Bäumer, Geschichte des Breviers. (5) Einleitung: § 1. Begriff und Inhalt des Breviers. Mündliches Gebet.


all saints

Mündliches Gebet

Eigentlich ist der Weg zur Heiligkeit ganz einfach. Man muss lediglich wissen, was nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil abgeschafft oder verändert wurde und das Gegenteil tun. Je gründlicher etwas abgeschafft wurde und je mehr dagegen gewettert wurde und immer noch gewettert wird, desto mehr Heiligkeit steckt dahinter. Der Umkehrschluss also, da hinter all diesen „Reformen“ von welchen wirklich keine einzige der Kirche und den Seelen zum Heil gereichte, der Widersacher Gottes steckte („Ich bin der Geist, der stets verneint“ nach Goethes Faust), sowie Menschen, die von ihm mehr oder weniger direkt inspiriert wurden.

Die nachkonziliare Verwerfung des mündlichen Gebets

Das mündliche Gebet stellt etwas dar, was wenigstens seit dem Konzil, aber bei vielen Theologen schon früher als verächtlich abgetan wurde, als ein bloßes Rezitieren und Auswendiglernen, etwas, was eines „mündigen Christen“ unwürdig ist. Der Schreiber dieser Zeilen hat noch in seiner Kindheit auf diese Art und Weise gebetet, dass er bestimmte Gebete wie: Vater Unser, Gegrüßtes seist Du Maria, Ehre dem Vater, Credo etc. kniend und laut oder halblaut aufsagte. Dieses Gebet wird in seiner Heimat Pacierz [Aussprache in etwas patziesch] genannt, ein Wort, das wohl vom Pater noster stammt. Erst in seiner Jugend lernte er in einer katholischen (sic!) Erneuerungsbewegung sowohl die Verachtung für das mündliche, private Gebet im Sinne des bisherigen Pacierz als auch gegenüber dem vorformulierten Gebet im Allgemeinen kennen. Man solle, so sagte man ihm, sich bei einem „Dialog mit Gott“ keiner vorformulierten Gebete bedienen, sondern „frei aus dem Herzen heraus“ beten. Man solle mit Gott, „wie mit einem Freund sprechen“, da es Moses (vgl. Ex 33,11) auch so tat. Er lernte diese Einstellung natürlich bei den katholischen Charismatikern, aber eigentlich auch bei allen anderen katholischen Spiritualität (ignatianisch, dominikanisch und andere), die er kennenlernte, kennen.

Das mündliche Gebet ist als privates Gebet nicht mehr en vogue, man solle nach Höherem streben. Das liturgische, mündliche Gebet, wie das Brevier oder der Rosenkranz, wurde zwar vielerorts empfohlen, aber es wurde entweder im Sinne einer schweren äußeren Pflicht verstanden, welche den hart gebeutelten Klerikern, die es ja, so, so schwer haben, obliegt oder als eine Art Show betrachtet, welchen manche Laien oder dritter Orden öffentlich vorführen oder seine Mitglieder zwar privat beten, aber immer so, dass andere es mitgekommen. Der Schreiber dieser Zeilen hat noch niemals jemanden gesehen, der sein Brevier privat laut oder halblaut betet und so betete er auch jahrzehntelang sein nachkonziliares Brevier auch im Stillen, indem er fast immer die Worte nur las anstatt sie zu rezitieren.

