Litanei von der Liebe Gottes


Herr, erbarme Dich unser!

Christe, erbarme Dich unser!

Herr, erbarme Dich unser!

Christe, höre uns! Christe, erhöre uns!

Gott Vater vom Himmel, – erbarme Dich unser!

Gott Sohn, Erlöser der Welt, – erbarme Dich unser!

Gott heiliger Geist, –

Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, –

Der Du die unendliche Liebe bist, –

Der Du uns mit deiner Liebe vorgekommen bist, –

Der Du uns Dich zu lieben gebietest, –

Der Du uns zu Lieb deinen eingebornen Sohn

dargegeben hast, –

Aus ganzem Herzen, – lieben wir Dich, o Gott!

Aus ganzer Seele, –

Aus ganzem Gemüthe, –

Aus allen Kräften, –

Ueber alle Güter und Ehren, –

Ueber alle Menschen und Engel, –

Ueber alles Erschaffene im Himmel und auf Erden, –

Nur allein wegen Deiner selbst. –

Weil Du das allerhöchste Gut bist, –

Weil Du unendlich liebenswürdig bist, –

Weil Du unendlich vollkommen bist, –

Wenn Du uns auch den Himmel nicht versprochen hättest, –

Wenn Du uns auch die Hölle nicht androhetest, –

Wenn Du uns auch mit Trübsal prüfen solltest, –

In Ueberfluß und Armuth, –

Im Glück und Unglück, –

In Freuden und Leiben, –

In Gesundheit und Krankheit, –

Im Leben und Tode, –

In der Zeit und Ewigkeit, –

Herr, erbarme Dich unser!

Christe, erbarme Dich unser!

Herr, erbarme Dich unser!

Christe, höre uns! Christe, erhöre uns!

Vater unser.

Gebet.

O Gott! der Du in einem unbegreiflichen Uebermaaße alles besitzest, was immer vollkommen und liebenswürdig seyn kann; lösche in uns aus alle sündhafte Liebe und zünde in unsern Herzen das Feuer deiner reinen und thätigen Liebe an, auf daß wir einst mit allen Auserwählten Dich ohne alles Ende lieben werden! Amen.

Hl. Vinzenz a Paulo (1581-1660) – Zitate


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Das traditionelle Fest des Hl. Vinzenz a Paulo, welches bis 1962 am 19.07 begannen wurde, liegt zwar schon hinter uns, wir wollen dennoch zwei Zitate von ihm beifügen, welche zur derzeitigen kirchlichen Situation passen. Nehmen wir einfach an, dass Heilige es besser wissen.

Es soll sowohl für Einzelpersonen als auch für Ordenshäuser und Ordenskongregationen als großes Unglück betrachtet werden, wenn alles gemäß ihren Wünschen verläuft; wenn sie in aller Ruhe ihre Werke verrichten können und nichts, um der Liebe Gottes willen, zu leiden haben. Ja, wir sollen es als sicher betrachten, dass wenn eine Person oder eine Ordenskongregation nicht leidet und von aller Welt bejubelt wird, ihr Fall nicht weit ist.[1]

 

Es ist unmöglich in der Schlechtigkeit verstockte Priester zu bessern, denn ein schlechter Priester bekehrt sich fast nie. Um ein Mittel zur finden den Klerus zu erneuern, muss bei denen anfangen, die erst geweiht werden sollen und nicht bei denen, die bereits geweiht worden sind.[2]

 

[1] Zitiert nach: http://www.barnhardt.biz/2016/07/19/starting-tuesday-off-right-applauded-by-all-the-world-edition/

[2] Zitiert nach: http://bog-w-moim-balaganie.blog.onet.pl/2014/09/27/kilka-mysli-swietego-wincentego-a-paulo/

Was können wir für die Kirche tun? Die sieben Bußpsalmen beten (2). Bischofskonferenz und die Gauss-Kurve


 

Procession to transfer the relics of the Holy Bishops to the Old Cathedral of St Peter, 1656, by Francesco Maffei (1605-1660), painting, Old Cathedral...
Procession to transfer the relics of the Holy Bishops to the Old Cathedral of St Peter, 1656, by Francesco Maffei (1605-1660), painting, Old Cathedral…

Wie man im ersten Beitrag nachlesen kann:

  • ist es eine Tat der Nächstenliebe für andere zu beten;
  • man soll für alle Menschen beten,
  • da man nicht weiß, wer erwählt und wer verworfen ist.

Es ist sicherlich sehr löblich für die Hirten der Kirche zu beten, da man durchaus davon ausgehen kann, dass nicht alle Bischöfe der jeweiligen Bischofskonferenz zu den Verworfenen gehören. Manche hingegen schon, da das Verbreiten von Häresien oder der Häresie nahen Aussagen durch einen katholischen Bischof sicherlich nicht für seine Prädestination spricht.

Wie viele Bischöfe sind noch katholisch? oder Die Aussagen der deutschen Bischöfe!

 

Diese zugegeben recht direkt gestellte Frage, d.h. nach der Katholizität der Bischöfe, lässt sich mathematisch recht exakt, aufgrund der Gaus-Kurve, beantworten. Dazu noch später. An der Katholizität der deutschen, österreichischen oder schweizerischen Bischöfe lässt sich dennoch, aufgrund der Aussagen ihrer Vertreter, durchaus zweifeln. Unter der Katholizität verstehen wir hier:

  • Die Anerkennung und Vertretung des katholischen Lehramtes, womit der ganze Denzinger und alle Konzilien der Kirche, nicht nur das letzte pastorale, gemeint sind.
  • Ein Lebenswandel, welche dem geistlichen Stand eines katholischen Bischofs entspricht.

Dass es weder mit dem Einen, noch dem Anderen zum Besten bestellt ist, weiß man seit langem (siehe die berühmte Homo-Lobby). Was den Lebenswandel anbelangt, können wir einiges, was wir wissen aus rechtlichen Gründen, hier nicht veröffentlichen. Veröffentlichen können wir aber einige Aussagen der deutschen Bischöfe, welche wohl für sich, bzw. gegen sich sprechen. Bei den österreichischen oder schweizerischen Bischöfen, die wir jetzt auslassen, ist es auch nicht besser.

