Benedikt XVI revisited oder spielt das „Privatleben“ eine Rolle?


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Orthodoxie und Orthopraxie

Warum das schreiben? Warum nicht die Benedikt-Legende hochhalten, wie viele unserer Kollegen? Weil sie keinen Sinn macht und den jetzigen Zustand der Kirche nicht erklärt. Es ist doch unmöglich, dass ein „guter, konvervativer Papst“ ein „Mozart der Theologie“ von einem „heiligmäßigen Lebenswandel“ überhaupt von den Wölfen davonlaufend zurücktreten würde und bei den Aktionen von Papst Franziskus, welche eine öffentliche Apostasie und eine Häresie darstellen, schweigen würde! Es ist einfach nicht möglich, daher ist die Ausgangsprämisse:

  • gut-katholisch,
  • gläubig,
  • konservativ
  • Mozart der Theologie

schlichtweg falsch.

Ja, man braucht Vorbilder und Helden, wenn sie allerdings das halten, was sie versprechen. Andernfalls ist es Idolatrie und Lüge. Es war uns klar, dass unser Artikel War Benedikt gläubig? uns „viel Feind“ bescheren wird, „viel Ehr“ hält sich in Grenzen. Interessanterweise können es manche konservativen gloria.tv Leser eher akzeptieren, dass wir Ratzinger einer unorthodoxen Theologie oder gar des Unglaubens anklagen, sie dulden aber nicht, wenn wir homophile (hoffentlich nur diese) Tendenzen bei ihm mutmaßen. Was ist aber schlimmer? Häresie oder Homosexualität? Die Erstere vergiftet doch mehr Menschen, während die Letztere nur diejenigen betrifft, die involviert sind oder davon wissen und Ärgernis leiden. Es sind aber zwei Seiten derselben Medaille, denn wie das Leben, so die Theologie und wie die Theologie, so das Leben, wobei mit unheiligem Lebenswandel nicht nur Homosexualität gemeint ist. Der Schreiber dieser Zeilen, obwohl nicht homosexuell und auch in anderen Lebensbereichen nicht einer schweren Sünde schuldig, merkt bei sich selbst, dass seine Theologie mit der Zunahme des asketischen und Gebetslebens immer orthodoxer wurde und wiederum die immer mehr wachsende Rechtgläubigkeit, durch die Entdeckung der Tradition, zu einem immer mehr an Gott ausgerichteten Leben führt. Dies passiert wirklich automatisch, wie das, dass Sportler aufgrund ihres vorteilhaften Insulinspiegels sehr wenig Lust auf Süßigkeiten haben und sich insgesamt gesünder ernähren, weil sie Lust auf Gesundes haben.

Wir können also als Faustregel gelten lassen, dass sich hinter der Unorthodoxie Sünde oder die fehlende Orthopraxie verbirgt und dass Sünde zur Unorthodoxie führt. Warum ist es so? Weil Gott, das höchste Licht und die höchste Weisheit, niemals in einem Menschen weilen wird, in welchem die Dunkelheit der Sünde weilt. So spricht die Schrift:

„Denn in eine boshafte Seele geht die Weisheit nicht ein noch nimmt sie Wohnung in der einem Leibe, der ein Sklave der Sünde ist“. (Weish 1,4 Alioli)

Kennzeichen von Falschmystik

Der Schreiber dieser Zeilen interessiert sich seit geraumer Zeit für die Falschmystik, womit mystische Erlebnisse (Visionen, Locutionen, Extasen, Wunder etc.) gemeint sind, welche tatsächlich übernatürlich sind, aber vom Teufel stammen. Es gibt wirklich Menschen und zwar nicht nur in der Esoterik, welche Übernatürliches erfahren. Es gibt auch Katholiken, meistens aus der charismatischen Bewegung kommend, welche jahre- oder jahrzehntelang glauben vom Heiligen Geist geführt zu werden, obwohl sie in Wirklichkeit vom Geist der Finsternis geleitet werden. Ja, es scheint so etwas wie eine natürliche Veranlagung für mystische Erlebnisse zu geben, obwohl die Zusammenstellung von „mystisch“ und „natürlich“ paradox klingt. Wenn diese Personen Glück haben, die dämonische Herkunft dieser Erlebnisse erkennen und das zusätzliche Glück haben in einem Land zu leben, wo es Exorzisten gibt, so landen sie schließlich beim Exorzisten und erfahren dort Hilfe. Einer dieser Exorzisten liest bei seinen Konferenzen die Zeugnisse dieser Personen durch, welche sehr aufschlussreich sind. Natürlich sind ca. 90% aller Besessenen durch Okkultismus oder Esoterik in diesen Zustand gelangt, aber es gibt doch tatsächlich eine Minderheit von ca. 10% oder noch weniger, die sich als besessen herausstellen, obwohl sie immer fromm waren. Woran erkennt man aber diese dämonisch inspirierte Falschmystik?

Grundsätzlich an zwei Aspekten:

  1. Ex cauda cognoscitur inimicus – Den Feind erkennt man am Schweif

Nach der übereinstimmenden Meinung all derjenigen Theologen, welche sich mit Privatoffenbarungen oder Mystik befassten,[1] ist es mit der göttlichen Allmacht und Güte unvereinbar, wenn eine Falschoffenbarung zu 100% einer wahren Privatoffenbarung oder einem von Gott stammenden mystischen Erlebnis gleichen würde. Bei Falschoffenbarung wird es immer ein Detail geben, an dem man den Teufel als den eigentlichen Autor dieser Offenbarung erkennen kann. Den berühmten Hinkefuß oder Schweif, wie er häufig abgebildet wird.  Dieses Detail ist entweder lehrmäßiger Natur, es stimmt also mit der Lehre der Kirche nicht überein oder es ist ein Detail, beim Aussehen der Erscheinung, welches sich nicht schickt. Der Hinkefuß oder der Schweif ist also erkennbar.

