Notae theologicae oder die dogmatische Gewissheit. (4 von 4). Gewissheitsgrade und Zensuren.


Bonaventura 1

Positive Darstellung der Gewissheitsgrade und der Zensuren

Um die Gewissheitsgrade und die Zensuren noch deutlicher darzustellen, haben wir die u.a. Tabellen entwickelt.[1] Bevor diejenigen unserer Leser, die zu Skrupeln neigen oder ihren Glauben sehr ernst nehmen, sich durch die Bezeichnung „Todsünde“ erschrecken lassen, sei an dieser Stelle gesagt, dass zu einer Todsünde: (a) Bewusstsein und (b) Freiwilligkeit notwendig ist, sodass die Qualifikation der Todsünde im Kontext der Glaubenslehre nur einen ausgebildeten Theologen betreffen kann. Wenn ich es wirklich nicht besser weiß und Unsinn rede, dann ist es keine schwere Sünde, sondern eine leichte, da sie die Menschen intellektuell und später auch anders schädigt.

So wie manche Verbrechen oder Verstöße nur Juristen, Polizisten, Ärzte etc. verüben können, weil sie ausgebildet und im Dienst sind, so können manche Sünden nur Theologen begehen. Und deswegen sind die Sünde der Konzilstheologen, der Periti (allgemein im Deutschen: die Erfahrenen, Kundigen) und der direkt nachkonziliaren Geistlichen so schwer, weil sie es wirklich besser wussten oder, wie der papa emeritus und Kard. Müller, wissen. Schön muss doch die Zeit gewesen sein, als man sich im Heiligen Offizium noch um solche Unterteilungen kümmerte und in seinem Gebäude keine Homo-Orgien mit Kokain veranstaltete, wobei wir doch stark hoffen, dass nicht alle Mitarbeiter der Glaubenskongregation in solche Aktivitäten involviert sind. Pfui! Klare Richtlinien ziehen Männer mit klarem Denken an und vom klaren Denken kommt man mit Mühe und Gottes Hilfe auch zum klaren, d.h. zum reinen Leben. Unklares, nachkonziliares Gewusel führt zum unklaren, sündigen Leben, siehe: Homo-Orgien und Msgr. Charamsa, denn Sünde beginnt im Kopf durch die Zustimmung, das andere ist nur eine schiefe Ebene, die irgendwann angestossen wurde.

Wir geben die u.a. tabellarisch gefassten theologischen Qualifikationen deswegen an, da wir in unseren Beiträgen über Theologie diese Begriffe verwenden werden, um die Verbindlichkeit der theologischen Lehren darzustellen. Bene docet, qui bene distinguit – „derjenige lehrt gut, der gut unterscheidet“.

