Die Banalität des Bösen. 2: Die Banalität der Sünde


Versuchung-Christi

Die Banalität der Sünde

Das Böse ist banal und die Sünde ist banal. Viele Beiche hörende Priester in Ländern, wo die Menschen noch beichten, berichten, dass sie manchmal im Beichtstuhl einschlafen, weil die Sünden dermaßen langweilig sind und einander so sehr ähneln. Manche berichten sogar von dem gleichen Tonfall der Beichtenden, in etwa als würden sie sagen: „Zu Gefahren und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt und Apotheker“. Der Banalität der Sünden scheint die Banalität des Tonfalls und die Banalität der Einstellung seitens der Beichtenden zu entsprechen. Dabei ist hierzu zu bedenken, dass, wie der hl. Philip Neri sagte, versucht der Teufe zuerst den Sünder von der Harmlosigkeit der zu begehenden Sünde zu überzeugen, nach der Tat stürzt er ihn wegen derselben Sünde in Verzweiflung. Ein ehemaliger polnischer Oppositioneller und der spätere Minister für Arbeit Jacek Kuroń, der seit 1968 eigentlich ständig im Gefängnis saß, sagte einmal, dass nur die schwachen Menschen schlecht sind, denn es erfordert sehr viel Stärke, um gut zu sein. Dies stimmt, denn bonum, das Gute, ist meistens ein bonum arduum, also ein schwer erreichbares Gut, was wir aus unserer Reihe über die Acedia schon wissen. Kuroń sagte auch, dass die Menschen die schlimmsten Taten aus Angst heraus begehen, was wohl auch stimmt. Man hat Angst die Arbeit zu verlieren, für die Familie nicht sorgen zu können, irgendwie zurück zu bleiben, keine Karriere zu machen und man begeht die schlimmsten Taten.

Unsere Geistlichen und Bischöfe wollen doch auch dazugehören und nicht wie „fundamentalistische Frömmler“ abseitsstehen und daher heißt das Schlagwort: „Miteinander“, mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen. The Goodfellows, die Jungs von der Gang, wie auch immer diese Zugehörigkeit auch heißt. Eine gute Freundin des Schreibers dieser Zeilen hatte einmal eine außereheliche Affäre mit einem Fahrer der Mafia, welche sich auf die Rückgewinnung von schwer einforderbaren Schulden spezialisierte.  In Ländern, in denen es kein funktionierendes Rechtssystem gibt, gibt es leider diese Dienstleister und Menschen, die in ihrer Not sich an sie wenden, weil sie auf den gerichtlichen Weg nichts erreichen. Wie auch immer, dieser Mafia-Fahrer, obwohl Mitte 30, dachte und handelte immer noch wie ein Heranwachsender, weil es in dieser „Beziehung“ immer nur um „die Jungs“ ging, also um andere Mafia-Mitglieder und Kollegen. Es handelte sich aber aus seiner Sicht um keine Vorwände, sondern für diesen recht einfachen Mann, hatte das, was die Gang gerade machte und zwar nicht nur beruflich, sondern hauptsächlich privat, immer die höchste Priorität.  Dem Schreiber dieser Zeilen gelang es, da andere Argumente nicht halfen, seiner Bekannten diese Beziehung dadurch auszureden, indem er sagte, dass dieser Mann niemals erwachsen werden wird und niemals irgendwelche Verantwortung übernehmen wird, weil im Alter von 15 bis 16 Jahren steckengeblieben ist, in welchem für viele normale männliche Jugendlich es tatsächlich die höchste Priorität darstellt, was die anderen Jungs tun oder denken.  Und deswegen entscheidet darüber, ob man ein Mafioso, ein Geheimdienstler oder ein Mitglied einer Geheimgesellschaft, welche auch einer Firma ähneln kann, werden kann, das psychologische Profil des Kandidaten. Es ist jemand, der immer noch ein unsicherer Junge ist, für den die anderen „Jungs“ seine einzige Familie darstellen, der er absolut alles verdankt. So jemand stellt einen perfekten Kandidaten dar, da er permanent emotional abhängig und daher erpressbar ist. Dieses Profil erklärt leider auch die verschiedenen, destruktiven Lobbies in der Kirche, hauptsächlich die Homo-Lobby.  Denn die Jungs, welche die „Jungs“ und einander „lieben“, unterstützen einander doch sehr. Aber eigentlich ist es sehr banal sich als Erwachsener wie ein Heranwachsender zu gebärden, sehr banal ist auch der homosexuelle Jugendwahn, der wahrscheinlich auch daher resultiert sich der Beute des männlichen Jugendlichen anzugleichen.

