Mein Reisealtar


Wir wollen hiermit eine Reihe eröffnen, in der unsere Leser uns ihre eigenen, selbstgebastelten oder selbst zusammengestellten Reisealtäre vorstellen. Obwohl das oben vorangestellte Bild ein wenig irreführend erscheinen mag, da es keinen Reisealtar, sondern das Innere einer orthodoxen Kirche darstellt, so geht es doch bei einem Reisealtar darum, das Bisschen Schönheit und Sakralität sich auf die Reisen mitzunehmen, welches uns möglich ist und uns anspricht. Man braucht schon einen Reisealtar, wenn man regelmässig betet und es qualifiziert so wie ästhetisch schön tun möchte. Gott ist doch die Schönheit schlechtin. Warum sollen wir uns den mit Hässlichkeit in unserem Gebetsleben zufrieden geben?

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Der Reisealtar (4 von 4): Einen Reisealtar „basteln“


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Wir basteln uns einen Reisealtar

Da in unserem Leben also es hauptsächlich um Selbstheiligung geht, da wir an fremden Orten geistliche Räume schaffen sollen, so ist es höchst zuträglich auf Reisen nicht nur zu beten, sondern es auch qualifiziert zu tun, indem wir einen Reisealtar aufstellen und davor beten. Zuerst ist es gut das Hotelzimmer mit dem Weihwasser, aus einer Weihwasserflasche zu besprengen, damit wir uns wohl und die Dämonen unwohl fühlen. Da der Schreiber dieser Zeilen auf Reisen oder in Urlaub ebenfalls betet, so hat er sich einen Reisealtar zusammengebastelt, da der Markt nicht derartiges bietet und das, was man antiquarisch erwerben kann entweder zu teuer, zu kitschig oder zu wenig praxistauglich ist. Die meisten Reisealtäre dienen eigentlich dazu, wenn man denn welche finden, davor eine Messe zu zelebrieren und nicht davor zu beten. Deswegen fand der Schreiber dieser Zeilen im Laufe der Jahre mehrere Bestandteile, welche zusammengesetzt ihn einigermaßen ästhetisch befriedigen. Es ist noch nicht vollkommen, aber besser als nichts. Der Reisealtar sieht wie folgt aus (ja, abgenutzt, weil benutzt):

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Der Reisealtar (3 von 4): Geistlicher Raum und Heilsegoismus


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Geistlichen Raum schaffen

Wenn man betet, dann schafft man an dem betreffenden Ort einen geistlichen Raum. Dies ist wörtlich zu verstehen. Alle unsere Gebete, Opfer, Sühnehandlungen etc. bleiben am Ort, an dem sie erbracht wurden, sozusagen stehen. Dies ist eine weitverbreitete Erfahrung der sakralen Atmosphäre in alten Kirchen auch in solchen, welche leider in den letzten Jahrzehnten desakralisiert wurden. All die Hl. Messen, die Beichten und all diese Gebete sind immer noch an diesem Ort vorhanden und strahlen nach wie vor eine Heiligkeit aus. Aber auch in privaten Räumen merkt man, vielleicht nicht jeder, manche aber schon, wer dort wohnt und wie und ob er dort betet. Diese Erfahrung kann man machen, wenn man verschiedene Klosterzellen oder Wohnungen von Priestern „visitiert“. Mal ist es Licht und Klarheit, mal eine verdorrte Trockenheit, ein stehender Staub. Wenn Sie also am Ort, an dem Sie wohnen, beten oder viel beten, dann schaffen Sie dort einen geistlichen Raum, der dableibt, auch wenn Sie wegziehen. Manche Menschen werden davon angezogen, manche fortgetrieben. Als der Schreiber dieser Zeilen seine Wohnung verkaufte, so war einer der Kaufargumente der Käuferin dieser, dass sie an diesem Ort eine „positive Atmosphäre“ spürte und sich fragte, wer wohl darin wohnte. Da sie eine Künstlerin war und ist, so hatte sie ein Gespür für diese Dinge, obwohl der Schreiber dieser Zeilen, als er in dieser Wohnung lebte, noch viel weniger geistlich fortgeschritten war als er jetzt ist, da er damals weder die Tridentinische Messe noch die Alten Breviere kannte.

