Ingmar Mathias Bauer, Mein Hausaltar


Am 24. April 2017 riefen wir die Aktion aus Bilder von eigenen Hausaltären uns zu schicken, damit wir einander auferbauen können. Und schon nach fünfeinhalb Monaten finden sich die ersten Früchte in der Form des Beitrags und des Hausaltars unseres Lesers Ingmar Mathias Bauer.  Die Bilder sowie der Beitrag sprechen für sich und die Thematik, dass eine Meditationsbank doch nicht die optimale Lösung ist, werden wir hier noch vertiefen. Die größte Ausgabe stellt wohl der Betstuhl oder die Kniebank dar. In unserem katholischen Nachbarland Polen, welcher durch die letzte Rosenkranzaktion in Erscheinung getreten ist, kann man sich Kniebänke recht günstig, im Vergleich zu den Preisen aus Deutschland oder Italien kaufen, denn dank des günstigen Euro-Kurses kostet eine Kniebank ohne Sitz ca. 171 EUR, eine mit Sitz 208 EUR, wie auch hierEine einfachere Ausführung mit Sitz kostet woanders nur 100 EUR oder ohne Sitz nur 85 EUR. Obwohl diese Kniebänke günstig sind und augenscheinlich von guter Qualität, welche von uns vorort nicht geprüft wurde, so ist der Onlineeinkauf in Polen leider nur bedingt zu empfehlen. Der Grund: fehlende Kommunikation. Wir haben zwei dieser Produzenten vor zwei Wochen auf Polnisch angeschrieben und nach dem Versandpreis nach Deutschland, sowie nach der außer-polnischen Kommunikationspsrache gefragt, für den Fall, dass sich jemand aus Deutschland solch eine Kniebank bestellen wollte. Wir haben bis heute keine Antwort erhalten, was diese Produzenten wirklich disqualifiziert. In Polen ticken die Uhren halt anders, man antwortet auf Polnisch gar nicht oder sehr spät. Will dennoch jemand unserer Leser etwas riskieren, dann kann er sie auf Englisch anschreiben und abwarten, was sich tut. Vielleicht werden unsere polnischen Leser dort bestellen und wir können etwas Positives darüber berichten. So kann die Vervollständigung eines Hausaltars tatsächlich dauern, weil man viele Dinge eventuell in verschiedenen Ländern bestellen muss, worüber wir noch in einem anderen Kontext berichten werden. Wir freuen uns über diese erste Leserzuschrift und hoffen auf mehr.

Nun habe ich mir also auch einen Hausaltar gebaut, angeregt durch die Beitragsserie „Wir basteln uns einen Hausaltar“ auf diesem Blog. Zunächst hat es einige Zeit gedauert, bis ich damit angefangen habe, da ich erst noch ein paar schöne Dinge dafür kaufen wollte, mich aber nicht entscheiden konnte. Eines Tages habe ich dann einfach genommen, was ich schon hatte, und daraus einen Hausaltar gebaut, damit einmal ein Anfang gemacht ist. Denn ohne einen ersten Schritt erreicht man natürlich kein Ziel. Wichtig ist dabei aber, es so gut zu machen wie man kann, auch wenn man darin vielleicht wenig Talent hat. Denn es ist für Gott, und wenn man Gott nicht das Schönste und Beste gibt, dann hat man in Wirklichkeit einen anderen Gott.

Wie auf den Bildern zu sehen, ist alles noch sehr einfach gehalten, sozusagen die Minimalkonfiguration. Aber da nichts davon im Novus-Ordo-Stil ist, erfüllt es trotzdem schon ganz gut seinen Zweck. Ja, es macht wirklich einen Unterschied, ob man ein traditionelles Kruzifix ansieht oder eine Novus-Ordo-Klimmzugstange. Also keine Novus Ordo Sachen verwenden, sonst hat man auch eine Novus Ordo Wirkung.

