Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe


A 4158

Evangelium des heiligen Freitags

 Leidensgeschichte nach Johannes (18, 1-40 19, 1-42)

+ bedeutet Christus, C (Cantor, Chronista) den Erzähler, S (Succentor) die übrigen sprechenden Personen

C Das Leiden unsres Herrn Jesus Christus nach Johannes. In jener Zeit begab sich Jesus mit seinen Jüngern über den Bach Cedron. Hier war ein Garten, in den Er mit Seinen Jüngern hineinging. Auch Judas, Sein Verräter, kannte den Ort; denn Jesus war oft mit Seinen Jüngern dorthin gekommen. Judas nahm nun eine Abteilung Soldaten und Diener von den Hohenpriestern und Pharisäern und begab sich dorthin mit Laternen, Fackeln und Waffen. Jesus, der alles wußte, was über Ihn kommen sollte, trat ihnen entgegen und sprach: † «Wen suchet ihr?» C Sie antworteten: S «Jesus von Nazareth.»  C Jesus erwiderte ihnen: † «Ich bin es.» C Judas, der Verräter, stand bei ihnen. Als nun Jesus zu ihnen sprach: «Ich bin es», da wichen sie zurück und fielen zu Boden. Er fragte sie wiederum: † «Wen suchet ihr?» C Sie sagten: S «Jesus von Nazareth.» C Jesus antwortete: † «Ich habe es euch gesagt, Ich bin es; wenn ihr also Mich suchet, dann lasset diese gehen!» C So sollte das Wort erfüllt werden, das Er gesprochen: «Von denen, die Du Mir gegeben hast, habe Ich keinen verloren.» Simon Petrus aber zog das Schwert, das er bei sich hatte, schlug auf den Knecht des Hohenpriesters ein und hieb ihm das rechte Ohr ab. Der Name des Knechtes war Malchus. Da sprach Jesus zu Petrus: † «Stecke dein Schwert in die Scheide. Soll Ich den Kelch, den Mir der Vater gegeben hat, nicht trinken?»  C Die Wache, der Hauptmann und die Diener der Juden ergriffen nun Jesus und banden Ihn. Sie führten Ihn zunächst zu Annas. Dieser war der Schwiegervater des Kaiphas, der in jenem Jahre Hoherpriester war. Kaiphas aber war es gewesen, der den Juden den Rat gegeben hatte: «Es ist besser, wenn ein Mensch für das Volk stirbt.» Simon Petrus und der andere Jünger (Johannes) folgten Jesus nach. Jener Jünger war mit dem Hohenpriester bekannt und gelangte so mit Jesus in den Vorhof des Hohenpriesters. Petrus aber stand draußen vor der Türe. Da ging der andere Jünger, der dem Hohenpriester bekannt war, hinaus, redete mit der Türhüterin und führte auch den Petrus hinein. Da sprach das Mädchen, das die Türe hütete, zu Petrus: S «Bist nicht auch du einer von den Jüngern dieses Menschen?»  C Er antwortete:  S «Nein.» C Die Knechte und die Diener standen um ein Kohlenfeuer und wärmten sich; denn es war kalt. Auch Petrus trat zu ihnen und wärmte sich. Der Hohepriester fragte nun Jesus über Seine Jünger und Seine Lehre. Jesus antwortete ihm: † «Ich habe öffentlich vor aller Welt geredet. Ich habe immer in der Synagoge und im Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammenkommen, und habe nichts im Verborgenen geredet. Was fragst du Mich also? Frage die, welche Mich gehört haben; sie wissen, was Ich zu ihnen geredet habe.» C Bei diesen Worten gab einer von den Dienern, der dabeistand, Jesus einen Backenstreich und sagte: S «So antwortest Du dem Hohenpriester?» C Jesus erwiderte ihm: † «Habe Ich unrecht geredet, so beweise Mir das Unrecht; habe Ich aber recht geredet, warum schlägst du Mich?» C Annas schickte Ihn nun gebunden zum Hohenpriester Kaiphas. Simon Petrus stand immer noch da und wärmte sich. Da sprachen sie zu ihm: S «Bist nicht auch du einer von Seinen Jüngern?» C Er leugnete es und sprach: S «Ich bin es nicht.» C Nun sagte einer von den Knechten des Hohenpriesters, ein Verwandter dessen, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte, zu ihm: S «Hab’ ich dich nicht im Garten bei Ihm gesehen?» C Petrus leugnete abermals, und sogleich krähte der Hahn.  