Pius XII, Mediator Dei. I. Wesen, Ursprung und Entfaltung der Liturgie (4). Ziel des Menschen. Leben Christi als Gottesdienst.


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Nach einiger Pause kehren wir wieder zur Vorstellung der Enzyklika Mediator Dei zurück. Bei der Lektüre der hier vorgestellten Teile wird deutlich, dass Liturgie wirklich die Krönung der ganzen Theologie bildet. Denn zuerst stellt Pius XII. die Lehre vom Ziel (finis, telos) des Menschen dar? Was ist es? Gott zu gefallen und sein Leben auf Gott hinzuordnen. Warum? Weil Gott Gott ist und wir mit ihm oder ohne ihn unsere Ewigkeit verbringen werden. Und Ewigkeit dauert länger als ein jedes Leben. Das Ziel des Menschen ist also nicht „das Miteinander“, „das soziale Engagement“, „die Flüchtlinge“ oder die Rettung der Wale, respektive der „Weltfrieden“. Das Ziel ist Gott und von dieser Hierarchie her alles andere. Durch die Menschenzentrierung der Novus Ordo Messe aber auch der anderen Sakramente geriet alles aus den Fugen. Die Lehre von der Liturgie erfordert auch die Lehre von der Gnade, dass wir auf die Gnadenmittel Gottes angewiesen sind, um zu ihm zu kommen. Wodurch bekommen wir diese Gnadenmittel? Wir ahnen es schon, durch die Liturgie. Eine sehr schöne Passage zeigt, dass das gesamte Leben Christi ein Gottesdienst war, in welchem er Gott – dem Vater – das schuldige Opfer aber auch den schuldigen Gottesdienst brachte. Wir haben hier also auch Christologie und Soteriologie, also Erlösungslehre. Liest man die meisten der nachkonziliaren Theologen, so predigen sie einen mehr oder weniger versteckten Arianismus, wonach Christus ein besserer Mensch war und dessen Taten, besonders im Sozialen (Stichwort „Flüchtlinge“) durchaus nachahmenswert sind, aber an und für sich keine Bedeutung haben. Natürlich haben sie an und für sich eine Bedeutung, da jede Tat des Gott-Menschen, besonders aber seine Kreuzestod, erlösend war. Da wir es aber in der Liturgie nicht hören, so wissen wir nicht, was wir glauben sollen und die ungläubigen Theologen und Priester sagen es auch nicht, sondern warten, was die Zeitungen von ihnen verlangen. Zuerst sind es „Flüchtlinge“, danach sind es keine. Ein Trauerspiel. Aber lassen wir uns nicht entmutigen, sondern lesen diese schöne Enzyklika weiter.

220. Alle Christgläubigen mögen deshalb gelehrigen Sinnes auf die Stimme des gemeinsamen Vaters hören, der nur wünscht, daß alle eng um ihn geschart, sich Gottes Altare nähern, den gleichen Glauben bekennend, dem gleichen Gesetze sich fügend, am gleichen Opfer in gleicher Gesinnung und mit gleicher Absicht teilnehmend. Das verlangt schon die Ehre Gottes; das fordern auch die Bedürfnisse der Gegenwart. Nachdem ein langer und grauenvoller Krieg die Völker durch Feindschaft und blutigen Tod sich gegenseitig entfremdet hat, mühen sich jetzt Menschen guten Willens, alle nach besten Kräften zur Eintracht zurückzuführen. Kein Planen und kein Unternehmen hat aber, so glauben Wir, hierbei eine größere Wirkung als der lebendige religiöse Eifer, von dem alle Christen beseelt sein und sich leiten lassen müssen, indem sie dieselben Wahrheiten aufrichtigen Herzens bekennen, den rechtmäßigen Hirten gern und willig gehorchen, Gott die gebührende Verehrung erweisen und eine brüderliche Gemeinschaft bilden, denn ein Leib sind wir viele, wir alle, die wir an einem Brote teilhaben[9].

 

 I. Wesen, Ursprung und Entfaltung der Liturgie

 

  1. Die erste Pflicht des Menschen ist es zweifelsohne, sich und sein Leben auf Gott hinzuordnen. „Er ist es, dem wir als unserem ewigen Urgrund vor allem verbunden sein müssen, auf den als letztes Ziel auch unsere Wahl immerfort zu richten ist, den wir verlieren, wenn wir ihn in der Sünde hintansetzen, und den wir durch den Glauben und das Bekenntnis des Glaubens wieder gewinnen müssen“[10].Der Mensch ist aber richtig auf Gott hingeordnet, wenn er dessen höchste Majestät und Lehrgewalt anerkennt, wenn er die von Gott geoffenbarten Wahrheiten bereitwillig aufnimmt, wenn er die von ihm erlassenen Gesetze in gläubiger Unterwerfung beobachtet, wenn er sein ganzes Tun auf ihn ausrichtet, wenn er, um es kurz zu sagen, durch die Tugend der Gottesverehrung dem einen und wahren Gott den gebührenden Kult und die gebührende Hingabe erweist.
  2. Wenn diese Aufgabe in erster Linie den Einzelmenschen verpflichtet, so obliegt sie doch auch der ganzen durch soziale Bindungen gebildeten Menschengemeinschaft, da diese gleicherweise von Gottes höchster Autorität abhängt.
  3. Dabei ist zu beachten, daß jene Pflicht die Menschen noch in besonderer Weise bindet, weil sie Gott nämlich zur übernatürlichen Ordnung erhoben hat.

