Die Banalität des Bösen. 4: Der Teufel ist banal


Versuchung-Christi

Der Teufel ist banal

Wenn wir annehmen, dass das Böse also die Konsequenzen der Sünde banal sind, wenn unsere Natur dem Bösen und seiner Banalität zugeneigt ist, dann muss man sich auch die Frage stellen, ob der Anstifter zum Bösen der Böse also der Teufel auch banal ist? Diese Feststellung wird ihn sehr ärgern und wir werden dafür „bluten“, aber ja, so ist es, der Teufel ist banal. Warum? Weil das Böse an sich nichtexistent ist. Der hl. Thomas von Aquin sagt:

Malum non est negatio pura, sed privatio boni (Ia 1. 14. A. 10 o. et q. 48. A 2 ad 1 et 3. C. ad 2 et 5 c. ad 1)

Das Böse ist keine reine Verneinung, sondern der Mangel am Guten.

Das Böse ist also kein Minus, es ist eine falsche Zusammenstellung des Guten, es ist ein Mangel (privatio): Grundbedeutung „frei sein, Befreiung“, also ein „Raub“ am Guten, eine „Entbehrung“ des Guten. Und daher kann hl. Thomas des Weiteren behaupten:

Nullum ens est malum per essentiam, ne participatione, sed per privationem participationis. (Ia, q. 49. 3 .c. ad 4 et q. 65. 1 ad 2 et ad 3)

Kein Sein ist böse dem Wesen nach, auch nicht durch Teilhabe, sondern durch den Raub an der Teilhabe.

Dies bedeutet, dass es im Christentum keinen Dualismus gibt. Gott und der Teufel sind nicht gleich stark, sie halten nicht „das Gleichgewicht des Schreckens“, wie man in den 1980-gern gerne sagte. Dualismus ist eine gnostische und keine christliche Sicht der Dinge. Der Teufel und die Dämonen sind nur Geschöpfe, welche nur so viel können, wie Gott sie lässt. Man kann dies in etwas mit einer elastischen Hundeleine vergleichen. Drückt der Besitzer auf den Knopf, so kann der Hund nicht weiter und kleiner Hunden kann man auf diese Art und Weise in einen Rückwärtsgang versetzen. Das Böse ist existent und der Böse auch, aber dennoch ist er nicht wirklich wirklich, um es so zu formulieren. Die Heiligen, welche mit der dämonischen Umsessenheit, also mit den Angriffen von Außen, zu tun hatten, wie bspw. der Pfarrer von Ars, pflegten zu sagen:

„Es ist nichts. Es ist nur der Teufel“.

Die Angriffe waren zwar real und manchmal sehr schmerzlich, aber unter dem Strich richteten sie keinen Schaden an.

Mobilismus oder die teuflische Wandelbarkeit

Weil der Teufel aber kein Schöpfer ist und vom Guten abgefallen ist, deswegen kann er nichts Dauerndes und Richtiges schaffen. Nur Gott ist unwandelbar und ewig, der Teufel muss sich als Geschöpf immer etwas Neues einfallen lassen und deswegen ist dieser nachkonziliare Mobilismus, wie ihn Romano Amerio nennt,[1] dämonischen Ursprungs. Es kann sich doch nichts permanent ändern, denn dadurch wird auch die Änderung zu einer Fiktion, weil man nichts hat, woran man sich ausrichten könnte.  Aber überlassen wir Romano Amerio das Wort:

„Wie aus der Geschichte der Philosophie hervorgeht, ist der Mobilismus die Denkart, die das Werden höher als das Sein, die Bewegung höher als die Ruhe, die Handlung höher als das Ziel einschätzt. […] Die gesamte christliche Philosophie fasste das Werden als ein Akzidens der endlichen Substanz auf, während allein Gott kein Werden haben kann. […] Die systematische theoretische Darstellung des Mobilismus enthält die Philosophie Hegels. Das Daseiende ist das in der Zeit unendlich wechselhafte Werdende. Das Werden geht auf Gott über, womit es ihm die Attribute der absoluten Unwandelbarkeit und Zeitlosigkeit nimmt.“[2]