Sie führten nun Jesus von Kaiphas weg in das Gerichtshaus (in die Residenz des Landpflegers). Es war frühmorgens. Sie selbst gingen nicht ins Gerichtshaus hinein, um nicht unrein zu werden (durch das Betreten der Wohnung eines Heiden) und das Osterlamm noch essen zu können. Pilatus ging daher zu ihnen hinaus und fragte sie: S «Welche Anklage habt ihr wider diesen Menschen?» C Sie antworteten ihm: S «Wäre Dieser kein Missetäter, so hätten wir Ihn dir nicht überliefert.» C Pilatus sprach zu ihnen: S «Nehmt ihr Ihn hin und richtet Ihn nach eurem Gesetz.» C Die Juden erwiderten: S «Uns ist es nicht erlaubt, jemand zu töten.» C So sollte das Wort Jesu erfüllt werden, mit dem Er die Art Seines Todes angedeutet hatte. Pilatus ging wieder ins Gerichtshaus hinein, ließ Jesus vorführen und fragte Ihn: S «Bist Du der König der Juden?» C Jesus antwortete: † «Sagst du das aus dir selbst, oder haben es dir andere von Mir gesagt?” C Pilatus erwiderte: S «Bin ich denn ein Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben Dich mir überliefert. Was hast Du getan?» C Jesus antwortete: † «Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wenn Mein Reich von dieser Welt wäre, so würden gewiß Meine Diener für Mich streiten, und Ich wäre nicht den Juden ausgeliefert worden. Nun aber ist Mein Reich nicht von hier.” C Da sprach Pilatus zu Ihm: S «Also bist Du doch ein König?” C Jesus antwortete: † «Ja, Ich bin ein König. Dazu bin Ich geboren und in die Welt gekommen, daß Ich für die Wahrheit Zeugnis gebe. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf Meine Stimme.” C Pilatus sprach zu Ihm: S «Was ist Wahrheit?” C Nach diesen Worten ging er wieder zu den Juden hinaus und sprach zu ihnen: S «Ich finde keine Schuld an Ihm. Es ist aber Brauch bei euch, daß ich euch zum Osterfest einen freigebe. Wollt ihr nun, dass ich euch den König der Juden freigebe?» C Da schrien sie alle: S «Nicht Diesen, sondern Barabbas!» C Barabbas aber war ein Räuber. Jetzt ließ Pilatus Jesus ergreifen und geißeln. Die Soldaten flochten eine Krone von Dornen und setzten sie Ihm aufs Haupt; sie legten Ihm einen Purpurmantel um, traten vor Ihn hin und höhnten: S «Sei gegrüßt, König der Juden!” Dann gaben sie Ihm Backenstreiche. Pilatus ging nun abermals hinaus und sprach zu ihnen: S «Seht, ich führe Ihn heraus zu euch, damit ihr erkennet, daß ich keine Schuld an Ihm finde.» C (Jesus ging hinaus und trug die Dornenkrone und den Purpurmantel.) Da sprach er zu ihnen: S «Sehet, welch ein Mensch!» C Als die Hohenpriester und Diener Ihn sahen, schrien sie: S «Kreuzige, kreuzige Ihn!» C Pilatus sprach zu ihnen: S «Nehmt ihr Ihn hin und kreuzigt Ihn; ich finde keine Schuld an Ihm.” C Die Juden erwiderten: S «Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz muß Er sterben; denn Er hat Sich selbst zum Sohne Gottes gemacht.» C Als nun Pilatus diese Worte hörte, fürchtete er sich noch mehr. Er ging dann ins Gerichtshaus hinein und fragte Jesus: S «Woher bist Du?» C Jesus gab ihm keine Antwort mehr. Da sprach Pilatus zu Ihm: S «Mir antwortest Du nicht? Weißt Du nicht, daß ich die Macht habe, Dich zu kreuzigen, und die Macht habe, Dich freizugeben?» C Jesus antwortete: † «Du hättest keine Macht über Mich, wenn sie Dir nicht von oben gegeben wäre. Darum hat der, welcher Mich dir überlieferte, eine größere Schuld.» C Von nun an suchte Pilatus Ihn freizugeben. Die Juden aber schrien: S «Wenn du Diesen freigibst, bist du kein Freund des Kaisers; denn jeder, der sich zum König macht, widersetzt sich dem Kaiser.» C Als Pilatus diese Worte gehört hatte, ließ er Jesus hinausführen und setzte sich auf den Richterstuhl, an den Ort, der Lithostrotos (Steinpflaster), auf hebräisch Gabbatha, heißt. Es war der Rüsttag (Vortag) des Osterfestes, ungefähr um die sechste Stunde. Er sprach nun zu den Juden: S «Seht, euer König!» Sie schrien: S «Hinweg! Kreuzige Ihn!