Benedikt XVI. – Letzte Gespräche oder banaler geht es kaum noch.


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Der Schreiber dieser Zeilen hat sich vor Kurzem die Letzten Gespräche von Benedikt XVI. gekauft, was er bereut. Es ist kaum lesbar und von dem Geld hätte man eine Messe in Le Barroux bestellen können. Es ist das Schwächste der gelesenen Ratzinger-Bücher, was nicht nur damit zusammenhängt, dass man im schon sehr fortgeschrittenen Alter intellektuell abbaut, sondern damit, dass unser Papa Emeritus wirklich kaum etwas zu sagen hat, was über die überall gepflegte political correctness hinausgehen würde. „Welt trifft Welt“, könnte man auch titeln und dieses Buch erinnert an Memoiren von Politikern, welche sich ein wenig an ihre Jugend, an dies und das erinnern und meinen im Großen und Ganzen alles ganz richtig getan zu haben. Dem Schreiber dieser Zeilen kam der Titel „Banalität des Bösen“ in den Sinn, er fragte sich auch, ob und an was Benedikt eigentlich glaubt. Gott kommt da recht am Rande vor, wie ein heiliges Bild im Hintergrund einer bayrischen Stube. Wenn er sich zurückgezogen hatte, um mehr zu beten, was er, wie er offen zugibt, nicht einhält, dann hat es wirklich nichts gebracht. Denn wir treffen einen wirklich säkularisierten älteren Herrn, der Plattitüden von sich gibt und dem die Williamson-Affäre am meisten in seinem Pontifikat zu schaffen machte. Warum gerade das? Weil es die schlechteste Presse gab. Richtet sich ein Papst an derartig weltlichen Kriterien. Ja, dieser schon. Was ist dann noch päpstlich? Gute Frage. Auf den 270 sagt Benedikt sehr wenig und man muss sich fragen, warum er dieses Buch überhaupt veröffentlichte. Seewald wird von diesen Tantiemen gut leben können, aber braucht Benedikt wirklich das Geld so nötig? Er müsste sich doch im Klaren sein, dass Menschen auf irgendwelche Worte warten, welche ihnen helfen die jetzige Situation, aus der göttlichen Sicht her, zu verstehen. Stattdessen erfahren wir, dass er mit Küng Kaffee trank, dass er gerne wanderte und Rad fuhr, dass er sich im 19 Jahrhundert unwohl fühlte und all das 270 Seiten lang. Es ist schon wirklich peinlich. Kein Schuldgefühl wegen Franziskus, der Glauben an die Kraft der Weltjugendtage, der neuen Bewegungen, als würde er irgendwelche Zeitungstexte wiedergeben.

Kann man am Rande des Grabes wirklich so banal sein? Ist da wirklich nichts mehr? Ist Benedikt noch überhaupt gläubig? War er es jemals gewesen? Gehörte er zu denen, die 245 Dogmen der Katholischen Kirche anerkannten? Nur dann, wenn man sie uminterpretierte? Warum denn? Dieses Buch hat etwas Trockenes und Staubiges, vom Eindruck her mit den Memoiren von Vorgrimler zu vergleichen. Hat der Geist Gottes Ratzinger verlassen wie damals Saul? Der Schreiber dieser Zeilen hat heute einen Eintrag über die gefallenen Engel beendet, deren Strafe u.a. darin bestand, dass ihre Erkenntnis verblendet wurde und ihre natürliche Erkenntnis des Übernatürlichen, was bei Engeln der Fall ist, nichts Lebendiges oder Beglückendes hatte. Dies ist auch der Zustand der Menschen in einer schweren Sünde. Der Schreiber dieser Zeilen musste an fast alle seine Theologieprofessoren denken, von denen diese nachkonziliare Staubigkeit ausging. Hätte er früher gelebt, so könnte er denken: es war das 19 Jhdt. und die Neuscholastik, welche diesen Staub verursachte. Aber er hat nur den nachkonziliaren Staub kennengelernt. Es geht aber nicht um Vorkonziliar- gegen Nachkonziliar, sondern um den Unglauben, welcher solch einen Staub absondert.  Man wird im Alter ursprünglicher, authentischer, man wird so, wie in seiner Jugend. War denn die Theologie Ratzingers, wie bei vielen anderen auch, nur eine intellektuelle Spielerei, wohlgemerkt, auch einem hohen Niveau, welche den eigenen Unglauben zudeckte? Man müsste unter diesem Gesichtspunkt all seine Werke durchlesen, aber kam seine Abneigung gegen die Scholastik, Thomismus, das Alte etc. nicht gerade daher, dass er keinen Sinn darin sah, weil ein Ungläubiger ihn nicht sieht. Dies sind wohlgemerkt sehr starke Worte, aber wohl kaum jemand würde sich empören, wenn man Papst Franziskus als einen Ungläubigen bezeichnen würde. Fing es nicht schon früher an? Glaube ich an den einen, lebendigen Gott oder bediene ich mich der Hilfskonstrukte? Eine gute Frage, die sich jeder selbst beantworten müsste, aber vom letzten Benedikt-Buch ist wirklich abzuraten.