Beispiel Bischof Bode – Hamburg

Hier ein Auszug aus dem Interview, welches Bischof Bode, einer der deutschen Synodalen, der Katholischen Nachrichten Agentur (KNA) gegeben hat. Wir sparen uns an dieser Stelle, die Aufregung sowie die Konfrontation der Aussagen des Bischofs mit der katholischen Glaubenslehre, stellen aber fest, dass ein deutscher Bischof hier über:

  • Ehebrecher,
  • Homosexuelle,
  • Konkubinarier

spricht, welchen er de facto einen Segen für ihren weiteren Lebensweg in der Todsünde spendet, sowie die Chance auf die kirchliche Anerkennung einer sakrilegischen Kommunion für nicht einmal gebeichtete und bereute Sünden öffnet. Die Unterstreichungen stammen von uns.

KNA: Ein großes Thema sollen die wiederverheirateten Geschiedenen sein. Sie selbst haben sich dafür ausgesprochen, Betroffene unter bestimmten Bedingungen wieder zum Kommunionempfang zuzulassen. Welche?

Bode: Die Ehe ist nach dem Willen Jesu unauflöslich. Mit einer sakramentalen Ehe ist etwas geschlossen, was sich niemals einfach auflöst. Durch die Schwäche der Menschen kann diese Lebensbeziehung dennoch zerbrechen und scheitern. Menschen können zu einer neuen Beziehung kommen, die reifer ist, aber sakramental nicht die gleiche Wertigkeit hat wie die erste. Die Frage ist, ob diese neue Wirklichkeit, die vielleicht besser dem Bund Gottes mit den Menschen entspricht als die erste, immer den Ausschluss von Beichte und Kommunion zur Folge haben muss. Wir sollten die Frage einbeziehen, welche Umstände zum Bruch der Ehe geführt haben. Bislang behandeln wir alle gleich, ob jemand Schuld trägt oder nicht. Zudem verbindet sich damit eine Frage nach dem Verständnis der Eucharistiefeier. Ist sie wirklich ausschließlich die Darstellung einer vollkommenen Einheit in Glaube und Kirche oder ist sie auch Hilfe für Lebenswege, die ihre Wunden haben? Und dass Menschen das nicht in der Beichte ausdrücken und Vergebung dafür erlangen können, finde ich fast noch schwieriger als die Frage nach der Kommunion.

KNA: Großes Thema wird auch der Umgang mit Homosexuellen und eine kirchliche Wertschätzung ihrer festen Partnerschaften sein. Zeichnet sich dafür eine Lösung ab?

Bode: Der Katechismus macht deutlich, dass wir diese Menschen nicht diskriminieren. Wie bei anderen, die vor der Ehe zusammenleben, geht es auch bei ihnen darum, ihre Stärken zu erkennen und nicht nur ihre Schwächen und Defizite. Eingetragene Lebenspartnerschaften sind aber nicht der Ehe gleichzusetzen. Ehe ist für uns die Beziehung von Mann und Frau, aus der auch Kinder hervorgehen können. Kirche kann den Lebenspartnerschaften in Gesprächen und in positiver Begleitung helfen und ihnen beistehen. Es wird jedoch nichts geben können, was einer Trauung gleichkommt. Aber mit Gebet und einer privaten Form von Segen wird man ihren Weg begleiten können.

KNA: Wo Treue und Verlässlichkeit gelebt werden, kann es eine Anerkennung von der Kirche geben?

Bode: Anerkennung dessen, was da gelebt wird. Ein Sakrament ist das nicht. Aber wenn ich grundsätzlich die Offenheit habe, nicht immer nur alles oder nichts einzufordern, dann gilt das auch für die Homosexualität. Wobei das natürlich auch abhängig ist von kulturellen und politischen Zusammenhängen. Schon die vergangene Synode hat die Unterschiede in der Weltkirche aufgezeigt. Vielleicht muss man da unterschiedliche Wege gehen.

KNA: Welche Chancen sehen Sie für einheitliche Lösungen in der katholischen Kirche weltweit?

Bode: Die Chance gibt es immer, weil wir gemeinsam an den einen Christus glauben, weil die Grundlage die Heiligen Schrift ist und weil wir eine Tradition der Kirche insgesamt haben. Das war ja immer der Vorteil der Kirche, dass sie über Grenzen hinweg, über die Kulturen hinaus eine Gemeinschaft bildet. In der grundgelegten Auffassung von Ehe und Familie herrscht doch Einmütigkeit. Bei den homosexuellen Lebensformen wird man eine größere Verschiedenheit in den Kulturen annehmen müssen.[1]

Erzbischof Koch – Berlin

Auch Bischof Kochs Erklärungen über Homosexualität sprechen wohl für sich, aber gegen dessen Katholizität:

Frage: Stichwort Homosexualität: Hält die Kirche gleichgeschlechtliche Partnerschaften für Leben in Sünde?

Koch: Homosexualität als Sünde darzustellen, ist verletzend. Die Kirche braucht eine andere Sprache, wenn es um Homosexuelle geht. Wichtig ist vor allem ein gutes Miteinander, vor Ort in den Pfarreien. Vieles lässt sich nicht über Thesen in Zeitungen lösen, sondern im Gespräch und Austausch. Ich kenne homosexuelle Paare, die Werte wie Verlässlichkeit und Verbindlichkeit in vorbildlicher Weise leben.[2]

Kardinal Woelki – Köln

Kardinal Woelki spricht ebenfalls zum Thema Homosexualität, welches viele Hierarchen besonders zu interessieren scheint, und meint in einem Interview im Dom-Radio:

„Homosexuelle gehören natürlich genauso zur Kirche wie alle anderen auch“, sagte Woelki am Sonntag im WDR-Radio. „Wir reduzieren niemanden auf seine Sexualität.“[3]

Aber nach der überlieferten katholischen Morallehre gibt es keine „Sexualität“ als solche, sondern es gibt bestimmte Taten, die unter bestimmten Umständen begannen werden und davon hängt ihre moralische Qualifikation ab. Dies im Lichte des Naturrechts, der ewigen Gebote Gottes und der unwandelbaren menschlichen Natur. Alles andere ist Situationsethik und Relativismus. Ein geschlechtlicher Akt ist nur dann moralisch zu verantworten also gut, wenn er innerhalb einer Ehe, zwischen Mann und Frau, der Kinderzeugung dient oder darauf hin geordnet ist. Alles andere:

  • Heterosexuell mit Empfängnisverhütung in der Ehe,
  • Heterosexuell mit Ausschluss der Zeugung in der Ehe,
  • Heterosexuell vor der Ehe,
  • Heterosexuell außerhalb der Ehe,
  • Homosexuell jeglicher Art .
  • Wie auch immer anders sexuell

ist sündhaft.

