Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe


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Evangelium des sechzehnten Sonntags nach Pfingsten

Lk 14, 1 – 11

Als Jesus an einem Sabbat in das Haus eines vornehmen Pharisäers ging, um zu speisen, gaben sie genau auf ihn acht. Und siehe, vor ihm war ein Mann, der die Wassersucht hatte. Jesus fragte die Gesetzeslehrer und Pharisäer: „Ist es erlaubt, am Sabbat zu heilen oder nicht?“ Sie schwiegen. Da faßte er ihn an, heilte ihn und hieß ihn von dannen gehen. Dann sprach er zu ihnen: „Einem von euch fällt sein Sohn oder Ochs in eine Grube. Zieht er ihn nicht sofort heraus, auch an einem Sabbat?“ Darauf konnten sie ihm nichts erwidern.

Da er bemerkte, wie die Geladenen die ersten Plätze auswählten, trug er ihnen folgendes Gleichnis vor: „Wenn du zu einer Hochzeit geladen bist, so setze dich nicht an den ersten Platz. Es könnte ein Vornehmerer als du geladen sein, und dein und sein Gastgeber könnten kommen und zu dir sagen: „Mach diesem Platz.“ Dann müsstest du beschämt den letzten Platz einnehmen. Wenn du geladen bist, so geh und setz dich lieber an den letzten Platz. Dann mag dein Gastgeber kommen und zu dir sagen: Freund, rücke höher hinauf! Das wird dir zur Ehre gereichen vor allen, die mit dir zu Tische sitzen; denn jeder, der sich erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich erniedrigt, wird erhöht werden.“

Betrachtung zum Evangelium des sechzehnten Sonntags nach Pfingsten

Danken wir Gott, wenn wir von der Krankheit, mit der ein Mann nach dem heutigen Evangelium behaftet war, frei sind, und bitten wir ihn, daß er uns vor derselben, noch mehr aber, daß er uns vor dem aufblähenden Stolze bewahre, von welchem die Wassersucht ein Bild ist. Da nun auch der Stolz der Pharisäer Eigenthum war, so nahte auch diesen sich Jesus, um sie zu heilen. Er ließ ihnen Zeit zum Nachdenken, auf daß sie gute Gesinnungen äussern möchten; sie aber schwiegen aus Stolz, aus Bosheit, aus Verstellung oder List. Konnten sie aber auch ihr Herz Gott verbergen? Nein! Er durchschaute ihr Innerstes, heilte den Kranken, und demüthigte ihren Stolz. — O lasset uns nie nach Ehre vor Menschen trachten, sondern nach Ehre vor Gott! Der Stolze macht sich wegen seiner eingebildeten Unabhängigkeit von

Gott, der göttlichen Wohlthaten ganz unwürdig; der Demüthige hingegen macht sich durch die lebhafte Empfindung seiner gänzlichen Abhängigkeit von Gott und seiner Unwürdigkeit des göttlichen Beistandes empfänglich und theilhaftig. Demuth sey unser Vorzug!

Kirchengebet

Wir bitten Dich, o Herr! daß deine Gnade uns immer zuvorkomme und begleite, damit wir nie aufhören, Gutes zu wünschen und zu thun! Amen.

 

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Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe


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Evangelium des fünfzehnten Sonntags nach Pfingsten

Lk 7, 11 – 16

Darauf ging Jesus in eine Stadt mit Namen Naim. Viele seiner Jünger und zahlreiches Volk zog mit ihm. Als er in die Nähe des Stadtores kam, siehe, da trug man einen Toten heraus, den einzigen Sohn seiner Mutter, und diese war Witwe. Viel Volk aus der Stadt ging mit ihr. Als der Herr sie sah, ward er von Mitleid mit ihr ergriffen und sprach zu ihr: „Weine nicht!“ Dann trat er hinzu und rührte die Bahre an. Die Träger blieben stehen. Und er sprach: „Jüngling, ich sage dir, steh auf!“ Da richtete sich der Tote auf und begann zu sprechen. Und er gab ihn seiner Mutter. Furcht ergriff alle. Sie priesen Gott und sagten: „Ein großer Prophet ist unter uns aufgestanden; Gott hat sein Volk heimgesucht.

