen mit der Symbolik, die dazu gehört. Diese Auffassung wurde von ihm im Dekret Lamentabili und in der oben erwähnten Enzyklika Pascendi verurteilt.

Das bedeutet jedoch nicht, dass es nicht viele gibt, die gerne behaupten, dass alle Glaubensbekenntnisse wahr sind, sogar als objektives Konzept von Glaube und Religion. Darauf muss aber erwidert werden, dass diese Behauptung gegen den Grundsatz des Nicht-Widerspruchs verstößt, da es nur eine Wirklichkeit gibt und jeder Glaube oder jede Religion eine andere und exklusive Sichtweise davon darstellt. Aus diesem Grund behauptet der überzeugte Gläubige jeder Religion oder jedes Bekenntnisses, dass seine Vorstellung richtig ist und die Vorstellungen der anderen Gläubigen falsch sind: Kurzum, er behauptet, dass sein Glaube oder seine Religion der einzige wahre Glaube und die einzig wahre Religion ist, die es gibt.

Die Eine Heilige Römisch Katholische Kirche kann in dem Sinne noch weiter gehen, als sie nicht nur sagt, dass sie den einzig wahren Glauben hat und die einzig wahre Religion ist, sondern dass es der einzige Glaube und die einzige Religion überhaupt ist. Denn die Kirche lehrt, dass der Glaube eine Art von Wissen ist, d.h. die Erkenntnis der Wirklichkeit: Die Realität, die Gott ist. Und da es nur eine Wirklichkeit und nur einen Gott gibt, kann es nicht mehr als eine Erkenntnis von dieser einen Wirklichkeit, die Gott ist, geben. Weiterhin lehrt die Kirche, dass nur der katholische Glaube (zusammen mit der Taufe) uns mit diesem Gott vereinigt, und dass deswegen der Katholische Glaube auch die einzige Religion ist, wenn Religion nichts anderes bedeutet, als das spirituelle System, das uns mit Gott verbindet (Lateinisch ligat).

Die Popularität der Theorie, dass alle „Glaubensbekenntnisse“ oder „Religionen“ objektiv wahr seien, zeigt uns das Ausmaß der Unfähigkeit zu rationalem Denken, zu dem der heutige Mensch gekommen ist – auch wenn die Absurdität solch einer Theorie ihre Respektabilität in den Augen der Modernisten sicher nicht mindert.

b) Die Zusammenhanglosigkeit der zweiten Form des Ökumenismus

Die zweite Form des Ökumenismus reduziert den Glauben zu einem Amalgam (zusammengekleisterten Gemisch) von unterschiedlichen Überzeugungen, um ihn dann mit dem Amalgam anderer „Glaubensbekenntnisse“ und „Religionen“ auf der Suche nach einer gemeinsamen Grundlage zu vergleichen. Die EINE, HEILIGE, RÖMISCH KATHOLISCHE Kirche lehrt im Gegensatz dazu, dass sich der Glaube als unteilbare Einheit konstituiert, als Einheit, die sich aus seinem Gegenstand, nämlich Gott selbst, ergibt. Aus diesem Grunde ist es unmöglich, von irgendeiner katholischen Lehre im Interesse der Übereinstimmung mit anderen abzusehen.

2. Moralische Hohlheit

Der Ökumenismus wird als eine Art geistige Vereinigung präsentiert, die auf ein geistliches Gut zielt. Mit einem Wort, es wird als eine Art spirituelle Liebe zwischen den Mitgliedern der katholischen Kirche und den Außenstehenden dargestellt. Aber der Ökumenismus stellt keine geistliche Liebe dar, weil er weder aus einer geistigen Vereinigung (was auch immer damit sinnvoll gemeint sein könnte), noch in irgendeiner Art von geistlichem Gut besteht.

