Augustin Poulain SJ, Die Fülle der Gnaden. (15) Kapitel 2: Vorstufen der Mystik? (7) Affektives Gebet und Betrachtung (i)


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In diesem Teil seines Werkes Pater Poulain SJ bespricht er die Unterschiede zwischen dem affektiven Gebet oder dem Gebet der Affekte und der Betrachtung, wobei er die Überlegenheit der letzteren herausstellt. Es ist ein Gebet, bei welchem unsere Gefühle oder Affekte erweckt werden, damit diese unseren Willen beeinflussen. Um welche Affekte handelt es sich? Um die guten Affekte oder diejenigen die zum Guten führen:

  • Dankbarkeit
  • Freude
  • Lob
  • Trauer
  • andere

Das affektive Gebet erwächst aus der Betrachtung. So stellen Sie sich vor, dass Sie die Krippe Christi betrachten. Sie stellen sich den Stall von Betlehem vor, Maria, Joseph, die Tiere, ihre Krippe sieht so uns so aus, das Jesuskind so und so. Nachdem Sie diese Szene, wie in einem Film, sich vorgestellt haben, überlegen Sie sich, was es bedeutet, dass Gott Mensch geworden ist und erwecken Sie das Gefühl der Dankbarkeit. Der große Gott, der Schöpfer des ganzen Alls liegt als Mensch in einer Krippe in Palästina. Welche ein großes Hinabsteigen, aus der Höhe der göttlichen Transzendenz in die Tiefe der Körperlichkeit. Während Sie also diese Glaubensgeheimnisse betrachten, halten Sie sich an Dankbarkeit zu empfinden, aber so, dass ihre Gefühlswelt wirklich in Mitleidenschaft gezogen wird. Denn ohne ein affektives Gebet bleiben die Glaubensinhalte nur ein trockenes, beschriebenes Blatt Papier. Sie kennen diesen Typ des trockenen, dogmatischen Priesters, den es eher vor dem Konzil mehr gab, der aber jetzt ausstirbt, der alles glaubt, alles weiß, aber wenig liebt. Glaubenswahrheiten sind natürlich intellektuelle Wahrheiten, das Fachwort lautet „Propositionen“, aber das Intellektuelle muss in das Herz hinabsteigen, um den Willen zu beeinflussen, um in die Seele aufsteigen, damit wir wirklich gottförmig werden. Das Intellektuelle ist der Ausgangspunkt, denn es ist ein „Was“, man kann ja nicht glauben, ohne zu wissen woran und warum, aber das Ziel ist das Spirituelle, welches durch das Volitive (den Willen) zu erreichen ist. Sie können keine „persönliche Beziehung mit Jesus“ aufbauen, wie es die Protestanten nennen oder eine Liebe zum Heiland entwickeln, wie es katholisch heißt, wenn Sie die Glaubensgeheimnisse nicht mitempfinden. Ist dies denn möglich? Natürlich ist es möglich, man kann es einüben und dem dient eben das affektive Gebet. Aber dieses geht von der Betrachtung aus, denn sie müssen ja zuerst betrachten, sprich sich die Szene ausmalen, damit Sie Gefühle erwecken können.

 

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Augustin Poulain SJ, Die Fülle der Gnaden. (14) Kapitel 2: Vorstufen der Mystik? (6) Gebet der Einfachheit und die Eignung dazu


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Der heutige Eintrag soll im Zusammenhang mit dem vorigen gelesen werden, da er vom Gebet der Einfachheit handelt. Ja, den letzten Poulain-Eintrag gab es in Februar 2016, was uns tiefst beschämt, aber mit der Verpflichtung zum spirituellen Mittwoch wird auch Pater Poulain SJ öfters erscheinen.

Warum kommt er denn nicht öfter?

