Der Reisealtar (4 von 4): Einen Reisealtar „basteln“


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Wir basteln uns einen Reisealtar

Da in unserem Leben also es hauptsächlich um Selbstheiligung geht, da wir an fremden Orten geistliche Räume schaffen sollen, so ist es höchst zuträglich auf Reisen nicht nur zu beten, sondern es auch qualifiziert zu tun, indem wir einen Reisealtar aufstellen und davor beten. Zuerst ist es gut das Hotelzimmer mit dem Weihwasser, aus einer Weihwasserflasche zu besprengen, damit wir uns wohl und die Dämonen unwohl fühlen. Da der Schreiber dieser Zeilen auf Reisen oder in Urlaub ebenfalls betet, so hat er sich einen Reisealtar zusammengebastelt, da der Markt nicht derartiges bietet und das, was man antiquarisch erwerben kann entweder zu teuer, zu kitschig oder zu wenig praxistauglich ist. Die meisten Reisealtäre dienen eigentlich dazu, wenn man denn welche finden, davor eine Messe zu zelebrieren und nicht davor zu beten. Deswegen fand der Schreiber dieser Zeilen im Laufe der Jahre mehrere Bestandteile, welche zusammengesetzt ihn einigermaßen ästhetisch befriedigen. Es ist noch nicht vollkommen, aber besser als nichts. Der Reisealtar sieht wie folgt aus (ja, abgenutzt, weil benutzt):

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Er besteht aus den folgenden Teilen:

  1. Einer griechischen Flügelikone (H: 7 cm x B: 10 cm augeklappt), geklebt, nicht gemalt.

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Preis: zwischen 2 € und 5 € in Griechenland, je nach ihrem Verhandlungsgeschick. Es gibt keine gemalten Flügelikonen in dieser Größe oder der Schreiber dieser Zeilen hat sie nicht gesehen.

In Deutschland kann man diese Art der Ikonen hier, recht günstig online bestellen. Preis in Deutschland zwischen 3 € und 6 € plus Versandkosten.

2. Einem kleinen St. Benediktus-Kreuz (H = 6 cm  B = 3 cm  T = 2 cm), im Kloster Reichenstein zu erwerben.

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Preis: 3,80 € plus Versandkosten.

3. Dem „Raum der Stille“ (verschiedenartig zu beziehen)

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Preis: ab 34,90 € je nach Ausführung, je dunkler das Holz, desto teurer.

4. Einem Teelicht

Preis: wohl ab 2 Cent.

Der Schreiber dieser Zeilen begann seine „Reisealtarausrüstung“ langsam zu sammeln, indem er meistens mit Teelichtern, einem Teelichthalter und einer Reiseikone verreiste. Ihm fehlte aber ein Gesamtwerk, insbesondere etwas, wo man auch eine Kerze anzünden kann und was gut verstaubar und transportierbar ist. Der „Raum der Stille“ bietet diese Möglichkeiten, denn obwohl diese Vorrichtung sozusagen „nackt“ nach nichts oder nach der Einheitsreligion aussieht, da es nur ein angedeutetes Kreuz erhält, in welchem Sich der Mensch, der Lehre des deutschen Idealismus gemäß, selbst bespiegelt, so bietet es dennoch eine Grundlage an, von der man weiter bauen kann.

dsc_0232Der „Raum der Stille“ hat das Ausmaß einer Zigarettenschachtel und ist wirklich sehr praktisch, weil er seinen Inhalt und die Kerze gut schützt. Denken Sie daran die Kerze erkalten zu lassen oder zu entfernen, bevor Sie den Deckel schließen, sonst gibt es Stearinspuren. Vielleicht empfiehlt sich auch einen neuen „Raum der Stille“ zu lackieren, damit er mit der Zeit weniger abgenutzt aussieht. Die auf dem Bild abgebildete „Gebetsschachtel“dsc_0231 ist ca. 8 Jahre alt.

