Katholische Blogs als Samisdat der nachkonziliaren Kirche


bergpredigt

Vielleicht ist nicht jedem Menschen, der im Westen wohnt oder aufgewachsen ist, der Begriff „Samisdat“ bekannt. Es kommt aus dem Russischen von сам ‚selbst‘, издавать ‚auflegen‘ und bezeichnet einen Selbstverlag, der mit häuslichen Mitteln bewerkstelligt wird.[1]

BiuletynDolnoslaski1981wrzesienMan kann dazu sicherlich nachgoogeln und erfahren, dass diese Art von Literatur im Ostblock seit den späten 1960-gern, aber sicherlich in den 1970 herausgegeben wurde und besonders in Polen während des Kriegsrechts (1981-1983) rege betrieben worden ist, was eigentlich bis 1989 dauerte. Der Schreiber dieser Zeilen besitzt noch polnische Samisdat-Literatur, wobei es sich nicht nur um selbstverlegte Zeitungen handelte, sondern auch um Übersetzungen der verbotenen Literatur wie z.B. Solschenizyns „Archipelag Gulag“ oder Orwells „1984“ handelt. Für den Besitz dieser Bücher oder Presse konnte man ins Gefängnis gehen und für den Druck erst recht. Da leider diese Bücher handwerklich notgedrungen sehr einfach verlegt wurden, so haben sie die Zeit kaum überstanden, aber nicht davon soll die Rede sein.

Wann greifen denn die Bürger zum Selbstverlag?

Wenn sie in einem totalitären System leben, welches sie ständig belügt und in welchem sie folglich an keine Informationen oder wertvolle Literatur herankommen. Im polnischen oder russischen Samisdat gab es sogar literarische Debüts von guter Poesie und Prosa. Aber darüber können Sie mit dem Slavisten um die Ecke reden, falls er oder sie sich darin auskennt. Die Samisdat-Presse ging mit dem Mauerfall zu Ende, weil man dann alles drucken konnte, auch Hitlers „Mein Kampf“ auf Polnisch und anderes mehr. Wilde Zeiten! In der heutigen Kirche nehmen die katholischen Blogger die Rolle des Samisdat ein, weil sie:

  • entweder katholische Informationen (rorate caeli, katholisches info)
  • oder katholische Lehre verbreiten (Zeugen der Wahrheit, unser Blog, Denzinger-Katholik etc.) verbreiten.

Was ist denn mit den offiziellen katholischen Nachrichtenagenturen oder Portalen passiert? Was mit katholischen Universitäten? Sind sie ausgebombt? Nein, aber extrem gleichgeschaltet und sie lügen uns an und zwar seit dem Pontifikat von Papst Franziskus sehr, siehe die „Kehre“ bei kath.net. Wie uns die deutschsprachige Presse in der Flüchtlingsfrage belügt, sodass sich die Menschen über die sozialen Medien kontaktieren, um irgendetwas zu erfahren, so belügen uns die katholischen Nachrichtenportale oder sagen nicht die ganze Wahrheit, was einer Lüge gleichkommt. Wir sind also in einer Informationssteinzeit angelangt, wo man im Internet Samisdat betreibt.

Nachkonziliarismus als Totalitarismus

Haben wir denn in der Kirche mit nachkonziliaren Totalitarismus zu tun? Leider ja, siehe den letzten Beitrag auf rorate caeli, wo beschrieben wird, wie sich in den USA konservative Priester oder Seminaristen fürchten und verstellen müssen.[2] In den deutschsprachigen Ländern haben wir dieses Problem gar nicht, weil es solche Priester oder Seminaristen kaum gibt. Sie werden schnell ausgefiltert, damit sie kein Unheil anrichten: von Gott zu reden und so… Wo kämen wir da hin? Der Schreiber dieser Zeilen beobachtet, wer in seiner Diözese an die leitenden Positionen befördert wurde. Es ist genauso wie in allen anderen deutschsprachigen Diözesen: je ungläubiger, desto höher. Von den moralischen Unzulänglichkeiten ganz zu schweigen. Man nennt es das „Miteinander“, ein nachkonziliares Codewort. Bitter, aber wahr!

