Notae theologicae oder die dogmatische Gewissheit. (1 von 4) Theologische Lage.


Bonaventura 1

Die vorliegende Beitragsreihe dient als Vorbereitung zu unserer Reihe, in der wir darlegen möchten, warum Bergoglio ein Antipapst ist. Da dies ein theologischer Blog ist, in welchem theologische Fachbegriffe verwendet werden, so müssen diese dem Leser zuerst vorgestellt werden, damit er weiß, was wir meinen. Sie brauchen sich aber, lieber Leser, nicht schlecht zu fühlen, da die u.a. notae theologicae kaum jemand kennen wird, der Theologie studiert und sogar promoviert hat. Ein Professor der Dogmatik an einer deutschsprachigen Universität wird diese Unterscheidung, falls er sie kennt, als einen „unnötigen neuscholastischen Ballast“ empfinden, welcher dem „theologischen Diskurs“, den man „treibt“ im Wege steht. Führen Sie doch ein Experiment durch: lesen Sie die unten angegebenen Tabellen einem promovierten Theologen, sei es in der akademischen Welt oder im Ordinariat vor und beobachten Sie, wie er oder sie aufspringen und zusammenzucken wird. Nein, wir brauchen keine Frösche, um zu experimentieren, wir haben die Theologen des öffentlichen Dienstes, die sich über den Machtverlust der Koalitionsparteien Sorgen machen. Das bedauerliche an der theologischen nachkonziliaren Entwicklung ist dies, dass Lüge oder eine ausgehöhlte, mit Lügen versetzte Wahrheit, niemanden anziehen kann. Es ist die Wahrheit, die etwas Stringentes und Ergreifendes hat, nicht die Lüge. Diese ist ausgelutscht und lasch, wenn Sie an die letzte Predigt, die Sie bei einer Novus Ordo Messe gehört haben, denken. Es ist die Wahrheit, die erleuchtet, doch diese wird uns nirgends mitgeteilt, da, im Falle dass Sie ein akademischer Theologe sind, Sie entweder:

a. ungläubig

oder

b. feige

sind.

Auch in der theologischen Landschaft gilt das Barnhardt-Axiom:

Die Tatsache, dass eine konkrete Person ein hohes öffentliches Amt inne hat oder anstrebt, beweist an sich und durch sich, dass die besagte Person moralisch und/oder psychologisch UNFÄHIG ist, dieses öffentliche Amt zu bekleiden.

Dies kann man daraus ersehen, dass unter den Unterzeichnern des Briefes der 45 sich kein Deutscher einfand, sondern nur zwei Österreicher vom Heiligenkreuz: Prof. Thomas Stark und Pater Edmund Waldstein OCist. Das dem oberen Beitrag beigefügte Bild stellt den hl. Bonaventura, Kirchenlehrer und Kardinal dar, der auch fremde Bücher gelesen hat, um seine eigenen zu schreiben. Mögen die heiligen Theologen uns in unseren Kämpfen eine Hilfe sei. Amen.

Die theologische Lage: zwischen Pest der Unwissenheit und Cholera der gelehrten Häresie

Die große Not der heutigen Kirche besteht darin, dass es keine katholischen Theologen gibt. Bevor jemand protestiert oder uns der Unverschämtheit bezichtigt, indem er auf die vielen theologischen Fakultäten verweist, welche bürstenschnittige Pastoralassistentinnen und verweichlichte Jünglinge, die dann immer doch kein Priester werden, produzieren, wollen wir zuerst bestimmen, was wir unter einem katholischen Theologen verstehen. Wir verstehen darunter jemanden:

  1. der, die katholische Lehre vollumfänglich vertritt und an die Glaubenssätze glaubt, der die traditionelle, d.h. die vorkonziliare Lehre, kennt und diese mit der nachkonziliaren abgleichen kann,
  2. der, die katholische Lehre wissenschaftlich, rational, quellenfundiert und kommunikativ wiedergeben kann,
  3. der keiner Sonderlehre oder theologischen Schule oder Gemeinschaft dermaßen anhängt, dass er außer ihr die Welt nicht sieht.