« C Pilatus sprach zu ihnen: S «Euren König soll ich kreuzigen?» C Die Hohenpriester antworteten: S «Wir haben keinen König als den Kaiser!» C Da übergab er ihnen Jesus zur Kreuzigung. Sie nahmen Ihn nun und führten Ihn hinaus. Er trug Sein Kreuz und ging hinaus an den Ort, den man Schädelstätte nennt, auf hebräisch aber Golgotha. Dort kreuzigten sie Ihn, und mit Ihm noch zwei andere, rechts und links, Jesus aber in der Mitte. Pilatus hatte auch eine Inschrift schreiben und oben ans Kreuz heften lassen. Sie lautete: «Jesus von Nazareth, König der Juden.» Diese Inschrift lasen viele Juden; denn der Ort, wo Jesus gekreuzigt wurde, lag nahe bei der Stadt. Sie war hebräisch, griechisch und lateinisch geschrieben. Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: S «Schreibe nicht: König der Juden, sondern, daß Er selbst behauptete: Ich bin der König der Juden.” C Pilatus erwiderte: S «Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.” C Nachdem nun die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie Seine Kleider und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen Teil, dazu noch den Leibrock. Der Leibrock war ohne Naht, von oben bis unten in einem Stücke gewebt. Daher sprachen sie: S «Wir wollen ihn nicht zerschneiden, sondern das Los über ihn werfen, wem er gehören soll.» C So erfüllte sich die Schrift, die sagt: «Sie haben Meine Kleider unter sich geteilt und über Mein Gewand das Los geworfen.” So taten also die Soldaten. Bei dem Kreuze Jesu standen aber Seine Mutter und die Schwester Seiner Mutter, Maria, die Frau des Kleophas, und Maria Magdalena. Als Jesus Seine Mutter und den Jünger, den Er liebte, stehen sah, sprach Er zu Seiner Mutter: † «Frau, siehe da deinen Sohn!» C Hierauf sprach Er zu dem Jünger: † «Siehe da deine Mutter!» C Von dieser Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. Da Jesus wußte, daß alles vollbracht sei, sprach Er, auf daß die Schrift erfüllt werde: † «Mich dürstet!» C Es stand aber ein Gefäß voll Essig da. Sie füllten einen Schwamm mit Essig, steckten ihn auf einen Ysopstengel und hielten ihn an Seinen Mund. Als Jesus den Essig genommen hatte, sprach Er: † «Es ist vollbracht!» C Dann neigte Er das Haupt und gab den Geist auf.Alle knien nieder und gedenken des Erlösertodes unseres Herrn.Damit die Leichname nicht über den Sabbat am Kreuze verblieben, baten die Juden den Pilatus, er möge ihnen die Beine zerbrechen und sie abnehmen lassen. (Es war nämlich Rüsttag, und der folgende Sabbat war großer Festtag – weil dieser Sabbat schon in die Osterwoche fiel) So kamen denn die Soldaten und zerschlugen dem ersten die Gebeine und auch dem andern, der mit ihm gekreuzigt ward. Als sie aber zu Jesus kamen, sahen sie, daß Er schon tot war; sie zerschlugen Ihm daher die Gebeine nicht, sondern einer der Soldaten öffnete Seine Seite mit einer Lanze, und sogleich floß Blut und Wasser heraus. Der dies gesehen hat, legt Zeugnis ab, und sein Zeugnis ist wahr. Und er weiß, dass er die Wahrheit sagt, damit auch ihr glaubt. Denn das ist geschehen, damit die Schrift erfüllt werde: «Ihr sollt an Ihm kein Bein zerbrechen.» Und wiederum sagt ein anderes Schriftwort: «Sie werden auf Den schauen, den sie durchbohrt haben.» Hierauf bat Joseph von Arimathäa (der ein Jünger Jesu war, freilich nur im geheimen, aus Furcht vor den Juden) den Pilatus, daß er den Leichnam Jesu abnehmen dürfe. Pilatus erlaubte es. Er ging also hin und nahm den Leichnam Jesu ab. Auch Nikodemus kam dazu, der einst bei Nacht zu Jesus gekommen war; er brachte eine Mischung von Myrrhe und Aloe, gegen hundert Pfund. Sie nahmen den Leichnam Jesu und wickelten Ihn samt den Spezereien in linnene Tücher, so wie es bei den Juden Begräbnissitte ist. An dem Ort, wo Er gekreuzigt wurde, war ein Garten, und in dem Garten ein neues Grab, in das noch niemand gelegt worden war. Dorthin trugen sie Jesus wegen des Rüsttags der Juden; denn das Grab war ganz in der Nähe.