Obwohl der „Raum der Stille“ an sich recht nichtssagend aussieht, so gewinnen Sie, wenn Sie in ihn das das kleinste St. Benediktus-Kreuz setzen, welches dorthin ideal passt, eine kleine katholische Gebetsstätte. Setzen Sie dazu noch zusätzlich eine kleine, zusammenklappbare Ikone, dann haben Sie es einigermaßen schön. Vielleicht gibt es noch bessere Ideen oder schönere und praktischere Reisealtäre, da aber die Anzahl der Menschen, die so etwas benötigen recht überschaubar ist, so ist die Möglichkeit des Austausches darüber ebenfalls klein. Dieser Reisealtar ist für jeden erschwinglich und er hilft wirklich sehr ein fremdes Hotel-oder Tagungszimmer in eine Gebetsstätte zu verwandelt. Sie können dann beten, sich selbst, den Raum, das Hotel, die Kirche und die Welt heiligen und etwas halbwegs Schönes anschauen. Amen.

Der Reisealtar (3 von 4): Geistlicher Raum und Heilsegoismus


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Geistlichen Raum schaffen

Wenn man betet, dann schafft man an dem betreffenden Ort einen geistlichen Raum. Dies ist wörtlich zu verstehen. Alle unsere Gebete, Opfer, Sühnehandlungen etc. bleiben am Ort, an dem sie erbracht wurden, sozusagen stehen. Dies ist eine weitverbreitete Erfahrung der sakralen Atmosphäre in alten Kirchen auch in solchen, welche leider in den letzten Jahrzehnten desakralisiert wurden. All die Hl. Messen, die Beichten und all diese Gebete sind immer noch an diesem Ort vorhanden und strahlen nach wie vor eine Heiligkeit aus. Aber auch in privaten Räumen merkt man, vielleicht nicht jeder, manche aber schon, wer dort wohnt und wie und ob er dort betet. Diese Erfahrung kann man machen, wenn man verschiedene Klosterzellen oder Wohnungen von Priestern „visitiert“. Mal ist es Licht und Klarheit, mal eine verdorrte Trockenheit, ein stehender Staub. Wenn Sie also am Ort, an dem Sie wohnen, beten oder viel beten, dann schaffen Sie dort einen geistlichen Raum, der dableibt, auch wenn Sie wegziehen. Manche Menschen werden davon angezogen, manche fortgetrieben. Als der Schreiber dieser Zeilen seine Wohnung verkaufte, so war einer der Kaufargumente der Käuferin dieser, dass sie an diesem Ort eine „positive Atmosphäre“ spürte und sich fragte, wer wohl darin wohnte. Da sie eine Künstlerin war und ist, so hatte sie ein Gespür für diese Dinge, obwohl der Schreiber dieser Zeilen, als er in dieser Wohnung lebte, noch viel weniger geistlich fortgeschritten war als er jetzt ist, da er damals weder die Tridentinische Messe noch die Alten Breviere kannte.

Heilsegoismus?

Na gut, sagen Sie, jemand betet an einem Ort. Gut für ihn, aber was macht es schon aus? Sie müssen sich aber darüber im Klaren sein, liebe Leserinnen und Leser, dass unser geistlicher Zustand für die ganze Welt von Bedeutung ist. Sie selbst bringen entweder mehr Licht oder mehr Dunkelheit in die Kirche und die Welt hinein. Es geht nicht darum, was man macht, sondern um das, wie man ist. Und deswegen hatte der Teufel manch einen Einsiedler, von dem niemand wusste und der irgendwo tief im Walde versteckt seine Wurzeln aß, wenn es überhaupt welche gab, so stark angefochten. Weil seine Heiligkeit auf die ganze Welt bis zum Jüngsten Tag ausstrahlte. Sie können ruhig auf die Lehren der Konzilskirche, der Novus Ordo Religion, des Deuterovatikanismus oder wie wir es nennen wollen, hören, auf das also, was uns als katholisch „verklickert“ wird, obwohl es nur nachkonziliar und im besten Falle nur „restkatholisch“ ist. Sie müssen jedoch in den meisten Fällen alles, was Sie lesen oder hören, mit einem Minuszeichen versehen oder jeder Aussage ein „Es ist nicht so, dass..“ vorausstellen. Dazu gehört das Beispiel des sog. „Heilsegoismus“.

