Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe


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Evangelium des neunzehnten Sonntags nach Pfingsten

Mt 22, 1 – 14

Jesus fuhr fort, in Gleichnissen zu ihnen zu reden. Er sprach: „Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Könige, der seinem Sohne Hochzeit hielt. Er sandte seine Knechte aus, um die Geladenen zur Hochzeit zu rufen. Doch sie wollten nicht kommen. Er sandte nochmals andere Knechte aus mit dem Auftrag: Sagt den Geladenen: Seht ich habe mein Mahl bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh geschlachtet, und alles steht bereit; kommt zur Hochzeit! Allein sie achteten nicht darauf und gingen fort, der eine auf sein Landgut, der andere zu seinem Geschäfte; die übrigen aber fielen über seine Knechte her, mißhandelten sie, ja schlugen sie tot. Da ward der König zornig. Er sandte seine Truppen aus, ließ die Mörder umbringen und ihre Stadt in Brand stecken. Dann sprach er zu seinen Knechten: Das Hochzeitsmahl ist zwar bereitet, doch die Geladenen waren seiner nicht wert. So geht denn hinaus an die Straßenausgänge und ladet zur Hochzeit, wen ihr nur findet. Die Knechte gingen hinaus auf die Straßen und brachten alle herbei, die sie fanden, Gute und Böse. So füllte sich der Hochzeitssaal mit Gästen. Da trat der König ein, um sich die Gäste anzusehen. Sein Blick fiel auf einen, der kein hochzeitliches Gewand trug. Er sprach zu ihm: Freund, wie bist du hier hereingekommen ohne hochzeitliches Gewand? Der aber schwieg. Da gebot der König seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße und werfet ihn hinaus in die Finsternis! Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein. Denn viele sind berufen, wenige aber auserwählt.“

Betrachtung zum Evangelium des neunzehnten Sonntags nach Pfingsten

Der Sinn des Gleichnisses im heutigen Evangelium ist dieser: Der König ist Gott, der himmlische Vater; der Sohn ist Jesus Christus; das Hochzeitmahl ist die Gründung und Einrichtung der christlichen Kirche, und die nach dem Kreuztode erfolgte Verherrlichung unsers Herrn und Heilandes. Die hiezu zuerst geladenen Gaste sind die Juden; die ausgesandten Knechte des Königs sind die Propheten des alten Bundes bis auf Johannes den Täufer, durch welche Gott die Juden belehren, bessern und zur Annahme einer vollkommenen Religion, zum Empfange des Messias vorbereiten ließ. Aber die Juden folgten nicht. Da ließ Gott zum zweiten Mal rufen. Es erschienen Johannes der Täufer, die Apostel und Jünger Jesu, die es noch einmal versuchten, die Juden zu bekehren; aber diese verachteten allen Unterricht, tödteten und mißhandelten die zu ihrem Unterricht bestimmten Lehrer. — Laßt uns nicht diesen Juden gleichen, sondern Theil nehmen an dem Gastmahle, das er uns alle Tage in dem Empfange seines hochwürdigsten Leibes darbietet! Prufen wir uns aber auch zuvor, ehe wir zur helligen Kommunion gehen, ob wir das hochzeitliche Kleid haben, damit wir dem fürchterlichen Richterspruche Gottes entgehen! Nie empfangen wir dieselbe ohne Glauben, ohne Liebe, ohne gute Werke! nie mit einer schweren Sünde!

Kirchengebet

Allmächtiger Gott, wende alles, was unserer Heiligung entgegen ist, gnädig von uns ab, damit wir das, was Dich angeht, sowohl der Seele, als dem Leibe nach mit freiem Geiste erfüllen! Amen.

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Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe


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Evangelium des achtzehnten Sonntags nach Pfingsten

Mt 9, 1 – 8

Jesus stieg in ein Boot, fuhr hinüber (über den See Genezareth) und kam in seine Stadt.