Gebet

Der heilige Freitag.

Allmächtiger Vater! sieh vom hohen Himmel herab auf deinen Eingebornen, duldenden, geliebtesten Sohn, unter welchen Schmerzen Er am Kreuz gehangen; wie Er sein kostbares Blut für

die Sünden der Menschen so reichlich vergossen hat. Sieh sein heiliges Haupt, o Vater! wie es mit Dornen durchstochen, vor Schmerzen ohnmächtig gesenket! Sieh, wie sein freundliches Angesicht zerschlagen ist; sieh seine eingesunkenen Augen, seine zerrissenen Wangen; seine Haare sind zerrauft, Arme ausgespannt, seine Brust verwundet, seine Hände und Füße mit Nägeln durchgraben!

Erinnere Dich dieses schrecklichen Leidens deines Eingebornen, o gütigster Vater! und gedenke, daß dieses dein lieber Sohn sey, an dem Du von Ewigkeit her dein Wohlgefallen hattest. Er hat alles für uns gethan. Ihn und den unendlichen Werth seines Leidens opfere ich Dir zur Genugthuung aller meiner begangenen Missethaten und der dadurch verdienten Strafen auf. Nimm dieses theuere Opfer mit meiner Reue huldreich an, und erbarme Dich meiner, daß ich der Sünde absterbe, der Gerechtigkeit lebe und so selig werde! Amen.

Der Psalm Miserere

Sieh, mein Elend, Gott! erbarme Dich,

und erlöse

nach der Größe

deiner Vaterliebe mich!

Laß mich, Herr! bei deiner Vaterhuld

für die Sünden

Gnade finden;

Vater, tilge meine Schuld!