„Man solle nicht nur an sich selbst und an sein eigenes Heil denken“,

sagt ihnen die übergewichtige Pastoralassistentin mit Bürstenschnitt und dem obligatorischen, stola-artigem Batisttuch, das  ihre „klerikale“ Zugehörigkeit unterstreicht und das sie liebend und gerne auch außerhalb des „Gottesdienstes“ trägt. Nein, wir sind nicht frauenfeindlich, wir sich frauenfreundlich. Es ist frauenfeindlich so auszusehen! Man solle also nicht an sich selbst denken, sondern vor allem an die anderen, die Welt, die Umwelt, die Dritte Welt, die wie auch immer welche Welt, die „Flüchtlinge“ und natürlich die Wale. Was wären wir ohne die Wale! Gottesliebe ist ohne die Nächstenliebe schlimm, schlimm, schlimm. Es ist „Afterdienst“ (Kirkegaard und andere Väter der Moderne). Man solle also aktiv sein, „in die Welt hinausgehen“, „an die Ränder gehen“, füttern, waschen, legen, fönen, alles umsonst sonst wohin reinschieben, denn das ist das wahre Christentum! Weit gefehlt.

Die christliche Nächstenliebe, die Caritas erga proximum, die Caritas dem Nächsten gegenüber, ist nur ein Abglanz der Caritas erga Deum, der Caritas-Liebe Gott gegenüber. Die Liebe zum Nächsten wird durch die Liebe zu Gott motiviert und deswegen ist die Nächstenliebe an Gott, seinen Geboten und seiner Ordnung ausgerichtet. Ansonsten ist die Nächstenliebe (caritas) ausschließlich an den Wünschen, Gutdünken und der Launen der Menschen ausgerichtet, denen es niemals gut genug sein wird. Wenn nur das Horizontale – die Nächstenliebe – ohne das Vertikale – die Gottesliebe – übrigbleibt, so wird die Kirche und insbesondere ihre tätigen Orden zu einem Dienstleister, der sich, wie ein guter Wirt und Hotelier, am Publikumsgeschmack richtet. Man hat wirklich nach Vat. II vergessen, worum es in der katholischen Religion geht. Um das ewige Heil der Seelen! Nicht um das gegenwärtige Wohl des Körpers. Und deswegen der beispiellose Niedergang der tätigen Orden, insbesondere der weiblichen Orden, welche seit „der Glanz des Vat. II auf unsere Niederungen geschienen ist“, nur am Machen und Tun sind, geistlich jedoch immer weiter verdorren. Die Frage, warum können katholische Krankenhäuser keine Abtreibung durchführen und katholische Orden keine Kondome oder Kontrazeptiva verteilen, obwohl das Letztere der Großkanzler des Malteserordens nachweislich tat,  ist aus der nachkonziliaren Sicht gar nicht so leicht zu beantwortet. Weil es der katholischen Lehre nicht entspricht? Und warum? Die richtige Antwort:

„Weil wir die Seelen derjenigen, denen wir es erlauben in die Hölle bringen und zwar auf ewig“.

Und weil wir diese Menschen, Ärzte, denen wir keinen Kindermord erlauben und Menschen, die wir nicht zur Unzucht verleiten wollen, lieben und zwar von Gott her lieben, deswegen tun wir es nicht. Wenn wir es aber täten, mit dem Bewusstsein, dass wir haben: Todsünde begehen – direkt in die Hölle kommen, würden wir selbst eine Todsünde begehen und schließlich selbst in der Hölle landen. Es ist als würde ich jemand eine Bombe in die Hand geben, die so funktioniert, dass im Falle, dass er sie zündet ich auch mit in die Luft gehe. Es ist also Selbstschutz und Fremdschutz, dass ich es nicht tue. Man kann aber vor dem Tod bereuen, sagen Sie. Ja, wenn die Reue wirklich echt ist und wenn man noch dazu Zeit hat. Und was ist, wenn man gleich, unbereut stirbt? Es ist doch höchst zweifelhaft, ob man zu einer echten Reue fähig sein wird, wenn man dermaßen böswillig vorsätzlich handelt. Es geht um die ewige Verdammnis, die mir zuteil wird.  Weil aber in der nachkonziliaren „Verkündigung“ das Wohl des Nächsten und zwar sein leibliches, vielleicht auch psychisches Wohl, das non plus ultra Maßstab ist, deswegen leben wir in der Zeiten von anything goes, siehe Amoris Laetitia. Der Papst ermöglicht den Ehebrechern und anderen schweren Sündern eine blasphemische Kommunion, wodurch er:

  1. Diese in die Hölle bringt.
  2. Sich selbst in die Hölle bringt.
  3. Die Bischöfe, die es erlauben in die Hölle bringt.
  4. Priester, die diesen Leuten die Kommunion spenden in die Hölle bringt.
  5. Viele Katholiken, die sich jetzt von der Kirche abwenden und schwer zu sündigen anfangen, da es ja egal ist, in die Hölle bringt.
  6. Alle die es sehen, wissen und nicht dagegen tun, auch in die Hölle bringt.

