Der Reisealtar (2 von 4): Reisen und das geistliche Leben


gregormesse

Reisen und das geistliche Leben

Deswegen waren die herumstreuenden Mönche oder Kleriker, Einzahl lautet: clericus vagans, wovon sich der Vagabund ableitet, immer Gift und immer verdächtig. Wenn Sie jetzt mit dem Beispiel von hl. Paulus, den anderen Aposteln oder Missionaren kommen, dann müssen Sie wissen, dass diese zwar von A nach B reisten, aber dann längere Zeit in B blieben, um eine Gemeinde aufzuerbauen. Die Bischöfe, welche sie einsetzen, hatten an Ort und Stelle zu sein. Das Reisen war nicht der Selbstzweck und deswegen war diese Reiserei von Johannes Paul II so spirituell verdächtig, worauf wir noch mehr als einmal zu sprechen kommen. Wenn man reist, so kann man qualitativ hochwertig nicht beten, weil man durch alles andere zu sehr abgelenkt ist. Deswegen gibt es im Alten Brevier, also in allen Brevieren bis 1962 das sog. Itinerarium also die Reisegebete, welche Geistliche vor den Reisen beten sollten oder mussten. Eine zweisprachige, lateinisch-englische Übersetzung findet sich hier. Da wir davon ausgehen, dass manch einer diese Gebete auch gerne beten möchte, Latein nicht kann und eine deutsche Übersetzung hilfreich wäre, auch wenn man es auf Lateinisch beten wird (nicht wahr…?), so fügen wir hier unsere eigene Übersetzung hinzu.

Ant. In viam pacis. Ant. Auf den Weg des Friedens
Benedictus Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels! *
Denn er hat sein Volk besucht und ihm Erlösung geschaffen;er hat uns einen starken Retter erweckt *
im Hause seines Knechtes David.So hat er verheißen von alters her *
durch den Mund seiner heiligen Propheten.Er hat uns errettet vor unsren Feinden *
und aus der Hand aller, die uns hassen;er hat das Erbarmen mit den Vätern an uns vollendet /
und an seinen heiligen Bund gedacht, *
an den Eid, den er unserm Vater Abraham geschworen hat;

er hat uns geschenkt, dass wir, aus Feindeshand befreit, /
ihm furchtlos dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit *
vor seinem Angesicht all unsre Tage.

Und du, Kind, wirst Prophet des Höchsten heißen; /
denn du wirst dem Herrn vorangehn *
und ihm den Weg bereiten.

Du wirst sein Volk mit der Erfahrung des Heils beschenken *
in der Vergebung der Sünden.

Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes *
wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe,

um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes *
und unsre Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. *
Wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit.

Amen.
Lk 1, 68-79

Gloria Patri… Ehre sei dem Vater
Ant. In viam pacis et prosperitatis dirigat nos omnipotens et misericors Dominus: et Angelus Raphael comitetur nobiscum in via, ut cum pace, salute et gaudio revertamur ad propria.

Ant: Auf den Weg des Friedens und des und Wohlergehens richte uns der allmächtige und barmherzige Herr: und der Erzengel Raphael möge uns auf dem Weg begleiten, damit wir mit Frieden, Heil und Freue in das Eigene zurückkehren mögen.

Kyrie, eleison.
Christe, eleison.
Kyrie, eleison.
Kyrie, eleison.
Christe, eleison.
Kyrie, eleison.
Pater noster (secreto usque ad) Vater unser (still bis zu)
V. Et ne nos inducas in tentationem.
R. Sed libera nos a malo.
V. Und führe uns nicht in Versuchung.

R. Sondern erlöse uns von dem Bösen.

V. Salvos fac servos tuos.
R. Deus meus, sperantes in te.
V. Mache heil Deine Diener.

R. Mein Gott, die auf Dich hoffen.

V. Mitte nobis, Domine, auxilium de sancto.
R. Et de Sion tuere nos.
V. Schicke uns, Herr, Hilfe vom Heiligen [Ort]

R. Und von Sion her beschütze uns.

V. Esto nobis, Domine, turris fortitudinis.
R. A facie inimici.
V. Sei uns, Herr, der Turm der Tapferkeit.

R. Im Angesicht des Feindes.

V. Nihil proficiat inimicus in nobis.
R. Et filius iniquitatis non apponat nocere nobis.
V. Nichts möge der Feind gegen uns unternehmen können.

R. Und der Sohn der Verderbnis möge nicht zusätzlich uns schaden.

V. Benedictus Dominus die quotidie.
R. Prosperum iter faciat nobis Deus salutarium nostrorum.
V. Gesegnet sei der Herr am heutigen Tag.

R. Einen genehmen Weg möge der Herr uns auf unseren Heilswegen bereiten.

V. Vias tuas, Domine, demonstra nobis.
R. Et semitas tuas edoce nos.
V. Deine Wege, Herr, zeige uns.

R. Und Deine Pfade lehre uns.

V. Utinam dirigantur viae nostrae.
R. Ad custodiendas iustificationes tuas.
V. Mögen unsere Wege gerichtet werden.

R. Um Deine Rechtfertigung zu wahren.

V. Erunt prava in directa.
R. Et aspera in vias planas.
V. Unser Ungerades möge gradlinig werden.

R. Und das Unebenmäßige zu einem geraden Weg.

V. Angelis suis Deus mandavit de te.
R. Ut custodiant te in omnibus viis tuis.
V. Seinen Engeln hat er über Dich befohlen.