Weil wir uns vorgenommen haben mehr Licht auszustrahlen, um nicht in der Dunkelheit der Nachrichtenwelt zu versinken, so versuchen wir auch diesen Beitrag irgendwie positiv zu schließen. Wir sind nicht allein, denn wir sind von Engeln umgeben, welche Gott die ganze Zeit loben und von Heiligen, die dasselbe tun. Das Tridentinische Brevier endet in der Matutin der Duplex-Feste, wie heute am Fest des Apostels Matthäus, immer mit Te Deum, natürlich in der langen, lateinischen Form. Obwohl der Schreiber dieser Zeilen es fast täglich betet und damit auch Ablässe erwirkt, denn beim Te Deum geht es auch heute, so wurde ihm er neulich klar, dass dieses Lobgesang die Freude der Himmlischen Kirche über diesen Heiligen zum Ausdruck bringt. Man freut sich die ganze Zeit in der Nähe Gottes zu stehen und feiert diesen Heiligen, wozu wir einstimmen können. Reine Freude im Himmel, kein Neid, allgemeines Wohlwollen und Glück der seligen Anschauung der Visio Beatifica. Muss das schön sein und die gute, alte Liturgie gibt uns auch Anteil daran. Na, hat es Sie ein wenig getröstet?

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18 Gedanken zu “Benedikt XVI. – Letzte Gespräche oder banaler geht es kaum noch.

  1. habe vor wenigen Wochen sämtliche Ratzinger- Bücher auf den Speicher geschafft, er war den „Kardinal meines Herzens“, nachdem ich ihn mal persönlich kennenlernen und sprechen durfte und dann war er der „Papst meines Herzens“ für den ich fast tgl.um Kraft, Schutz, Gesundheit und langes Leben betete, leider hab ich nicht daran gedacht auch um Standhaftigkeit zu beten…nun wünsche ich ihm von Herzen, daß sein Fegefeuer so gemütlich sein möge, wie sein Ruhestand….(..ja, ich weiß, daß in mir viel Bitterkeit und Bissigkeit ist….möge ich die Gnade erlangen, daß sich das noch zu Lebzeiten ändert)

    Zu der angeblich mokierten Dunkelheit in diesem Blog: mit einer ernsten, ja dramatischen Wahrheit offen umzugehen finde ich 1000 x besser, als mit dem ganzen Schöngerede (z.B. kathnet u.s.w.) zu benebeln.
    Ein italienische Blog veröffentlicht immer wieder Predigten und Ansprachen von P. PiusXII, welch geistige -immer aktuelle- Leuchtkraft fließt aus seinen Sätzen! Bin weder besonders intelligent noch besonders geistig, aber da versteh ich, daß er zu Recht den Titel:“pastor angelicus“ trägt.

    Dank an Tradition und Glauben; meine Gebetsschulden zahl ich gern

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  2. @ anton

    Werfen Sie die Ratzinger-Bücher nicht weg, man kann sie immer noch verwenden, um zu zeigen, was man zu meiden hat.

    Ja Ratzinger hat vielen Menschen sehr weh getan, die für ihn gebetet und aufgeopfert haben, aber jeder Mensch hat einen eigenen Willen, der frei ist.