Deswegen spielt es keine Rolle, ob die „Homosexuellen füreinander Verantwortung übernehmen“, wie Kard. Woelki sich auszudrücken beliebte,[4] da sie dauerhaft in einer schweren Sünde gegen die Natur leben und somit in diesen Zustand verbleiben wollen, wie die heterosexuellen Konkubinarier es auch tun.

Kardinal Marx – München

Kardinal Marx leugnet praktisch die Hölle, indem er sagte:

„Die Kirche habe mit Bildern wie dem vom Fegefeuer und der Hölle, Angst vor dem Tod gemacht, „und dafür müssen wir Buße tun“.[5]

Natürlich hat die Kirche richtig gehandelt, indem sie den Menschen ihr Ende vor Augen stellte. Diejenigen, die nicht an die Hölle glauben, landen ja meistens dort, weil sie niemand warnte. Vielleicht findet sich Kardinal Marx bald in dieser Gesellschaft, wenn er nicht umkehrt.

Die Gauss-Kurve als Rettung

Wenn also die drei Synodalen, welche aufgrund ihres Ansehens, ihrer irgendwelcher Qualitäten, die sich uns nicht erschließen, von den übrigen Bischöfen der DBK gewählt wurden, wie muss es um diese Bischofskonferenz stehen? Gibt es innerhalb der 67 Bischöfe,[6] denn die Weihbischöfe zählen auch dazu, die zur Vollversammlung der DBK gehören, noch überhaupt irgendwelche Bischöfe mit katholischen Ansichten? Rein mathematisch und statistisch gesehen, sollte es dennoch dort zwischen 6 bis 7 Katholiken geben. Warum gerade so viel? Weil die Gauss-Kurve (siehe unten) es sagt.

gauss-kurve

Was ist die Gauss-Kurve? Es ist eine vom genialen Mathematiker Carl Friedrich Gauß (1777-1885) entworfene, aber eigentlich entdeckte,[7] Funktion (auch die Glockenkurve genannt), welche die Wahrscheinlichkeitsverteilungen bzw. die Wahrscheinlichkeitsdichte wiedergibt.[8] In einfachen Worten ausgedrückt alles, wirklich alles auf der Welt, vom Gott dem großen Mathematiker entworfen, verhält sich gemäß der Gauss-Kurve, so z.B.:

  • Die Körpergröße,
  • Der BMI,
  • Der IQ,
  • Das Einkommen,
  • Die Größe der Regenwürmer in Thüringen

Dies bedeutet, dass in jeder Population 2/3 dem Durchschnitt entspricht, ungefähr 10% über–oder unterdurchschnittlich sind und davon ca. 2% wirklich, über-über oder auch unter-unterdurchschnittlich. Dies bedeutet, dass bei 67 Bischöfen der DBK es 6 bis 7 weniger schlimme als der Rest geben muss, wovon vielleicht ein bis zwei wirklich fromm sind, natürlich alles im Rahmen der Normen oder der Normverteilung der DBK und nicht des Himmels oder es vollumfänglichen katholischen Lehramts (leider). Nichtdestotrotz geht unser Gebet nicht an die jeweilige Bischofskonferenz verloren, denn ein paar Bischöfe werden doch im Gnadenstand sein und für die Gnaden des fürbittenden Gebets empfänglich. Wenn es also so ist, warum sagen sie nichts? Weil sie zu feige sind, vielleicht bekommen sie durch unsere Gebet Kraft zur Einsicht und Mut zum Bekenntnis, so mal zur Abwechslung.

Außerdem ist es mit der göttlichen Weltregierung, auch Vorsehung genannt, nicht vereinbar, wenn die deutschsprachigen Völker überhaupt keine gläubigen Bischöfe besitzen würden. Denn die Standesgnade haben sie durchaus, dazu müsste noch die aktuelle, persönliche Gnade kommen.

[1] http://www.domradio.de/themen/weltkirche/2015-09-11/bischof-bode-ueber-seine-erwartungen-die-familiensynode-rom

[2] http://www.nwzonline.de/interview/homosexualitaet-als-suende-darzustellen-ist-verletzend_a_24,0,1242641575.html http://www.domradio.de/themen/ethik-und-moral/2015-02-21/dresdner-bischof-koch-zu-homosexuellen

[3] http://www.express.de/koeln/im-wdr-gespraech-erzbischof-woelki—homosexuelle-gehoeren-zur-kirche-,2856,28403402.html

[4] http://gloria.tv/media/eouVvHk5auv

[5] https://www.erzbistum-muenchen.de/Page023722.aspx

[6] http://www.dbk.de/themen/themen-vollversammlung/

[7] Wir befürworten hier den mathematischen Realismus, was bedeutet, dass die Mathematik die Wirklichkeit abbildet, welche mathematisch angeordnet ist. Vom wem? Von Gott, natürlich.

[8] https://de.wikipedia.org/wiki/Normalverteilung https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrscheinlichkeitsverteilung

Was können wir für die Bischofskonferenzen tun? Die sieben Bußpsalmen beten (1). Fürbitte als Nächstenliebe


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[Das Bild stammt Giovanni Battista Gaulli, genannt Il Baciccio (1639 – 1709)

Der Triumph des Namens Jesu]

Einleitung – beten für die Bischofskonferenz

Vor einiger Zeit hat einer Leserin unseres Blogs den Einwand erhoben, dass die dargestellten Inhalte zur Lage der Kirche im deutschsprachigen Raum, d.h. in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz (natürlich sind Liechtenstein und Südtirol nicht ausgenommen) dermaßen betrüblich sind, dass man wirklich nicht weiß, was man persönlich zu tun hat, um es besser zu machen. Denn nicht jeder kann oder sollte einen religiösen Blog führen. Es gibt verschiedene Aufgaben und Gaben. Es fiel ein Vorschlag ein Gebet auszusuchen, welches zu einer gegebenen Zeit alle Leser dieses Blogs gemeinsam verrichten könnten. Die Redaktion des Blogs sagte zu diesem Vorschlag, dass sie ihn in Erwägung ziehen werde und über das geeignete Gebet nachdenken werde.

