Worum geht es bei der „Theologie des Leibes“ wirklich? (4) Was ist Phänomenologie?


adam und eva

Nachdem wir Personalismus als Unsinn abgestempelt haben oder akademisch ausgedrückt als eine Philosophie, welche der Wiedergabe der katholischen Lehre wenig zuträglich ist, so wenden wir uns nun  der Phänomenologie zu, welche – ja, wir ahnen es – ebenfalls Unsinn ist. Auf den eventuellen Einwand antwortend, dass wir allzu inflationär mit der Bezeichnung „Unsinn“ umgehen und ihn auf alles anwenden, was nicht thomistisch ist oder was wir selbst nicht verstehen, stellen wir fest, dass wir doch annehmen den phänomenologischen Ansatz verstehen zu können und uns hier nicht mit Sinn oder Unsinn (Was ist das?) verschiedener philosophischen Schulen befassen, sondern ihrer Brauchbarkeit für die katholische Theologie.  Und Phänomenologie, auch auf die Gefahr hin, dass sich jetzt Johannes Paul II im Grabe umdreht, ist unbrauchbar!

Was ist aber, einfach formuliert, diese ganze Phänomenologie? Es ist Personalismus erkenntnistheoretisch gewendet. Und das bedeutet? Man hat nur den Zugang zu den Phänomenen seines eigenen Bewusstseins und von dort konstruiert man das übrige, z. B. Gott, die Welt, die anderen Menschen, von dem man nicht weiß, dass es existiert. Die gute Stanford Encyclopedia of Philosophy beschreibt die Grundannahme der Phänomenologie wie folgt:

Phenomenology is the study of structures of consciousness as experienced from the first-person point of view. The central structure of an experience is its intentionality, its being directed toward something, as it is an experience of or about some object. An experience is directed toward an object by virtue of its content or meaning (which represents the object) together with appropriate enabling conditions.

Phänomenologie ist das Studium der Strukturen des Bewusstseins wie es in der Ersten-Person-Perspektive erfahren wird. Die zentrale Struktur der Erfahrung ist seine Intentionalität als auf etwas [anderes] gerichtet und als solche [stellt sie die] Erfahrung eines Objekts dar. Eine Erfahrung ist auf ein Objekt mittels der Kraft seines Inhalts oder Bedeutung (welche dieses Objekt repräsentiert) gerichtet zusammen mit den entsprechenden Bedingungen, die solche eine Erfahrung möglich machen.[1]

Und was bedeutet das im Klartext? Man suhlt sich permanent in eigenen Bewusstseinsinhalten: „mir ist kalt“, „ich habe die Gottesidee in mir“, „ich habe eine Gebetserfahrung“ und weil man nicht nur sich selbst, sondern auch etwas in sich selbst erfährt, so versucht man in der phänomenologischen Methode auseinanderzuklamüsern, wo das eigene Ich endet und die äußere Erfahrung anfängt. Ja, ja, wir wissen alle worum es geht. Frauen über 40, sitzen in Lila-Latzhosen im Kreis, trinken Tee aus biologischem Anbau und erzählen über ihre Suche nach dem Ich in der Phase der Selbstfindung, welche eigentlich schon stattfindet, aber irgendwie immer noch nicht ganz vorhanden ist. Männer tun es leider Gottes auch schon und war man vor diesem permanenten Kreisen um sich selbst nicht schon depressiv, dann wird man es dadurch erst recht. Machen wir uns hier über Phänomenologie lustig? Jawohl, das tun wir. Aber wir können die phänomenologischen Hauptinhalte in der deutschen Wissenschaftssprache ihrer Hauptvertreter wiedergeben.

der_traum_der_rezia

Wikipedia, die auch gute Artikel vorweisen kann, schreibt wie folgt:

Husserl [einer der Hauptvertreter und Begründer dieser Richtung Red.] stellt diesen Zusammenhang in einem Artikel in der Encyclopædia Britannica 1927 folgendermaßen dar:

„Phänomenologie bezeichnet eine an der Jahrhundertwende in der Philosophie zum Durchbruch gekommene neuartige deskriptive Methode und eine aus ihr hervorgegangene apriorische Wissenschaft, welche dazu bestimmt ist, das prinzipielle Organon für eine streng wissenschaftliche Philosophie zu liefern und in konsequenter Auswirkung eine methodische Reform aller Wissenschaften zu ermöglichen.“

