Hilary White, Der Frühling ist vorüber, meine Damen (2 von 3)


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Föderationen: Autonomie? Welche Autonomie?

29. »Niemand baut die Zukunft auf, indem er sich absondert, noch allein aus eigenen Kräften, sondern indem er sich mit der Wahrheit einer Gemeinschaft identifiziert, die sich immer öffnet für die Begegnung, den Dialog, das Zuhören, die gegenseitige Hilfe «. Dieser Tatsache bewusst, sollt ihr euch vor der »Krankheit der Selbstbezogenheit« hüten und den Wert der Gemeinschaft zwischen verschiedenen Klöstern als einen auf Zukunft hin offenen Weg bewahren. Auf diese Weise aktualisiert und verwirklicht ihr die bleibenden festgeschriebenen Werte eurer Selbständigkeit.

30. Die Föderation ist eine wichtige Struktur der Gemeinschaft zwischen Klöstern, die das gleiche Charisma teilen, damit sie nicht isoliert bleiben.


Der Hauptzweck der Föderationen besteht darin, das kontemplative Leben in den dazugehörenden Klöstern gemäß den Erfordernissen des eigenen Charismas zu fördern und durch den Austausch von Nonnen und das Teilen von materiellen Gütern Hilfe bei der Anfangsausbildung und der Weiterbildung sowie bei konkreten Bedürfnissen zu gewährleisten. Im Hinblick auf diese Zwecke sollen die Föderationen gefördert und vermehrt werden.

Für den Fall, dass irgendjemand sich fragt, ob existierende Klöster in Ruhe gelassen werden könnten, denken Sie noch einmal selbst darüber nach. Die Betonung der Föderationen ist sehr wichtig und sehr unheilverkündend … buchstäblich. Die meisten benediktinischen Föderationen sind z. B. hoffnungslos von neomodernistischem „Liberalismus“ verdorben und üben enormen Druck aus gegen jedes einzelne Haus, das zu den traditionellen liturgischen oder monastischen Praktiken zurückkehren könnte. Gegenwärtig haben die Entscheidungen der Föderationen keine bindende Rechtskraft. Praktisch wird jedes Haus unabhängig regiert und die Mitgliedschaft in der Föderation ist freiwillig und konsultativ; dies ist aber wirklich nur auf dem Papier wahr. In der Praxis wird der Druck, sich anzupassen, als Waffe gegen die traditionell Gesinnten benutzt. Falls Franziskus versucht, jeden in eine Föderation zu zwingen, können Sie Ihren letzten Cent verwetten, dass er beabsichtigt, die Macht der Föderationen über die einzelnen Mitgliedshäuser zu stärken.

Und ja, der Zweck ist ganz klar, jeden in eine Föderation zu zwingen. Der letzte Teil des Dokuments macht es klar: Man ist in einer Föderation, wenn nicht der Heilige Stuhl die Erlaubnis gibt, dort nicht zu sein.

Art. 9 §1. Anfangs werden alle Klöster an einer Föderation teilnehmen. Wenn ein Kloster aus besonderen Gründen nicht föderiert sein kann, soll nach der Abstimmung im Kapitel der Heilige Stuhl um Erlaubnis anfragt werden, dem das entsprechende Urteil zusteht, dem Kloster zu gestatten, keiner Föderation anzugehören.

Ein traditionell gesinnter Freund in Rom, der sowohl theologischer Berater für eine Anzahl von Gruppen als auch Angestellter in einem Büro des Vatikans ist, sagte, dass dies ein „zentralistisches Dokument“ ist, mit dem Ziel, die Autorität von unabhängigen, autonomen Ordensgemeinschaften zurück nach Rom umzulenken. Er sagte, es sei „hauptsächlich damit befasst, die Strukturen zu stärken“.

Es war auch die Bewertung des links-außen Magazins Tablet im Vereinigten Königreich, das schrieb:

„Dies ist nicht das erste Dokument mit zentralisierendem Charakter des Jesuitenpapstes bezüglich der Ordensleute: früher dieses Jahr bestimmte er, dass Bischöfe den Vatikan konsultieren müssen, bevor sie einen diözesanen Orden errichten.“

In der Tat ist der Abschnitt mit den Bestimmungen voll dieser kleinen Klauseln, dass für diese oder jene Dispens oder Änderung die Zustimmung oder Erlaubnis der Kongregation für das Geweihte Leben erbeten werden muss. Hier eine weitere, bezüglich dem Klostertyp, den eine Gemeinschaft annehmen möchte:

Art. 10 §1. Jedes Kloster hat nach ernsthafter Prüfung und unter Achtung der eigenen Tradition sowie dessen, was die Konstitutionen verlangen, vom Heiligen Stuhl die Form der Klausur zu erbitten, die es ergreifen will, falls man eine Form beantragt, die von der geltenden verschieden ist.