Vorteile des lauten Betens

Erst als er die Rubriken der alten Breviere entdeckte, in welchen gefordert wird, dass man auch privat  laut oder halblaut, d.h. rezitierend[1] („so dass man sich selbst hören kann“, wie es die Rubriken formulieren) beten soll, entdeckte er die Kraft des lauten Gebets. Worin besteht diese? Er spürt, dass die halblaut gesprochenen Gebete einfach mehr wirken. Es geht also nicht nur um den subjektiven Gewinn, dass man beim Rezitieren schneller die Psalmen und andere Gebete auswendig lernt und aufmerksamer ist als beim stillen Beten. Die ausgesprochenen also die rezitierten Gebete wirken einfach mehr in einer geistigen und übernatürlichen Dimension. Es geht also nicht nur darum, dass die Menschen es hören, sondern auch darum dass Gott es hört und die Dämonen es auch tun. Hört denn Gott nicht die Gedanken, wie die Dämonen auch? Doch. Warum also laut beten? Weil man durch das laute Beten einen geistlichen Raum schafft. Die ausgesprochenen Gebete bleiben gleichsam im Raum und in der Zeit stehen. Man erweckt die rezitierten Buchstaben gleichsam zum Leben, es ist als würde man eine Partitur singen und nicht sich nur im Kopf (manche Menschen können es durchaus) die Melodie oder die Musik vorstellen. „Sprechen“, im Hebräisch dabār, bedeutet auch „erschaffen“. Man „erschafft“ sozusagen eine spirituelle Wirklichkeit, indem man die heiligen Worte ausspricht. Umgekehrt ist es genauso: bei den Okkultisten müssen bestimmte Beschwörungen oder Flüche ebenfalls laut ausgesprochen werden, damit die Dämonen es hören und diese Beschwörungen wirken.

Unsere nachkonziliare theologische Wahrnehmung ist extrem menschenzentriert (d.h. anthropozentrisch) und horizontal geworden. Liturgie und Gebet und vor allem das liturgische Gebet ist aber vor allem gottzentiert (d.h. theozentrisch) und vertikal und erst aus dieser Vertikalität herau werden den Menschen die Früchte der Gottverbundenheit zugeeignet. Man bringt also durch das laute Beten der traditionellen Gebete, insbesondere der liturgischen Gebete (natürlich der vor 1962) die objektive Heiligkeit zum Klingen. Es ist so als würde man eine große, heilige Partitur singen. Ohne Sänger – kein Gesang. Und deswegen wurden sowohl im Israel als auch in der Kirche die offiziellen Gebete immer laut verrichtet. Auch die einsam lebenden Wüstenväter rezitierten die Psalmen laut. Dass private Gebete im Alten Testament vornehmlich laut vorgetragen wurden, wird auch aus der Reaktion Helis auf die betende Anna deutlich, welche nur ihre Lippen bewegte, sodass Heli annahm, dass sie, das sie nicht wie üblich laut betet, betrunken sei (1 Sam 1, 13). Sogar Heli war also ein stilles Gebet unbekannt. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das übliche und normale Gebet in der Kirche das laute Gebet war. Die betrifft auch das private Gebet.

Höhere, stille Gebetsstufen nicht allen zugänglich

Natürlich kann man auch still, nur im Gedanken beten, dies betrifft aber nicht das Breviergebet und das liturgische Gebet. Die Kirche kennt das:

  1. Diskursive Gebet, also das betrachtende Gebet mit Hilfe des Verstandes,
  2. Das meditative Gebet
  3. Das kontemplative Gebet.

Ad 1.

Das diskursive Gebet ist ein Gebet, in welchem ich mithilfe meines Verstandes beispielsweise das Attribut der göttlichen Allgegenwart betrachte. Pater Poulain SJ nennt es „das methodische oder erwägende Gebet“[2] und wir haben ebenfalls darüber geschrieben.[3] Die Aktivität bei dieser Art des Gebetes geht vom Menschen aus und dieses Gebet ist recht anstrengend. Versuchen Sie bitte eine halbe Stunde lang aktiv darüber nachzudenken, wo überall Gott ist, wie seine Überräumlichkeit aufzufassen sei etc. Die Kirche hat immer dieses Art des Gebetes anerkannt und seine  Herabsetzung seitens falscher Mystik verteidigt, wovon wirklich viele Denzinger-Stellen sprechen (DH 2218-2223, 2225, 2229, 2264, 2365-2368). Das diskursive Gebet wurde von denjenigen herabgesetzt, welche meinten, dass dieses Gebet für „vollkommene Seelen“ unnütz sei, da man sogleich mit der Stufe der Meditation anfangen sollte. Dazu muss man sagen, dass, wie Pater Poulain SJ bestätigt, der selbst ein geistlichen Leben führte, ein Seelenführer war und sicherlich auch viele Exerzitien gab, die meisten Menschen wirklich niemals zum Gebet der Betrachtung oder der Meditation kommen, es selbst wissen und darüber sehr frustriert sind. Und diese Menschen sollten einfach auf der Stufe des mündlichen Gebets und des diskursiven Gebets bleiben.