Betrachtung zum Evangelium des fünfzehnten Sonntags nach Pfingsten

Wie die Wittwe zu Naim, deren Sohn man auf einer offenen Bahre zu Grabe trug, ihren einzigen Sohn beweinte, so beweint die Kierche jedes ihrer Kinder, dessen Seele durch die Sünde stirbt; sie weint so lange, bis Jesus, der das Leben ist, sich demselben nahet und ihm das Leben der Gnade, den Glauben und die Liebe gibt; sie weint, bis er schon begraben, so lange noch Hoffnung ist. — Jesum rührten die Thränen der Mutter, ohne daß er sich bitten ließ; wie werden ihn die Thranen rühren, welche die Kirche über den Tod der Seelen ihrer Kinder vergießt! Er wird diese auf den rechten Weg zurückführen, ihnen thätigen Beistand leisten, auf daß die, welche selig werden wollen, hier schon für die Ewigkeit gerettet sind. —

Kirchengebet

O Herr! reinige deine Kirche, und schütze sie durch deine fortdauernde Erbarmung! und weil sie ohne Dich nicht bestehen kann, so laß sie stets unter deinem Schutze regieret werden! Amen.

Gebet um einen guten Tod


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Alles in unserem Leben läuft auf den Moment des Todes hinaus, nach dem das persönliche Gericht stattfindet, in welchem wir unser Leben im Lichte der Gerechtigkeit Gottes passieren und alle unsere Taten und ihre Konsequenzen sehen. Die Nahtoderlebnisse berichten davon, verschiedene Legenden auch, denn es sind dieselben Erlebnisse. Lesenswert, faktisch, wissenschaftlich und seriös stellt der holländische Arzt Pim van Lommel in seinem Buch Endloses Bewusstsein. Neue medizinische Fakten zur Nahtoderfahrung (Patmos: 20115) die Nahtoderlebnisse dar. Wie man es dreht und wendet, das persönliche Gericht wartet, und da uns die nachkonziliare Kirche insbesondere „Papst“ Franziskus die Allerlösungslehre und die allumgreifende Barmherzigkeit Gottes predigt, so können wir davon getrost ausgehen, dass sehr viele Menschen verdammt werden, dass sehr viele täglich in die Hölle eingehen, da sich kaum jemand von der Hölle fürchtet, die es, ja nach Novus Ordo-Theologie:

  1. nicht gibt,
  2. falls doch, dass sie leer ist,
  3. falls doch nicht leer mit ein paar Schwerverbrechern gefüllt ist (Hitler, Stalin, Ted Bundy und all jenen, die den Müll nicht trennen)
  4. ein normaler Mensch, der nach seinem Gewissen lebt und sich bemüht „in der Liebe“ zu leben vor der ewigen Verdammnis sicher sein kann.

Weitgefehlt. Die Hölle gibt es, sie füllt sich täglich neu, weil so viele Menschen in Todsünde sterben, weil so viele Menschen die Todsünde Euthanasie wählen, weil so viele Menschen ungetauft sind, falls doch sie ihre Taufgnade nicht bis zum Tod bewahrt haben, weil so viele Menschen nicht katholisch sind und falls doch sie ebenfalls in der Todsünde leben, weil so viele Katholiken nicht die Lehre vom guten Tod kennen und durch keine Sterbesakramente auf den Tod vorbereitet werden.

Was sind die Sterbesakramente?