Weil er dermaßen viel Kommentar abverlangt, wozu der Schreiber dieser Zeilen nicht immer in der Lage ist. So kämpft er zum Beispiel bei der Niederschrift dieser Worte mit einer anfänglichen Infektion, er fühlt sich abgeschlagen und kann sich schlecht konzentrieren. Außerdem glauben wir, dass leider sehr wenige unserer Leser über ein derartig fortgeschrittenes Gebetsleben verfügen, dass Sie von Pater Poulain SJ profitieren könnten. So sind diese Beiträge recht arbeitsaufwendig und werden leider wenig gelesen. Aber wenn man die fortgeschrittenen Stadien des Gebetslebens überhaupt nicht darstellt, denn wo sollen Sie es sonst hören, dann wird sich niemand weiterentwickeln, weil er keine Anleitung dazu findet. Mit Gebet ist es wie mit Singen oder mit Sprechen. Wir tun schon vieles automatisch, können es nur nicht benennen oder es fehlt uns die richtige Technik es richtig zu machen.

Pater Poulain SJ bespricht die Eignung zum Gebet der Einfachheit.

Was ist denn das Gebet der Einfachheit?

Davon war schon hier die Rede (S. 12 -13). Es ist ein mit wenigen Worten oder Affekten behaftetes Erfassen einer Glaubenswahrheit, dem ein längerer Prozess des Betrachtens und des Erwägens vorausgeht. Ein Beispiel? Nehmen wir das Gebet:

Deus in adiutorium meum intende.

Gott, komm‘ mir zu Hilfe.

 

Wenn der Schreiber dieser Zeilen in diesem Moment diesen Vers rezitiert, kommt ihm das Bild eines Adlers, der auf den Windwogen fliegend seinem auch fliegenden Jungadler zu Hilfe kommt, indem er ihm buchstäblich unter die Flügel greift als  er unter ihn fliegt und auf diese Art und Weise den Jungadler auf seinen eigenen, väterlichen Flügeln trägt. Diese Idee ist biblisch und stammt aus Deut 32,11 aus dem Canticum des Moses.

Wie kommt man aber dazu diese Bilder  bei einem solch einfachen Vers zu sehen?

Indem man früher viel Betrachtung geübt hat, also willentlich und seiner Vorstellungskraft die Glaubensbeheimnisse wie: die göttlichen Vorsehung, die göttliche Hilfe, das Verhältnis zwischen Mensch und Gott, Gnade (ihr theologischer Eigenname lautet adiutorium – „Hilfe“) und den Sinnbild des Adlers erwägt hat. Denn das Gebet der Einfachheit setzt meistens ein längeres, betrachtendes Gebet voraus, in welchem wir jeden Vers erwägen, ihn uns vorzustellen versuchen ihn schlichtweg betrachten.  Hat man das getan, so trägt man mit der Zeit die Früchte in der Form des Gebets der Einfachheit.

Aber Pater Poulain SJ sagt richtigerweise, dass es Menschen gibt, die gleich in das Gebet der Einfachheit kommen, weil sie so einfach sind, dass sie wenig zu vereinfachen haben. Sie wissen selbst, dass sie sehr einfach über etwas sprechen können, wovon sie kaum etwas wissen. Es fällt ihnen aber schwer etwas darzustellen, wovon Sie sehr viel Ahnung haben. Genauso ist es beim Gebet. Menschen, die den Fehler machen, wie der Schreiber dieser Zeilen in seiner Studienzeit, die Betrachtung mit einem Bibel- oder Theologiestudium zu verwechseln, weil man ja wissen wollte, wie z.B. die Kirchenväter den Adler deuteten, diese Menschen kommen sehr langsam zum Gebet der Einfachheit, weil sie zu lange und zu intellektuell betrachten. Und deswegen schreibt die benedikitinischen Regel, die beste von allen, wie wir meinen: sowohl oratio – das Gebet – als auch lectio – also die geistliche Lesung oder das Studium vor. Denn Wissensaneignung, was auch sein muss, ist etwas anderes als das betrachtende Gebet oder überhaupt ein Gebet. Beim Gebet treffen wir uns mit Gott und bitten ihn, z.B. beim betrachtenden Gebet, uns seine Geheimnisse, die in dieser Stelle verborgen sind, zu offenbaren. Nehmen wir doch den ersten Vers des Evangeliums vom ersten Adventsonntag im Alten Ritus (Lk 21, 25):

Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen, und auf der Erde werden die Völker bestürzt und ratlos sein über das Toben und Donnern des Meeres.