Ad 1. Kenntnis des depositum fidei

Wenn jemand nach dem Konzil irgendwo auf der Welt katholische Theologie studiert hat, dann betrifft ihn der Punkt 1. Er weiß manchmal Vieles und hält das „konservativ“ Nachkonziliare, wie die allermeisten Neokonservativen, für das eigentlich Katholische, was leider nicht der Fall ist. In dieser Situation befindet sich 99% aller Theologen, womit wir hier alle diejenigen meinen, die wenigstens ein Diplom in der katholischen Theologie erworben haben. Je höher und angesehener die theologische Fakultät, an der man studiert hatte (z.B. Rom), desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass man Häresien wie Amöben verschluckt hat, leider in der Überzeugung wahre katholische Lehre zu assimilieren. In dieser Lage befindet sich 99% der Priester, Bischöfe und Kardinäle.

Ad 2. Fehlendes akademisches Niveau der Frommen

Wissenschaftliches Niveau und Häresie schließen einander nicht aus. Man kann sehr intelligent und verschmitzt Häresien verbreiten, aber auch sehr primitiv und ungekonnt Orthodoxie lehren. Beides ist falsch, Häresie ist zwar immer schlimm, aber durch das höhere Niveau der Häresie schärfen Sie den Verstand ihrer Hörer oder Leser, der irgendwann einmal zum Einsatz kommen wird, da der menschliche Intellekt nach der Wahrheit lechzt, wie der biblische Hirsch nach dem Wasser (Ps 42). Die Chance einer Umkehr bei intelligenten Menschen besteht darin, dass sie irgendwann die Inkonsistenzen und Aporien ihres Lebenswandels oder einer Lehre entdecken werden und vielleicht die Konsequenzen daraus ziehen werden. Wenn man aber zu primitiv argumentiert oder überhaupt keine rationalen Argumente liefert, dann schließt man intelligente Menschen von dem Vortrag aus. Wenn man aber keine Intelligenten hat, dann wird der Glaube weder verteidigt noch untermauert werden. Menschen verlassen theologische Fakultäten oder traditionelle Seminare oft aus denselben Gründen: sie bekommen keinen intellektuellen Glaubensunterricht. Auf der Fakultät ist es zu widersprüchlich und zu nebulös, an einem FSSPX oder vielleicht auch an einem Ecclesia Dei-Seminar ist es zu wenig rational untermauert, weil

„der Professor immer recht hat, die Oberen ohnehin, und falls man nicht spurt wird man nicht geweiht oder herausgeschmissen“,

siehe die leidvollen Piuserinnerungen von zelozelavi.[1] Man kann durchaus über seine Lehrer später hinauswachsen, aber das erste Fundament zählt und trägt lange, bevor man selbst intellektuell mündig wird. Wenn man aber ausschließlich Dozenten unterrichten lässt, die nicht in der Lage waren irgendwo akademische Grade zu erwerben, dann werden die Studierenden eine bestimmte akademische Qualität nicht erreichen. Ja, es ist der Dirigent, der ein Orchester oder einen Chor ausmacht. Stellt man aber die Frage:

„Wo kann man noch studieren, wenn überall Häretiker unterrichten?“

dann schließt sich leider der Kreis, weil es keine oder so gut wie keine Hochschulen mit einem akademischen Niveau und orthodoxer Lehre gibt. Sie dürfen ja am Vat. II nicht rütteln, mit dem die ganze Misere angefangen hat.