Es ist die Beichte, die Letzte Ölung und die Sterbekommunion, das Viatikum. Warum so viele? Um sich auf den Tod, den Übergang und die Konfrontation mit dem strengen, aber hoffentlich gnädigen Richter vorzubereiten. All das können Sie aber erst dann erleben, wenn Sie keines jähen und unvorbereiteten Todes sterben. Es ist die Welt, vom Teufel verführt, welche sich wünscht „gleich auf einem Schlag“ zu sterben. Kaum ein Gläubiger ist auf einen jähen Tod vorbereitet, weil beim persönlichen Gericht alles offenbart wird, auch das, was Sie selbst nicht als Sünde gesehen haben. Sünde ist Sünde. Es ist etwas Objektives. Ein objektiver Verstoß gegen die Gesetze Gottes. Es gibt Schuldminderung, falls es sich wirklich um unbesiegbare Ignoranz gehandelt haben könnte, die wirklich sehr selten ist. Die meisten Menschen wollen es wirklich nicht besser wissen und werden von ihren Priestern darin bestätigt, die es ebenfalls nicht besser wissen wollen. Durch den Prozess des Sterbens trennen Sie sich langsam von allem Irdischen, sehen Ihr Leben in einer anderen Perspektive, vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben ahnen Sie, was auf Sie zukommen wird: das schreckliche Gericht und Sie beginnen sich zu fürchten.

Der Schreiber dieser Zeilen war beim Tod einer nahen Angehörigen, welche drei Tage lang im Sterben lag und nicht mehr sprechen konnte (Herzinfarkt, Gehirnschlag), welche sich aber sehr fürchtete, ständig in eine Ecke sah, wo niemand Sichtbares stand, viel Trost darin fand, dass man bei ihrem Todesbett betete und erst wirklich erleichtert aufatmete als sie die Letzte Ölung, leider im Novus Ordo Ritus, erhielt. Sie seufzte gleichsam auf als wollte sie sagen:

„So, geschafft. Jetzt bin ich über den Berg.“

Sie hatte also einen halbwegs guten Tod, obwohl sie nicht beichten und kein Viatikum empfangen konnte.  Da die Beiträge beim spirituellen Mittwoch leichter und praktisch gehalten werden sollen, so wollen wir an dieser Stelle die theologische Lehre von der Letzten Ölung nicht darlegen, was woanders erfolgen wird. An dieser Stelle wollen wir sagen, dass man um einen guten Tod beten sollte, da dieser von der Gnade Gottes zeugt. Schauen wir uns doch die Todesfälle der Konzilsperiti und der berühmten Theologen der letzten Jahre und Jahrzehnte an:

„Pierre Teilhard de Chardin verstarb am Ostersonntag des Jahres 1955, mitten aus einer Diskussion heraus. “

„Rahner fell ill from exhaustion and died on 30 March 1984 at the age of 80, after a birthday celebration that also honoured his scholarship.”

„Er starb am 20. Mai 1974 an einem Herzinfarkt im Treppenhaus eines Pariser Bordells, welches er in Ausübung seiner seelsorgerischen Tätigkeit besuchte, [so, so Red.]“

  • Hans Urs von Balthasar es SJ, jäher und unerwarteter Tod.

Der Tod soll ihn bei der morgendlichen Rasur ereilt haben.

„Döpfner starb völlig unerwartet am 24. Juli 1976 in der Pförtnerloge des Erzbischöflichen Palais[7] in München im Alter von 62 Jahren an einem Herzinfarkt,“

Diese Reihe ließe sich sicherlich noch weiter fortsetzen. Ein jäher und unerwarteter Tod zeugt nicht von der Gnade Gottes und kann auf eine ewige Verdammnis verweisen, weil man nicht weiß, in welchem Zustand jemand verstorben ist, da ihm das zusätzliche Licht, die man beim Sterbeprozess erhält, fehlte. Deswegen sollte man Gott um einen guten Tod bitten, da wir den Augenblick unseres Todes wirklich nicht selbst bestimmen können. Auch im Falle eines Selbstmordversuchs wissen Sie nicht mit Sicherheit, ob Sie es nicht doch überleben, ob Sie nicht gerettet werden, ob Sie Gott nicht noch einmal runter schickt, wovon viele Nahtoderfahrungen berichten. Selbstmord ist aber eine Todsünde, ein sicheres Ticket in die Hölle.