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Der Reisealtar (2 von 4): Reisen und das geistliche Leben


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Reisen und das geistliche Leben

Deswegen waren die herumstreuenden Mönche oder Kleriker, Einzahl lautet: clericus vagans, wovon sich der Vagabund ableitet, immer Gift und immer verdächtig. Wenn Sie jetzt mit dem Beispiel von hl. Paulus, den anderen Aposteln oder Missionaren kommen, dann müssen Sie wissen, dass diese zwar von A nach B reisten, aber dann längere Zeit in B blieben, um eine Gemeinde aufzuerbauen. Die Bischöfe, welche sie einsetzen, hatten an Ort und Stelle zu sein. Das Reisen war nicht der Selbstzweck und deswegen war diese Reiserei von Johannes Paul II so spirituell verdächtig, worauf wir noch mehr als einmal zu sprechen kommen. Wenn man reist, so kann man qualitativ hochwertig nicht beten, weil man durch alles andere zu sehr abgelenkt ist. Deswegen gibt es im Alten Brevier, also in allen Brevieren bis 1962 das sog. Itinerarium also die Reisegebete, welche Geistliche vor den Reisen beten sollten oder mussten. Eine zweisprachige, lateinisch-englische Übersetzung findet sich hier. Da wir davon ausgehen, dass manch einer diese Gebete auch gerne beten möchte, Latein nicht kann und eine deutsche Übersetzung hilfreich wäre, auch wenn man es auf Lateinisch beten wird (nicht wahr…?), so fügen wir hier unsere eigene Übersetzung hinzu.

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Der Reisealtar (1 von 4): Das Reisen an sich


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Das Reisen an sich

Der Schreiber dieser Zeilen verreist ungern. Er tut es deswegen ungern, da, wie er erfahren hatte, dass die benediktinische stabilitas – die Stabilität oder Beständigkeit – die Grundlage des geistlichen Lebens bildet. Es ist nicht nur die stabilitas loci, die Stabilität des Ortes, was man wirklich sehr frei als einen festen Wohnsitz übersetzen könnte, es ist auch die stabilitas vitae, die Stabilität des Lebens, womit die Beständigkeit der Abläufe des Alltags gemeint ist. Es ist die Routine, es ist der Rhythmus, es sind diejenigen Gewohnheiten, welche automatisiert uns überhaupt ein intellektuelles oder geistliches Leben ermöglichen, weil durch den Automatismus das Nachdenken über diese Tätigkeiten und der damit verbundene Stress wegfällt, der immer dann auftritt, wenn man es mit etwas Manuell-Neuem zu tun hat. Wenn Sie zum ersten Male operieren, sticken, kitesurfen, klettern, tanzen oder irgendetwas Manuelles tun, dann sind Sie zumindest nervös und außerordentlich damit beschäftigt diesen Bewegungsablauf zu koordinieren. Daher die Notwendigkeit der Wiederholung, Wiederholung und Wiederholung, damit dieser Bewegungsablauf sitzt und Sie ihn automatisch ausführen können. Deswegen legten die frühesten Apothtegmata, die Sprüche der Wüstenväter, eine manuelle Handarbeit nahe, wie das Flechten von Körben, bei welcher man automatisch handwerklich arbeitet und dabei beten und meditieren kann. Deswegen schreiben auch die Mönchsregeln, besonders die benediktinische Regel, die Handarbeit vor, was wirklich wörtlich gemeint ist. Sie sollen mit ihren Händen etwas hervorbringen. Deswegen ist das Abschreiben von Büchern Handarbeit, aber das Schreiben von Büchern nicht. Warum? Weil, während Sie schreiben, Sie an nichts Anderes, als das, was Sie gerade schreiben, denken können. Das Tippen verläuft schon automatisch, das Nachdenken darüber, was man gleich oder gleichzeitig eintippen wird, nicht. Das Schreiben ist immer eingleisig, das Abschreiben nicht, Sie können einen beliebigen Text abtippen und an etwas Anderes denken, wenn Sie beim Eintippen geschickt genug sind. Gute Sekretärinnen von damals, in der Zeit als noch nicht jeder das Eintippen beherrschte, konnten gleichzeitig eintippen, Musik hören und sich mit einer andern Sekretärin über den Büroalltag unterhalten. Und was hat das mit dem Beten zu tun? Dass Sie bei automatisierten Vorgängen gleichzeitig beten können, weil Sie das Manuelle intellektuell nicht in Anspruch nimmt. Daher die Empfehlung der Handarbeit.

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