a) Das Fehlen einer geistlichen Einheit

i) Der Katholischen Kirche wurde von Unserem Herrn die Anweisung gegeben, nur eine Art von geistlicher Vereinigung mit Nicht Katholiken zu entwickeln und das ist eine dreifache Vereinigung die besteht aus:

a) der Vereinigung unter der Autorität der katholischen Hierarchie

b) der Vereinigung in den sieben Sakramenten  und

c) der Vereinigung in dem einen Katholischen Glauben

Das ist die einzige Art der Einheit, die der Katholischen Kirche erlaubt ist, mit anderen zu etablieren, weil nur dieser Typ der Einheit das geistliche Gut, nämlich ihre Erlösung bewirken kann. Auf der anderen Seite ist die von der Ökumene gesuchte Einheit schlicht nur eine partielle Einheit, insoweit, als nur einer oder mehrere dieser drei Elemente fehlen. Deswegen hat sie nicht die Kraft zu erlösen.

ii)  Die geistliche Einheit, die vom Ökumenismus gesucht wird, wirkt also nicht erlösend. Bezeichnenderweise ist sie nicht übernatürlich, insoweit der Ökumenismus den Katholizismus typischerweise auf den Glauben (verstanden als eine Ansammlung von verschiedenen Überzeugungen) reduziert, und folgerichtig die Sakramente ignoriert, die notwendig sind, um uns mit Gott hier auf der Erde und im Himmel zu vereinigen. In den beiden Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils Ad Gentes und Nostra Aetate, die sich auf das Verhältnis zwischen Kirche und den nichtchristlichen Religionen beziehen, ist der Begriff „übernatürlich“ nirgendwo zu finden.

iii) Die geistliche Einheit, die vom Ökumenismus gesucht wird, ist bezeichnenderweise nicht moralisch, da sie dazu neigt, den Glauben auf jene Lehren zu reduzieren, die die Natur und die Wirklichkeit Gottes betreffen. Dabei vernachlässigt sie jedoch die moralischen Lehren, die ein wesentlicher Bestandteil des Glaubens sowohl als auch für das ewige Leben notwendig sind, denn der Glaube ist das Licht, das uns den Weg zum Himmel zeigt

b) Das Fehlen eines geistlichen Gutes

Die Art des Guten, das ausschließlich vom Ökumenismus gefördert wird, ist nicht die Erlösung, sondern nur der irdische Frieden und das Glück, die kein geistliches Gut sind. Beide sind auch nicht die primäre oder wesentliche Aufgabe der Kirche. Die Kirche, wie wir eben angedeutet haben, wurde für das ewige Heil des Menschen gegründet: für seine Erlösung. Der Ökumenismus hingegen zielt ausschließlich auf sein irdisches Gut. Dann aber ist es keine geistliche Initiative, sondern eine rein politische. Das irdische Wohlergehen des Menschen ist – als Folge ihrer Hauptaufgabe, die sein ewiges Heil ist –  höchstens eine Nebenpflicht der Kirche.

Don Pietro Leone, Angriff auf die Ehe – Aufsatz (3 von 3)


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  1.     KRITIK DER NEULEHRE 
  2. Im folgenden Abschnitt werden wir 6 Hauptaussagen Linie für Linie vergleichen, zunächst die traditionelle Lehre, und danach die neue.

        1. a) Der Hauptzweck der Ehe ist die Fortpflanzung;

  1. b) Der Hauptzweck der Ehe ist die Liebe;

        2. a) Die eheliche Liebe wird als gegenseitige Hilfe und Unterstützung verstanden;

  1. b) Die eheliche Ehe wird als „ganzheitliche Selbsthingabe“ verstanden;

         3.a) Großfamilien werden empfohlen;

  1. b) Kleinfamilien werden empfohlen;

          4.a) Die natürliche Geburtenkontrolle wird mißbilligt;

  1. b) Die natürliche Geburtenkontrolle wird gebilligt;

         5.a) Die Ehe wird dem geweihten Lebensstand unterordnet;

  1. b) Die Ehe wird dem geweihten Lebensstand gleichgestellt.