Daher sollten wir mit dem nachfolgenden Gebet um einen guten Tod beten, welches im Brevier des Pius X. Divino afflatu gefunden wurde und bis zur unseligen „Reform“ des Ablasswesens durch Paul VI. mit 100 Tage Ablass einmal täglich verbunden war. Der Schreiber dieser Zeilen betet dieses Gebet in letzter Zeit immer abends, seit ein Bekannter von ihm eines jähen und unerwarteten Todes gestorben ist und die Chancen, dass er es ins Fegefeuer geschafft hat sehr schlecht stehen. Wir leben in den Zeiten einer schrumpfenden Kirche, die Priester gehen uns aus, diejenigen, die da sind, taugen nichts, es besteht die Möglichkeit, dass der Pfarrer bei Ihrem Tod Ihnen eine bürstenschnittige Pastoralassistentin schicken wird, die „ganz, ganz lieb“ sein wird, aber keine Vollmacht haben wird Ihnen die Sakramente zu spenden. Vielleicht werden Sie auch in der Nähe einer Vetus Ordo Gemeinde mit anständigen Priestern wohnen. Sie wissen es nicht, obwohl Ann Barnhardt allen, die es können, dorthin zu ziehen, empfiehlt, wo man sich wenigstens in einer Fahrtdistanz von der Alten Messe befindet. Beten Sie also regelmäßig dieses gnadenreiche Gebet auf Lateinisch, das Deutsche dient nur der Orientierung, damit sich Gott Ihrer in Ihrer Todesstunden annimmt. Amen.

 

Oratio ad impetrandam bonam mortem
O Maria, sine labe concépta, ora pro nobis, qui confúgimus ad te; o Refúgium peccatórum, Mater agonizántium, noli nos derelínquere in hora éxitus nostri, sed ímpetra nobis dólorem pérfectum, sincéram contritiónem, remissiónem peccatórum nostrórum, sanctissimi Viátici dignam receptiónem, extrémae Unctiónis Sacraménti corroboratiónem, quátenus secúri praesentári valeámus ante thronum justi, sed misericórdis Júdicis, Dei et Redemptóris nostri. Amen.
Das Gebet, um einen guten Tod zu erbitten
O Maria, ohne Makel empfangen, bitte für uns, die wir zu Dir fliehen; Du Zuflucht der Sünder, Mutter der Sterbenden, verlasse uns nicht in der Stunde unseres Ausgangs, aber erbitte uns den vollkommenen Schmerz, die ehrliche Liebesreue, die Vergebung unserer Sünden, den würdigen Empfang des Sakraments der Letzten Ölung, damit wir uns sicher vorstellen können vor dem Thron des gerechten, aber barmherzigen Richters, Gottes und unseres Erlösers. Amen.

 

Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe


Evangelium des vierzehnten Sonntags nach Pfingsten

Mt 6, 24 – 33

Niemand kan zwei Herren dienen. Entweder wird er den einen hassen und den andern lieben, oder er wird dem einen anhangen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

So sage ich euch denn, seid nicht ängstlich besorgt für euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, noch für euren Leib, was ihr anziehen sollt. Ist denn das Leben nicht mehr als die Nahrung und der Leib nicht mehr als die Kleidung? Betrachtet die Vögel des Himmels! Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen: euer himmlicher Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr als sie? Wer von euch kann mit seinen Sorgen seinem Leben auch nur eine Elle zusetzen? Und was seid ihr so ängstlich besorgt um die Kleidung? Betrachtet die Lilien des Feldes! Wie sie wachsen! Sie arbeiten nicht und spinnen nicht; und doch sage ich euch, selbst Salomon in all seiner Pracht war nicht so gekleidet wie eine einzige von ihnen. Wenn nun Gott das Gras, das heute auf dem Felde steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wieviel mehr euch Kleinmütige!

