Worum geht es bei der „Theologie des Leibes“ wirklich? (1) Nebulöse Sprache ist nicht katholisch.


adam und eva

Nebulöse Sprache ist nicht katholisch.

Da während und nach der Veröffentlichung der Aufsatzreihe von Don Pietro Leone über die Theologie des Leibes  von Karol Wojtyla/Johannes Paul II die Entrüstung ausgeblieben ist, so ist anzunehmen, dass  die eigentlichen und wirklichen Inhalte dieser Theologie unverstanden geblieben sind. Weil die Leser so unverständig sind? Nein, weil die Sprache dermaßen nebulös und verklausuliert ist. Wir müssen einfach wissen, dass erstens ein Geistlicher, ein Bischof, ein Kardinal und ein Papst und zwar Johannes Paul II über ehelichen Sex schreibt und zweitens – Don Pietro Leone – ein ebenfalls Geistlicher, der unter eigenem Namen veröffentlicht, weiterhin sein Priesteramt ausübt und irgendwo Theologie unterrichtet den heiliggesprochenen Papst – Johannes Paul II – kritisiert.  Bei so viel „Geistlichkeit“ und Diplomentensprache wird natürlich nicht Tacheles geredet, sodass kaum ein Leser versteht, worum es sich tatsächlich handelt, hauptsächlich deswegen, weil sich der Autor der Theologie des Leibes Johannes Paul II einer Sprache bedient, die zwar X auszusagen scheint, aber leider Y meint.

Der Schreiber dieser Zeilen hat die Inhalte der Theologie des Leibes von Karol Wojtyla während seines Theologiestudiums durchgenommen und kann aus der jetzigen Perspektive sagen, dass er sie nicht verstanden hatte oder er hat sie anders verstanden als sie eigentlich gemeint war. Er ist sich auch sicher, dass keiner seiner Dozenten oder Professoren sie verstanden hatte oder sie wussten diesen Umstand gut zu verbergen, was er allerdings bezweifelt. Die Theologie des Leibes galt allen als schwierig, hochgeistlich, irgendwie romantisch verklärt, dem Schreiber dieser Zeilen und einigen anderen auch als äußerst nebulös, ungenau, irgendwie schwülstig und wenig konkret. Er erinnert sich noch an das Seminar, bei welchem diese Texte gelesen wurden, an die lähmende Langeweile und eine Atmosphäre irgendeiner Sinnlichkeit als  würde man in einem aufgeheiztem Raum ein süßliches, schlechtes Parfüm riechen, von dem es einem schlecht wird.

Um an dieser Stelle mit dem harten Fazit zu beginnen, so ist die Theologie des Leibes zwar nicht häretisch im Sinne einer sententia haeretica ist, da sie sich nicht „direkt (directe) und unmittelbar (immediate) der geoffenbarten katholischen Glaubenswahrheit widersetzt“[1], dennoch erfüllt sie, unserer Meinung nach, den Tatbestand aller übrigen Zensuren als:

  • Der Häresie nahe Meinung (sententia haeresi proxima)
  • Nach Häresie schmeckende Meinung (sententia haeresim sapiens)
  • Die Häresie begünstigende Meinung (sententia haeresi favens)
  • Irrige Meinung (sententia erronea)
  • Leichtfertige Meinung (sententia temeraria).[2]

Wird für eine formale Häresie gefordert, dass eine sententia haeretica  ausgesprochen wird, dann enthält die Theologie des Leibes keine Häresien sensu stricto. Wird aber für eine lehramtliche Aussage – und Papst Johannes Paul II hatte ja seine Theologie des Leibes als Papst und nicht als eine Privatperson – verkündet, dann erfüllt diese Theologie leider nicht die Anforderung der Irrtumslosigkeit  des ordentlichen Lehramtes, sie befindet sich eindeutig nicht innerhalb der Tradition und deswegen braucht sie von den Gläubigen nicht im Glaubensgehorsam angenommen zu werden. Denn katholisch ist nicht das, was oder weil der Papst es sagt, sondern ein Papst hat Katholisches zu sagen und zu vertreten als der höchste Repräsentant der Tradition der Kirche.  Dies ist auch das katholische Verständnis vom Primat des Petrus, wie ihn die dogmatische Konstitution Pastor Aeternus des Ersten Vatikanischen Konzils (1870) darlegt:

 „Den Nachfolgern des Petrus wurde der Heilige Geist nämlich nicht verheißen, damit sie durch seine Offenbarung eine neue Lehre ans Licht brächten, sondern damit sie mit seinem Beistand die durch die Apostel überlieferte (traditam) Offenbarung bzw. die Hinterlassenschaft des Glaubens (fidei depositum) heilig bewahrten und betreu auslegten.“ (DH 3070)

Was ist also die Aufgabe des Papstes die Bewahrung des tradierten depositum fidei also des Glaubensschatzes. Ihre Aufgabe ist es nicht irgendwelche Privattheologien zu erfinden. Leider fand diese unselige Entwicklung schon unter Johannes Paul II statt, was entweder niemanden am Anfang seines Pontifikats (1979-1984) als die Theologie des Leibes verkündet wurde, aufgefallen ist, wahrscheinlich von den hartgesottenen Traditionalisten abgesehen oder es wurde nicht darüber geredet.  Viele wählten den Weg des päpstlichen Positivismus, wie ihn Hilary White nennt,[3] der darin besteht das als katholisch zu deklarieren, was ein Papst für katholisch hält: Koranküsse und Theologie des Leibes eingeschlossen und nicht den Papst als katholisch anzusehen, weil er Katholisches  verkündet. Bei der rhetorischen Frage:

„Ist der Papst katholisch?“

bleibt spätestens seit Papst Franziskus leider die Rhetorik auf der Strecke, weil die Antwort hierauf:

„Nein!“

lautet. Leider ist die Theologie des Leibes, welche leider einen Vorläufer von Amoris Laetitia darstellt, ebensowenig katholisch, was wir in unserem kleinen Kommentar darlegen werden.

[1] https://traditionundglauben.wordpress.com/2016/05/24/was-ist-eine-haresie-die-kirchlichen-zensuren-2-zensuren-welche-die-glaubenslehre-selbst-betreffen/

[2] https://traditionundglauben.wordpress.com/2016/05/24/was-ist-eine-haresie-die-kirchlichen-zensuren-2-zensuren-welche-die-glaubenslehre-selbst-betreffen/

[3] https://traditionundglauben.wordpress.com/2016/06/01/steve-skojec-raus-aus-dem-kaninchenloch/

Advertisements

15 Gedanken zu “Worum geht es bei der „Theologie des Leibes“ wirklich? (1) Nebulöse Sprache ist nicht katholisch.

  1. Die Entrüstung bleibt bei dergleichen Aufdeckungen vielleicht auch allein deswegen aus, weil man schlicht überrascht wäre, wenn von den konziliaren und postkonziliaren Päpsten überhaupt noch etwas Katholisches käme. Ketzerei, zumindest im weiteren Sinne, das ist standard.

    Gefällt mir

    1. Na, ja starke Worte. Ich glaube nicht, dass im Jahre 1979 die Mehrheit der Katholiken oder der Theologen so dachte. Bei mir machte es „Klick“ erst bei Amoris Laetitia und so konstruiere ich es ex post. Als katholischer Theologe hatte man bislang nicht die Aufgabe päpstliche Schreiben oder Reden auf Häresien hin auszuwerten. Dies blieb die Aufgabe der Glaubenskongregation vor der Veröffentlichung. Es wäre wirklich interessant auszuwerten, welche Reaktionen es auf die Theologie des Leibes bei den Zeitgenossen gab und ich meine kritische Reaktionen. Was hat wohl dazu Kardinal Seper gesagt?

      Wir erleben jetzt das, was in den 1930 politisch die ganze Welt erlebte. Die schlimmste rechte Greulpropaganda bezüglich des Kommunismus hat sich als wahr herausgestellt: Gulag, Moskauer Prozesse etc. Und auch die schlimmste linke Greulpropaganda hat sich bezüglich der Nazis ebenfalls als wahr herausgestellt: KZ, Gestapo etc . etc.

      Jemand aus der Roosevelt-Administration hat jemandem, der versteckt Osteuropa verlassen hatte, um den Amerikanern vom Holocaust zu berichten (der Bote hieß Karski) Folgendes:
      „Ich glaube Ihnen. Aber ich glaube nicht daran! Es ist zu schrecklich. So etwas machen Menschen nicht, die Deutschen auch nicht.“

      Leider hatte er unrecht, denn es ist wirklich passiert.