(a) Theologische   Qualifikation: Dogma
Äquivalente Bezeichnung: Glaubensdogma; de fide, de fide Catholica; de fide divina et Catholica.
Erklärung: Glaubenswahrheit, welche von der Kirche als von Gott geoffenbart dargestellt wird.
Beispiele: Unbefleckte Empfängnis; alle Artikel des Symbols von St. Athanasius [Quicumque, Glaubensbekenntnis des hl. Athanasius Red.].
Zensur der Verneinung: Häresie (Sententia haeretica)
Auswirkungen der Verneinung: Todsünde direkt gegen die Tugend des Glaubens begangen, im Falle, dass die Häresie öffentlich verkündet worden wäre, zieht sie automatisch eine Exkommunikation und den Ausschluss aus der Kirchengemeinschaft nach sich.
Bemerkungen: Das Dogma kann entweder durch ein iudicium solemne (päpstliches Kathedralurteil oder Glaubensentscheidung eines allgemeinen dogmatischen Konzils) vorgelegt werden oder aber durch das ordentliche Lehramt, wie dies im Falle des Symbolum Athanasianum der Fall war, welches jahrhundertlang verwendet und gegenteilige Meinungen verurteilt worden sind.
(b) Theologische   Qualifikation: Glaubenswahrheit der Kirche
Äquivalente Bezeichnung: De fide ecclesiastica definita
Erklärung: Glaubenswahrheit, welche nicht direkt von Gott geoffenbart wurde, aber eng mit der göttlichen Offenbarung zusammenhängt und unfehlbar durch das Lehramt präsentiert wurde.
Beispiele: Gültigkeit des Kommunionempfangs unter einer Gestalt.
Zensur der Verneinung: Häresie gegen den Glauben der Kirche. Propositio haeresi proxima.
Auswirkungen der Verneinung: Todsünde direkt gegen die Tugend des Glaubens begangen, im Falle, dass die Häresie öffentlich verkündet worden wäre, zieht sie automatisch eine Exkommunikation und den Ausschluss aus der Kirchengemeinschaft nach sich.
Bemerkungen: Es ist ein Dogma, dass die Unfehlbarkeit der Kirche sich auch auf die Glaubenswahrheiten de fide ecclesiastica definita erstreckt, sodass jeder, der sie verneint, mittelbar die Dogmen und den göttlichen Glauben (fide divina) negiert.
(c) Theologische   Qualifikation: Wahrheit des göttlichen Glaubens
Äquivalente Bezeichnung: De fide divina.
Erklärung: Glaubenswahrheit von Gott geoffenbart, aber nicht als solche von der Kirche als gewiss dargestellt.
Beispiel: Christus hat von Anfang seiner öffentlichen Wirkung verkündet, dass er der Messias ist.
Zensur der Verneinung: Irrtum (im Glauben). (Haeresim sapiens oder de haeresi suspecta)
Auswirkungen der Verneinung: Todsünde gegen den Glauben, welche jedoch keinen Verlust der Kirchenmitgliedschaft nach sich zieht. Möglichkeit einer kanonischen Strafe.
(d) Theologische   Qualifikation: Glaubensnahe Behauptung
Äquivalente Bezeichnung: Sententia fidei proxima.

Glaubenswahrheit, von der allgemein angenommen wird, dass sie von Gott geoffenbart wurde.

Erklärung: Christus hat während seines ganzen irdischen Lebens die beseligende Anschauung (visio beatifica) genossen.
Zensur der Verneinung: Dem Irrtum Behauptung (sententia errori proxima). (Propositio erronea oder error)
Auswirkungen der Verneinung: Todsünde, welche indirekt sich gegen den Glauben richtet.
(e) Theologische   Qualifikation: Theologisch sichere Behauptung  (theologice certa).
Äquivalente Bezeichnung: Dogmatische Tatsache; dogmatische Schlussfolgerung. (Ad fidem pertinens, theologice certa)
Erklärung: Theologische Wahrheit, welche logisch von Behauptungen herrührt, von welchen eines göttlich geoffenbart wurde, das andere hingegen als historisch sicher gelten kann.
Beispiel: Rechtmäßigkeit des Pontifikats des Pius XI.
Zensur der Verneinung: Irrtum (error) (in Theologie). (Error in theologicis)
Auswirkungen der Verneinung: Todsünde gegen den Glauben.
(f) Theologische   Qualifikation: Katholische Doktrin (doctrina catholica)
Äquivalente Bezeichnung: Katholische Lehre.
Erklärung: Glaubenswahrheit, welche authentisch durch das ordentliche Lehramt gelerht wird, aber weder geoffenbart noch innerlich mit der Offenbarung verbunden.
Beispiel: Ungültigkiet der anglikanischen Priesterweihe; Gültigkeit der Taufe, welche durch Häretiker oder Juden gespendet wurde.
Zensur der Verneinung: Leichtsinnige Behauptung (temeraria)
Auswirkungen der Verneinung: Todsünde, welche mittelbar gegen den Glauben gerichtet ist.
Bemerkungen: Die Bezeichnung “katholische Doktrin” betrifft manchmal Glaubenswahrheiten des höheren Ranges, aber niemals des niedrigeren Ranges. In manchen Fällen  ist eine schärfere Zensur als „leichtsinnige Behauptung” (temeraria) vorgesehen.
(g) Theologische   Qualifikation: Sichere Behauptung (certa)
Äquivalente Bezeichnung: Allgemeine (communis); theologisch sicher (theologicae certe).
Erklärung: Glaubenswahrheit, welche einstimmig von allen theologischen Schulen anerkannt wird, die von der geoffenbarten Wahrheit herrührt, aber zur Schlußfolgerung mehr als ein Schritt des logischen Schließens benötigt.
Beispiel: Wahre und direkte Kausalität der Sakramente.
Zensur der Verneinung: Leichtsinnig (temeraria).
Auswirkungen der Verneinung: Meistens Todsünde der Vermessenheit.
Bemerkungen: Triftige Gründe können manchmal jemanden von der Todsünde entschuldigen, wenn er genau die gegenteilige Meinung gegen die sichere Meinung untersucht hatte; denn es ist nicht völlig auszuschließen, dass sich alle theologischen Schulen in einer Hinsicht irren, obwohl dies sehr untypisch und unwahrscheinlich hinsichtlich einer sehr wichtigen Annahme wäre.
(h) Theologische   Qualifikation: Behauptung, die zu halten ist (tenenda).
 