        6.a) Der Ehemann wird als Familienoberhaupt betrachtet;

  1. b) Der Ehemann und die Ehefrau werden völlig gleichgestellt;

       In bezug auf diesen Vergleich stellen wir die folgenden Fragen und geben die entsprechenden Antworten:

  1. i) Ist die Lehre in beiden Fällen die gleiche? Nein.
  2. ii) Hat die neue Lehre im Vergleich zur traditionellen eine größere Klarheit oder Tiefe des Ausdrucks? Nein.

       iii) Ist es eine unterschiedliche Lehre? Ja.

  1. iv) Ist die traditionelle Lehre katholisch? Ja.
  2. v) Ist eine Lehre, die einer katholischen Lehre entgegensteht unkatholisch? Ja.
  3. vi) Ist eine katholische Lehre wahr? Ja.

       vii) Ist eine unkatholische Lehre falsch? Ja.

        Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die neue Lehre in ihrem prima facie Sinn in allen aufgezählten Fällen falsch ist.

Aber was läßt sich über ihren sekundären Sinn sagen? Da sie nicht formell häretisch ist und nicht in formellem Gegensatz zum katholischen Dogma steht, sollten wir in der Lage sein, sie auf eine Weise auszulegen, die mit der katholischen Lehre übereinstimmt.

Aber zu welchem Zweck? Wir wollen diese falschen und zutiefst schädigenden Lehren nicht etwa rechtfertigen oder jene rechtfertigen, die sie verkündet haben, nicht einmal aus Frömmigkeitsgründen gegenüber einem Papst oder einem Konzil. Der einzige Beweggrund dafür, diese Lehren im katholischen Sinne auslegen zu wollen, ist, um zu zeigen, daß sie nicht formell häretisch sind, was natürlich theologisch betrachtet problematisch wäre. Aber dies ist ein ausschließlich akademischer Beweggrund.

Der lehramtliche Personalismus, der den obengenannten Lehren zugrunde liegt, stellt letzten Endes ein rapprochement mit der Welt (eine Annäherung an die Welt) dar, die nichts anderes ist als das Reich der gefallenen Natur. Die Aufgabe der Kirche ist jedoch nicht, der gefallenen Natur Unterstützung zu geben, sondern eher ihr zu widerstehen, sie zu bekämpfen, abzutöten und so weit wie möglich zu heilen, um sie damit auf die Empfängnis der göttlichen Gnade in diesem Leben und die Vereinigung mit Gott im Himmel vorzubereiten.

       Der lehramtliche Personalismus hat das Tor zu den ganzen Ausschweifungen der Theologie des Leibes geöffnet, und hat den Versuchen Aufschwung gegeben, Unzucht im allgemeinen im Namen der „Liebe“ zu rechtfertigen, was in den abstrusen und makabren fantasticherie der Bischofsynode zum Thema Familie im Jahr 2014 seinen Höhepunkt erreicht hat.

      Die Lehren, welche dieser Personalismus fördert, zusammen mit allen anderen neuen Lehren[1], die von Kirchenmännern seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil vorgelegt werden, stellen einfach einen Mißbrauch der kirchlichen Lehrautorität dar.

  1. DIE PHILOSOPHISCHE GRUNDLAGE DER NEULEHRE

Die Begründung der Neulehre liegt in der These, die wir als ‚Lehramtlicher Personalismus’ bezeichnen können. Der Beweggrund der These scheint Wunsch zu liegen, sittliche Grundsätze aufzustellen, die für jeden Menschen (guten Willens) annehmbar sind. Aus diesem Grund werden ‚positive‘ Elemente in den Vordergrund gerückt, wie die universelle (natürliche) Würde, und ’negative‘ Elemente wie die Erbsünde und die Hölle werden übergangen; auch aus diesem Grund weicht der Objektivismus dem Subjektivismus, und der Glaube der Philosophie. In diesem Zusammenhang ist eine Rundfunksendung von Papst Johannes Paul II zur Zeit des Zweiten Vatikanums aufschlußreich. Er sagt dort: ‚Das Konzil und die Kirche… betrachten den Ruf hinsichtlich der Menschenwürde als die wichtigste Stimme der Zeit[2]… Die Sache der Menschenwürde ist sicherlich ein ökumenisches Element, ein Element, das allen Menschen echt guten Willens gemeinsam ist[3]‚.