      Leider ist auch der Rest der Theologie des JP2 alles andere als katholisch astrein, was Prof. Dörmann darlegt.

      „Ich glaube Ihnen, aber ich glaube nicht daran.“

      Ich persönlich glaube auch „daran“ an die Verfehlungen des nachkonziliaren ordentlichen Lehramtes vor AL. Es ist wriklich schwer all das zu verdauen.

      Gefällt mir

  2. @ Traditio et Fides 10. Juli 2016 um 15:48

    Nun, Tarqunius ist eben eine Frühzünder, Sie ein Spätzünder 😉

    Wirklich wachen Augen war spätestens am 7. Dez 1965 alle klar ((i) einerseits mit der Promulgation von DH, dann aber (ii) auch überhaupt mit dem Abschluss des Konzils und dessen „neu-katholischen“ (nouvelle-theologie) Texten (GS, NA, UR, DV, …), und (iii) v.a. mit der bereits zitierten Schlussansprache hier: http://w2.vatican.va/content/paul-vi/la/speeches/1965/documents/hf_p-vi_spe_19651207_epilogo-concilio.html).

    Aber selbst diesen frühen Klarsehern ging es (fast allen) so wie Ihnen (später):

    „„Ich glaube Ihnen, aber ich glaube nicht daran.“
    Ich persönlich glaube auch „daran“ an die Verfehlungen des nachkonziliaren ordentlichen Lehramtes vor AL. Es ist wriklich schwer all das zu verdauen.“

    Und daher haben frühe Klarseher wie Msgr. Lefebvre oder de Castro Meyer zu anfangs auch verhältnismäßig (für das, was Sie eigentlich erkannt hatten) zurückhaltend und schwach reagiert – was man ihnen zum damaligen Zeitpunkt aber wirklich kaum verübeln kann.
    (Und von Thuc war lange noch gar keine wirklich Spur, widerstandsmäßig!)

    Ich bin froh, dass ich mein „Rote Pille Schlucken“ schon vor etlichen Jahren in meiner späten Teenager-Zeit hinter mich gebracht habe (mit, 15, 16, 17 Jahren – als ich mich der bitteren Wahrheit stellen musste, dass der auch von mir zunächst für gut katholisch – eben „ach so konservativ“ – gehaltene JohPaII-Wojtyla gar nicht so katholisch war.

    Allerdings hatte selbst ich dann nochmal ein kleineres zweites Erwache – was v.a.Ratzinger betrifft – am Fest Mariä Heimsuchung 2012, als – von diesem – ein (mindestens materieller) Häretiker und waschechter Modernist zum Hüter des Glaubens kreiert wurde!

    Gefällt mir

    1. @ dspecht

      Ich habe den Aufsatz von Francesco Spadafora gelesen und es ist ein eye opener. Manches war mir bekannt, manches ist neu. Es ist wirklich erdrückend, wie weit all das fortgeschritten ist, als würde man einen Körper öffnen und sehen, dass alle Organe von Metastasen durchsetzt sind. Hwd. Francesco Spadafora (1913-1997), ein Professor der Universität von Lateran, konnte aber noch eine thomistische, vorkonziliare Ausbildung vorweisen. Wir können nur Fragmente der wahren Lehre aus dem chaotischen nachkonziliaren Magma zu eruieren versuchen. Wahrscheinlich ist sein Buch Il Postconcilio https://www.amazon.de/Il-Postconcilio-Crisi-diagnosi-terapia/dp/B00COA8SY4/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1468241745&sr=8-2&keywords=Francesco+Spadafora ebenfalls lesenswert.