Versuchen Sie sich die Sonne, den Mond und die Sterne vorzustellen und welche Zeichen damit gemeint sein können. Denken Sie an all die Unheilsprophezeiungen: La Salette, Fatima und Akita. Denken Sie darüber, was die Medien berichten. Diese Übung sollte mindestens 15 Minuten dauern, wenn man sie richtig ausübt. Das ist Betrachtung, welche die Grundlage unter das nachfolgende Gebet der Einfachheit legt. Denn später werden Sie an dieser Stelle vielleicht nur an Christus den Pantokrator, den Weltherrscher, denken, der kommen wird diese Erde zu richten.

Pater Poulain SJ ist recht zuversichtlich, indem er sehr viele Gruppen angibt, die schnell an das Gebet der Einfachheit kommen, wie z.B.

„Ordensleute, die ihr Offzium auf Lateinisch beten ohne es zu verstehen“ (S. 31)

welche den Vorteil haben, dass sie sich in keine Analysen verzetteln können, weil sie die Texte nicht verstehen oder nur ein paar Worte davon. Ja, das Alte Brevier macht es einfach.

 

 

 

 

 

 

Pater Poulain Poulain PDF, I Kap. I.2.2, 21-32

 

Augustin Poulain SJ, Die Fülle der Gnaden. (13) Kapitel 2: Vorstufen der Mystik? (5) Tugend, Phantasie, Trockenheit


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Gebetsleben als Eigensicherung

Bei all dem traurigen und eigentlich desolaten Zustand der Kirche in den deutschsprachigen Ländern ist es wichtig sich um sein eigenes, geistliches Immunsystem zu sorgen und Eigensicherung zu betreiben.

Gibt es „Heilsegoismus“? Nein!

Bevor wir diese beiden Termini weiter ausführen, wollen wir die vielleicht aufkommende Frage beantworten:

„Ja, ist es denn nicht Heilsegoismus?“

Jawohl, es ist Heilsegoismus und es ist gut so. Das nachkonziliare, lügnerische Modewort „Heilsegoismus“ kann wirklich nur dämonischen Ursprungs sein, denn unter der vorgeblichen altruistischen Güte birgt es absolut zerstörerische Potentiale in sich. Wie viele Priester landeten als Väter ihrer eigenen Konkubinenkinder, wie viele Ordensschwestern haben ihre Berufung verlassen, wie viele Mönchen „gingen hinaus, um in der Welt zu wirken“ und all das, um nicht heilsegoistisch zu sein. Natürlich muss man sich um sein eigenes Heil egoistisch bemühen, weil man nur auf sich selbst wirklich Einfluss hat. Wenn ich auf dieser Welt im Gnadenstand lebe, so leuchte ich, natürlich metaphorisch ausgedrückt, durch den Abglanz Gottes in die Welt hinein, ich bete für die Welt und heilige sie. Auch wenn ich tief im Wald vergraben bin. Komme ich ins Fegefeuer, so kann ich für die Menschen auf der Erde beten, komme ich gar in den Himmel, dann noch viel mehr. Dies ist die katholische Lehre von der communio sanctorum – der Gemeinschaft der Heiligen. Jeder Gnaden- und Heiligkeitszuwachs kommt dem ganzen mystischen Leib Christi – der Kirche –zugute. Und daher kann es gar keinen Heilsegoismus geben. Dies ist die wahre katholische Sicht, welche natürlich die vertikale Richtung also von Gott nach unten her berücksichtigt.