Kurz und gut: Gott ist Gott und deswegen ist er unwandelbar und ewig und als solcher der Garant der unwandelbaren Wahrheit. Überträgt man die Wandelbarkeit der Dinge auf Gott, wie es Hegel tat und was innerhalb der katholischen Theologie mehr als einmal im Kontext des Modernismus verurteilt wurde (DH 2826, 3225 f.) (wir führen dies noch woanders aus), so ist absolut alles wandelbar und es gibt keine Normen, die nicht am nächsten Tag umgeworfen werden könnten. Und so sind wir bei Amoris laetitia und Papst Franziskus. Lässt man die Veränderlichkeit einmal zu, dann gibt es wirklich keinen Halt, weil der heutige Tag wieder ein anderer als der gestrige ist. Hegels Philosophie des Mobilismus hielt leider Gottes, wie Amerio zeigt,[3] mit dem Vatikanum II Einzug in die Kirche und so lesen wir in Gaudium et Spes 5:

„So vollzieht die Menschheit einen Übergang von einem mehr statischen Verständnis der Ordnung der Gesamtwirklichkeit zu einem mehr dynamischen und evolutiven Verständnis“.[4]

Nun gut, man könnte sagen, dies ist eine Situationsbeschreibung der kontingenten Welt. Aber in Gaudium et Spes 31 lesen wir doch tatsächlich:

„Kraft des ihr anvertrauten Evangeliums verkündet also die Kirche die Rechte des Menschen, und sie anerkennt und schätzt die Dynamik der Gegenwart, die diese Rechte überall fördert.“[5]

Und welche Rechte sind es? Damals die Religionsfreiheit und jetzt wohl Homoehe und Euthanasie. Wie schreibt doch Romano Amerio:

„Die Vorstellung, dass Wandelbarkeit etwas Positives sei, dem man sich öffnen müsse, ist aber auch in die Kirche eingedrungen und hat sich dort verbreitet, hat überwunden, was man mit Stabilität und Unerschütterlichkeit verband, obwohl die Glaubensvorschrift klar ist: „Seid standhaft und unerschütterlich“ (1 Kor 15, 58). So stellte der Bischof von Metzt fest: »Der Stand der Zivilisation, den wir miterleben, bringt Veränderungen nicht nur in unserem äußeren Verhalten, sondern in dem Begriff selbst mit sich, den wir uns von der Schöpfung machen wir auch von dem Heil, das Jesus Christus uns gebracht hat«. Am 18. August 1976 erklärte dieser Bischof am Mikrophon von France-Inter: »Die vorkonziliare Theologie, die Theologie von Trient, ist nunmehr vorbei«. Dass »die Kirche sich einbezogen hat in den Gang der Geschichte, die sich fortentwickelt und verändert« (Osservatore Romano, 29. September 1971) vertrat übrigens sogar Paul VI., was nicht in Einklang mit seinen energischen Erklärungen über die Unwandelbarkeit der Kirche steht“.[6]

Da Romano Amerio diese Worte wohl Ende der 1970-ger/ Anfang der 1980-ger schrieb, so wusste er nicht wie sehr Johannes Paul II, Benedikt XVI und natürlich Franziskus der hegelianischen Vorstellung vom Primat des Wandels und der Geschichte das Wort reden werden. Natürlich jeder auf seine Art und Weise. Während man vielleicht noch im Jahre 1976 oder 1971 sich der Illusion hingeben könnte, dass durch all diese Veränderungen etwas Gutes für die Kirche dabei herauskommt, so kann dies im Jahre 2016, dem Jahre der häretischen Adhoration Amoris laetitia, welche durch und durch hegelianisch gehalten ist, wirklich niemand tun.

Banal = Trivial = Nachkonziliar

Trotz allem bleibt zu betonen, dass das Böse banal, siehe Papst Franziskus,  und niemals von Dauer sein kann oder wird, weil es nur ein Mangel am Guten (privatio boni) ist. Da Europa im XX. Jhd. wenigstens zweit Totalitarismen: Nationalsozialismus und Kommunismus überlebt hat, welche auch ewig schienen, so wird die Kirche auch Papst Franziskus und die Folgen des Konzils überleben. Deswegen ist es wichtig schon jetzt die richtige Seite zu wählen, denn das Böse, wie Unkraut, geht vorüber und wird wie Unkraut verbrannt werden. Die Veränderung ist doch banal, denn wäre es was Richtiges, so bräuchte man es nicht ändern.  Durch die Veränderbarkeit der katholischen Lehre kommt es zu ihrer Banalisierung oder Trivialisierung, wie sehr treffend der Poster Suarez auf katholisches.info feststellt,[7] den wir hier zum Abschluss dieses Beitrags, zitieren wollen:

„Mir bereitet heute nicht die größte Sorge, dass Papst Franziskus die kirchliche Lehre ändern könnte, sondern dass er ihre Bedeutung sukzessive trivialisiert und damit Katholizität auf ein Niveau reduziert, wo sie sich einfach auflöst. Der Glaube wird durch Trivialisierung nicht gestärkt, sondern geschwächt, weil der zu gehende Weg für den Glaubenden immer undeutlicher zu erkennen ist. Die Aufgabe eines Papstes besteht aber nicht darin, die ihm anvertrauten Schafe ins Dunkel des Unbestimmten zu führen, sondern ans klare Licht des Glaubens der Kirche, wie er zu allen Zeiten die Finsternisse der Welt erhellt hat.