Äquivalente Bezeichnung:

Ita tenenda, ut contraria sit temeraria (Dies ist so zu halten, dass der Gegenteil als leichtsinnig erscheint).
Erklärung: Behauptung, welche in den doktrinellen Dekreten der römischen Kongregationen bestätigt wird.
Beispiel: Christus wird nicht sichtbar auf Erden nach der Erscheinung des Antichristen herrschen.
Zensur der Verneinung: Unsicher (incerta)/leichtsinnig (temeraria).
Auswirkungen der Verneinung: Todsünde des Ungehorsams oder auch nur der Unbesonnenheit.
Bemerkung: Äußere Annahme der sententia tenenda ist absolut erforderlich, die innere Annahme ist meistens erforderlich. Obwohl die Dekrete der Kongregationen nicht unfehlbar sind, so verfügen sie über eine wahre Autorität im Bereich der Glaubensdoktrin sowie über eine absichernde Führung des Heiligen Geistes.
(i) Theologische   Qualifikation: Allgemeine, allgemeinere Behauptung (communis, communior).
Erklärung: Solide begründet oder am besten bezeugte theologische Meinung zum Thema.
Beispiel: Der Antichrist wird nicht vom Geschlecht Dan stammen.
Zensur der Verneinung: Keine.
Auswirkungen der Verneinung: Keine.
Bemerkungen: Die Behauptungen der Kategorie allgemein (communis) oder allgemeiner (communior) können irren und daher sind wir nicht verpflichtet ihnen zu folgen. Dennoch zeugt es von Klugheit diese Behaptungen als den allgemeinen theologischen Ansatz anzuerkennen. Es ist zu beachten, dass die allgemeinere  (communior) Meinung weniger anerkannt ist als die allgemeine (communis) Meinung, denn die Letztere setzt eine Übereistimmung der theologischen Schulen voraus.

 

(j) Theologische   Qualifikation: Wahrscheinliche Meinung (probabilis).
Erklärung: Eine theologische Meinung, welche entweder sich auf die inner Konsistenz ihrer Argumente stützt oder auf das äußere Ansehen derjenigen Autorität, welche sie vorstellt.
Beispiel: Judas hat die Hl. Kommunion beim letzten Abendmahl empfangen. Judas hat keine Hl. Kommunion beim letzten Abendmahl empfangen
Zensur der Verneinung: Keine.
Auswirkungen der Verneinung: Keine.

Bemerkung:

Die besser begründete Meinung ist wahrscheinlicher, aber Katholiken können auch die entgegengesetzte Meinung, gleich aus welchem Grunde, annehmen.