Hinter dem Wunsch, sittliche Grundsätze aufzustellen, die für alle Menschen guten Willens annehmbar sind, steckt der Wunsch, oder so scheint es zumindest, alle Menschen guten Willens zu vereinigen. Der tiefste Beweggrund des Personalismus wäre dann die Sehnsucht nach Einheit, oder mit anderen Worten die Liebe, da die Sehnsucht nach Einheit Ausdruck der Liebe ist.

Als Kommentar läßt sich sagen, daß universelle philosophische Grundsätze für die Feststellung der Wahrheit, ob natürlich oder übernatürlich, unverzichtbar sind, aber sie müssen gesund sein und können nur innerhalb der Schranken angewendet werden, die ihnen zu Recht auferlegt sind; sonst führen sie nicht zur Wahrheit hin. Zweitens läßt sich sagen, daß das ganze Moralgesetz durch das Gebot der Liebe ja ausgedrückt werden kann (Mt. 22,40 und Jo. 13, 34), aber daß die Liebe natürlich auf der Wahrheit gründet; andernfalls läuft sie nicht auf die echte Liebe aus.

Das Grundirrtum des Personalismus ist, daß er dem Subjekt einer Natur den logischen Vorrang über die Natur selbst verleiht, d.h. konkret der menschlichen Person über die menschliche Natur. Im ethischen Bereich, wofür wir uns hier interessieren, bedeutet das den Vorrang der Ordnung des Guten über die Ordnung des Wahren: den Vorrang des subjektiv gesehenen Gutes einer gegebenen Person über ihre objektive Natur, die nämlich das Naturgesetz einschließt.

In diesem Vorrang des Guten über das Wahre, oder, anders ausgedrückt, im Vorrang der Liebe über die Kenntnis, oder der sinnlichen Liebe über die Liebe der Caritas stellt sich der Personalismus als subjektivistisch dar, und damit in der Schlußanalyse, auch verfehlt.

 

  1. DIE THEOLOGISCHE GRUNDLAGE DER NEULEHRE

Sollten wir diesem radikalen Subjektivismus, diesem radikalen Anthropozentrismus bis zu seinem logischen Abschluß folgen, wo würden wir hinkommen? Zur Vergöttlichung des Menschen trotz Gott, oder in anderen Worten trotz der heiligmachenden Gnade.

Diese Tendenz ist ganz klar dabei, den katholischen Glauben von innen her zu zerstören. Wir könnten uns auch fragen, ob dies lauter eine zerstörerische Tendenz ist oder ob es innerhalb des Prozesses der Schaffung einer neuen Religion, oder Pseudo-Religion zu sehen ist, die dabei ist, den Glauben zu ersetzen.

Die Antwort ist klar. Die zerstörerische Tendenz ist nichts anderes als die Arbeit eines Parasiten aus der Mitte der Katholischen Kirche, eines Parasiten, der der ursprüngliche Rivale des katholischen Glaubens ist: das System des Denkens und der Wirkung, die als Gnosis bekannt ist. Er ist dabei, den katholischen Glauben in eine amorphe und nicht zu unterscheidende Vermischung aus Wahrheit und Häresie zu verwandeln, die der Gnostizismus ist.

Dies war in den ersten Jahrhunderten der Kirchengeschichte versucht worden, bis es von den Kirchenmännern, ihren Heiligen und ihren Kirchenlehrern besiegt worden war. Zweitausend Jahre später hat es auf triumphale Weise seinen Wiedereintritt in die Kirche gefunden, aber dieses Mal auf ihrer Einladung.