Wir wären jetzt bei „sechs auf einen Streich“, wobei wohl nicht alle Fälle abgedeckt werden. Und Sie fragen sich, warum wir Franziskus für einen möglichen Satanisten halten? Darum. Es ist ein Meisterstück der Zerstörung auf der Makroebene und das kommende Schisma wohl auch.

Bei einem richtig verstandenen Heilsegoismus kann uns aber Vieles gar nicht passieren. Ich will nicht in die Hölle kommen, ich möchte ein kurzes und leichtes Fegefeuer haben oder auch gar keins, ich möchte einen guten Platz im Himmel mir mit meinem Erdenleben verdienen, da werde ich mich doch hüten irgendetwas zu tun, was (a) mir schadet und (b) anderen schadet, was wieder auf mich zurückkommen wird und mir (a) schaden wird. Und deswegen geht es in unserem Leben vorrangig darum sich selbst geistlich aufzubauen und dadurch auf die Welt zu strahlen. Es geht nicht um das Tun, nicht um die „Produktion“, nicht um die Effizienz oder die Resultate. Man hat nicht nur Eigensünden, man hat auch Fremdsünden. Wie das? Wenn ich als Blogger falsche Lehren, falsche Ansichten, falsche Informationen oder auch nur unglückliche Formulierungen verbreite und jemand durch mich fällt und sündigt, dann fällt seine Sünde auf mich. Ich bin dafür verantwortlich, denn ich habe es geschrieben. Deswegen sollen, wie hl. Jakobus schreibt, nicht viele Lehrer sein wollen (Jk 3,1), weil die Verantwortung riesig ist. Im Guten und im Schlechten. Das sollen sich wirklich alle Priester, Theologen, Theologieprofessoren, Bischöfe, Kardinäle und Päpste hinter die Ohren schreiben. Alle Sünden, die ihr direkt oder indirekt bewirkt habt, werden auf euch zurückkommen, weil ihr und nur ihr in dieser Position seid es verursachen zu können. Und deswegen kann ein Einsiedler, der nur seine Wurzeln isst, zu einer größeren Heiligkeit gelangen, weil die Möglichkeit einer Fremdsünde bei ihm gleich Null ist. Deswegen hat der Teufel die Einsiedler so stark angefochten, weil die „geistliche Produktion“, die sie erbracht haben immer noch an diesem Ort bis zum Jüngsten Gericht bestehen wird. Es gibt doch überall ehemalige Klausen, Kapellen, welche meistens Zelle heißen und wo es manchmal eine Fremdenführung oder einen Ausschank gibt mit der „Heiligenlegende“ über die man jetzt müde lächelt. Aber an diesen Orten ist diese Heiligkeit immer noch spürbar. Sie bleibt da.

Der Reisealtar (2 von 4): Reisen und das geistliche Leben


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Reisen und das geistliche Leben

Deswegen waren die herumstreuenden Mönche oder Kleriker, Einzahl lautet: clericus vagans, wovon sich der Vagabund ableitet, immer Gift und immer verdächtig. Wenn Sie jetzt mit dem Beispiel von hl. Paulus, den anderen Aposteln oder Missionaren kommen, dann müssen Sie wissen, dass diese zwar von A nach B reisten, aber dann längere Zeit in B blieben, um eine Gemeinde aufzuerbauen. Die Bischöfe, welche sie einsetzen, hatten an Ort und Stelle zu sein. Das Reisen war nicht der Selbstzweck und deswegen war diese Reiserei von Johannes Paul II so spirituell verdächtig, worauf wir noch mehr als einmal zu sprechen kommen. Wenn man reist, so kann man qualitativ hochwertig nicht beten, weil man durch alles andere zu sehr abgelenkt ist. Deswegen gibt es im Alten Brevier, also in allen Brevieren bis 1962 das sog. Itinerarium also die Reisegebete, welche Geistliche vor den Reisen beten sollten oder mussten. Eine zweisprachige, lateinisch-englische Übersetzung findet sich hier. Da wir davon ausgehen, dass manch einer diese Gebete auch gerne beten möchte, Latein nicht kann und eine deutsche Übersetzung hilfreich wäre, auch wenn man es auf Lateinisch beten wird (nicht wahr…?), so fügen wir hier unsere eigene Übersetzung hinzu.