 

(k) Theologische   Qualifikation: Fromme Meinung (sententia oder opinio pia).
Erklärung: Eine Lehre, welche nicht theologisch im eigentlichen Sinne ist, aber gut Frömmigkeit und Empfindungen der Gläubigen ausdrückt.
Beispiel: Mutter Gottes ist die Braut des Heiligen Geistes.
Zensur der Verneinung: Skandalös, schlecht klingend, beleidigend für die Ohren der Gläubigen (scandalosa seu male sonans seu offensiva piarum aurium)
Auswirkungen der Verneinung: Keine
Bemerkung: Einem Katholiken ist es erlaubt eine solche Meinung zu haben, aber er braucht es nicht zu tun. Man sollte die gegenteilige Meinung meiden, da sie zum Ärgernis der Schwachen im Glauben führen können.
(l) Theologische   Qualifikation: Sichere Meinung (sententia tuta)
Erklärung: Eine Ansicht, die theologisch schlecht begründet ist, aber welche, wenigstens jetzt, von der Kirche nicht für verdammungswürdig oder würdig einer Zensur gesehen wird.
Beispiel: Scientia media von Molina S.J., d.h. eine der Lösungen des Gnadenstreites.
Zensur der Verneinung: Keine
Auswirkungen der Verneinung: Keine
(m) Theologische   Qualifikation: Tolerierte Meinung (opinio tolerata)
Erklärung:

Eine Meinung, welche völlig falsch sein kann,  welche aber, wenigstens jetzt, von der Kirche nicht für verdammungswürdig oder würdig einer Zensur gesehen wird.

Beispiel: Ruhen im Geist kommt von Gott.
Zensur der Verneinung: Keine
Auswirkungen der Verneinung: Keine

Was bedeuet aber die oben gennante Klassifizierung für den einfachen Gläubigen? Was ist zu glauben und was nicht? Die Verpflichtung zum Glauben sieht wie folgt aus: [2]

Zu glauben unter schwerer Sünde als geoffenbart.

(a)   Dogma De fide
(b)  Glaubenswahrheit der Kirche De fide ecclesiastica definita
(c)   Wahrheit des göttlichen Glaubens De fide divina
(d)  Glaubensnahe Behauptung Sententia fidei proxima

Zu glauben unter schwerer Sünde, was die Kirche zum Glauben vorlegt.

(e)   Theologisch sichere Behauptung Sententia theologice certa
(f)   Katholische Doktrin Doctrina catholica
(g)  Sichere Behauptung Sententia certa
(h)  Behauptung, die zu halten ist Sententia tenenda

Glaubenslehren, die zu ehren und zu respektieren sind.

(i)    Allgemeine Sententia communis
(g) Theologisch sichere Meinung Sententia theologicae certa
(l) Fromme Meinung Sententia/opinio pia

  Diskussion unter Experten ist erlaubt.

(i)              Allgemeinere Sententia communior
(j)    Wahrscheinliche Meinung Sententia probabilis
     Wahrscheinlichere Meinung Sententia probabilior
(k)  Sichere Meinung Sententia tuta
(l)    Tolerierte Meinung Opinio tolerata

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die katholische Theologie, womit wir fast immer die vorkonziliare, traditionelle Theologie meinen, ein höchst präzises System, ein gleichsam vollkommenes Uhrenwerk ist, welches ein ebenfalls präzises Rahmenwerk der theologischen Unterscheidung sichert. Dies bedeutet, dass die Kenntnis der katholischen Theologie und ihrer Gewissheitsgrade die Unterscheidung ermöglicht, was inwieweit rechtgläubig oder häretisch ist. Durch die Anarchie, welches das Vat. II einführte und welche in „Papst“ Franziskus ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden hat, gibt es heutzutage kaum Unterscheidungsmerkmale für Theologen, nicht mal die Worte Christi können als Beweis für irgendetwas dienen, weil man, nach Bultmann und Co., nicht weiß, ob es wirklich ipsissima verba Jesu sind und falls ja, Christus selbst es heute anders gesagt hätte, wie der Jesuitengeneral Sosa neulich meinte. Werden wir denn noch einmal zu diesen schönen scholastischen Unterscheidungen gelangen? Ja, wenn Novus Ordo völlig zusammenbricht und man zum Alten, Funktionierenden und Bewährten zurückkehren wird. Das wird noch etwas dauern. Halten Sie durch!

[1] Nach http://www.the-pope.com/theolnotes.html Vgl. http://monarchieliga.de/index.php?title=Theologische_Zensuren Ott, Ludwig, Grundriss der Dogmatik, Bonn 201011, 35-36.

[2] Nach: http://iteadthomam.blogspot.de/2007/04/fundamental-theology-2-notae-theologic.html

 

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