Und siehe, da brachte man ihm einen Gelähmten, der auf einem Bette lag. Als Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: „Steh auf, nimm dein Bett und geh nach Hause.“ Und jener stand auf und ging nach Hause. Bei diesem Anblick gerieten die Volksscharen in Furcht und priesen Gott, der den Menschen solche Macht gegeben.

Betrachtung zum Evangelium des achtzehnten Sonntags nach Pfingsten

Merkwürdige Worte sind die, welche Jesus im heutigen Evangelium sprach; sie zeigen uns, daß unsere Krankheiten oft Strafen unserer Vergehungen sind! — Nichts ist unserer Gesundheit schädlicher als die Befriedigung unerlaubter Lüste. Wie viele wurden dadurch vor der Zeit dem Grabe zum Opfer gebracht! Fliehen wir das Laster! Ist es nicht eine Art Raserei, für wenige angenehme Empfindungen eine unabsehbare Reihe künftigen Elendes sich erkaufen? — Haben wir aber unsere Gesundheit durch unsere Schuld verwüstet, so danken wir Gott, daß er uns, als Vater hier züchtiget, um uns dem ewigen Verderben zu entreissen! Dulden wir mit wahren Bußgesinnungen die wenigen martervollen Tage unsers Lebens standhaft, und vertrauen wir dann auf die unendliche Barmherzigkeit Gottes, der unsere durch das Blut Jesu und durch aufrichtige Bußthranen abgewaschenen Sünden nach dem Tode nicht ahnden, sondern nach dem zeitlichen Elende uns in die ewige Seligkeit aufnehmen wird! Jesus hatte Macht, Sünden zu vergeben. Diese Macht hat er durch die wunderbare Heilung des Gichtbrüchigen auf das Unwidersprechlichste bewiesen. Und diese Macht, die Sünden nachzulassen, hinterließ er auch seiner Kirche. Wie liebenswürdig ist Jesus! O laßt uns seine Güte und Barmherzigkeit loben und gebrauchen und befolgen!

Kirchengebet

Wir bitten Dich,o Herr! Du wollest unsere Herzen durch die Mitwirkung deiner Gnade leiten, weil wir Dir ohne Dich nicht gefallen können. Amen.

Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe


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Evangelium des siebzehnten Sonntags nach Pfingsten

Mt 22, 34 – 46

Als die Pharisäer erfuhren, daß er die Sadduzäer zum Schweigen gebracht habe, kamen sie zusammen. Und einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn auf die Probe stellen und fragte ihn: „Meister, welches ist das größte Gebot im Gesetze?“ Er antwortete ihm: „Du sollst den Herrn deinen Gott lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seeele und mit deinem ganzen Gemüte. Das ist das größte und erste Gebot. Das zweite ist diesem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.“

Als dann die Pharisäer beisammen waren, richtete Jesus an sie die Frage: „Was haltet ihr von Christus? Wessen Sohn ist er?“ Sie antworteten ihm: „Davids Sohn.“ Da sprach er zu ihnen: „Wie nennt ihn dann David im Geiste Herr, da er sagt:

Der Herr sprach zu meinem Herrn:

Setze dich zu meiner Rechten,

bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache (Ps. 109, 1)?

Wenn nun David ihn Herr nennt, wie ist er dann sein Sohn?“ Darauf konnte ihm niemand Antwort geben. Und von dem Tage wagte niemand mehr, ihm eine Frage vorzulegen.

Betrachtung zum Evangelium des siebzehnten Sonntags nach Pfingsten

Jesus hatte gegen allerlei Feinde und Verleumder zu kämpfen: gegen Freidenker, welche die Grundwahrheiten des Glaubens und der Sittlichkeit untergruben, und gegen Scheinheilige, welche in der Auslegung und Ausübung der Sittenlehre zu leicht waren. Aber auch jetzt fehlt es nicht an solchen Menschen. Seyen wir wohl auf unserer Hut, um weder in Unglauben noch in Aberglauben zu verfallen! Halten wir fest auf Gott, verabscheuen wir jedes Laster, erfüllen wir unsere Pflichten treu, thun wir unserm Nächsten Gutes aus Liebe zu Gott, so werden wir allen Gefahren und Versuchungen Trotz bieten können und erfüllen dann auch das größte Gebot Gottes. — Sollen wir nicht Gott schon wegen seiner selbst und die übrigen Geschöpfe wegen Gottes lieben? Soll der Liebe zu Gott nicht jede andere Neigung untergeordnet seyn? Nur wenn wir Gott lieben, so lieben wir uns auch selbst. Die Liebe Gottes macht uns in diesem und nach diesem Leben glücklich.