Wasch mich rein von meinem Aussatz, Herr!

daß verschwinden

meine Sünden!

Wasch mich immer mehr und mehr!

Tief empfind‘ ich meiner Sünden Last,

muß gestehen

mein Vergehen,

finde nimmer Ruh noch Rast.

Ach, Gott habe ich, ich Bösewicht!

Gott beleidigt!

So vertheidigt

selbst der Sünder dein Gericht.

Doch Du weißt, daß ich als Sünder ward;

daß die Sünde

mit dem Kinde

sich im Mutterleib gepaart.

Denn Du läß’st, was sonst dein Siegel deckt,

mich verstehen;

läß’st mich sehen

Wahrheit, die im Dunkeln steckt.

O daß mich dein Hysop reinige

von den Flecken,

die mich decken,

daß ich werde weiß, wie Schnee.

Sprich nur: Ja, dieß frohe Ja zu mir!

Sprich! und meine

morschen Beine

leben auf und jauchzen Dir.

Herr, steh nicht auf meine Missethat

und entbinde

mich der Sünde,

die mich schwer belastet hat!

Schaff, o Gott! ein reines Herz in mir,

einen neuen,

festen, treuen

Geist erfleh‘ ich mir von Dir.

Stoß, mein Gott! ach stoß mich nicht von Dir!

Sieh mich weinen,

nimm nicht deinen

guten heil’gen Geist von mir!

Laß, was deine Vaterliebe thut,

mit Entzücken

mich erblicken,

stärke mich mit Kraft und Muth.

Sündern will ich dann ein Beispiel seyn.

Dann verlassen

ihre Strassen

sie und werden Dir sich weih’n.

Laß, mein Gott! für fremdes Blut mich nicht

Rach‘ empfinden;

laß verkünden

mich dein gnädiges Gericht!

Herr! eröffne deines Knechtes Mund,

und es werden

fernen Erden

deine Thaten durch mich kund.

Wenn es Dir gefiele, wollt‘ ich gern

Opfer schlachten;

doch dieß achten

nicht die Äugen meines Herrn.

Ihm gefällt der Geist der Demuth mehr;

fromme Herzen

und die Schmerzen

wahrer Reue liebet Er.

Herr, beweise deine Huld in dem,

daß wir sehen,

wiederstehen

Mauern um Jerusalem!

Jeder bringt dann sein Opfer dar,

Dich zu ehren;

dann beschweren

fette Rinder den Altar.

Gebet.

Wir bitten Dich, Herr! sieh gnädig auf diese deine Gemeinde herab, für die dein Eingeborner Sohn Jesus starb, und errette uns aus diesem Jammerthale. Amen.

Kirchengebet

, während der Priester für alle Stände der ganzen

Kirche betet.

Lasset uns beten für die Kirche Gottes um Frieden und Eintracht! Lasset uns beten für unsern Papst, für alle Bischöfe, Priester, Diakone, Subdiakone, Akolythen, Exorzisten, Lektoren, Ostiarier, Bekenner, Jungfrauen, Wittwen und alle Heiligen Gottes! Lasset uns beten für alle christlichen Regenten und Obrigkeiten! Lasset uns beten für uns’re Catechumen! Lasset uns beten, daß Gott die Welt von allen Irrthümern reinige, die Krankheiten heile, Hunger und Theuerung abwende, die Kerker öffne, die Bande auflöse, den Reisenden eine glückliche Heimkunft, den Kranken Wiedergene-sung, den Schiffenden einen sichern Hafen verleihe! Lasset uns beten für die von uns im Glauben getrennten Brüder! Lasset uns beten für die Juden und Heiden, auf daß Gott, unser Herr, den Schleier von ihren Herzen nehme, damit auch sie Jesum Christum erkennen mögen! Amen.

Während der Anbetung des Kreuzes.

(Vorbeter:) Mein Volk, was that Ich dir, oder wie habe Ich dich betrübet? Antworte mir!