Husserliana IX, 277[2]

  Wollen Sie noch mehr? Wikipedia fährt fort:

Husserls Phänomenologie ist stark beeinflusst von Franz Brentanos deskriptiver Psychologie, die ebenfalls psychische Phänomene unabhängig von den sie erzeugenden physischen Reizen beschreibt. In Abgrenzung zu einer empirischen Psychologie hatte Brentano den Begriff des intentionalen Bewusstseins gebildet. Dies ist Ausdruck der Überzeugung, dass Bewusstsein niemals ohne Bezug auf etwas ist: Bewusstsein ist immer Bewusstsein von etwas.

„Jedes psychische Phänomen ist durch das charakterisiert, was die Scholastiker des Mittelalters die intentionale (auch wohl mentale) Inexistenz eines Gegenstandes genannt haben, und was wir, obwohl mit nicht ganz unzweideutigen Ausdrücken, die Beziehung auf einen Inhalt, die Richtung auf ein Objekt (worunter / hier nicht eine Realität zu verstehen ist), oder die immanente Gegenständlichkeit nennen würden. Jedes enthält etwas als Objekt in sich, obwohl nicht jedes in gleicher Weise. In der Vorstellung ist etwas vorgestellt, in dem Urteile ist etwas anerkannt oder verworfen, in der Liebe geliebt, in dem Hasse gehasst, in dem Begehren begehrt usw. Diese intentionale Inexistenz ist den psychischen Phänomenen ausschließlich eigentümlich. Kein physisches Phänomen zeigt etwas Ähnliches.“

– Psychologie vom empirischen Standpunkte, 1874, S. 124

Diese trivial anmutende Entdeckung ebnet den Weg zu einem der grundlegenden philosophischen Probleme – der Spaltung der Welt in Subjekt und Objekt. Auf Grundlage des intentionalen Charakters des Bewusstseins konnte dieses Problem aus einer neuen Perspektive bearbeitet werden.

Auch Brentano ging davon aus, dass sich die Grundlagen der Logik nicht in einer naturalistischen Psychologie begründen lassen. Husserl greift diesen Aspekt auf und weitet diesen Gedanken der deskriptiven Psychologie Brentanos aus zu einer transzendentalen Phänomenologie, welche die Möglichkeiten von Bewusstseinsakten überhaupt erklären will.[3]

Für die philosophisch Vorgebildeten lässt sich an dieser Stelle sagen, dass all diese Themen viel besser, kürzer, verständlicher und eleganter in Aristoteles Analytica priora und Analytica posteriora gelöst wurden und in seiner Metaphysik erst recht. Das eigentliche Problem der Phänomenologie besteht aber darin, dass sie die Welt ausklammert und sich nur auf das eigene Bewusstsein konzentriert, zu dem man ja einen direkten Zugang hat. Sie bleibt also im Zustand des carthesianischen methodischen Zweifelns  noch vor dem ontologischen Gottesbeweis (ein wenig Fachsimpeln muss auch sein, sorry). Die gute Wikipedia schreibt darüber wie folgt:

Epoché und eidetische Reduktion

Die Methode der Epoché (Enthaltung, Innehalten) ist für Husserl die Ausschaltung der Generalthesis der natürlichen Einstellung. Das Einklammern der damit verbundenen Vormeinungen nannte Husserl „eidetische Reduktion“. Dabei sollen zunächst alle theoretischen Annahmen (Hypothesen, Beweisführungen, tradiertes Vorwissen …) über den betrachteten Gegenstand ausgeschaltet werden (vgl. Reduktionismus). In einem zweiten Schritt (der transzendentalen eidetischen Reduktion) wird die Existenz des Gegenstandes insofern außer Betracht gelassen, dass sich nur die „Washeit“ zeige, also das, was der Gegenstand ist, sein Wesen.