Nun ist es soweit. Wir schlagen hiermit vor an jedem letzten Freitag des Monats (ausgehend vom 27.11.2015) für die eigene Bischofkonferenz zu beten und mit dieser Intention insbesondere auch den eigenen Bischof und den eigenen Pfarrer zu umfassen. Das Gebet soll aus den lateinischen Sieben Bußpsalmen samt der Allerheiligenlitanei bestehen, welche im Knien, laut und auf Lateinisch gebetet werden sollen. So kann sich wirklich niemand vorwerfen lassen, dass er für seine eigene Kirche nichts tut. Das Gebet wird immer am betreffenden Freitag bei uns angekündigt und vorerst ein Jahr dauern also bis zum 25.11.2016. Dann sehen wir weiter. Vielleicht tut sich da was. Es handelt sich also um zwölf Mal im Jahr sieben Bußpsalmen samt der Litanei zu beten, was wirklich für jeden bewältigbar zu sein scheint.

Sicherlich wird sich manch ein Leser am Kopfe fassen und sagen:

Für die ….Bischofskonferenz beten? Da ist Hopfen und Malz verloren. Da hilft alles nichts!

Dies ist aber eine recht verzweifelte und dämonische Sicht der Dinge, welche allem Guten wehren will, denn Gebet hilft wenigstens den Betenden und denen, für die gebetet wird, hilft es auch, sofern sie es zulassen. Wir werden damit einen geistlichen Raum schaffen, welche sicherlich der katholischen Kirche in den betreffenden Ländern hilft.

Bevor wir die Einzelheiten zu diesem Gebet und zu seiner Ausführung nennen, hier ein paar Bemerkungen über das fürbittende Gebet als solches.

Was ist ein fürbittendes Gebet?

Es ist ein Gebet, in welchem wir Gott um etwas Gottgefälliges für jemanden bitten. Dies etwas kann sein:

  • Bekehrung,
  • Ausharren in der Standesgnade,
  • Erkenntnis des Willens Gottes,
  • Wachstum in der Tugend etc.

Sollen wir für andere beten?

Natürlich ja, denn alle getauften und nicht exkommunizierten Katholiken bilden den einen mystischen Leib Christi – die Kirche, in welcher man einander die geistlichen Güter und Verdienste vermitteln kann. Dies betrifft nicht nur die Seelen im Fegefeuer, welche ja die leidende Kirche bilden,[1] sondern auch alle, die zur irdischen, d.h. zum kämpfenden Kirche gehören. Was ist aber, im spirituellen Sinne, ein Gebet? Es ist die Erlangung und der Zuwachs der aktuellen Gnade, welche:

  • Gott
  • dem Beter
  • aufgrund bestimmter Gebete zueignet.

Somit ist jedes Gebet (oratio) für den Beter, der im Gnadenstand ist, verdienstvoll (meritoria). Dies bedeutet, dass der Beter durch jedes Gebet geheiligt wird, dass Gott ihm noch mehr Gnaden schickt und dass er durch diesen Gnadenzuwachs sozusagen das Konto der Belohnung in der Ewigkeit anwachsen lässt. Somit bleibt kein Gebet unbelohnt, wenn es bestimmte „Parameter“, die wir noch darstellen werden, erfüllt. Der Hl. Thomas von Aquin (Summ. Theol. IIª-IIae q. 83 a. 7) fasst es (im Nachfolgenden dunkelblau dargestellt und mit mit genauen Thomas-Stellen versehen,) wie folgt:

Wir müssen für andere beten.

a) [Die Gegenthese] Das wird bestritten. Denn:

[IIª-IIae q. 83 a. 7 arg. 1]

Wir müssen dem Beispiele des Herrn folgen, der da betete:

„Unser tägliches Brot gib uns heute;“

also nicht den anderen.

[IIª-IIae q. 83 a. 7 arg. 2]

Man betet, um erhört zu werden. Eine Bedingung dafür ist aber die, daß man für sich selbst bete; weshalb zu Joh. 16. (Si quid petieritis) Augustin (102. in Joan.) bemerkt:

„Alle werden erhört für sich selbst, nicht aber für alle; wonach hier nicht einfach gesagt ist: Er wird geben, sondern: Er wird euch geben.“

[IIª-IIae q. 83 a. 7 arg. 3]

III. Sind die anderen böse, so ist es uns verboten für sie zu beten, nach Jerem. 7.:

„Du also bete nicht für dieses Volk … und widerstehe mir nicht; denn ich werde dich nicht erhören.“

Für die Guten aber brauchen wir nicht zu beten; denn dieselben beten für sich selber und werden sonach erhört. Also müssen wir nicht für andere beten.

[IIª-IIae q. 83 a. 7 s. c.]

[Sed contra, d.h. der Einwand der sich auf eine Autorität bezieht]

Auf der anderen Seite ermahnt Jakobus (5, 16.):

„Betet für einander, daß ihr gerettet werdet.“

[Thomas Gegenargumente]

[IIª-IIae q. 83 a. 7 co.]

b) Ich antworte, wonach wir verlangen dürfen, darum dürfen wir bitten. Wir sollen aber Gutes nicht für uns allein verlangen, sondern auch für andere; denn dies gehört zur Nächstenliebe. Also erfordert die heilige Liebe, daß wir füreinander beten. Deshalb sagt Chrysostomus (hom. 14. in Matth. op. imp.):

„Für sich zu beten, das erfordert die Notwendigkeit; für andere zu beten, das erfordert die Liebe. Süßer vor Gott aber ist das Gebet, welches von der Liebe des Bruders, als jenes, das von der Notwendigkeit eingegeben ist.“

c) [Erwiderung der Einwände]

[IIª-IIae q. 83 a. 7 ad 1]

Ad I. Chrysostomus erklärt zum Vaterunser:

„Deshalb sagen wir nicht: Mein Vater; und nicht: Gib mir; sondern: Gib uns, und: Unser Vater, weil der Herr nicht wollte, daß jeder bloß privatim für sich bete; der eine soll für alle beten, wie der Herr in Sich, dem Einen, alle getragen hat.“

[IIª-IIae q. 83 a. 7 ad 2]

Ad II. Daß man für sich bete, wird als Bedingung des Gebetes angesetzt; nicht zwar als eine notwendige für diese Wirkung, daß man damit ein Verdienst erwerbe, sondern wegen der Sicherheit des Erhörtwerdens. Denn bisweilen erlangt man nichts, wenn man für einen anderen betet, mag man auch fromm und beharrlich beten und für das zum Heile Zugehörige, weil von seiten desjenigen, für den gebetet wird, ein Hindernis besteht. Deshalb heißt es Jerem. 15.:

„Wenn Moses und Samuel vor mir ständen, meine Seele ist nicht mit diesem Volke.“

Nichtsdestoweniger ist ein solches Gebet verdienstvoll für den betenden, wenn dieser aus Liebe betet, nach Ps. 34.:

„Mein Gebet wird in meinen Busen zurückkehren.“

[IIª-IIae q. 83 a. 7 ad 3]

Ad III. Für die Sünder muß man beten, daß sie sich bekehren; für die Guten, daß sie beharrlich seien und geistig fortschreiten. Nicht aber für alle Sünder werden die Betenden erhört, sondern nur für einige; für jene nämlich, die vorausbestimmt sind (pro praedestinatis) zum ewigen Leben, nicht für jene, die voraus gewußt sind für den ewigen Tod (pro praescitis ad mortem). So auch folgt der Mühe, die wir haben, um unsere Brüder zu bessern, ihre Wirkung nur in den Vorherbestimmten (non in reprobatis), nach Ekkles. 7.:

„Niemand kann bessern, wen Gott zurückgewiesen.“

Und deshalb sagt Johannes (1 Joh 5, 16):

„Wer da weiß, daß sein Bruder sündige in einer Sünde, die nicht zum Tode ist, bete; und das Leben dessen, der nicht gesündigt hat zum Tode, wird ihm geschenkt werden.“

Weil wir aber (Aug. de corr. et grat. 15.) von niemandem auf Erden wissen, ob er vorherbestimmt ist zum Leben oder vorhergewußt zum Tode, so dürfen wir niemandem die Wohlthat des Gebetes oder der Besserung entziehen. Für die Gerechten müssen wir ebenso beten: 1. weil vieler Gebete leichter erhört werden, so daß zu Röm. 15. (adjuvetis me orationibus vestris) die Glosse sagt:

„Der Apostel bittet auch die geringeren, daß sie für ihn beten; viele Geringe, zusammen verbunden, werden etwas Großes und vieler Gebet kann unmöglich unerhört bleiben;“

— 2. damit von vielen Gott für die den Gerechten verliehenen Gnaden gedankt werde, was vielen nützlich ist, nach 2. Kor. 1.; — 3. damit die Größeren nicht stolz werden, wenn sie bedenken, sie haben die Fürbitte der Kleinen notwendig.[2]

Fürbitte ändert nicht den Willen

Da Thomas für die Meisten eine schwere Kost ist, so wollen wir diese, wie die Mutter dem Kind, sie ein wenig vorkauen und zerkleinern. Aus diesem Zitat folgt, dass das Gebet für andere eine Tat der Nächstenliebe ist. Wir senden jemandem die göttliche Gnade zu, welche wir von Gott für ihn erfleht haben. Jedoch ändert ein fürbittendes Gebet nicht den freien Willen. Es ist in etwa so, als würde jemand eine Geldüberweisung auf sein Konto erhalten diese aber nicht ausgeben wollen, sondern sie ablehnen. Ein frommer Priester verglich die Wirkung der Fürbitte mit einem Licht, welches man jemanden im Zimmer anzündet oder mit einem Seil, welches man jemanden, der in einer Höhle (noch nicht der Hölle) sitzt, zuwirft. Bei einem Höhlenforscher würden diese beiden Vergleiche eintreffen: eine Taschenlampe und ein Seil. Aber derjenige muss dieses Seil fassen oder mit diesem Licht sich zum Ausgang leuchten. Er kann es aber auch lassen. Das fürbittende Gebet verändert nicht den Willen. Auf den menschlichen freien Willen hat nicht einmal Gott einen Einfluss, der Wille bleibt frei, sonst wäre der Mensch nicht frei. Deswegen schreibt auch der Aquinate (IIª-IIae q. 83 a. 7 ad 2), wie oben bereits zitiert:

„Denn bisweilen erlangt man nichts, wenn man für einen anderen betet, mag man auch fromm und beharrlich beten und für das zum Heile Zugehörige, weil von seiten desjenigen, für den gebetet wird, ein Hindernis besteht. Deshalb heißt es Jerem. 15.:

„Wenn Moses und Samuel vor mir ständen, meine Seele ist nicht mit diesem Volke.“

Nichtsdestoweniger ist ein solches Gebet verdienstvoll für den Betenden, wenn dieser aus Liebe betet, nach Ps. 34.:

„Mein Gebet wird in meinen Busen zurückkehren.“

Ein Hindernis (impedimentum) ist der freie Willen, der Entschluss weiterhin in der Sünde zu verharren, denn die Kröte liebt den Sumpf. Nichtdestotrotz dem Beter nimmt es nichts, es ist „verdienstvoll für den Betenden“, d.h. wir gewinnen dadurch an Heiligkeit, an Gnade und kommen dem Himmel näher.

Den „vorhergewußten zum Tode“ nützt alles Beten nichts

Es ist die Erfahrung unser aller, dass wir für bestimmte Menschen jahre- oder jahrzehntelang gebetet haben, ohne dass eine Besserung eingetreten ist. Sogar der hl. Johannes sagt in der o.a. Stelle (1 Joh 5, 16), dass man für manche Menschen nicht beten sollte? Für welche? Für diejenigen, die sowieso in die Hölle kommen. Welche sind es? Das weiß nur Gott, welcher ihre Entscheidung und Ende vorausweiß (praescit), aber sie nicht zur Hölle vorausbestimmt, in dem calvinistischen Sinne, dass Gott ihre Verwerfung wirkt. Ohne hier auf die extrem schwierige Thematik der Prädestination, d.h. der Vorausbestimmung zum Ewigen Leben und der Reprobation, d.h. der Vorausbestimmung zu Hölle, eingehen zu wollen, müssen wir doch sagen, dass:

  1. manche Menschen sicherlich in der Hölle sind und andere noch in die Hölle kommen,
  2. Gott alles vorausweiß, so
  3. Gott auch weiß, wer in die Hölle kommt.