Ad 2.

Das betrachtende Gebet oder die Meditation[4] wurde ebenfalls von der Kirche anerkannt (DH 2181-2185), aber dieses Gebet wurde niemals als heilsnotwendig betrachtet. So lesen wir im Entwurf des Innozenz XI für eine Instruktion des Hl. Offizium zum Quietismus:

„[…] Gottlos <ist es> schließlich, <zu behaupten>, dass das geistige Gebet, sei es das meditative oder kontemplative, schlechthin notwendig zum Heil sei.“ (DH 2192)

Und warum ist es nicht heilsnotwenig? Weil nicht jeder dazu in der Lage ist.

Ad 3.

Ebenfalls wurde die Kontemplation oder das kontemplative Gebet von der Kirche in seiner Vortrefflichkeit immer anerkannt (DH 2182, 2185, 2188, 4862), aber dieses Gebet zu welchem noch viel weniger Menschen gelangen, als im Falle der Meditation, wurde niemals als für alle vorgeschrieben und somit als notwendig erachtet.

Und was kann jeder? Laut die vorgeschriebenen Gebete mündlich beten und über ihren Inhalt nachdenken. Dies ist möglich und deswegen auch notwendig. Wie immer im Falle, in welchem etwas als nicht allgemein zugänglich und als elitär bezeichnet wird, auch im Falle des fortgeschrittenen Gebets möchten die Menschen es erst recht haben.

Meditation nicht für alle geeignet

Da im Gebetsleben eine Zusammenarbeit zwischen Natur und Gnade stattfindet, so gibt es Menschen, die aufgrund ihrer gottgegeben Natur sich einfach nur sehr kurz konzentrieren können und über ein schwaches abstraktes Denken verfügen. Sie können sich auch schlecht in ihr Inneres zurückziehen und brauchen immer eine äußere Anregung. Bei manchen legt sich das im Laufe der geistlichen Entwicklung, bei manchen aber nicht. Es ist wirklich recht unwahrscheinlich, dass diese Menschen beim diskursiven Gebet große Fortschritte machen werden. Ebenso gibt es Menschen, welche ständig aktiv über etwas nachdenken müssen, sodass sie niemals innerhalb ihrer selbst die notwendige Leere schaffen können, um zum affektiven Gebet oder zum Gebet der Ruhe zu kommen. Daher scheinen sie für Meditation oder Kontemplation ungeeignet. Natürlich kann man dies nicht wissen, wenn man diese Gebetsarten nicht langjährig wenigstens versucht hat. Pater Poulain SJ beschreibt es wirklich sehr eingehend und wir wollen seinem Werk hier nicht vorgreifen. Es ist einfach so, dass manche Menschen trotz aller Anstrengung bestimmte Stufen niemals erreichen werden. Man kann diese Problematik in etwa mit Gegebenheiten der menschlichen Stimme vergleichen. Der Schreiber dieser Zeilen kann singen, die hohen Töne in seiner Stimmlage bereiten ihm Mühe, er hat eine sehr „kurze“ Kopfstimme, weil seine Stimmbänder einfach, wie er glaubt, zu kurz sind, damit er einen passablen Kontratenor abgeben würde. Er kann nur an seiner normalen Stimme arbeiten und das kompetente und schön klingende Singen mit der Kopfstimme anderen überlassen, zumal auch nicht jedermanns Kopfstimme gut klingt. Dies ist keine Diskriminierung, keine Herabsetzung, es sind Fakten. So kann man sich in etwa seine mögliche Gebetsentwicklung vorstellen. Gott gibt uns unsere natürlichen Anlagen und erwartet von uns nichts Unmögliches.

