Kard. Bona, Die Unterscheidung der Geister. (12) Geschmack für das Göttliche.


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Sensus divinus als gustus divinus

Die Kirche verwendet den Begriff Glaubenssinn (sensus fidei), womit ausgedrückt wird, dass man einen übernatürlichen Sinn (sensus) für die übernatürlichen Dinge des Glaubens durch die Taufe erhält. Wie bei jeder natürlichen Sensorik kann man diesen Sinn durch seine Ausübung verfeinern. Jemand, der ausschließlich Kartoffeln ißt, wird wohl niemals ein Feinschmecker werden, weil sein Geschmackssinn durch diese eintönige Speise dermaßen verkümmert ist, dass er nichts anderes herausschmecken wird. Ob sich der in der Kindheit durch Mangelernährung oder Fast Food verkümmerter Geschmackssinn wieder erholen und entwickeln kann, soll an dieser Stelle nicht untersucht werden, obwohl es in manchen Fällen wohl möglich sein wird. Die Rede vom Geschmack soll uns hier nur als eine Analogie dienen. Kardinal Bona spricht nämlich in den hier vorgestellten Texten vom „Geschmack“ (gustus) mit dessen Hilfe man das Heilige vom Unheiligen unterschieden kann. Er unterscheidet ihn von der Geistesunterscheidung, da die letztere „im Verstande“ der Geschmack des Übersinnlichen, so wollen wir ihn hier nennen, sich im Begehrungsvermögen (pars concupiscibile) befindet, womit, ganz vereinfacht ausgedrückt, die sub-rationale Ebene des Menschen darstellt. Es ist doch tatsächlich wahr, dass die Geistesunterscheidung noch auf einer sub-rationalen Ebene einsetzt, auf der wir spüren, dass irgendetwas nicht stimmt und was man auf Deutsch als „Bauchgefühl“ bezeichnet. Der Schreiber dieser Zeilen ist mehr als einmal in die Irre gegangen, weil er auch sein Bauchgefühl oder gustus nicht gehört hat und zwar deswegen, weil er dieser seiner Ebene nicht traute. Es stellt sich heraus, dass doch tatsächlich Männer keine schlechtere Intuition als Frauen haben, aber nicht auf diese Hören, weil sie mehr der rationalen Ebene trauen. [1]  Warum ist es so? Weil intuitive Wahrnehmung immer noch als Frauendomäne betrachtet wird, außer beim Aktienkauf, wie es scheint. Außerdem sind Männer überhaupt in der Lage die Gefühle vom Denken zu unterscheiden, weil je männlicher ein Gehirn ist, desto weniger Verbindungen zwischen den Arealen, die für das Fühlen verantwortlich sind und denen, die für das Denken verantwortlich sind, aufweisen. Was man unterscheiden kann, dass kann man auch ausklammern. Je weiblicher ein Gehirn ist, desto mehr werden Gefühle, also auch Intuitionen und das Denken vermischt. Jeder kann es selbst herausfinden und einen der Tests: „Wie männlich oder weiblich ist mein Gehirn?“ lösen. Und daher handeln Männer weniger intuitiv, weil sie es eher können.

Man kann aber etwas falsch Wahrgenommenes falsch rationalisieren, weil man den logischen Fehler der petitio principi begeht und eine falsche Prämisse als eine richtige annimmt und von dieser Prämisse ausgehend seine Schlüsse zieht.

Beispiel:

Man spürt:

„Bei ihm stimmt es vorne und hinten nichts. Ich fühle mich unwohl.“

 

Man denkt:

„Aber er ist ein Priester, Pfarrer, Theologieprofessor, Bischof, Kardinal. Sie ist eine Generaloberin. Es wird schon richtig sein. Ich kann micht irren. Man soll nicht nach dem Anschein urteilen. Man kann niemandem ins Herz schauen …“

Man handelt nach dem Gedachten nicht nach dem Wahrgenommenen.

Man rationalisiert also den Ersteindruck, indem man in verfälscht und in eine nicht wahrgenommene Kategorie presst. Und dann wundert mann sich, dass man Erfahrungen hat, die dem schon längst vergessenen Ersteindruck entsprechen.  Soll man also „auf sein Bauchgefühl“ oder „auf sein Herz“ hören? Nein, denn der Dämon hat einen viel größeren Einfluß auf unsere Gefühle als auf unser abstraktes Denken und oft wissen wir nicht, wessen „Schwingungen“ wir wahrnehmen: eigene oder unseres Gegenübers. Wenn man aber geistlich wächst, so lernt man dies tatsächlich zu unterscheiden. Und man lernt es dadurch, dass man sich zuerst dem Heiligen (Gebet, Anbetung) aussetzt, um von dieser Warte aus das Unheilige zu differenzieren. Es bleibt hier festzuhalten: es gibt diesen prärationalen oder präkognitiven Geschmack (gustus) der geistichen Unterscheidung, den es zu entwickeln und auszubauen gilt.

[1] http://www.huffingtonpost.com/laura-day/why-men-are-more-intuitiv_b_528412.html https://www.mpib-berlin.mpg.de/de/presse/2014/02/intuition-typisch-weiblich-typisch-maennlich

Kapitel II

Es gibt eine doppelte Gnade: die eine ist die rechtfertigende und gottgefällig machende (gratia gratum faciens); die andere ist die vorzugsweise frei verliehene Gnade (gratia gratis data). – Worin jede der beiden bestehe. – Die Unterscheidung der Geister hat unter den frei verliehenen Gnaden gaben den Vorzug.- Was diese Unterscheidung sei. . Ob sie nach Art einer bleibenden Eigenschaft (habitus) verliehen werden. Es gibt zwei Arten derselben, deren eine von Gott eingegossen, die andere aber als eine Fertigkeit durch Übung erlangt wird.

 

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