[…] Was mich derzeit in der Kirche abstößt, sind die absurden Superlative progressiv gestimmter Bischöfe wie Kardinal Kasper. Wenn dieser über „Amoris Laetitia“ sagt, es handele sich um das wichtigste Schreiben in der Kirche seit 1000(!) Jahren, dann müsste man ob solche Einschätzung eigentlich nur kopfschüttelnd lächeln, denn Kardinal Kasper meint offenbar, das „Amoris Laetitia“ die Schriften von Thomas von Aquin, Duns Scotus und Bonaventura, um nur diese zu nennen, überflügle. Und wenn Papst Franziskus Kardinal Kaspers Thesen als „Theologie auf Knien“ bezeichnet, so kann man über diese Einschätzung theologischer Schlichtheiten ebenfalls nur den Kopf schütteln.

Die Ermangelung des Ernstes in Teilen der Kirche, die Hybris, den Relativismus als Erfüllung der Theologie anzusehen, führt eben zur oben schon angesprochenen Trivialisierung des Glaubens. Der Hang zum Trivialen ist ein Wesensmerkmal unserer Zeit, das sieht man auch in der Politik, ja selbst in der Kunst, in der die Albernheit zum prägenden Stilmerkmal avanciert. Insofern steht dieses Pontifikat für Modernität, wobei damit eben kein Qualitätsmerkmal verbunden ist. Modern sein heißt nichts anderes als der momentanen Mode entsprechen. Die Mode ist aber das jederzeit Austauschbare und beliebig Ersetzbare, denn der im Trivialen verwurzelte Geschmack kennt keine überzeitlich gültigen Qualitätsmaßstäbe.

Wo aber die Mode in den Glauben Einzug hält, wird sie zur Furie des Verschwindens, zur Verbergerin der Wahrheit.“

[1] Amerio, Romano, Iota unum. Eine Studie über die Veränderungen in der Katholischen Kirche im XX. Jahrhundert, Stuttgart: Kirchliche Umschau 2011, 369-378.

[2] Ebd., 370-371.

[3] Ebd. 370.

[4] http://www.vatican.va/archive/hist_councils/ii_vatican_council/documents/vat-ii_const_19651207_gaudium-et-spes_ge.html

[5] http://www.vatican.va/archive/hist_councils/ii_vatican_council/documents/vat-ii_const_19651207_gaudium-et-spes_ge.html

[6] Amerio, Iota unum, 371.

[7] Es handelt sich im Kommentar 23. April 2016 at 11:17  http://www.katholisches.info/2016/04/20/papst-franziskus-und-die-marginalisierung-der-glaubenskongregation/

Die Banalität des Bösen. 3: Gefallene Natur und Sakramentalien


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Die  Banalität und die gefallene  Natur

Warum ist aber, theologisch gesehen, das Böse banal? Weil die menschliche Natur durch die Erbsünde lädiert ist. Es fällt uns einfach leichter sich gehen zu lassen und mit den Wölfen zu heulen als uns zu heiligen. Der natürliche Weg im Sinne der natura lapsa, der gefallen Natur, geht gemäß der Schwerkraft nach unten. Die Liturgie sagt ja: natura, qui proclivis est ad lapsum –  „die Natur, welche zum Fall geneigt ist“. Deswegen die Notwendigkeit der Erlösung, der Gnade, des Gebets, der Askese, der Sakramente und der Sakramentalien. Seit das unselige Vaticanum II vieles, auf der pastoralen Ebene, als „nicht mit der Mentalität des modernen Menschen vereinbar“ erklärt hat, hat es eigentlich auf der dogmatischen Ebene die Lehre von der Erbsünde ausgehebelt. Denn bis zum 1962 schadete dem Menschen:

  1. Das Fleisch, also seine eigene durch die Erbsünde lädierte Natur,
  2. Die Welt, welche sich leider weitgehend unter der Herrschaft des Teufels befindet,
  3. Der Teufel.