Der Gnostizismus besitzt die folgenden besonderen Eigenschaften seines Elternsystems, der Gnosis: Er befeindet die Gnade, befeindet die objektive Wahrheit – natürlich oder übernatürlich -, er spricht allen Religionen und Philosophien denselben Rang und Wert zu, er ist radikal subjektivistisch und anthropozentrisch mit einem besonderen Akzent auf den Wert der Erfahrung und der Sinnlichkeit, er betont als das erste und wichtigste Dogma die Selbst-Vergöttlichung des Menschen.

[1] Siehe z. B. den Begriff “Kollegialität”, und die These, daß die Kirche Christi über die Katholische Kirche hinausreicht.

[2] On the Dignity of the Human Person, S. 179.

[3] Ibid., S. 180.

Don Pietro Leone, Angriff auf die Ehe – Aufsatz (2 von 3)


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  1. VERSCHIEBUNG IM BEGRIFF DER EHELICHEN LIEBE

 Wir betrachten hier ausführlicher die These, der Akt der ehelichen Liebe bestehe darin, daß ‘sich Mann und Frau einander vorbehaltlos gegenseitig schenken’ (Familiaris Consortio 32, zitiert im Neuen Katechismus 2370). Wenn diese These falsch ist, dann ist auch das ganze Gebäude der Theologie des Leibes hinfällig.

Wir müssen nun bekennen, daß  diese These unhaltbar ist: Zuerst metaphysisch, weil die menschliche Person  unmittelbar ist; zweitens physisch, weil der Akt der ehelichen Liebe wesentlich das Suchen und den Genuß von Vergnügen mit sich bringt, ohne das er in der Tat unmöglich wäre; drittens moralisch, weil die Kirche lehrt erstens, daß der Ehemann Macht über den Leib der Frau, und die Frau Macht über den Leib des Mannes hat’ (I. Kor. 7.4), was bedeutet, daß jeder Partner nicht nur geben sondern auch nehmen soll; und zweitens (und allgemeiner), daß die Liebe des vorbehaltlosen Sich-Schenkens allein Gott gebührt und auch nur gegenüber Ihm möglich ist (Lk. 10.27), während die Nächstenliebe dem Menschen auf einer niedrigeren Stufe und in den ehelichen Beziehungen mit Zurückhaltung und Mäßigung geboten ist[1]. Tatsächlich bedeutet eine ganzheitliche Nächstenliebe Götzendienst.

Im Lichte der Unterscheidungen zwischen den drei oben aufgeführten Liebesarten soll die eheliche Vereinigung in ihrer idealen Ausprägung ein Akt der von der vernünftigen Liebe beseelten sinnlichen Liebe sein, so daß ein Gatte den anderen nicht als Gegenstand sondern als Person zu lieben vermag, und darüber hinaus beseelt von der Liebe der caritas, durch welche ein Gatte den anderen in und wegen Gott zu lieben vermag.

  1. VERSCHWEIGUNG DER LEHRE UEBER DEN EHEMANN ALS FAMILIENOBERHAUPT

Was auffallenderweise in Familiaris Consortio, im Neuen Katechismus, in der neuen Liturgie[2], und in der neueren Kirchenlehre auf der lehramtlichen,  bischöflichen, und sogar Pfarr-ebene fehlt, ist die Lehre, daß der Ehemann das Oberhaupt der Familie ist, wie Christus das Oberhaupt der Kirche ist.

Es scheint, daß diejenigen, die für die entsprechenden Abschnitte im Zweiten Vatikanischen Konzil verantwortlich waren, zusammen mit Papst Johannes Paul II., diese Lehre mit der Lehre einer völligen Gleichsetzung von Mann und Frau auf der Grundlage der Gleichheit der persönlichen Würde zu ersetzen beabsichtigten.