    Sie sind wirklich sehr zuversichtlich, wenn Sie noch vom Fegefeuer ausgehen. Gott ist sehr gerecht und wenn man solch ein Amt verschmäht, da ist das Fegefeuer keine Selbstverständlichkeit. Wem mehr gegeben wurde, von dem wird mehr gefordert werden. Auf den Rücktritt Ratzingers ist jetzt diese Masse der sakrilegischen Kommunionen zurückzuführen.

    Wie ich bereits schreib, bei der Benedikt-Lektüre kam mir die Passage aus der Dogmatik von Diekamp-Jüssen, (Alverna: Wil 2012, S. 385-386) in den Sinn, in welcher über die Folgen und Strafen der Engelsünde aufgeführt werden. Jeder schwere Sünder verhält sich ebenso. Was sind diese Folgen und Strafen:

    1. Verfinsterung und Verblendung der Erkenntnis

    „Nur eine natürliche und unfruchtbare Kenntnis übernatürlicher Wahrheiten und Tatsachen ist den Dämonen geblieben“. (S. 385)

    2. Vollständige Verhärtung und Verstocktheit des Willens, die sowohl die Unbussfertigkeit als auch die Absicht, stets böse zu handeln, in sich schliesst.

    Wodurch? Durch den vollständigen Entzug der Gnade.

    Hier sind leider einige Analogien zu Ratzinger vorhanden. Der Rücktritt war doch eine himmelschreiende Sünde, die er schön redet, nichts bereut, es gibt überhaupt keine Einsicht, dass das Konzil und er selbst etwas falsch gemacht haben. Franziskus ist sehr gut und Benedikt lebt von Freunden umgeben und wird von Freunden besucht. Also Einsicht und Reue gibt es keine.

    Jemand schrieb, dass Modernisten sehr verstockt sind, natürlich, weil ihre Erkenntnis falsch ist und der Wille folgt ja immer der Erkenntnis.

    Es ist nicht nur traurig, wie banal diese Buch ist, sondern wie verweltlicht. Der arme Seewald dürstet ja förmlich nach irgendeiner geistliche Aussage. Aber es kommen keine. Es ist so als würde man zu einem Einsiedler 2000 Höhenmeter hinaufsteigen und dann nur Plattitüden hören. Aber wo nichts ist, da ist nichts. Irgendwie scheint ihn der Geist der Weisheit, der trotz allem ab und zu durch die Standesgnade bei ihm wirkte, verlassen zu haben. Warum?

    Weish 1,4

    „Denn in eine boshafte Seele geht die Weisheit nicht ein noch nimmt sie Wohnung in einem Leibe, der ein Sklave der Sünde ist“.

    Benedikt sagt wirklich nicht die ganze Wahrheit und Amtsverzicht war eine große Sünde. Das Ganze ist immer vollkommner als der Teil, lehrt hl. Thomas. Ratzinger war niemals Thomist, aber die Kirche ist doch wichtiger als das private Wohlbefinden eines Papstes.

    Vielen Dank für Ihre Gebete!

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  3. Sie haben oben geschrieben:“.. Hätte er früher gelebt, so könnte er denken: es war das 19 Jhdt. und die Neuscholastik, welche diesen Staub verursachte…“. Das verstehe ich irgendwie nicht. Warum die Neuscholastik, und wie? Koennten Sie es mir bitte erklaeren? Vielen Dank.

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    1. Die meisten Theologen der Nouvelle Theologie und Ratzinger auch mochten das 19 Jahrhundert nicht, welches ihnen als verstaubt und neuthomistisch vorkam. Das Konzil sollte ja einen frischen Wind reinbringen. Benedikt sagt ja selbst in den Letzten Gesprächen, dass im diese Frömmigkeit der 19 Jahrhunderts fremd war. Man liest diese Sätze auch bei anderen Theologen, die so um 1920 geboren wurden. Ich meinte diesen Satz aber ironisch. Es gab im 19 Jahrhundert sehr gute, gut strukturierte theologische Literatur, von der ich zehre. Wie Diekamp, Tanquerey, Poulain etc.

      Ich glaube einfach, dass Leute, welche die Neuscholastik oder die Scholastik verabscheuen sie wahrscheinlich nicht verstanden haben. Für mich persönlich ist es wieder eine Lust sich in dieser wohlstrukturierten Welt zu bewegen. Also wie gesagt: ironisch!