Ich habe dich aus Aegypten geführt, und du hast deinen Heiland an’s Kreuz genagelt.

(Volk:) Heiliger Gott, erbarme Dich unser!

(Vb.) Vierzig Jahre führte Ich dich durch die Wüste, Ich nährte dich mit Manna; Ich führte dich in ein schönes und fruchtbares Land; und du hast deinen Retter gekreuziget.

(V.) Heiliger Gott, erbarme Dich unser!

(Vb.) Was sollte Ich dir noch weiter thun, und was that Ich nicht? Ich pflegte dich als meinen herrlichsten Weinberg, und du, du hast Mich mit Bitterkeit überhäuft; denn mit Essig tränktest du Meinen Durst, und durchbohrtest die Brust deines Erlösers mit einer Lanze!

(V.) Heiliger Gott, erbarme Dich unser!

(Vb.) Wegen deiner geißelte Ich Aegypten und seine Erstgeburt; und du hast Mich gegeißelt, hast Mich in die Hände meiner Feinde zum Tode hingegeben.

Mein Volk, was that Ich dir? Oder wo habe Ich dich betrübet? Antworte mir!

(V.) Heiliger Gott, erbarme Dich unser!

(Vb.) Ich führte dich aus Aegypten, versenkte den Pharao in das rothe Meer; und du hast Mich den hohen Priestern überliefert. Mein Volk, was that Ich dir? u. s. w.

(V.) Heiliger Gott, erbarme Dich unser!

(Vb.) Ich öffnete das Meer, theilte die Fluth vor dir; und du öffnetest meine Seite mit einer Lanze. — Mein Volk, was that Ich dir? u.s.w.

(V.) Heiliger Gott, erbarme Dich unser!

(Vb.) In der Wolkensäule ging Ich her vor dir, und du hast Mich in den Gerichtshof des Pilatus geführt.

Mein Volk, was that Ich dir ? u.s.w.

(V.) Heiliger Gott, erbarme Dich unser!

(Vb.) Ich stärkte dich in der Wüste mit Manna; du hast aber Mich mit Backenstreichen und Geiseln mißhandelt.

Mein Volk u. s. w.

(V.) Heiliger Gott, erbarme Dich unser!

(Vb.) Aus der Felsenquelle tränkte Ich dich mit heilsamem Wasser; du aber hast Mich mit Galle und Essig getränkt.

Mein Volk u. s. w.

(V.) Heiliger Gott, erbarme Dich unser!

(Vb.) Für dich erschlug Ich die Könige der Chananäer; und du hast mein Haupt mit einem Rohr geschlagen.

Mein Volk u. s. w.

(V.) Heiliger Gott, erbarme Dich unser!

(Vb.) Ich gab dir den königlichen Scepter, du aber hast eine Dornenkrone auf mein Haupt gesetzt.

Mein Volk u. s. w.

(V.) Heiliger Gott, erbarme Dich unser!

(Vb.) Ich habe dic mit großer Kraft erhöhet; und du hast Mich an den Galgen des Kreuzes aufgehängt.

Mein Volk u. s. w.

(V.) Heiliger Gott, erbarme Dich unser!

(Vb.) Herr! wir verehren dein Kreuz in tiefer Ehrfurcht; wir loben und preisen deine heilige Auferstehung; denn sieh, das Holz hat Freude verbreitet über die ganze Welt!

(V.) Gott, sey uns gnädig und segne uns!

Er lasse sein heiliges Angesicht über uns leuchten!

Erbarme, erbarme Dich unser! Amen.

Joseph nahm den Leichnam Jesu, wickelte ihn in feine Leinwand und legte ihn in ein neues Grab.“ Matth. 27, 58— 59.

Seyd ihr mit Christus gleichsam begraben worden, so trachtet mit Ihm auch aufzustehen und in einem neuen, bessern Leben zu wandeln.“ Röm. 6, 14.

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