Seid also nicht ängstlich besorgt und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Womit sollen wir uns bekleiden? Um all das sorgen sich die Heiden. Euer himmlischer Vater weiß ja, daß ihr dies alles nötig habt. Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, und dies alles wird euch hinzugegeben werden.

Betrachtung zum Evangelium des vierzehnten Sonntags nach Pfingsten

Zwei Herren, die einander entgegengesetzt sind, als: Tugend und Sünde, die Sorge für das Himmlische und ein unordentliches Streben nach irdischen Gütern kann man nicht zugleich dienen. Ihr könnt nicht Gott wohlgefällig seyn, und zugleich den sinnlichen Begierden euch ganz hingeben. Zwar kann auch der Habsüchtige, welcher den Reichthum für seinen Götzen hält, durch Andachtsübungen Gott äusserlich dienen; der wahre Gottesdienst aber, den Jesus von uns verlangt, muß zugleich innerlich seyn: und er besteht in der Beobachtung seiner Gebote, in edlen Gesinnungen und schönen Handlungen. So kann der Geizige Gott nicht dienen; denn er macht sich kein Gewissen daraus, jede Vorschrift der Religion zu übertreten, sobald es ihm eine Gelegenheit darbietet, seinen Reichthum zu vergrößern. Die Liebe Gottes, die Tugend ist unser größter Schatz; von der Behauptung Derselben hängt unser ganzes Glück ab. — Sorgen wir auch nicht mit Ängstlichkeit für den Lebensunterhalt! Arbeiten wir, sparen wir und erwarten wir den Segen unserer Arbeit von Gott! Wer glaubt, der vertraut auf Gott. Nur wäre unser Vertrauen auf Gottes Vorsehung vermessen, wenn wir die Hände ruhig in den Schooß legen, nicht aber arbeiten, und mit dem Erworbenen nicht sparsam seyn wollten. —

Kirchengebet

Wir bitten Dich, o Herr, sey stets ein gnädiger Beschützer deiner Kirche! und weil ohne deine Hilfe der schwache Sterbliche fällt, so zieh ihn durch deinen Beistand von dem zurück, was ihm

schädlich ist, und führe ihn zu dem hin, was ihm heilsam ist! Amen.

Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe


Evangelium des dreizehnten Sonntags nach Pfingsten

Lk 17, 11 – 19

Auf der Reise nach Jerusalem zog er zwischen Samaria und Galiläa hin. Als er in einen Flecken hineingehen wollte, kamen ihm zehn Aussätzige entgegen. Sie blieben von Ferne stehen und riefen laut: „Jesus, Meister, erbarme dich unser!“ Als er sie sah, sprach er zu ihnen: „Geht hin und zeigt euch den Priestern!“ Während sie hingingen, wurden sie rein. Aber nur einer von ihnen kam zurück, als er sich geheilt sah, und lobte Gott mit lauter Stimme. Er warf sich vor ihm nieder auf sein Angesicht und dankte ihm. Und der war ein Samariter. Da sprach Jesus: „Sind nicht zehn rein geworden? Wo sind denn die neun? Hat sich sonst keiner gefunden, der zurückkäme und Gott die Ehre gäbe, als dieser Fremdling?“ Und er sprach zu diesem: „Steh auf und geh! Dein Glaube hat dich gesund gemacht.“