Aber seit 1962 ist es auf einmal anders und nach 1965 erst recht. Zum zweiten Punkt muss man an dieser Stelle sagen, dass der gefallene Engel weder auf die Seelen im Himmel, noch auf die im Fegefeuer Einfluss hat, sodass ihm nur der Einfluss auf dieser Welt und in der Hölle bleibt. Dies ist aber keine gnostisch-dualistische Sicht der Dinge, wonach Gott und Teufel gleich stark sind. Der Teufel ist nur ein Geschöpf, welchen Gott, um unserer Heiligung willen, gewähren lässt. Das leider der Teufel auf dieser Welt (Joh 12, 31;  14,30;  16,11) und während des irdischen Lebens einiges kann, deswegen die Ermahnung zur Wachsamkeit, welche die Kirche täglich in der Komplet liest:

Kurzlesung
1 Petr 5,8-9

Brüder, seid umsichtig und haltet Wache, weil euer Feind, der Teufel, wie ein Löwe mit aufgesperrtem Maul um euch herumschleicht und danach trachtet, einen zu verschlingen. Ihm stellt euch entgegen mit Festigkeit im Glauben.

Die Welt in der Macht des Bösen und die Rolle der Sakramentalien

Wie sehr treffend Anthony Cekada[1] aber auch Roberto Carusi[2] darlegen, wurden schon bei der Reform der Karwoche 1951-1956, aber erst recht nach der konziliaren Liturgiereform wirklich alle Gebete unterdrückt, welche die destruktive Rolle des Teufels erwähnen. Wahrscheinlich waren diese Gebete auch nicht mit der „modernen Mentalität vereinbar“ oder sie waren eher mit der gleichbleibenden Mentalität der Dämonen nicht vereinbar, welche die Reformer sichtbar inspiriert haben. Nehmen wir aber für einen Moment ganz atheistisch bei der Reform der Karwoche an:

  • Es gibt keinen Teufel und keine Dämonen.
  • Kein Mensch versteht Latein, hört bei der Liturgie genau zu oder liest sich die liturgischen Texte mit theologischem Verständnis durch.
  • Die Anzahl der Menschen, die überhaupt um diese Gebete und ihre Bedeutung in der ganzen Kirche Bescheid wissen, befindet sich allerhöchstens im zweistelligen Bereich.
  • „Gottesdienst“ ist „Brimborium“ und „Miteinander“.d.h. Menschen lieben feierliche, unverständliche Rituale, die nichts mit ihrem Alltag zu tun haben und die sie gemeinschaftlich erleben.

Warum denn dann die Gebete, welche z.B. die Dämonen betreffen, eliminieren, wenn sie zu dem „Gesamtpaket-Feierlichkeit“ gehörten? Kein Mensch kennt sie oder fast niemand achtet auf sie und erst durch die Eliminierung stellt man sich Fragen. Es ist doch recht unwahrscheinlich, dass jemand das ganze Jahr auf eben diese Gebete wartet, wie auf das Exultet. Sie wirken also doch antidämonisch, sonst wären sie nicht von den Dämonen durch ihre Helfelshelfer rausgeworfen worden. Ja, ja, die „Liturgiereform“ war ein inside job, wie die Amerikaner sagen. Ebenso bei den Missale-Gebeten, d.h. bei den Kollekten, fielen, wie fleißig Rev. Cekada nachrechnete, ab 1965 die meisten vorkonziliaren Gebete weg. Die Statistik sieht nach Cekada wie folgt aus:

  • Von 1182 Gebeten fielen 760 völlig weg.
  • Von den 36%, die übrig geblieben sind, wurde die Hälfte geändert, bevor sie ins neue Missale aufgenommen wurden.
  • Nur 17% der alten Gebete fanden den Weg ins neue Missale.[3]

Was war das Kriterium? Das, was die „Reformer“ die „negative Theologie“, aber nicht im traditionellen Sinne, nannten. Sie verstanden nämlich darunter:

  1. Die gefallene Natur.
  2. Macht der Welt und der Dämonen.
  3. Gottes Zorn.
  4. Ewige Strafe
  5. Etc., etc.[4]

Alles das also, was sich für die heutige Welt und für die Mentalität des modernen Menschen negativ anhört, daher der Terminus „negative Theologie“ und nicht wie bisher dahingehend verstanden, dass man über die Eigenschaften Gottes an der Schöpfung gemessen eher negativ als positiv reden kann. Gott ist also un-begrenzt, un-sichtbar, un-ermäßlich, un-sterblich etc., d.h. ihm eignen eher negavite als positive Attribute.