Aber wie wird man so? Wahrscheinlich liegt bei Missbrauch eine Persönlichkeitsstörung oder die höchste Form des Machtmissbrauchs vor. Bei den wenigen wissenschaftlichen Studien, welche der Schreiber dieser Zeilen zum sexuellen Missbrauch in der Kirche, aber auch zum priesterlichen Konkubinat gelesen hat, wird fast allen Beteiligten eine narzisstisch-unterentwickelte Persönlichkeitsstörung bescheinigt, wie eben diesem Mafia-Fahrer, man ist nichts, die Jungs sind alles und manche Jungs finden sich mit anderen Jungs zusammen, um sich im Bösen zu decken und zu unterstützen. Es ist schon recht einsichtig, dass ein ungebildeter Mann aus einer schlimmen Gegend nicht viele Chancen hatte, um seine Persönlichkeit zu entwickeln, aber bei Priestern lag entweder eine Persönlichkeitsstörung schon am Anfang vor und sie hätten gar nicht geweiht werden dürfen oder sie wurden so mit der Zeit, weil sie überhaupt kein geistliches Leben pflegten und ihnen keine Grenzen gesetzt wurden. Der Schreiber dieser Zeilen stellte sich oft die Frage, wie es möglich ist, dass ganz normale Menschen in manchen Situationen zu schrecklichen Taten fähig sind, z. B. das Dritte Reich, der Balkankrieg, RAF-Terrorismus, islamischer Terrorismus, sexueller Missbrauch durch Priester etc. Es scheint, dass immer gleichzeitig zwei Faktoren auftreten müssen:

  1. Die intellektuelle Rechtfertigung der Tat, in der das Böse als das Gute oder als etwas Tolerierbares dargestellt wird.
  2. Die Gewissheit ungestraft davon zu kommen.

Wird in einem gesellschaftlichen System, wie in der Terrorzeit des nachrevolutionären Russlands oder der Roten Khmer etwas per se durch die Revolution gerechtfertigt, so ist man wirklich sicher davonzukommen. Da, nach den amerikanischen Statistiken, die meisten Missbrauchsfälle in der direkten Nachkonzilszeit stattgefunden haben und sozusagen durch die Macht der Gewohnheit fortgeführt wurden,[1] so konnte dies in solch einem Ausmaß deswegen stattfinden, weil jegliche moralischen Schranken für die Täter zusammengefallen sind und die Sicht der Sünde sich immer weiter bis zur Nichtigkeit verschoben hat. Und daher konnte neulich ein französischer Bischof auf die Frage, ob Pädophilie eine Sünde sei, antworten, dass er es nicht sagen könne.[2] Denn, wenn liturgisch und doktrinär alles machbar ist, siehe Amoris laetitia, dann ist ja buchstäblich nichts mehr heilig. Und so schaute man, wie weit man gehen konnte. Und da die Bischöfe es wussten und nicht straften, so machte man weiter und tut es heute wohl auch. Auf katholisches.info gibt es den gut informierten Poster mit dem Pseudonym Adrien Antoine, der diese Zustände in Belgien beschreibt und auch in Deutschland ist es nicht anders.[3]  Wie konnte es dazu kommen? Vielleicht suchten sich viele Kleriker einen besonderen Kick für ihre banale Existenz und mit der Zeit wurde das Böse zu einer selbstverständlichen Banalität. Von der Banalität zum Bösen, vom Bösen zum Banalen.

Natürlich wird sich in diesem Kontext die Frage stellen, ob wir Kindesmissbrauch durch Kleriker für banal halten, im Sinne von

„keine Besonderheit, nichts Auffälliges aufweisend; alltäglich, gewöhnlich“[4].

Nein, wir tun es nicht und für keinen Menschen, der sich wenigsten im Raster der Gültigkeit der Zehn Gebote befindet, ist solch eine Tat überhaupt vorstellbar. Aber für die Täter, welche sich vorher jahre- oder jahrzehntelang in der Welt der eigenen, durch Porno-Konsum genährten, Phantasie aufhielten, werden die daraus resultierenden Taten nach und nach tatsächlich banal, denn selbstverständlich. Das Böse wird so böse und es geht in die eigene Natur über, dass es banal wird.

Wir werden Amoris laetitia noch wirklich eingehend besprechen, wenn wir diese unsägliche Adhortation erstmal zu Ende gelesen haben. Was dort aber besticht ist das Fehlen des Sündenbegriffes, der objektiven Norm, an dem sich das subjektive Gewissen ausrichtet. Wer hat denn keinen Sündenbegriff? Jemand, der jahrzehntelang in einer schweren Sünde lebt, für den mit der Zeit die Sünde zur banalen Normalität wurde. Leider muss es bei Papst Franziskus diese der Fall sein und bei seinen ghostwritern auch, die leider allersamt einen sehr homosexuellen-gnostischen Eindruck machen.  Wie alle Narzissten wollen sie den Anderen an ihrer eigenen Sünde Anteil geben, indem sie alles für möglich erklären, wenn es mit dem eigenen Gewissen vereinbar ist. Und was ist damit schon nicht vereinbar? Und was wollen sie damit sagen: sei böse-banal, sei wie wir, nicht besser und nicht anders. Die Sicht der Dämonen.