Betrachtung zum Evangelium des dreizehnten Sonntags nach Pfingsten

Die Ansteckung des Körpers fürchtet man; man weicht Angesteckten aus: um wie vielmehr sollen wir uns vor der Ansteckung der Seele hüten! wie sorgfältig sollen wir den Umgang mit Sündern meiden, wenn uns nicht eine höhere Pflicht auffordert, mit ihnen umzugehen! — Wenn wir krank und elend oder in einer Noth sind, besonders aber nach einer begangenen Sünde beten wir jederzeit recht inständig, mit lebendigem Glauben, mit festem Vertrauen und aus dem tiefsten Grunde des Herzens zu Gott! erwarten wir von ihm Hilfe und Rettung! Und was zu unserm wahren Besten ist, wird uns bei eigner Mitwirkung werden. Der göttliche Heiland wird unserm Herzen seine Liebe geben. — Laßt uns aber auch die Undankbarkeit als eine häßliche Sünde fliehen! Sie machet uns der Liebe und Güte Gottes ganz unwürdig. Danken wir allen, die uns Gutes thun, beten wir für sie, und thun wir ihnen, was sie heilig wünschen! Der Dank ist Bitte um neue Wohlthaten; der Undank macht, daß die Quelle, aus der uns Gaben zustießen, versiegt. Je demüthiger wir Jesu danken, desto mehr richtet er uns auf, und flößt uns Muth ein, seine Wege zu wandeln.

Kirchengebet

Allmächtiger Gott, vermehre in uns den Glauben, die Hoffnung und Liebe, und damit wir deiner Verheiffungcn theilhaftig werden, so laß uns deine Gebote von Herzen lieben! Amen.

Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe


Evangelium des zwölften Sonntags nach Pfingsten

Lk 10, 23 – 37

(Nachdem Jesus gebetet hatte) wandte er sich an seine Jünger besonders und sprach: „Selig die Augen, die sehen, was ihr seht! Denn ich sage euch, viele Propheten und Könige wollten sehen, was ihr seht, und sahen es nicht, wollten hören, was ihr hört, und hörten es nicht.“

Und siehe, ein Gesetzeslehrer erhob sich, um ihn auf die Probe zu stellen. Er fragte: „Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erlangen?“ Er sprach zu ihmn: „Was steht im Gesetze geschrieben? Wie liest du?“ Jener antwortete: „Du sollst den Herrn deinen Gott lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele, mit allen deinen Kräften und mit denem ganzen Gemüte und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Er sprach zu ihm: „Du hast recht geantwortet. Du das, wo wirst du das Leben haben.“ Jener aber wollte sich rechtfertigen und fragte Jesus: „Wer ist denn mein Nächster?“

Da nahm Jesus das Wort und sprach: „Ein Mann ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber. Diese plünderten ihn aus, schlugen ihn wund ließen ihn halbtot liegen und gingen davon. Zufälig zog ein Priester denselben Weg hinab. Er sah ihn und ging vorüber. Ebenso kam auch ein Levit dorthin, sah ihn und ging vorüber. Auch ein Sdamariter kam auf seiner Reeise in seine N#he. Als er ihn sah, ward er von Mitleid gerührt. Er trat zu ihm hin, goß Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Lasttier, brachte ihn in eine Herberge und sorgte für ihn. Am andern Tage zog er zwei Denare heraus und gab sie dem Write mit den Worten: Sorge für ihn; was du noch darüber aufwendest, werde ich dir bezahlen, wenn ich zurückkomme. Wer von den dreien hat whl als Nächster gehandelt an dem, der unter die Räuber gefallen war?“ Jener antwortete: „Der ihm Barmherzigkeit erwiesen hat.“ Und Jesus sprach zu ihm: „Geh hin und tu desgleichen!“

