Priesterhilfe aber wie? (1) Die Lage.


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Alle Leser, die zu uns über den Blog Nur ein Kreuzknappe gekommen sind, machen wir darüber aufmerksam, dass der Kreuzknappe den Inhalt dieses Artikels nicht korrekt wiedergibt. In Polen gaben ca. 60% der 1063 in der Studie befragten Priester (auch Ex-Priester) zu gegen das Zölibat/die Keuschheit verstoßen zu haben, unser Autor, der in einer deutschen Diözese lebt, mutmaßt, dass in seiner Diözese dieser Prozentsatz 90% beträgt. Also Polen 60%, Deutschland 90%, andere deutschsprachigen Länder sicherlich auch zwischen 80% und 90% Prozent. Wir sind traditionalistisch! Wir setzen Textverständnis voraus! Keine „nachkonziliare Hermeneutik“ im Sinne Jedoch-aber-wenn-pastorale-Gründe-dafür-sprechen-dann-retten-wir-die-Wale, sondern Logik und Fakten. Sorry, falls es jemanden überfordert.

Wir haben versucht uns in der letzten Zeit in die Lage eines Priesters zu versetzen, der diesen Blog besucht und wahrscheinlich sich verstört und verletzt zurückzieht. Warum? Weil wir hier wirklich nicht mit der Kritik des geistlichen Standes  in deutschsprachigen Ländern sparen. Er wird sich fühlen, wie einer der noch zusätzlich von einem traditionalistisch-konservativen Blog „auf den Deckel“ kriegt, statt betuttelt und behudelt zu werden,  frei nach dem Motto:

Beten wir für heilige Priester … sie haben es soooo schwer!

Natürlich ist die ersten Annahme wichtig, da es aber ausreichend viele „betuttelnde“ Blogs und Internetseiten gibt, so wollen wir hier zuerst die richtige Diagnose stellen, von welcher die weitere Behandlung abhängt. Denn die nettesten Ärzte sind nur selten die Besten. Wahrheit ist manchmal bitter und hart, dafür aber hilfreich.  Es stellt sich aber vorrangig die Frage, ob wir mit unserer harten Kritik des Priesterstandes in den deutschsprachigen Ländern überhaupt recht haben oder vielleicht die ganze Lage viel zu pessimistisch sehen. Wir glauben es nicht und hier kommen ein paar Fakten.

Statistische Fakten über das Priesterleben

Die Deutsche Bischofskonferenz hatte 2015 eine Untersuchung  „Sorge für die Seelsorgenden“  über das religiöse Leben der Priester und aller in der Pastoral arbeitenden in Auftrag gegeben,[1] welche sich als so verheerend erwiesen hatte, dass der volle Bericht und in einer wissenschaftlichen Zeitschrift publiziert wurde[2] und die DBK selbst nur Auszüge davon veröffentlichte. Wir werden uns dieser Studie noch ausführlich widmen, was aber schon aus dem veröffentlichten Material ersichtlich erscheint,[3] ist wie Wechselbeziehung zwischen dem Mangel am eigenen spirituellen Leben und dem Burnout-Syndrom, womit natürlich  Frustrationen einhergehen. Unsere Geistlichen und die Laien, die in der Seelsorge arbeiten, führen also kein geistliches Leben und sind konsequenterweise frustriert, was nur normal ist. Dieses Problem betrifft nicht nur die Priester in den deutschsprachigen Landen, denn über diese wird hier gesprochen werden, sondern auch leider Priester auf der ganzen Welt.