Johannes Paul II. zitiert Gaudium et Spes in der obengenannten Enzyklika (Abschnitt 19) wie folgt: „Die Einheit der Ehe wird von der gleichgestellten persönlichen Würde von Ehemann und Ehefrau ausstrahlen, eine Würde, die durch gegenseitige und totale Liebe anerkannt wird;“ und nochmals in Abschnitt 22: „Die gleichgestellte Würde und Verantwortung der Frauen mit den Männern wird im Sich-Schenken verwirklicht.“ Was wir hier sehen, ist ein Verschweigen oder ein Übergehen einer von der Tradition geehrten und in der Heiligen Schrift verankerten katholischen Lehre zugunsten eines rein philosophischen Prinzips.

Wir beobachten die gleiche Einstellung seitens Papst Johannes Paul II.s in seiner ‚Theologie des Leibes’.

Dieses philosophische Prinzip, dasjenige der gleichgestellten Würde der Person, ernennt offensichtlich keinen der beiden Eheleute zum Familienoberhaupt. Im Gegenteil, es läßt in jedem gegebenen Fall die Frage offen, wer denn diese Rolle einnehmen solle. Die Folge dieses Schweigens bezüglich der Autorität des Mannes hat eindeutig zur dominierenden Stellung der Ehefrau in der Frage der Autorität, wie sie sich zunehmend in zeitgenössischen Ehen zeigt, beigetragen.

Es ist bedauerlich, daß die Folge dieses Schweigens auf seiten des Magisteriums mit zutiefst anti-katholischen Ideologien oder Haltungen, wie dem Feminismus und der Entmännlichung der Gestalt des Mannes, des Ehemannes, und des Vaters, einhergeht[3].

[1]  Mäßigung im Bereich der Geschlechtlichkeit entspricht der Keuschheit; Zurückhaltung ist eine sie ergänzende Tugend (s. Kapitel 1, cf. Römischer Katechismus über den Gebrauch der Ehe).

[2] Der Text vom Epheserbrief über den Mann als Familienhaupt kommt in den Trauungslesungen nicht mehr obligatorisch vor. Er erscheint eher als Auswahltext unter verschiedenen anderen, die eine Fassung des Ephesertextes einschließen, wo die Andeutung an die Hauptrolle des Mannes aber entfernt worden ist.

[3] Die Situation ist mit dem zeitgenössischen Bild des Mannes und Vaters innerhalb des Priestertums vergleichbar.

Don Pietro Leone, Angriff auf die Ehe – Aufsatz (1 von 3)


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 ANGRIFF AUF DIE EHE

Die Krise in der Familie und in der Ehe, die sich in der Schwangerschaftsverhütung, Scheidung, Abtreibung, Unzucht, und Homosexualität unaufhörlich ausbreitet, stammt offensichtlich vom Geist der Welt her und letztendlich von der gefallenen Natur. Der selbe Geist ist aber jetzt ins kirchliche Lehramt selbst hineingeschlichen, das somit eine mitwirkende Rolle in der Krise spielt.

Die folgenden Auszüge von ‚Angriff auf die Ehe’ (Patrimonium Verlag 2016) bezeugen diese Tatsache und versuchen, sie nach den traditionellen theologischen Prinzipien der kirchlichen Lehre zu analysieren.

 

  1. VERSCHIEBUNG IM LIEBESBEGRIFF

Die Kirchentradition unterscheidet zwischen drei grundlegenden Liebesarten. Erstens gibt es die sinnliche Liebe (oder die Leidenschaft der Liebe), für welche die geschlechtliche Liebe ein Beispiel ist; zweitens gibt es die vernünftige Liebe (oder die Tugend der Liebe); drittens gibt es die Liebe der Caritas, also jene Art der vernünftigen Liebe, die durch die übernatürliche Gnade erhöht ist, um Gott in Sich Selbst zu lieben und den Nächsten in und wegen Gott.