Wir wollen an dieser Stelle nicht ins Detail gehen, wollen aber dadurch die These beweisen, dass wir alle, da wir die Lehre von der gefallenen Natur in der Liturgie nicht hören, weil sie eliminiert wurde, um diese Wahrheit entweder nicht wissen oder sie nicht ausreichend präsent vor Augen haben.

Es gibt also die Erbsünde und es gibt die Mächte der Finsternis, welche, aufgrund der Erbsünde eben, von der nur die Mutter Gottes ausgenommen war, ein einfaches Spiel mit uns haben. Deswegen ist das Böse für den gefallenen Menschen, der sozusagen seine Natur mit den Dämonen teilt, das Natürliche und Banale. Es ist der Weg des geringsten Widerstandes, der Weg nach unten.

[1] Cekada, Anthony, Work of Human Hands. A Theological Critique of the Mass of Paul VI, Philothea Press 2010, 224-234, insb. 225-228.

[2] http://rorate-caeli.blogspot.com/2015/04/the-reform-of-holy-week-in-years-1951.html 5. (OHS 1956): Suppression of the prayers concerning the meaning and the benefits of sacramentals and the power that these have against the demon. (29) Commentary: […] The „concrete, daily Christian life“ of the faithful is then indirectly disdained a few lines later: „These pious customs [of the blessed palms], although theologically justified, can degenerate (as in fact they have degenerated) into superstition.“ (33) Apart from the poorly concealed tone of rationalism, one should note that the ancient prayers are deliberately replaced with new compositions, which, according to their authors‘ own words, are „substantially a new creation.“ (34) The ancient prayers were not pleasing because they express too clearly the efficacy of sacramentals, and it was decided to come up with new prayers. (MR 1952): The ancient prayers recall the role of sacramentals, which have an effective power against the demon („ex opere operantis Ecclesiae“ [“by the action of the Church as acting”). (35) […] The aim of the reformers, however, was to eliminate from this prayer, says Father Braga, (87) some inconvenient words that spoke of souls deceived by the demon and ensnared by the wickedness of heresy: „animas diabolica fraude deceptas“ and „haeretica pravitate.“

[3] Cekada, Work, 222.

[4] Mehr darüber in Cekada, Work, 219-245.

Die Banalität des Bösen. 2: Die Banalität der Sünde


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Die Banalität der Sünde

Das Böse ist banal und die Sünde ist banal. Viele Beiche hörende Priester in Ländern, wo die Menschen noch beichten, berichten, dass sie manchmal im Beichtstuhl einschlafen, weil die Sünden dermaßen langweilig sind und einander so sehr ähneln. Manche berichten sogar von dem gleichen Tonfall der Beichtenden, in etwa als würden sie sagen: „Zu Gefahren und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt und Apotheker“. Der Banalität der Sünden scheint die Banalität des Tonfalls und die Banalität der Einstellung seitens der Beichtenden zu entsprechen. Dabei ist hierzu zu bedenken, dass, wie der hl. Philip Neri sagte, versucht der Teufe zuerst den Sünder von der Harmlosigkeit der zu begehenden Sünde zu überzeugen, nach der Tat stürzt er ihn wegen derselben Sünde in Verzweiflung. Ein ehemaliger polnischer Oppositioneller und der spätere Minister für Arbeit Jacek Kuroń, der seit 1968 eigentlich ständig im Gefängnis saß, sagte einmal, dass nur die schwachen Menschen schlecht sind, denn es erfordert sehr viel Stärke, um gut zu sein. Dies stimmt, denn bonum, das Gute, ist meistens ein bonum arduum, also ein schwer erreichbares Gut, was wir aus unserer Reihe über die Acedia schon wissen. Kuroń sagte auch, dass die Menschen die schlimmsten Taten aus Angst heraus begehen, was wohl auch stimmt. Man hat Angst die Arbeit zu verlieren, für die Familie nicht sorgen zu können, irgendwie zurück zu bleiben, keine Karriere zu machen und man begeht die schlimmsten Taten.