Für diese Menschen zu beten ist faktisch eine Verschwendung, da wir aber nicht wissen, wer gerettet und wer verworfen wird, so sollten wir für alle beten. Denn praktisch gesehen hätte wohl niemand einem Saulus eine Bekehrung vorhergesagt, einer Hl. Magdalena, Margarete von Cortona oder einem Hl. Augustinus oder Franziskus in der Jugendzeit ebenso wenig. Es ist aber durchaus legitim mit dem Beten für jemanden irgendwann aufzuhören und sich klar zu machen, dass wir für die Rettung der Anderen nur bedingt verantwortlich sind. Sie haben einen freien Willen und alle mögliche Gnadenhilfe Gottes noch dazu. Wir können uns nicht für die Sünden der Anderen verantwortlich machen, weil wir „zu wenig für sie gebetet haben“, wie manche Frommen sagen. Denn warum sündigen die Priester? Weil die Gläubigen zu wenig für sie beten. Vielleicht beten die Gläubigen auch zu wenig, aber die Priester sündigen, weil sie es wollen und es freiwillig tun. Man soll die Gläubigen mit der Verantwortung für seine eigenen Sünden nicht behelligen. Punkt.

(Fortsetzung folgt)

Die Sieben Bußpsalmen und die Allerheiligen Litanei zum Download Sieben Bußpsalmen

[1] Vgl. https://traditionundglauben.wordpress.com/2015/11/15/was-konnen-wir-fur-die-toten-von-paris-tun-das-tridentinische-totenoffizium-beten/

[2] Deutsche Fassung nach: http://www.unifr.ch/bkv/summa/kapitel599-7.htm

Gebetserfahrung und Meditatio


angelico-dominican-blessed-NG663.4-fmSicherlich würde es sich lohnen bei dem heutigen, inflationären Gebrauch der Begriffe „Meditation“ und „meditieren“ die katholisch-aufgefasste Meditation, sprich Betrachtung, von allen Fällen der östlichen und esoterischen Meditationsarten abzugrenzen. Wahrscheinlich hatte dies schon jemand getan und wir wollen uns auch diesem Thema irgendwann in der Zukunft gründlich widmen. An dieser Stelle soll aber eine wirklich nur grundlegende und verkürzte Sicht der katholischen Auffassung von Meditation erfolgen. Um ganz kurz auf den eventuelle Frage zu antworten, ob Christen nichts von den fernöstlichen Meditation lernen können, antworten wir kurz: „Nein, sie können es nicht.“ Denn diesen, d.h. den östlichen Meditationen, liegt ein ganz anderes Gottesbild und Menschenbild zu Grunde. Ich wähle ja auch andere Reisemittel und Reisekleidung, wenn ich nach Alaska oder nach Tunesien fahre. Da das Ziel eines jeglichen Gebetes der Kontakt mit Gott, der Gottheit, dem Übernatürlichen ist, so hängt die Gebetsweise selbstredend von der Sicht der Gottheit ab. Hätten aber alle Religionen dieselbe Sicht Gottes/Gottheit/des Übernatürlichen so gäbe es nur die eine Religion. Daher ist es nur selbstverständlich, dass verschiedene Gebetspraktiken zu einer verschiedener Sicht Gottes führen oder führen können. Die lange Geschichte der christlichen Spiritualität, Mystik oder Aszetik erzählt diese Geschichte. So wirkt sich sowohl eine häretische Sicht Gottes auf das Gebetsleben aus (Gnostiker, Protestanten, Charismatiker), wie auch eine verkehrte Gebetspraxis (siehe Quietismus) langfristig ein falsches Gottesbild entwickelt.

Es stimmt tatsächlich, dass alle Christen, Katholiken oder Ordensleute, die sich längere Zeit mit der fernöstlichen Meditationen befassten und sie einübten, nach und nach ihre christliche, katholische Identität und Ordensidentität sowie ihren Glauben verloren und manche zu Zen-Buddisten, Atheisten, Okkultisten oder Esoteriker wurden. Man könnte in diesem Kontext einige Namen von Ex-oder Noch-Jesuiten oder Dominikanern anführen. Daher ist festzuhalten, dass weder die Definition der Meditation, noch die Meditationspraxis selbst für unser geistliches Leben gleichgültig ist.

2. Meditatio – die Betrachtung

Unter der Meditation versteht man grundsätzlich das erwägende Lesen eines Textes, also das Lesen mit Verständnis. Es ist für uns alle, die wir Deutsch können, klar, dass wir auf Deutsch geschriebene Texte, die wir lesen auch verstehen. Wenn man aber eine Sprache nur soweit kann, dass man sie einigermaßen korrekt vorlesen kann, wie die meisten von uns zum Beispiel Finnisch, so wird die Sache schon komplizierter. Wie wir uns erinnern können, konnten auch vor dem Konzil nicht alle so gut Latein, dass sie alle gelesenen Texte tatsächlich verstanden haben. Manchmal waren es einzelne Worte, manchmal mehrere Passagen, manchmal ganze Gebete und Psalmen. Es ist tatsächlich so, dass die sprachlichen Begabungen verschieden ausfallen. Manche sind für Latein mehr als für die gängigen Fremdsprachen begabt, bei manchen ist es umgekehrt. Versetzen wir uns also in die Lage von jemanden, der im Moment ausschließlich den Satz: Deus in adiutorium meum intende – „Herr, komm zu meiner Hilfe“ versteht.

Diese Meditation könnte mit der Überlegung über die Person, die Eigenschaften und den Rang Gottes (Deus) beginnen oder mit der Frage: „Wer ist Gott und wer bin ich?“ Man könnte dabei alle 33 Attribute Gottes durchgehen, sie erwägen, in sich die Affekte des Lobes, des Dankes, der Ehrfurcht und der Anbetung erwecken und Gott für seine Anwesenheit im eigenen Leben danken. Danach könnte man sich am Tage bestimmte Zeiten festsetzen, an denen man sich in die Gegenwart Gottes versetzt und sich an ein bestimmtes göttliches Attribut (z.B. der Allgegenwart) erinnert. Wie man sich vorstellen kann, kann man allein mit dieser Betrachtung und geistlicher Übung mehrere Wochen, Monate oder gar Jahre verbringen.

Danach könnte man sich dem zweiten Substantiv adiutorium – „Hilfe“ zuwenden, welches auch die theologische Bezeichnung für Gnade ist. Man kann dabei erwägen, welche Hilfe habe ich schon von Gott erfahren und dafür danken, welche erhoffe ich mir und dafür beten. Natürlich kann man auch sich überlegen, was die Gnade an sich ist und wie ich die Gnade Gottes in meinem Leben erfahre. Es gibt dermaßen viele Bücher und Traktate über die Einübung in das betrachtende Gebet, welche wir hier vielleicht auch vorstellen werden, dass wir uns jetzt darüber nicht weiter verbreiten wollen.

