Bischofsperlen: Bischof Oster „Priester müssen abgeben lernen“


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Hier kommt eine Bischofsperle der Kategorie Light, welche auf den ersten Blick nicht in unsere Kategorie hineinzugehören scheint. Sie stammt vom Bischof Oster von Passau, dem jungen nicht Wilden, sondern natürlich Konservativen. Interessanterweise haben alle Neu-Bischöfe in Deutschland den Ruf konservativ zu sein, dann aber treten sie entweder als nichtsagende Pauschalurteile-Verbreiter oder als Befürworter der Homo-Ehe oder ähnlichen modernen „Errungenschaften“ auf, welche nichts mit Christentum, Katholizismus oder Konservatismus zu tun haben. Die Bischofsernennung scheint daher zu resultieren, dass man (1) sich jahrelang als „Konservativer“ verstellt hat oder (2) aufgrund der eigentlichen unkatholischen Ansichten durch seine „Freunde“ in der Bischofskongregation hochgepusht wird. Der emeritierte Bischof Jan Paweł Lenga aus Kasachstan erzählt ein wenig, wie die Bischofernennungen vor sich gehen.[1] Bischof Oster ist vielleicht nicht die schlechteste Wahl, aber die Anpassung an den Zeitgeist macht auch nicht vor ihm Halt oder sagen wir es richtig, er passt sich an, um nicht aufzufallen. Wie wieder unsere Hauptquelle der Bischofsperlen, d.h. kath.net berichtet,[2] meint Bischof Oster von Passau, dass die Priester

nicht alles bei sich halten, sondern auch etwas abgeben können.

Nun, ja das ist natürlich schön und die Wiederholung der nachkonziliaren Aussagen, wonach

die Gemeinde der Zukunft wird Gemeinschaft von Gemeinschaften sein soll

und die Priester «noch mehr fähig sein, Gruppen zu animieren, zu begleiten, aber auch selbstständig ihren Weg gehen zu lassen» müssten.

Alls das ist wirklich alles andere als originell oder neu.

Ebenso der Ausspruch:

Sie [die Priester] müssten befähigt werden, «Menschen wachsen zu lassen in der Teilhabe am gemeinsamen Priestertum des Volkes Gottes».

ist althergebrachtes nachkonziliares und evident nicht funktionierendes Gerede. Es stellt sich aber allen die Frage: Was die Priester eigentlich noch mehr abgeben sollen, da sie aber wirklich, außer den Wandlungsworten selbst und selbst die werden in manchen Gemeinden „miteinander“ gesprochen, abgegeben haben.

  • Die Priester führen keinen Katechismusunterricht, weil es erstens veraltet ist und zweitens es „Religionsunterricht“ in der Schule gibt.
  • Die Priester führen keine Sakramentenkatechese, weil es dafür PastoralassitenInnen, Firmhelfer, Tischmütter etc. gibt.
  • Die Priester verteilen natürlich so gut es geht bei den Novus Ordo Messen wirklich alle liturgischen Funktionen.
  • Die Priester leiten keine Gemeindegruppen, weil es dafür auch Laien gibt.
  • Die Priester hören so gut wie keine Beichte, weil es keine Beichtwilligen gibt.
  • Die Priester leiten keine Mai- oder Rosenkranzandachten, weil die aufgrund der fehlenden Helfer ausfallen.
  • Die Priester führen kein Gebetsleben, weil sie dafür keine Zeit haben.

Was machen Sie eigentlich? Eine gute Frage. Beobachtet man den hoch angesehenen Pfarrer des Schreibers dieser Zeilen, so betreiben sie:

  • religiöse Touristik, d.h. mit der XY-Gruppe von A nach B fahren,
  • Vermietung von kirchlichen Räumen für verschiedene Zwecke,
  • stundenlanges Herumsitzen in verschiedenen Gremien.

Diese Tätigkeiten scheinen sehr erschöpfend zu sein, wonach man sich wieder durch neue Reisen erholen muss. Was hat das mit katholischem Priestertum zu tun? Gar nichts. Der Schreiber dieser Zeilen hat wirklich sehr wenige Priester in seinem Leben getroffen, welche tatsächlich über eine priesterliche Identität verfügten im Sinne „ich wirke an Christi statt“. In Deutschland ausschließlich innerhalb der Piusbruderschaft, in der Amtskirche niemals.

Wer ist ein Priester? Er ist jemand, der Christus seinen Leib zur Verfügung stellt, damit es Christus ist, der durch ihn:

  • weiht,
  • segnet,
  • wandelt
  • die Sünden losspricht
  • liest
  • verkündet etc.

