Was ist eine Häresie? Die kirchlichen Zensuren: (4) Zensuren, welche die Auswirkungen betreffen.


Holy Office

Ad c. Zensuren, welche Auswirkungen (effectum) betreffen, welche die theologische Meinung (sententia theologica) auf die Gläubigen ausüben können.

Manche Zensuren betreffen die schlechten Auswirkungen (malos effectus), welche die verurteilten Meinungen auf die Gläubigen haben können. Es ist wirklich ein großer Fehler zu glauben, dass verkündete oder publizierte Ansichten ohne irgendwelche Auswirkungen bleiben. Dem ist nicht so. Jeder Schreibende möchte die Welt verändern. Der Schreiber dieser Zeilen auch und in der Geistesgeschichte tragen Ideen nach ca. 200 Jahren Früchte, wie man es beim Einzug Hegels (1770-1831) in die Kirche durch Amoris laetitia, aber auch durch Vatikanum II beobachten kann.

Diese Zensuren quoad effectum lauten wie folgt:

  1. Ärgernis erregende Meinung (scandalosa)
  2. Schismatische Meinung (schismatica)
  3. Aufrührerische Meinung (seditiosa)
  4. Unsichere Meinung (non tuta)

Ad 1. Ärgernis erregende Meinung (scandalosa)

Es ist eine Meinung, welche ein Ärgernis oder ein Skandal hervorruft und, wie Tanquerey schön schreibt,

„bei der nächsten Gelegenheit zum geistigen Ruin, zur Neigung zur Sünde und zur Abkehr vom Wege der Tugend führen wird.“[1]

Solch eine sententia scandalosa ist die berühmte Aussage unseres Papstes

„Wer bin ich, um zu urteilen/richten?“

als er nach einem homosexuellen Prälaten im Vatikan, der das Haus der Hl. Martha leitet (sic!), gefragt wurde.[2] Wir sprechen hier nicht nur von einem Homosexuellen, sondern von einem homosexuellen Priester und Prälaten im Rang eines Bischofs (Monsignore) und hören so etwas!

Ad 2. Schismatische Meinung (schismatica)

Dies ist eine Meinung, welche der Einheit der Kirche entgegensteht und den Weg zu einer Spaltung ebnet. Solch eine sententia schismatica ist unserer Meinung nach der Punkt 3 von Amoris laetitia, welche wir noch genau besprechen werden, er lautet:

  1. Indem ich daran erinnere, dass die Zeit mehr wert ist als der Raum, möchte ich erneut darauf hinweisen, dass nicht alle doktrinellen, moralischen oder pastoralen Diskussionen durch ein lehramtliches Eingreifen entschieden werden müssen. Selbstverständlich ist in der Kirche eine Einheit der Lehre und der Praxis notwendig; das ist aber kein Hindernis dafür, dass verschiedene Interpretationen einiger Aspekte der Lehre oder einiger Schlussfolgerungen, die aus ihr gezogen werden, weiterbestehen. Dies wird so lange geschehen, bis der Geist uns in die ganze Wahrheit führt (vgl. Joh 16,13), das heißt bis er uns vollkommen in das Geheimnis Christi einführt und wir alles mit seinem Blick sehen können. Außerdem können in jedem Land oder jeder Region besser inkulturierte Lösungen gesucht werden, welche die örtlichen Traditionen und Herausforderungen berücksichtigen. Denn » die Kulturen [sind] untereinander sehr verschieden, und jeder allgemeine Grundsatz […] muss inkulturiert werden, wenn er beachtet und angewendet werden soll «.[3][3]

Ad 3. Aufrührerische Meinung (seditiosa)

Diese Meinung kann zu sozialen Unruhen führen. Die ganze Amoris laetitia ist als Ganzes seditiosa, denn sie hat zu einem Aufruhr in der Kirche geführt, jedoch hauptsächlich unter den Bloggern.

Ad 4. Unsichere Meinung (non tuta)

Dies ist eine solche Meinung, welche bei der Berücksichtigung aller Umstände, nicht befürwortet werden kann, weil sie viele Fehler in anderen Bereichen bewirken kann. Dies ist beispielsweise mit der Philosophie des Personalismus der Fall, der u.a. in Amoris laetitia zum Subjektivismus und Relativismus geführt hat.

Die Darstellung der kirchlichen Zensuren, die hier noch nicht ausgeschöpft sind, sollt zur Untermauerung unserer These dienen, dass

„nicht jeder Unsinn gleich Häresie sei.“

Sie soll uns auch bei unserer Analyse von Amoris laetitia behilflich sein, da wir diese Zensuren anwenden werden. Es stellt sich auch die Frage, wie viele Zensuren ein lehramtliches Dokument verträgt, ohne gleich häretisch zu werden. Dies ist eine gute Frage. Das vorkonziliare hat keine enthalten. Natürlich ist das ordentliche Lehramt nicht immer unfehlbar oder besser ausgedrückt es kann auch fehlbar sein, aber Papst Franziskus hat mit Amoris laetitia wirklich alle tolerierbaren Grenzen gesprengt, was wirklich alle zugeben. Deswegen ist es gut sich diese Zensuren gut zu merken.

[1] Tanquerey, Synopsis theologiae dogmatiae, Bd. II, 118.

[2] http://www.katholisches.info/2015/06/16/einflussreichster-kritiker-von-papst-franziskus-unter-den-vatikanisten-vom-heiligen-stuhl-vor-die-tuer-gesetzt/ http://www.katholisches.info/2013/07/29/papst-franziskus-ricca-und-die-homo-lobby-wovon-sprach-der-papst-im-flugzeug-wirklich/

[3] Deutscher Text nach: https://w2.vatican.va/content/francesco/de/apost_exhortations/documents/papa-francesco_esortazione-ap_20160319_amoris-laetitia.html#_Die_Freude_der_Liebe

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