Aus der Perspektive des transzendentalen Bewusstseins wird das Sein nur noch als Korrelat des Bewusst-Seins angesehen, also ohne Annahmen oder Urteile über das tatsächliche Sein oder Nicht-sein der Bewusstseinsinhalte. Diese Methode nähert sich den Gedankenexperimenten von Descartes und Hobbes über die so genannte „Weltvernichtung“ (die Frage: Was bleibt erhalten, wenn es die physische Welt nicht mehr gäbe?). Damit ergibt sich aber auch sofort eines der größten Probleme der Phänomenologie. Husserl hatte nämlich den oben erwähnten Unterschied zwischen Bewusstseinsakt (Noesis) und Bewusstseins-Inhalt (Noema) angebracht. Dies entspricht einer Einteilung, die unterscheidet, was das Bewusstsein ist und was es bedeutet (denn nach Brentano ist das Bewusstsein immer intentional). Wie kann man aber sagen, dass die Inhalte des Bewusstseins noch Bedeutung haben, wenn jegliche Existenz ausgeklammert wurde? Husserl wollte die Existenz ausklammern, da die Objekte ihm zufolge das Bewusstsein transzendieren: wenn es sie gibt, so gibt es sie außerhalb des Bewusstseins selbst. Um Zugang zu den reinen Ideen gewinnen zu können, muss daher ihre Existenz ausgeklammert werden. Die Phänomenologie muss beantworten können, wann und wie es möglich sei, dass das Bewusstsein sich auf etwas „Bewusstsein-Transzendentes“ bezieht. Husserls Erklärung wird lauten, dass der Inhalt sehr wohl bewusstsein-transzendent sei, aber dass das Intendieren selbst bewusstsein-immanent sein müsse. Also wird etwas immer immanent intendiert, während es als bewusstsein-transzendent intendiert wird, weil es, wenn es existieren würde, außerhalb des Bewusstseins sein würde.[4]

Und was bedeutet das? Es bedeutet, dass man:

  1. Nur den Zugang zu den eigenen Bewusstseinsinhalten hat,
  2. Welche irgendetwas wiedergeben,
  3. Von welchem man nicht weiß, ob es überhaupt existiert,
  4. Das man nur den Zugang zu der „Washeit“, aber nicht der Existenz hat,
  5. Bezüglich der letzteren muss man sein Urteil in der Schwebe lassen (Epoché),
  6. Weil es die Phänomenologie es so vorschreibt.

Ist es nicht Unsinn? Ja und ein sehr großer dazu. Wie kann man so etwas annehmen, es geht doch dermaßen gegen den gesunden Menschenverstand!

„Deswegen ist es hoch, gelehrt und philosophisch“, sagen die Phänomenologen,

„Es ist wie im Märchen von »Des Kaisers neue Kleider«. Nur die Intelligenten und gute Beamten können sie sehen.“

Natürlich ist unsere Darstellung der Phänomenologie vereinfacht, aber nicht falsch. Wie im Personalismus führt auch hier die Ausklammerung des Seins (esse) und zwar noch radikaler als beim Personalismus eigentlich zum Solipsismus („Ich bin allein auf der Welt, denn ich habe nur den Zugang zu meinen Bewusstseinsinhalten“.) Wie soll man da noch Gott und die Welt unterbringen? Entweder gar nicht oder nur als Teil der eigenen Bewusstseinsinhalte, von welchen man nicht weiß, ob sie in Wirklichkeit tatsächlich existieren.

Zwar wurde die Phänomenologie als solche nicht expressis verbis vom Lehramt verurteilt, aber ihre erkenntnistheoretische Grundlage durchaus. Dies geschah durch Pius X. in Pascendi (1907) in folgenden Worten:

„Die Grundlage der religiösen Philosophie sehen die Modernisten in jener Lehre, die man gemeinhin Agnostizismus nennt. Demzufolge wird die menschliche Vernunft völlig von Phänomenen eingeschlossen, Dingen nämlich, die erscheinen, und zwar in der Gestalt, in der sie erscheinen: deren Grenzen zu überschreiben, hat sie weder das Recht noch die Möglichkeit. Deshalb ist sie weder imstande, sich zu Gott zu erheben, noch dessen Existenz wie auch immer durch, das was man sieht, zu erkennen. Daraus wird geschlossen, dass Gott in keiner Hinsicht direkt Gegenstand der Wissenschaft sein kann; was aber die Geschichte angelangt, dass Gott keineswegs als geschichtliches Subjekt anzusehen ist.“ (DH 3475)