Kirchengebet

Wir bitten Dich, o Herr! verleih, das dein Volk allen Ansteckungen des Satans entkomme und Dir als dem einzigen Gott mit reinem Herzen zugethan sey! Amen.

 

Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe


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Evangelium des sechzehnten Sonntags nach Pfingsten

Lk 14, 1 – 11

Als Jesus an einem Sabbat in das Haus eines vornehmen Pharisäers ging, um zu speisen, gaben sie genau auf ihn acht. Und siehe, vor ihm war ein Mann, der die Wassersucht hatte. Jesus fragte die Gesetzeslehrer und Pharisäer: „Ist es erlaubt, am Sabbat zu heilen oder nicht?“ Sie schwiegen. Da faßte er ihn an, heilte ihn und hieß ihn von dannen gehen. Dann sprach er zu ihnen: „Einem von euch fällt sein Sohn oder Ochs in eine Grube. Zieht er ihn nicht sofort heraus, auch an einem Sabbat?“ Darauf konnten sie ihm nichts erwidern.

Da er bemerkte, wie die Geladenen die ersten Plätze auswählten, trug er ihnen folgendes Gleichnis vor: „Wenn du zu einer Hochzeit geladen bist, so setze dich nicht an den ersten Platz. Es könnte ein Vornehmerer als du geladen sein, und dein und sein Gastgeber könnten kommen und zu dir sagen: „Mach diesem Platz.“ Dann müsstest du beschämt den letzten Platz einnehmen. Wenn du geladen bist, so geh und setz dich lieber an den letzten Platz. Dann mag dein Gastgeber kommen und zu dir sagen: Freund, rücke höher hinauf! Das wird dir zur Ehre gereichen vor allen, die mit dir zu Tische sitzen; denn jeder, der sich erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich erniedrigt, wird erhöht werden.“

Betrachtung zum Evangelium des sechzehnten Sonntags nach Pfingsten

Danken wir Gott, wenn wir von der Krankheit, mit der ein Mann nach dem heutigen Evangelium behaftet war, frei sind, und bitten wir ihn, daß er uns vor derselben, noch mehr aber, daß er uns vor dem aufblähenden Stolze bewahre, von welchem die Wassersucht ein Bild ist. Da nun auch der Stolz der Pharisäer Eigenthum war, so nahte auch diesen sich Jesus, um sie zu heilen. Er ließ ihnen Zeit zum Nachdenken, auf daß sie gute Gesinnungen äussern möchten; sie aber schwiegen aus Stolz, aus Bosheit, aus Verstellung oder List. Konnten sie aber auch ihr Herz Gott verbergen? Nein! Er durchschaute ihr Innerstes, heilte den Kranken, und demüthigte ihren Stolz. — O lasset uns nie nach Ehre vor Menschen trachten, sondern nach Ehre vor Gott! Der Stolze macht sich wegen seiner eingebildeten Unabhängigkeit von

Gott, der göttlichen Wohlthaten ganz unwürdig; der Demüthige hingegen macht sich durch die lebhafte Empfindung seiner gänzlichen Abhängigkeit von Gott und seiner Unwürdigkeit des göttlichen Beistandes empfänglich und theilhaftig. Demuth sey unser Vorzug!

Kirchengebet

Wir bitten Dich, o Herr! daß deine Gnade uns immer zuvorkomme und begleite, damit wir nie aufhören, Gutes zu wünschen und zu thun! Amen.