Betrachtung zum Evangelium des zwölften Sonntags nach Pfingsten

Das Erste, worauf die Erlangung unserer Seligkeit beruht, ist die Liebe Gottes. Diese besteht in einer freudigen Zuneigung des Herzens mit kindlicher Ehrfurcht vor Gott als dem vollkommensten Wesen, das sich uns zu offenbaren gewürdigt hat, und äußert sich durch einen dankbaren Gehorsam gegen alle seine Gebote. Zwar werden wir nie deutlich einsehen, was Gott an sich ist; denn er ist unendlich. Aber in seinen Werken und im Lichte des Evangeliums sehen wir ihn als einen allmächtigen, weisen, gütigen, gerechten und heiligen Gott, als den Vater aller Menschen, die er mit unbegränztem Wohlwollen liebt und glücklich machen will. Und wir sollen Gott, der ganz Liebe für uns ist, nicht über Alles lieben? Daher heißt leben ohne Liebe Gottes und seines Nächsten nicht leben. — Besitzen wir aber Gottes- und Nächstenliebe, so müßen wir dieses durch gute Werke zeigen, wie es der Samaritan zeigte, daß wir jeden Menschen, er mag Freund oder Feind, unserer Religion, unsers Vaterlandes seyn oder nicht, als unsern Nächsten ansehen, den wir zu lieben schuldig sind. Wir haben ja Alle nur Einen Gott und Schöpfer und Vater im Himmel, der durch den Einen Erlöser Christus Jesus alle seine Kinder durch das Band der Liebe vereinigen, durch wechselseitige Unterstützung beglücken und einst beseligen will.

Kirchengebet

Barmherziger Gott, durch dessen Gnade deine Gläubigen Dir würdig und wohlgefällig dienen; wir bitten Dich, verleih, daß wir nach deinen Verheissungen eifrig streben und die aufstossenden

Hindernisse überwinden! Amen.

Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe


Evangelium des elften Sonntags nach Pfingsten

Mk 7, 31 – 37

Jesus zog aus dem Gebiete von Tyrus wieder weg und kam über Sidon an den Galiläischen See, mitten durch das Gebiet der Dekapolis. Da brachte man einen Taubstummen zu ihm und bat, ihm die Hand aufzulegen. Er nahm in vom Volke abseits, legte ihm seine Finger in die Ohren und berührte sein Zunge mit Speichel. Dann blickte er seufzend zum Himmel auf und sprach zu ihm: „Effetha“, das heißt: „Tu dich auf!“ Sogleich öffneten sich seine Ohren, und das Band seiner Zunge löste sich, und er konnte richtig sprechen. Er verbot ihnen aber, irgend jemand eitwas davon zu sagen. Doch je strenger er es ihnen verbot, desto eifriger erzählten sie es. Aus höchste erstaunt, sagten sie: „Er macht alles aut: Die Tauben macht er hören und die Stummen reden.“

Betrachtung zum Evangelium des elften Sonntags nach Pfingsten

Laßt uns Gott danken für die Vortheile, welche Gehör und Sprache verschaffen, und hievon einen guten Gebrauch machen! Der Lockstimme des Lasters, unehrbaren Reden, Verleumdungen und Schmeicheleien sey unser Ohr auf immer verschlossen! Dagegen wollen wir es dem Worte Gottes, den Ermahnungen zur Tugend, dem Bitten der Elenden bereitwillig öffnen! Eben so wollen wir unsere Sprache nie durch unnütze und schändliche Worte entweihen oder durch Geschwätzigkeit, in der wir fremde Fehler bekannt machen, wodurch wir Feindschaften stiften und die Ruhe der Gesellschaft stören könnten! Nie wollen wir stumm und gefühllos bei den herrlichsten Wundern Gottes in der Schöpfung vorüber gehen, ohne seine unendliche Macht, Weisheit und Güte zu bewundern und zu verherrlichen! Wir wollen vielmehr von Gott mit Ehrfurcht und Dankgcfühl, von unserm Nebenmenschen mit Achtung, von uns selbst mit Bescheidenheit reden!

Gott ist es, der alles gut gemacht hat. Seine Regierung der Welt ist die weiseste, seine Anordnung unserer Schicksale die gütigste, alle seine Gebote, Vecheissungen und Drohungen sind Folgen von seiner Vaterhuld. So seyen wir denn mit seiner Leitung zufrieden; danken wir stets Gott, dem Geber alles Guten!

Kirchengebet

Allmachtiger ewiger Gott! der Du mit deiner Güte Fülle der Bittenden Verdienste und Wünsche übertriffst: gieße aus über uns deine Barmherzigkeit, um uns nachzulassen, was unser Gewissen fürchtet, und zu ertheilen, was wir zu begehren uns nicht

getrauen! Amen.