Der Alte Ritus macht es liturgisch sehr deutlich, da im Vetus Ordo in der Hl. Messe die Epistel ab Sudiakonatsweihe, also der ersten Weihestufe aufwärts, gelesen werden kann. Alle Tätigkeiten am Altar sind eigentlich priesterliche Tätigkeiten und sogar die Ministranten brauchten historisch gesehen wenigstens die Niederen Weihen, um ministrieren zu dürfen. Aufgrund der Keuschheitsverpflichtung der Gottesdiener wurden beim Ministrieren junge Knaben bevorzugt, da sie noch rein sein konnten. Das Heilige durften nur Geweihte handhaben. Um überhaupt leere heilige Gefäße bei der Messe oder in der Sakristei anzufassen, brauchte man wenigstens die Weihe des Akolythen. Ein Sakristan, der diese nicht hatte, brauchte eine Sondererlaubnis des Bischofs, wie eindrucksvoll Martin Mosebach berichtet. Warum? Damit man das Heilige durch die nicht geweihten Hände nicht entheiligt und durch die eigene Sündhaftigkeit auch nicht. Sakramententheologisch und auch gnadentheologisch macht es einen Unterschied aus, ob ein Priester etwas tut oder ein Laie. Und deswegen haben die „Reformer“ den Laien das Presbyterium überlassen, damit es entheiligt wird und die Messe als solche weniger Gnade verströmt. Wer ist denn ein Priester? Eine Fensterscheibe, durch welche Gott durchscheint. Ein Ventilator, der die Luft umsetzt. Je reiner, desto besser. Kann ein Laie es nicht besser machen? Nein, weil ein Laie nicht geweiht ist und diese ontische, sakramentale Christusförmigkeit besitzt, um wirklich in persona Christi – wörtl. „in der Person Christi“ oder an Christi statt zu handeln. Persönliche Heiligkeit ist doch etwas anderes als ein Sakrament. Sowohl die Würde eines Priesters ist höher, als auch die Strafen, die auf ihn warten, wenn er ihr nicht gerecht wird. Zwei Seiten der Medaille eben. Deswegen werden in der Alten Liturgie die Hände des Bischofs oder des Abtes geküsst, weil Christus in der Liturgie durch diese Hände handelt. Wahrscheinlich erfordert es ebenso viel Demut zu küssen als auch diese Küsse anzunehmen.

Durch die sogenannte „Aufwertung des allgemeinen Priestertums“ gibt es keine Priesterberufungen mehr, denn wenn jeder das kann, dann ist es, psychologisch gesehen, nichts wert. Natürlich sehnen sich Menschen weiterhin nach Unterweisung und geistlicher Leitung und da sie diese nicht bei den Priestern finden, da diese „alles abgegeben haben“, so landen sie letztendlich bei einem esoterischen Guru, der endlich die Antworten hat, aber halt die falschen. Die katholischen Priester in Deutschland wissen es gar nicht, was wir hier schreiben. Bischof Oster weiß es auch nicht, sonst würde er so etwas nicht von sich geben. Die Seminare stehen leer, die Gemeinden werden zusammengelegt, immer weniger Menschen gehen zur Novus Ordo Messe, denn ein bisschen schunkeln im „Miteinander-Takt“ kann man auch im Fußballstadion und alles verödet. Es ist hier wichtig die Ursache nicht mit der Wirkung zu vertauschen. Denn zuerst erfolgte die Laizisierung der Liturgie und danach der Ausfall der Priesterberufungen. Nicht umgekehrt. Jetzt sagen natürlich die Fortschrittlichen, dass aufgrund des Priestermangels noch mehr priesterliche Aufgaben an die Laien verteilt werden sollte, siehe Bischof Oster, aber das ist gerade der falsche Weg. Dies führt zu noch weniger „Priester im Priester“ und zu noch weniger Berufungen. Die Kirche muss tatsächlich attraktiver gemacht werden, aber doch dadurch, dass sie geistlicher wird. Vetus Ordo eben. Die Kernkompetenz des Geistlichen ist das Geistliche. Wenn er dies nicht hat, so hat er gar nichts. Wenn nicht einmal die Bischöfe in Deutschland katholische Sicht der Priestertums haben, was sollen wir denn erwarten? Also beten wir am 25.12.2015 für unsere Bischofskonferenzen, sonst kommen wir alle nicht auf den grünen Zweig.

