Bäumer, Geschichte des Breviers. (5) Einleitung: § 1. Begriff und Inhalt des Breviers. Kultische Pflicht.


Champagne Gebet

Nach längeren Pause kehren wir wieder zur Darstellungen von Pater Bäumer O.S.B., welche ergänzend und bereichernd zu den Ausführungen von Gregory DiPippo präsentiert werden. Da die Schriften des Benediktiners einiger Vorbereitung bedürfen, da sie wirklich recht kondensiert die vorkonziliare, also die richtige und gute, Theologie präsentieren, so können diese Beiträge nicht so oft erscheinen, wie wir uns vielleicht wünschen würden, denn ein gut Ding braucht Weile. Vergleicht man Bäumer mit DiPippo, was eigentlich recht unfair ist, so wird uns ersichtlich nicht nur wie tiefschürfend im XIX Jhd. von manchen geschrieben wurde, sondern es wird auch deutlich wie das neue Medium des Internets mit seinen Blogs ein oberflächliches Schreiben begünstigt. Bäumer kann man wirklich betrachten, DiPippo liest man durch. Natürlich wollen wir DiPippo nicht schlecht reden, denn wir sind froh, dass wir ihn haben, aber an diesem Vergleich zeigt sich, dass früher nicht alles schlechter war und jetzt ist alles besser. Im Geistlichen ist es genau umgekehrt.

Religion ist ein Akt der Gerechtigkeit Gott gegenüber

Was ist ganz kurz gefasst eigentlich Religion? Es ist ein Akt der Gerechtigkeit. Was ist Gerechtigkeit? Jedem das zu geben, was ihm zusteht (suum cuique reddere). Was steht Gott zu? Der höchste Kult auf Erden.

Daher fasst Adolphe Tanquerey in seiner Synopsis die Religion objektiv, also was sie an sich darstellt oder was die Inhalte der Religion ausmacht, wie folgt auf:

Religion objective spectata est complexus veritatum et officiorum, quibus tota vita nostra in Deum finem ultinum ordinatur.[1]

„Religion ist, seitens des Objekts betrachtet, ein Gesamtzusammenhang der Wahrheiten und Pflichten, durch welche unser ganzes Leben auf Gott, das letzte Ziel, hin geordnet wird.“

Was ist also die Religion? Ein Komplex im Sinne eines zusammenhängenden Gefüges der Worte und Taten oder der Wahrheiten und Pflichten. Es genügt also nicht nur zu wissen, man muss es auch tun. Dieser Gesamtzusammenhang ordnet unser Leben auf Gott hin, mit dem, so hoffen wir, wir die gesamte Ewigkeit verbringen werden.

Hingegen wird Religion, seitens des Subjekts also des Gläubigen wie folgt definiert:

Religion subjective considerata est voluntaria hominis dispositio imo et virtus, qua homo, per acceptionem veritatum ad adimpletionem praeceptorum convenientium, Deo exhibet debitum cultum et reverentiam.[2]

„Religion ist, seitens des Subjekts betrachtet, eine willentliche Disposition des Menschen und zugleich eine Tugend, durch welche der Mensch, aufgrund der Annahme der Wahrheiten und aufgrund der Erfüllung der zutreffenden Gebote Gott den schuldigen Kult und Ehre zollt.“

Was ist also die Religion? Wie die Liebe, eine Angelegenheit des Willens, eine Willenssache und keine Gefühlsduselei. Daher ist sie eine Tugend, da man sie sich erarbeiten kann. Durch die wahre Religion zollt man Gott den schuldigen Kult, durch die falsche Religion beleidigt man ihn und sündigt, natürlich, wenn man es nicht besser weiß. Da Gott wahr ist und die Wahrheit selbst, so war es doch selbstverständlich, dass er nach und nach die wahre Religion, also die Art und Weise, wie er verehrt werden möchte, offenbarte. Davon erzählt das Alte Testament und natürlich erfolgte die Hauptoffenbarung in und durch Jesus Christus. Christentum und seine wahre Ausprägung der Katholizismus ist die wahre Religion, die anderen sind schlichtweg falsch. Dies war die konsequente Lehre der Kirche bis zum, wir ahnen es schon, Vaticanum II. Zwar wurde schon bei den frühen Apologeten wie Justin oder Athenagoras davon gesprochen, dass die Samenkörner des Logos (logoi spermatikoi) sich auch unter den Heiden befinden, dies bedeutet aber nicht, dass heidnische Religionen alternative Heilswege sind, wie der unselige Papst Franziskus neuerdings lehrt. Sie sind es nicht! Die Kirche lehrte immer sowohl die Möglichkeit bei einer unbesiegbaren und unverschuldeten Ignoranz (ignorantia invincibilis) durch die Begierdetaufe errettet zu werden, sie lehrte aber auch die Lehre von der hinreichenden Gnade (gratia sufficiens), wonach Gott jedem Menschen so viel Gnade gibt, damit er gerettet werden kann. Daher die Notwendigkeit der Mission und der Verkündigung, damit die Menschen aus der Ignoranz und der Herrschaft der Dämonen zum Licht kommen. Die Enzyklika des Pius IX. Quanto conficiamur moerore vom 10. Aug. 1863, in welcher de fide der Indiferrentismus verurteilt wird, gibt die Lehre vom unüberwindbaren Irrtum und der Notwendigkeit der Kirche wie folgt wieder:

„Wiederum müssen Wir den äußerst schweren Irrtum erwähnen und tadeln, in dem sich bedauernswerterweise manche Katholiken befinden, die meinen, Menschen, die in Irrtümern leben und dem wahren Glauben und der katholischen Einheit ferne stehen, könnten zum ewigen Leben gelangen. [DH 2865]

Dies widerstreitet freilich in der katholischen Lehre in höchstem Maße. Uns und Euch ist bekannt, dass diejenigen, die an unüberwindlicher Unkenntnis (invicibili ignorantia laborant) in Bezug auf unsere heiligste Religion leiden und die, indem sie das natürliche Gesetz und seine Gebote, die von Gott in die Herzen aller eingemeißelt wurden, gewissenhaft beachten und bereit sind, Gott zu gehorchen, ein sittlich gutes und rechtes Leben führen, durch das Wirken der Kraft des göttlichen Lichtes und der göttlichen Gnade das ewige Leben erlangen können, da Gott, der die Gesinnungen, Herzen, Gedanken und Eigenschaften aller völlig durchschaut, erforscht und erkennt, in seiner größten Güte und Milde keineswegs duldet, dass irgendjemand mit ewigen Qualen bestraft werden, der nicht die Strafwürdigkeit einer willentlichen Schuld besitzt. [DH 2866]

Aber wohlbekannt ist auch der katholische Lehrsatz, dass nämlich niemand außerhalb der katholischen Kirche gerettet werden kann und dass diejenigen, die der Autorität und den Definitionen derselben Kirche trotzig widerstehen und von der Einheit dieser Kirche und vom römischen Bischof, dem Nachfolger des Petrus, dem vom Erlöser die Wache über den Weinberg übertragen wurde, hartnäckig getrennt sind, das ewige Heil nicht erlangen können… [DH 2867]“.

Wie es also die eine wahre Religion gibt, so gibt es auch den einzig wahren Kult. Die Tugend der Religion wird daher vom Heiligen Thomas von Aquin zu den Tugenden der Gerechtigkeit gezählt.[3] Die Religion und ihre kultische Ausübung ist demnach und dies ist die Ansicht nicht nur der katholischen Lehre, sondern aller Natur- und Kulturreligionen, ein Akt der schuldigen Pflicht Gott gegenüber. Man bringt Gott den ihm gebührenden. Da, damit er uns segnet und alles böse von uns fernhält. Geht es denn den Menschen heute nicht gut? Sind Sie da sicher? Depression ist die Volkskrankheit, massenhafter Drogenmissbrauch fast aller Altersgruppen, Volksdroge Alkohol und Lebensabschluss durch Selbstmord, sprich durch Euthanasie. Ein gottloses Leben macht nicht glücklich und kann durch nichts kompensiert werden. Religion ist also keine Angelegenheit der persönlichen Wellness oder des sozialen Miteinanders.

Von dieser Warte aus werden die Ausführungen über die Schuldigkeit des präsentiert Betens vom Pater Bäumer erst verständlich. Ebenso wird verständlich, warum nach dem Konzil das Breviergebet, wie manches andere, zusammenbrach. Denn:

  1. Keine wahre Religion,
  2. Kein wahrer Kult,
  3. Keine Verpflichtung zum wahren Kult.

Wie richtigerweise aber Pater Bäumer schreibt betrifft die Pflicht des wahren und richtigen Gotteskultes alle Gläubigen. Da aber schon recht früh die Arbeitsteilung eintraf in diejenigen, die mehr denn in etwa 8 h pro Tag beten und in diejenigen, die für den Unterhalt der Betenden zahlen, so entstand auch die Brevierpflicht für die geistlichen Stände der Kirche. Den Laien war das Breviergebet aber niemals verboten und in den Zeiten als das Brevier in den Kathedralen oder in den Klöstern öffentlich gesungen wurde, wurden diese Gebete immer von den einfachen Gläubigen frequentiert. Manche Orden sollen so schön gesungen haben, dass es auch ein ästhetischer Hochgenuss war, wovon die liturgischen Kompositionen, die wir hier vorstellen, zeugen. Denn wer hat es gesungen? Nicht Berufsmusiker, sondern Beter. Wenn man 6-8 h am Tag singt, so ist es unmöglich dies ganz schlecht zu tun und deswegen verkaufen manche Gemeinschaften auch CDs, da ihre Darbietungung dermaßen hochqualifiziert ist, was der altrituelle Orden der Benedictines of Mary Queen of Apostles aus den USA wieder einmal bewiesen hat.[4] Die wahre Religion führt zum wahren Kult und der wahre Kult führt zu wahren Schönheit.

[1] Adolphe Tanquerey, Synopsis Theologiae Dogmaticae, T.1, Paris 1937, 67.

[2] Ebd., 69; vgl. Sum. Theol. IIa IIae, q. 81, a. 1, 2, 3.

[3] Sum. Theol. IIa IIae Q. 80-91, insb. Q. 81, a. 1-7. Vgl. http://www.unifr.ch/bkv/summa/kapitel597.htm

[4] http://hereandnow.wbur.org/2013/07/01/singing-nuns-missouri http://benedictinesofmary.org/home http://www.amazon.de/Benedictines-of-Mary-Queen-of-Apostles/e/B009W2Q04M/works/ref=ep_artist_tab_w?_encoding=UTF8&sn=d

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2 Gedanken zu “Bäumer, Geschichte des Breviers. (5) Einleitung: § 1. Begriff und Inhalt des Breviers. Kultische Pflicht.

  1. Fühlen Sie sich bitte nicht missbraucht, liebe Macher von „Tradition und Glauben“.
    Ich hatte zuvor ergebnislos nach einer Mailadresse gesucht, mit der ich Sie hätte kontaktieren können. Wenn Sie folgenden Kommentar nach Kenntnisnahme wieder löschen könnten, wäre das wahrscheinlich das beste.
    Ich möchte mich nämlich auf Ihren Kommentar auf katholisch.info beziehen, wo es um die mangelhafte Kommentier- und Spendenfreudigkeit geht.
    Etliche Male habe ich mich vergeblich um die Neuregistrierung bei jener Seite bemüht, habe alles nach Vorschrift gehandhabt und es hat dennoch nicht geklappt. Zuletzt half mir sogar mein Sohn, leider aber auch vergeblich.
    Vielleicht geht es auch anderen potentiellen Kommentatoren so, dass die Registrierung technisch nicht funktioniert. Wer würde dann unter solchen Umständen spenden wollen?
    Ich habe mich übrigens dreimal bei Linus Schneider von katholisch.info über das Kontakt-Formular gemeldet und ihn von meinen Schwierigkeiten unterrichtet. Wenn ich nicht einmal eine Antwort auf meine gültige Mailadresse bekomme, wirft dies kein besonders günstiges Licht auf jene Seite.
    Schade, ich habe dort immer gerne kommentiert und inzwischen vermisse ich viele Kommentatoren, die dort nicht mehr auftauchen. Vielleicht haben auch sie technische Probleme.
    Bitte entschuldigen Sie, dass ich Ihre im übrigen sehr anspruchsvoll gestaltete Seite für meine Angelegenheit genutzt habe. Ich sah aber keine andere Möglichkeit, Sie darüber zu informieren, wie ich die Sache sehe.

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    1. @ Marienzweig

      Wir fühlen uns nicht mißbraucht und unter dem Punkt Kontakt im oberen Menu finden Sie die Emailanschrift.

      Es stimmt das Einloggen ist jetzt bei katholisches.info mühevoll und beim letzten Mal haben wir auch das Kommentieren gelassen, weil es nicht klar war, ob wir uns eingeloggt haben.

      Sie müssen viel Geduld mitbringen und länger auf die Bestätigungsmail warten.

      Es ist zu 90% technische Probleme und es ist wirklich mühevoll. Diesmal ist es uns auch erst im zweiten Anlauf gelungen.

      Also resignieren Sie nicht.

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