Wir wollen hier eine statistische Studie zur priesterlichen Identität aus Polen vorstellen, aus einem Land also, welches als das katholische Land schlechthin gilt und seit vielen Jahrzehnten als Priesterlieferant für die Welt fungiert. Bei der zu besprechenden polnischen Untersuchung handelt es sich um die Forschungsergebnisse von Prof. Józef Baniak, welche im Jahre 2007 sowohl in Aufsatz- als auch in Buchform publiziert wurden. [1] Prof. Baniak hat die bisher, unserem Wissen nach, die höchste Anzahl an Priestern und Ex-Priestern hinsichtlich ihrer priesterlichen Identität weltweit befragt, denn insgesamt handelte es sich um 1063 Personen, welche sich in den Jahren 1986-1989, 1991-1994, sowie in der Zeit 1995-1999 sich einer Befragung freiwillig und anonym unterzogen. [2] Ein Teil der Befragten hatte zum Zeitpunkt der Befragung ihren Priesterdienst bereits aufgegeben, andere waren noch seelsorglich tätig. Die Ergebnisse dieser Befragung, der methodologisch wirklich nichts vorzuwerfen ist, sind dermaßen erschütternd, dass Prof. Baniak die theologische Fakultät der Universität Posen, auf der er angestellt war, verlassen und sich einer anderen Fakultät derselben Universität anschließen musste. Wenn man bedenkt, dass ein Teil der Befragung am Höhepunkt des polnischen Johannes-Paulismus stattfand und Priester, die gegen das Zölibat verstießen, davon ausgehen konnten und mussten, dass der Geheimdienst sie damit erpressen wird, so ist die Lage wirklich aller Priester der nachkonziliaren Kirche mehr als verheerend, wenn die Dinge in einem Land mit der höchsten „Priesterdichte“ Europas oder gar der Welt so schlecht stehen. Es wäre natürlich interessant exakt dieselbe Fragen derselben Zahl der Respondenten in den deutschsprachigen Ländern zu stellen, um die Ergebnisse einigermaßen zu vergleichen, obwohl die Lage unter Franziskus sicherlich schlechter sein wird als die Lage unter Johannes Paul II in seiner eigenen Heimat. Der Schreiber dieser Zeilen glaubt aber, dass man die polnischen Ergebnisse um mindestens 20% erhöhen kann, um auf diesem Wege den Spiegel der priesterlichen Identität in den deutschsprachigen Ländern widerzugeben. Wir werden hier wörtlich die tabellarischen Ergebnisse, der Untersuchung von Prof. Baniak wiedergeben, welche uns alle leider sehr traurig stimmen werden.[4] Die Schadenfreude sollte sich dennoch in Grenzen halten, denn in Polen ist es zwar schlimm, aber woanders leider noch viel, viel schlimmer.

Gründe für die priesterliche Identitätskrise Weltklerus % Ordensklerus %
Ex-Priester Priester Ex-Priester Priester
1. Krise des Zölibatspriestertums 86,6 65,7 78 64,2
2. Verstoß gegen die Keuschheit 84,5 63,2 76 61,4
3. Fehlende Beichtpraxis 75,4 70,5 69 68,2
4. Vernachlässigung des täglichen Breviergebets und des täglichen eigenen Gebets 72,7 70 66 65,4
5. Kritische Einstellung der eigenen Priesterrolle gegenüber 66,3 61,4 57 52,6
6. Übertriebene Theatralisierung des Kultes und der Verlust seiner Sakralität 65,2 59,6 60,3 50,6
7. Glaubenskrise und Krise der priesterlichen Frömmigkeit 63,6 61,2 60 58,8
8. Zweifel daran als Priester von den Menschen gebraucht zu werden 64,1 59,7 52 50,7
9. Intensive Konflikte mit den kirchlichen Vorgesetzten 63,1 61,4 53 52
10. Liberale Einstellung der Sonntagspredigt gegenüber 54,9 52,4 66 63,7
11. Kritik am Model des Priesters und des Seelsorgers 55,6 53,8 51 49,6
12. Probleme bei der Jugendkatechese 56,1 52,8 46 50,4
13. Fehlende Priesterberufung 57,2 53,7 48 40,2
14. Autoritätsverlust der Priester 58,3 60,8 36 52,4
15. Krise der priesterlichen Selbsthilfe und Solidarität 50,3 56,4 44 54,8
16. Intensive Konflikte mit der eigenen Gemeinde 47 49,1 38 40,6
17. Glaubensverlust an die eucharistische Realpräsenz 41,2 32,4 33 31,6
18. Andere Ursachen der Krise 20,3 22 16 20,4
19. Mittlere Preferenz 60,4 56 52 51