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  4. Da ich die „Letzten Gespräche“ selbst nicht gelesen habe, kann ich zu deren Inhalt fairerweise nichts sagen und bin deshalb auf Ihre Einschätzung angewiesen.
    Ich hatte bis jetzt nicht das Bedürfnis, das Buch zu kaufen, nach der Lektüre Ihres Beitrages noch sehr viel weniger.
    Doch ein Gedanke kam mir beim Lesen in den Sinn: Spricht nicht auch eine Portion Hochmut aus Ihren Worten? Und sollten wir uns vor ihr nicht hüten?
    Es mag ja sein, dass der Inhalt der „Letzten Gespräche“ äusserst banal ist und Sie zu Recht enttäuscht sind. Aber unsere Meinungen sind ja immer auch subjektiv.
    Es käme darauf an, zu wissen wie Sie Papst Benedikt während seines Wirkens eingeschätzt haben und ob diese evtl. negative Einschätzung Ihr jetziges Urteil beeinflusst hat.
    Wie es um seinen Glauben bestellt ist, können wir als Aussenstehende nicht wirklich wissen.
    Durch seinen Rücktritt ist viel in mir kaputt gegangen. Schlecht zu Fuß zu sein und nicht zum Weltjugendtag fahren zu können dürfte -zumindest in meinen Augen- nicht als hinreichender Grund für einen Rückzug dienen. Auch das Ertragen körperlichen Leidens kann zusätzlich zur sinnvollen Aufgabe für einen Papst werden.
    Sein Lob für Papst Franziskus ist mir unverständlich. Es kann Benedikt doch nicht entgangen sein, wieviel Verwirrung seit Amtsantritt seines Nachfolgers um sich gegriffen hat. Ich wage mir nicht vorzustellen, was diesbezüglich noch auf uns zukommen wird.
    Es kann nicht sein, dass dies alles den emeritierten Papst gleichgültig lässt.
    Was denkt er wirklich und spricht es im Gespräch mit Peter Seewald nur nicht aus.

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  5. @ Marienzweig

    Meine Einschätzung von Benedikt war bis zu seinem Rücktritt keine schlechte. Wir können seinen Seelenzustand aus den Auswirkungen folgen und das, was er dort sagt und das, was er darin nicht sagt sind diese Auswirkungen.

    Die Theorie des Unglaubens erklärt recht plausibel das, was uns widersprüchlich erscheint:

    – Ein guter konservativer, frommer Papst tritt plötzlich ab, hinterlässt Chaos und äußerst sich mit keinem Wort Kritik zum desaströseh Handeln von Franziskus.

    Antwort: Unsere Einschätzung von Benedikt „vorher“ war unzutreffend, da wir uns alle von unseren Gefühlen und Wünschen leiten ließen.

    Jetzt haben wir Fakten.

    Dies ist also kein Hochmut, sondern Analyse, die mir selbst auch weh tut.

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  6. Ich weiß nicht.

    Bei seinem Amtsantritt hat Papst Benedikt gesagt „Betet, dass ich nicht furchtsam vor den Wölfen fliehe“.
    Dass er es dann trotzdem getan hat, wird daran liegen, dass zu wenig für ihn gebetet worden ist.
    Ich habe gehört „Jede Pfarrei hat den Pfarrer, den sie verdient.“ Das könnte man auch auf die Weltkirche beziehen, oder?
    Jetzt haben wir die Bescherung.
    Ich habe seit 2013 viel inniger für die Kirche gebetet als davor.
    Tobit 13,8: Kehrt um, ihr Sünder, / tut, was recht ist in seinen Augen. / Vielleicht ist er gnädig und hat mit euch Erbarmen.

    Herr, erbarme dich!

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    1. Das ist eine alte Priesterverteidigung:

      – ich bin ungläubig, weil ihr zu wenig für mich betet,
      – ich lebe im Konkubinat, weil ihr zu wenig für mich betet,
      – ich bin Alkoholiker, weil ihr zu wenig für mich betet
      – ich bin dies und das, weil ihr zu wenig für mich betet.

      Das Gebet anderer ändert nicht Ihren freien Willen und Sie nehmen das Gebet nur positiv wahr, wenn Sie im Gnadenstand sind. Ist man in schwerer Sünde so regisitert man es nicht oder nur negativ.