Ant. In viam pacis. Ant. Auf den Weg des Friedens
Benedictus Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels! *
Denn er hat sein Volk besucht und ihm Erlösung geschaffen;er hat uns einen starken Retter erweckt *
im Hause seines Knechtes David.So hat er verheißen von alters her *
durch den Mund seiner heiligen Propheten.Er hat uns errettet vor unsren Feinden *
und aus der Hand aller, die uns hassen;er hat das Erbarmen mit den Vätern an uns vollendet /
und an seinen heiligen Bund gedacht, *
an den Eid, den er unserm Vater Abraham geschworen hat;

er hat uns geschenkt, dass wir, aus Feindeshand befreit, /
ihm furchtlos dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit *
vor seinem Angesicht all unsre Tage.

Und du, Kind, wirst Prophet des Höchsten heißen; /
denn du wirst dem Herrn vorangehn *
und ihm den Weg bereiten.

Du wirst sein Volk mit der Erfahrung des Heils beschenken *
in der Vergebung der Sünden.

Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes *
wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe,

um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes *
und unsre Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. *
Wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit.

Amen.
Lk 1, 68-79

Gloria Patri… Ehre sei dem Vater
Ant. In viam pacis et prosperitatis dirigat nos omnipotens et misericors Dominus: et Angelus Raphael comitetur nobiscum in via, ut cum pace, salute et gaudio revertamur ad propria.

Ant: Auf den Weg des Friedens und des und Wohlergehens richte uns der allmächtige und barmherzige Herr: und der Erzengel Raphael möge uns auf dem Weg begleiten, damit wir mit Frieden, Heil und Freue in das Eigene zurückkehren mögen.

Kyrie, eleison.
Christe, eleison.
Kyrie, eleison.
Kyrie, eleison.
Christe, eleison.
Kyrie, eleison.
Pater noster (secreto usque ad) Vater unser (still bis zu)
V. Et ne nos inducas in tentationem.
R. Sed libera nos a malo.
V. Und führe uns nicht in Versuchung.

R. Sondern erlöse uns von dem Bösen.

V. Salvos fac servos tuos.
R. Deus meus, sperantes in te.
V. Mache heil Deine Diener.

R. Mein Gott, die auf Dich hoffen.

V. Mitte nobis, Domine, auxilium de sancto.
R. Et de Sion tuere nos.
V. Schicke uns, Herr, Hilfe vom Heiligen [Ort]

R. Und von Sion her beschütze uns.

V. Esto nobis, Domine, turris fortitudinis.
R. A facie inimici.
V. Sei uns, Herr, der Turm der Tapferkeit.

R. Im Angesicht des Feindes.

V. Nihil proficiat inimicus in nobis.
R. Et filius iniquitatis non apponat nocere nobis.
V. Nichts möge der Feind gegen uns unternehmen können.

R. Und der Sohn der Verderbnis möge nicht zusätzlich uns schaden.

V. Benedictus Dominus die quotidie.
R. Prosperum iter faciat nobis Deus salutarium nostrorum.
V. Gesegnet sei der Herr am heutigen Tag.

R. Einen genehmen Weg möge der Herr uns auf unseren Heilswegen bereiten.

V. Vias tuas, Domine, demonstra nobis.
R. Et semitas tuas edoce nos.
V. Deine Wege, Herr, zeige uns.

R. Und Deine Pfade lehre uns.

V. Utinam dirigantur viae nostrae.
R. Ad custodiendas iustificationes tuas.
V. Mögen unsere Wege gerichtet werden.

R. Um Deine Rechtfertigung zu wahren.

V. Erunt prava in directa.
R. Et aspera in vias planas.
V. Unser Ungerades möge gradlinig werden.

R. Und das Unebenmäßige zu einem geraden Weg.

V. Angelis suis Deus mandavit de te.
R. Ut custodiant te in omnibus viis tuis.
V. Seinen Engeln hat er über Dich befohlen.