Damit die jeweilige liturgische Farbe des Tages sichtbar wird, habe ich mir Kerzen in den entsprechenden Farben gekauft. Statt eines Betstuhls habe ich erst einmal nur eine Decke zusammengerollt, auf der man im Prinzip wie auf einem Betstuhl auch gut knien kann. Von den mittlerweile so verbreiteten Meditationshockern, auf denen man so halb kniet, halb hockt, rate ich eher ab. Ich kann es mir zwar nicht genau erklären, aber die Körperhaltung, die man auf diesen Hockern einnimmt, fördert einfach keine christliche Gebetshaltung, eher im Gegenteil. Vielleicht sind sie deshalb in der Novus-Ordo-Kirche oder auch in Taizé so beliebt.

Eine kleine Besonderheit ergibt sich bei mir dadurch, dass ich für den Hausaltar ein ganzes Zimmer zur Verfügung habe und sich sonst nichts darin befindet. Deshalb hallt der Raum etwas, wodurch eine Art Kathedralen-Effekt entsteht, was sich bei gregorianischem Gesang sehr schön anhört.

Hierzu vielleicht noch eine Nebenbemerkung: Bei mir geschah es insbesondere durch das Singen von gregorianischem Choral, dass ich aus den Fängen des Novus Ordo befreit wurde. Angefangen hat es damit, dass ich beziehungsweise wir eine Gebetsgruppe von Männern begonnen haben, in der wir auf männlichere Weise beten wollten, also auf gar keinen Fall eine „Novus-Ordo-Stuhlkreismeditation“ um eine „gestaltete Mitte“ herum mit einer „Vorstellungsrunde“ zu Beginn, wonach wir dann im Kerzenschein Taizélieder singen. Um das zu vermeiden, haben wir uns die alte monastische Tradition zum Vorbild genommen und uns ihr nach und nach angenähert, was dann eben Latein und gregorianischen Choral mit einschließt. Verteidiger des Novus Ordo sagen immer wieder gerne, dass man auch im Novus Ordo Latein verwenden und gregorianischen Choral singen kann. Das stimmt. Das heißt aber noch lange nicht, dass es dazu passt. Ich kann zum Beispiel auch einem Schimpansen ein Priestergewand anziehen und in einem Bordell Lateinisch sprechen. Das macht den Schimpansen nicht zum Priester und das Bordell nicht zu einem reinen Ort. Zumindest in meinen Ohren klang es immer nach Konzert, wenn einmal eine Schola in einer neuen Messe gesungen hat, wofür schon der übliche Applaus zum Ende der Messe spricht. In meiner ersten alten Messe mit Schola habe ich zum ersten Mal gemerkt, wie der gregorianische Gesang ein echter Teil der Liturgie ist und das heilige Mysterium auf besondere Weise dem Herzen nahe bringt. Da er eine so positive geistliche Wirkung entfaltet, ist es natürlich klar, dass es ihn im Novus Ordo nicht geben darf oder eben nur als exotisches Konzert.

Aber zurück zum eigentlichen Thema: Insgesamt kann ich einen Hausaltar sehr empfehlen. Als Christen sollen wir ja heilig sein und heilig sein hat immer etwas mit Absonderung zu tun – Absonderung vom Weltlichen und natürlich von der Sünde – und da ist ein abgesonderter Bereich, den ein Hausaltar darstellt, von Nutzen. Es entsteht fast automatisch eine geistliche Atmosphäre, durch die man geheiligt wird. In diesem Zusammenhang ist mir folgender Vergleich eingefallen: In der heutigen Zeit ist die Verehrung Gottes weitgehend verschwunden und an ihre Stelle ist unter anderem ein umso ausgeprägter Körperkult getreten, was man an den vielen Fitnessstudios, die es mittlerweile gibt, erkennen kann.

