Ps. 1 Beatus vir oder der Anti-Dialogpsalm als die Grundlage des geistlichen Lebens (8) Exegese Vers 7


beatus_vir_8

1:7 Quóniam novit Dóminus viam justórum: * et iter impiórum períbit.

1:7 Denn der Herr kennt den Weg der Gerechten: * und der Pfad der Unfrommen wird vergehen.

Im letzten Vers finden wir die Gegenüberstellung vom Weg (via) und Pfad (iter), der Erstere ist fest und übersichtlich, der Letztere kann vergehen, wie die Trampelpfade in den Bergen oder im Wald, welche unerwartet enden und uns zum Rückzug bewegen. Bei dieser Gegenüberstellung kommt ein anderer Bibeltext in den Sinn:

Mt 7,13 Geht durch das enge Tor! Denn das Tor ist weit, das ins Verderben führt, und der Weg dahin ist breit, und viele gehen auf ihm.

Mt 7,13 intrate per angustam portam quia lata porta et spatiosa via quae ducit ad perditionem et multi sunt qui intrant per eam.

Ja, der Weg ins Verderben (via quae ducit ad perditionem) ist auch „weit und breit“, aber der Mann des ersten Psalms geht ihn gerade nicht. Er sucht nicht das Bequeme, sondern das Enge und Harte. Wie wir alle es schon wohl erfahren haben, führt das Bequeme dazu, dass man noch mehr Arbeit und Mühsal hat, die Abkürzung zu noch mehr Fahrweg, kurz und gut: alles, was die Anstrengung scheut, kehrt sich mit der Zeit in sein Gegenteil um. Die neuere Glücks-Forschung hat etwas in Erfahrung gebracht, was Philosophie und Theologie schon lange wussten, dass Selbstdisziplin glücklich macht.[1] Es ist wie mit Bildung, Kochen, Sporttreiben, Aufräumen, Beten etc., es ist zwar ein wenig mühselig es tun zu müssen, aber man hat dann mehr vom Leben, weil man gebildet, gut ernährt, sportlich, gesund und fromm ist. Der enge Weg wird dann zu einem weiten Weg und der weite Weg wird zu einem engen Trampelpfad, der in die Hölle führt. Ein Gläubiger beschreitet zwar selbstständig seinen Weg, aber er weiß, dass Gott über ihn wacht und „seinen Weg kennt“, der selbstzentrierte, subjektive Unfromme realisiert nur seine Ziele und ist auf sich selbst gestellt. Viele Menschen, die irgendwann einmal in einem Sumpf sitzen, in den sie sich hineinmanövriert haben: „Warum hat mir Gott nicht geholfen?“ „Weil Du Gott mit Deiner ersten Todsünde von Dir gewiesen hast!“, lautet die Antwort. Denn mit der Todsünde übergibt sich der Mensch unter die Herrschaft Satans, der ihn auch leitet, um ihn zu verderben. Und deswegen „wird der Weg der Unfrommen vergehen“, weil ihnen nichts zum Heil gereichen wird. Die in der Todsünde vollbrachten guten Werke, bleiben gut, sie gereichen aber nicht vor Gott als Verdienst (non sunt meritoria). Denn aus dem Glauben muss man noch die Werke vollbringen. Hat man aber den richtigen Weg verlassen, so werden die Werke immer schlechter, weil man glaubt immer mehr Kompromisse mit der Welt schließen zu müssen bis sie nicht einmal nominal mehr gut zu nennen sind. Dann folgt das Verderben. Dann antwortet Christus: „Ich kenne Euch nicht“ (Mt 7, 23).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der erste Psalm, welcher wohl das Fundament aller Psalmen bildet, im eklatanten Widerspruch zu der nachkonziliaren Dialogkultur und Weltoffenheit steht. Dem Satz vom Widerspruch folgend, kann entweder der Psalm recht haben oder die nachkonziliare Pastoral, aber nicht beide zugleich. Und all die Hermeneutik, d.h. das unklare, geschlängelte sowohl-als-auch-Reden ändert es auch nicht. Man soll sich von den Sündern absondern und ihre Nähe meiden, Gottes Wort erwägen, welches immer anders sein wird als das Gerede der Welt. Bis 1962 hat man es so gehalten und ist gut damit gefahren, falls man es gehalten hat. Zu der Welt kann man reden, aber von einer nicht weltlichen Warte aus, denn sonst sagen die Menschen: „Er ist nicht anders als wir, was will er uns belehren?“ Und deswegen gibt es bei den dialogbereiten Priestern auch keine Bekehrungen. Warum auch? „Ich bin ok und Du bist ok.“ Aber nicht nur der erste Psalm ist mit der nachkonziliaren Lehre nicht kompatibel, sondern das Erste Gebot auch: „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben!“ „Wie borniert, unökumenisch, fundamentalistisch“, würden manche sagen, „wo ist die kulturelle Vielfalt“, welche uns, so unsere Kardinäle, der Islam bringen wird. Nein, der Psalm redet Klartext und schlängelt nicht. Das ist das Wort Gottes und alles Reden, dass „man in der Moderne und nach dem Vatikanum II es nicht mehr so sagen kann“, bedeutet, dass:

  1. die Kirche bis 1962 geirrt hat und es ab 1962 nicht mehr tut,
  2. die Kirche bis 1962 nicht geirrt hat und ab 1962 es tut,
  3. oder die Unterscheidung von wahr und falsch und jede zweiwertige Logik ohne Belang ist.

Ad (3).

Dies ist zu verwerfen ist, da ansonsten jedes Denken, Argumentieren, jede Wissenschaft in sich selbst zusammenfallen würde. Denn der Satz von Widerspruchsfreiheit muss herrschen, damit eine Rationalität gegeben sein kann. Zwar haben wir seit J. Łukasiewicz und E. Post auch sogenannte mehrwertige Systeme der Logik, welche sich von der klassischen, d.h. der zweiwertigen Logik dadurch unterscheiden, dass sie mehr als zwei Werte („wahr“ und „falsch“) aufweisen, aber auch sie sind widerspruchsfrei und vollständig.[2] Außerdem werden diese Systeme der mehrwertigen Logik nur auf solchen Gebieten angewandt, auf denen den logischen Zeichen kein eidetischer Sinn zukommen, also wo sie keine äußere Wirklichkeit abbilden. „Wo immer die Wissenschaft mit eidetisch sinnvollen Zeichen operiert, zieht man die klassische Logik heran“, so weiter der Logiker Bocheński.[3] Die bedeutet, dass nirgend, nie und nimmer etwas zugleich falsch und richtig sein kann und kein logisches System, welches diesen Namen verdient, dafür herhalten kann. Ist etwas wahr, dann ist es immer wahr, ist etwas falsch, dann ist es ebenfalls falsch. Und deswegen beleidigt all das nachkonziliare Gerede: „für damalige Zeiten war es wahr, für unsere ist es falsch“ den gesunden Menschenverstand, weil Theologie ebenfalls einen eidetischen Sinn hat. Natürlich trauen sich diese Leute gar nicht an Logik heran, sondern verwerfen sie, wie Luther völlig, und sprechen dann von der pastoralen Ebene des Sowohl-als-Auch.

Ad (1)

Punkt (1) ist anzunehmen, weil das vorkonziliare Lehramt in sich konsistent ist und keine Widersprüche bietet, im Gegensatz zum nachkonziliaren Lehramt, siehe Papst Franziskus. Ist etwas in sich widersprüchlich, so ist es nicht wahr. So einfach ist das.

Ad (2)

Würde man tatsächlich annehmen, dass die Kirche erst seit 1962 recht hat mit all den „ökumenischen Unternehmungen“, „Dialog“ etc., so müsste man wirklich nicht nur die gesamte Kirchengeschichte hinterfragen, was man ja tut, sondern die Schrift und die Zehn Gebote selbst, was man ebenfalls tut, besuchen Sie doch die katholische Akademie um die Ecke.

So sehen wir leider, wie sich unsere Kirche von den Geboten Gottes entfernt hat und weswegen sie zugrunde geht. Wir lesen im Buch des Propheten Jeremiah:

Denn mein Volk hat doppeltes Unrecht verübt: Mich hat es verlassen, den Quell des lebendigen Wassers, um sich Zisternen zu graben, Zisternen mit Rissen, die das Wasser nicht halten.

Und genauso ist es gekommen und es wird noch schlimmer. Da aber jeder für seine eigene Seele Sorge zu tragen hat, so denken wir an uns selbst und beten die Psalmen, angefangen mit dem ersten Psalm: Beatus vir.

[1] http://healthland.time.com/2013/06/24/self-disciplined-people-are-happier-and-not-as-deprived-as-you-think/

[2] Bocheński, I. M., Die zeitgenössischen Denkmethoden, UTB: Tübingen u. Basel 199310, 86-87.

[3] Ebd., 87-88.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s