R. Dass sie Dich auf all Deinen Wegen behüten.

V. Domine, exaudi orationem meam.
R. Et clamor meus ad te veniat.
V. Herr erhöre mein Gebet.

R. Und mein Schreien möge zu Dir kommen.

V. Dominus vobiscum.
R. Et cum spiritu tuo.
V. Der Herr sei mit Euch.

R. Und mit Deinem Geiste:

Oremus:
Deus, qui filios Israel per maris medium sicco vestigio ire fecisti, quique tribus Magis iter ad te stella duce pandisti, tribue nobis quaesumus iter prosperum tempusque tranquillum: ut, Angelo tuo sancto comite, ad eum quo pergimus locum, ac demum ad aeternae salutis portum pervenire feliciter valeamus.
Lasset uns beten:

Gott, der Du die Kinder Israels veranlasstest durch die Mitte des Meeres trockenen Fußes zu gehen, wie Du auch den der Magiern [aus dem Morgenland] den Weg zu Dir mit einem Stern als Führer offenbartest, gewähre uns, so bitten wir Dich, den genehmen Weg und eine ruhige Zeit, damit wir, mit Deinem Engel als Wegbegleiter, zu diesem Ort kommen mögen, zu dem wir jetzt gehen und auf dieselbe Weise an das Tor der ewigen Heils glücklich ankommen mögen.

Deus, qui Abraham puerum tuum, de Ur Chaldaeorum eductum, per omnes suae peregrinationis vias illaesum custodisti: quaesumus, ut nos famulos tuos custodire digneris: esto nobis Domine in procinctu suffragium, in via solatium, in aestu umbraculum, in pluvia et frigore tegumentum, in lassitudine vehiculum, in adversitate praesidium, in lubrico baculus, in naufragio portus: ut, te duce, quo tendimus prospere perveniamus, et demum incolumes ad propria redeamus.

Gott, der Du Abraham, Deinen Sohn, vom Ur der Chaldäer hinausführtest und auf allen Wegen seiner Wanderschaft unbeschadet bewahrtest: so bitten wir Dich, das Du uns, Deine Diener, bewahren mögest: sei uns Herr Hilfe in der Bereitschaft, auf dem Weg Trost, in der Hitze Schatten, im Regen und in der Kälte Bedeckung, in der Mattigkeit Transportmittel, in der Widrigkeit Schutz, im Sumpf Stock, beim Schiffbruch Hafen:  damit wir, mit Dir als Führer, dorthin, wohin wir schreiten glücklich ankommen, und unversehrt wieder nach Hause zurückkehren.

Adesto, quaesumus Domine, supplicationibus nostris: et viam famulorum tuorum in salutis tuae prosperitate dispone: ut inter omnes viae et vitae huius varietates tuo semper protegamur auxilio.

Sei nahe, so bitten wir Herr, unseren Bitten : und richte den Weg Deiner Diener zum Heil mit Deinem Wohlergehen: damit wir auf allen Wegen und bei allen Abwechslungen dieses Lebens wir immer durch Deine Hilfe geschützt werden mögen.

Praesta, quaesumus omnipotens Deus: ut familia tua per viam salutis incedat; et, beati Ioannis Praecursoris hortamenta sectando, ad eum quem praedixit secura perveniat, Dominum nostrum Iesum Christum Filium tuum: Qui tecum vivit et regnat in unitate Spiritus Sancti Deus, per omnia saecula saeculorum. R. Amen.

Gewähre uns, so bitten wir Dich allmächtiger Gott: dass Deine Familie auf dem Weg des Heils schreitet; und, den Ermahnungen des Vorläufer Johannes [des Täufers] folgend, zum Dem, welchen er gepredigt hatte, sicher gelangt unserem Herrn Jesus Christus Deinen Sohn: der mit Dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes Gott von Ewigkeit zur Ewigkeit. Amen.