Berücksichtigt man nur das Horizontale, wie seit dem Konzil üblich, was zu einem praktischen Atheismus führt (siehe die letzte Predigt Ihres Herrn Pfarrer), so muss man permanent für andere tätig sein und zwar auf die Art und Weise, wie sie es bestimmen, was zu den absurden Lösungen führt Kirchen zu entweihen, um für muslimische illegale Einwanderer – die „Flüchtlinge“ – Platz zu machen, welche sich durch sexuelle Übergriffe und vieles mehr, denn die Presse beginnt langsam zu schreiben, revanchieren. Dies ist natürlich absurd und hat mit keiner Religion irgendetwas zu tun, am wenigsten mit der katholischen. Da leider die Mehrheit der deutschsprachigen Bischöfe, geht man von ihren Taten und Worten aus (siehe unsere „Bischofsperlen“), Atheisten sind, so brauchen sie natürlich weitere horizontale Ersatzziele, um die Kirchensteuer weiterhin zu verwenden und als eine staatliche Organisation zu fungieren. Man lese das letzte Pressegespräch der DBK.[1] Da alles, was man geistlich tut seinen Niederschlag im Gnadenleben der Kirche findet, so gibt es keinen „Heilsegoismus“ im Gegensatz zum klerikalen Atheismus, den es tatsächlich gibt. Aber wir sollten uns nicht darum kümmern, da wir, auch durch die Drosselung der Kirchensteuer, auf das Gnadenleben unserer Bischöfe keinen Einfluss haben. Wir haben ausschließlich Einfluss auf unser eigenes Gnadenleben.

Gebet als Aufladen des Immunsystems

Die beste und schnellste Möglichkeit sich geistlich zu „laden“ ist das Gebet, weil man es die Stoßgebete, die Widmung des Tageswerkes oder die Intention eingeschlossen, fast ununterbrochen tun kann. Beten ist nicht nur das kniende, mündliche Gebet. Es ist auch das liebevolle Gedenken Gottes, zu welchem man durch das mündliche Gebet nach und nach kommt und was Pater Poulain SJ eingehend beschreibt. Zur Messe, falls sie stattfindet, müssen wir gehen oder fahren. Wir müssen hoffen, dass der zelebrierende Priester wenigstens die Intention hat das zu tun, was die Kirche tut, auch wenn er im Konkubinat lebt und völlig ungläubig ist. Leider sind in der Heimatstadt des Schreibers dieser Zeilen Priester mit der rechten Intention und Nichtkonkubinarier selten, sodass manchmal gerechtfertigte Zweifel am Vollzug des Sakraments stattfinden können und zwar nicht aufgrund des Novus Ordo, sondern aufgrund der fehlenden Intention. Der Schreiber dieser Zeilen geht trotzdem hin und tötet sich ab. Aber leider ist es in den deutschsprachigen Ländern tatsächlich schwierig ein sakramentales Leben zu führen und es erfordert wirklich recht viel Anstrengung. Beten kann man aber immer und wir versuchen auf unserem Blog zu zeigen, wie es geht.

So wie es immer Krankheiten oder Epidemien geben wird, aber die Menschen mit dem besten Immunsystem überleben werden, so wird es in der Kirche immer Sünde oder Ärgernis geben, aber diejenigen mit dem besten geistlichen Immunsystem werden es überleben. Je mehr man die kirchlichen Interna kennenlernt, desto mehr braucht man Kraftquellen, um sich zu regenerieren und nach dem Gehörten oder Gesehenen zu gesunden. Denn sonst kann die frühere Frömmigkeit schnell in Zynismus umschlagen. So wie in den Flugzeugen gesagt wird, dass man zuerst sich selbst die Sauerstoffmaske aufsetzen sollte, so sollten wir zuerst sich um unser Gebetsleben sorgen und es nicht schleifen lassen. Manchmal müssen wir jemanden beraten, werden mit seiner ganzen sündigen Dunkelheit konfrontiert und brauchen ebenfalls die läuternden Wasser des Gebets, damit durch diese Begegnungen unser eigenes Gnadenleben nicht leidet. Ja, es stimmt, man gibt sein eigenes Licht weg und braucht mehr von oben. Aber Gott weiß das und gibt uns reichlich, falls er annimmt, dass wir soweit sind sich anderen mitzuteilen. Wie viele Heilige haben zuerst als Einsiedler gelebt, bevor sie mit ihrem Werk anfingen? Fast alle. Christus ging ja auch nach der Taufe in die Wüster. Also die Vorgehensweise ist vorgegeben.