R. Dass sie Dich auf all Deinen Wegen behüten.

V. Domine, exaudi orationem meam.
R. Et clamor meus ad te veniat.
V. Herr erhöre mein Gebet.

R. Und mein Schreien möge zu Dir kommen.

V. Dominus vobiscum.
R. Et cum spiritu tuo.
V. Der Herr sei mit Euch.

R. Und mit Deinem Geiste:

Oremus:
Deus, qui filios Israel per maris medium sicco vestigio ire fecisti, quique tribus Magis iter ad te stella duce pandisti, tribue nobis quaesumus iter prosperum tempusque tranquillum: ut, Angelo tuo sancto comite, ad eum quo pergimus locum, ac demum ad aeternae salutis portum pervenire feliciter valeamus.
Lasset uns beten:

Gott, der Du die Kinder Israels veranlasstest durch die Mitte des Meeres trockenen Fußes zu gehen, wie Du auch den der Magiern [aus dem Morgenland] den Weg zu Dir mit einem Stern als Führer offenbartest, gewähre uns, so bitten wir Dich, den genehmen Weg und eine ruhige Zeit, damit wir, mit Deinem Engel als Wegbegleiter, zu diesem Ort kommen mögen, zu dem wir jetzt gehen und auf dieselbe Weise an das Tor der ewigen Heils glücklich ankommen mögen.

Deus, qui Abraham puerum tuum, de Ur Chaldaeorum eductum, per omnes suae peregrinationis vias illaesum custodisti: quaesumus, ut nos famulos tuos custodire digneris: esto nobis Domine in procinctu suffragium, in via solatium, in aestu umbraculum, in pluvia et frigore tegumentum, in lassitudine vehiculum, in adversitate praesidium, in lubrico baculus, in naufragio portus: ut, te duce, quo tendimus prospere perveniamus, et demum incolumes ad propria redeamus.

Gott, der Du Abraham, Deinen Sohn, vom Ur der Chaldäer hinausführtest und auf allen Wegen seiner Wanderschaft unbeschadet bewahrtest: so bitten wir Dich, das Du uns, Deine Diener, bewahren mögest: sei uns Herr Hilfe in der Bereitschaft, auf dem Weg Trost, in der Hitze Schatten, im Regen und in der Kälte Bedeckung, in der Mattigkeit Transportmittel, in der Widrigkeit Schutz, im Sumpf Stock, beim Schiffbruch Hafen:  damit wir, mit Dir als Führer, dorthin, wohin wir schreiten glücklich ankommen, und unversehrt wieder nach Hause zurückkehren.

Adesto, quaesumus Domine, supplicationibus nostris: et viam famulorum tuorum in salutis tuae prosperitate dispone: ut inter omnes viae et vitae huius varietates tuo semper protegamur auxilio.

Sei nahe, so bitten wir Herr, unseren Bitten : und richte den Weg Deiner Diener zum Heil mit Deinem Wohlergehen: damit wir auf allen Wegen und bei allen Abwechslungen dieses Lebens wir immer durch Deine Hilfe geschützt werden mögen.

Praesta, quaesumus omnipotens Deus: ut familia tua per viam salutis incedat; et, beati Ioannis Praecursoris hortamenta sectando, ad eum quem praedixit secura perveniat, Dominum nostrum Iesum Christum Filium tuum: Qui tecum vivit et regnat in unitate Spiritus Sancti Deus, per omnia saecula saeculorum. R. Amen.

Gewähre uns, so bitten wir Dich allmächtiger Gott: dass Deine Familie auf dem Weg des Heils schreitet; und, den Ermahnungen des Vorläufer Johannes [des Täufers] folgend, zum Dem, welchen er gepredigt hatte, sicher gelangt unserem Herrn Jesus Christus Deinen Sohn: der mit Dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes Gott von Ewigkeit zur Ewigkeit. Amen.