Obwohl wir hier die Ergebnisse von Prof. Baniak wiedergeben, so stimmen wir mit ihm nicht darin überein, dass der erste Grund der priesterlichen Identitätskrise die Krise des Zölibatspriestertums als solchen bildet oder wie man in den deutschsprachigen Ländern gerne sagt des „Zwangszölibat“ das eigentliche Problem ist. Es gibt kein anderes katholisches Priestertum als das, welches mit Zölibat also der vollkommenen sexuellen Abstinenz, sprich mit Keuschheit, verbunden ist und die Ostkirche irrte leider diesbezüglich vom rechten Weg und der ältesten Tradition ab. Wer glaubt, dass man verheiratet oder „liiert“ ein geistliches Leben führen kann, der hat entweder noch nie eins geführt oder er hatte keine Freundin oder höher sprich Verlobte oder Ehefrau. Weltliches und Geistliches schließt sich aus, Geistliches und Sexuelles ebenso. Punkt. Daher glauben wir, dass der erste Punkt der o.a. Tabelle das Resümee der Untersuchung und nicht ihren Ausgangspunkt bildet. Am Ende eines solchen Priesterlebens liegt tatsächlich eine Krise des zölibatären Priestertums vor, weil keins mehr vorliegt und zwar weder zölibatär noch priesterlich.

Wir glauben, dass die restlichen Punkte, also ab 2. abwärts eine schiefe Ebene bilden, an deren Ende die Aufgabe des priesterlichen Dienstes steht. Denn der Beobachtung zufolge verläuft der Abfall wie folgt ab:

  • Zuerst betet man weniger, dann gar nicht,
  • Dann beichtet man nicht alles, dann gar nicht,
  • In der Zwischenzeit kommen sexuelle Fehltritte bis zum ständigen Konkubinat vor,
  • Während man an der eigenen Priesterrolle und vielen Glaubenswahrheiten zweifelt
  • Theatralisiert man den Gotteskult, sprich „Erlebnisgottesdienste“
  • Predigt immer liberaler oder gar nicht, „Dialog-Predigt“, „Laienpredigt“
  • Man zweifelt immer mehr an sich und seiner Priesterrolle
  • Es kommen Konflikte mit kirchlichen Vorgesetzten, Mitbrüdern und der Gemeinde hinzu
  • Man hat im Religionsunterricht nichts zu sagen
  • Man jammert über den allgemeinen und eigenen Autoritätsverlust
  • Man glaubt nicht einmal an die Realpräsenz
  • Man beginnt zu trinken und bindet sich endgültig an die Konkubine, welche als Licht in der Dunkelheit erscheint.