Da es so aussieht, wie es aussieht, übernehmen Amateure, also meistens keine ausgebildeten Fachtheologen die Initiative und gründen eigene Blogs, die man z.B. unter kath blogger einsehen kann, wo auch unser Blog aufgelistet wird, wofür wir uns herzlich bedanken. Der Schreiber dieser Zeilen muss zugeben, dass er die allermeisten dieser Blogs nicht gelesen hat, da man schon am ersten Satz die Einstellung oder den Inhalt erahnen kann. Er ist auch wirklich mit vielem ausgelastet und beschäftigt, sodass es sich um keine Geringschätzung handelt. Die meisten Blog handeln vom Schreibenden selbst und sind einfach Tagebücher, welche besser oder schlechter geschrieben, mehr oder weniger katholisch sind. Soweit, so gut. Manche hingegen sind so informativ, sachlich und theologisch, dass man wirklich viel Zeit und Konzentration braucht, um sich den Inhalten zu widmen. Dennoch ist in den allermeisten Fällen das theologische Niveau, im Sinne der Weitergabe der wirklich katholischen Lehre, recht dürftig und man merkt, dass es keine studierten Theologen sind, die sie betreiben. Denn wo, außer in Heiligenkreuz, wonach man keine Anstellung findet, kann man in den deutschsprachigen Ländern schon Theologie studieren, ohne sein Seelenheil zu gefährden? Uns scheint: nirgendwo, aber wir werden uns über Zuschriften zu diesem Thema freuen. Sie werden kritisch beäugt werden, denn entweder können sie von Studenten dieser Hochschulen stammen, die keine Vergleichsmöglichkeiten haben oder von den Lehrenden selbst, welche natürlich alles richtig machen. Somit wird das theologische Niveau der katholischen Blogs auf Deutsch kaum steigen, weil es kaum Orte gibt, wo man was Katholisches lernen könnte. Wir meinen hier vollumfänglich und nicht nur nachkonziliar katholisch „sowohl-als-auch-jedoch-aber-wenn-die-pastoralen-Gründe“.

Bei den Bloggern handelt es sich entweder um Einzelpersonen oder um kleine Teams, ebenso bei den katholischen Nachrichtenportalen, die diesen Namen verdienen. Verdienen kann man dadurch finanziell nichts, höchstens eine Morddrohung oder Klage. Beides ist uns noch erspart geblieben und wir hoffen diesbezüglich auf die Hilfe der göttlichen Vorsehung. Interessanterweise scheinen diese Samisdat-Blogs recht einflussreich und erfolgreich zu sein, da das kleine katholisches.info viel mehr als kath.net gelesen wird, obwohl die Budgets dieser beiden Portale in keinem Verhältnis zueinander stehen. Gloria.tv wird auch gerne gesehen, mit all ihren Unzulänglichkeiten, die aus der freien Rede resultieren, wobei die letzte Änderung des Layouts ein trauriges Eigentor dieses Portals darstellt. Rorate Caeli wird auch oft gelesen, wir zwar weniger oft, aber immerhin sind wir schon bei 30.000 Klicks, also einer kleinen Stadt, wobei wir wissen, dass es sich hier um Klicks und um keine Leser handelt.

Einerseits spricht diese Samisdat-Entwicklung für „das Engagement der Laien“, denn die Kleriker sind entweder ungläubig oder haben Angst, andererseits ist es wirklich eine Bankrotterklärung jeglicher Verkündigung in der Kirche. Es herrscht ein Totalitarismus des nachkonziliaren „Franziskanismus“, meine Damen und Herren, einer Entwicklung, die vielleicht irgendwann einmal mit Frankismus oder Mussolinismus gleichgesetzt werden wird. Katholiken haben Angst zu reden, um in der katholischen Kirche nicht negativ aufzufallen oder sie tun es anonym. Wir tun es vorerst auch. Wie in jedem Totalitarismus wächst die Spirale der Angst von unten nach oben, je höher die Stellung, desto größer die Angst sie zu verlieren.

Varlam_Shalamov-NKVD

Denn wie Warlam Schalamow (1907-1982) schrieb (linkes Bild), [3] erst im sowjetischen Arbeitslager war man wirklich frei, weil man nichts zu verlieren hatte. Schalamow hatte fast sein ganzes Leben in den sovjetischen Lagern verbracht und wenn er ab und zu freigelassen wurde, so sagte man ihm: „Pass auch, was Du sagt. Du bist nicht im Lager.“ Da er sich daran nicht hielt, so landete er wieder im Lager, wo er frei war. Er hatte aber, gerade durch seine Lagererfahrung, im Gegensatz zu den Menschen, die frei waren, wie es im Kommunismus möglich war, keine Angst. Vielleicht fürchtet sich Papst Franziskus auch seine Gönner im Hintergrund nicht zufrieden zu stellen, wer es auch sei?

Die Samisdat-Presse wurde natürlich auch anonym herausgegeben und höchst konspirativ noch dazu. Aber dank dieser Menschen konnte man etwas Wahres lesen und aufatmen. Wie es in einer polnischen Filmkomödie aus den 1980-gen heißt:

„Wir präsentieren Ihnen eine halbstündige Sendung mit dem Titel „Fünf Minuten der Wahrheit!“

„Ganze fünf Minuten“, sagt die Heldin, „so viel?“

Ja, so viel. Der Kommunismus ist zusammengebrochen, der Nachkonziliarismus und Franziskanismus wird es auch tun und die Wahrheit im Sinne der lebendigen Tradition wird unter anderem durch die Blogger übermittelt werden. Wir wollen einen bescheidenen Beitrag dazu leisten, welcher, so hoffen wir, auf unsere künftige Fegefeuerstrafe angerechnet sein wird. Seien wir also dankbar für das Internet, denn ansonsten müsste man mit häuslichen Mitteln Druckerpressen und Papier herstellen, um Auflagen von 100 Stück unter Gefängnisstrafe zu erzielen. Vielleicht wird uns ab und zu ein Bischof oder ein Priester lesen und ein wenig Mut zeigen? Der Vatikan schaut bei uns direkt oder verdeckt auch vorbei. Wo das nur hinführt? Seien wir getrost, Christus hat die Welt besiegt (Joh 16,33).