 

Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe


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Evangelium des fünfzehnten Sonntags nach Pfingsten

Lk 7, 11 – 16

Darauf ging Jesus in eine Stadt mit Namen Naim. Viele seiner Jünger und zahlreiches Volk zog mit ihm. Als er in die Nähe des Stadtores kam, siehe, da trug man einen Toten heraus, den einzigen Sohn seiner Mutter, und diese war Witwe. Viel Volk aus der Stadt ging mit ihr. Als der Herr sie sah, ward er von Mitleid mit ihr ergriffen und sprach zu ihr: „Weine nicht!“ Dann trat er hinzu und rührte die Bahre an. Die Träger blieben stehen. Und er sprach: „Jüngling, ich sage dir, steh auf!“ Da richtete sich der Tote auf und begann zu sprechen. Und er gab ihn seiner Mutter. Furcht ergriff alle. Sie priesen Gott und sagten: „Ein großer Prophet ist unter uns aufgestanden; Gott hat sein Volk heimgesucht.

Betrachtung zum Evangelium des fünfzehnten Sonntags nach Pfingsten

Wie die Wittwe zu Naim, deren Sohn man auf einer offenen Bahre zu Grabe trug, ihren einzigen Sohn beweinte, so beweint die Kierche jedes ihrer Kinder, dessen Seele durch die Sünde stirbt; sie weint so lange, bis Jesus, der das Leben ist, sich demselben nahet und ihm das Leben der Gnade, den Glauben und die Liebe gibt; sie weint, bis er schon begraben, so lange noch Hoffnung ist. — Jesum rührten die Thränen der Mutter, ohne daß er sich bitten ließ; wie werden ihn die Thranen rühren, welche die Kirche über den Tod der Seelen ihrer Kinder vergießt! Er wird diese auf den rechten Weg zurückführen, ihnen thätigen Beistand leisten, auf daß die, welche selig werden wollen, hier schon für die Ewigkeit gerettet sind. —

Kirchengebet

O Herr! reinige deine Kirche, und schütze sie durch deine fortdauernde Erbarmung! und weil sie ohne Dich nicht bestehen kann, so laß sie stets unter deinem Schutze regieret werden! Amen.

Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe


Evangelium des vierzehnten Sonntags nach Pfingsten

Mt 6, 24 – 33

Niemand kan zwei Herren dienen. Entweder wird er den einen hassen und den andern lieben, oder er wird dem einen anhangen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

So sage ich euch denn, seid nicht ängstlich besorgt für euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, noch für euren Leib, was ihr anziehen sollt. Ist denn das Leben nicht mehr als die Nahrung und der Leib nicht mehr als die Kleidung? Betrachtet die Vögel des Himmels! Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen: euer himmlicher Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr als sie? Wer von euch kann mit seinen Sorgen seinem Leben auch nur eine Elle zusetzen? Und was seid ihr so ängstlich besorgt um die Kleidung? Betrachtet die Lilien des Feldes! Wie sie wachsen! Sie arbeiten nicht und spinnen nicht; und doch sage ich euch, selbst Salomon in all seiner Pracht war nicht so gekleidet wie eine einzige von ihnen. Wenn nun Gott das Gras, das heute auf dem Felde steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wieviel mehr euch Kleinmütige!

Seid also nicht ängstlich besorgt und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Womit sollen wir uns bekleiden? Um all das sorgen sich die Heiden. Euer himmlischer Vater weiß ja, daß ihr dies alles nötig habt. Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, und dies alles wird euch hinzugegeben werden.