  1. Falschmystik ist immer von Sünde begleitet

Da der Teufel die Falschmystik verursacht, so ist es nur verständlich, dass er den Falschmystiker an sich dadurch binden möchte, was sein eigentliches Metier darstellt und zwar die Sünde. Daher argumentieren alle Falschmystiker und Gnostiker aller Zeiten, dass die Sünde nicht schadet, dass sie eigentlich etwas Gutes ist, dass man zum Licht ausschließlich durch die Dunkelheit kommt etc. Man kann diese teuflische Argumentation sehr deutlich in den verurteilten Sätzen des verurteilten Quietisten Miguel de Molinos (DH 2201-2269) nachlesen. Um die Verurteilung deutlich zu machen, werden die u.a. verurteilten Sätze mit [Es ist nicht so, dass] eingeleitet:

[Es ist nicht so, dass]

  1. Gott erlaubt und will, um uns zu demütigen und zur wahren Umgestaltung zu führen, dass bei einigen vollkommenen Seelen – auch nicht entrückten – der Dämon ihren Leibern Zwang antut und sie – auch im Wachen und ohne Verdunkelung des Geistes – fleischliches Handlungen begehen lässt, in der er die Hände und andere Glieder von jenen gegen ihren Willen [so, so Red.] physisch bewegt. Dasselbe gilt auch für anderen Handlungen, die an sich sündig sind; in diesem Fall sind es keine Sünden [wie bei Amoris Laetitia Red.], weil bei ihnen keine Zustimmung vorliegt [aha! Red.]. (DH 2241)

[Es ist nicht so, dass]

  1. Es kann den Fall geben, dass solche Zwänge zu fleischlichen Handlungen zur selben Zeit auf seiten zweier Personen auftreten, nämlich eines Mannes und einer Frau [oder zweier Männer Red.], und seitens beider der Akt folgt. (DH 2242)

[Es ist nicht so, dass]

  1. Wenn solche Zwänge kommen, soll man den Satan gewähren lassen, ohne irgendeine Mühe oder eine eigene Anstrengung aufzuwenden; vielmehr soll der Mensch in seinem Nichts [falschmystischer Fachterminus der völligen Passivität Red.] verbleiben; und auch wenn Pollutionen und unzüchtige Handlungen mit eigenen Händen und sogar noch schlimmere Dinge folgen, ist es nicht nötig, sich zu beunruhigen, sondern Ängste, Zweifel und Befürchtungen sind über Bord zu werden; denn die Seele wir erleuchteter, gestärkter und glänzender, und es wird die heilige Freiheit [angeblich von der Sünde Red.] erlangt; und vor allem ist es nicht nötig, dies zu beichten [so, so Red.], und am heiligsten handelt man, wenn man nicht beichtet; denn auf diese Weise besiegt man den Dämon und erwirbt einen Schatz des Friedens. (DH 2247)

[Es ist nicht so, dass]

  1. Durch die erworbene Kontemplation gelangt man zu einem Zustand, in dem man keine Sünden mehr begeht, weder Todsünden noch verzeihliche Sünden. (DH 2257)

Wenn sich manche von uns die Fragen stellen, wie man sich die Sünde falschmystisch schönreden kann, dann sieht er oben wie es geht. Die Sünde wir zur Nichtsünde umetikettiert und schon klappt es mit der „Mystik“, wobei das Sexuelle immer das Lieblingsmetier des Teufels darstellt. Die Sünde begleitet also immer den falschen mystischen Weg. Interessanterweise geschieht es ab und zu, dass der Schreiber dieser Zeilen von Lesern kontaktiert wird, welche im von einem solchen falschmystischen Weg berichten. Es handelt sich meistens um Frauen und die Anzahl dieser Zuschriften liegt im mittleren einstelligen Bereich, aber solche Begebenheiten sind real, obzwar selten. Wir haben dort:

  • Die Sehnsucht nach Gott und die Überzeugung Gott nachzufolgen,
  • Übernatürliche Erlebnisse,
  • Sünde und schwere Sünde als Begleiterscheinung, von der man nicht loskommt.

Es gibt also Falschmystik, welche vom Teufel stammt und für den Betroffenen selbst, welcher meint Gott nachzufolgen, nicht sogleich als solche unterscheidbar ist. Über die Qualität unserer Beichtväter schweigen wir uns besser aus, denn die Wahrscheinlichkeit, dass man im Beichtstuhl richtig diagnostiziert wird, ist wirklich äußerst gering.

War die Theologie von Ratzinger jemals orthodox?

Was hat das alles mit Benedikt/Ratzinger zu tun? Einiges. Wenn Menschen jahrzehntelang mystische, im Sinne der falschmystischen also übernatürliche Erfahrungen haben, die vom Teufel stammen, so ist es doch mehr als wahrscheinlich, dass jemand, der jahrzehntelang eine wenig orthodoxe Theologie mit viel Breitenwirkung betreibt, ebenfalls dazu vom Teufel inspiriert wird. Die Sünde, im Sinne des Verbleibens in einer schweren Sünde (bpsw. Priesterkonkubinat etc.) oder das nicht heiligmäßige persönliche Leben doch ein Kriterium darstellen, von dem man geleitet wird. Es ist demnach unmöglich orthodoxe und heilige Theologie zu betreiben, wenn man in schwerer Sünde lebt.

Wissen wir denn, ob Benedikt in Sünde lebte oder lebt? Nein, das wissen wir nicht. Wir können nur mutmaßen, dass jemand, der zur Zerstörung der Kirche durch seinen Rücktritt und das darauffolgende Schweigen zu Häresien von Papst Franziskus beitrug, auch vorher nicht vom Heiligen Geist geleitet werden konnte und kein großer, konservativer Theologe war. Und da bei fehlender Orthodoxie, welche auch Sünde ist, immer noch andere Sünde vorkommt, so kann es bei Ratzinger auch nicht anders gewesen sein. Zusammenfassend lässt sich sagen:

  1. Wir kennen das Privatleben von Joseph Ratzinger nicht.
  2. Er hatte, seinen eigenen Aussagen zufolge, keine mystischen oder falschmystischen Erlebnisse.
  3. Wir können höchstens seine Schriften und seine Amtshandlungen auf die Übereinstimmung mit dem Magisterium untersuchen, also Denzinger links – Ratzinger rechts.