Ad 3. Theologenmeinung, Schulmeinung oder doch katholisch

Aufgrund der Punkte 1. und 2. ist es leider der Fall, dass die meisten frommen Katholiken oder Blogger keine studierte Theologen sind. Sie können demzufolge aufgrund ihrer fehlenden Bildung manches nicht richtig darstellen oder in bestimmte Bereiche tiefer vordringen. Viele Nicht-Theologen wissen auch nicht, dass auf den unteren Graden der theologischen Verbindlichkeit, die wir im Nachfolgenden darlegen werden, man durchaus anderer Meinung sein kann, ohne gleich in Häresie zu verfallen. Manchmal ist es wirklich der Fall, dass die Kirche etwas sagt und dies verbindlich ist, aber nicht immer. Lebt man in einer Gemeinschaft und wird dort unterrichtet wird, so eignet man sich oft unbewusst die Meinung seines Professors oder seines Ordens an und sieht diese als die eigentlich katholische an. Insbesondere ist diese Einstellung bei Sedisvakantisten oder bei den FSSPX-Leuten anzutreffen. Ipse dixit – „er selbst hat es gesagt“, reicht als Argument völlig aus. Dies ist nichts Ungewöhnliches, denn am Anfang des Glaubensweges glaubt man Autoritäten oder denen, die man dafür hält, bevor man selbst in der Lage sein wird es zu überprüfen. Verbleibt man aber sein ganzes Leben lang innerhalb einer Gemeinschaft oder eines Milieus, so kann es durchaus passieren, dass man eine bloße Schulmeinung für die katholische Lehre auslegt.

[1] https://zelozelavi.wordpress.com/ Z.B. https://zelozelavi.wordpress.com/2016/03/03/der-gruender-und-seine-vorsehung/  https://zelozelavi.wordpress.com/?s=Priester

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4 Gedanken zu “Notae theologicae oder die dogmatische Gewissheit. (1 von 4) Theologische Lage.

  1. Es ist schon sehr lange her, möglicherweise in den 90ziger Jahren des letzten Jahrhunderts habe ich einen Bericht eines evangelischen Pastors entweder im TV oder im Radio gehört. Ich weiß es nicht mehr genau.
    Er sprach das er bei Beginn seines Thelogiestudiums in den 20ziger Jahren des letzten Jahrhunderts gedacht hat das die Professoren die damals lehrten alle ihren Glauben verloren hätten. Aber nach einer gewissen Zeit habe er festgestellt das es nicht so war und er dann von der Stärke ihres Glauben begeistert war. Vor einigen Jahren war ich in einem Franziskanerkloster. Dort predigte ein Franziskaner über seinen Werdegang. Er sagte das gleich am Anfang ihres Studiums die Professoren sagten „Wenn ihr uns hört dann denkt ihr das wir vom Glauben abgefallen sind“. Aber so sagte der Franziskaner, nach einer gewissen Zeit habe ich verstanden wie tief ihr Glauben ist. Ich denke das beim evangelischen Pastor der erste Eindruck der richtige war und ich denke das die Theologieprofessoren bei den Franziskanern gleich am Anfang die Wahrheit gesagt haben.

    „Die Chance einer Umkehr bei intelligenten Menschen besteht darin, dass sie irgendwann die Inkonsistenzen und Aporien ihres Lebenswandels oder einer Lehre entdecken werden und vielleicht die Konsequenzen daraus ziehen werden.“
    Aber wehe ihnen wenn sie die Menschen die nicht den Intellekt haben um umzukehren ihren Glauben abgeschossen haben. Ihr modernen Theologen nehmt euch in Acht.
    Per Mariam ad Christum.

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    1. @ Shuca
      Stimmt nicht, wie Außen so Innen. So reden sich die Unfrommen raus: „Wir sind sehr fromm, nur ihr könnt es nicht sehen“. Des Kaisers neue Kleider. Ein nach außen völlig korrodiertes Auto ist auch nicht im Innern intakt, oder? Nicht drauf reinfallen.

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      1. Ich bin nicht richtig verstanden worden, liegt wahrscheinlich an meinen Text.
        Ich wollte sagen, beide sind bei ihren Theologen an Irrlehrern geraten.
        Pei Mariam ad Christum.

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  2. Diesen Wiederspruch in den Aussagen verstehe ich ehrlich gesagt nicht und die Realität in Kirche und Gesellschaft sprechen auch eine andere Sprache.
    Der Glaube muß demnach so tief sein,das man ihn nicht mehr wahrnehmen kann!?
    Und woran konkret ist dieser angeblich „tiefe Glaube“ zu erkennen !?
    Bei intelligenten Menschen sehe ich eher eine Gefahr für den Glauben, denn Intelligenz kann schnell hochmütig machen,im Vertrauen auf die eigene „Schlauheit“ und das man alles besser versteht als andere Menschen.
    „Ihr werdet sein wie Gott“ dürfte wohl eher die Hochintelligenten reizen als die träge Masse,die nur ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen sucht.

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