[1] https://en.wikipedia.org/wiki/John_Jay_Report#Factors_contributing_to_the_abuse_problem

[2] http://www.katholisches.info/2016/04/06/ist-paedophilie-suende-ein-bischof-weiss-keine-antwort/

[3] http://www.katholisches.info/2013/05/11/die-grose-krise-der-katholischen-kirche-in-belgien-in-entchristlichtem-land-lebt-es-sich-gefahrlich/ http://www.katholisches.info/2015/08/17/bruegge-in-westflandern-ein-bistum-in-schnappatmung/ http://www.katholisches.info/2015/09/07/bischof-johan-bonny-antwerpen-freundlich-laut-bei-homo-still-bei-paedo/

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Banal

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6 Gedanken zu “Die Banalität des Bösen. 2: Die Banalität der Sünde

  1. Zur Frage der Sünde oder des Sündenbewusstseins möchte ich ein wenig wiedersprechen.
    Schon kleine Kinder,ja sogar Säuglinge wissen schon ganz genau,wenn sie „ungezogen“ sind und wer Haustiere hat und diese nicht „vergötzt“ wird das Gleiche feststellen.
    Wobei sich Hunde und Katzen etwas unterscheiden,ein Hund kann sehr schuldbewusst gucken aber eine Katze tut,als „wenn nichts gewesen wäre“,aber wenn man schimpft,kommt sie „schmusen“.
    Die schlimmste „Erfindung“ des Bösen in der Neuzeit ist das Mobbing und davor fürchten sich alle.
    Das fing an mit dem Natur-und Tierschutzwahn und endet aktuell bei dem Flüchtlingswahn.
    Man ist deshalb „dafür“,weil man „gut“ sein,dazugehören will.
    Hier machen sich die Leute hinter den Kulissen die Angst des Menschen vor Einsamkeit, Außenseitertum oder der Angst sich lächerlich zu machen zu Nutze.
    Diese Angst hat nun auch die Kirche erreicht.
    Es gibt keine Helden mehr,nur noch Angsthasen und Duckmäuser,darum ja auch die vielen Angsterkrankungen und psychische Störungen.
    Und da nun alle Formen der Sünde „in“ sind macht man mit,so einfach ist das.
    Hinzu kommt,das niemand mehr wirkliche Gottesfurcht oder Angst vor Verlust des Seelenheils hat.

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    1. @ Stella

      Was Kinder und Tiere anbelangt, stimme ich ihnen zu.

      Wir meinen aber bei dem Sündenbewußtsein zwei verschiedenen Momente:

      Sie das Anfangsstadium bei Kindern, bei Tieren bleibt es gleich.

      Wir meinen hier das Endstadium, wo die schwere Sünde zur Gewohnheit und zweiter Natur wird. Bei der ersten schweren Sünde empfindet jeder Gewissensbisse, Schuld und manchmal Reue, dann geht es aber den Berg hinab.

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      1. „…wo die schwere Sünde zur Gewohnheit und zweiter Natur wird.“

        Ich glaube, auch wenn jemandem die schwere Sünde zur Gewohnheit und zur zweiten Natur geworden ist, er sich doch im tiefsten Innersten klar darüber ist, dass er sündhaft handelt. Es zuzugeben, vor sich selbst und anderen, das ist es wohl, was ihm schwerfällt. Auch ein Alkoholiker bestreitet, alkoholabhängig zu sein. Doch er weiß es im Grunde.
        Und wenn dann der Zeitpunkt gekommen ist, dass er am Boden liegt, so gibt er sich entweder auf oder sucht Hilfe.

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      2. @ Marienzweig

        Leider ist es nicht so. Mit der Zeit kommt die Herzensverhärtung also die Verstockung, man ist stolz auf die Sünde und sieht in ihr etwas Positives. Der hl. Thomas von Aquin zeigt all die Schritte des Verfalls. Am Ende steht die dämonische Umkehrung des Bösen in das Gute.

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  2. Ja das meinte ich,was @ Marienzweig formulierte.
    Aber bei näherer Betrachtung muß ich Ihrer Argumentation doch Recht geben.denn diese Umkehrung des Guten ins Böse bzw.was noch häufiger praktiziert wird,die Umkehrung des Bösen ins Gute ist ja heute im öffentlichen Leben gang und gäbe.

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    1. @Stella
      Könnte nicht sein, dass beides zutrifft, je nach Charakter?
      Das, was Sie ursprünglich wohl gemeint hatten und was ich bestätigte, aber auch die Auffassung von Traditio et Fides, wo es um die (fast) unumkehrbare Verhärtung in einem Menschen geht.
      Es mag ja sein, dass ein absolut verstockter Sünder keinerlei Kontakt mehr zu seiner Seele hat und er deshalb das Unrecht als Recht ansieht. Wenn mit der Zeit auch das Böse in ihm überhand nimmt, aber ist da nicht doch in der hintersten Ecke seines Gewissens eine kleine Rest-Instanz, eine leise Stimme, die sich -wenn auch nur sehr selten- meldet? Aber er überhört sie, weil sie stört.
      Ich kenne die Schrift Thomas von Aquin´s nicht, in der er die Umkehrung des Bösen in das Gute nachweist. Wenn er recht damit hat, ist das dann nicht die totale Bankrott-Erklärung jegliches Guten in diesem Menschen?
      Zieht sich das Gute in ihm dann tatsächlich ganz zurück? Ohne Gegenwehr?

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