Unsere Geistlichen und Bischöfe wollen doch auch dazugehören und nicht wie „fundamentalistische Frömmler“ abseitsstehen und daher heißt das Schlagwort: „Miteinander“, mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen. The Goodfellows, die Jungs von der Gang, wie auch immer diese Zugehörigkeit auch heißt. Eine gute Freundin des Schreibers dieser Zeilen hatte einmal eine außereheliche Affäre mit einem Fahrer der Mafia, welche sich auf die Rückgewinnung von schwer einforderbaren Schulden spezialisierte.  In Ländern, in denen es kein funktionierendes Rechtssystem gibt, gibt es leider diese Dienstleister und Menschen, die in ihrer Not sich an sie wenden, weil sie auf den gerichtlichen Weg nichts erreichen. Wie auch immer, dieser Mafia-Fahrer, obwohl Mitte 30, dachte und handelte immer noch wie ein Heranwachsender, weil es in dieser „Beziehung“ immer nur um „die Jungs“ ging, also um andere Mafia-Mitglieder und Kollegen. Es handelte sich aber aus seiner Sicht um keine Vorwände, sondern für diesen recht einfachen Mann, hatte das, was die Gang gerade machte und zwar nicht nur beruflich, sondern hauptsächlich privat, immer die höchste Priorität.  Dem Schreiber dieser Zeilen gelang es, da andere Argumente nicht halfen, seiner Bekannten diese Beziehung dadurch auszureden, indem er sagte, dass dieser Mann niemals erwachsen werden wird und niemals irgendwelche Verantwortung übernehmen wird, weil im Alter von 15 bis 16 Jahren steckengeblieben ist, in welchem für viele normale männliche Jugendlich es tatsächlich die höchste Priorität darstellt, was die anderen Jungs tun oder denken.  Und deswegen entscheidet darüber, ob man ein Mafioso, ein Geheimdienstler oder ein Mitglied einer Geheimgesellschaft, welche auch einer Firma ähneln kann, werden kann, das psychologische Profil des Kandidaten. Es ist jemand, der immer noch ein unsicherer Junge ist, für den die anderen „Jungs“ seine einzige Familie darstellen, der er absolut alles verdankt. So jemand stellt einen perfekten Kandidaten dar, da er permanent emotional abhängig und daher erpressbar ist. Dieses Profil erklärt leider auch die verschiedenen, destruktiven Lobbies in der Kirche, hauptsächlich die Homo-Lobby.  Denn die Jungs, welche die „Jungs“ und einander „lieben“, unterstützen einander doch sehr. Aber eigentlich ist es sehr banal sich als Erwachsener wie ein Heranwachsender zu gebärden, sehr banal ist auch der homosexuelle Jugendwahn, der wahrscheinlich auch daher resultiert sich der Beute des männlichen Jugendlichen anzugleichen.

Aber wie wird man so? Wahrscheinlich liegt bei Missbrauch eine Persönlichkeitsstörung oder die höchste Form des Machtmissbrauchs vor. Bei den wenigen wissenschaftlichen Studien, welche der Schreiber dieser Zeilen zum sexuellen Missbrauch in der Kirche, aber auch zum priesterlichen Konkubinat gelesen hat, wird fast allen Beteiligten eine narzisstisch-unterentwickelte Persönlichkeitsstörung bescheinigt, wie eben diesem Mafia-Fahrer, man ist nichts, die Jungs sind alles und manche Jungs finden sich mit anderen Jungs zusammen, um sich im Bösen zu decken und zu unterstützen. Es ist schon recht einsichtig, dass ein ungebildeter Mann aus einer schlimmen Gegend nicht viele Chancen hatte, um seine Persönlichkeit zu entwickeln, aber bei Priestern lag entweder eine Persönlichkeitsstörung schon am Anfang vor und sie hätten gar nicht geweiht werden dürfen oder sie wurden so mit der Zeit, weil sie überhaupt kein geistliches Leben pflegten und ihnen keine Grenzen gesetzt wurden. Der Schreiber dieser Zeilen stellte sich oft die Frage, wie es möglich ist, dass ganz normale Menschen in manchen Situationen zu schrecklichen Taten fähig sind, z. B. das Dritte Reich, der Balkankrieg, RAF-Terrorismus, islamischer Terrorismus, sexueller Missbrauch durch Priester etc. Es scheint, dass immer gleichzeitig zwei Faktoren auftreten müssen:

  1. Die intellektuelle Rechtfertigung der Tat, in der das Böse als das Gute oder als etwas Tolerierbares dargestellt wird.
  2. Die Gewissheit ungestraft davon zu kommen.