Während Mystik selten ist und die Falschmystik eigentlich auch, genügt im Falle von theologischen Schriften ihre Untersuchung, inwieweit sie mit dem Lehramt übereinstimmen. Viele der Benedikt-Fans werden jetzt vielleicht einräumen:

„Na, gut, anhand der Denzinger-Aussagen sind seine Schriften vielleicht nicht 100% orthodox, aber an der nachkonziliaren Entwicklung gemessen, sind sie noch gut-katholisch. Besser ein bisschen als gar nicht!“

Der Schreiber dieser Zeilen hatte lange Jahre auch so gedacht und argumentiert, zumal er den Denzinger viel weniger als jetzt kannte.

„An der vorkonziliaren Theologie gemessen – ist es nicht orthodox, an der nachkonziliaren Theologie gemessen – schon“.

Es ist aber falsch, denn es geht hier um die zweiwertige Logik und Wahrheit. Entweder ist etwas falsch oder es ist richtig. Wenn die Lösung 1 lautet, dann ist 189,78 genauso falsch wie 0,89. Theologie ist ein System von Glaubenssätzen, womit man mit einem Satz eine wahre Aussage im formallogischen Sinn meint. Also sogar eine Falschaussage bringt das ganze System zum Fall, was uns die Informatiker unter unseren Lesern sicherlich bestätigen werden, die Ingenieure auch.

„Aber, das ist doch Integrismus!“, wird ein nachkonziliar theologisch Gebildeter sagen.

„Genauso ist es!“, antworten wir.

Papst Franziskus macht uns allen deutlich, wohin der fehlende Integrismus und das Fehlen der zweiwertigen Logik führt: geradeaus in die Apostasie!

Eine Analyse von Msgr. Spadafora

An dieser Stelle sollte eine an Denzinger gestützte Analyse aller Ratzinger-Werke folgen, welche aus ersichtlichen Gründen (ein Leben, Besseres zu tun) nicht erfolgen wird. Dies ist aber auch nicht notwendig, weil eine solche Analyse teilweise schon andere vorlegten. Wir haben auf Anraten des Lesers Daniel Specht, dem wir an dieser Stelle herzlich danken, ein spendenfinanziertes Buch Die „neue Theologie“ oder „Sie glauben gewonnen zu haben“ von Mgr. Francesco Spadafora erstanden, welches, was die theologische Qualität der Analyse anbelangt, unserer nach Einschätzung, gleich nach Gethsemani von Kardinal Siri kommt. Msgr. Spadafora, ein Priester und emeritierter Professor der Bibelwissenschaft an der Päpstlichen Lateran-Universität, verfasste sein Buch im Jahre 1993, am wahrscheinlichen Höhenpunkt des Pontifikats von Johannes Paul II.  Msgr. Spadafora (1913-1997) war kein Spinner, kein Sedisvakantist und kein Mitglied der Piusbruderschaft, welche heute sein Buch verkauft, sondern ein gläubiger Priester und Theologe, sowie der Beichtvater der Mystikerin und Stigmatikerin Ellena Aiello, der katholisch dachte und schrieb und heute als „Traditionalist“ bezeichnet werden muss, also etwas darstellte, was früher einfach „Katholik“ genannt worden ist. Msgr. Spadafora nahm als Peritus am Vat. II teil und war Mitglied der Kommission für Studien und Seminare in der Vorbereitungsphase (1960-62) des Konzils,[2] sodass man schlussfolgern kann, dass er zu den rechtgläubigen, konservativen Kurientheologen gehörte. Er war mit dem Ausgang des Konzils nicht einverstanden, kam ins Abseits, schreib ein paar empfehlenswerte Bücher,[3] die leider nur noch auf Italienisch erhältlich sind. Sein Buch Die „neue Theologie“ in der er sich mit der Nouvelle théologie kritisch auseinandersetzt, hat es in sich. Während die Lektüre des Artikels „Raus aus dem Kanninchenloch“ von Steven Skojec und Hillary White für den Schreiber dieser Zeilen einem Atomschlag oder einem Erdbeben der Stärke 9 auf der Richterskala glich, so gleicht das Buch von Msgr. Spadafora einer konventionellen Bombardierung oder einem Nachbeben der Stärke 6, welche all das, was nach dem Erstschlag übrigblieb in Schutt und Asche legt.

Warum? Weil Spadafora beweist, dass all die Theologen des Konzils, welche der Strömung der  Nouvelle théologie – also derjenigen „neuen Theologie“ angehörten, die in Frankreich in den 1930-gern aufkam, vom Thomismus weg wollte, auf dem Philosophen Blondel fußte und von Pius XII ohne Namensnennung in Humani generis verurteilt wurde – dass also all diese Theologen nicht nur Neomodernisten waren, sondern auch über ein überaus fragwürdiges „Privatleben“ führten, welches wirklich nicht heiligmäßig war. Warum spielt es eine Rolle? Weil diese Männer nicht nur der bisherigen Kirchengeschichte ein Korrektiv geben wollten, was viele Heilige auch taten, sondern eine neue Wende herbeiführen wollten. Dann muss man sich doch die Frage stellen: war diese Wende von Gott oder vom Teufel? In dem Buch von Spadafora, welches ein theologisches Werk darstellt, das sich entweder an sehr gut vorgebildete Laien oder an Fachtheologen richtet, werden die folgenden Theologen besprochen, wobei die u.a. Kapitelüberschriften Spadafora selbst entstammen:

  • „Maurice Blodel „neue“ Philosophie (Kap. 3);
  • Henri de Lubac S.J., ein „Lehrer“, der nie Schüler war (Kap. 4);
  • Hans Urs von Balthasar, der Vater der ökumenischen Apostasie (Kap. 5)
  • Paul VI. und Satans Meisterstück (Kap. 6)
  • Ratzinger, ein Theologe ohne Glaube, Präfekt der Kongregation für den Glauben (Kap. 7)
  • Das Papsttum Karol Wojtylas, eine Zeit schwerster Prüfung für die Kirche (Kap. 8).