Wie sehen nun diese Hallen des Körperkults aus? Es stehen darin erstklassige Fitnessgeräte, es laufen ausgebildete Trainer herum, um den Trainierenden die besten Trainingspläne aufzuzeigen, und an den Wänden hängen Bilder von durchtrainierten Körpern beziehungsweise von Starathleten, denen man nacheifert. Oft wird auch spezielle Fitnessnahrung angeboten.

In Bezug auf die Verehrung Gottes und das Heil unserer Seelen sollten Kirchen im Grunde recht ähnlich sein: erstklassige Altäre und Beichtstühle, hervorragende Priester, die uns den Weg zur Heiligkeit führen, Bilder von Heiligen, denen wir nacheifern, und besonders die heilige Eucharistie als Nahrung für die Seele.

Ein Hausalter ist also wie ein Fitnessgerät zu Hause, ein Hometrainer sozusagen. Natürlich, man kann auch ohne Geräte trainieren, allein mit seinem Körpergewicht, aber beides zusammen ist noch besser. Und mit dem richtigen Trainingsplan, das heißt Gebetsplan, sind die Erfolgsaussichten gut. Seit ich dem Novus Ordo entflohen bin, verwende ich hierfür in erster Linie vorgefasste Gebete, also Psalmen, Rosenkranz, Angelus und andere Gebete aus dem großen Gebetsschatz der Kirche. Denn richtig Beten lernen ist ähnlich wie eine Sprache richtig lernen, und das lernen Kinder ja auch nicht, indem sie ihrem eigenen Gebrabbel zuhören, sondern indem sie die Sprache der Erwachsenen nachahmen.

Einige Zeit zuvor habe ich bei Freunden mehrere Male Erfahrungen mit einer Novus-Ordo-Gebetsecke sammeln können. Wir saßen dabei auf Meditationshockern und vor uns auf dem Boden standen ein paar Figuren, in Sand gesteckte Kerzen und noch ein paar Dinge. Ich weiß gar nicht mehr, ob auch ein Kreuz dabei war, wahrscheinlich schon, erinnern kann ich mich aber nicht, was schlimm genug ist. Das Gebet war eine Mischung aus modernem Stundengebet, modernen Lobpreis- und Taizéliedern und freiem Gebet. Rein subjektiv hat es sich für mich immer wie sentimentale fromme Berauschung angefühlt, im Grunde genommen nicht geistlich, sondern fleischlich. Das wurde schon allein durch die komischen Hocker und das Hinabschauen auf die Figuren bewirkt, statt dass man auf normale Weise kniend zum Herrn aufblickt. Das moderne Gebet hat das noch verstärkt. Eigenartigerweise haben traditionelle Gebete wie zum Beispiel das Vaterunser, die vereinzelt auch vorkamen, immer eine entgegengesetzte Spannung zur ganzen Atmosphäre erzeugt. Selbst eine Andacht aus dem neuen Gotteslob war schon zu traditionell. Ich konnte mich durch all das allerdings nicht fromm berauschen, so wie das vielen anderen besonders in charismatischen Kreisen gelingt. Das liegt vielleicht auch daran, dass bei mir gewöhnliche Rauschmittel wie Alkohol oder laute, moderne Musik ebenfalls keinen Rausch hervorrufen, sondern nur zu Benebelung führen. Dementsprechend habe ich mich nach solchem Gebet auch nur benebelt gefühlt und nicht geistlich gestärkt.

Bei dem traditionellen Hausaltar in Verbindung mit traditionellen Gebeten kann ich diese Wirkungen nicht feststellen. Im Gegenteil: Es passt alles zusammen, es ist geistlich, man verfällt nicht in Sentimentalität, sondern wird aus ihr herausgehoben, wodurch eine echte Anbetung Gottes in Geist und Wahrheit erst möglich wird.

Es lohnt sich also, zur Ehre Gottes und zu unserem Heil.

Viele Bilder von Hausaltären lassen sich im Internet finden unter den Begriffen „home altar“, „family altar“ oder „prayer corner“.