V. Procedamus in pace.
R. In nomine Domini.
Amen.
V. Gehen wir in Frieden.

R. Im Namen des Herrn.

Das Reisen birgt auch geistliche Gefahren und zwar nicht nur in dem Sinne, dass man verunglücken oder in irgendwelche Sünden fallen kann, sondern auch deswegen, weil man, nennen wir es den „geistlichen Ausdünstungen“ anderer Menschen ausgeliefert ist. Wie soll man das verstehen? Jeder Mensch, abhängig von seinem Gnadenstand, hat eine bestimmte Ausstrahlung, welche von den Meisten nicht bewusst wahrgenommen wird. Wir können zwar sagen: „Ich fühle mich in seiner Gegenwart unwohl“, aber wir denken meistens, dass dies natürliche Ursachen hat, was durchaus der Fall sein kann. Jemand ist langweilig, ungezogen, prollig etc. Manchmal stimmt äußerlich alles, wir aber fühlen sich in seiner oder ihrer Gegenwart unwohl und können es nicht erklären. Andersrum geht es auch. Bei reinen, heiligen und betenden Menschen fühlt man sich sehr wohl, wenn man im Gnadenstand ist, wahrscheinlich aber bei denselben sehr unwohl, wenn man in schwerer Sünde lebt. Diese Menschen sind wie ein Lackmuspapier unseres eigenen geistlichen Zustandes. Der Schreiber dieser Zeilen arbeitete vor vielen Jahren in einer kirchlichen Einrichtung, wo der geistliche Zustand der Kollegen so  na… ja…war. Dort gab es aber eine Ordensschwester, um die 50, welche solch eine gute geistliche Atmosphäre, einen odor sanctitatis – den Geruch der Heiligkeit – ausstrahlte, dass der Schreiber dieser Zeilen am liebsten sich die ganze Zeit in ihrer Nähe aufhalten wollte, was leider nicht ging. Es ging nicht einmal um das Gespräch, sondern um die stille Ausstrahlung. Es war sicherlich keine körperliche oder erotische Anziehung vorhanden, sondern eine geistliche. Wenn er einen harten Tag hatte, dann ging er zu ihr, um sich ein wenig aufzuladen, die Schwester wurde dadurch wahrscheinlich entladen, aber so ist der geistliche Energieaustausch nun mal. In den letzten Jahren ist der Schreiber dieser Zeilen meistens derjenige, bei dem sich die Menschen aufladen, was für ihn dermaßen geistlich, aber auch körperlich anstrengend ist, dass er sich manchmal nach manchen Gesprächen ein paar Tage erholen muss. Die andere Seite ist glücklich und quietschlebendig, er aber halbtot. Halten wir also an dieser Stelle fest, dass es Menschen gibt, die eine sehr gute oder eine sehr schlechte geistliche Atmosphäre verströmen. Während wird aber in unserem Alltag eine Vorauswahl treffen können, mit wem wir uns abgeben, haben wir auf den Reisen einen weit geringeren Einfluss darauf.

P.S.

Das Reisegebet zum Download fidet sich hier: reisegebet. 

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7 Gedanken zu “Der Reisealtar (2 von 4): Reisen und das geistliche Leben

  1. Die Begründung der Anziehungskraft, die andere auf uns haben können, finde ich faszinierend.
    Ich dachte bisher auch, es liege einfach nur eine spontan entstandene Sympathie vor, die uns zu anderen hinzieht. Der HInweis auf die Heiligkeit eines Gegenübers, bei dem wir uns wohl fühlen, oder eben nicht, wenn wir uns nicht im Stande der Gnade befinden, erklärt vieles.
    Ich habe das große Glück, ein sehr gläubiges Ehepaar zu kennen. Beide haben mir geholfen, den Weg der Umkehr zu gehen. Sie sind ganz besondere Menschen und ich weiß, dass Gott sie mir geschickt hat.
    Ob sie heilig sind? Ich weiß es nicht!
    In meinen Augen – ja! Auf jeden Fall sind sie Heilige des Alltags und ich bin ihnen sehr dankbar und werde es immer sein.

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  2. Ja das mit der Anziehungskraft kannte ich schon aus der Esoterik,dort nennt man es gute oder schlechte Energien.
    Auch das energetische „Auslutschen“ kannte ich,dem kann man aber entgegenwirken indem man niemanden mehr psychisch an sich heranlässt.
    Viele Heilige haben das sogar empfohlen,man solle zwar trachten den Menschen zu helfen,ihre Probleme aber nicht verinnerlichen.
    Obwohl ich Johannes Paul II immer noch verehre hat mich das viele Reisen auch verwundert.
    Dazu fiel mir noch folgendes ein:
    ist es Zufall,das er am Ende seines Pontifikates nicht mehr sprechen konnte!?
    Gibt es nicht biblische Beispiele,wo das Verstummen eine Strafe für Unglauben war !?
    Der eine verstummte und der nächste wurde verjagt,wenn das keine Symbolik hat!

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    1. Zacharias – Verstummen als Strafe für Unglauben.

      Aber auch der ganze körperliche Verfall samt seiner Parkinson-Krankheit, vielleicht auch Alzheimer macht stutzig. Wie man hört, war die Kurie schon seit 1992 unregierbar, seit seinem ersten, verheimlichten Schlafanfall. Reisen ist halt kräftezehrend.

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      1. Und der eigentlich kerngesunde Benedikt trat aus „gesundheitlichen Gründen“zurück,welch ein Hohn !!
        Und nun grinst da eine Karikatur des Papsttums….

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  3. Dass JPII Alzheimer hatte, glaube ich eher nicht, habe mich aber noch nie intensiv mit einem Papst befasst, außer dass ich das Buch von Sr. Pascalina über Pius XII gelesen habe …
    … doch, das Buch von Andreas Englisch über JPII habe ich auch gelesen (ganz?), aber der Autor hat immer über die Kirche gemeckert … An den Inhalt dieses Buches kann ich mich ansonsten nicht erinnern, an das über Pius XII schon.

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