All das verläuft meistens über mehrere Jahrzehnte hindurch und zwischen 40 und 50 verlässt man den Priesterstand. Was den Schreiber dieser Zeilen beim ersten Durchlesen dieser Ergebnisse einigermaßen schockiert hatte, war der Umstand, dass über 60% der tätigen Welt- und Ordenspriester gegen das Zölibat fehlt, womit wohl Sex mit anderen Personen gemeint ist und nicht nur unkeusche Gedanken. Schockierend ist ebenso,  dass ca. 70% der Priester niemals beichten. All das bestätigt leider seine sehr schlechten Erfahrungen mit vielen Beichtvätern und Priestern, die ihn meistens wie der Teufel das Weihwasser scheuten und scheuen. Nach seiner Beobachtung und Ermessen leben ca. 90% aller Priester in seiner Diözese, einer deutschen Diözese wohlgemerkt, im Konkubinat, sprich sie haben eine „Freundin“ zu der sie immer hinfahren oder verfügen über andere Arrangements dieser Art. Ferner ist zwischen 70% bis 80% aller Messen  in ebendieser Diözese aufgrund der fehlenden inneren Intention, seinem sensus fidei zufolge, ungültig. Während man die erste These durchaus dadurch verifizieren könnte, indem man Privatdetektive engagiert, stellt sich die Fragen nach der Gültigkeit und nicht nur Würdigkeit der Sakramente viel schwieriger dar. Denn diesbezüglich kann man sich täuschen oder vom Teufel in die Irre geleitet werden. Wenn man aber die o.a. Ergebnisse der polnischen Tabelle, welche schon mindestens 16 Jahre alt sind,  um 20% nach oben korrigiert, dann sind wir von der deutschsprachigen Realität nicht weit entfernt, wobei der Verlust des Glaubens an die eucharistische Realpräsenz sicherlich viel höher als bei 50% aller Priester liegt, der Schreiber dieser Zeilen würde  eine Zahl zwischen ca. 70% und  80% vermuten. Wie wir bereits schrieben, muss der wandelnde Priester nicht an die Wandlung glauben, damit diese gültig ist, sondern mindestens nur die Intention also die Absicht haben das zu tun, was die Kirche mit diesem Sakrament tut.[4] Ob aber ein Priester, der an nichts glaubt und seit Jahren in Todsünde lebt diese Mindestintention aufbringen kann, ist wirklich mehr als fraglich. Und dies ist der traurige Lagebericht zur allgemeinen Priesteridentität.

Dies sollte uns dennoch nicht davon abhalten morgen für unsere Bischofskonferenzen zu beten.

[1] http://www.dbk.de/nc/presse/details/?presseid=2780

[2] http://link.springer.com/article/10.1007/s10943-015-0040-7

[3] http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/so-gestresst-sind-unsere-seelsorger

[4] https://traditionundglauben.wordpress.com/2015/11/09/muss-man-da-wirklich-hingehen-oder-die-intention-bei-den-novus-ordo-messen/

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4 Gedanken zu “Priesterhilfe aber wie? (1) Die Lage.

  1. 19 Aufzählungen einer Katastrophe aber mir fehlt noch eine. Wie sieht die Liebe und die Verehrung des heutigen Priesters zur Mutter Gottes aus? Das Untersuchungen der deutschen Bischofskonferenz zur Beziehungen ihrer Priester zur Mutter Gottes einfach weggelassen oder nicht erwähnt werden verstehe ich ja denn in ihren ökumenischen Veitstanz stört die katholischte Frau aller Zeiten natürlich ungemein. Ein Priester der zb. gegen die Keuschheit verstößt kann unmöglich die Mutter Gottes noch lieben. Das geht dann nicht mehr. Aber die heutigen Priester haben es wirklich sehr schwer. Auf der einen Seite die sexuelle Anmache egal wo man sich befindet und das Gequake der Apostaten und Mietlinge auf allen Ebenen der Kirche auf der anderen sind ohne die Verehrung der allerseligsten Jungfrau nicht zu besiegen. Maria breit den Mantel aus, mach Schirm und Schild für uns daraus. Das gilt insbesondere für unsere Priester.
    Per Mariam ad Christum.

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  2. Sie haben Recht, aber wir geben hier nur die Tabelle mit den soziologischen Fragen von Prof. Baniak wieder, welche unter dem Gesichtspunkt der priesterlichen Identität von ihm erstellt worden sind.

    Es sind seine Gesichtspunkte, nicht unsere. Jemand warf uns vor, dass man einen Priester nach jedem der 245 de fide Dogmen abfragen sollte, aber wir geben hier nur etwas wieder, was bereits gemacht wurde.
    Es fehlt Vieles, aber der Titel der Studie lautete nicht: „Die schrittweise Apostasie“, sondern die priesterliche Identität. Aber es ist eine wissenschaftlich durchgeführte und glaubwürdige Statistik an einer sehr großen Respondentengruppe durchgeführt und deswegen, trotz all ihrer Mängel, besser als nichts.

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