Bei der phänomenologischen Methode, bei der man nicht sicher sein kann, ob irgendetwas da draußen ist, verfällt natürlich jeglicher Gottesbeweis, z.B. aus der Vollkommenheit der Schöpfung, weil wir nicht wissen, ob es so etwas wie Schöpfung gibt.  Aber auch bezüglich der eucharistischen Realgegenwart hat die Phänomenologie ihren ungesunden Samen gestreut, denn in der Verurteilung von Mysterium fidei aus dem Jahre 1965 wird dieses Sicht der Eucharistie verurteilt, wonach die Wesenswandlung nicht real, d.h. in Wein und Brot stattfindet, sondern nur in den Bewusstseinsinhalten der Anwesenden qua „Transsignifikation“ und „Transfinalisation“. So schreibt DH in seiner Einführung dazu: „Unter dem Einfluss der Phänomenologie und der Existenzphilosophie erwuchs Ende der fünfziger Jahre eine Diskussion um den Begriff der Transsubstantiation“.[5]

Die lehramtliche, obzwar nachkonziliare, Verurteilung lautet wie folgt:

  1. Denn Wir haben erfahren, daß es unter denen, die über dieses heilige Geheimnis sprechen und schreiben, einige gibt, die über die privat gefeierten Messen, das Dogma der Wesensverwandlung und den eucharistischen Kult Ansichten verbreiten, die die Gläubigen beunruhigen und in ihnen nicht geringe Verwirrung bezüglich der Glaubenswahrheiten verursachen, als ob es jedem gestattet wäre, eine von der Kirche einmal definierte Lehre in Vergessenheit geraten zu lassen oder sie in einer Weise zu erklären, daß die wahre Bedeutung der Worte oder die geltenden Begriffe abgeschwächt werden. (DH 4410)

  2. Es ist beispielsweise nicht erlaubt, die sogenannte Messe ,,in Gemeinschaft“ so herauszustellen, daß den privat zelebrierten Messen Abbruch getan wird. Auch darf man die Sichtweise des sakramentalen Zeichens nicht so deuten, als ob die Symbolbedeutung, die nach allgemeiner Meinung der heiligen Eucharistie ohne Zweifel zukommt, die Sichtweise der Gegenwart Christi in diesem Sakrament ganz und erschöpfend zum Ausdruck bringe. Gleichfalls ist es nicht gestattet, das Geheimnis der Wesensverwandlung zu behandeln, ohne die wunderbare Wandlung der ganzen Substanz des Brotes in den Leib und der ganzen Substanz des Weines in das Blut Christi – von der das Konzil von Trient spricht – zu erwähnen, so als ob sie nur in einer sogenannten „Transsignifikation“ und ,,Transfinalisation“ bestünde. Schließlich geht es nicht an, eine Ansicht zu vertreten und zu praktizieren, derzufolge Christus, der Herr, in den konsekrierten Hostien, die nach der Feier des Meßopfers übrigbleiben, nicht mehr gegenwärtig wäre. (DH 4411)[6]

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir in Kardinal Wojtyla/Johannes Paul II einen Theologen und Papst haben, welcher Philosophien anhängt, die entweder, wie Personalismus, nicht mit der katholischen Lehre übereinstimmen oder wie Phänomenologie wenigstens sensu lato lehramtlich verurteilt wurden. Solchen philosophischen Ansatz präsentiert er also als Papst in den Jahren 1979-1984 in seiner Theologie des Leibes und später in anderen Bereichen ja leider auch, woraus kurzfristig und langfristig, siehe Amoris Laetitia, natürlich nichts Gutes herauskommen konnte. Oh weh.., oh weh…oh weh….

[1] http://plato.stanford.edu/entries/phenomenology/

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Ph%C3%A4nomenologie

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Ph%C3%A4nomenologie

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Ph%C3%A4nomenologie

[5] Denzinger-Hünermann, Enchiridion symbolorum definitionum et declarationum de rebus fidei et morum, Freiburg-Basel-Wien: Herder, 201043, 1245

[6] Deutsche Fassung nach: http://w2.vatican.va/content/paul-vi/de/encyclicals/documents/hf_p-vi_enc_03091965_mysterium.html

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10 Gedanken zu “Worum geht es bei der „Theologie des Leibes“ wirklich? (4) Was ist Phänomenologie?