Deswegen auch ist die nachkonziliare Herabsetzung des mündlichen, vorformulierten Gebetes so  verhängnisvoll. Man wird, falls man es überhaupt wird, angeleitet gleich und sofort mit dem diskursiven oder gleich mit der Meditation anzufangen, mit Gebet der Ruhe oder dem affektiven Gebet. Es gibt tatsächlich Menschen, die es sogleich können, welche schnell die Stufe des mündlichen und des diskursiven Gebets überspringen, wie es auch Männer mit einer sehr schönen und „langen“ Kopfstimme gibt. Dies sind aber in beiden Fällen die Ausnahmen. Die meisten Menschen verwerfen die einzige Art des Gebetes, das ihnen zuträglich ist und beten überhaupt nicht, obwohl sie glauben, dass sie meditieren oder das Gebet eigentlich alles ist. Dieses unvorbereitete Meditieren führt leider meistens zum Kreisen um sich selbst, denn man will mit Gott „Dialog“ pflegen, es öffnet den Menschen auf den bösen Geist, der nicht schläft und es führt von irgendeinem Gebet weg, weil man „zu sich selbst finden“ möchte. Gebet ist aber der schuldige Kult Gottes, die Anrufung Gottes und nicht sich selbst. Das christliche Leben besteht auch in der Erfüllung des Willens Gottes und nicht im Eigenwillen oder in der Selbstverwirklichung. Wenn uns Gott keine Anlagen zu höheren Gebetsformen gegeben hat, was durchaus der Fall sein kann, dann ist es eben so. Die anderen gehen uns nichts an, denn es geht um unser Heil.

Natürlich haben die Menschen vor dem Konzil nicht alle gebetet und waren nicht alle heilig. Wenn sie aber beteten und wir sprechen hier von Laien, dann beteten sie morgens und abends vorformulierte Gebete, sie beteten halblaut den Rosenkranz, hier und da eine Litanei, ab und zu absolvierten manchen von ihnen Übungen zum diskursiven Gebet, indem sie den Anleitungen aus frommen Büchern folgten. Dann gab es noch den Kreuzweg und andere Andachten. Wahrscheinlich haben viele von ihnen, besonders beim Rosenkranz oder beim Kreuzweg, die Stufe des betrachtenden oder affektiven Gebetes erreicht, ohne es zu wissen. Wahrscheinlich haben viele von ihnen die Stufe des Gebetes der Ruhe bei der Messe, insbesondere der stillen Messen erreicht, was bei der Novus Ordo Messe, in der permanent geredet oder gesungen wird, nicht möglich ist. Da sie also auf diese Art und Weise, ausschließlich vom mündlichen Gebet ausgehend beteten, so hatten sie einen besseren Glaubenssinn als die meisten jetzt, da sie nach und nach die Glaubensgeheimnisse sozusagen sahen, was wir alle von unserem Pfarrer und seiner PastoralreferentInnen wirklich nicht sagen können.

Hochachtung des mündlichen Gebets

Das Fundament eines jeden Gebets ist das mündliche Gebet, welches von den geistlichen Ständen der Kirche durch das Breviergebet ohnehin gepflegt wird oder wenigstens wurde. Daher schreibt auch Innozenz XI. in der schon erwähnten Verurteilung des Quietismus:

„Keinem also, der dem meditativen bzw. kontemplativen Gebet zugetan ist, soll es erlaubt sein, das mündliche Gebet, das von Christus, dem Herrn, eingesetzt, von den Aposteln beobachtet und von der katholischen Kirche in unaufhörlicher Folge bei allen Gottesdiensten (in omnibus divinis ministeriis) immer angewandt wurde, entweder zu verachten oder als nutzlos und im Vergleich mit dem meditativen oder kontemplativen nichtig herabzusetzen; vielmehr sollen es, da der Prophet lehrt, der Herr sei in Hymnen und Gesängen zu loben, alle zusammen mit dem geistigen und kontemplativen <Gebet> loben und empfehlen.“ (DH 2181)