     Die Änderung der Lehre Kirchenmänner ab dem Zweiten Vatikanischen Konzil bis zum heutigen Tage mit ihrer Öffnung gegenüber der Welt in all ihren Erscheinungen und besonders in ihrer Lehre über die Ehe besteht wesentlich in der Verschiebung von der Liebe der Caritas zur sinnlichen Liebe hin.

  1.   UMKEHRUNG DER EHEZWECKE

Nun lehrt ja die Kirche, die Ehe habe drei Zwecke: 1) die Zeugung und Erziehung von Nachkommenschaft; 2) der gegenseitigen Beistand der Gatten; 3) die Heilung der Begierlichkeit (vgl. Römischen Katechismus)[1]. Die Kirche lehrt weiter, daß der erste Zweck gleichzeitig der Hauptzweck ist (vgl. Lehramt, hl. Schrift, Kirchenväter, und spekulative Theologie).

Im Gegensatz zu dieser Lehre vertreten bestimmte moderne Autoren die Ansicht, das Wohl der Gatten (also der zweite Zweck) stehe auf derselben oder sogar auf einer höheren Ebene als das Wohl der Kinder (der erste Zweck).

Diese moderne Ansicht ist vom Lehramt verworfen worden. Eine Erklärung des Heiligen Stuhls de Finibus Matrimonii vom April 1944 (AAS XXXVI S.103) stellt die Frage: ‘Ist die Lehre bestimmter moderner Autoren zulässig, welche leugnen, die Zeugung und Erziehung von Kindern sei der Hauptzweck der Ehe, oder lehren, die zweitrangigen Zwecke seien dem Hauptzweck nicht notwendiger Weise untergeordnet, seien vielmehr mit diesem gleichwertig und von diesem unabhängig? Die Antwort lautet: Nein, diese Lehre ist nicht zulässig’. In seiner Ansprache an die Hebammen (1951) bezeichnet Papst Pius XII. solche Lehren als ‘eine schwerwiegende Umkehrung der Wertordnung und der Ziele, die der Schöpfer selbst gesetzt hat.’

Diese moderne Ansicht ist während des Zweiten Vatikanischen Konzils trotz der eben zitierten Erklärungen neuerlich vorgetragen, sie fand (in verhüllter Form) ihren Weg in die Texte von Humanae Vitae, und von dort in den neuen Kodex des Kirchenrechts, den Neuen Katechimus, und in Familiaris Consortio, inter alia.

Die Theologie des Leibes muß vor diesem Hintergrund gesehen werden. Auch wenn sie nicht ausdrücklich leugnet, daß die Zeugung und Erziehung von Nachkommenschaft der vornehmliche Zweck der Ehe ist, so geht es ihr fast ausschließlich um die eheliche Liebe, wobei sie die Zeugung bestenfalls als eine Beigabe sieht, so wenn der Papst hinsichtlich der ‘personalen Gemeinschaft von Mann und Frau …’ hinzufügt: über ‘alldem ließ sich von Anfang an der Segen der Fruchtbarkeit nieder‘ (November 14.. 1979, West S.25).

 Hinsichtlich der besonderen Auffassung der ehelichen Liebe in der Theologie des Leibes, des gegenseitigen Sich-Schenkens nämlich, beobachten wir, daß diese Auffassung bereits bei bestimmten Autoren vorlag, wenn sie den absoluten Vorrang des Zeugungszwecks der Ehe leugneten. Die oben angeführte Erklärung stellt fest, daß für manche dieser Autoren folgendes an erster Stelle steht: ‘die gegenseitige Liebe der Gatten und ihre Einheit, die entwickelt und vervollkommnet werden soll, indem sich einer dem anderen leiblich und geistlich schenkt’, und Papst Pius XII. sagt in der oben zitierten Ansprache ähnlich, daß für manche dieser Autoren der Hauptzweck der Ausübung des ehelichen Rechts darin besteht, ‘daß die körperliche Vereinigung der Ausdruck und Betätigung der persönlichen und gefühlsmäßigen Einheit ist’, und der Papst ergänzt: ‘Wir sind Zeugen der Verbreitung von Ideen und Gesinnungen, die einem klaren, tiefen und ernsthaften christlichen Denken widersprechen.’

