Palestrina, Karfreitag. Lamentatio Jeremiae I: Heth und Teth.


Ausführende: Musica Contexta
Dirigent: Simon Ravens
Aufnahme: Aus dem Jahre 2000 für Chandos Records Ltd, Colchester, Essex, England

Da wir in der Karwoche wahrscheinlich alle wenig erbauliche Liturgien über uns ergehen lassen werden, es sei denn jemand hat das Glück sie im Alten Ritus und würdig zu feiern, so wollen wir uns auf das Triduum ein wenig einstimmen, indem wir uns die Tenebrae von Palestrina anhören. Beim vorgestellten Stück handelt es sich um die erste Lesung des ersten Nokturns der Matutin von Karfreitag, welche zwar schon auf Lateinisch, aber noch nicht auf Deutsch beim divinum officium eingesehen werden kann. Unserer Meinung nach stellt Palestrina, neben Victoria, die katholischste Musik dar, welche die göttliche Vollkommenheit und Schönheit am besten vermittelt. Obwohl das Leid und die Zerstörung beklagt werden, so geschieht es, anders als bspw. beim vorgestellten Thomas Tallis, auf eine harmonische Art und Weise. Diese Musik ist wirklich ein Träger des Sakralen und deswegen wird sie so selten in der heutigen Kirche aufgeführt. Wir stellen eine eigene Übersetzung vor, da wir die Allioli-Bibel, die ebenfalls aus der Vulgata übersetzt, nicht zur Hand haben.

Die Kirche erkannte bis zum letzten Konzil im zerstörten Jerusalem sich selbst. Man hielt sich einmal im Jahr, bei den dunklen Laudes, also bei den Tenebrae, die mögliche göttliche Strafe für die eigenen Sünden vor Augen. Wahrscheinlich hat es ein wenig geholfen, da man es zurzeit ja nicht macht und die Folgen sieht. Die Kirche ist zwar der Neue Israel, aber Gott ändert seine Vorgehensweise nicht. Er fordert von der Kirche und ihren Vertretern viel mehr, als er von Israel forderte. Wenn man all das realisiert und sich die heutige Lage der Kirche und der Kleriker in den deutschsprachigen Ländern ansieht, so kann die Strafe Gottes, auch in diesem Leben, wirklich nicht weit sein und erst nach dem Tod. Wir alle, die wir noch leben, können uns bekehren, beichten, sühnen und Buße tun. Auch für andere.

Lectio 1
De Lamentatione Jeremiae Prophetae.
Lam 2:8-11
8 Heth. Cogitavit Dominus dissipare murum filiae Sion; tetendit funiculum suum, et non avertit manum suam a perditione: luxitque antemurale, et murus pariter dissipatus est.
9 Teth. Defixae sunt in terra portae ejus, perdidit et contrivit vectes ejus; regem ejus et principes ejus in Gentibus: non est lex, et prophetae ejus non invenerunt visionem a Domino.

Jerusalem, Jerusalem, convertere ad Dominum Deum tuum.

Lectio 1
Die Wehklages des Propheten Jeremias.
Lam 2:8-11
8 Heth. Der Herr beschloss die Mauer der Tochter Zion zu zerstreuen; er nahm ein Richtmaß und zog seine Hand von der Zerstörung nicht zurück: er brachte die Vormauer in eine Schieflage und gleichzeitig wurde die Hauptmauer auseinander geworfen.

9 Teth. Eingeschlagen sind ihre Tore, er hat zerstört und zermahlt ihre Türriegel; ihren König und ihre Fürsten zerstreute er unter die Heidenvölker: es gibt kein Gesetz und ihre Propheten haben bei Gott keine Vision gefunden.

Jerusalem, Jerusalem, kehre zu Gott, Deinem Herrn, zurück.

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4 Gedanken zu “Palestrina, Karfreitag. Lamentatio Jeremiae I: Heth und Teth.

  1. Hat dies auf Des katholischen Kirchfahrters Archangelus unbotmäßige Ansichten – ob gelegen oder ungelegen. rebloggt und kommentierte:
    Ich bin dankbar, am Karfreitag voraussichtlich die überlieferte Liturgie in Hattersheim besuchen zu können. Im alten Ritus wird man Gott sei Dank (im wahrsten Sinne das Wortes!) nicht mit dem belästigt, was vermutlich im Novus Ordo gerade heuer am Karfreitag „Tagesgeschäft“ sein wird: halbgare Spontangedanken zur aktuellen Flüchtlingsproblematik, vielleicht auch die eine oder andere „gestaltete“ Stand-up-Tragödie oder politisch-korrekte Anklagen abweichender Ansichten – natürlich mit vor Empörung zitternder Stimme, versteht sich. Also kurz gesagt ein wahres Eldorado für engagierte Pastoralreferentinnen / Flüchtlingshelferinnen / “Tischmütter“ und Konsorten. Während sich Politpfarrer in der Predigt ausgiebig als Gutdenker über PEGIDA-Pack und AfD-Pöbel erheben und sich über deren Wahlerfolge echauffieren dürften, blüht der Weizen linkskatholischer Basischristen natürlich bei den Fürbitten. Bei denen darf man verlogen für Menschen beten, die andere politische Auffassungen haben. In der Fürbitte haben die natürlich „Angst vor armen Geflüchteten“ und „fürchten um ihren Besitz“.
    Kleine verhaltensgestörte Geldsäcke, die lieber Kinder ersaufen lassen, als „zu teilen“. Ach, wie wohlig besser man sich da selbst als dieses Spießbürger-Pack fühlt… Auch kann manche im Berufsleben bislang leider zu kurz gekommene Gutdenkerin nunmehr per Fürbitten endlich die aktuelle Tagespolitik aus sozialpädagogischer Sicht betrachten.

    Stattdessen besteht in der überlieferten Karfreitagsliturgie die reelle Chance, sich spirituell in die Passion unseres Herrn zu vertiefen – welche Gnade!

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      1. Ja, gut für Sie. Aber viele dieser Menschen wissen es einfach nicht besser, besonders die Priester nicht, und Gott berücksichtigt auch die unüberwindbare Ignoranz (ignorantia invicibilis). „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Deswegen trifft diejenigen, die es ihnen beigebracht haben, i.e. die Theologieprofessoren und „Reformer“ die größere Schuld. Wie die Hohenpriester bei der Kreuzigung. Nichts Neues unter der Sonne!

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