V. Procedamus in pace.
R. In nomine Domini.
Amen.
V. Gehen wir in Frieden.

R. Im Namen des Herrn.

Das Reisen birgt auch geistliche Gefahren und zwar nicht nur in dem Sinne, dass man verunglücken oder in irgendwelche Sünden fallen kann, sondern auch deswegen, weil man, nennen wir es den „geistlichen Ausdünstungen“ anderer Menschen ausgeliefert ist. Wie soll man das verstehen? Jeder Mensch, abhängig von seinem Gnadenstand, hat eine bestimmte Ausstrahlung, welche von den Meisten nicht bewusst wahrgenommen wird. Wir können zwar sagen: „Ich fühle mich in seiner Gegenwart unwohl“, aber wir denken meistens, dass dies natürliche Ursachen hat, was durchaus der Fall sein kann. Jemand ist langweilig, ungezogen, prollig etc. Manchmal stimmt äußerlich alles, wir aber fühlen sich in seiner oder ihrer Gegenwart unwohl und können es nicht erklären. Andersrum geht es auch. Bei reinen, heiligen und betenden Menschen fühlt man sich sehr wohl, wenn man im Gnadenstand ist, wahrscheinlich aber bei denselben sehr unwohl, wenn man in schwerer Sünde lebt. Diese Menschen sind wie ein Lackmuspapier unseres eigenen geistlichen Zustandes. Der Schreiber dieser Zeilen arbeitete vor vielen Jahren in einer kirchlichen Einrichtung, wo der geistliche Zustand der Kollegen so  na… ja…war. Dort gab es aber eine Ordensschwester, um die 50, welche solch eine gute geistliche Atmosphäre, einen odor sanctitatis – den Geruch der Heiligkeit – ausstrahlte, dass der Schreiber dieser Zeilen am liebsten sich die ganze Zeit in ihrer Nähe aufhalten wollte, was leider nicht ging. Es ging nicht einmal um das Gespräch, sondern um die stille Ausstrahlung. Es war sicherlich keine körperliche oder erotische Anziehung vorhanden, sondern eine geistliche. Wenn er einen harten Tag hatte, dann ging er zu ihr, um sich ein wenig aufzuladen, die Schwester wurde dadurch wahrscheinlich entladen, aber so ist der geistliche Energieaustausch nun mal. In den letzten Jahren ist der Schreiber dieser Zeilen meistens derjenige, bei dem sich die Menschen aufladen, was für ihn dermaßen geistlich, aber auch körperlich anstrengend ist, dass er sich manchmal nach manchen Gesprächen ein paar Tage erholen muss. Die andere Seite ist glücklich und quietschlebendig, er aber halbtot. Halten wir also an dieser Stelle fest, dass es Menschen gibt, die eine sehr gute oder eine sehr schlechte geistliche Atmosphäre verströmen. Während wird aber in unserem Alltag eine Vorauswahl treffen können, mit wem wir uns abgeben, haben wir auf den Reisen einen weit geringeren Einfluss darauf.

P.S.

Das Reisegebet zum Download fidet sich hier: reisegebet. 