      Ich persönlich merke tatsächlich, dass man für mich betet. Ich fühle es als wäre ich von einem Licht oder Wärme umgeben. Dies sind natürlich Bilder, welche es irgendwie ausdrücken sollen. Ich konnte es mindestens in zwei Fällen identifizieren und glauben den Aussagen, denn ich spürte, dass jemand dann und dann um diese Zeit für mich gebetet hat, ich fragte nach und er/sie hat es bestätigt. Ich glaube, dass mich diese Personen nicht angelogen haben.

      Gebete anderer sind fühlbar, wenn man aber:
      – im Gnadenstand,
      – in unbesiegbarer Ignoranz lebt,

      denn Menschen für die ich selbst gebetet habe, haben es als sehr wohltuend erlebt, obwohl nicht alle von ihnen fromm waren. Es ist also ein Erfahrungswert.

      Aber meine Gebete haben nicht den Willen dieser Personen verändert. Sie taten und tun trotzdem das, was Sie wollen.

      Sie sind also für Benedikt/Ratzinger nicht verantwortlich, sondern er ist es für sich selbst.

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  7. Hier die Gegenposition eines Bloggers, ein Auszug daraus:

    “ … wußte ich, daß “Letzte Gespräche” mir bestimmt gefallen würde.
    Und so ist es.
    Papa Benedetto spricht darin so klar und herzlich, mit Verstand und Gefühl über seine Zeit als junger Theologe, als Professor, als Kardinal und schließlich als Pontifex und auch über seinen Rücktritt, sodaß es wirklich nur bösartigen Gemütern einfallen kann, über diesen “großen Papst” (O-Ton Franziskus!) herzuziehen und ihm gar den Mund verbieten zu wollen, wie man es vor geraumer Zeit aus dem virtuellen Mund, eines selbsternannten Sittenwächters aus Bonn vernehmen durfte, der sich u.a. damit beschäftigt, vermeintlich böse “Rechtskatholiken” (das sind jene, die sich nicht vom weltlichen mainstream in die katholische Seele pfuschen lassen wollen) an den Pranger zu stellen.“

    Vollständig hier:
    https://bellfrell.blogspot.de/2016/09/lesen.html

    Es ist immer wieder faszinierend zu beobachten, wie ein und diesselbe Sache genau entgegengesetzt bewertet wird, je nach persönlichem Standort.
    Ich möchte es jetzt einfach mal so stehen lassen und nicht bewerten.
    Doch noch immer verspüre ich keinen Drang, mir das Buch zu besorgen.

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    1. @ marienzweig

      Ich lese zurzeit ein Buch über Kommunikation und lerne noch mehr daraus, wie sehr unsere Gefühle bei der Nachrichtenverarbeitung und Aufnahmen eine Rolle spielen. Wir werten zuerst alle Informationen innerhalb eines emotionalen Rasters ab, mathematisch-logische Traktate auch, bevor wir sie durcharbeiten.

      Beim diesem Benedikt Buch gibt es dermaßen viele offene Fragen, dass das, was man darin nicht nachlesen kann, sich selbst dazuerzählt, abhängig von der eigenen emotionalen Haltung.

      Ihr Zitat ist stark emotional wertend „bösartige Gemüter“, „Rechtskatholiken“ etc., aber wenig oder gar nicht sachlich.

      Ein Leser auf gloria.tv http://www.deutschland.world/home/der-jetzige-papst/die-problematik-der-tonlosen-papst-interviews/ geht sogar so weit Seewald zu unterstellen er hätte sich das ganze Interview aus den Fingern gesaugt, weil das darin Gesagte so sehr dem Benedikt-Bild dieses Lesers widerstrebt. Diese Reaktion ist emotional höchst nachvollziehbar, obwohl sie sehr irrational ist.

      Unserer Zugang ist ein anderer: Unser aller, der konservativen, romtreuer Katholiken Benedikt-Bild war falsch, weil es zu positiv war. Wir wollten Ratzinger so sehen, weil er der Papst war, weil man sich an jemanden auch emotional ausrichten muss, weil man Vorbilder braucht etc.