Der Schreiber dieser Zeilen erfuhr deswegen den Schock, weil die o.a. Autoren zwar nicht die „Helden seiner Jugend“ waren, da keiner von ihnen ihn je intellektuell angesprochen hatte, am Ehesten schon Ratzinger, sondern weil sie als theologische und orthodoxe Vorbilder während seines recht konservativen Theologiestudiums gehandelt wurden. Dem Schreiber dieser Zeilen waren diese Autoren zu ungeistlich, zu wenig konkret und zu schwammig, aber er dachte eher in ästhetischen Kategorien als in der Kategorien der Rechtgläubigkeit, da ihm einfach nicht der Gedanke kam, dass „die theologischen Väter“ des Vatikanum II neomodernistische Häretiker waren und all das, was wirklich explicite und implicite als häretisch und für den Glauben schädlich verurteilt wurde, subkutan als orthodox und für den Glauben nützlich in die Konzilsdokumente, wenn auch verklausuliert, Eingang fand. Msgr. Spadafora zeigt, wie und warum dies stattfand und er tut es so überzeugend, dass es einem nach dem Konzil ausgebildeten Theologen, wie der Schreiben dieser Zeilen nolens volens einer ist, den Boden unter den Füssen wegzieht. Er fühlt sich wie ein Chirurg, der den Körper immer weiter öffnet und immer mehr Metastasen vorfindet, wobei das, was als eine oberflächliche Hautveränderung zuerst wahrgenommen wurde, von einem langjährigen, zersetzenden Prozess zeugt. Papst Franziskus ist nicht vom Himmel gefallen. Er wurde intellektuell sehr lange vorbereitet unter anderem durch die Nouvelle théologie.

Da der Schreiber dieser Zeilen den Beitrag „War Benedikt gläubig?“ vor der Lektüre des Buches von Spadafora verfasste und lediglich anhand seiner Benedikt-Lektüre Joseph Ratzinger den Unglauben bescheinigte („Wie kann er es wagen?“ Er kann, weil er es gerade tut. Ab esse ad posse valet illatio, sagt die Scholastik.), so ist er sehr froh seine Einschätzung bei jemand anderem vorzufinden und zwar eine Einschätzung, die unsere negative Sicht der Theologie von Ratzinger um einiges übertrifft. Msgr. Spadafora nimmt auf 21 Seiten, sich auf Gethsemani von Kard. Siri stützend, die Christologie Ratzingers auseinander, da er sich kurz fassen möchte und sich desewegen nur auf diese beschränkt. Wir haben nicht vor all diese Argumente an dieser Stelle wiederzugeben und verweisen zum zitierten Werk selbst. Einiges muss aber genannt werden:

„Was soll man aber sagen, wenn wir gezwungen sind festzustellen, dass der gegenwärtige Präfekt der Glaubenskongregation in seinen Büchern der „Theologie“ […] bekennt, dass nämlich in Jesus nicht Gott Mensch geworden, sondern ein Mensch Gott geworden ist? Wer ist demnach Jesus Christus für Ratzinger? Er ist jener Mensch, „in welchem das Definitive des Menschseins in Erscheinung tritt und der eben darin [sic! F.S.] zugleich Gott selber ist“ (Einführung in das Christentum, München: dtv 1971, S. 136) Das besagt eigentlich, dass der Mensch in seinem „Definitiven des Menschseins“ Gott ist! Folglich wäre Jesus Christus allein durch das Faktum, dass in ihm das „Definitive des Menschseins in Erscheinung tritt“, „Gott selber“ gewesen![4]

Was heißt das im Klartext? Dass das eigentliche Wesen jedes Menschen göttlich ist, dass es in jedem „gottet“, das jeder Mensch per se ein Gott-Mensch ist und in Christus, als dem vollkommenen Menschen in seinem „Definitiven des Menschseins“, so Ratzinger, das Göttliche oder Gott besonders gut zum Durchbruch kam. Dies ist aber die jegliche Aufhebung zwischen Natur und Übernatur, was schon Henri de Lubac, zum Leidwesen unser aller bewerkstelligte und was in einen Pantheismus führt. Wenn jeder Mensch in nuce Gott ist und es „gottet“ überall, dann brauchen wir keine Kirche und keine Bekehrung, weil es sowieso „gottet“. Und erst aus diesem Denken heraus lässt sich die deuterovatikanische Ökumenitis begreifen. Wenn es „gottet“, dann „gottet“ es, auch bei den Walen und der Homo-Ehe. Bleiben wir also entspannt und verprassen die Kirchensteuer, solange es noch die gibt, da die Katholiken aussterben.

Sagt das Ratzinger tatsächlich selbst? Ja, das tut er und so schreibt Msgr. Spadafora im Absatz unter dem Titel „Gott ist Mensch, der Mensch ist Gott“ folgendes:

Das Problem ist übrigens von Ratzinger selbst klar gestellt und wird durch ihn bejahend beantwortet. Er fragt sich in der Tat: „Dürfen wir denn überhaupt Christologie (= Rede von Christus) in Theologie (= Rede von Gott) auflösen; müssen wir dann nicht viel eher Jesus leidenschaftlich als Menschen reklamieren, Christologie als Humanismus und als Anthropologie betreiben? Oder sollte der eigentliche Mensch gerade dadurch, dass er es ganz und eigentlich ist, Gott sein und Gott eben der eigentliche Mensch sein? Sollte es sein können, dass radikalster Humanismus und Glaube an den offenbarenden Gott hier aufeinandertreffen, ja ineinander übergehen?“ (Ratzinger, Einführung S. 149/150, Hervorhebung laut Originaltext).[5]

Au, weia! Das ist aber ein hard core Arianismus mit einigen neuzeitlichen Zusätzen, wie Ontologismus und Immanentismus, Begriffe, die wir später in anderen Beiträgen noch ausführlich erklären werden.