Der Reisealtar (1 von 4): Das Reisen an sich


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Das Reisen an sich

Der Schreiber dieser Zeilen verreist ungern. Er tut es deswegen ungern, da, wie er erfahren hatte, dass die benediktinische stabilitas – die Stabilität oder Beständigkeit – die Grundlage des geistlichen Lebens bildet. Es ist nicht nur die stabilitas loci, die Stabilität des Ortes, was man wirklich sehr frei als einen festen Wohnsitz übersetzen könnte, es ist auch die stabilitas vitae, die Stabilität des Lebens, womit die Beständigkeit der Abläufe des Alltags gemeint ist. Es ist die Routine, es ist der Rhythmus, es sind diejenigen Gewohnheiten, welche automatisiert uns überhaupt ein intellektuelles oder geistliches Leben ermöglichen, weil durch den Automatismus das Nachdenken über diese Tätigkeiten und der damit verbundene Stress wegfällt, der immer dann auftritt, wenn man es mit etwas Manuell-Neuem zu tun hat. Wenn Sie zum ersten Male operieren, sticken, kitesurfen, klettern, tanzen oder irgendetwas Manuelles tun, dann sind Sie zumindest nervös und außerordentlich damit beschäftigt diesen Bewegungsablauf zu koordinieren. Daher die Notwendigkeit der Wiederholung, Wiederholung und Wiederholung, damit dieser Bewegungsablauf sitzt und Sie ihn automatisch ausführen können. Deswegen legten die frühesten Apothtegmata, die Sprüche der Wüstenväter, eine manuelle Handarbeit nahe, wie das Flechten von Körben, bei welcher man automatisch handwerklich arbeitet und dabei beten und meditieren kann. Deswegen schreiben auch die Mönchsregeln, besonders die benediktinische Regel, die Handarbeit vor, was wirklich wörtlich gemeint ist. Sie sollen mit ihren Händen etwas hervorbringen. Deswegen ist das Abschreiben von Büchern Handarbeit, aber das Schreiben von Büchern nicht. Warum? Weil, während Sie schreiben, Sie an nichts Anderes, als das, was Sie gerade schreiben, denken können. Das Tippen verläuft schon automatisch, das Nachdenken darüber, was man gleich oder gleichzeitig eintippen wird, nicht. Das Schreiben ist immer eingleisig, das Abschreiben nicht, Sie können einen beliebigen Text abtippen und an etwas Anderes denken, wenn Sie beim Eintippen geschickt genug sind. Gute Sekretärinnen von damals, in der Zeit als noch nicht jeder das Eintippen beherrschte, konnten gleichzeitig eintippen, Musik hören und sich mit einer andern Sekretärin über den Büroalltag unterhalten. Und was hat das mit dem Beten zu tun? Dass Sie bei automatisierten Vorgängen gleichzeitig beten können, weil Sie das Manuelle intellektuell nicht in Anspruch nimmt. Daher die Empfehlung der Handarbeit.

Aber die Routine und der allgemeine Automatismus an sich gibt Ihrem Leben eine feste Struktur und macht die Beständigkeit (stabilitas) aus. Sind Sie bei sich zuhause, so fragen Sie sich beim Aufwachen nicht, wo der Schalter ist, Sie stoßen nicht an unbekannte Möbel an, finden sogleich den Weg ins Badezimmer, finden sich in dem Haus, das ja das Ihre ist, sofort zurecht etc. All das fällt beim Reisen weg, denn Sie werden vielen neuen Reizen ausgesetzt, die erst mal verarbeitet werden müssen. Das Reisen bringt also immer Unordnung mit sich bevor die Ordnung wieder einziehen kann, denn von A nach B müssen Sie erst kommen und je nach dem gewählten Kommunikationsmittel ist es mehr oder weniger mühselig. Die Reiselust ist entweder jungen Menschen eigen, welche durch das Zuführen von äußeren Reizen auch die inneren Bestände des inneren Lebens entwickeln können oder sie ist denjenigen Menschen eigen, die auf das Äußere verlegt sind und kein inneres Leben führen. Ob das Reisen an sich wirklich Erholung ist, lassen wir offen, denn es gibt keinen kostspieligeren Zeitvertreib als das Reisen. Sie müssen ja für alles, was Sie zuhause viel günstiger oder gar umsonst haben, zahlen. Wer viel in Hotels wohnt, weiß es zu berichten. Es gibt Berufsgruppen, die sehr viel reisen, es mehr oder weniger gut oder schlecht ertragen, aber immer bestimmte feste Punkte oder weltliche Rituale in ihren Alltag einbauen, um sich überhaupt in der permanenten Fremde zurechtzufinden. Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Musiker und sind ein Jahr auf Tournee. Üben, Probe, Konzert, Üben, Probe, Konzert. Hotel, Hotel, Hotel, Flugzeug, Flugzeug, Flugzeug. Immer Hotelessen, immer fremde Betten und fremde Zimmer. Immer fremde Menschen und notgedrungen Einsamkeit. Wenn wir uns fragen, warum diese Menschen so schnell degenerieren, dann ist dies mitunter die Antwort darauf. Versuchen Sie so zu leben. Sind Sie Solist, dann sind Sie einsam, musizieren Sie in einer Gruppe, dann haben Sie dauernd diese Gruppe um sich und die verschiedene Gruppendynamik, die auf und ab geht. Reisen ist wirklich Gift für das geistige, aber auch für das intellektuelle Leben. Denn welcher Gelehrte hat schon sein Hauptwerk auf Reisen geschrieben? Man kann sich etwas notieren, braucht aber die Ruhe, die stabilitas loci und die routinierte Beständigkeit, um es richtig auszuarbeiten.