      Danke für diesen Link. Er schließt eine Wissenslücke, die mir schon lange eine Plage war. Man muss also nicht nur Englisch, sondern auch noch Italienisch lesen können (ja, ja Französisch und Spanisch natürlich auch), wo sich noch restkatholische Literatur befindet. Auf deutsch ist kaum etwas zu finden. Die deutsche Fsspx hätte auch den Spadafora-Aufsatz übersetzen können. Acedia, wo man nur hinblickt. Wir werden ihn auch nicht übersetzen, aber verwerten. Es stellt sich wirklich die Frage, ob es noch oder schon wieder auf der Welt Menschen gibt, welche über ein Wissen und den sensus catholicus eines Msgr. Spadafora verfügen? Unser Blog befindet sich erst am Anfang dieses Kontinuums und dies ist keine falsche Bescheidenheit. Da aber niemand oder kaum jemand im deutschen Sprachraum bestimmte Themen anschneidet und darüberhinaus sich um eine positive Darstellung der katholischen Lehre bemüht, so bleibt uns nichts übrig als es weiterhin zu tun. Nicht weil es keine besseren gibt, sondern wirklich niemanden sonst unter den Bloggern gibt (oder doch?).

      Das Ziel ist die Darstellung des Objektiven, nicht des Subjektiven, denn veritas est adeaquation intellectus et rei, die Wahrheit ist die Übereinstimmung zwischen Intellekt und dem Ding. Die deutschsprachige Theologie kann nach all diesen subjekt-theoretischen, kantianisch-hegelianischen Ausdünstungen der letzten 200 Jahre ruhig etwas Objektivität vertragen.

      Vielen Dank und vergelt’s Gott.

      Gefällt mir

  3. Es gibt eine deutsche Übersetzung des Spadafora-Artikels / der Artikel-Serie (übrigens ist er wohl nicht von Spadafora allein, sondern dieser hat nur das Vorwort geschrieben bzw. daran mitgearbeitet. Wie so oft in sisinono ist es eine Autoren-Gemeinschaft u/o anonymer (pseudonymer) Autor, wenn ich mich Recht erinnere).

    Sie ist in Buchform erschienen beim Verlag „Les Amis de St. Francois de Sales“ und wurde lange Zeit auf den Büchertischen der fsspx angeboten.

    Nun ist sie im Sarto-Verlag erhältlich, s. hier: http://sarto.de/product_info.php?info=p1611_Die-Neue-Theologie-oder—Sie-glauben–gewonnen-zu-haben-.html

    Gefällt mir

      1. Nein, es ist die gesamte Artikelserie. Und nur das Vorwort ist – wie gesagt – von Spadafora (oder zumindest nur das von ihm namentlich gezeichnet)

        Gefällt mir

  4. Ja, Italienisch ist (neben Französisch und Englisch) [leider … ;-)] auch noch notwendig.
    Etwa auch viele durchaus interessante und nicht unwichtige Abhandlungen des IMBC (->
    Don Ricossa, Guerard des Lauriers, Cassiciacum-These) sind auf Italienisch – wobei vieles auch in Französisch.

    Und insgesamt viele kanonistische Literatur.

    Gefällt mir

  5. Und also trotz aller berechtigter Kritik in einzelnen Punkten (die ich ja – Z.T. – auch teile):
    Man kann hier (aber auch sonst) der fsspx, auch der deutschen, keine acedia-Vorwurf machen.
    Sie haben, was Literatur etc. betrifft, über die Jahre gute Arbeit geleistet und nun mit dem Sarto-Verlag auch etwas großes auf die Beine gestellt.

    Man muss halt deren Bücher nur lesen. Dafür (bzw. den Mangel daran, sie zu lesen) kann man nicht die fsspx haftbar machen – sondern muss sich schon jeder an die eigene Nase fassen.

    (Wobei manchens, was aus der Feder von fsspx´lern selbst kommt, in der Tat etwas oberflächlich ist.
    Sehr gut hingegen ist aber die Studie über die Neue Messe und das Pascha-Mysterium der ffspx [wenn auch nicht so einfach zu lesen und vielelicht bisweilen nicht ganz so klar, liegt aber auch z.T. an dem schwierigen Thema und an sich hohen Niveau]).

    Gefällt mir

  6. Sicher wichtig ist auch IOTA UNUM von R. Amerio.

    Ich muss gestehen, dass ich es selbst noch nicht in Gänze gelesen habe (sondern immer nur gewisse Zitate daraus)!

    (Oder mich zumindest nicht mehr erinner, es ganz gelesen zu haben – bei dem Vielen, was ich sogar schon als Teenager gelesen habe, verliert man leicht den Überblick bzw. die Erinnerung ;-D
    Aber ich denke, ich könnte mich sicher an so ein wichtiges Buch erinnern, hätte ich es denn in Gänze gelesen!! 😀 )

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s