Und selbstverständlich müssen die [vom Orden] revidierten und angepassten Konstitutionen, um mit diesem Dokument konform zu gehen, „zum Appell antreten“:

Art 14 §2. Die Artikel der Konstitutionen oder der Regeln der einzelnen Institute müssen, wenn sie einmal an die neuen Vorschriften angepasst wurden, zur Approbation durch den Heiligen Stuhl vorgelegt werden.

Wenn man dieses Micromanaging vergleicht mit den verwandten Klauseln in einem der Hauptdokumente, so setzte es Verbi Sponsa, 1999 außer Kraft. Interessante Unterschiede in der Wortwahl. Verbi Sponsa hat auch eine Notiz darüber, was zu tun ist, wenn man die Form des Klosters ändert: „Jede Anpassung der Formen der Trennung von der Außenwelt muss so erfolgen, ‚dass die materielle Trennung gewahrt bleibt‘, und unterliegt der Approbation durch den Heiligen Stuhl.“

Feiner, aber wichtiger Unterschied her zu “vom Heiligen Stuhl die Form der Klausur zu erbitten, die es ergreifen will …” Das alte Paradigma setzte voraus, dass Klöster ihren Bedarf bedenken würden und entscheiden, was sie möchten, und dann um Genehmigung bitten. Im Bergoglianischen Paradigma beginnt man damit, den Heiligen Stuhl zu fragen, „welche Form von Kloster“ man „annehmen“ möchte und dann lernt man sie zu lieben.

Mein Freund kommentiert: „Auf kurze Sicht wird dies vermutlich problematisch für kleinere Gemeinschaften sein, und für Menschen, die eine Gemeinschaft gründen möchten.

“Insbesondere Gruppen mit Verbindung zu größeren Religionsgemeinschaften, wie Franziskanische Gruppen, mit lockerer Verbindung zu den größeren Ordensfamilien, werden möglicherweise Versuche sehen, sie den größeren Gruppen konform zu machen.“

„Neue Gruppen, sagen wir Leute, die Dominikaner werden möchten oder Passionisten, werden es schwerer haben zu beginnen, bis sie bereit sind, die vorherrschende Einstellung größerer Gemeinschaften anzunehmen.“

Und derzeit sind nahezu alle existierenden Zusammenschlüsse aller Orden entschiedene Vatikan II-Liberale, wenn nicht „Ultraliberale“. Dies bedeutet, kurz gesagt, dass wenn man ein neues benediktinisches Haus gründen möchte, das so ähnlich ist wie Fontgombault oder Le Barroux oder Clear Creek, man gewiss eine sehr, sehr schwere Zeit haben wird. Und sogar noch schwerer wird es sein, ein Haus, das Teil einer dieser Föderationen ist, weg von den liberalisierenden und entsakralisierenden Trends zu bewegen. Wenn man in einem existierenden Haus ist, dessen flower-power trendies jedoch ausgestorben sind, und man zurückkehren möchte zu traditioneller Ordenstracht, Latein oder dem Gregorianischen Gesang, wird man kein Glück haben.

Mein Bekannter hob geradezu diesen Punkt hervor und sagte: „Unter praktischen Gesichtspunkten scheint es, dass dies es geradezu unmöglich macht, einen neuen Orden nach ‚Tridentinischer Art zu gründen.“

Jemand fragte mich heute: „Wie gründet man einen neuen Orden, der per definitionem immer klein und alleine ist, wenn er von Anfang an Teil einer Föderation sein muss?“ Das ist eine gute Frage. Wie kann man von jemandem erwarten, dies unter diesen Bedingungen zu tun? Offensichtlich tun sie das nicht. Dies ist der Zweck der Sache, sicherzustellen, dass es eine Obergrenze oder einen Bruch geben wird, bezüglich dem, was offensichtlich ein Trend ist, der die Männer im Bergoglianischen Vatikan alarmiert.

Jemand anders wies darauf hin, dass unter diesem Dokument keines der gegenwärtigen blühenden konservativen oder „traditionellen“ Klöster oder Gemeinschaften hätte gegründet werden können. Dies schließt die spezifisch traditionellen  Benedictines of Mary Queen of Apostles in Missouri ein, oder dem „Mainstream“ nähere „konservative“ Gruppen wie die Sisters of Life in New York.

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