  1. (die Frage: Was bleibt erhalten, wenn es die physische Welt nicht mehr gäbe?).
    Himmel und Erde werden vergehen aber seine Worte nicht. Wer Heimweh zu seinem Vater im Himmel hat der kann über diese physische Welt nur lachen oder total entsetzt sein. Je nach der Gefühlslage gesehen. Wojtyla seine Theologien sind genauso viel wert wie seine Gebete in Assisi mit den Voodoopriestern.
    Per Mariam ad Christum.

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  2. „siehe Amoris Laetitia, natürlich nichts Gutes herauskommen konnte. Oh weh.., oh weh…oh weh….“
    Wenn ein Papst das Sakrament der Ehe mit der Barmherzigkeitskeule angreift denke ich immer an den Antichristen denn er schwätzt nur das was den Leuten gefällt. Ich kann nicht anders, es kommt über mich ohne das ich dagegen was machen kann. Übrigens ich bin geschieden. Das gehört zur Wahrheit dazu.
    Per Mariam ad Christum.

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      1. „Sie haben eine gute theologische Intuition.“
        Wenn man nachts in einer auswegslosen Situation zur Mutter Gottes geht und am anderen Tag einen schweren Weg zu gehen hat und das Radio im im Auto einschaltet und sofort das Lied „Patrona Bavariae“ erklingt dann ist man extrem stark und gewinnt auf der ganzen Front. Ich bin kein Theologe und kann mit ihrem Wissen nicht mithalten aber ich würde mir zutrauen einen Jesuiten zb. wie Karl Rahner mit einem Fusstritt vom Bürgersteig zu fegen wenn er mir keinen Platz macht. Ja so denke ich.
        Per Mariam ad Christum.

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  3. Danke für diese – profund philosophische – Artikelreihe — auch wenn ich selbst was die Phänomenologie betrifft nicht ganz so negativ eingestellt bin. Während man Kant bzw. den Kantianismus wirklich nicht „taufen“ kann – und der Versuch (wenn es denn überhaupt einer war!) desselben die „Grundhäresie“ Rahners bzw. der nouvell-Theologen (und der „Neu-Thomisten“) war,
    so hat die Phänomenologie m.E. nicht so völlig falsche Ansätze und ist eben m.E. doch „taufbar“, katholisch ausleg- oder doch wenbar.

    Ich erinnere an große Phänomenologen wie Edith Stein oder Prof. Walter Hoeres (R.I.P.!), welche vom phänomenolgischen Ansatz ausgehend doch eine Wendung zur philosophia perennis m.E. nicht nur versuchten, sondern eine solche ihnen sogar gelang. Wenngleich, zumindest bei Hoeres, doch mit einer etwas „seltsamen“ Sprache. Ein „Geschmäckle“ (wie man in Schaben oder Baden sagt) bleibt eben doch, das ist richtig. Es ist dann doch nicht das Original (wie bei Thomas und den echten Thomisten).
    Und ich bin auch weder Stein- noch Hoeres-Experte, von daher lasse ich mich diesbezüglich von berufenerem Mund gern eines Besseren belehren.

    Auch Descartes´ Ansatz ist ja nicht unkatholisch (man findet ähnliche Gedanken schon bei Augustin) — und etwas ganz anderes als der spätere – in der Tat verderbliche – Kantianismus bzw. die – verderbliche – (deutsche) „Transzendentalphilosophie“.

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    1. Edith Stein wurde zu Thomistin und erlebte es als Befreieung. Ein Papst sagte auch, dass die moderne Philosophie völlig ungeeignet ist, um getauft zu werden. Warum? Durch den Ich-Ansatz, der die äußere Welt ausklammert. So war auch in der Antike der Skepizismus, der auch nicht getauft werden konnte. Denn die Taufe der Philosophie besteht im Ekklektizismus unter dem Gesichtspunkt des Glabens und nicht umgekehrt.
      Phänomenologie fußt ja leider auf Kant, denn das wozu ich nur einen Zugang habe sind meine Kriterien oder mein Bewußtsein, wie man später sagte. Nichts Gutes also!

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  4. Sie dürften mich soweit kennen, dass ich selbstverständlich um das Übel der modernen „Philosophien“ (welche diesen Namen eigentliche nicht verdient haben!!), allen voran „Transzendentalismus“ und Existenzialismus, weiß und dies auch anprangere.
    Alles, was Humani Generis – und erst Recht Pascendi – schreibt, unterschreibe ich – selbstverständlich – völlig.