[1] https://gloria.tv/media/n589FYNV2qr

[2] http://www.kath.net/news/53341

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2 Gedanken zu “Bischofsperlen: Bischof Oster „Priester müssen abgeben lernen“

  1. Hat dies auf Kirchfahrter Archangelus rebloggt und kommentierte:
    Nun, ohne Polemik gilt es, völlig nüchtern betrachtet, festzustellen, dass die (sich selbst mit den wechselnden Attributen „modern“, „Liberal“ oder „linkskatholisch“ schmückende) apostatische „Fünfte Kolonne“ innerhalb der Kirche notwendigerweise eines „konträren Parts“ bedarf, um ein imaginäres binnenkirchliches „Politikspektrum“ mit konservativen, liberalen und linken Schattierungen vorzugaukeln. In seinem Werk „Der verwüstete Weinberg“ (2. A.) weist der katholische Philosoph Dietrich von Hildebrand (von Papst Pius XII. „Kirchenlehrer des 20. Jahrhunderts“ genannt) bereits 1973 (!) ausdrücklich auf eine „Fünfte Kolonne“ hin: „Ein vorurteilsloser Blick auf die gegenwärtige Verwüstung des Weinbergs des Herrn kann die Tatsache nicht übersehen, dass sich eine „Fünfte Kolonne“ in der Kirche gebildet hat (sie wird auch von manchen, sogar von kirchlicher Seite als Mafia bezeichnet), eine Gruppe zielbewusster Zerstörer der Kirche. Wir wiesen ja darauf schon in früheren Werken hin. Die Tatsache, dass Priester, Theologen, Bischöfe, die den Glauben verloren haben, nicht aus der Kirche austreten, sondern in ihr verbleiben – ja sich als Retter der Kirche in der modernen Welt aufspielen – ist ein bedenkliches Symptom“ (a.a.O., Seite 11).

    Den wahren Wildwuchs an gängigen Fremd- und Eigenbeschreibungen innerhalb der Kirche wie „liberal“, „konservativ“ (oder was auch immer) entlarvt er in seinem lesenswerten Buch „Das trojanische Pferd in der Stadt Gottes“ als bloße Spiegelfechterei. Es sind falsche Alternativen, die als scheinbar gleichberechtigt innerhalb des Spektrums gelten, allein die Wahrheit müsse der Maßstab sein, nicht sentimentales Hängen am Althergebrachten oder neuerungssüchtige Entdeckungslust, sonst werde eine rein temperamentmäßige Anlage zu einer Art Pseudogesinnung. Demgegenüber stellt er klar heraus, was er als den einzig katholischen Standpunkt ansieht: „(..) das unverrückbare Festhalten an der geoffenbarten Wahrheit, der Glaube an die Gottheit Christi und das unfehlbare Lehramt der Kirche (ist) gleichbedeutend mit Katholisch-sein. Ebenso ist jeder, der dies nicht tut, nicht ein fortschrittlicher, sondern kein [hervorgehoben im Original] Katholik mehr. Dieser Tatbestand wird aber (zugunsten eines als „Fortschritt“ maskierten Abfalls vom Glauben) dadurch verschleiert, dass man mithilfe der Etiketten „konservativ“ ↔ “progressiv“ die Gläubigen zwingt, sich angesichts einer falschen Alternative zu entscheiden: entweder sollen sie jede Erneuerung ablehnen (…) – oder sie sollen dem „Wechsel“, den „Fortschritt“ im Sinne der „liberalen“ Progressisten mitmachen, was in Wirklichkeit das Aufgeben des katholischen Glaubens bedeutet“ (v. Hildebrand, a.a.O., S. 23f.).

    Realiter haben wir es also eher mit Progressisten „konservativer“, „liberaler“ oder auch gern einmal „linker“ Schattierung zu tun, je nach Temperament – aber halt nur nicht mit Katholiken. Demzufolge kann von diesen auch keine katholische Stellungnahme kommen, sondern lediglich das altbekannte lauwarme, bis zum Überdruß gehörte „Alle-zusammen-und- gemeinsam-miteinander-im-Pulk-ohne-jemanden-auszugrenzen“-Moderatorengewäsch. Im feindlich besetzten Binnenraum der Kirche haben katholische Priesteramtskandidaten keine Chance, von derartigen „Hirten“ berufen zu werden – frag‘ nachbei der Priesterbruderschaft St. Petrus…
    Priester, die wie Priester reden und auch so aussehen, habe ich (zumindest im Rhein-Main-Gebiet) ausschließlich in der Priesterbruderschaft St. Pius X. in der St. Athanasiuskapelle in Hattersheim bei Frankfurt a.M. angetroffen.

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