Wird in einem gesellschaftlichen System, wie in der Terrorzeit des nachrevolutionären Russlands oder der Roten Khmer etwas per se durch die Revolution gerechtfertigt, so ist man wirklich sicher davonzukommen. Da, nach den amerikanischen Statistiken, die meisten Missbrauchsfälle in der direkten Nachkonzilszeit stattgefunden haben und sozusagen durch die Macht der Gewohnheit fortgeführt wurden,[1] so konnte dies in solch einem Ausmaß deswegen stattfinden, weil jegliche moralischen Schranken für die Täter zusammengefallen sind und die Sicht der Sünde sich immer weiter bis zur Nichtigkeit verschoben hat. Und daher konnte neulich ein französischer Bischof auf die Frage, ob Pädophilie eine Sünde sei, antworten, dass er es nicht sagen könne.[2] Denn, wenn liturgisch und doktrinär alles machbar ist, siehe Amoris laetitia, dann ist ja buchstäblich nichts mehr heilig. Und so schaute man, wie weit man gehen konnte. Und da die Bischöfe es wussten und nicht straften, so machte man weiter und tut es heute wohl auch. Auf katholisches.info gibt es den gut informierten Poster mit dem Pseudonym Adrien Antoine, der diese Zustände in Belgien beschreibt und auch in Deutschland ist es nicht anders.[3]  Wie konnte es dazu kommen? Vielleicht suchten sich viele Kleriker einen besonderen Kick für ihre banale Existenz und mit der Zeit wurde das Böse zu einer selbstverständlichen Banalität. Von der Banalität zum Bösen, vom Bösen zum Banalen.

Natürlich wird sich in diesem Kontext die Frage stellen, ob wir Kindesmissbrauch durch Kleriker für banal halten, im Sinne von

„keine Besonderheit, nichts Auffälliges aufweisend; alltäglich, gewöhnlich“[4].

Nein, wir tun es nicht und für keinen Menschen, der sich wenigsten im Raster der Gültigkeit der Zehn Gebote befindet, ist solch eine Tat überhaupt vorstellbar. Aber für die Täter, welche sich vorher jahre- oder jahrzehntelang in der Welt der eigenen, durch Porno-Konsum genährten, Phantasie aufhielten, werden die daraus resultierenden Taten nach und nach tatsächlich banal, denn selbstverständlich. Das Böse wird so böse und es geht in die eigene Natur über, dass es banal wird.

Wir werden Amoris laetitia noch wirklich eingehend besprechen, wenn wir diese unsägliche Adhortation erstmal zu Ende gelesen haben. Was dort aber besticht ist das Fehlen des Sündenbegriffes, der objektiven Norm, an dem sich das subjektive Gewissen ausrichtet. Wer hat denn keinen Sündenbegriff? Jemand, der jahrzehntelang in einer schweren Sünde lebt, für den mit der Zeit die Sünde zur banalen Normalität wurde. Leider muss es bei Papst Franziskus diese der Fall sein und bei seinen ghostwritern auch, die leider allersamt einen sehr homosexuellen-gnostischen Eindruck machen.  Wie alle Narzissten wollen sie den Anderen an ihrer eigenen Sünde Anteil geben, indem sie alles für möglich erklären, wenn es mit dem eigenen Gewissen vereinbar ist. Und was ist damit schon nicht vereinbar? Und was wollen sie damit sagen: sei böse-banal, sei wie wir, nicht besser und nicht anders. Die Sicht der Dämonen.

[1] https://en.wikipedia.org/wiki/John_Jay_Report#Factors_contributing_to_the_abuse_problem

[2] http://www.katholisches.info/2016/04/06/ist-paedophilie-suende-ein-bischof-weiss-keine-antwort/

[3] http://www.katholisches.info/2013/05/11/die-grose-krise-der-katholischen-kirche-in-belgien-in-entchristlichtem-land-lebt-es-sich-gefahrlich/ http://www.katholisches.info/2015/08/17/bruegge-in-westflandern-ein-bistum-in-schnappatmung/ http://www.katholisches.info/2015/09/07/bischof-johan-bonny-antwerpen-freundlich-laut-bei-homo-still-bei-paedo/

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Banal

Die Banalität des Bösen. 1: Hannah Arendt und Martin Heidegger


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Was bedeutet „banal“?