[1] Der zweite und dritte werden bzw. oft zusammen als den zweiten Zweck betrachtet.

 

Buchempfehlung: Don Pietro Leone, Angriff auf die Ehe


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Wir freuen uns wirklich sehr ein Buch auf Deutsch vorstellen zu können, welches von einem der wenigen katholischen Theologen stammt, die international publizieren und international bekannt sind. Wir sprechen hier von einem italienischen Priester, der unter dem Pseudonym Don Pietro Leone publiziert und dessen Aufsatz über die „Theologie des Leibes“ von Johannes Paul II in der Übersetzung von Eugenia Roth bereits bei uns veröffentlicht haben. Don Pietro Leone publiziert vornehmlich auf Englisch auf Rorate Caeli und seine Beiträge zeichnen sich durch die folgenden Kriterien aus, welche in der heutigen Kirche sehr selten sind:

  1. Gute Kenntnis der vorkonziliaren – traditionellen – Theologie.
  2. Fähigkeit selbständige Vergleiche und Analysen anzustellen.
  3. Einfachheit der Sprache und der Darstellung.
  4. Subtile, wenn auch fundierte Kritik.
  5. Frömmigkeit und Liebe zur Kirche.

Da Don Leone ein Priester ist, der ausschließlich im Alten Ritus zelebriert, so erlebt er harte Zeiten in jeglicher Hinsicht. Wir stehen mit ihm in Kontakt, können ihn als unseren eigenen Autor begrüßen und werden seiner bisherigen Aufsätze ins Deutsche übertragen, weil sie es wert sind. Der Aufsatz über die Theologie des Leibes  war für uns selbst ein „Augenöffner“, denn er erklärt klar und deutlich all die unkatholischen Aporien der wojtyllanischen Theologie, welcher leider vom Ansatz her gnostisch ist. Das einzige Manko, dass wir bei Don Pietro Leone sehen, ist der Umstand, dass er seine Rückschlüsse dermaßen sanft und subtil formuliert, dass manch ein Leser nicht weiß, worin das Skandalöse eigentlich besteht. Dann kommen wir, mit der Axt im Walde und hauen den Weg frei.

angriff-auf-die-eheNichtsdestotrotz gehört Don Pietro Leone zu den besten katholischen Theologen und Autoren, die wir in der traurigen Zeit des Pontifikats von Papst Franziskus haben und die gefördert werden sollten. Sein 320 Seiten langes Buch „Angriff auf die Ehe“ stellt die deutsche Übersetzung seines Werkes „Family under attack“ und zeigt sehr deutlich und konsequent, wie die nachkonziliare Ehelehre von der traditionellen Ehelehre abgeirrt ist, sodass, so meinen wir, Amoris Laetitia über die Umwege von Familiaris consortio und der „Theologie des Leibes“ nicht vom Himmel gefallen ist. Das Buch wurde recht unfreundlich auf kathnews besprochen, was Angesichts der theologischen Ansichten von kathnews ein Qualitätsmerkmal des Buches von Don Leone darstellt. Wir empfehlen den Kauf, der bei Patrimonium-Verlag zu tätigen ist und werden uns selbst auch damit eindecken. In der nahen Zukunft werden wir auch die Zusammenfassung des Buches publizieren, wie sie uns vom Autor selbst zugesandt wurde, damit wir alle wissen, worauf wir uns freuen können.

Seien wir Gott für Don Pietro Leone dankbar und beten wir für ihn, denn viele katholische Theologen unter katholischen Theologen haben wir auf der Welt leider Gottes nicht.