    Und es war eben auch der Sündenfall des Konzils schlechthin, sich vom Thomismus und der scholastischen Sprache zu entfernen – und dies war übrigens KEIN Zufall und auch nicht weil es – vermeintlich – nur um Praxis und Pastoral ging. Nein, eben Zeit die Rote Pille zu nehmen: Nur so konnte man der Heterodoxie bzw. dem substantiellen Umbau der Kirche und deren Lehre Tür und Tor öffnen. Man tat dies bewußt-geplant.

    Sie stoßen bei mir also mit Ihrer Kritik an den neuen „philosophischen“ Systemen (und natürlich auch an Wojtyla-Jph-Paul offene Türen ein.

    Aber ich wollte nun doch eben eine Lanze für Differenziereungen und akademische Fairness brechen – und für eine lectio benevolentiae 😉
    Und denke immer noch, dass die „Phänomenologie unter den modernen philosophischen Ansätzen am relativ wenigsten schlecht ist bzw. zu den weniger schlechten gehört, ja mehr noch, man kann sie sogar als Ansatz einer Abwengung von und Überwindung des „Transzendentalismus“ lesen bzw. zumindest ihre eine solche Wendung geben. Meine ich…..
    (Etwa im Sinne Descartes über den Zweifel und die epoché nur als Zwischenstadium (und nicht Endstadium!) mit einer letztlichen Wendung hin bzw. zurück zur Realität).

    Freilich, insofern und insoweit die Phänomenologie „transzendentalistisch“ ist, ist sie in der Tat irrig und anbzulehnen.

    Der Personalismus Scheelers ist ähnlich ambig (wobei Sie dafür zu plädieren scheinen, dass gerade auch er mehr als nur ambig ist, sondern geradezu falsch, irrig, verderblich!) – und in der Tat, gerade Päpste /“Päpste“ wären besser beraten, sich weniger (im besten Fall) „schillerenden“ (wenn eben nicht sogar schlicht falschen) Ansätzen zu bedienen.
    Nun, das kommt aber wie gesagt nicht von Ungefähr.
    Die Ansätze sind bewußt gewählt – weil zu ihrer Agenda passend, zu ihrem innerweltlichen Humanismus und Subjektivismus.

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  5. An sich keine schlechte Darstellung des Ganzen – mit ein paar kleineren Fehlern, die aber schon wichtig sind: Husserl geht es gerade um die Existenz der Dinge (stringent auch Gott) unabhängig von der Wahrnehmung. Das erkennt man leicht, wenn man die Prolegomena zur reinen Logik liest. Er wendet sich gegen den Relativismus (bzw. heute: Konstruktivismus), in dem er das Wahrgenommene vom Wahrnehmen trennt. So bleibt Wahrheit, was objektiv wahr ist, unabhängig von meinem Denken über die Wahrheit oder meinem Verhältnis zu ihr. Er wendet sich GEGEN den Psychologismus und Historismus seiner Zeit.

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    1. Vielen Dank für die Korrektur. Aber uns ging hier um die große, allgemeine phänomenologische Einstellung und nicht die fachgerechte Analyse aller Arten der Phänomenologie. Wir sind uns daürber im Klaren, dass diese Darstellung sehr vereinfacht ist, aber an sich nicht falsch.

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  6. Simon Löschke 20. Juli 2016 um 13:07

    Hm, ob nun HUSSERL selbst dies wirklich tut scheint mir fraglich. Aber ich bin kein Husserl-Experte, und kann dies daher nicht hinreichend beurteilen. Zumindest, das war ja auch meine Rede, kann man die Phänomenologie so wenden bzw. als Ansatz zu einer Hinwendung wieder zur Realität sehen.
    Und zumindest Menschen wie Edith Stein oder Prof. Walter Hoeres taten dies m.W.

    (Wobei ich Höres besser als Stein kenne und traditio&fides glauben möchte, dass Edith Stein sich schließlich zum Thomismus „bekehrt“ hat und dies als Befreiung empfand.)

    @ Simon Löschke:
    Was Husserl selbst betrifft: Können Sie Stellen aus seinem OUvre angeben, aus denen dies klar hervorgeht?
    U/O gibt es eine gute Sekundäliteratur zu dieser Frage, welche sie empfehlen können?

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