Eugenie Roth, Das Mantilla-Experiment (1 von 4)


Mantilla with me

Mantillageschichten

Wir sind dazu übereingekommen unserer Mitarbeiterin Eugenie Roth in einem polnischen online-shop zwei Mantillas zu kaufen, eine braune für die Advents- und Fastenzeit und die gewöhnlichen Sonntage und eine weiße für die hohen Feste, die Weihnachts- und Osterzeit. Ja, soviel Liturgie muss sein! Eugenie Roth sollte das Mantilla-Experiment absolvieren und ihre Eindrücke des Selbstversuchs dokumentieren. Hier sind sie: ehrlich und frisch. Sicherlich werden sich viele Leserinnen und wie wir hoffen künftige Mantilla-Trägerinnen damit identifizieren können. Es bleibt an dieser Stelle zu sagen:

Wenn Sie etwas selbstbewußt genug tragen, dann werden es die Menschen nach einer Zeit akzeptieren, es als normal empfinden und sich nach einiger Zeit die Frage stellen, warum sie selbst es nicht tragen.

Die Tugend des Muts kann man nur bei Widerständen gewinnen und das Leben ist halt ein Kampf. Die Mantilla ist ein Sakramentale, sie ärgert den Teufel und würden Sie einen Bottich bei der Heiligen Messe auf dem Kopf tragen, wohlgemerkt zu einer Lederjacke und Springerstiefel, so würde diese Aufmachung die Menschen weniger stören als eine Mantilla, vor allem die Frauen. Es gibt eine Comic-Geschichte vom Häger dem Schrecklichen, wo Häger, Helga – seine Frau – und sein Freund Sven Karten spielen.

„Ich habe einen König“, sagt Sven, „ich gewinne.“

„Pech gehabt“, sagt Helga, „ich habe eine Dame!“

„Wenn Helga mitspielt, schlägt die Dame alles“, erläutert Häger.

Und in diesem Sinne: Durchhalten!

Tag 1:

Die Mantillas sind da! Eine braune für den „Alltag“, eine weiße für die kirchlichen Feiertage, so hatte ich mir das gedacht. Vorschriften dazu gibt es nicht. Ich zeige sie einem Bekannten, der von Beruf Schneider ist. Die Qualität sei sehr gut, meint er. Zu Hause werden sie fotografiert und wieder in die Schutzhüllen gesteckt. Nun warte ich auf den einen Tag im Monat, an dem Kerzen und Sakramentalien geweiht werden. Ich nehme mir vor, die Mantillas am großen Feiertag in einigen Wochen das erste Mal zu tragen. Der Anblick meines Gesichtes, umrahmt von einer Mantilla, wird ungewohnt sein, ich muss mich erst an den Gedanken gewöhnen. Nein, ich setze sie mir nicht auf den Kopf. Heute noch nicht. Wenn sie geweiht sind, werde ich sie meiner Nachbarin zeigen, die hat einen guten Geschmack und kann mir sicherlich sagen, wie ich sie am besten aufsetze. Für so etwas habe ich keinen Blick und bei ihr bin ich sicher, keinen unangenehmen Kommentar zu hören, denn sie ist nicht katholisch und steht dem allem neutral gegenüber.

Tag 2:

Ich frage meine Freundin aus dem Osten (auch katholisch wie ich), ob sie gewohnt ist, eine Mantilla zu tragen. Ja, sagt sie, bei Ihnen zu Hause ist das selbstverständlich, und wenn hier Gottesdienst in der Muttersprache ist, setzt sie diese auch auf. Nein, nicht in den deutschen Gottesdiensten, die sie sonst besucht, da bleibt die Mantilla zu Hause. …  Ob ich ihr denn zeigen könne, wo man Mantillas kaufen kann, sie möchte gerne noch eine haben. Als ich ihr im Internet die Mantillas zeige, die ich geschenkt bekam (ohne dies zu erwähnen), sagt sie, nein solche Mantillas möchte sie nicht, die sind ihr zu billig (pro Stück deutlich weniger als 20 € umgerechnet), sie hat eine solche (vergleichbare, hat wohl an die 100 € gekostet), und so eine ähnliche möchte sie sich noch kaufen. – So viel Geld möchte sie dafür ausgeben? Ja, denn so etwas kauft man nur einmal und schließlich ist das für Gott! – Ob ich eine Mantilla habe? Ich weiche aus und sage, dass mir ein Freund die Links geschickt hat, über die wir auf die Seiten gekommen sind. Ich möchte sie überraschen.

Schon vor einiger Zeit habe ich sie eingeladen, mit mir in die TLM zu gehen, nun sagt sie mir zu, dass sie übernächsten Sonntag mit mir gehen wird. Nächsten Sonntag ist Gottesdienst in der Muttersprache, den besucht sie natürlich lieber … und da tragen alle Frauen eine Mantilla, wie sie das von zu Hause gewöhnt ist.

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