Pater Poulain SJ schreibt sehr richtig, dass das Gebet der Einfachheit sich in allen anderen geistlichen Übungen, also im ganzen Leben, niederschlägt. Man wird geduldiger, freundlicher, ausdauernder etc. etc. Wie die Stoiker richtigerweise sagten:

„Alle Tugenden hängen zusammen, denn es ist die eine einzige Tugend. Hat man eine, so hat man alle. Hat man eine nicht, so hat man keine.“

Und dies ist richtig. Deswegen verödet zuerst das Gebetsleben, danach das moralische Leben und schließlich das intellektuelle Leben, siehe die letzte Verlautbarung der deutschen Theologen, die sich wirklich luziferisch zu eigenem „Lehramt“ erheben.[2] Ja, ja, zuerst ein Leerkörper, dann ein Leeramt! Und deswegen soll man bei den geistlichen Wüste, der sog. Trockenheit dabei bleiben. Denn Acedia, wie bereits dargestellt, ist eine schwere Sünde. Wir alle haben die Pflicht zu beten, die Geistlichen haben bestimmte Gebete zu verrichten und diese freiwillig und willentlich zu unterlassen ist eine schwere Sünde, wie Ehebruch oder Konkubinat. Und vom unterlassenen Gebet ist der Weg zur Konkubine nicht weit, manchmal gar zu einer verheirateten. Alles hängt also zusammen und die Einzelheiten der Darstellung des geistlichen Weges des Gebets der Einfachheit überlassen wird im nächsten Abschnitt unseres Buches Pater Poulain SJ.

[1] http://www.dbk.de/nc/presse/details/?presseid=3052

[2] http://www.das-konzil-eröffnen.de/schlusserklaerung

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Augustin Poulain SJ, Die Fülle der Gnaden. (12) Kapitel 2: Vorstufen der Mystik? (4) Einstellen des Nachdenkens


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Der höchste Akt, zu dem der Mensch fähig ist, hier auf Erde, wie dort im Himmel, ist kein Akt des Nachdenkens, im Sinne eines diskursiven, d.h. eines schlussfolgernden Denkens: „wenn A, dann B, wenn B, dann C etc“. Der höchste Akt, obgleich ein intellektueller, ist der Akt der Anschauung (contemplatio, theoria). Man sieht, man weiß und man braucht keine Erklärungen mehr. „Er sah und glaubte“ (J 20,8), schreibt der Heilige Johannes über sich selbst beim Aufenthalt am Grab des Auferstandenen.

Beim Gebet der Einfachheit, welches vom Gebet der Betrachtung führt, geht es darum weniger nachzudenken oder überhaupt mit dem Denken aufzuhören, um der Beschauung Raum zu geben. Aus der praktischen Sicht ist an die Worte Pater Poulains SJ zu denken, dass:

            „methodische Vorschriften keine unübersteigbare Kerkermauern sind“,

sowie daran, dass:

            „die Natur keine Sprünge macht“.

Dies bedeutet, dass man aufhören sollte sich die Frage zu stellen: „Ist es noch Betrachtung oder ist es schon das Gebet der Einfachheit?“ Da es auch Übergangs- und Mischzustände gibt, welche viele Jahre dauern können. Der Jesuit gibt viele treffende Beispiele, dass auch im natürlichen Leben, also dem nicht von der Gnade geleiteten, es Zustände gibt, welche an die Stufe des Gebetes der Einfachheit erinnern: Das liebevolle, stille Betrachten ohne jede Worte und Gedanken. Es fällt uns einfacher das Nachdenken einzustellen und in das beschaulichen Gebet, von welchem das Gebet der Einfachheit die erste Stufe bildet, wenn wir einfach intellektuell sehr müde sind. Wenn man ohnehin permanent sich dem diskursiven Denken hingibt, so ist es selbstverständlich, dass man es im Gebet nicht mehr tut, weil man einfach „ausgepowert“, wie die Jugend sagt, ist. So legen sich die Leistungssportler auch auf die Couch und tun nichts, ähnlich wie Komponisten und Dirigenten die Stille suchen. Deswegen wurde in allen guten Ordensregeln, besonders in der benediktinischen die Lectio von der Oratio getrennt, also das Nachlesen und diskursive Nachdenken über die Schriften wurde vom Gebet als solchem, mit dem mündlichen anfangend und in der Kontemplation endend, so Gott will, geschieden. Das Nichtstun, im Sinne eines liebenden Harrens vor Gott ist nicht zu unterschätzen, da wir gerade dann Gott die Möglichkeit geben zu uns zu sprechen, denn meistens reden wir und wollen ständig etwas. Daher ist es durchaus möglich, dass der Hl. Thomas von Aquin die Lösungen seiner Probleme im Gebet fand, wie er selbst sagte, und er tat es wohl im Gebet der Einfachheit oder noch höher, denn nachdenken konnte er beim Schreiben ja genug. Der schönste Akt der Anschauung ist die Elevation bei einer stillen, tridentinischen Messe: man schaut und glaubt. Der fleischgewordene Gott spricht durch das Bild und so kann man viel schneller von Anschauung zu Anschauung gelangen.