Es ist aber wichtig dabei zu bedenken, dass die Betrachtung tatsächlich eine recht intensive intellektuelle aber auch affektive Anstrengung des menschlichen Geistes darstellt. Daher wird sie meistens nur auf 30 min täglich, in manchen Ordensregeln auf gar zweimal 30 min täglich begrenzt. Sollte jemand jetzt damit anfangen wollen, so wird er schnell merken, dass 30 min wirklich sehr lange dauern können und dass es wirklich schwierig ist die ganze Zeit nur auf einem Aspekt konzentriert zu bleiben. Wie bereits gesagt, erinnert die Meditation anfangs an ein schnelles Umkippen beim Surfen nach einem mühevollen Anpaddeln.

Während aber Menschen, die kaum Latein können sich notgedrungen sehr schnell auf einzelne Begriffe konzentrieren können, scheinen die Lateiner ein größeres Problem zu haben. Es besteht darin einerseits die Texte, die man versteht andächtig zu rezitieren, andererseits in ihrer Tiefe erwägend hinab zu tauchen. Denn, so denkt man, entweder passt man nicht auf oder man meditiert nicht. Wie richtig Pater Poulain SJ feststellt, kann in der spirituellen Literatur erst der Begriff der Meditation recht spät auf, denn im XV/XVI. Jahrhundert. Hat man den vorher nicht meditiert? Doch, aber man hat es nicht so ausdrücklich genannt, denn durch das viele Psalmenbeten, welches durch das Tridentinisch Brevier von 1570 erheblich verkürzt wurde, man sowieso viel meditierte und sehr leicht in das Gebiet der Ruhe kam. Denn betete man, wie es an einem gewöhnlichen Sonntag im Tridentinischen Brevier vorgeschrieben ist und eher die Ausnahme darstellt, 50 Psalmen an einem Tag, meistens sind es 40 Psalmen, Abschnitte des 119 Psalms als ein Psalm gezählt, so ist es tatsächlich unmöglich sich auf einen Satz stark zu konzentrieren, da der nächste sogleich folgt. Dennoch gelangt man, ähnlich wie beim Beten des Rosenkranzes, in einen meditativen Zustand des Gebetes der Ruhe, in welchem bestimmte Sätze oder Ausdrücke mal schwächer und mal stärker zu uns sprechen.

waterskiDies könnte man in etwa mit dem Wasserskifahren vergleichen, bei welchem man so stark vom Motorboot gezogen wird, dass man im Wasser nicht versinkt, sondern über es gleitet, eventuelle Elevationen nicht ausgeschlossen. Natürlich gelingt das nur bei einer bestimmten Geschwindigkeit des Motorbootes, da man sonst tatsächlich sinkt und selbst zum Strand schwimmen muss. So wie es beim Wasserski- oder Wakeboardfahren notwendig ist die Körperspannung und die Balance zu halten und natürlich die Verbindung zum Motorboot nicht fallen zu lassen, so ist es beim meditierenden Rezitieren der Psalmen wichtig, tatsächlich eine gewisse Anzahl laut zu rezitieren, um sozusagen eine bestimmte Geschwindigkeit des Gebets aufzunehmen. wakeboard-bodensee

Die beste Anzahl der Psalmen hat, unserer Meinung nach, das Tridentinische Brevier (1570-1910), danach das Brevier des Pius X. (1911-1955), alle weiteren Breviere haben einfach zu wenig „Gebetsstoff“, um die notwendige „Meditationsgeschwindigkeit“ zu erreichen. Dies ist auch der Grund, warum auch heute betende Menschen nach anderem Gebetserfahrungen suchen. Sie tun es deswegen, weil das heutige Brevier, im Gegensatz zu den früheren Brevieren, die Meditationserfahrung nicht mehr sichert.

Gebetserfahrung und Lectio


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Wie treffend Augustin Poulain SJ bemerkt, besteht die eigentliche Schwierigkeit bei spirituellen Texten in der Abgrenzung und Feststellung, welchen Zustand und welche Gebetsart der Schreiber eigentlich meint, da viele Autoren für denselben Zustand verschiedene Ausdrücke verwenden. Diese Problematik wird besonders, wie es der französische Jesuit vorbildlich herausarbeitet, bei den fortgeschrittenen Gebetsstufen prekär. Wir wollen aber an dieser Stelle nicht seinen Ausführungen vorgreifen, die wir auf unserem Blog noch zu genüge vorstellen und kommentieren werden. Wir wollen vielmehr einen Grundriss der ersten beiden Gebetsstufen vorlegen, der an diejenigen gerichtet ist, die sich mit dieser Thematik vielleicht zum ersten Mal befassen.

1546Der Schreiber dieser Zeilen hatte das Glück schon im Alter von 16 Jahren das Buch „Saal der 1000 Türen: Briefe über das Gebet“ von Pater Henri Caffarel gelesen zu haben, einem französischen Priester, welcher die, der Erneuerung der christlichen Ehe gewidmete Bewegung, Équipes Notre-Dame ins Leben gerufen hat. Sowohl der Autor als auch die Bewegung durften in Deutschland völlig unbekannt sein und es ist nicht das erste Mal, dass die französische Kultur oder Spiritualität über Deutschland hinüber setzend gleich nach Polen kommt, ohne Deutschland in irgendeiner Weise berührt zu haben. Ohne an dieser Stelle auf die Gestalt des Henri Caffarels oder auf seine Bewegung näher eingehen zu wollen, können wir dieses Buch, das auch auf Deutsch erhältlich ist,[1] allen interessierten Anfängern empfehlen. Es ist schön und eingängig geschrieben, arbeitet mit vielen Bildern und ist tatsächlich von jemandem verfasst, der sich im Gebet übte und dessen Seligsprechungsprozess 2006 eröffnet wurde. Durch die Lektüre dieses Buches wird dem Leser sehr schnell klar, dass es zwischen der Stufe (2) – der Betrachtung – und der Stufe (4) – der Beschauung – eine Zwischenstufe (3) geben muss, auf welche Pater Poulain SJ näher eingehen wird. Es stellt sich aber heraus, dass nicht alle geistlichen Schriftsteller diese dritte Stufe (3) des Gebetes der Einfachheit oder des Gebetes der Ruhe annahmen.

Fangen wir aber von vorne an.