      Im Falle der Deutschen war Ratzinger „unser Mann im Rom“, der gute, gegen die Bösen, wie Wojtyla für die Polen. Aber die Widersprüche bestehen nur, wenn man annimmt:
      1. Benedikt/Ratzinger war streng gläubig und katholisch
      2. Konservativ
      3. Verteidiger und Träger des Papsttums
      4. Mystiker, der auf Gott hörte, welcher ihn aufforderte zurückzutreten.

      Nur aus diesem Denken heraus entstehen die Fragen:
      a) Warum ist er zurückgetreten?
      b) Warum unternimmt er nichts gegen Franziskus?

      Nimmt man aber an:

      1. Ratzinger/Benedikt war immer modernistisch bis ungläubig gewesen
      2. Deswegen machte er so schnell solch eine große Kirchenkarriere, weil ihn die richtigen Leute hochgehievt haben
      3. Er wurde Papst als Karriereabschluss und recht widerwillig
      4. Warf hin, weil er keinen Glauben, keine Lust mehr hatte und das Papsttum in eine Dyarchie, siehe Ann Banrhardt, ummodeln wollte
      5. Weil ihm der traditionelle Glaubens-Kirchen-Papst und Religionsbegrifft nichts bedeutet.
      6. Stört er sich nicht an Franziskus.

      Aus dieser Sicht heraus ist sein Verhalten erklärbar und nicht widersprüchlich. Er sagte auch irgendwann selbst: „dass er selbst sich immer treu geblieben sei“, womit er Recht hat. Nur wir haben es nicht gesehen, weil er sich so verklausuliert verstellt hatte und soooo intellektuell war.

      Für mich persönlich ist mit seinem Rücktritt eine Welt zusammengebrochen und ich brauchte auch lange, um mir dieses zu erklären. Dies ist die Erklärung: Unglauben.

      Es tut natürlich weh zu wissen, dass die Kirche in Händen solcher Leute ist, die Christus so sehr beleidigen, aber Gott wird sich schon zu helfen wissen, spätestens nach Ratzingers Tod.

      Leute, die Ratzinger/B16 verteidigen:

      a. haben von Theologie keine Ahnung,
      b. sie haben Ahnung, aber sie machen sich immer noch ein x für ein u vor und deuten Ratzinger im konservativen Sinne der Hermeneutik der Kontinuität,
      c. sie haben Ahnung, sehen das eigentliche Problem, lügen aber, um die „kleinen Leute“ nicht zu verschrecken, in der Kirche zu halten, selbst Karriere zu machen,
      d. sie haben Ahnung, sehen das Problem und ziehen die Konsequenzen daraus: Ann Barnhardt und u.a. wir

      Es ist ein emotionales Problem vorerst, kein intellektueller und katholisches.info oder onepeterfive.com leben von ihren Blogs, Familien, Kinder etc. und können und wollen sich ihre konservative Leserschaft nicht verschrecken.

      Uns ist es egal, weil wir es pro bono machen und hoffen, dass sich wenigstens 17 EUR im Monat für eine Messe zusammensammeln, bei zwei Blogs dies täglich insgesamt ca. 800 Aufrufe haben, d.h. 24 000 im Monat. Falls nichts kommt, dann können wir trotzdem leben. Und das ist der Vorteil „der Schwester Armut“ und eines Brotberufes, dass man unabhängig sein kann.

      Es geht uns wie Hilary White, im Kanninchenloch. Wir können erst jetzt das Ausmaß der Zerstörung der Kirche überhaupt abschätzen und zwar von der Spitze an. Wir werden tatsächlich auch im Vatikan gelesen, denn WordPress gibt an, woher die Aufrufe kommen, meistens liest uns der Vatikan verdeckt, manchmal aber offen, vielleicht, um es uns zu kommunizieren.

      Die können uns auch anonym kontaktieren und unsere These bestätigen oder verneinen. Im Gegensatz zu Ann Barnhardt haben wir im Vatikan keine Kontakte.

      Wie auch immer. Man sollte sich in einer guten Verfassung halten und nicht das lesen, das einem schadet.