Weiter lesen wir bei Msgr. Spadafora:

Für Ratzinger ist Jesus also nicht Gott, weil er natürlicher Sohn Gottes ist, aus dem Vater geboren vor aller Zeit, „gezeugt, nicht geschaffen, wesensgleich mit dem Vater“, weil seine Person seit Ewigkeit die unendlich göttliche Natur teilt und daher die unendliche Vollkommenheit besitzt, sondern ist jener Mensch, der gekommen ist, „um mit Gott ineinanderzufallen“ und der am Kreuze „das Sein für die anderen“ verkörpert hat, ein „Altruist durch Antonomasie“. Folglich unterscheidet er sich von uns und den anderen Menschen nur durch den Grad der menschlichen Entwicklung, die er erreicht hat, nicht durch den Abgrund, welche Gott vom Menschen, den Schöpfer vom Geschöpf trennt. Die Christologie der Kirche weist Ratzinger zurück als eine „triumphalistische Verherrlichungschristologie .. die etwas mit dem gekreuzigten und dienenden Menschen nichts anfangen könnte und statt dessen sich wieder einen ontologischen Gottmythos [sic! Red.] erfinden würde (S. 161). Anstelle der „triumphalistischen Verherrlichungschristologie“, welche „einen ontologischen Gottmythos“ schafft, setzt Ratzinger eine „Dienstchristologie“, die er behauptet, beim hl. Johannes zu finden, und in der „Sohn“  einzig „das Sein-vom-andern-her“ (S. 129) bedeutet.[6]

Oh weh, o weh! Kommt ihr Töchter, helft mir klagen! Diese Ansichten hat Ratzinger niemals widerrufen, mit diesen Ansichten ist er groß geworden, aufgrund der „Einführung ins Christentum“ ist er vom Johannes Paul II, der dieses Buch sehr schätzte, zum Präfekten der Glaubenskongregation berufen worden. Es ist schrecklich! Man hat Lust sich auf einen Misthaufen zu setzen und die Wunden mit einer Tonscherbe zu kratzen. Wenn man aber die Glaubenswahrheit leugnet, dass Christus wirklich Gott war, dann fällt das katholische System überhaupt zusammen. Dann haben alle nachfolgenden Wahrheiten wie Erlösung, Wesenswandlung, Jungfrauengeburt, Aufnahme Mariens in den Himmel keine Bedeutung oder sie müssen „uminterpretiert“ werden, was Ratzinger in seiner „Einführung ins Christentum“ ja tut. Die Glaubensinhalte und Dogmen werden einfach ausgehöhlt und mit neuen Nicht-Inhalten ersetzt. Es ist schrecklich! Wenn Christus nur eine besserer, evolutionistisch höher entwickelter Mensch war, dann gab es keine Erlösung. Warum sollte es eine geben? Wenn der Mensch nach de Lubac, Rahner und Ratzinger von sich aus, also ontisch, „gottfähig“ ist, dann gibt es keine Sünde und keine Erlösungsbedürftigkeit. Bloß einen soziologischen Verein mit Bratwürsten auf dem Pfarrfest und den Walen und wir sind bei Amoris Laetita. Tja, so schnell geht das!

Joseph Ratzinger hat als Präfekt der Glaubenskongregation das Patronat über die Zeitschrift Communio übernommen, welche die „konservativen“ Neutheologen gruppierte.  Es waren die Communio-Mitarbeiter, welche die Bischofsstühle besetzen und die nachfolgenden Namen hören sich für uns jetzt wie ein Who is who des Verfalls an. So schrieb die italienische Wochenzeitschrift Il Sabato (vom 6. Juni 1992):

Zwanzig Jahre sind vergangen; ‚Communio‘ hat seine Partie gewonnen. Zumindest, was den Kampf um die kirchliche Vorherrschaft anbelangt. Die Kirche gewährte den drei „Dissidenten“-Theologen [Ratzinger, de Lubac, von Balthasar Anm. Msgr. Spadaro], die an jenem Abend in der Via Aurelia am Taufbrunnen die Idee [dieser Zeitschrift Red.] hielten, die Ansehen erheischende Belohnung des Kardinalshuts.

Aber es gab Ehrenbezeugungen für alle. Die tüchtigsten Mitarbeiter von ‚Communio‘ wurden zu Bischöfen befördert: die Deutschen Karl Lehmann und Walter Kasper, der Italiener Angelo Scola, der Schweizer Eugenio Corecco, der Österreischer Christoph von Schönborn, der Belgier André-Juan Léonard, der Brasilianer Karl Romer. Eine Schar von Bischofstheologen, deren Einfluss in der Kirche viel weiter reicht als ihre Diözesan-Jurisdiktion. Ein wahres Think-tank der Kirche Karol Wojtylas.[7]

Msgr. Spadafora bemerkt, dass sich die Ultraprogressiven von Concilium mit den „Gemäßigten“ von Communio die Macht teilten. Währen den Ersteren die theologische „Forschung“ und die kulturelle Hegemonie zufiel, fiel den Letzteren die „kirchliche Vorherrschaft“ der Bischofstühle zu.[8] Dies erklärt den Umstand, warum man nirgendwo Theologie studieren kann und sich nur vier Kardinäle, davon drei in Rente, zu Amoris Laetitia-Debakel zu Wort meldeten. Ganz Rom wurde mit Neu-Theologen besetzt, was die vatikanischen Kommissionen anbelangte. [9]

Wem verdanken wir aber Papst Franziskus? Papst Benedikt XVI – Joseph Kardinal Ratzinger – dem, wie auch immer, Papst Emeritus, den es praktisch gibt, aber theoretisch, traditionell und kirchenrechtlich nicht geben kann. Er hat aufgegeben, er hat es hingeschmissen, das Amt des Vicarius Christi, er ist „von dem Wölfen davongelaufen“ und zwar „aus Gesundheitsgründen“. Es ist als würde der oberste Heeresführer mitten in der Schlacht desertieren oder sich selbst, mit einem eigenen Dekret aus dem Heeresdienst entlassen und „ins Zivil gehen“. Da spätestens seit dem Zweiten Weltkrieg der Ritterethos in Deutschland oder in den deutschsprachigen Ländern, die Schweiz ausgenommen, wenig gilt, so wird diese Ungeheuerlichkeit der Desertion nicht allen bewusst.  Kein Offizier kann sich mitten in der Schlacht selbst ins Zivil entlassen, noch weniger kann dies ein Heeresführer. Denn was ist die Folge? Der Zusammenbruch der Disziplin, keine Vorbilder mehr, kein Durchhalten. Wenn es dem obersten Heeresführer egal ist, warum soll es dem einfachen Soldaten nicht egal sein? Benedikt XVI hat mit seinem Rücktritt wenigstens genauso viel Schaden angerichtet, wie Franziskus mit seinem gesamten, bisherigen Pontifikat. Weil Benedikt gezeigt hat, dass nicht einmal der Papst den Glauben ernst nimmt und nicht einmal er Christus treu ist. Christus ist aber kein theologisches Konstrukt, sondern eine Person, die lebt und als Gott allmächtig ist. Wer hat diese Personalien bewilligt und gefördert? Joseph Kardinal Ratziner und heute ernten wir auch theologisch seine Früchte. Aber lassen wir ihn selbst sprechen. So schreibt er im Vorwort zur Einführung in das Christentum:

[Dem Nebel der nachkonziliaren theologischen Ungewissheit] kann man freilich nicht entgegenwirken durch ein bloßes Beharren auf dem Edelmetall fester Formeln der Vergangenheit [nicht die feierlichen Erklärungen des Lehramtes Anm. Msgr. Spadafora], das dann doch auch nur ein Metallklumpen bleibt: eine Last, statt kraft seines Wertes die Möglichkeit wahrer Freiheit [die so auf Schleichwegen den Platz der Wahrheit einnimmt Anm. Msgr. Spadafora] zu gewähren“. (Vorwort, S. 5)

Was heiß es im Klartext?

  • Vergangenheit zählt nicht,
  • Dogmen sind schöne Antiquitäten,
  • macht es wie ich,
  • wir brauchen Freiheit vom Lehramt.

Dies schrieb ein deutscher Startheologe, Priester und Theologieprofessor und das hat der Glaubenspräfekt nicht widerrufen. Das Lehramt, die Tradition, all das woran die Katholiken aller Zeiten geglaubt und gelitten haben, ist also „eine Last“. Ah so. Aber es wird noch besser, denn im Interview-Buch mit Vittorio Messori Zur Lage des Glaubens,[10] sagt Ratzinger

Als „ausgewogener Progressist“[11] sei er für eine „ruhige Entwicklung der Lehre“ ohne „einzelgängerische Fluchten nach vorne“[12], aber auch „ohne anachronistische Sehnsucht nach einem unwiederbringlichen vergangenen Gestern“[13] (S. 16/17) […].[14]

Wir müssen dem heute der Kirche treu bleiben, nicht dem gestern oder dem morgen.[15]

Obwohl wir diese Aussagen nach Spadafora wiedergeben, so haben wir es mit unserer Ausgabe Zur Lage des Glaubens verglichen. Ja, er hatte es tatsächlich so gesagt. Wie auch dieses:

Nicht ich habe mich geändert, sondern die anderen.[16]

Ich habe immer versucht, dem II. Vatikanum, diesem heute der Kirche, treu zu bleiben, ohne Sehnsucht nach einem unwiederbringlichen vergangenen Gestern und ohne ungeduldiges Drängen nach einem Morgen, das nicht unser ist.“[17]

Ja, Ratzinger ist sich selbst tatsächlich treu geblieben und nicht der Lehre der Kirche. Denn in seinem letzten Interviewbuch sagt er ja dasselbe, wie wir schon bereits bemerkten:

„Ich glaube, da [in unserem Denken über Gott Red.] muss man vieles verändern. Wie sich eben auch unser ganzes Menschenbild verändert hat. […] Jedenfalls stellt sich mit diesem Wissen [der heutigen Menschheit] die Struktur der Zeit, die von Geschichte, heute anderes dar. Hier muss zuallererst die Theologie noch gründlicher zu Werke gehen und den Menschen wieder Vorstellungsmöglichkeiten liefern. Da hat die Übersetzung von Theologie und Glaube in die Sprache von heute noch gewaltige Defizite; dass man Vorstellungsschemata schafft, dass man den Menschen hilft, heute zu verstehen, Gott nicht in einem Irgendwo zu suchen. Da ist viel zu tun.“[18]

Das Fazit oder warum der Rücktritt möglich war

Wir haben also einen Nouvelle Théologie-Theologen, der vor dem Konzil, wie er selbst sagt, der Häresie verdächtigt wurde und dessen Habilitationsschrift aufgrund der fehlenden Rechtgläubigkeit in der ersten Fassung zurückgewiesen wurde, welche in dem nachkonziliaren Wirrwarr zu einem Startheologen und „konservativen“ Startheologen aufstieg, Bischof, Kardinal, Präfekt der Glaubenskongregation und schließlich Papst wurde. Der aber seine theologischen Ansichten niemals geändert hat. Und deswegen hatte Gänswein vielleicht recht, wenn er sagte, dass zwischen Benedikt und Franziskus kein Blatt Papier passt, so eng sind sie einander. Vielleicht ist es schlichtweg wahr, denn das, was Ratzinger/Benedikt theoretisch ausgearbeitet hatte, das setzt Franziskus einfach praktisch um. Wenn die oberste Priorität der kulturelle Wandel und nicht der unwandelbare Gott ist, was AL 32 feststellt, warum soll sich dann nicht alles ändern und wandeln bis zu der Homo-Ehe hin. Es ist nur konsequent. Deswegen ist der Rücktritt von Benedikt XVI. weniger geheimnisvoll als man denkt und Ann Barnhardt hat mit ihrer Vermutung des „wesentlichen Irrtums“ beim Benedikt Rücktritt Recht. Benedikts theologische Ansichten sind dermaßen verworren, dass er bei seinem Rücktritt einen „wesentlichen Irrtum“ (Kan. 188) beging und somit weiterhin im Amte bleibt. Wenn wir aber mit unserer „Privatleben“-These Recht haben, dann ist dieser Rücktritt auf aufgrund der „schweren Furcht“ (Kan. 188) ungültig, die auf eine sittliche Erpressung der eigenen Person oder einer Person aus dem eigenen Umfeld folgte.[19] Wenn man etwas Unsittliches irgendwann einmal tut, dann besteht immer die Gefahr, dass man dabei gefilmt wird und solche Filme gegen einen verwendet werden können, was ein klerikaler Homo-Skandal, der noch große Wogen schlagen wird, derzeit in der Heimat des Schreibers dieser Zeilen beweist.