Betrachtung zum Evangelium des vierzehnten Sonntags nach Pfingsten

Zwei Herren, die einander entgegengesetzt sind, als: Tugend und Sünde, die Sorge für das Himmlische und ein unordentliches Streben nach irdischen Gütern kann man nicht zugleich dienen. Ihr könnt nicht Gott wohlgefällig seyn, und zugleich den sinnlichen Begierden euch ganz hingeben. Zwar kann auch der Habsüchtige, welcher den Reichthum für seinen Götzen hält, durch Andachtsübungen Gott äusserlich dienen; der wahre Gottesdienst aber, den Jesus von uns verlangt, muß zugleich innerlich seyn: und er besteht in der Beobachtung seiner Gebote, in edlen Gesinnungen und schönen Handlungen. So kann der Geizige Gott nicht dienen; denn er macht sich kein Gewissen daraus, jede Vorschrift der Religion zu übertreten, sobald es ihm eine Gelegenheit darbietet, seinen Reichthum zu vergrößern. Die Liebe Gottes, die Tugend ist unser größter Schatz; von der Behauptung Derselben hängt unser ganzes Glück ab. — Sorgen wir auch nicht mit Ängstlichkeit für den Lebensunterhalt! Arbeiten wir, sparen wir und erwarten wir den Segen unserer Arbeit von Gott! Wer glaubt, der vertraut auf Gott. Nur wäre unser Vertrauen auf Gottes Vorsehung vermessen, wenn wir die Hände ruhig in den Schooß legen, nicht aber arbeiten, und mit dem Erworbenen nicht sparsam seyn wollten. —

Kirchengebet

Wir bitten Dich, o Herr, sey stets ein gnädiger Beschützer deiner Kirche! und weil ohne deine Hilfe der schwache Sterbliche fällt, so zieh ihn durch deinen Beistand von dem zurück, was ihm

schädlich ist, und führe ihn zu dem hin, was ihm heilsam ist! Amen.

Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe


Evangelium des dreizehnten Sonntags nach Pfingsten

Lk 17, 11 – 19

Auf der Reise nach Jerusalem zog er zwischen Samaria und Galiläa hin. Als er in einen Flecken hineingehen wollte, kamen ihm zehn Aussätzige entgegen. Sie blieben von Ferne stehen und riefen laut: „Jesus, Meister, erbarme dich unser!“ Als er sie sah, sprach er zu ihnen: „Geht hin und zeigt euch den Priestern!“ Während sie hingingen, wurden sie rein. Aber nur einer von ihnen kam zurück, als er sich geheilt sah, und lobte Gott mit lauter Stimme. Er warf sich vor ihm nieder auf sein Angesicht und dankte ihm. Und der war ein Samariter. Da sprach Jesus: „Sind nicht zehn rein geworden? Wo sind denn die neun? Hat sich sonst keiner gefunden, der zurückkäme und Gott die Ehre gäbe, als dieser Fremdling?“ Und er sprach zu diesem: „Steh auf und geh! Dein Glaube hat dich gesund gemacht.“

Betrachtung zum Evangelium des dreizehnten Sonntags nach Pfingsten

Die Ansteckung des Körpers fürchtet man; man weicht Angesteckten aus: um wie vielmehr sollen wir uns vor der Ansteckung der Seele hüten! wie sorgfältig sollen wir den Umgang mit Sündern meiden, wenn uns nicht eine höhere Pflicht auffordert, mit ihnen umzugehen! — Wenn wir krank und elend oder in einer Noth sind, besonders aber nach einer begangenen Sünde beten wir jederzeit recht inständig, mit lebendigem Glauben, mit festem Vertrauen und aus dem tiefsten Grunde des Herzens zu Gott! erwarten wir von ihm Hilfe und Rettung! Und was zu unserm wahren Besten ist, wird uns bei eigner Mitwirkung werden. Der göttliche Heiland wird unserm Herzen seine Liebe geben. — Laßt uns aber auch die Undankbarkeit als eine häßliche Sünde fliehen! Sie machet uns der Liebe und Güte Gottes ganz unwürdig. Danken wir allen, die uns Gutes thun, beten wir für sie, und thun wir ihnen, was sie heilig wünschen! Der Dank ist Bitte um neue Wohlthaten; der Undank macht, daß die Quelle, aus der uns Gaben zustießen, versiegt. Je demüthiger wir Jesu danken, desto mehr richtet er uns auf, und flößt uns Muth ein, seine Wege zu wandeln.

Kirchengebet

Allmächtiger Gott, vermehre in uns den Glauben, die Hoffnung und Liebe, und damit wir deiner Verheiffungcn theilhaftig werden, so laß uns deine Gebote von Herzen lieben! Amen.