Palestrina, Karsamstag. Lamentatio Jeremiae, Lectio I. Responsorium I.


Ausführende: Musica Contexta
Dirigent: Simon Ravens
Aufnahme: Aus dem Jahre 2002 für Chandos Records Ltd, Colchester, Essex, England

Auch diese ganz kurzen Responsorien zeigen uns den Sühnecharakter des Todes Christi, also etwas wovon wir zurzeit in der Kirche auch nicht hören. Die Sündenlast, welche von Anfang der Welt bis zu ihrem Ende die göttliche Gerechtigkeit beleidigt hat und den Menschen wie eine Smogwolke die Sicht zu Gott versperrt hatte, wurde mit dem Erlösungswerk Christi, mit seinem Leiden und Tod, abgetragen. Die Menschheit startet nicht einmal wieder beim Null, sondern kann sich die Verdienste Christi (merita Christi) anrechnen, wenn man getauft, katholisch und im Gnadenstand ist.

„Ein einziger Tropfen des Blutes Christi hätte genügt, um die ganze Welt zu erlösen“,

sagt der hl. Thomas von Aquin in seinem Hymnus Adoro devote. Welch eine Freigiebigkeit, welch eine Gnade! Wir haben für Christus nichts bis wenig getan, er für uns alles, bis zum Tod, bis zur Höllenfahrt. Würden unsere Priester dies wissen und daran glauben wie anders würden sie doch leben und die Hl. Messe feiern, welche ja die direkte Vergegenwärtigung des Kreuzopfers Christi ist. Man klinkt sich zeitgleich bei Golgatha ein! Dies ist die Lehre der Kirche und darum werden uns durch jede gültige Messe, auch im Novus Ordo, die Erlösungsfrüchte Christi zuteil. Christus hat also nicht nur die Väter im Scheol insofern „lebendig gemacht“, dass sie in den Himmel kamen, sondern er macht auch uns heute mit seiner sakramentalen Gnade lebendig, falls wir (a) im Gnadenstand sind und (b) die Messe (i) gültig und (ii) würdig ist. Der Schreiber dieser Zeilen ist sich nicht sicher, ob alle Gnaden der Messe auch durch einen unwürdigen, also in Todsünde sich befindlichen Priester, ausströmen, aber er hält es für unwahrscheinlich oder für sehr reduziert. Ein Priester, der unwürdig ein Sakrament spendet begeht eine Todsünde, obwohl das Sakrament gültig ist, der Gläubige ist aber nicht dazu gehalten es von diesem Priester ohne Not zu empfangen, wenn er andere zur Auswahl hat. In manchen Diözesen ist diese Auswahl sehr klein und die Not sehr groß. Aber zwischen der (i) Gültigkeit eines Sakraments, seiner (ii) Würdigkeit und seinem (iii) Gnadenreichtum, welches ja ex opere operantis wirkt, bestehen ja Unterschiede. Christus hat aber all seine Erlösungswerk der Kirche übertragen und den konkreten Priestern, welche so mit ihm verfahren, wie wir sehen. Sie werden sicherlich all ihre Taten zu verantworten haben, denn Christus wollte „sein Volk lebendig machen“ (ut vivificaret populum suum), was jedoch bei den vielen ungültigen und bei den noch zahlreicheren unwürdigen Sakramenten wirklich schwierig ist.

Beten wir doch alle und vielleicht wird sich Gott erbarmen und uns gläubige und würdige Priester schicken:

Ich danke dir, Herr Jesus Christ, dass du für mich gestorben bist. Ach, lass dein Blut und deine Pein an mir doch nicht verloren sein.

Responsorium:

R. Sicut ovis ad occisionem ductus est, et dum male tractaretur, non aperuit os suum: traditus est ad mortem,
* Ut vivificaret populum suum.
V. Tradidit in mortem animam suam, et inter sceleratos reputatus est.
R. Ut vivificaret populum suum.

Responsorium:

R. Wie ein Lamm, das zur Schlachtung geführt wurde und während er schlecht behandelt wurde, öffnete er seinen Mund nicht: er wurde dem Tod übergeben.
* Damit er sein Volk lebendig macht.
V. Er hat seine Seele dem Tode übergeben und zu den Verbrechern wurde er gezählt.
R. Damit er sein Volk lebendig macht.

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