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Augustin Poulain SJ, Die Fülle der Gnaden. (11) Kapitel 2: Vorstufen der Mystik? (3) Verschiedene Terminologie


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In seinen Ausführungen zur Terminologie der verschiedenen Gebetszustände macht Pater Poulain SJ wieder mal deutlich, dass Beten ein „Lernberuf“ ist. Dies ist so zu verstehen, dass man bestimmte Tiefen des Gebetes eigentlich nur dann erreichen kann, wenn wir jemanden haben, der uns dazu anleitet, weil er oder sie auch ein Gebetsleben führt und unsere Zustände mit seinen Erfahrungen abgleicht. Dies ist der ordentliche Weg, die via ordinaria. Daher gingen Schüler zu den ersten Wüstenvätern, die Novizen ins Kloster usw. Da wir aber in Zeiten leben, in denen wir leben, so sind wir, wie viele vor uns auch, auf Gebetsanleitung aus Büchern angewiesen. Früher waren wirkliche Beter, die darüber kommunizieren konnten, auch selten, sodass die Hl. Theresia von Avila auch ihre eigenen Bücher über das Gebet verfassen musste. Es gab natürlich auch vorher Bücher über das Gebet, aber sie waren ihr entweder nicht bekannt oder sie haben ihr nicht geholfen. Die älteste Gebetsanleitung ist, wie vielleicht nicht alles wissen, die Philokalie, welche aus den Apophtegmata also aus den Aussprüchen der Wüstenväter zum Gebet und anderen Themen besteht. Leider war es immer schon so gewesen, dass fortgeschrittenes Gebetsleben selten war, obgleich es wohl so schlimm wie jetzt noch niemals gewesen ist.

Aber alle, die über das Gebet ausschließlich aus den Büchern lernen, weil sie leider keinen geistlichen Leiter haben, laufen die Gefahr diese Bücher misszuverstehen. Denn erstens kann man dazu kommen sich bestimmte Zustände oder Gebetsstufen, die man objektiv nicht hat, aufgrund der Lektüre einzureden. Zweitens kann man leider das Geschriebene erst dann identifizieren, wenn man es selbst gerade erlebt oder noch besser in der Vergangenheit bereits erlebt hat. In der Praxis verhältnis es nämlich sowohl genauso wie es in Büchern beschreiben wurde als auch ein wenig anders. Manchmal erleben wir etwas, ohne es nennen zu können und erst in einem Buch finden wir die richtige Metapher, welche unseren Zustand richtig wiedergibt oder erläutert. Gott ist zwar objektiv und die Stufen des Gebetes sind es auch, aber unsere Natur ist immer eine andere, da sich die Menschen auch im Geistlichen voneinander unterscheiden. So sagte ein Heiliger, dass die Seelen noch viel vielfältiger sind als die Gesichter es sind. Jeder Autor beschreibt ja das Subtilste, Intimste, Geistlichste und Erhabenste, was ihm zuteilwird und er tut es auf eine Art und Weise, welche seine Persönlichkeit oder seine Bildung möglich macht. Daher kommen die terminologischen Unterschiede über die man nicht streiten sollte.

In diesem Kontext soll man die Worte von Pater Poulain SJ versehen, dass die verschiedenen geistlichen Schriftsteller dem Gebet der Einfachheit, wie er es nennt, verschiedene Namen geben. Aber „Zu kleinliche Einleitung verwirrt nur, statt zu helfen.“

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