Viele unserer Leser werden wissen, dass der Titel „Banalität des Bösen“ von Hannah Arendt stammt und als Untertitel ihrem Buch über den Eichmann-Prozess in Jerusalem beigefügt wurde.[1] arendtHannah Arendt schreibt darin, dass man verwundert ist, wie banal doch das Böse sei, da man dieses nichtsagende Gesicht, i.e. das Gesicht Eichmanns, niemals für das Gesicht eines Massenmörders halten würde. Mitunter mit dieser Aussage machte das Wort „Schreibtischtäter“ die Runde, da Eichmann die Morde vom Schreibtisch aus erledigte. Das Böse ist also, nach Hannah Arendt, banal. Vielleicht wissen nicht alle Leser, dass Hannah Arendt als 18-jährige Studentin eine außereheliche Affäre mit dem 35-jährigen Familienvater Martin Heidegger,[2] der wiederoum wohl auch aus Banalitätsgründen in die NSDAP eingetreten ist,[3] um vielleicht deswegen zum Rektor der Universität von Freiburg ernannt zu werden. Die Banalität des Bösen macht also vor niemanden halt, denn was ist banaler als eine Affäre mit seiner Studentin anzufangen, da sie den Lehrenden ex definitione anhimmeln? Young-Heidegger-211x300Oder was ist schon banaler als eine Affäre mit seinem Vorgesetzten und Mann mittleren Alters seitens einer jungen und wohl intelligenten Frau anzufangen? Nichts! Also nicht nur Eichmann war böse-banal, Frau Arendt und Herr Heidegger waren es auch! Die polnische Dichterin und Nobelpreisträgerin Wisława Szymborska hatte viele Jahre hindurch in der Redaktion einer Literaturzeitschrift gearbeitet, wo ihr die wirklich mühevolle Aufgabe zufiel die eingehende Lyrik- und Prosa-Proben der Leser und vielleicht künftiger Autoren zu rezensieren und kurz die meistens abschlägige Antwort zu begründen. Sie machte es kurz, witzig und gekonnt, wodurch diese Antworten zu Perlen des süffisanten Humors wurden. Sie schrieb einmal:

„Warum müssen diese Büroaffären so langweilig sein? Wenn auf Seite eins ein Direktor vorgestellt wird, dann folgt auf Seite zwei die Sekretärin und auf Seite drei ein Firmenwagen, der von A nach B fährt.“

Auf den Einwand des von Szymborska abgewiesenen Autors, dass genauso das Leben aussieht, antwortete sie:

„Ja, aber Literatur ist nicht das Leben. Literatur muss interessant sein und sogar banale, langweilige Geschichten interessant machen.“

Richtig erkannt, aber gerade darin besteht das Gift der Literatur das Sündig-Langweilig-Banale ins Schöne zu verklären, siehe „Anna Karenina“, „Effi Briest“ oder „Madame Bovary“.  Und das schon die sehr frühe jüdische Apokalyptik die These vertrat, dass die Kunst den Menschen von den gefallenen Engeln eingeflüstert wird, welche die Künstler inspirieren, so ist die ursprüngliche Quelle der Banalität und ihrer Verklärung recht klar: der Dämon, wieder einmal er.

Bevor wir uns von der theologischen Seite der Banalität des Bösen nähern, wollen wir die Banalität philologisch bestimmen. „Banal“ bedeutet, wie wir in der Wikipedia nachlesen können, „keine Besonderheit, nichts Auffälliges aufweisend; alltäglich, gewöhnlich“[4]. Wir erfahren auch, dass es ein Lehnwort aus dem Französischen ist, welches (franz.: banal, altfrz. ban = Bann; ursprüngl. gemeinnützig) im Lehnrecht eine Sache bezeichnete, die der Lehnsherr seinen Vasallen überlässt.  Banal ist also ein demokratisches Allgemeingut sozusagen. Da das Adjektiv „banal“ erst im XVIII.  Jhd. ins Deutsche kam, so stellt sich natürlich die Frage, ob es vorher keine Banalitäten gab und falls ja, wie sie wohl auf Deutsch wiedergegeben wurden. Wir wissen es einfach nicht und vielleicht kann einer unserer Leser darauf antworten. Banalität ist also etwas Geist- und Einfallsloses und ein Adjektiv, mit welchem man am besten die kreativen Menschen beleidigt. Es ist das Gegenstück zur Originalität und wohl zur Kreativität. Es ist ein Wort, das aus der ästhetischen Region entlehnt und in die moralische und metaphysische übertragen wurde. Ob die Dinge auch vor der berühmten Überschrift von Hannah Arendt auch so gesehen wurden, entzieht sich unserer Kenntnis ist aber auch für unsere weiteren Ausführungen irrelevant.

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Eichmann_in_Jerusalem https://de.wikipedia.org/wiki/Eichmann_in_Jerusalem http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-20017823.html

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Hannah_Arendt#Studienzeit http://www.zeit.de/1995/34/Eine_unmoegliche_Liebe

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Heidegger_und_der_Nationalsozialismus http://www.zeit.de/2015/52/martin-heidegger-nsdap-vergangenheit

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Banal