Wenn wir deshalb Gott als Gesetzgeber des Alten Bundes betrachten, so sehen wir, wie er auch über die sakralen Riten Vorschriften erläßt und genaue Richtlinien gibt, die das Volk bei dem ihm zu erweisenden gesetzmäßigen Kult einhalten soll. Er verordnete dementsprechend verschiedene Opfer und verschiedene Zeremonien zur Darbringung der ihm geweihten Gaben; alles bestimmte er genau, was die Bundeslade, den Tempel und die Festtage betraf. Er setzte einen Priesterstamm und einen Hohenpriester ein; sogar die Gewänder, welche die Kultdiener tragen sollten, bestimmte und beschrieb er, und was sonst noch zum Gottesdienst gehörte[11].

  1. Indessen war dieser Gottesdienst nur ein schattenhaftes Bild[12] jenes Kultes, den der Hohepriester des Neuen Bundes dem himmlischen Vater erweisen sollte.

Kaum nämlich ist das Wort Fleisch geworden[13], als es auch schon mit dem Priesteramt bekleidet sich der Welt offenbart, indem es sich dem Ewigen Vater unterwirft und diese Unterwerfung sein ganzes Leben hindurch ununterbrochen fortsetzt  Beim Eintritt in die Welt spricht Christus: … Siehe ich komme . . . Deinen Willen, O Gott, zu erfüllen . . .[14], und im blutigen Kreuzesopfer hat er dies wunderbar erfüllt : Kraft dieses Willens sind wir ein für allemal geheiligt durch die Hingabe des Leibes Jesu Christi[15]. Sein tatenreiches Menschendasein strebt diesem einen Ziele zu. Als kleines Kind wird er im Tempel zu Jerusalem dem Herrn dargestellt; als Knabe begibt er sich wieder dorthin; später betritt er den Tempel immer und immer wieder, um das Volk zu lehren und dort zu beten. Bevor er seine öffentliche Tätigkeit beginnt, beobachtet er ein vierzigtägiges Fasten; durch seinen Rat und sein Beispiel mahnt er alle, ihre Bitten bei Tag und bei Nacht an Gott zu richten. Er, der Lehrer der Wahrheit, erleuchtet jeden Menschen[16] damit die Sterblichen den unsichtbaren Gott gebührend anerkennen und nicht Söhne feigen Versagens seien zu ihrem Verderben, sondern Kinder des Glaubens, durch den das Leben gewonnen wird[17]. Als Hirt leitet er seine Herde, führt sie auf die Weide des Lebens und erläßt sein Gesetz so, daß niemand von ihm und dem rechten Wege, den er weist, sich abbringen lasse, sondern alle unter dem Hauch seines Geistes und in seiner Kraft heilig leben. Beim letzten Abendmahle begeht er in feierlicher Form das neue Pascha, dessen Fortbestand er durch die Einsetzung der heiligen Eucharistie sichert; am folgenden Tag bringt er, zwischen Himmel und Erde schwebend, das heilbringende Opfer seines Lebens dar und läßt seiner durchbohrten Brust gleichsam die Sakramente entströmen, die den Menschen die Schätze der Erlösung zuführen sollen. Bei alledem schaut er einzig auf die Ehre seines himmlischen Vaters und darauf, die Menschen mit immer größerer Heiligkeit zu erfüllen.

[9] 1 Kor. 10, 17.

[10] Thomas von Aquin, Sum. Theol. II-II q. 81 a. 1.

[11] Vgl. Levit.

[12] Vgl. Hebr. 10. 1.

[13] Joh.  1, 14.

[14] Hebr. 10, 5-7.

[15] Hebr. 10, 10.

[16] Joh. 1, 9.

[17] Hebr. 10, 39.

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2 Gedanken zu “Pius XII, Mediator Dei. I. Wesen, Ursprung und Entfaltung der Liturgie (4). Ziel des Menschen. Leben Christi als Gottesdienst.

  1. Hat dies auf Des katholischen Kirchfahrters Archangelus unbotmäßige Ansichten… rebloggt und kommentierte:
    Und hier wieder – wie üblich – edler und vor allem ungepanschter Wein aus vorkonziliaren Zeiten. Damals wurde noch nicht – wie heute üblich – ein Glas Wein mit 2 Litern Wasser zusammengeschüttet und dann den Gläubigen zugemutet. Also Vorsicht – harter Stoff. Aber gut….! Herzlichen Dank und Gott vergelts an traditionundglauben für seine Arbeit.

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