Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe


Evangelium des sechsten Sonntags nach Pfingsten

Mk 8, 1 – 9

In jenen Tagen war wieder eine große Volksschar zusammen und hatte nichts zu essen. Da rief er seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen. „Mich erbarmt des Volkes; schon drei Tage harren sei bei mir aus und haben nichts zu essen. Wenn ich sie hungrig nach Hause gehen lasse, so brechen sie unterwegs zusammen; denn manche von ihnen sind weit hergekommen.“ Seine Jünger erwiderten ihm: „Woher soll jemand hier in der Wüste Brot nehmen, um sie zu sättigen?“ Er fragte sie: „Wieviel Brote habt ihr?“ Sie antworteten: „Sieben.“ Nun hieß er das Volk sich auf dem Boden lagern. Dannn nahm er die sieben Brote, dankte, brach sie und gab sie seinen Jüngern, sie sollten sie dem Volke vorsetzen. Und sie setzten sie vor. Sie hatten auch einige Fischlein. Er segnete sie und ließ sie vorsetzen. Und sie aßen und wurden satt. Von den Stücklein, die übriggeblieben waren, hoben sie noch sieben Körbe auf. Es waren gegen viertausend (die gegessen hatten). Und er entließ sie.

Betrachtung zum Evangelium des sechsten Sonntags nach Pfingsten

Was Jesus bei der Speisung von viertausend Menschen mit sieben Broden und etlichen Fischen gethan hat, ist ein großes Wunder. Aber verdient das wohl weniger unsere Verwunderung und unsern Dank, was Gott täglich vor unsern Augen thut? Speist er nicht täglich Millionen Menschen? Vermehrt er das Brod nicht auch auf unsern Feldern?

Wenn gleich unser tägliches Brod auf dem Felde zuweilen in Gefahr kommt, so wollen wir doch auf Gottes weise Vorsehung stets vertrauen, mit Zuversicht von ihr alles Gute erwarten! Jesus belohnte die Sorge des Volkes für geistliche Nahrung auch mit Herbeischaffung der leiblichen und erfüllte jetzt, was er verheissen hatte: „Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit; das Übrige soll euch als eine Zugabe ertheilet werden.“ Vervollkommnung des Geistes und Tugend sey immer unsere erste vorzüglichste Sorge; für den leiblichen Unterhalt wollen wir mäßig sorgen. Erfüllen wir unsere Berufspflichten fleißig und gewissenhaft und bitten wir dabei Gott um seinen Segen; so wird er uns immer so viel zukommen lassen, als wir zur Bestreitung unserer wahren Bedürfnisse nöthig haben.

Kirchengebet

O Gott! von dem alle Kraft und alles Gute herkommt, flöße unsern Herzen die Liebe deines Namens ein; laß alles Gute an deiner Gnade Nahrung und an unserm Eifer Haltung finden! Amen.

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