Leider wurde das schöne lateinische in omnibus divinis ministeriis „in allen göttlichen Diensten“ mit „Gottesdiensten“ übersetzt, was die Aussage des Papstes ein wenig verflachen lässt, da man zwangsläufig an den Kindergottesdienst in der eigenen Gemeinde denken muss, Mit göttlichen Diensten ist:

  • Die Messe,
  • Das Brevier,
  • Die Sakramente
  • Das Paraliturgische Gebetet (Rosenkranz, Maiandacht etc.) gemeint.

Wenn auch in der Tridentinischen Messe oder beim Brevier secreto also im stillen Gebet wird, so überwiegt doch das halblaute Beten, z.B. des Kanons, wo der Priester sich selbst hören muss.

Die laut gesprochenen liturgischen Gebete sind, wie wir schon erwähnten, wirkungsvoll, was die Enzyklika des Pius XI. Ad catholici sacerdotii vom 20. Dez. 1935 bestätigt. Sie sind wirkungsvoll besonders dann, wenn sie von Priestern dargebracht werden. Warum? Weil die geistlichen Stände bei Gott sozusagen einen höheren „Umrechnungsfaktor“ wegen des geistlichen Standes oder wegen der Weihe wegen haben. Die Sünden ebenso. Pius XI. schreibt:

„ […] Der Priester ist schließlich  – auch darin den Dienst Jesu Christi fortsetzend, der »die Nacht im Gebet zu Gott verbrachte« [Lk 6,12] und immer lebt, um für uns einzutreten [vgl. Hebr 7,25] – von Amts wegen der öffentliche Fürbitter für uns bei Gott: zu seinen Aufgaben gehört es nicht nur, der himmlischen Gottheit im Namen der Kirche das eigentliche und wahre Opfer des Altares darzubringen, sondern auch »das Opfer des Lobes« [Ps 50, 14] und die gemeinsamen Gebete; er versieht nämlich mit Psalmen, Fürbitten und Gesängen, die er großenteils aus der heiligen Schrift entlehnt, täglich wieder und wieder den Gott gebührenden Dienst der Anbetung und erfüllt für die Menschen die notwendige Aufgabe solchen Bittgebetes …“ (DH 3757)

Mit den „gemeinsamen Gebeten“ ist hier natürlich das Brevier gemeint, welches von einem Priester als dem qualifizierten Beter (diesmal keine Ironie) dargebracht wird. Die betenden Stände, d.h. die geistigen Stände der Kirche, müssen für uns Laien beten. Ja, ja, …nachdem wir alle jetzt herzlich gelacht haben, müssen wir feststellen, dass heutzutage die Laien, die noch einen Rest des Glaubenssinnes besitzen, für die Kirche und „für die Menschen die notwendige Aufgabe solchen Bittgebetes“ verrichten müssen, da es die Priester wirklich nicht tun. Siehe unsere Bußpsalmen! Sind denn unsere Gebete ebenso wirkungsvoll wie die der Priester oder der formell gottgeweihten Personen? Leider nicht, denn wir besitzen weder das Weihesakrament noch das Sakramentale der Ordensweihe und somit verfügen wir über einen kleineren „Umrechnungsfaktor“, den wir durch unsere persönliche Heiligkeit ausgleichen müssen. Da aber diejenigen, die es tun sollten (Kardinäle, Bischöfe, Priester, Ordensfrauen, Ordensmänner) kaum beten, so muss es jemand rausreißen.  Wahrscheinlich ist die Anzahl derjenigen Geistlichen, welche wissen, dass sie und nur sie die Aufgabe haben Gott das Opfer:

  • Des Lobes,
  • Des Dankes,
  • Der Bitte
  • Der Sühne

und zwar nicht nur durch die Messe, sondern auch durch das Brevier, ihr privates Gebet und ihr Leben darzubringen, sehr klein. Sollte uns jemand dieser Zielgruppe lesen, dann erfährt er oder sie es jetzt. Es geht um das Sein (esse), nicht um das Tun (agere), denn agere sequitur esse, das Wirken folgt aus dem Sein. Das Gebet im Namen der Kirche durch das Gebet der Kirche, sprich das Brevier, ist sehr wirkungsvoll (vi virtuteque), wie der Papst weiter schreibt:

„Wenn selbst das private Fürbittgebet sich so feierlicher und großer von Jesus Christus gegebener Verheißungen erfreut [vgl. Mt 7, 7-11, Mk 11, 24; Lk 11,9-13], dann verfügen die Gebete, die im Namen der Kirche, die ja die geliebte Braut des Erlösers ist, von Amts wegen verrichtet werden, zweifellos über eine noch größere Kraft und Stärke (vi virtuteque).“ (DH 3758)

Deswegen ist das alte Brevier so wirkungsvoll, was der Schreiber dieser Zeilen am eigenen Leibe seit einigen Jahren erfährt und je älter, desto wirkungsvoller, da länger. Betrachten wir die Argumentationskette:

  • Gebet der Kirche ist mündliches Gebet,
  • Gebet der Kirche ist wirkungsvoll,
  • Mündliches Gebet, wenn es das Gebet der Kirche ist, ist wirkungsvoll.

Wir sollen also auch mündlich beten, quod erat demonstrandum.

[1] Siehe Additione et Variationes in Rubricis Breviarri Ad norman bullae „Divino Afflatu“, Ti.t I Der ratione divini Officii recitandi, *35, in Breviarium Romanum, Pars Hiemalis, Ratisbonae 1922.

[2] https://traditionundglauben.files.wordpress.com/2015/08/poulain-2-1-a-e1438505612852.jpg

[3] https://traditionundglauben.wordpress.com/category/geistliches-leben/spirituelle-einzelthemen/vier-stufen-des-gebets/

[4] https://traditionundglauben.wordpress.com/category/geistliches-leben/spirituelle-einzelthemen/vier-stufen-des-gebets/ https://traditionundglauben.wordpress.com/2015/08/03/die-vier-stufen-des-gebetes-als-geistliches-surfen/

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5 Gedanken zu “Bäumer, Geschichte des Breviers. (5) Einleitung: § 1. Begriff und Inhalt des Breviers. Mündliches Gebet.

  1. Hat dies auf Des katholischen Kirchfahrters Archangelus unbotmäßige Ansichten – ob gelegen oder ungelegen. rebloggt und kommentierte:
    In der Tat, die gleichen Erfahrungen habe ich auch gemacht. Das halblaute Rezitieren des Diurnale Romanum ist etwas anderes als das stille Lesen, es schafft unwillkürlich einen behütenden und durchaus wirkmächtigen Klangraum. Diese Auffassung muß man natürlich nicht teilen – skurril finde ich allerdings schon, wenn mancher „moderne“ Zeitgenosse das halblaute Rosenkranzgebet forsch zwischen „peinlich“ und „geistig zurückgeblieben“ einsortiert, dafür aber vor (beispielsweise) asiatischer Spiritualität mit ihren rezitierten Sutren, Malas, Klangschalen etc. vor Ehrfurcht verstummt. Gerade das Rosenkranzgebet als Meditationsform ist aktuell Gegenstand meiner privaten Recherche, verbunden mit Atemtechnik (vor allem beim „Barmherzigkeitsrosenkranz“) habe ich hier bereits sehr gute Erfahrungen gemacht. Daneben (nicht mit dem vorherigen vermischt) übe ich das sog. „Ruhegebet“ aus, welches sicherlich für manchen Gestressten eine Hilfe sein mag.
    Lange Rede, kurzer Sinn: Es lohnt sich für jeden Einzelnen, sich einmal in Ruhe in der übervollen Schatzkammer der katholischen Tradition umzusehen. Nicht alles ist sicherlich für jeden geeignet, aber etwas wird sich sicher finden lassen, um das individuelle Glaubensleben zu stärken.
    Für diesen Beitrag voller Anregungen kann ich traditionundglauben wieder nur ein herzliches „Vergelt’s Gott!“ zurufen – individuell auf den Weg machen muß man sich aber selbst, einen mitleidig lächenden „modernen“ Pfarrer dazu zu befragen, artet schnell zur veritablen „Bußübung“ aus… 😉