1. Lectio – die Lesung

Die allererste Stufe des christlichen Gebets ist die Lesung (Lectio), bei welcher man einen heiligen, liturgischen Text (a) laut und (b) auf Lateinisch in den früheren Zeiten auch auf Altgriechisch vorliest, natürlich mit der Absicht dadurch zu beten. Wenn man früher im kirchlich-theologischen Rahmen sagte, dass jemand nicht lesen und schreiben kann, so meinte man damit, dass er keine heiligen Sprachen kann, d.h. kein Hebräisch, kein Griechisch und kein Latein. Denn nur diese Sprachen, welche zu unveränderlichen und unveränderbaren sakralen Kunstsprachen mutierten, sie waren die niemals, so wie sie in der Liturgie verwendet wurden die Alltagssprache oder die Sprache der Gosse, nur diese drei wurden zuerst von den Juden, dann vom Christentum der Koiné und schließlich von der lateinischen Kirche des Petrusamtes für würdig erachtet in ihnen Gott anzubeten und zu verehren. Wir sparen uns an dieser Stelle die Polemik oder das Lamento wegen der Einführung der Volkssprachen in der Liturgie. Wir wollen nur feststellen, dass man nicht unbedingt alles Gesagte oder Gehörte verstehen muss, um zu beten oder die heiligenden Früchte des Gebetes zu erfahren.

Der Schreiber dieser Zeilen war dieses Jahr wieder einmal auf Kreta und er besuchte die heilige Liturgie, welche auf Altgriechisch mit kretenischer Aussprache zelebriert wurde und deren Zelebration 3 h lang dauerte. Obwohl er das Altgriechische beherrscht, hat er außer dem Kyrie eleison und ein paar anderen Ausdrücken fast nichts verstanden. Er blieb also ohne die griechische Entsprechung des Schotts drei wunderbare Stunden lang völlig passiv und ohne die berühmte „tätige Anteilnahme“, die in diesem Falle rein innerlich und nicht äußerlich war. Aber schon nach den ersten gesprochenen und später gesungenen Sätzen wusste er: das ist ein zu Gott erhebendes und von Gott her heiligendes Gebet, von welchem er sich wie von einer Woge getragen fühlte. Er wusste, dass vielleicht außer dem Priester keiner der Sänger, welche die verschiedenen Parts dieser Liturgie wirkten, so in etwa wie bei einer stillen Messe der Ministrant der Mitwirkende ist, das Altgriechische kannte oder es ganz verstanden hatte. Das hat aber niemanden gestört. So in etwa müssen sich vor dem Konzil diejenigen Menschen, die kein Latein kannten und wenig von der Liturgie verstanden bei einer Missa cantata oder einer Missa solemnis gefühlt haben. Was übrig blieb und bleibt ist die Erfahrung einer gedrängt-dichten Heiligkeit, eines erhabenen Mysteriums.

Die Lectio soll allen Mönchs- und Ordensregeln gemäß dadurch erfolgen, dass man laut die Psalmen und andere Gebete liest oder singt. Sie ist also nicht, wie die neueren, die nachkonziliaren Autoren angeben, eine intellektuelle Beschäftigung. Denn rezitierte man die 150 Psalmen täglich, so war man intellektuell wirklich ausgelastet und brauchte wohl keine zusätzliche Lektüre. Wenn man sagt, dass man früher wegen der Liturgie in den Klöstern lesen und schreiben lernte, was jedoch nicht alle Mönche oder Nonnen betraf, sondern nur diejenigen, die den Chordienst verrichteten, so meint man damit das Lesen, das Lesen mit Verständnis und das Schreiben auf Lateinisch. Diesem Kriterium zufolge sind wir fast alle Analphabeten. Es hat immer die Zwischenstufe der Mönche, der Ordensbrüder oder der Ordensschwestern gegeben, die zwar auf Lateinisch lesen konnten, aber den gesprochenen Text nicht verstanden. Dies änderte aber nichts daran, dass dies ein Gebet war und, wie es treffend Pater Poulain SJ herausstellt, das Erreichen der Stufe (3) des Gebetes der Einfachheit (Oratio) auch ohne (2) die Stufe der Betrachtung (Meditatio) vielen ermöglichte. Die Lektüre von „Die Fülle der Gnade“ macht uns nochmal deutlich, wie verheerend die letzte Brevierreform und die Ordensreform für die betenden Stände der Kirche gewesen ist, da man durch all diese Veränderungen bestimmte Stufen des Gebetes so gut wie gar nicht erreichen kann. Am Anfang der Kirchengeschichte las man alle 150 Psalmen an einem Tag, später 150 Psalmen in der Woche, seit der letzten Brevierreform braucht man dafür den Vierwochenzyklus, wenn man tatsächlich alle Horen betet, wobei manche Psalmen gar nicht gebetet werden, andere stark zensiert wurden, von der neuen „theologisch-korrekten“ Textfassung der Neo-Vulgata, welche allen volkssprachlichen Übersetzungen zu Grunde liegt und die erheblich von der eigentlichen Vulgata abweicht ganz zu schweigen.

Kurz und gut: die Lectio bedeutet das aufmerksame, andächtige laute Lesen der Psalmen und anderer Texte des Breviers auf Lateinisch (oder wer es kann auf Altgriechisch).

[1] Z. B. hier http://www.amazon.de/Saal-tausend-T%C3%BCren-Briefe-Gebet/dp/3894111038/ref=sr_1_3?s=books&ie=UTF8&qid=1437046330&sr=1-3

Vier Stufen des Gebetes als Ppt-Präsentation


DB-f91v-d1lWie man aus der unten angeführten Ppt-Präsentation ersehen kann, werden die zwei ersten Gebetsstufen, d.h. der (1) Lectio und der (2) Meditatio durch die menschliche Anstrengung, natürlich unter dem Beistand der göttlichen Gnade, erreicht, während die letzten zwei, d.h. die (3) Oratio und (4) Contemplatio von Gott kommen. Nicht nur Pater Poulain SJ ist der Meinung, dass fast alle mit Übung und unter Anleitung die Stufe der (3) Oratio erreichen können. Dies war auch die Erfahrung der Heiligen Margarethe Maria Alacoque mit ihrem Orden der Heimsuchung. Die letzte Stufe, der Contemplatio, ist nur wenigen vorbehalten und die heilige Theresia von Avila meint, dass dies an Menschen und nicht an Gott liegt. Da der Autor von „Die Fülle der Gnade“ gleich bei der Stufe (Oratio) ansetzt, so wollen wir ganz kurz die zwei vorhergehenden Stufen besprechen.

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 Stufen des Gebetes