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      1. Sie schreiben:
        „Ihr Zitat ist stark emotional wertend „bösartige Gemüter“, „Rechtskatholiken“ etc., aber wenig oder gar nicht sachlich.“
        Es war dies ja nicht mein Zitat, sondern das vom Blogger bellfrell.
        Ihnen ist mit Benedikts Rücktritt eine Welt zusammengebrochen.
        Auch in mir ging etwas kaputt und ist nicht mehr heil geworden.
        Ich habe nicht Theologie studiert, bin also nicht vom Fach und habe deshalb Mühe und auch Hemmungen, über etwas zu urteilen, wovon ich kaum etwas verstehe. Ich sehe mich eher als das sprichwörtliche alte Mütterchen in der Kirchenbank, deren Herz ganz vom Glauben durchdrungen ist.
        Den Inhalt des Katechismus zu kennen, in der Bibel zu lesen und gute geistliche Bücher, dazu eine würdige Liturgie am Sonntag miterleben zu dürfen, das alles ist mir tatsächlich wichtiger, als komplizierte theologische Fragen zu erörtern
        und so möchte ich zukünftig leben, unabhängig vom Reden und Handeln des jetzigen und der vorigen Päpste. Trotz dieser entstandenen Distanz bin ich und fühle mich durch und durch katholisch. Etwas anderes zu sein, kann und will ich mir auch gar nicht vorstellen.

        Was ich noch anerkennend erwähnen möchte:
        Es ist schön, dass Sie praktisch auf jeden Kommentar Ihrer Leser reagieren und antworten. Dies kostet Sie Zeit und Mühe und ist deshalb ganz und gar nicht selbstverständlich.
        Danke dafür!

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      2. @ marienzweig

        Das ist mir schon klar, dass Sie jemanden zitieren und fremde Gedanken wiedergeben.

        Bleiben Sie sich treu und nehmen Sie die Päpste nicht so Ernst. Der Papst ist ein Amt, dem man treu zu sein hat.

        Von den Mütterchen lebt die Kirche. Sie werden für Ihre eigene Seele verantwortlich sein, Ratzinger für die seine. Ich glaube trotz allem, dass wir von Gott viel mehr Gnade erhalten, wegen dieser schweren Zeit und dem Abfall des Klerus. Deswegen wird es uns in unsererer letzten Stunde und für die Ewigkeit mehr nutzen, als wenn wir in einer Zeit gelebt hätten als alles noch mehr oder weniger intakt war.

        Also es wird alles gut werden. Fassen Sie Mut!

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  8. Er ist voll verantwortlich für die „Subsistit in – Lehre“ und alle negativen Folgen daraus. Die katholische Kirche ist die Kirche Jesu Christi und ein junger Konzilstheologe hätte besser auf Christus gehört und nicht auf protestantische Ratgeber. Übrigens seine Interpretation des dritten Geheimnisses von Fatima hat mir nicht gefallen, gefällt mir immer noch nicht und wird mir auch nie gefallen. Das unbefleckte Herz Mariens wird triumphieren und nicht siegen denn das ist ein großer Unterschied. Das sollte ein Vorsitzender der Glaubenskongregation eigentlich wissen.
    Per Mariam ad Christum.

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  9. Ich brauche keinen Mozart der Theologie, eine Fürbitte der Mutter Gottes bei ihrem Sohn reicht mir vollkommen aus. Und ich denke das funktioniert gut. Danke, Danke, Danke.
    Per Mariam ad Christum.

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  10. Traditio et Fides,
    darf ich abschließend und hoffentlich ganz kurz auf Ihre Antwort von gestern um 22.50 Uhr zurückkommen.
    Sie können kaum wissen, wie sehr Sie mir damit geholfen haben.
    Dem Papstamt an sich treu bleiben, unabhängig der Amtsinhaber – diese Ihre Äusserung hat mich aus einem Dilemma befreit. Ich hätte ja auch selbst darauf kommen können, aber ich kam nun mal nicht darauf.
    Ich habe meine Schwierigkeiten mit Franziskus schon einige Male in der Beichte thematisiert. Zur Hälfte erstaunte Reaktionen und der Hinweis auf seine unbedingte Lehramtstreue. Die andere Hälfte reagierte mit Verständnis, etwa so: „Da sind Sie nicht allein. Es geht mir ähnlich!“ Ich war erstaunt!

    Ihr HInweis auf die schwere Zeit, die wir durchmachen und trotzdem oder gerade deswegen auf die besondere Gnade Gottes hoffen dürfen – das macht Mut!
    Danke!

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