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Samisdat

[2] http://rorate-caeli.blogspot.com/2016/01/priests-living-in-fear-of-their-bishops.html

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Warlam_Tichonowitsch_Schalamow

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3 Gedanken zu “Katholische Blogs als Samisdat der nachkonziliaren Kirche

  1. Hat dies auf Kirchfahrter Archangelus – Unbotmäßige Ansichten eines randständigen, unbehausten „Christifidelium vagans“ rebloggt und kommentierte:
    Wahre Worte!
    Da der wohlbestallte Apparat des kirchesteuerfinanzierten DBK/“ZdK“-Mainstreamkatholizismus für den lieben Gott, Dogmen oder Glaubensfragen keine Zeit mehr hat, da er mittlerweile mit den „zeitgemäßen“ Themen Kommunion für zivil Wiederverheiratete, Homosexualität, Frauenpriestertum und Zölibat ausgelastet ist, nehmen sich notgedrungen Laien dieser Aufgaben an. Ob profund und professionell wie Gloria.tv oder katholisch.info oder eher notdürftig und behelfsmäßig wie mein Blog. Ob gesellschaftliche oder binnenkirchliche Entwicklung: Die „Vermassung“ wird gleichsam „von oben“(?) vorgegeben. Sei es der Massendemokratismus mit seinen „Werten“ (Homo-“Ehe“, Abtreibung etc.) als neue gesellschaftliche Zivilreligion oder die „Volk Gottes“-Demokratie mit Verwischung der Unterschiede zwischen allgemeinem und Weihepriestertum, Ökumene und interreligiöser Verschmelzung. Glauben wird, wenn überhaupt, nur als „Beitrag“ zur allgemeinen Toleranzgesellschaft geduldet. Gibt es bei den öffentlich-rechtlichen Medien in der Regel keine objektive Berichterstattung der Tatsachen mehr, sondern nur parteiische Diffamierung, so haben sich kirchliche Medien bereits willfährig dem UNO-Meanstream (Frauenrechte, Trinkwasserversorgung, Klimaschutz, „Migrationsströme“) inkorporiert. Aus Massenmedien wurden Agenturen der Volks(um)erziehung hin zur Mainstream-Meinung aller „Dazugehörigen“. Und wehe nicht: wer nicht permanent seine Zugehörigkeit postuliert, ist bereits latent verdächtig und „steht im Abseits“.
    Abweichende politische Auffassungen werden in unserer „Toleranz“-Gesellschaft nämlich schnell als „rechts“, „rassistisch“ oder „Hetze“, Kritik am 2. Vatikanum in der Kirche als „vorkonziliar“, „militant“ oder „rechtskonservativ“ gebrandmarkt. Diskurse gibt es anscheinend nur noch unter Gleichgesinnten, für alle Übrigen gilt: Keine Toleranz den Intoleranten!

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  2. Nicht im Bezug zur nachkonziliaren Kirche, dafür aber zum Thema „Internetpublizistik als neuer Samisdat“ passen die Worte von Gesinnungsjustizminister Maas im ZDF über sog. „Hassmails“ auf Facebook: „Es sollte sich jeder überlegen, bevor er sich an die Tastatur setzt…“
    (Die Tagespost, 21. Januar 2016, Nr 8, Seite 11). Überlegen, bevor (lies: ob) er über Internet oder soziale Medien seine Meinung äußert oder das lieber bleiben läßt. Nicht etwa: Überlegen, was er schreibt (den Satz könnte ich nur unterstreichen), sondern anscheinend das Schreiben lieber gleich bleiben lassen… Eine bemerkenswerte Aussage in einem Rechtsstaat, zartere Naturen mögen sich eingeschüchtert fühlen. Immerhin gehe es um Verrohung, zitiert die Tagespost aus dem ZDF-Interview des Ministers, dann erst kämen die Worte, dann die Taten wie die Anschläge auf Asylheime bewiesen. Eine kühne Schlußfolgerung: Liegt nicht die korrekte Gesinnung vor, folgt notwendig die innere Verrohung. Innerlich Verrohte rufen zwingend zu Mord und Totschlag auf und dann brennen Asyantenheime. Ergo muß bereits die Verbreitung der falschen Gesinnung unterbunden werden. Ein klassischer geistiger Kurzschluß. Facebook-Nutzer, welche „Hassmails“ (oder was heute als solche halt gelten) entdecken – von Herrn Minister „stille Beobachter“ genannt – sollten „die Klappe aufmachen“. Neben dem – im politischen Berlin anscheinend üblich werdenden – Gassenjargon fällt dabei auf, dass er die Bürger offen zur Denunzination aufruft. Wer im Netz mißliebige Meinungsäußerungen findet, soll diese wohl der Polizei oder Justiz mitteilen, die dann gegen „Hass & Hetze“ vorgeht. Deutschland im Jahre 2016.

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