Der Schreiber dieser Zeilen erlebte den Rücktritt von Benedikt wie eine Desertion eines Heeresführers vor dem Feind. Wie kann aber ein Offizier (Priester) und Heeresführer (Kardinal, Papst) mitten in der Schlacht desertieren? Die alten Militärs, die es schon lange nicht mehr gibt, würden antworten:

„weil er niemals ein echter Soldat und Offizier war“.

Man wird doch im Militär geschult instinktiv und automatisch zu handeln, damit bestimmte Gedanken in bestimmten Krisensituationen gar nicht aufkommen können und zu Fehlreaktionen führen. Stellt man sich die Frage, wie ein gläubiger, „tiefgläubiger“ Mensch, der „Mozart der Theologie“, ein „künftiger Kirchenvater“ etc. etc. (alles ironisch gemeint) zurücktreten und einen solchen Unsinn in seinem letzten Interview-Buch wiedergeben konnte, so bleibt nur die logische Antwort, weil er nicht gläubig oder gar tiefgläubig war. Denn agere sequitur esse, also „das Handeln folgt dem Sein“, einfacher formuliert: „man handelt so, wie man ist“.

Welche positive Lehre resultiert für uns daraus? Geben wir Acht, dass wir weder moralisch noch intellektuell fallen, denn der Teufel wird die wenigen Übriggebliebenen noch schwerer anfechten, als diejenigen die er sowieso am Strick führt.

P.S. Nach der Niederschrift dieses Beitrags stellte sich heraus, dass Maike Hickson von onepeterfive ihren privaten Brief an Papst Benedikt XVI. veröffentlicht hatte, in welchem sie in anfleht doch das Geheimnis von Fatima zu veröffentlichen. Benedikt, der nachweislich diesen Brief erhalten hatte, hat nicht geanwortet. Uns wundert es nicht. Es passt leider in unser Profil.

[1] Man lese dazu Tanquerey, A., Précis de Théologie Ascétique et Mystique, Paris 1924, Regles pour le discernement des révélations, 937-944. Viel eingehender befasst sich mit dieser Thematik Pater Poulain SJ. So widmet er der Thematik „Wie unterscheidet man echte Offenbarungen und Visionen von falschen?“ in der deutschen Ausgabe seines Buches die Seiten 76-114 (Poulain, A., Die Fülle der Gnaden. Ein Handbuch der Mystik, Bd. 2, Freiburg im Breisgau 1910, 76-114), in der uns vorliegenden englischen Ausgabe dieses Werkes werden die Offenbarungen und Visionen auf Seiten 299-399 besprochen (Poulain, A., The Graces of Interior Prayer. A Treatise on Mystical Theology, Westmonasterii 1949 [reprint], Part IV: Revelations and Visions 299-399). Ob die anderen Ausgaben dieselbe Paginierung aufweisen, wissen wir nicht. Der Teil über die Unterscheidung von echten und falschen Visionen wurde auch als ein eigenes Buch herausgegeben.

[2] Spadafora, Francesco, Die „neue Theologie“ oder „Sie glauben gewonnen zu haben“, Sion: Verlag Les Amis de St. Francois de Sales 19962, 7.

[3] Das Katzenbuch ist natürlich nicht von ihm.

[4] Spadafora, 119-120.

[5] Zitiert nach Spadafora, 120.

[6] Spadafora, 122-123.

[7] Ebd. 131.

[8] Ebd. 132.

[9] Ebd. 132-134.

[10] Ratzinger, Joseph. Benedikt XVI., Zur Lage des Glaubens. Ein Gespräch mit Vittorio Messori, Herder 2007.

[11] Ratzinger, Lage, 18.

[12] Ebd., 19.

[13] Ebd.

[14] Spadafora. 137.

[15] Ebd. 138, Ratzinger, Lage, 31.

[16] Ratzinger, Lage, 18.

[17] Ratzinger, Lage, 19.

[18] Benedikt XVI., Letzte Gespräche mit Peter Seewald, Droemer: München 2016, 269-270.

[19] http://www.n-tv.de/panorama/Warum-Benedikt-XVI-wirklich-zuruecktrat-article12377046.html https://www.welt.de/politik/ausland/article156762772/Benedikt-XVI-spricht-von-Homosexuellen-Netzwerk-im-Vatikan.html

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6 Gedanken zu “Benedikt XVI revisited oder spielt das „Privatleben“ eine Rolle?

  1. Eine (wie so häufig meine Art) kleine Anmerkung zu Fußnote 1: Den höchst empfehlenswerten Tanquerey, ich denke, es gibt keinen bessere Systematik für den Einstieg und Bildung des geistlichen Lebens, gibt es gottlob auch in deutscher Sprache: Grundriss der aszetischen und mystischen Theologie, ins Dt. übertr. v. Johannes Sternaux.
    Mit der Falschmystik, dem dämonischen Wirken als Widersacher der hl. Kirche und der Menschen setzt sich auch Egon von Petersdorffs „Daemonologie“ (hier 2. Bd) auseinander, der zudem einen erschöpfenden Fußnotenapparat bietet. Gerade dieses Werk kann ich Ihnen sehr empfehlen, wenn Sie es nicht ohnehin schon kennen, es passt in diese Gesamtschau hinein wie die Faust aufs Auge.

    Noch ein Wort zu Kardinal Siri, der hier sicher nicht zu Unrecht lobend erwähnt wird. Doch eine Unbegreiflichkeit bleibt bei seiner Person: Er hätte, ganz allein, und geradezu ohne Schwierigkeiten das Blatt des 2. Vatikanischen Konzils mit nur wenigen Worten wenden können. Als Vorsitzender der zahlenmäßigen größten und auch noch konservativen italienischen Bischofskonferenz war es seine Passivität, die das Ruder den Ketzern des Rheins überließ. Es bestand ja gar keine Notwendigkeit, daß es so laufen mussten, die Radikalen waren ja in der Minderheit. (Alles andere wäre auch erstaunlich gewesen, hätte es doch bedeutet, daß der Glaube schon seit Jahrzehnten universell erloschen war). Mir ist das geradezu unerklärlich. Man muß fast, um eine derartige Wirkung hinreichend erklären zu können, eine übernatürliche sprich dämonische Ursache annehmen.