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  2. „Eigentlich ist der Weg zur Heiligkeit ganz einfach. Man muss lediglich wissen, was nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil abgeschafft oder verändert wurde und das Gegenteil tun. Je gründlicher etwas abgeschafft wurde und je mehr dagegen gewettert wurde und immer noch gewettert wird, desto mehr Heiligkeit steckt dahinter.“
    Ein klare und deutliche Ansage die ich nur zustimmen kann.
    „Das mündliche Gebet stellt etwas dar, was wenigstens seit dem Konzil, aber bei vielen Theologen schon früher als verächtlich abgetan wurde, als ein bloßes Rezitieren und Auswendiglernen, etwas, was eines „mündigen Christen“ unwürdig ist.“
    Mündiger Christ? Was ist denn das ? Ich denke das diese vielen Theologen so mündig sind das sie noch nichtmals ein Schaf von einem Bock unterscheiden können. Aber ich bin ja nur ein unmündiger Katholik der gerne den Rosenkranz betet und wenn er die Wahl hätte ein Glas Bier mit einem Atheisten oder mit einem mündigen Katholiken zu trinken den Atheisten vorziehen würde denn der ist wenigstens authentisch.
    Ich denke das ein Theologe der nicht den Rosenkranz betet protestantisch ist denn man sagt das diese Schriftgelehrten mit der Mutter Gottes große Probleme haben. Aber sie glauben das sie mündig sind und sehen Jesus Christus als einen Freund an der an ihren Albernheiten seinen Spaß hat. Wenn er von dort kommt zu richten die Lebenden und Toten verstehen sie ihre eigenen Bücher und voll geklecksten Papiere nicht mehr. Übrigens als mündiger Katholik nehme ich mir heraus dem berühmt, berüchtigten Konzilsgeist die Türe zu weisen wenn er zu aufdringlich wird.
    Per Mariam ad Christum.

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    1. „Mündiger Christ“ ist ein feststehender Ausdruck der progressiven Theologie, der wir selbstverständlich nicht anhägen. Natürlich ist er verächtlich allen anderen gegenüber, welche per se nicht mündig sein können, da sie „an diesen Bullshit glauben“, um mit Ann Barnhardt zu sprechen.

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  3. „Natürlich haben die Menschen vor dem Konzil nicht alle gebetet und waren nicht alle heilig.“
    Das ist wohl richtig. Aber sie wußten noch was gut und böse und was Sünde ist. Sie haben den Herrn unseren Gott als die alleinige Wahrheit angesehen. Heute glauben die meisten das nach dem Tod irgendetwas kommt und das es danach lustig weitergeht. Egal welcher Gott und egal welche Religion. Die Konzilsverräter haben einen unglaublichen Angriff auf unsere Seele geführt.
    Per Mariam ad Christum.

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    1. Sehr richtig erkannt. Das Konzil hat allen Menschen, vielleicht von protestantischen Freikirchlern, die meistens in den USA in ihrer eigenen Welt leben, das Sündenbewußtsein genommen und Amoris Laetitia bringt diese Entwicklung zum Abschluss. http://www.katholisches.info/2016/07/09/kardinal-schoenborn-und-die-ausdrueckliche-einladung-zum-sakrileg/ Bitten lesen ab „Neue Kategorien“.

      Dies ist nicht nur die massenweise Apostasie, sondern auch die Massensünde wider den Hl. Geist, der ja dazu gekommen ist und immer noch kommt die Welt von der Sünde zu überzeugen. Und all dies machen und machten die Männer der Kirche und keine unwissende Atheisten im albanischen Wald.

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