 

 

 

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7 Gedanken zu “Ingmar Mathias Bauer, Mein Hausaltar

  1. Ich benutze ein Fußbänkchen und lege zwei Kissen drauf. Man kniet dann allerdings frei und kann sich nicht abstützen. Wobei ich mich auf meinem Hausaltar abstütze, weil es mit der Höhe so hinkommt.

    Daß wir nur „im einstelligen Bereich“ Bußpsalm-Beter sind, enttäuscht mich!
    Nun ist es so, daß ich alleine lebe, da hat man es sicher einfacher, als wenn Ehegespons und Kinder da sind, die die Sache anders sehen.
    Einiges, was hier gesagt wurde kann ich bestätigen, das mit der besonderen Atmosphäre, es sind Kerzen angezündet, das elektische Licht reduziert. An den drei übrigen Freitagen bete ich den Rosenkranz.
    Alles noch im Amateurbereich. Vor allem gehen meine Gedanken ständig spazieren und sind nicht da, wo sie sein sollen. Aber man muß ja mal anfangen.

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  2. Einen extra-Gebetsraum zu haben, in den man sich jederzeit zurückziehen kann, ist sicher etwas sehr Schönes.
    Mein Gebets“raum“ hingegen befindet sich im Wohnzimmer, doch muss dies nicht unbedingt negativ sein.
    Ich verstehe es so: Sein Sichtbarsein drückt etwas aus, bedeutet eine Art Zeugnis.
    Es steht für das, was mir wichtig ist.
    An der Wand hängt ein altes Kruzifix, auf dem kleinen Tisch davor befindet sich eine Marienfigur. Blumen, eine Kerze und der Holzperlen-Rosenkranz machen die Gebetsecke komplett.
    Infolge Gelenkproblemen ziehe ich mir zum Beten allerdings immer einen Stuhl heran, das tut der inneren Sammlung aber keinen Abbruch.
    Das Wohnzimmer ohne seine Gebetsecke kann ich mir gar nicht vorstellen, auch wäre es dann nur halb so schön.

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      1. Kommt noch, denn -obwohl kaum zu glauben- ich habe kein Handy, mit dem ich auch fotografieren könnte.
        So muss ich also warten, bis mein Sohn einmal kommt und knipst.

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  3. Ich hatte einmal einen Hausaltar, das war einfach ein (schöner) Tisch, den ich ohne Tischdecke verwendet habe. Darauf LAG ein Kreuz, ein Rosenkranz und ein Marienbild.
    Einerseits habe ich es genossen, beim Stundengebet (das man ja abliest) das alles im Augenwinkel zu sehen, andererseits war da der unangenehme Eindruck (im wahrsten Sinne des Wortes, vor allem) auf das Kreuz und auf das Marienbild herunterzuschauen.
    Der Tisch stand am Fenster und eine andere Möglichkeit hatte ich in der kleinen Wohnung nicht.

    Bei der Anbetung irritiert es mich andererseits immer, dass ich da knie, vorne auf dem Altar steht für alle gut sichtbar das Allerheiligste und ich schaue in mein Heft (mit den Gebeten) und … und Er steht halt „nur“ da und keiner schaut hin …

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  4. @ Eugenie Roth und alle

    “ Der heilige Pfarrer von Ars geht durch seine Kirche. In einer Bank nimmt er, wie so oft schon, einen einfachen Bauern wahr, der sich stundenlang dort aufhält, ohne Buch oder Rosenkranz in den Händen, aber den Blick unablässig nach vorne, zum Altar gewandt. Der Pfarrer fragt ihn: „Was tust Du denn hier die ganze Zeit über?“ Die Antwort: „Ich schaue Ihn an, und Er schaut mich an. Das ist genug.““

    Dieses Zitat habe ich entnommen aus einem lesenswerten Artikel von
    von P. Bernward Deneke „Die Botschaft des Bauern von Ars“

    http://www.kath-info.de/meditation.html

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