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  2. Vielen Dank für die Ergänzungen. Dass der Tanquerey übersetzt ist, ist mir bekannt, aber es ist schwer erhältlich, ich bin schon froh die französische Ausgabe antiquarisch erworben zu haben.

    Von Petersdorff kenne ich nicht, vielen Dank für die Ergänzung.

    Tja, Siri – die Siri-Hypothese, er der Pius XIII. angeblich nahm er nicht an…was da alles stimmt? Vielleicht wollte er keinen Chaos stiften und nicht ungehorsam sein. Vielleicht dachte er, dass es sich zum Guten wenden werde, nach den anfänglichen Unruhen, wie viele Konservative auch.

    Ich denke seit das nachkonziliare Paradigma der Weltöffnung anfing die Runde zu machen, war es schwer gegenzusteuern, denn alle hatten und haben diesen Denkfehler.

    Ja, es gibt noch Geheimnisse …..

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    1. Als es zu spät war – sicherlich. Aber zu Zeiten des Konzils hatte Siri alle Karten in der Hand. Und er spielte sie nicht … und damit den Modernisten zu. Er hätte nur die Hand heben müssen, und die Konzilsmehrheit wäre beim Coetus Internationalis Patrum gewesen.

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      1. Ich stelle mir auch die Frage, was die Konservativen beim Konzil falsch gemacht haben. Aber dazu müsste man wohl die ganzen Konzilsakten durchlesen. Wenn nicht einmal Roberto de Mattei, der ja jahrelang dazu geforscht hatte etwas gefunden hat, so hat es vielleicht nichts Erfreuliches gegeben. Warum? Und wir sind hier wieder beim fehlenden sensus fidei der Konzilsväter, die sich entweder so haben vorführen lassen oder sie hatten eben diese Ansichten.

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      2. Im Großen und Ganzen könnte man das so stehen lassen. Die rechtgläubigen Väter sind siegesgewiss in das Konzil hineingegangen – was konnte ihnen schon passieren? Sie vertraten die rechte Lehre. Daß mitten in Rom unter den Augen des Papstes Irrlehren verkündet werden, das hätten sie sich in ihren schlimmsten Albträume nicht vorstellen können.
        Im Gegensatz dazu gingen die Modernisten mit satanischer Perfidität in allen Bereichen vor. Das konnten und wollten die gläubigen Konzilsväter nicht. Und erst recht wollten sich die Konservativen, die ja immer auch ultramontan waren, nicht gegen den Papst stellen. Mutige Prälaten gab es da nur wenige.

        Der Coetus hat aber tatsächlich alle Probleme im Konzil haarscharf erkannt. Viel besser, als wir das tun. Es ist geradezu erstaunlich. Aber es gab damals eben noch Menschen, die in der scholastischen Theologie geschult und mit den göttlichen Tugenden ausgestattet waren. Es nutzte nur alles nichts mehr. Die letzten Bastionen hat Paul VI. schließlich persönlich weggebrochen. Wie konnte man, der man als integralistischer Prälat vielleicht jahrzehntelang für den Papst gestritten und gelitten hat, sich plötzlich widersetzen? Viele Bischöfe kehrten innerlich zutiefst zerworfen wieder zurück.

        Symptomatisch für das, was passierte, ist das Schicksal des Jesuitenordens. Man tut immer so, als seien die schon immer die schlimmsten gewesen. Das sei ferne. Bis zum Tode des Ordensgenerals Janssens war es die stärkste konservative Kraft in der Kirche. Binnen weniger Monate drehte sich das fast komplett. Und es ist nachvollziehbar, die Jesuiten waren ja nicht blöd. Wenn das Konzil recht hat, und etwas anderes war nicht denkbar, dann war alles bis dahin Gewesene verkehrt. Logisch. Leider ging die Klugheit nicht so weit, das Konzil abzulehnen.

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  3. Ja, das schreiben viele

    1. Romtreue
    2. Papsttreue
    3. Der Papst will es so etc.

    Aber bei den Jesuiten waren schon vor dem Konzil viele Abtrünige und es scheint auch vorher vieles falsch gelaufen zu sein, wie Msgr. Spadafora schreibt. Den besten Novizen wurden von den Jesuiten verbotene Bücher, d.h. nouvelle theologie und Blondel zu lesen gegeben.

    1. Teilhard SJ
    2. Rahner SJ
    3. De Lubac SJ
    4. Danielou SJ
    5. Balthasar SJ
    6. Przywara SJ
    7. Bea SJ

    es sind doch auffalend viele und ich will hier nicht die Lister aller berühmten abtrünigen Jesuiten beifügen.

    Was ist der in der Spiritualität dieses Ordens falsch gelaufen, das die erste Aufhebung (ja, ich rechne mit einer zweiten) bewirkte und dann diese schrittweise Apostasie.

    Auf katholisches. info versuchte man diese Antwort zu geben, aber viel zu vage.

    Eine mögliche Erklärung: eine viel zu subjektiv geprägte Spiritualität und zu wenig Brevierbeten und dann haben wir so etwas wie: Jesuita nec cantat nec rubricat – immer diese Extrawürste bis zum Franziskus.

    Auch ich hatte den Eindruck, dass jeder Jesuit irgendwie vorhatte sich seine eigene Skurilität zu züchten und man ihn gewähren ließ, denn es ist die Elite…

    Aber was viel interessanter ist, wie hat es die St. Gallen Mafia geschafft, dass Bergoglio 2/3 der Stimmen bekommt. Ja, ich kenne die Berichte von der Wahl, aber das von unseren wählenden Kardinälen keiner böse Ahnungen hatte, wie 2005? Ist denen auch alles gleich?

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