Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe


A 4158

Evangelium des grünen Donnerstags

Joh 13, 1 – 15

Es war vor dem Osterfeste. Da Jesus wusste, dass für ihn die Stunde gekommen war, aus dieser Welt zum Vater zu gehen, und da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, so liebte er sie bis ans Ende.

Es war beim Abendmahle. Schon hatte der Teufel dem Judas Iskariot, dem Sohne Simons, den Entschluss ins Herz gelegt, ihn zu verraten. Obwohl Jesus sich bewusst war, dass der Vater ihm alles in die Hände gegeben hatte, dass er von Gott ausgegangen war und wieder zu Gott zurückkehrte, erhob er sich vom Mahle, legte sein Obergewand ab, nahm ein Linnentuch und umgürtete sich damit. Dann goss er Wasser in ein Becken und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und sie mit dem Linnentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war. So kam er zu Simon Petrus. Dieser sprach zu ihm.: Herr, du willst mir die Füße waschen?“ Jesus antwortete ihm: „Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht, du wirst es aber später verstehen.“ Petrus erwiderte ihm: „In Ewigkeit sollst du mir die Füße nicht waschen!“ Jesus entgegnete ihm: „Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir.“ Da sprach Simon Petrus: „Dann, Herr, nicht allein meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt.“ Jesus sprach zu ihm: „Wer gebadet hat, braucht nur mehr die Füße zu waschen, dann ist er ganz rein. Auch ihr seid rein, aber nicht alle.“ Er kannte seinen Verräter; darum sagte er: „Ihr seid nicht alle rein.“

Nachdem er ihnen die Füße gewaschen, sein Obergewand wieder angelegt und sich niedergesetzt hatte, sprach er zu ihnen: „Versteht ihr, was ich an euch getan habe? Ihr nennt mich Meister und Herr, und ihr habt recht; denn ich bin es. Wen nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Denn ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr gut, wie ich an euch getan habe.

Gebet

Heute, o Herr! hast Du mit deinen Jüngern jenes Abendmahl gehalten, wo Du ihnen und durch sie allen Gläubigen dein Fleisch und Blut gegeben hast. Heute sollen Dich ehren alle Menschen und heilig essen von dieser hochheiligen Speise. O daß wir heute alle unsere unedlen Leidenschaften vertilgen könnten! O daß wir mit reuigem Herzen wohl bedächten dieses große, heilige Werk, und Dich, o höchstes Gut, geziemend ehrten ! — Heute verstummet das Geläute der Glocken, damit der Mensch sich in heilsame Trauer versenke. Heute werden die Lichter gelöscht, die Altäre entblößt und ihrer Zierde beraubt zum Zeichen, daß Du, o Herr! das Licht der Welt, die Sonne der Gerechtigkeit, am Kreuze erloschen bist.

Wir danken Dir heute für dein heiliges Leiden,und treten mit heiliger Furcht vor den Altar, auf dem dein hochheiliger Fronleichnam unter Brodesgestalt ruhet. Wir beten Dich an, und

glauben, daß Du ganz und wahrhaft zugegen seyest in dem heiligen Sakramente des Altares.

Wir wollen deinen heiligen Leib genießen, damit wir zum Leben gestärket werden. O Herr! verzeihe uns, wenn wir nicht würdig genug zu deinem Tische gehen. Reinige von der Sünde unsere Seelen, wie Du heute die Füße der Jünger gewaschen hast! Verlaß uns nicht, sondern lehre und hilf uns gehen den rechten Weg nach deinen Fußstapfen; denn nichts vermögen wir ohne Dich.

Lehre und hilf uns insonderheit nachahmen deiner Demuth! Laß uns als arme Sünder in dieser heiligen Zeit andachtig ehren deine Leiden, und Geduld in den unsrigen erlernen! Hilf, daß wir in den Versuchungen nicht erliegen, sondern gnädig durch Dich von dem Uebel der Sünde erlöst werden und zuletzt erlangen das ewige Leben! Amen.

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